Leudesius                                       burgundischer Hausmeier
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    675 ermordet
 

Einziger Sohn des Hausmeiers Erchinoald und der Leutsind
 

Werner Karl Ferdinand: Seite 357
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"Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000."

Die unzufriedenen neustrischen Großen ließen deswegen im Jahr 675 Childerich II. - der einen Angehörigen des hohen Adels entehrend hatte schlagen lassen - und seine schwangere Gemahlin im Forst von Brotonne nahe Rouen ermorden. Danach erhoben sie Leudesius zum Hausmeier, und Wulfoald floh nach Austrien. Die günstige Gelegenheit nützte Ebroin, um sein Exil zu verlassen. Unterstützt durch Bischof Audoin von Rouen, übernahm er erneut die Herrschaft. Vor allem in Burgund mußten viele hohe Geistliche in die Verbannung gehen, Leudesius und Warin wurden ermordet.

Ewig Eugen: Seite 149,153,166
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"Die Merowinger und das Frankenreich."

Erchinoald überlebte den König nur kurze Zeit. Er starb vor 660 und wurde von Eligius "aus Barmherzigkeit" bestattet, vermutlich in Peronne. Bei der Nachfolge im Hausmeieramt wurde sein Sohn Leudesius übergangen.
Gewiß hatte die Regentin Balthild ihre Hand im Spiel, als die Franken nach dem Tod Erchinoalds (vor 660, vielleicht 657/58) nach langem Schwanken nicht dessen Sohn Leudesius, sondern Ebroin, einen Franken aus dem Soissonnais, zum Hausmeier erhoben.
Der Hausmeier Wulfoald, dessen Autorität in Neustroburgund allein auf dem König beruhte, zog sich nach dem Königsmord fluchtartig auf Auster zurück. Leodegar und Ebroin, die sich im Exil angeblich versöhnt hatten, verließen Luxeuil. Leodgars Bruder, der Graf Gairenus/Warin von Paris, dürfte gemeinsam mit Audoin von Rouen den bereits 673 von Ebroin proklamierten Königs-Bruder Theuderich aus St. Denis eingeholt und als König Neustroburgunds restituiert haben. Zum Hausmeier erhoben wurde jedoch nicht Ebroin, sondern Leudesius, der Sohn Erchinoalds. Diese Entscheidung führte zu einem neuen Bruch mit Ebroin.
Die Partei des falschen Chlodwig, die sich aus Großen beider Teilreiche rekrutierte, sollte sich bald auflösen. Ebroin nutzte sie nur, um die Partei Leodegars in Neustroburgund auszuschalten. Mit Hilfe der Austrasier griff er den in Nogent residierenden Königshof überraschend an, verfolgte die Fliehenden über die Oise zur Somme, legte in Baizieux die Hand auf den Königsschatz und in Crecy-en-Ponthieu bei der Mündung der Somme die Hand auf den König. Leudesius wurde hingerichtet, Ebroin trat an seine Stelle.

Dahn Felix: Seite 466,479
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"Die Franken."

Im folgenden Jahr entscheidet der König einen Streit zwischen der Kirche von Rouen und dem Kloster von Saint Denis über einen Hof, der ehedem dem Major domus Erchinoald verliehen, jetzt von dessen Sohn Leudesius besessen war, in der Weise, daß jede Partei die Hälfte davon erhielt.
Mit Mühe entkam Wulfoald durch Flucht nach Auster. Sofort wurde Leodegar aus dem Kloster geholt und er und sein Bruder Gairinus waren es vor allem, welche die Wahl eines neuen Hausmeier für ("das Palatium") Burgund betrieben und auf Leudesius, den Sohn Erchinoalds, lenkten.
Es enstanden (obwohl die von Leudesius und Leodegar geführten Adelsgruppen Theuderich II. aus dem Kloster holten und zum König von Burgund und Neuster erhoben, namentlich aber bevor dies geschehen konnte) solch Wirren in diesen beiden Reichen, "daß man meinte, es stehe das Erscheinen des Antichrist auf Erden bevor".
Leudesius entkam mit König Theuderich. Aber Ebroin verfolgte eifrig, erbeutete in der villa Bacio die königlichen Schätze, verfolgte weiter bis Crisciacum, wo er König Theuderich einholte, in seine Gewalt brachte und sofort - nicht etwa tötete, sondern als seinen König und Herrn ehrte! Leudesius lockte er durch listige Friedensvorschläge herbei, tötete ihn treulos "und nahm nun mit klugem Geist  wieder das Majordomus für sich."
 
 
 
 

Literatur:
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Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 Seite 466,479 - Ewig Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1988 Seite 149,153,166,170 - Werner Karl Ferdinand: Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1995 Seite 357 -