STAMMTAFEL LEXIKON DESMITTELALTERS Band IX Anhang
EUROPÄISCHE STAMMTAFELN NEUE FOLGE BAND I.1 Tafel 150-173
Stammtafel Anhang Stefan Pätzold
'Die
frühen
Wettiner'
Lexikon des Mittelalters: Band IX
Spalte 50
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Wettiner
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Nach der Burg Wettin bei Halle (Saale) benanntes Geschlecht
(Meißen,
Markgrafschaft; Sachsen, IV).
Seine eindeutig überlieferte Geschichte beginnt mit Graf Dietrich (Dedi), der als ein 'egregiae libertatis vir' 982 im
Heer Kaiser OTTOS II. in Kalabrien den Tod
fand.
Von ihm führt eine in logischer Beweisführung erschlossene
Abstammung bis zu einem 822 genannten Grafen
Rikbert, dessen Sohn Rikdag im Ostfalengau und im
Liesgau nördlich von Göttingen begütert war (Eckhardt,
1963).
Ein anderer Erklärungsversuch bindet die WETTINER an den Sohn des Herzogs Burchard I. von Schwaben an, Burchard II., der 926 nach
Sachsen gebracht worden sei, wo er in eine im Liesgau ansässige
Familie eingeheiratet habe und somit zum Vater des 982 gefallenen Dietrich-Dedi geworden sei
(Wenskus, 1976). Diese Vermutung hat die Feststellung des
Sachsenspiegels für sich, die WETTINER
seien Schwaben gewesen. Gänzlich abzulehnen ist die im
späteren 19. Jh. aufgestellte Ahnenlinie, die einen 807 und 814
genannten 'comes stabuli' Burkhard und dessen vier
gleichnamige Nachfolger als Vorfahren des 982 gefallenen Dietrich behauptet, wobei sie
den frei erfundenen Geschlechtsnamen der angeblichen BUCCONEN als Bindeglied
einbaut.
Nach alledem kann die Herkunft der WETTINER
aus dem Liesgau und Harzgau als sicher gelten, von wo aus sie im Zuge
der deutschen Ostbewegung (Ostsiedlung) die Saale überschritten.
Bis zur Jahrtausendwende verschob sich ihr Herrschaftsraum vom Harzgau
zum Hosgau am Westufer der Saale unterhalb von Halle, wo die Burg
Wettin zum neuen Stammsitz ausgebaut wurde. Gleichzeitig wurde nach
Osten ausgreifend Eilenburg an
der Mulde als Allodialbesitz erworben, um 1030 kam die Belehnung mit
der Ostmark, der späteren Nieder-Lausitz (Lausitz),
hinzu. Um die Mitte des 11. Jh. wurde die Herrschaft saaleaufwärts
erweitert, wo Camburg
gewonnen wurde.
Noch vor 1100 begannen sich die WETTINER
nach ihrem Stammsitz zu nennen. Sie hatten damals im südlichen
slavischen Markengebiet an der Ostgrenze des Reiches eine
vorherrschende Stellung erlangt, woraus sich die Belehnung des wettinischen Grafen Heinrich I. von Eilenburg (58. H.)
mit der Markgrafschaft Meißen
1089 durch Kaiser HEINRICH IV. ergab.
Der Vetter Konrad (15. K.)
festigte seit 1123 die Macht seines Hauses unter anderem dadurch,
daß er das Erbe des Hauses
GROITZSCH an sich
brachte. Er gilt als der eigentliche
Begründer der wettinischen Markgrafschaft Meißen. Die
von ihm veranlaßte Länderteilung unter seine fünf
Söhne führte zwar zur dauerhaften Entfremdung alten wettinischen Besitzes, doch
gelangten zwei Erbteile durch Heimfall wieder an die Hauptlinie, die
unter Markgraf Otto (1156-1190) mit der
bäuerlichen Kolonisation, der Entstehung des Städtewesens und
dem bedeutenden Freiberger Bergbau (Freiberg) eine Blütezeit
erlebte.
Als sein Sohn Albrecht (15. A.)
1195 ohne Lehnserben starb, zog Kaiser
HEINRICH VI. die Mark
Meißen an das Reich, ohne die Rechte des Bruders Dietrich des Bedrängten (6. D.)
zu beachten. Der rasche Tod des Kaisers machte aber den Weg frei zum
erneuten Aufstieg der WETTINER
unter Dietrich, der den
Ausbau der Macht mit straffer Hand vorantrieb.
Sein Sohn Heinrich d. Erlauchte
(60. H.) scheiterte zwar mit der Absicht, aus der Nieder-Lausitz
heraus östlich an Berlin vorbei in den noch
herrschaftsfreien Raum vorzustoßen, war aber mit dem Bemühen
erfolgreich, sich nach rückwärts in das alte westsaalische
Reichsgebiet zu wenden, wo er 1247/64 die Landgrafschaft Thüringen erbte
und 1254 das Reichs-Territorium
Pleißenland pfandweise an sein Haus brachte. Nach seinem
Tode 1288 verspielte sein mißratener Sohn Albrecht der Entartete (20. A.)
fast die gesamte Aufbauleistung seiner Vorfahren, zumal die
Reichsgewalt unter den Königen
RUDOLF und ADOLF die wettinische Macht mit dem
erneuten Versuch bedrängte, in Mittel-Deutschland ein
Reichs-Territorium aufzubauen.
Erst seit der für die WETTINER
siegreichen Schlacht von Lucka 1307 konnte Markgraf Friedrich I. der Freidige (15. F.) zielstrebig
und letztlich erfolgreich die wettinische
Stellung in Meißen und Thüringen festigen und ausbauen. Er
und seine drei gleichnamigen
Nachfolger haben bis zum Beginn des 15. Jh. jede sich bietende
Gelegenheit genutzt, um durch Heiratspolitik, Kauf oder Waffengewalt
ihren Territorialbesitz zu vergrößern, sie haben sich dabei
aber stets auf den mitteldeutschen Raum beschränkt. Eine
geschickte Politik gegenüber der Reichsgewalt sicherte ihnen unter
Kaiser LUDWIG DEM BAYERN die
endgültige Erwerbung des
Pleißenlandes und schirmte die Markgrafschaft
Meißen gegen die gefährliche Nachbarschaft Kaiser KARLS IV. in Böhmen ab.
Zweimal stand ein WETTINER
an der Schwelle zum Königtum.:
1269 wurde dem jungen Friedrich
dem Freidigen die
italienische Krone angetragen, 1348 seinem Sohn Friedrich II. (16. F.) die
Nachfolge seines Schwieger-Vaters LUDWIGS
DES BAYERN angeboten.
In der thüringischen Grafenfehde wurde die wettinische
Botmäßigkeit über die kleineren reichsunmittelbaren
Herrschaftsinhaber durchgesetzt, im meißn. Raum wurden
reichsministerial. Herrschaften und Reichsburggft.en einverleibt. Die
Verdichtung territorialfsl. Herrschaft lief in dieser Zeit in
mustergültiger Weise ab, wobei mit der quantitativen Erweiterung
die qualitative Steigerung von Herrschaft in Richtung auf künftige
Staatlichkeit einherging. Der Ausbau der Zentralverwaltung erreichte
schon in der 2. Hälfte des 14. Jh. einen hohen Stand, die Vogteien
wurden als Organe der Lokalverwaltung zu Amtsbezirken weiterentwickelt,
die Geldwirtschaft erlangte mit Bede und Steuer im 14. Jh. immer
größere Bedeutung, in Spannung und Partnerschaft mit den
Landständen (Stände) wuchs das wettinische Territorium bis
zum Beginn des 15. Jh. zur mächtigsten politischen Kraft im
mitteldeutschen Raum heran. Die Chemnitzer Teilung von 1382 wirkte sich
infolge des Aussterbens der zwei Nebenlinien nicht dauerhaft aus.
Als 1422 die sachsen-wittenbergische
Linie der ASKANIER ausstarb,
übertrug Kaiser SIEGMUND 1423 dem meißnischen Markgrafen Friedrich IV. mit dem
heimgefallenen Herzogtum
Sachsen-Wittenberg die Kurwürde (Kurfürsten), womit
das Haus WETTIN den seiner
tatsächlichen Macht angemessenen Rang in der Reichsverfassung
erhielt. Seitdem bürgerte sich die Bezeichnung als
»Kurfürstentum Sachsen« für den gesamten wettinischen Besitz in
Mittel-Deutschland ein. Auch als Kurfürsten setzten die WETTINER
ihre erfolgreiche Territorial-Politik fort, erwarben böhmische Gebiete, das Vogtland und die Vogtei über Quedlinburg und
regelten im Vertrag von Eger 1459 grundlegend das Verhältnis zu
Böhmen.
Im Wettbewerb mit den HOHENZOLLERN
konnte 1476 ein WETTINER
auf den Magdeburger Erzstuhl
(Magdeburg, Erzbistum) gebracht werden, doch folgte ihm 1513 der HOHENZOLLER Albrecht. Bei stets guten
Beziehungen zur Kurie brachten die Kurfürsten eine frühe Form
von landesherrlichem Kirchenregiment zustande, indem sie sich im 15.
Jh. weitgehende Besetzungsrechte im Bistum Meißen verbriefen
ließen und die Reform von Klöstern in ihre Hände
nahmen.
Nach der Mitte des 15. Jh. können die WETTINER
als das nächst den HABSBURGERN
bedeutendste deutsche
Fürsten-Haus bezeichnet werden, wobei Herzog Albrecht (18. A.) im Dienst
von Kaiser und Reich gegen Ungarn und Burgund kämpfte und dabei
die reichen Mittel seines sächsischen Landes einsetzte. Gerade
damals aber kam es zur folgenschwersten Fehlleistung in der Geschichte
des Hauses WETTIN, als Kurfürst Ernst (6. E.) 1485 das zu
einem weitgehend geschlossenen Flächenstaat herangewachsene
Kurfürstentum mit seinem Bruder Albrecht gegen dessen Willen
teilte (Leipziger Teilung). Da weder die Ernestiner noch die Albertiner ausstarben,
verursachte die Totteilung von 1485 eine empfindliche Schwächung
der wettinischen
Stellung im Reich. Damit war die geschichtliche Aufgabe des Hauses WETTIN verspielt, dem
mitteldeutschen Raum eine einheitliche politische Ordnung zu geben.
Literatur:
-----------
K. A. Eckhardt, Genealog. Funde zur allg. Gesch.
Germanenrechte
NF, Deutschrechtl. Archiv H. 9, 1963 [darin: Die Herkunft der W.,
64-90]
- Patze-Schlesinger-R. Wenskus, Sächs. Stammesadel und frk.
Reichadel,
AAG, Phil.-Hist. Kl., 3. F., Nr.93, 1976, 331-334 - H. Blaschke, Gesch.
Sachsens im MA, 1990 - Ders., Der Fs.enzug zu Dresden, 1991 - O. Posse,
Die W. Genealogie des Gesamthauses Wettin, erg. v. M. Korbuch, 1994 -
S.
Pätzold, Die frühen W. Die Anfänge einer Adelsfamilie im
sächs. Markengebiet bis zum Jahr 1221 [Diss. Göttingen 1996].
Wettiner
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Deutsches Herrscher-Geschlecht, dessen Stammburg
über
der
gleichnamigen Stadt an der Saale lag.
Als Ahnherr gilt Markgraf Bucco
(† 908) der Sorbischen
Mark. Er fiel im Kampf gegen die Ungarn.
Sein
Enkel Dedi († 982) war
Graf des Hassegaues zwischen
Saale
und Unstrut; seine Nachkommen konnten den Hausbesitz beträchtlich
vergrößern und Dedi
II. († 1075) erhielt
1046 die thüringische
Mark; sein Bruder Thimo († um 1091)
erhielt Burg und Grafschaft
Wettin bei Halle an der Saale.
Thimos
Sohn Konrad I. († 1157)
erhielt die Mark Meißen
und legte damit den Grundstein für
die landesfürstliche Stellung des Hauses
WETTIN.
1423 erhielten die WETTINER das
Herzogtum
Sachsen-Wittenberg und die Kurwürde.
1485 erfolgte die Teilung
in die Albertinische
(Markgrafschaft Meißen und das nördliche
Thüringen) und in die Ernestinische
Linie
(Kursachsen, ein
Teil Thüringens und das Vogtland).
1547 kam die Kurwürde mit den
kurfürstlichen
Besitzungen an die Albertiner,
die 1806 auch die sächsische
Königswürde erhielten.
Der letzte WETTINER
auf dem sächsischen
Königsthron war Friedrich
August; er dankte 1918 ab.
Aus der Ernestinischen Linie stammen die
Großherzoge
von Sachsen-Weimar-Eisenach (seit 1815), die Herzoge von
Sachsen-Meiningen
(seit 1826), von Sachsen-Altenburg (seit 1826) und von
Sachsen-Coburg-Gotha
(seit 1826).
Schwarz Hilmar:
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"Die Wettiner"
Der Stammvater der WETTINER
tritt in der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts ins Licht der Quellen.
Er hieß
Thiedericus (Dietrich I.). Manchen Deutungen zufolge
soll er im Dienste Kaiser
OTTOS II. 982
in Süd-Italien gefallen sein. Über seine Vorfahren gibt es
keine gesicherten
Überlieferungen. Mehrere Herleitungen sind aus den verstreuten
Nachrichten
versucht worden.
Zum 1. wurde seine Herkunft vom Stamm der
"Buzizi"
zum Anlaß genommen, ihn "von den BURCHARDEN" abstammen zu
lassen und seine Ahnenreihe über einige BURCHARDE
bis auf einen
Marschall
KARLS DES GROSSEN zurückzuverfolgen.
Zum 2. existiert eine wohl fundierte Absicht,
wonach sein Vater ein Harzgaugraf Volkmar
war, der dominierende Geschlechtsname "Friedrich" lautete und die
Familie bis auf cheruskische Wurzeln im 9. Jahrhundert
zurückgeführt
wird.
Und zum 3. wird eine Abstammungslinie zum schwäbischen
Herzog Burkhard I.
gezogen.
Einige Anzeichen sprechen für eine
schwäbische
Abstammung. Der Verfasser des Sachsenspiegels - zwischen 1220 und 1235
entstanden - ordnete die WETTINER den
Schwaben zu. Außerdem hielten sich die WETTINER
an die schwäbische Erbfolge, die weibliche Familien-Mitglieder
ausschloß.
Nach ältesten Zeugnissen hatten sich die WETTINER
im Hosgau oder Hassegau (Gau der angesiedelten Hessen) niedergelassen,
der sich im Flußbogen von Saale und Unstrut erstreckte. Der
nordwestlich
angrenzende Distrikt, am Ostrand des Harzes, hieß der
"Schwabengau".
Trillmich Werner: Seite 78
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"
Güter und Grafschaften der WETTINER
[Die WETTINER
("BUKKONEN") waren schwäbischen
Rechts (Töchter waren erbrechtlich benachteiligt); Grafschaften
im südlichen Schwaben- und Hochseegau, Neletizi, Siusili,
Zitizi,
Inhaber
des Burgwards Zörbig.
997 Erben Bios von Merseburg, 1014 von Rikdags
Sohn Karl.
Rikdag (Sippe der Harzgaugrafen)
war Graf im Schwaben- und
Nordthüringgau, Vogt von
Magdeburg,
wohl 981 Markgraf von Zeitz, in Meißen nach dem Tode
Thietmars von der Ostmark oder Günthers von Merseburg. -
Patricius
Dedi = Adjutant OTTOS III. im Herzogsrang.],
die sich nach einer Burg rechts der Saale benennen, lagen zwischen
Halle,
Eisleben und der Wipper im Hochsee- und Schwabengau sowie im
Sorbenlande,
im Burgward Eilenburg sogar jenseits der Mulde. Dazu kamen 1014
durch Erbschaft die Allodien Rikdags
um dessen Familien-Kloster Gerbstedt.
Als Markgraf hatte er 979/82-985 Meißen, Zeitz und
Merseburg verwaltet. Als kriegerische Grenzwächter, gewandt,
rücksichtslos
in Gütererwerb und Politik, arbeiteten sich die
WETTINER
im frühen 11. Jahrhundert empor.
Dedi, der Schwieger-Sohn Dietrichs
von der Nordmark, besaß als Patricius das Vertrauen OTTOS
III. Als er 1009 gewaltsam für die Familie seiner Frau
eintrat, hat ihn Werner von
Walbeck erschlagen. Der Sohn Dietrich heiratete
eine EKKEHARDINERIN. Ihm
sollte endlich der Aufstieg zum Markgrafen
gelingen.
Albert Herzog zu Sachsen:
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"Die Wettiner in Lebensbildern"
Wohl eines der bedeutendsten deutschen und
europäischen
Fürsten-Häuser überhaupt stellen die WETTINER dar. Ihre
geschichtliche
Entwicklung vom Mittelalter bis in die Gegenwart ist für die
Identitätsfindung
nach mehreren Generationen brauner und roter Diktatur von
weitreichendem
Stellenwert. Gleichzeitig besitzt das Haus
WETTIN auch
für die gegenwärtig
aktuellen Probleme große Möglichkeiten für Initiativen
insofern, als aus seiner Geschichte wichtige Lehren und durchaus
nachahmenswerte
Beispiele für die Gegenwart gezogen werden können.
Die Anfänge des Hauses Wettin
Am 1. Februar 1089 wurde in der Reichsstadt Regensburg der WETTINER Markgraf Heinrich von Eilenburg durch Kaiser HEINRICH IV. mit der Mark Meißen belehnt. Damit war nicht nur die Grundlage für die weitere Entwicklung der wettinischen Dynastie, sondern auch des sächsischen Staates insgesamt geschaffen.
Die WETTINER waren ursprünglich im niedersächsischen Raum, genauer gesagt im Harzgau beheimatet, wo als Ahne Dietrichs oder Dedis Graf Volkmar in Quellen aufscheint. Dieser empfing gemeinsam mit seinem Bruder Rikbert vier Orte im slawischen Gebiet an der Fuhne im Gau Serimunt aus der Hand Kaiser OTTOS DES GROSSEN. Volkmar starb noch vor 961; sein Vater war Friedrich II. Graf im Harzgau, dessen Spuren wir 937 und 945 in den Quellenberichten vorfinden. Dessen Vater Friedrich I. war ebenfalls im Harzgau zu Hause und trug bereits den bezeichnenden Titel "Graf im Harzgau". Er vermählte sich mit einer Frau namens Bia. Friedrich II. schenkte seiner Mutter Bia am 12. Oktober 937 einen Besitz im Schwabengau, der sich östlich von Quedlinburg bis zur Saale erstreckte. Dort war er offenbar reich begütert. Der erwähnte Gau Serimunt schloß sich unmittelbar an den Schwabengau östlich der Saale im Raum von Nienburg an. Damit ist erwiesen, daß die WETTINER aus dem heutigen Bundesland Niedersachsen stammten und als treue Anhänger des Ottonischen Kaiser-Hauses im Zug der mittelalterlichen Ostkolonisation während des 10. Jahrhunderts in das eroberte Sorbenland zwischen Saale und Elbe einwanderten.
Im Hochmittelalter besaß das Haus WETTIN als Eigentümer der Burgwarte Wettin, Löbejan und Brehna erhebliche politische Bedeutung. Bereits vor Heinrich von Eilenburg hatte dieses fürstliche Geschlecht, das von einigen Forschern auf die fränkischen MEROWINGER zurückgeführt wird, mit Dedi und Dietrich von Buzizi zwei urkundlich wichtige Vertreter. Deren gleichnamige Burg befand sich an der Einmündung der Bode in die Saale im südlichen Harzvorland und ist wahrscheinlich in der Gegend von Grimschleben zu suchen.
Dedi vererbte diese Burgwarte seinem Sohn Dietrich II., der nach dem Tod seines Onkels Friedrich zusätzlich Eilenburg und die Grafschaft im Susaligau erhielt. 1033 wurde Dietrich auch noch Markgraf der Lausitz. Ihm folgte ein Jahr später in diesem Amt und den übrigen Besitzungen mit Ausnahme von Wettin und Brehna sein ältester Sohn Dedi II. Dagegen erhielten die jüngeren Söhne Thimo und Gero die in unmittelbarer Nähe der Saale gelegene Burgwarte Wettin und Brehna. Dedi selbst verlor allerdings vorübergehend die Lausitz, doch konnte dessen Sohn dieses Gebiet von Kaiser HEINRICH IV. wieder zurückerhalten.
Bis in die Gegenwart erinnern die Burg Wettin bei Halle an der Saale und das Stamm-Kloster am Petersberg mit der ältesten Begräbnisstätte der WETTINER an die frühe Geschichte dieses Fürsten-Geschlechts. Ähnliches gilt auch für die Albrechtsburg und den Dom zu Meißen.
Wichtig ist, daß bereits 929 durch König HEINRICH I. eine Wehranlage auf dem Meißner Burgberg errichtet wurde. Diese bildete nicht nur den Ausgangspunkt der deutschen Herrschaft in diesem Bereich, sondern auch der Christianisierung im mittleren Elbe-Gebiet. Bezeichnend ist, daß 961 hier bereits ein katholisches Bistum gegründet wurde. Noch heute erinnert uns der zweite Name des katholischen Bistums Dresden-Meißen an diese wichtige mittelalterliche Gründung.
Fortan diente der Meißner Burgberg als östlicher Vorposten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation an der militärisch noch keineswegs gesicherten Elb-Linie gegen die im Osten lebenden Slawen. 1048 begegnet uns erstmals der Ausdruck "Marchia Misnensis", das heißt Markgrafschaft oder Mark Meißen. Daraus kann geschlossen werden, daß der Markgraf seinen Sitz in der Meißner Albrechtsburg hatte. Trotzdem galt diese mächtige Anlage auf einem Felsen oberhalb der Elbe als Reichsburg und beherbergte einen königlichen Befehlshaber, dessen Aufgabe der Markgraf im Namen des Reiches zu erfüllen hatte. Dieser war aber nicht nur zuständig als militärischer Befehlshaber, sondern förderte auch die Ansiedlung deutscher Bauern, die aus allen Regionen Deutschlands einwanderten.
Bezeichnend ist, daß die späteren wettinischen Herzöge und Kurfürsten bis zur Einführung der Reformation im Albertinischen Sachsen 1539 ihre Anhänglichkeit an Meißen dadurch bewiesen, daß sie den Fürstenchor des Domes zu ihrer Begräbnisstätte wählten. Auch der Löwe als Meißner Wappentier erinnert in allen ehemaligen wettinischen Territorien Sachsens, Thüringens, Sachsen-Anhalts und Nordbayerns an die große Bedeutung Meißens als Wiege des sächsischen Staates und der wettinischen Hausmacht.
Konrad der Große von Wettin, Markgraf von Meißen (1098-1157)
Einer der bedeutendsten Vertreter der
mittelalterlichen
WETTINER war Konrad der Große, der
nach dem Tod Heinrichs von
Eilenburg
sich als Parteigänger Lothars
von Supplinburgs in den Besitz der Markgrafschaft
Meißen setzte. Zuvor befolgte er eine enge Zusammenarbeit mit den
aus Schwaben stammenden STAUFERN.
Nur auf dieser Basis ist es zu verstehen,
daß die WETTINER
ihre Macht im sächsisch-mitteldeutschen Raum
begründen und bewahren konnten. Durch seine Heirat mit Luitgard von
Schwaben wurde die Verbindung mit den HOHENSTAUFEN auch nach
außen
dokumentiert.
Als Begründer der wettinischen Macht in
Mittel-Deutschland
wurde Konrad der Große
1130 Markgraf von Meißen.
Dazu kamen
1136 die Lausitz und 1144 das Milzner Land. Durch die Erwerbung
des Gaues
Zwickau in der Mark Zeitz und Groitzsch
in der Mark Merseburg als Erbe
Wiprechts von Groitzsch
vereinigte er diese beiden Marken mit der Mark
Meißen, obwohl große Lehensträger, wie die Burggrafen
von Meißen, Leisnig, Altenburg und Dohna unmittelbare Vasallen
des
Reiches blieben und nur der Amtsgewalt des Markgrafen unterstanden.
Entsprechend seinem engen und vertrauensvollen Verhältnis zu Lothar von Supplinburg und dessen staufischen Nachfolgern nahm Konrad wirksamen Anteil an der Politik des Reiches. So begleitete er LOTHAR auf seinem zweiten italienischen Zug 1136/37, sowie dessen Nachfolger KONRAD III. VON HOHENSTAUFEN 1146 im Krieg gegen Polen. 1147 führte der Markgraf gemeinsam mit König KONRAD einen großen Kreuzzug gegen die Ostsee-Wenden, womit deren Unterwerfung unter deutsche Oberhoheit eingeleitet werden konnte. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, daß in seiner unmittelbaren Nachbarschaft Albrecht der Bär als Markgraf der Nordmark Brandenburg besetzte und damit die Herrschaft der ASKANIER in der Mark Brandenburg begründete. Albrecht der Bär wurde auch als Gründer Berlins bekannt. Noch heute erinnert der Berliner Bär im Wappen an diesen bedeutsamen mittelalterlichen Herrscher.
Auf Grund seiner Eroberungspolitik
sicherte Konrad der
Große seinen Besitzstand in Mittel-Deutschland und
verfügte ohne
Zustimmung Kaiser BARBAROSSAS die Aufteilung
seiner Reichslehen und Besitzungen
unter seine fünf Söhne.
So übernahm Otto der
Reiche (1125-1190)
Meißen,
Dietrich die Niederlausitz mit Eilenburg,
Dedo Groitzsch
und Rochlitz,
Heinrich Wettin und
Friedrich Brehna.
1158 gab FRIEDRICH
I. das Milzener Land an Wratislaw
von Böhmen.
Nach dieser Aufteilung trat Konrad der Große als
Mönch in das Wettiner
Haus-Kloster auf dem Petersberg bei Halle ein.
Dort ereilte ihn auch am 15. Oktober 1157 der Tod. Noch heute kann sein
Grabmal in der Stiftskirche am Petersberg bewundert werden.
Von seinen Söhnen wurde Otto der Reiche durch die
Erwerbung von Weißenfels,
die Förderung des Silberbergbaues
bei Freiberg (1180 gegründet) und die Verleihung einer
selbständigen
Stadtverfassung für die Messestadt Leipzig bedeutungsvoll. Damit
legte
Otto den Grundstein
für eine beispielgebende Entwicklung des
sächsisch-mitteldeutschen
Raumes in den folgenden Jahrhunderten.
Auch als Gründer
des Zisterzienser-Klosters Altzella
bei Nossen machte er sich einen Namen insofern, als die Zisterzienser
in
der Geschichte Sachsens bis zur Reformation eine bedeutende Rolle
spielten.
Dies gilt auch für die noch heute bestehenden
Zisterzienserinnen-Klöster
St. Marienthal an der Lausitzer Neiße (1234 gegründet) und
St.
Marienstern bei Kamenz (1248 gegründet).
Bezeichnend ist weiterhin, daß Otto und seine Nachfolger
sich Altzella als Grabstätte wählten, wovon heute noch
Zeugnisse
vorhanden sind.
Adolf von Nassau und das Haus Wettin
Der um 1250 geborene Graf Adolf von Nassau verdankte seine Wahl zum deutschen König der Tatsache, daß die Kurfürsten nach dem Tode RUDOLFS VON HABSBURG einen wirtschaftlich und politisch schwachen Kandidaten küren wollten. Für seine Beziehungen zu den WETTINERN erhielt er deswegen Bedeutung, weil er im heutigen mitteldeutschen Raum eine Hausmacht als materielle Grundlage für sein Königtum anstrebte. Dafür boten sich Thüringen und die Mark Meißen an, wo bereits RUDOLF VON HABSBURG einen ähnlichen Plan verfolgt hatte. In diesen beiden Territorien kollidierten aber die Interessen des deutschen Königs mit denen des Erzbischofs von Mainz und des Königtums Böhmen. Da der wettinische Markgraf Tuta von Meißen ohne männliche Erben verstarb, zog ADOLF VON NASSAU die Mark Meißen und das Osterland - das Gebiet um die heutige Messestadt Leipzig - als erledigte Reichslehen ein. Dem völlig verschuldeten thüringischen Landgrafen Albrecht dem Entarteten aus dem Hause WETTIN kaufte er 1293 die Landgrafschaft Thüringen für 11.000 oder 12.000 Mark Silber ab. Gegen dessen Söhne Friedrich den Freidigen und Diezmann suchte König ADOLF seine Neuerwerbungen in zwei kriegerischen Feldzügen zu sichern. Noch 1295 gebot er auf einem Hoftag in Mühlhausen/Thüringen einen ewigen Landfrieden für die genannten wettinischen Territorien und setzte sogar königliche Landfriedensbeamte ein. Kurze Zeit darauf verließ er jedoch Thüringen und setzte in diesem Land seinen Vetter Graf Heinrich von Nassau ein. Dieser vertrat ihn auch in der Mark Meißen und im Osterland. Doch blieb dieses Interesse des Hauses NASSAU ein Intermezzo, zumal sich nach ADOLFS Tod 1298 die WETTINER in diesen Bereichen wieder voll durchsetzen konnten.
Die Belehnung der Wettiner mit dem Kurfürstentum Sachsen-Wittenberg
1423 wurde Markgraf Friedrich der Streitbare von Meißen durch Kaiser SIGISMUND aus dem Hause LUXEMBURG nach dem Aussterben der im Kurfürstentum Wittenberg regierenden ASKANIER mit dieser Kurwürde belehnt. Am 1. August empfing Friedrich in Ofen - heute Budapest/Ungarn - durch den Kaiser die Insignien als neuer Kurfürst von Sachsen-Wittenberg. Dieses Amt war mit der Würde eines Erzmarschalls des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation verbunden. Noch heute erinnern die Kurschwerter als Markenzeichen der weltberühmten Meißner Porzellanmanufaktur an dieses ehrenvolle Amt. Mit der Übertragung der Kurwürde an die WETTINER trat Friedrich der Streitbare auf Grund der Goldenen Bulle Kaiser KARLS IV., des Vaters von Kaiser SIGISMUNDS - in jenes Wahlkollegium ein, das seit 1365 die Wahl der deutschen Könige bzw. Kaiser zu vollziehen hatte.
Die Teilung 1485
Im Jahre 1485 trennten sich die beiden bisher gemeinsam regierenden WETTINER in zwei noch heute bestehende Hauptlinien. Damit standen auf der einen Seite die Ernestiner mit dem Kurfürsten Ernst (gestorben 1486) als Familienoberhaupt und auf der anderen Seite die Albertiner unter seinem jüngeren Bruder Herzog Albrecht dem Beherzten (gestorben 1500). Entsprechend dem Leipziger Teilungsvertrag von 1485 erhielt Ernst den Kurkreis Wittenberg und den südlichen Teil der Landgrafschaft Thüringen, während Albrecht vorzugsweise Nord-Thüringen und die Markgrafschaft Meißen als Herzogtum zugesprochen bekam.
Die Ernestinischen Wettiner
Bezeichnend erscheint, daß die nach Kurfürst Ernst benannten Ernestiner sich im weiteren Verlauf in ihrer historischen Entwicklung in zahlreiche kleinere Linien spalteten. Von diesen blieben bis zum Zusammenbruch der Monarchien in Deutschland 1918 das
Großherzogrum
Sachsen-Weimar-Eisenach,
das Herzogtum Sachsen-Meiningen-Hildburghausen,
das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha,
sowie das Herzogtum Sachsen-Altenburg
bestehen. Von Interesse ist weiter, daß
durch die
Heiratspolitik der Linie Sachsen-Coburg und Gotha im 19. Jahrhundert
das
Haus WETTIN insgesamt Weltgeltung
erlangte. Noch heute regieren in Belgien
und Großbritannien Vertreter des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha.
Daher kann auch die gegenwärtig regierende englische Königin
Elisabeth diesem
Fürsten-Haus zugerechnet werden.
Diese Ernestinische Linie regierte zusätzlich
auch
in Bulgarien, Portugal und Brasilien. Sie besaß zudem enge
dynastische
Verbindungen mit Schweden, Dänemark, Norwegen und Rußland.
Interessant
ist, daß der ehemalige Zar
Simeon von Bulgarien seit
2001 auf Grund
eines überwältigenden Wahlsieges das Amt des bulgarischen
Minister-Präsidenten
bekleidet.
Die Albertinischen Wettiner
Die Albertinischen WETTINER führten 1539 unter Herzog Heinrich dem Frommen, dem Sohn Albrechts des Beherzten, unter persönlicher Anleitung Martin Luthers die Reformation im Herzogtum Sachsen ein. Für die weitere geschichtliche Entwicklung hatte das zur Folge, daß die Nachfolger Heinrichs ihre Frauen vorzugsweise aus Dänemark und Brandenburg nach Sachsen holten. Auch für die kulturelle, wirtschaftliche, soziale und politische Stellung der Albertiner besaß diese Tatsache erhebliche Bedeutung. Dabei ist noch zu bemerken, daß bestehende Kontakte aus der Zeit vor der Reformation mit den katholischen HABSBURGERN, WITTELSBACHERN und anderen verwandten Dynastien nie völlig unterbrochen wurden. Das bewiesen besonders die Kurfürsten August, Johann Georg I., Johann Georg II. und Johann Georg III.
Die Zusammenarbeit mit dem katholischen Süden und Westen Europas wurde auch deswegen wichtig, weil auf diese Weise die barocke Kultur im evangelischen Sachsen Eingang fand. So erhielt beispielsweise Kurfürst Johann Georg III. (1647-1691) für das kulturelle Leben seines Kurstaates deswegen erhebliche Bedeutung, weil er während seiner Regentschaft den aus Kammer bei Traunstein in Ober-Bayern stammenden Barockplastiker Balthasar Permoser (1651-1732) an den Dresdner Hof berief. Dadurch erhielt die kulturelle Blüte Sachsens und speziell Dresdens wertvolle Impulse.
Herzog und Kurfürst Moritz von Sachsen
Im Zusammenhang mit der Geschichte der
Reformation
und
ihrer Folgen ist noch anzuführen, daß Herzog bzw. Kurfürst
Moritz bewußt eine
Großmachtpolitik betrieb, wie sie später
erst August der Starke im 18. Jahrhundert wieder aufnehmen sollte.
zum Kontext
Zu diesem bedeutenden Vertreter des Hauses
Wettin-Albertinische
Linie ein biographischer Abriß.
Moritz
wurde am 21. März 1521 in der Bergbaustadt
Freiberg als Sohn Heinrichs des
Frommen von Sachsen und seiner Gemahlin
Katharina von Mecklenburg geboren.
Damit fiel dieses wichtige Ereignis
vier Jahre nach Martin Luthers
berühmten Thesenanschlag an der Schloßkirche
Wittenberg im heutigen Bundesland Sachsen -Anhalt. Zu bemerken ist
noch,
daß seine Mutter Katharina
maßgeblich zur Einführung der
Reformation im Albertinischen
Sachsen beitrug. Moritz heiratete
am 9. Januar
1541 Agnes von Hessen
(1527-1555), eine Tochter des Landgrafen
Philipp
I. von Hessen (1527-1567). Aus dieser Ehe stammt eine einzige
Tochter mit
Namen Anna (1544-1577),
die am 24. August 1561 Wilhelm
I., Fürst von
Oranien, Grafen von Nassau,
einen Sohn des Fürsten Wilhelm I. von
Oranien-Dillenburg heiratete. Damit kam es zu einer weiteren
Bindung der
Fürsten-Häuser WETTIN-Albertinische Linie und NASSAU.
Im Alter von 20 Jahren erbte Moritz von seinem Vater Heinrich dem Frommen das Albertinische Sachsen. Gleich nach seinem Regierungsantritt zeigte Moritz einen ausgesprochenen Charakterzug zur Selbständigkeit des Urteils und der Entschlußkraft. Als sein Ernestinischer Vetter, Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen, als Haupt des Bundes evangelischer Fürsten, sowie die Reichsstadt Frankfurt/Main ihn ersuchten, diesem Bündnis beizutreten, lehnte Moritz ab, da dies seinen Machtplänen widersprach. Sein Ziel bestand darin, das Albertinische Herzogtum Sachsen von einem verhältnismäßig unbedeutenden mittelstaatlichen Fürstentum zu einem wichtigen Machtfaktor mit ansehnlichem Länderbesitz werden zu lassen. Das war aber nur möglich, wenn er sich dem Kaiser, der zum Schlag gegen die Schmalkaldener ausholen wollte, zur Verfügung stellte. In aller Stille verhandelte er daher durch seinen Kanzler von Carlowitz mit Grandville, der rechten Hand Kaiser KARLS V. Damit erreichte Moritz, daß er mit der Reichsexekution gegen seinen kurfürstlichen Vetter Johann Friedrich betraut wurde. Bei dieser Gelegenheit erhielt er die Zusicherung, daß ihn der Kaiser mit eigenen Truppen unter dem Oberbefehl des Herzogs Alba unterstützen würde. KARL V. selbst erschien inmitten der verbündeten Truppen und betonte auf diese Weise die Bedeutung, die er der Durchführung der Reichsacht beimaß.
Das kursächsische Heer unterlag
am 24. April
1547
dem konzentriert von Herzog Moritz geleiteten Angriff
nördlich von
Mühlberg an der Elbe, wobei Kurfürst
Johann Friedrich in
Gefangenschaft
geriet. Kurz darauf mußte auch die Haupt- und Residenzstadt
Wittenberg
am 25. Mai 1547 vor Moritz
kapitulieren. Auf Grund dieses großartigen
Sieges erhielt Herzog Moritz fast den gesamten Landbesitz seines
besiegten
Vetters Johann Friedrich
einschließlich der Kurwürde.
Diese
verblieb von nun an bis zum Ende des alten Reiches 1806 im Besitz der Albertiner.
An der feierlichen Belehnung mit der
Kurwürde an
Herzog Moritz in der Reichsstadt
Augsburg mußte auch der in kaiserlicher
Gefangenschaft befindliche sächsische
Kurfürst Johann
Friedrich
wohl als Strafe teilnehmen. Den Ernestinern
verblieb von da an nur der
südliche Teil der Landgrafschaft Thüringen.
Noch heute erinnert das prächtige Grabmal
von Moritz
im Dom der Bergbaustadt Freiberg an diesen wohl bedeutendsten WETTINER
der frühen Neuzeit.