GROITZSCH, Burg
 

EUROPÄISCHE STAMMTAFELN NEUE FOLGE BAND I.1 Tafel 13 B
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1723
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Groitzsch
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Burg und Stadt in Sachsen (südlich von Leipzig)

Auf einem Bergsporn über der Elsteraue bestand wohl seit dem frühen 11. Jh. eine Wehranlage, auf die sich wahrscheinlich die Schenkung von 'Grothomizi' 1030 durch König KONRAD II. an Markgraf Hermann von Meißen bezieht. Über Udo von Stade, Markgraf von Zeitz, gelangte die Burg an dessen Pflegesohn Wiprecht II. von Groitzsch, der von hier aus eine weit gespannte Herrschaft aufbaute. Auf ihn geht die Rundkapelle (böhmischer Einfluß) in der Burg zurück. Die in fünf Bauperioden an der Straße von Merseburg nach Osten entstandene Burg mit Vorburg war Mittelpunkt eines ausgedehnten Burgwards; 1306/07 wurde sie zerstört. Nach dem Aussterben des Hauses GROITZSCH fiel Groitzsch 1143 durch Heirat an eine Nebenlinie der WETTINER (Grafen von Groitzsch bis 1207). Sie bauten den Ort Groitzsch gegen das Reichskloster Pegau zu einem Stützpunkt der Landesherrschaft aus (nach 1200 Markt, Münze und Zoll, neu gegründete Kirche St. Egidien, neben älteren Marienkirche).

Literatur:
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H. Küas-M. Kobuch, Rundkapellen des Wiprecht v. G., 1977 - H.-J. Vogt, Die Wiprechtsburg G., 1987.


Burg bei Borna

1073 fiel dem aus der Altmark kommenden Wiprecht die 1030 ersterwähnte Burg Altengroitzsch zu. Um 1080 errichtete er umweit davon ebenfalls auf dem alten Burggelände die Burg Groitzsch. Zunächst hatte Wiprecht einen schweren Stand gegen den hiesigen Grundadel, die Herren von Teuchern, Kitzen, Profen und Elstertrebnitz. In dem Maße jedoch, wie er sich in den Dienst Vratislavs II. von Böhmen stellte, an HEINRICHS IV. erstem Romzug teilnahm, beim Kaiser Vratislavs Erhebung zum ersten böhmischen König erreichte, dessen Tochter Jutta 1084 heiratete und so die Gaue Nisan und Bautzen als böhmisches Lehen erhielt - ferner kaiserliche und bischöfliche Schenkungen wie die Burgen Leisnig und Colditz oder Land im Orlagau - faßte Wiprecht nicht nur hier Fuß, sondern erlangte größten Einfluß von Thüringen bis zur Oberlausitz. Gemeinsam mit dem Abt Windolf, den er von Corvey nach Pegau rief, leitete er eine erfolgreiche fränkische Siedlung zwischen Schnauder und Wyhra und weiter bis zur Mulde hin ein, erzeugte durch diese Rodungsarbeit nach Rechtsvorstellungen der Zeit Herrschergewalt in diesem Gebiet. In den schweren Kämpfen HEINRICHS IV. mit dem Gegen-König RUDOLF VON SCHWABEN, der bei Hohenmölsen 1080 siegreich war, doch verwundet in Merseburg starb, hat Wiprecht zusammen mit dem Böhmen-König auf HEINRICHS Seite gestanden. Erst am böhmischen, dann am thüringischen Nachfolgestreit, in den Wiprechts gleichnamiger Sohn verwickelt war, zerbrach dieses Bündnis; Vater und Sohn fielen nacheinander in Gefangenschaft HEINRICHS V., verloren vorübergehend sämtlichen Besitz einschließlich der Burg Groitzsch. Erst nach der Schlacht am Welfesholz bei Mansfeld 1115 und dem Tod des jüngeren Wiprecht erneuerte sich das Bündnis; Wiprecht wurde vom Kaiser in die alten Rechte eingesetzt, kurz vor seinem Tode noch 1123 zum Markgrafen in der Nieder-Lausitz und in Meißen ernannnt. 1144 fielen Burg und zugehöriger umfangreicher Burgward an Dedi von Wettin, 1207 an die wettinische Hauptlinie. Die Burg wurde Ende des 13. Jahrhunderts/Anfang des 14. Jahrhunderts in die wettinisch-königlichen Kämpfe einbezogen, durch ADOLF VON NASSAU Ende Oktober 1294 belagert und beschädigt.