UDALRICHINGER
 

EUROPÄISCHE STAMMTAFELN NEUE FOLGE BAND XII Tafel 24 und 25
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 1174
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UDALRICHINGER (auch GEROLDINGER, ULRICHE)
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Fränkisch-alemmannisches Grafengeschlecht 8.-11. Jh., benannt nach Graf Gerold bzw. seinem Sohn, Graf Udalrich I., dem Bruder Königin Hildegards (+ 783). Der Schwager und Günstling KARLS DES GROSSEN begründete seit 778 die mächtige Stellung seiner kognatisch mit den alemannischen Herzögen verwandten, im Elsaß und Mittelrhein reich begüterten Familie im südlichen Alemannien, mit Grafschaftsrechten im Alp-, Breis-, Thur-, Linz-, Argen- und Hegau. Der mit königlicher Billigung 816/17 unternommene Versuch der UDALRICHINGER, die Herrschaft auch auf Rätien (Churrätien) auszudehnen, scheiterte am Widerstand der HUNFRIDINGER. Vor 839 wurden die UDALRICHINGER von den mit LUDWIG DEM FROMMEN verschwägerten WELFEN aus ihren Grafschaften nördlich des Bodensees verdrängt. Erst die neue Alemannenpolitik Ludwigs des Deutschen seit 853 ermöglichte den Wiederaufstieg der UDALRICHINGER auf Kosten der WELFEN unter Restitution ihrer alten Grafschaftsrechte um den Bodensee nach 854/55. Die Verwandtschaft mit den KAROLINGERN und die Königsnähe nutzten die UDALRICHINGER zur Erweiterung des Machtbereichs (als Grafen in Paqnnonien, im Klett-, Nibel- und Rheingau) und zur Verdichtung ihrer Herrschaft im Bodenseeraum (Bregenz und Winterthur, Gründung von Aadorf im Thurgau als Hauskloster und Familiengrablege). Wegen ihrer Beteiligung am mißglückten Aufstand Bernhards gegen Kaiser ARNULF (890) zeitweise entmachtet, konnten die UDALRICHINGER ihre führende Stellung im südlichen Alemannien durch den Anschluß (vor 911) an die zur Herzogswürde aufsteigenden HUNDRIDINGER weitgehend wahren. Vom großen Einfluß der UDALRICHINGER im 10. Jh. zeugen gleichermaßen die Erlangung der Grafschaft in Rätien (vor 926) und der Besetzung der Reichskirchen von St. Gallen (958) und Konstanz (979); Gebhard II. mit Familienmitgliedern. Um 1040 teilten sich die UDALRICHINGER in die 3 Linien Buchhorn (bis 1089), Bregenz (bis vor 1152) und Pfullendorf (bis um 1180).

Literatur:
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E. Knapp, Die älteste Buchhorner Urk., Württ. Vieteljahreshefte für Landesgesch. 19, 1910, 155-265 - B. Bilger, Gesch. Vorarlbergs, I, 1971 - H.-W. Goetz, Typus einer Adelsherrschaft im späteren 9. Jh.: Der Linzgaugf. Udalrich, St. Galler Kultur und Gesch. 11, 1981, 131-173 - M. Borgolte, Gesch. der Gft.en Alemanniens in frk. Zeit, VuF 31, 1984 - Ders., Die Gf.en Alemanniens im merow. und karol. Zeit, 1986 - K. Schmid, Zs. für Württ. Landesgesch. 47, 1988.
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Die UDALRICHINGER waren Linz- und Argengaugrafen.
 
Paul Friedrich Stälin: Seite 425
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"Geschichte Württembergs"

Die in neuester Zeit sogenannten UDALRICHINGER oder ULRICHE stammten in weiblicher Linie von den alten Volksherzogen ab, indem ihre Stammutter Imma (+ wahrscheinlich 798) die Tochter Herzog Nebis war. Ihrer Ehe mit einem nicht bekannten Gemahl   entsproßten Hildegard, die sich KARL DER GROSSE zur 2. Gemahlin erkor, und die Söhne Gerold und Ulrich I., welche, namentlich der erstere (+ 799), an ihres Schwagers Hofe eine bedeutende Rolle spielten. Die Familie hatte wenigstens später einen Hauptsitz zu Buchhorn (jetzt Friedrichshafen) und verwaltete die Grafschaften namentlich im Argen- und Linz, auch im Alp-, Rhein- und Nibelgau, desgleichen in Ober- und meistens auch in Unterrätien. Ihre Geschichte im einzelnen ist übrigens sowohl hinsichtlich der Aufeinanderfolge ihrer Glieder, als hinsichtlich der Linien, in welche sie zerfiel, beziehungsweise der Familien, welche aus ihr hervorgingen, nicht ganz sicher.
Spätere Glieder des Geschlechts sind: Graf Ulrich IV., welcher sich im Jahre 890 in Verbindung mit Kaiser KARLS III. unechtem Sohne Bernhard gegen Kaiser ARNULF erhob (Seite 124), und Graf Ulrich (wohl V.), welcher im Jahre 913 zu einem glänzenden Sieg über die Ungarn mitgewirkt hat (Seite 125). Letzterer ist wahrscheinlich auch der durch die älteste "Heimkehrsage" auf schwäbischem Boden verherrlichte Graf Ulrich. Nachdem er (wohl um das Jahr 920) in die Gefangenschaft der Ungarn geraten war, lebte seine Frau Wendelgard als Klausnerin bei St. Gallen und nahm den heiligen Schleier. Mit dem Beginn des 4. Jahres beging sie nach ihrer Gewohnheit zu Buchhorn den Jahrestag des vermeintlichen Toten durch Verteilung von Geschenken an Arme. Allein glücklich der Gefangenschaft entronnen, findet sich ihr Gemahl unter der Zahl der Bettler ein. Er umarmt Wendelgard. Als ihn deren Begleiter wegen seiner Zudringlichkeit züchtigen wollen, gibt er sich zu erkennen. Bischof Salomo von Konstanz entbindet Wendelgard ihres Gelübdes und sie wird aufs neue mit ihrem Gatten vereint. Die Frucht der erneuten Ehe ist der spätere Abt Burchard von St. Gallen, welcher aus dem Leib der 14 Tage vor der zeitgerechten Stunde der Geburt verstorbenen Mutter herausgeschnitten werden mußte (+ 975), während von Adalhard, dem Sohne aus der frühen Zeit der Ehe, die Fortpflanzung der Familie ausgeht. Letztere dürfte sich in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts, wohl durch zwei Brüder, die Grafen Otto und Ulrich, in 2 Linien, die (Ältere) Buchhorner und die Bregenzer gespalten haben.
Zur Buchhorner Linie, welche die Grafschaften im Linz-, Argen- und Alpgau, sowie Oberrätien verwaltete, gehörten 2 Otto, Vater und Sohn, Anhänger Kaiser HEINRICHS IV. Ohne Zweifel der Vater ist es, welcher im Jahr 1077 den vor König RUDOLF fliehenden Bischof Otto von Konstanz in ein benachbarte Burg aufnahm. Im Frühjahr 1079 fiel Herzog Welf VI. in Oberrätien ein und zwang Ottos Sohn, ohne Zweifel Otto II., sich RUDOLF zu unterwerfen, wogegen Abt Ulrich III. von St. Gallen in Gemeinschaft mit Graf Otto - wahrscheinlicher dem Vater als dem Sohne - die Burg Markdorf eroberte und niederbrannte, auch der Stadt Bregenz gleiches Schicksal bereitete. Im Jahr 1089 starb Graf Otto II. als Ehebrecher eines schmählichen Todes und mit ihm erlosch diese Linie der UDALRICHINGER, worauf es zu heftigen Kämpfen um ihr Erbe kam. Herzog Welf hatte, vielleicht bei seinen Erfolgen im Jahre 1079, von Otto II. dessen Allodialgut zugesagt erhalten und wußte es auch - wahrscheinlich handelt es sich hier um den uns überlieferten Kampf zwischen Welf und Graf Ulrich von Bregenz im Jahre 1093 - zu behaupten, während die Buchhorner Grafschaft, vielleicht durch Vermittlung einer Erbtochter Graf Ottos I. auf einige Zeit wenigstens, an die Kirchberger Familie gekommen sein werden: auch dies wohl nicht ohne Kämpfe zwischen den Grafen Hartmann von Kirchberg und Rudolf von Bregenz ums Jahr 1109 (oder 1108). Wohl als Witwe wurde Ottos Gemahlin Bertha die Stifterin des Nonnenklosters Hofen bei Buchhorn.
Der Bregenzer Linie, welche in Unterrätien, dem Rhein- und Nibelgau die Grafschaft verwaltete, am Bodensee (auch zu Tettnang) und im Rheintal reichen Besitz hatte, gehörte Graf Ulrich IX., (vielleicht X. + 1097) an, welcher, Anhänger des Gegenkönigs RUDOLF von Schwaben, sich mit dessen Tochter Bertha vermählte. Diese letztere, in der Folgezeit nicht selten Gräfin von Kelmünz genannt, brachte ihrem Gemahl, wohl als Erbe vom alten Herzogsgeschlechte, reichen Besitz in der Donau- (zu Marchtal und so weiter) und Illergegend (Burg Kelmünz) zu. Rudolf selbst stiftete das Kloster Mehrerau bei Bregenz. Seine Söhne, Rudolf (+ vor 1158), Gemahl der Wulfhilde, Tochter Herzogs Heinrichs des Schwarzen von Bayern, und Ulrich, vielleicht auch noch ein 3. (Heinrich), hinterließen keine männlichen Nachkommen, und so gingen die Besitzungen dieses Zweiges der Familie um die Mitte des 12. Jahrhunderts durch des jüngeren Rudolfs einziges Kind und Erbin Elisabeth an deren Gemahl, den Pfalzgrafen Hugo II. von Tübingen, über.
Früher haben sich nach Berichten, deren Glaubwürdigkeit zum Teil angegriffen wird, von den Söhnen Graf Ulrichs VI., Brüdern des Bischofs Gebhard I. von Konstanz (980-996), des Gründers von Kloster Petershausen, weitere Linien abgezweigt, nämlich von Marquard (im Jahre 993 Grafen der Goldineshuntare) die Pfullendorfer Grafen, und von Liutfried das Ältere Winterthurer Geschlecht, dessen Mannesstamm bereits mit Liutfrieds Sohn, dem im Jahre 1053 in Apulien gefallenen Adalbert, schließt und dessen Besitz Adalberts Erbtochter Adelheid an den Grafen Hartmann I. von Dillingen und dessen Familie überging.
 
K. Schmid: Seite 192
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"Gebetsgedenken"  1983

Betrachtet man die Anfänge der Adelsgeschlechter, so zeigt es sich, dass auch deren Benennung oftmals nicht befriedigen kann. Dies soll am Beispiel der "UDALRICHINGER" dargetan werden. Bekanntlich wurden die Bezeichnungen "ULRICHE" (G. Meyer von Knonau) oder "UDALRICHINGER" (F. L. Baumann) in der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts für jene Adligen geprägt, die sich in den Quellen als Verwandte der Königin Hildegard erkennen lassen. Die Namengebung rechtfertigt sich im wiederkehrenden Auftreten des Namens Ulrich innerhalb einer unter KARL DEM GROSSEN und LUDWIG DEM FROMMEN hervorgetretenen Familie. Auch im späteren 9., im 10. und 11. Jahrhundert begegnen "ULRICHE", die als Nachfahren jener älteren Familie anzusprechen sind und sich vom 11. Jahrhundert an nach Bregenz, Buchhorn, Winterthur, Pfullendorf und Heiligenberg, aber auch nach Nellenburg, Lenzburg und Kyburg-Dillingen und anderen Sitzen zu nennen beginnen. Man spricht daher vom "Adelshaus der UDALRICHINGER", das sich im fortgeschrittenen Hochmittelalter in mehrere Zweige gespalten habe. Doch Graf Udalrich, die namengebende Gestalt des Geschlechtes, ist gar nicht der älteste bekannte Vertreter der Familie. Neben ihm stehen als Brüder der viel berühmtere Markgraf Gerolf und Voto, vielleicht auch Hadrian, Erbio und Megingoz. Ja sogar Ulrichs Eltern, seinen Großvater mütterlicherseits und einen Bruder der Mutter kennen wir mit Namen. Der Blick jedoch richtet sich zunächst auf Ulrichs Schwester Hildegard. Sie, die jugendliche Gattin KARLS, sei von edler Herkunft gewesen, weiß Einhard zu berichten. Und Thegan präzisiert, indem er Hildegards cognatio zum alemannischen dux Gottfried nach Filiationen genau festgelegt. Wenn wir die Frage, ob die Königin Hildegard dem Geschlecht der "UDALRICHINGER" angehört hat, bejahen, dann ist, bevor wir die gottfriedingische Verwandtschaft näher in Erwägung ziehen, zunächst nach dem Vater der Königin zu fragen. Obschon Thegan nur Hildegards Mutter Imma namentlich nennt, ist es gelungen, ihren Gatten in den Lorscher Traditionsnotizen ausfindig zu machen. Er hieß Gerold und war nach einhelliger Ansicht der Forschung ein Franke. Mithin also gehörte Hildegard streng genommen gar nicht zum Geschlechte der "ULRICHE", sondern zu demjenigen von Ulrichs Vater Gerold. Tatsächlich spricht die Forschung neuerdings mehr und mehr von den "GEROLDEN" oder "GEROLDINGERN". Eine belanglose Umbenennung des gleichen "Hauses" nur - so könnte man über diesen Vorgang urteilen. In dessen aber hat man sich unversehens schon von den Quellen wegbewegt. Denn die Geschichtsschreiber, die Hildegards Vater nicht erwähnen, legen besonderen Wert darauf zu betonen, Hildegard sei edler alemannischer Abstammung gewesen. Ist aber die Annahme von Gerolds fränkischer Stammeszugehörigkeit begründet, wogegen sich keine stichhaltigen Argumente vorbringen lassen, dann steht die Feststellung, Hildegard habe dem fränkischen Geschlecht der "GEROLDE" angehört, geradezu im Widerspruch zu den Quellen. Hier wird augenscheinlich die Abkunft vom alemannischen Stamm mit großem Nachdruck betont, obgleich sie die mütterliche und nicht die väterliche Linie betraf. Gleichwohl ist zu bemerken, dass Ulrich Söhne und Enkel beschieden waren, während wir von einer Nachkommenschaft Markgraf Gerolds und Votos nichts wissen. Das Problem, das sich bezüglich der weiteren Nachkommenschaft des älteren Gerold in Franken stellt, sei hier beiseite gelassen. Wenn Ulrich als Stammvater eines Geschlechtes angesprochen wird, so geschieht dies im Hinblick auf seine Nachfahrenschaft. Wodurch aber rechtfertigt sich in diesem Falle die Anwendung des Begriffes "Stammvater"? Will man ihn im historischen Sinne begründet anwenden, so muß doch vorausgesetzt werden, dass eine ganze Nachkommenschaft durch die schicksalswendende oder epochemachende Tat eines Ahnen, eben des Stammvaters, geprägt worden ist. Diese Forderung kann als erfüllt gelten, wenn ein Ahnherr seinem künftigen Geschlechte zum Beispiel den Genuß eines außerordentlichen Besitztums ermöglicht, den Besitz einer Herrschaft in die Wege geleitet oder verschafft hat. In diesem Sinn besitzt jede Dynastie, in Sonderheit jede Königsdynastie, ihren Stammvater. War Ulrich indessen der Stammvater eines Geschlechtes, das wir mit voller Berechtigung "UDALRICHINGER" nennen? Bevor wir auf diese Frage eine Antwort geben, wollen wir zunächst die Anfänge der "UDALRICHINGER" noch etwas näher ins Auge fassen. Während Ulrich selbst seit 788 in den Quellen erscheint, ist Hildegard schon zu Anfang der 70-er Jahre von KARL DEM GROSSEN als Gattin heimgeführt worden. Die Familie jedoch, der sie und Ulrich angehörten, tritt in der Regierungszeit König Pippins keineswegs hervor. Offenbar lagen die Schatten des Sturzes des alemannischen Herzogtums auf ihr. Die Heirat KARLS mit Hildegard muß vielmehr als Ausdruck eines auch anderweitig zu beobachtenden politischen Kurswechsels des neuen Königs hinsichtlich des alemannischen Adels gewertet werden. Erst seit 777 wird Hildegards Vater faßbar, erst von den 80-er Jahren an begegnen die Angehörigen der Königin als Grafen in vielen Gegenden Alemanniens. Die Heirat Hildegards, die Königsnähe also, war für die Stellung der Familie ausschlaggebend. Man könnte - so paradox es klingen mag - sagen, im politischen, im historischen Sinne habe Hildegard, die Königin, das Haus begründet, das wir "UDALRICHINGER" zu nennen pflegen. Notker berichtet dazu illustrierend, Udalrich sei nach Hildegards Tod bei KARL in Ungnade gefallen und habe alle Lehen verloren, doch der König habe mit Rücksicht auf seine geliebte verstorbene Gemahlin sein Urteil rückgängig gemacht. Versucht man demgegenüber, die Bedeutung der Verwandtschaft mit dem alemannischen Herzogshaus, von der Thegan spricht, einzuschätzen, so ist trotz der Verbindung beider Familien durch verwandtschaftliche Bande der Bruch unverkennbar. Wir hätten sonst nicht das Fehlen von Quellen in der Regierungszeit Pippins feststellen müssen. Auch die Feindschaft zwischen Hildegard und Isanbrand, dem Sohn Warins, die Heirat des "Franken" Gerold mit Imma und die spätere Überlieferung, der König habe die aus Gallien nach Alemannien gekommenen Brüder - unter ihn Udalrich - reich ausgestattet, weisen darauf hin. Die ausdrückliche Hervorhebung der gottfriedischen Verwandtschaft und der schwäbischen Herkunft Hildegards durch Einhard und Thegan aber kann nur aus den Verhältnissen und Tendenzen der Zeit der Abfassung dieser Quellen und ihrer Verfasser verstanden werden. Trotz der blutmäßigen Bindung zwischen dem gottfriedingischen Herzogshaus und den "UDALRICHINGERN" sind diese beiden "Geschlechter" oder "Häuser" nicht vergleichbar. Ihre jeweilige politische Situation ist von Grund aus verschieden zu beurteilen. Während Herzog Gottfried und seine Söhne eigenständige Herrschaftsrechte beanspruchten und ausübten, waren Markgraf Gerold und Ulrich Sachwalter und Diener des Frankenkönigs, während Theutbald und Lantfrid eigenmächtig gegen den Frankenkönig zu Felde zogen und schließlich unterworfen, ja gestürzt wurden, fiel Ulrich vorübergehend in Ungnade: Aus herrschenden Herren sind augenscheinlich dienende Herren geworden. Will man daher diese Adligen kennzeichnen, so hat die Bezeichnung "Verwandte der Königin Hildegard" in jeder Hinsicht mehr für sich als etwa "UDALRICHINGER" oder "GEROLDINGER", zumal der Kreis der in Frage stehenden Personen nicht nur Gerolds und Ulrichs Nachkommen einschließt, sondern auch Immas Bruder Rodbert. Dieser Rotbertus comes filius Hnabi (Nebi) condam, der Thegan zufolge als agnatischer Sproß Herzog Gottfrieds anzusprechen ist, sprengt den Rahmen der "UDALRICHINGER" oder "GEROLDINGER" noch vollends, da Robert inkonsequenterweise zu den "UDALRICHINGERN" gerechnet wird, obwohl er Gerolds Schwager war. Das alemannische Herzogshaus ist im Jahre 746 endgültig untergegangen, obschon Angehörige der herzoglichen Familie Gottfrieds nach Thegan sowohl in männlicher (Rodbert) als auch in weiblicher Linie (Imma) den Untergang des Hauses überlebt hatten. Man sieht demnach, dass sich historische und genealogische Gegebenheiten hier keineswegs decken. Hat das "Herzogshaus" trotz Nachkommenschaft zu bestehen aufgehört, so fragt es sich umgekehrt, wann und mit wem das "Haus" der "UDALRICHINGER" wohl eingesetzt hat. Die Tatsache, dass Ulrich uns bekannte Nachfahren hinterließ, ist höchstens scheinbar ein genealogisches Kriterium, den auch er hatte ja einen Vater, der zudem noch bekannt ist. Genealogische Gesichtspunkte reichen daher keineswegs aus, um von der Begründung des "Hauses der UDALRICHINGER" sprechen zu können. Historische Gesichtspunkte aber sind - wie wir sahen - nicht zu gewinnen, um mit Udalrich ein "Haus der UDALRICHINGER" beginnen zu lassen. Das Problem bleibt ungelöst stehen. Wenn wir solche Bezeichnungen - wie zum Beispiel "UDALRICHINGER" - benützen, dann kann es sich nur um Hilfsnamen handeln.