WETTINER
 

STAMMTAFEL LEXIKON DESMITTELALTERS Band IX Anhang

EUROPÄISCHE STAMMTAFELN NEUE FOLGE BAND I.1 Tafel 150-173

Stammtafel Anhang Stefan Pätzold 'Die frühen Wettiner'
 

Lexikon des Mittelalters: Band IX Spalte 50
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Wettiner
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Nach der Burg Wettin bei Halle (Saale) benanntes Geschlecht (Meißen, Markgrafschaft; Sachsen, IV).
Seine eindeutig überlieferte Geschichte beginnt mit Graf Dietrich (Dedi), der als ein 'egregiae libertatis vir' 982 im Heer Kaiser OTTOS II. in Kalabrien den Tod fand.
Von ihm führt eine in logischer Beweisführung erschlossene Abstammung bis zu einem 822 genannten Grafen Rikbert, dessen Sohn Rikdag im Ostfalengau und im Liesgau nördlich von Göttingen begütert war (Eckhardt, 1963).
Ein anderer Erklärungsversuch bindet die WETTINER an den Sohn des Herzogs Burchard I. von Schwaben an, Burchard II., der 926 nach Sachsen gebracht worden sei, wo er in eine im Liesgau ansässige Familie eingeheiratet habe und somit zum Vater des 982 gefallenen Dietrich-Dedi geworden sei (Wenskus, 1976). Diese Vermutung hat die Feststellung des Sachsenspiegels für sich, die
WETTINER seien Schwaben gewesen. Gänzlich abzulehnen ist die im späteren 19. Jh. aufgestellte Ahnenlinie, die einen 807 und 814 genannten 'comes stabuli' Burkhard und dessen vier gleichnamige Nachfolger als Vorfahren des 982 gefallenen Dietrich behauptet, wobei sie den frei erfundenen Geschlechtsnamen der angeblichen BUCCONEN als Bindeglied einbaut.
Nach alledem kann die Herkunft der
WETTINER aus dem Liesgau und Harzgau als sicher gelten, von wo aus sie im Zuge der deutschen Ostbewegung (Ostsiedlung) die Saale überschritten. Bis zur Jahrtausendwende verschob sich ihr Herrschaftsraum vom Harzgau zum Hosgau am Westufer der Saale unterhalb von Halle, wo die Burg Wettin zum neuen Stammsitz ausgebaut wurde. Gleichzeitig wurde nach Osten ausgreifend Eilenburg an der Mulde als Allodialbesitz erworben, um 1030 kam die Belehnung mit der Ostmark, der späteren Nieder-Lausitz (Lausitz), hinzu. Um die Mitte des 11. Jh. wurde die Herrschaft saaleaufwärts erweitert, wo Camburg gewonnen wurde.
Noch vor 1100 begannen sich die
WETTINER nach ihrem Stammsitz zu nennen. Sie hatten damals im südlichen slavischen Markengebiet an der Ostgrenze des Reiches eine vorherrschende Stellung erlangt, woraus sich die Belehnung des wettinischen Grafen Heinrich I. von Eilenburg (58. H.) mit der Markgrafschaft Meißen 1089 durch Kaiser HEINRICH IV. ergab.
Der Vetter Konrad (15. K.) festigte seit 1123 die Macht seines Hauses unter anderem dadurch, daß er das Erbe des Hauses GROITZSCH an sich brachte. Er gilt als der eigentliche Begründer der wettinischen Markgrafschaft Meißen. Die von ihm veranlaßte Länderteilung unter seine fünf Söhne führte zwar zur dauerhaften Entfremdung alten wettinischen Besitzes, doch gelangten zwei Erbteile durch Heimfall wieder an die Hauptlinie, die unter Markgraf Otto (1156-1190) mit der bäuerlichen Kolonisation, der Entstehung des Städtewesens und dem bedeutenden Freiberger Bergbau (Freiberg) eine Blütezeit erlebte.
Als sein Sohn Albrecht (15. A.) 1195 ohne Lehnserben starb, zog Kaiser HEINRICH VI. die Mark Meißen an das Reich, ohne die Rechte des Bruders Dietrich des Bedrängten (6. D.) zu beachten. Der rasche Tod des Kaisers machte aber den Weg frei zum erneuten Aufstieg der
WETTINER unter Dietrich, der den Ausbau der Macht mit straffer Hand vorantrieb.
Sein Sohn Heinrich d. Erlauchte (60. H.) scheiterte zwar mit der Absicht, aus der Nieder-Lausitz heraus östlich an Berlin  vorbei in den noch herrschaftsfreien Raum vorzustoßen, war aber mit dem Bemühen erfolgreich, sich nach rückwärts in das alte westsaalische Reichsgebiet zu wenden, wo er 1247/64 die Landgrafschaft Thüringen erbte und 1254 das Reichs-Territorium Pleißenland pfandweise an sein Haus brachte. Nach seinem Tode 1288 verspielte sein mißratener Sohn Albrecht der Entartete (20. A.) fast die gesamte Aufbauleistung seiner Vorfahren, zumal die Reichsgewalt unter den Königen RUDOLF und ADOLF die wettinische Macht mit dem erneuten Versuch bedrängte, in Mittel-Deutschland ein Reichs-Territorium aufzubauen.
Erst seit der für die
WETTINER siegreichen Schlacht von Lucka 1307 konnte Markgraf Friedrich I. der Freidige (15. F.) zielstrebig und letztlich erfolgreich die wettinische Stellung in Meißen und Thüringen festigen und ausbauen. Er und seine drei gleichnamigen Nachfolger haben bis zum Beginn des 15. Jh. jede sich bietende Gelegenheit genutzt, um durch Heiratspolitik, Kauf oder Waffengewalt ihren Territorialbesitz zu vergrößern, sie haben sich dabei aber stets auf den mitteldeutschen Raum beschränkt. Eine geschickte Politik gegenüber der Reichsgewalt sicherte ihnen unter Kaiser LUDWIG DEM BAYERN die endgültige Erwerbung des Pleißenlandes und schirmte die Markgrafschaft Meißen gegen die gefährliche Nachbarschaft Kaiser KARLS IV. in Böhmen ab.
Zweimal stand ein
WETTINER an der Schwelle zum Königtum.:
1269 wurde dem jungen Friedrich dem Freidigen die italienische Krone angetragen, 1348 seinem Sohn Friedrich II. (16. F.) die Nachfolge seines Schwieger-Vaters LUDWIGS DES BAYERN angeboten.
In der thüringischen Grafenfehde wurde die wettinische Botmäßigkeit über die kleineren reichsunmittelbaren Herrschaftsinhaber durchgesetzt, im meißn. Raum wurden reichsministerial. Herrschaften und Reichsburggft.en einverleibt. Die Verdichtung territorialfsl. Herrschaft lief in dieser Zeit in mustergültiger Weise ab, wobei mit der quantitativen Erweiterung die qualitative Steigerung von Herrschaft in Richtung auf künftige Staatlichkeit einherging. Der Ausbau der Zentralverwaltung erreichte schon in der 2. Hälfte des 14. Jh. einen hohen Stand, die Vogteien wurden als Organe der Lokalverwaltung zu Amtsbezirken weiterentwickelt, die Geldwirtschaft erlangte mit Bede und Steuer im 14. Jh. immer größere Bedeutung, in Spannung und Partnerschaft mit den Landständen (Stände) wuchs das wettinische Territorium bis zum Beginn des 15. Jh. zur mächtigsten politischen Kraft im mitteldeutschen Raum heran. Die Chemnitzer Teilung von 1382 wirkte sich infolge des Aussterbens der zwei Nebenlinien nicht dauerhaft aus.
Als 1422 die sachsen-wittenbergische Linie der ASKANIER ausstarb, übertrug Kaiser SIEGMUND 1423 dem meißnischen Markgrafen Friedrich IV. mit dem heimgefallenen Herzogtum Sachsen-Wittenberg die Kurwürde (Kurfürsten), womit das Haus WETTIN den seiner tatsächlichen Macht angemessenen Rang in der Reichsverfassung erhielt. Seitdem bürgerte sich die Bezeichnung als »Kurfürstentum Sachsen« für den gesamten wettinischen Besitz in Mittel-Deutschland ein. Auch als Kurfürsten setzten die
WETTINER ihre erfolgreiche Territorial-Politik fort, erwarben böhmische Gebiete, das Vogtland und die Vogtei über Quedlinburg und regelten im Vertrag von Eger 1459 grundlegend das Verhältnis zu Böhmen.
Im Wettbewerb mit den HOHENZOLLERN konnte 1476 ein
WETTINER auf den Magdeburger Erzstuhl (Magdeburg, Erzbistum) gebracht werden, doch folgte ihm 1513 der HOHENZOLLER Albrecht. Bei stets guten Beziehungen zur Kurie brachten die Kurfürsten eine frühe Form von landesherrlichem Kirchenregiment zustande, indem sie sich im 15. Jh. weitgehende Besetzungsrechte im Bistum Meißen verbriefen ließen und die Reform von Klöstern in ihre Hände nahmen.
Nach der Mitte des 15. Jh. können die
WETTINER als das nächst den HABSBURGERN bedeutendste deutsche Fürsten-Haus bezeichnet werden, wobei Herzog Albrecht (18. A.) im Dienst von Kaiser und Reich gegen Ungarn und Burgund kämpfte und dabei die reichen Mittel seines sächsischen Landes einsetzte. Gerade damals aber kam es zur folgenschwersten Fehlleistung in der Geschichte des Hauses WETTIN, als Kurfürst Ernst (6. E.) 1485 das zu einem weitgehend geschlossenen Flächenstaat herangewachsene Kurfürstentum mit seinem Bruder Albrecht gegen dessen Willen teilte (Leipziger Teilung). Da weder die Ernestiner noch die Albertiner ausstarben, verursachte die Totteilung von 1485 eine empfindliche Schwächung der wettinischen Stellung im Reich. Damit war die geschichtliche Aufgabe des Hauses WETTIN verspielt, dem mitteldeutschen Raum eine einheitliche politische Ordnung zu geben.

K. Blaschke

Literatur:
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K. A. Eckhardt, Genealog. Funde zur allg. Gesch. Germanenrechte NF, Deutschrechtl. Archiv H. 9, 1963 [darin: Die Herkunft der W., 64-90] - Patze-Schlesinger-R. Wenskus, Sächs. Stammesadel und frk. Reichadel, AAG, Phil.-Hist. Kl., 3. F., Nr.93, 1976, 331-334 - H. Blaschke, Gesch. Sachsens im MA, 1990 - Ders., Der Fs.enzug zu Dresden, 1991 - O. Posse, Die W. Genealogie des Gesamthauses Wettin, erg. v. M. Korbuch, 1994 - S. Pätzold, Die frühen W. Die Anfänge einer Adelsfamilie im sächs. Markengebiet bis zum Jahr 1221 [Diss. Göttingen 1996].


Klauser Heinrich: Seite 233
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"Lexikon deutscher Herrscher nd Fürstenhäuser"

Wettiner
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Deutsches Herrscher-Geschlecht, dessen Stammburg über der gleichnamigen Stadt an der Saale lag.
Als Ahnherr gilt Markgraf Bucco (
908) der Sorbischen Mark. Er fiel im Kampf gegen die Ungarn.
Sein Enkel Dedi (
982) war Graf des Hassegaues zwischen Saale und Unstrut; seine Nachkommen konnten den Hausbesitz beträchtlich vergrößern und Dedi II. ( 1075) erhielt 1046 die thüringische Mark; sein Bruder Thimo ( um 1091) erhielt Burg und Grafschaft Wettin bei Halle an der Saale.
Thimos Sohn Konrad I. (
1157) erhielt die Mark Meißen und legte damit den Grundstein für die landesfürstliche Stellung des Hauses WETTIN. 1423 erhielten die WETTINER das Herzogtum Sachsen-Wittenberg und die Kurwürde.
1485 erfolgte die Teilung in die Albertinische (Markgrafschaft Meißen und das nördliche Thüringen) und in die Ernestinische Linie (Kursachsen, ein Teil Thüringens und das Vogtland).

1547 kam die Kurwürde mit den kurfürstlichen Besitzungen an die Albertiner, die 1806 auch die sächsische Königswürde erhielten.
Der letzte WETTINER auf dem sächsischen Königsthron war Friedrich August; er dankte 1918 ab.

Aus der Ernestinischen Linie stammen die Großherzoge von Sachsen-Weimar-Eisenach (seit 1815), die Herzoge von Sachsen-Meiningen (seit 1826), von Sachsen-Altenburg (seit 1826) und von Sachsen-Coburg-Gotha (seit 1826).


Bertelmanns Lexikon Geschichte: Seite 812
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Wettiner
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Altes deutsches Herrscher-Geschlecht aus dem zwischen Saale, Bode und Harz gelegenen Nordschwabengau.
Der älteste nachweisbare WETTINER zwischen Saale und Unstrut ist Markgraf Burchard oder Bucco der sorbischen Mark (
3.8.908).
Sein Enkel Dedi (
14.3.957) war Graf im Hassegau.
Thiemo (
um 1091), erhielt Burg und Grafschaft Wettin, die dem Geschlecht den Namen gab.
Seit 1089 war eine Linie des Hauses im Besitz der Grafschaft Eilenburg.
Thiemos Sohn Konrad I. (
1157) bemächtigte sich der Mark Meißen und begründete die landesherrschaftliche Machtstellung des wettinischen Hauses.
1423 erhielten die WETTINER das Herzogtum Sachsen-Wittenberg mit der Kurwürde.
1485 erfolgte die Teilung der WETTINER in die Albertinische und die Ernestinische Linie.
Zuletzt (bis 1918) regierten die Albertiner im Königreich Sachsen, die Ernestiner im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach und in den Herzogtümern Sachsen-Altenburg, Sachsen-Coburg-Gotha und Sachsen-Meiningen.

Es war für das 10. Jahrhundert nicht möglich, den Schwabengau als Heimat der WETTINER nachzuweisen. Erst unter HEINRICH III. amtierten sie nachweisbar in Teilgebieten dieses Gaues. Es bleibt fraglich, wie sie in den Besitz dieser Herrschaftsbereiche gelangten. Ansprüche können sowohl über Markgraf Rikdag als auch über die Familie des Markgrafen Christian vererbt worden sein, deren Nachfolge sie nachweisbar im Markengebiet antraten. Die Ausgangsbasis ihrer Amtsstellung war der Hassegau, wenn man von den ungeklärten Herrschaftsrechten in Thüringen absieht. Von hier aus dehnten sie ihren Machtbereich weit in den Kolonialraum östlich der Saale aus.

Schwarz Hilmar:
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"Die Wettiner"

Der Stammvater der WETTINER tritt in der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts ins Licht der Quellen. Er hieß Thiedericus (Dietrich I.). Manchen Deutungen zufolge soll er im Dienste Kaiser OTTOS II. 982 in Süd-Italien gefallen sein. Über seine Vorfahren gibt es keine gesicherten Überlieferungen. Mehrere Herleitungen sind aus den verstreuten Nachrichten versucht worden.
Zum 1. wurde seine Herkunft vom Stamm der "Buzizi" zum Anlaß genommen, ihn "von den BURCHARDEN" abstammen zu lassen und seine Ahnenreihe über einige BURCHARDE bis auf einen Marschall KARLS DES GROSSEN zurückzuverfolgen.
Zum 2. existiert eine wohl fundierte Absicht, wonach sein Vater ein Harzgaugraf Volkmar war, der dominierende Geschlechtsname "Friedrich" lautete und die Familie bis auf cheruskische Wurzeln im 9. Jahrhundert zurückgeführt wird.
Und zum 3. wird eine Abstammungslinie zum schwäbischen Herzog Burkhard I. gezogen.
Einige Anzeichen sprechen für eine schwäbische Abstammung. Der Verfasser des Sachsenspiegels - zwischen 1220 und 1235 entstanden - ordnete die WETTINER den Schwaben zu. Außerdem hielten sich die WETTINER an die schwäbische Erbfolge, die weibliche Familien-Mitglieder ausschloß. Nach ältesten Zeugnissen hatten sich die WETTINER im Hosgau oder Hassegau (Gau der angesiedelten Hessen) niedergelassen, der sich im Flußbogen von Saale und Unstrut erstreckte. Der nordwestlich angrenzende Distrikt, am Ostrand des Harzes, hieß der "Schwabengau".

Trillmich Werner: Seite 78
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Güter und Grafschaften der WETTINER [Die WETTINER ("BUKKONEN") waren schwäbischen Rechts (Töchter waren erbrechtlich benachteiligt); Grafschaften im südlichen Schwaben- und Hochseegau, Neletizi, Siusili, Zitizi, Inhaber des Burgwards Zörbig.
997 Erben Bios von Merseburg, 1014 von Rikdags Sohn Karl.
Rikdag (Sippe der Harzgaugrafen) war Graf im Schwaben- und Nordthüringgau, Vogt von Magdeburg, wohl 981 Markgraf von Zeitz, in Meißen nach dem Tode Thietmars von der Ostmark oder Günthers von Merseburg. - Patricius Dedi = Adjutant OTTOS III. im Herzogsrang.], die sich nach einer Burg rechts der Saale benennen, lagen zwischen Halle, Eisleben und der Wipper im Hochsee- und Schwabengau sowie im Sorbenlande, im Burgward Eilenburg sogar jenseits der Mulde. Dazu kamen 1014 durch Erbschaft die Allodien Rikdags um dessen Familien-Kloster Gerbstedt. Als Markgraf hatte er 979/82-985 Meißen, Zeitz und Merseburg verwaltet. Als kriegerische Grenzwächter, gewandt, rücksichtslos in Gütererwerb und Politik, arbeiteten sich die WETTINER im frühen 11. Jahrhundert empor.
Dedi, der Schwieger-Sohn Dietrichs von der Nordmark, besaß als Patricius das Vertrauen OTTOS III. Als er 1009 gewaltsam für die Familie seiner Frau eintrat, hat ihn Werner von Walbeck erschlagen. Der Sohn Dietrich heiratete eine EKKEHARDINERIN. Ihm sollte endlich der Aufstieg zum Markgrafen gelingen.

Albert Herzog zu Sachsen:
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"Die Wettiner in Lebensbildern"
 

Wohl eines der bedeutendsten deutschen und europäischen Fürsten-Häuser überhaupt stellen die WETTINER dar. Ihre geschichtliche Entwicklung vom Mittelalter bis in die Gegenwart ist für die Identitätsfindung nach mehreren Generationen brauner und roter Diktatur von weitreichendem Stellenwert. Gleichzeitig besitzt das Haus WETTIN auch für die gegenwärtig aktuellen Probleme große Möglichkeiten für Initiativen insofern, als aus seiner Geschichte wichtige Lehren und durchaus nachahmenswerte Beispiele für die Gegenwart gezogen werden können.

Die Anfänge des Hauses Wettin

Am 1. Februar 1089 wurde in der Reichsstadt Regensburg der WETTINER Markgraf Heinrich von Eilenburg durch Kaiser HEINRICH IV. mit der Mark Meißen belehnt. Damit war nicht nur die Grundlage für die weitere Entwicklung der wettinischen Dynastie, sondern auch des sächsischen Staates insgesamt geschaffen.

Die WETTINER waren ursprünglich im niedersächsischen Raum, genauer gesagt im Harzgau beheimatet, wo als Ahne Dietrichs oder Dedis Graf  Volkmar in Quellen aufscheint. Dieser empfing gemeinsam mit seinem Bruder Rikbert vier Orte im slawischen Gebiet an der Fuhne im Gau Serimunt aus der Hand Kaiser OTTOS DES GROSSEN. Volkmar starb noch vor 961; sein Vater war Friedrich II. Graf im Harzgau, dessen Spuren wir 937 und 945 in den Quellenberichten vorfinden. Dessen Vater Friedrich I. war ebenfalls im Harzgau zu Hause und trug bereits den bezeichnenden Titel "Graf im Harzgau". Er vermählte sich mit einer Frau namens Bia. Friedrich II. schenkte seiner Mutter Bia am 12. Oktober 937 einen Besitz im Schwabengau, der sich östlich von Quedlinburg bis zur Saale erstreckte. Dort war er offenbar reich begütert. Der erwähnte Gau Serimunt schloß sich unmittelbar an den Schwabengau östlich der Saale im Raum von Nienburg an. Damit ist erwiesen, daß die WETTINER aus dem heutigen Bundesland Niedersachsen stammten und als treue Anhänger des Ottonischen Kaiser-Hauses im Zug der mittelalterlichen Ostkolonisation während des 10. Jahrhunderts in das eroberte Sorbenland zwischen Saale und Elbe einwanderten.

Im Hochmittelalter besaß das Haus WETTIN als Eigentümer der Burgwarte Wettin, Löbejan und Brehna erhebliche politische Bedeutung. Bereits vor Heinrich von Eilenburg hatte dieses fürstliche Geschlecht, das von einigen Forschern auf die fränkischen MEROWINGER zurückgeführt wird, mit Dedi und Dietrich von Buzizi zwei urkundlich wichtige Vertreter. Deren gleichnamige Burg befand sich an der Einmündung der Bode in die Saale im südlichen Harzvorland und ist wahrscheinlich in der Gegend von Grimschleben zu suchen.

Dedi vererbte diese Burgwarte seinem Sohn Dietrich II., der nach dem Tod seines Onkels Friedrich zusätzlich Eilenburg und die Grafschaft im Susaligau erhielt. 1033 wurde Dietrich auch noch Markgraf der Lausitz. Ihm folgte ein Jahr später in diesem Amt und den übrigen Besitzungen mit Ausnahme von Wettin und Brehna sein ältester Sohn Dedi II. Dagegen erhielten die jüngeren Söhne Thimo und Gero die in unmittelbarer Nähe der Saale gelegene Burgwarte Wettin und Brehna. Dedi selbst verlor allerdings vorübergehend die Lausitz, doch konnte dessen Sohn dieses Gebiet von Kaiser HEINRICH IV. wieder zurückerhalten.

Bis in die Gegenwart erinnern die Burg Wettin bei Halle an der Saale und das Stamm-Kloster am Petersberg mit der ältesten Begräbnisstätte der WETTINER an die frühe Geschichte dieses Fürsten-Geschlechts. Ähnliches gilt auch für die Albrechtsburg und den Dom zu Meißen.

Wichtig ist, daß bereits 929 durch König HEINRICH I. eine Wehranlage auf dem Meißner Burgberg errichtet wurde. Diese bildete nicht nur den Ausgangspunkt der deutschen Herrschaft in diesem Bereich, sondern auch der Christianisierung im mittleren Elbe-Gebiet. Bezeichnend ist, daß 961 hier bereits ein katholisches Bistum gegründet wurde. Noch heute erinnert uns der zweite Name des katholischen Bistums Dresden-Meißen an diese wichtige mittelalterliche Gründung.

Fortan diente der Meißner Burgberg als östlicher Vorposten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation an der militärisch noch keineswegs gesicherten Elb-Linie gegen die im Osten lebenden Slawen. 1048 begegnet uns erstmals der Ausdruck "Marchia Misnensis", das heißt Markgrafschaft oder Mark Meißen. Daraus kann geschlossen werden, daß der Markgraf seinen Sitz in der Meißner Albrechtsburg hatte. Trotzdem galt diese mächtige Anlage auf einem Felsen oberhalb der Elbe als Reichsburg und beherbergte einen königlichen Befehlshaber, dessen Aufgabe der Markgraf im Namen des Reiches zu erfüllen hatte. Dieser war aber nicht nur zuständig als militärischer Befehlshaber, sondern förderte auch die Ansiedlung deutscher Bauern, die aus allen Regionen Deutschlands einwanderten.

Bezeichnend ist, daß die späteren wettinischen Herzöge und Kurfürsten bis zur Einführung der Reformation im Albertinischen Sachsen 1539 ihre Anhänglichkeit an Meißen dadurch bewiesen, daß sie den Fürstenchor des Domes zu ihrer Begräbnisstätte wählten. Auch der Löwe als Meißner Wappentier erinnert in allen ehemaligen wettinischen Territorien Sachsens, Thüringens, Sachsen-Anhalts und Nordbayerns an die große Bedeutung Meißens als Wiege des sächsischen Staates und der wettinischen Hausmacht.

Konrad der Große von Wettin, Markgraf von Meißen (1098-1157)

Einer der bedeutendsten Vertreter der mittelalterlichen WETTINER war Konrad der Große, der nach dem Tod Heinrichs von Eilenburg sich als Parteigänger Lothars von Supplinburgs in den Besitz der Markgrafschaft Meißen setzte. Zuvor befolgte er eine enge Zusammenarbeit mit den aus Schwaben stammenden STAUFERN. Nur auf dieser Basis ist es zu verstehen, daß die WETTINER ihre Macht im sächsisch-mitteldeutschen Raum begründen und bewahren konnten. Durch seine Heirat mit Luitgard von Schwaben wurde die Verbindung mit den HOHENSTAUFEN auch nach außen dokumentiert.
Als Begründer der wettinischen Macht in Mittel-Deutschland wurde Konrad der Große 1130 Markgraf von Meißen. Dazu kamen 1136 die Lausitz und 1144 das Milzner Land. Durch die Erwerbung des Gaues Zwickau in der Mark Zeitz und Groitzsch in der Mark Merseburg als Erbe Wiprechts von Groitzsch vereinigte er diese beiden Marken mit der Mark Meißen, obwohl große Lehensträger, wie die Burggrafen von Meißen, Leisnig, Altenburg und Dohna unmittelbare Vasallen des Reiches blieben und nur der Amtsgewalt des Markgrafen unterstanden.

Entsprechend seinem engen und vertrauensvollen Verhältnis zu Lothar von Supplinburg und dessen staufischen Nachfolgern nahm Konrad wirksamen Anteil an der Politik des Reiches. So begleitete er LOTHAR auf seinem zweiten italienischen Zug 1136/37, sowie dessen Nachfolger KONRAD III. VON HOHENSTAUFEN 1146 im Krieg gegen Polen. 1147 führte der Markgraf gemeinsam mit König KONRAD einen großen Kreuzzug gegen die Ostsee-Wenden, womit deren Unterwerfung unter deutsche Oberhoheit eingeleitet werden konnte. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, daß in seiner unmittelbaren Nachbarschaft Albrecht der Bär als Markgraf der Nordmark Brandenburg besetzte und damit die Herrschaft der ASKANIER in der Mark Brandenburg begründete. Albrecht der Bär wurde auch als Gründer Berlins bekannt. Noch heute erinnert der Berliner Bär im Wappen an diesen bedeutsamen mittelalterlichen Herrscher.

Auf Grund seiner Eroberungspolitik sicherte Konrad der Große seinen Besitzstand in Mittel-Deutschland und verfügte ohne Zustimmung Kaiser BARBAROSSAS die Aufteilung seiner Reichslehen und Besitzungen unter seine fünf Söhne.
So übernahm Otto der Reiche (1125-1190) Meißen,
Dietrich die Niederlausitz mit Eilenburg,
Dedo Groitzsch und Rochlitz,
Heinrich Wettin und
Friedrich Brehna.
1158 gab FRIEDRICH I. das Milzener Land an Wratislaw von Böhmen.

Nach dieser Aufteilung trat Konrad der Große als Mönch in das Wettiner Haus-Kloster auf dem Petersberg bei Halle ein. Dort ereilte ihn auch am 15. Oktober 1157 der Tod. Noch heute kann sein Grabmal in der Stiftskirche am Petersberg bewundert werden.

Von seinen Söhnen wurde Otto der Reiche durch die Erwerbung von Weißenfels, die Förderung des Silberbergbaues bei Freiberg (1180 gegründet) und die Verleihung einer selbständigen Stadtverfassung für die Messestadt Leipzig bedeutungsvoll. Damit legte Otto den Grundstein für eine beispielgebende Entwicklung des sächsisch-mitteldeutschen Raumes in den folgenden Jahrhunderten.
Auch als Gründer des Zisterzienser-Klosters Altzella bei Nossen machte er sich einen Namen insofern, als die Zisterzienser in der Geschichte Sachsens bis zur Reformation eine bedeutende Rolle spielten. Dies gilt auch für die noch heute bestehenden Zisterzienserinnen-Klöster St. Marienthal an der Lausitzer Neiße (1234 gegründet) und St. Marienstern bei Kamenz (1248 gegründet).
Bezeichnend ist weiterhin, daß Otto und seine Nachfolger sich Altzella als Grabstätte wählten, wovon heute noch Zeugnisse vorhanden sind.

Adolf von Nassau und das Haus Wettin

Der um 1250 geborene Graf Adolf von Nassau verdankte seine Wahl zum deutschen König der Tatsache, daß die Kurfürsten nach dem Tode RUDOLFS VON HABSBURG einen wirtschaftlich und politisch schwachen Kandidaten küren wollten. Für seine Beziehungen zu den WETTINERN erhielt er deswegen Bedeutung, weil er im heutigen mitteldeutschen Raum eine Hausmacht als materielle Grundlage für sein Königtum anstrebte. Dafür boten sich Thüringen und die Mark Meißen an, wo bereits RUDOLF VON HABSBURG einen ähnlichen Plan verfolgt hatte. In diesen beiden Territorien kollidierten aber die Interessen des deutschen Königs mit denen des Erzbischofs von Mainz und des Königtums Böhmen. Da der wettinische Markgraf Tuta von Meißen ohne männliche Erben verstarb, zog ADOLF VON NASSAU die Mark Meißen und das Osterland - das Gebiet um die heutige Messestadt Leipzig - als erledigte Reichslehen ein. Dem völlig verschuldeten thüringischen Landgrafen Albrecht dem Entarteten aus dem Hause WETTIN kaufte er 1293 die Landgrafschaft Thüringen für 11.000 oder 12.000 Mark Silber ab. Gegen dessen Söhne Friedrich den Freidigen und Diezmann suchte König ADOLF seine Neuerwerbungen in zwei kriegerischen Feldzügen zu sichern. Noch 1295 gebot er auf einem Hoftag in Mühlhausen/Thüringen einen ewigen Landfrieden für die genannten wettinischen Territorien und setzte sogar königliche Landfriedensbeamte ein. Kurze Zeit darauf verließ er jedoch Thüringen und setzte in diesem Land seinen Vetter Graf Heinrich von Nassau ein. Dieser vertrat ihn auch in der Mark Meißen und im Osterland. Doch blieb dieses Interesse des Hauses NASSAU ein Intermezzo, zumal sich nach ADOLFS Tod 1298 die WETTINER in diesen Bereichen wieder voll durchsetzen konnten.

Die Belehnung der Wettiner mit dem Kurfürstentum Sachsen-Wittenberg

1423 wurde Markgraf Friedrich der Streitbare von Meißen durch Kaiser SIGISMUND aus dem Hause LUXEMBURG nach dem Aussterben der im Kurfürstentum Wittenberg regierenden ASKANIER mit dieser Kurwürde belehnt. Am 1. August empfing Friedrich in Ofen - heute Budapest/Ungarn - durch den Kaiser die Insignien als neuer Kurfürst von Sachsen-Wittenberg. Dieses Amt war mit der Würde eines Erzmarschalls des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation verbunden. Noch heute erinnern die Kurschwerter als Markenzeichen der weltberühmten Meißner Porzellanmanufaktur an dieses ehrenvolle Amt. Mit der Übertragung der Kurwürde an die WETTINER trat Friedrich der Streitbare auf Grund der Goldenen Bulle Kaiser KARLS IV., des Vaters von Kaiser SIGISMUNDS - in jenes Wahlkollegium ein, das seit 1365 die Wahl der deutschen Könige bzw. Kaiser zu vollziehen hatte.

Die Teilung 1485

Im Jahre 1485 trennten sich die beiden bisher gemeinsam regierenden WETTINER in zwei noch heute bestehende Hauptlinien. Damit standen auf der einen Seite die Ernestiner mit dem Kurfürsten Ernst (gestorben 1486) als Familienoberhaupt und auf der anderen Seite die Albertiner unter seinem jüngeren Bruder Herzog Albrecht dem Beherzten (gestorben 1500). Entsprechend dem Leipziger Teilungsvertrag von 1485 erhielt Ernst den Kurkreis Wittenberg und den südlichen Teil der Landgrafschaft Thüringen, während Albrecht vorzugsweise Nord-Thüringen und die Markgrafschaft Meißen als Herzogtum zugesprochen bekam.

Die Ernestinischen Wettiner

Bezeichnend erscheint, daß die nach Kurfürst Ernst benannten Ernestiner sich im weiteren Verlauf in ihrer historischen Entwicklung in zahlreiche kleinere Linien spalteten. Von diesen blieben bis zum Zusammenbruch der Monarchien in Deutschland 1918 das

Großherzogrum Sachsen-Weimar-Eisenach,
das Herzogtum Sachsen-Meiningen-Hildburghausen,
das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha,
sowie das Herzogtum Sachsen-Altenburg
bestehen. Von Interesse ist weiter, daß durch die Heiratspolitik der Linie Sachsen-Coburg und Gotha im 19. Jahrhundert das Haus WETTIN insgesamt Weltgeltung erlangte. Noch heute regieren in Belgien und Großbritannien Vertreter des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha. Daher kann auch die gegenwärtig regierende englische Königin Elisabeth diesem Fürsten-Haus zugerechnet werden.
Diese Ernestinische Linie regierte zusätzlich auch in Bulgarien, Portugal und Brasilien. Sie besaß zudem enge dynastische Verbindungen mit Schweden, Dänemark, Norwegen und Rußland. Interessant ist, daß der ehemalige Zar Simeon von Bulgarien seit 2001 auf Grund eines überwältigenden Wahlsieges das Amt des bulgarischen Minister-Präsidenten bekleidet.

Die Albertinischen Wettiner

Die Albertinischen WETTINER führten 1539 unter Herzog Heinrich dem Frommen, dem Sohn Albrechts des Beherzten, unter persönlicher Anleitung Martin Luthers die Reformation im Herzogtum Sachsen ein. Für die weitere geschichtliche Entwicklung hatte das zur Folge, daß die Nachfolger Heinrichs ihre Frauen vorzugsweise aus Dänemark und Brandenburg nach Sachsen holten. Auch für die kulturelle, wirtschaftliche, soziale und politische Stellung der Albertiner besaß diese Tatsache erhebliche Bedeutung. Dabei ist noch zu bemerken, daß bestehende Kontakte aus der Zeit vor der Reformation mit den katholischen HABSBURGERN, WITTELSBACHERN und anderen verwandten Dynastien nie völlig unterbrochen wurden. Das bewiesen besonders die Kurfürsten August, Johann Georg I., Johann Georg II. und Johann Georg III.

Die Zusammenarbeit mit dem katholischen Süden und Westen Europas wurde auch deswegen wichtig, weil auf diese Weise die barocke Kultur im evangelischen Sachsen Eingang fand. So erhielt beispielsweise Kurfürst Johann Georg III. (1647-1691) für das kulturelle Leben seines Kurstaates deswegen erhebliche Bedeutung, weil er während seiner Regentschaft den aus Kammer bei Traunstein in Ober-Bayern stammenden Barockplastiker Balthasar Permoser (1651-1732) an den Dresdner Hof berief. Dadurch erhielt die kulturelle Blüte Sachsens und speziell Dresdens wertvolle Impulse.

Herzog und Kurfürst Moritz von Sachsen

Im Zusammenhang mit der Geschichte der Reformation und ihrer Folgen ist noch anzuführen, daß Herzog bzw. Kurfürst Moritz bewußt eine Großmachtpolitik betrieb, wie sie später erst August der Starke im 18. Jahrhundert wieder aufnehmen sollte.
 

zum Kontext
Zu diesem bedeutenden Vertreter des Hauses Wettin-Albertinische Linie ein biographischer Abriß.
 
Moritz wurde am 21. März 1521 in der Bergbaustadt Freiberg als Sohn Heinrichs des Frommen von Sachsen und seiner Gemahlin Katharina von Mecklenburg geboren. Damit fiel dieses wichtige Ereignis vier Jahre nach Martin Luthers berühmten Thesenanschlag an der Schloßkirche Wittenberg im heutigen Bundesland Sachsen -Anhalt. Zu bemerken ist noch, daß seine Mutter Katharina maßgeblich zur Einführung der Reformation im Albertinischen Sachsen beitrug. Moritz heiratete am 9. Januar 1541 Agnes von Hessen (1527-1555), eine Tochter des Landgrafen Philipp I. von Hessen (1527-1567). Aus dieser Ehe stammt eine einzige Tochter mit Namen Anna (1544-1577), die am 24. August 1561 Wilhelm I., Fürst von Oranien, Grafen von Nassau, einen Sohn des Fürsten Wilhelm I. von Oranien-Dillenburg heiratete. Damit kam es zu einer weiteren Bindung der Fürsten-Häuser WETTIN-Albertinische Linie und NASSAU.

Im Alter von 20 Jahren erbte Moritz von seinem Vater Heinrich dem Frommen das Albertinische Sachsen. Gleich nach seinem Regierungsantritt zeigte Moritz einen ausgesprochenen Charakterzug zur Selbständigkeit des Urteils und der Entschlußkraft. Als sein Ernestinischer Vetter, Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen, als Haupt des Bundes evangelischer Fürsten, sowie die Reichsstadt Frankfurt/Main ihn ersuchten, diesem Bündnis beizutreten, lehnte Moritz ab, da dies seinen Machtplänen widersprach. Sein Ziel bestand darin, das Albertinische Herzogtum Sachsen von einem verhältnismäßig unbedeutenden mittelstaatlichen Fürstentum zu einem wichtigen Machtfaktor mit ansehnlichem Länderbesitz werden zu lassen. Das war aber nur möglich, wenn er sich dem Kaiser, der zum Schlag gegen die Schmalkaldener ausholen wollte, zur Verfügung stellte. In aller Stille verhandelte er daher durch seinen Kanzler von Carlowitz mit Grandville, der rechten Hand Kaiser KARLS V. Damit erreichte Moritz, daß er mit der Reichsexekution gegen seinen kurfürstlichen Vetter Johann Friedrich betraut wurde. Bei dieser Gelegenheit erhielt er die Zusicherung, daß ihn der Kaiser mit eigenen Truppen unter dem Oberbefehl des Herzogs Alba unterstützen würde. KARL V. selbst erschien inmitten der verbündeten Truppen und betonte auf diese Weise die Bedeutung, die er der Durchführung der Reichsacht beimaß.

Das kursächsische Heer unterlag am 24. April 1547 dem konzentriert von Herzog Moritz geleiteten Angriff nördlich von Mühlberg an der Elbe, wobei Kurfürst Johann Friedrich in Gefangenschaft geriet. Kurz darauf mußte auch die Haupt- und Residenzstadt Wittenberg am 25. Mai 1547 vor Moritz kapitulieren. Auf Grund dieses großartigen Sieges erhielt Herzog Moritz fast den gesamten Landbesitz seines besiegten Vetters Johann Friedrich einschließlich der Kurwürde. Diese verblieb von nun an bis zum Ende des alten Reiches 1806 im Besitz der Albertiner.
An der feierlichen Belehnung mit der Kurwürde an Herzog Moritz in der Reichsstadt Augsburg mußte auch der in kaiserlicher Gefangenschaft befindliche sächsische Kurfürst Johann Friedrich wohl als Strafe teilnehmen. Den Ernestinern verblieb von da an nur der südliche Teil der Landgrafschaft Thüringen.
Noch heute erinnert das prächtige Grabmal von Moritz im Dom der Bergbaustadt Freiberg an diesen wohl bedeutendsten WETTINER der frühen Neuzeit.