ADOLF I.                                     Deutscher König (1292-1298)
-------------                                    Graf von Nassau (1276-1298)
um 1255-2.7.1298 gefallen
              Göllheim bei Worms

Begraben: Kloster Rosenthal
 

Ältester Sohn des Grafen Walram II. von Nassau-Wiesbaden-Idstein und der Adelheid von Katzenelnbogen, Tochter von Graf Diether IV.
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Seite 157-159
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ADOLF VON NASSAU, deutscher König
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* ca. 1250, + 2. Juli 1298 gefallen
                    auf dem Hasenbühl bei Göllheim (bei Worms)

Sohn Graf Walrams II. von Nassau

Begraben: Kloster Rosenthal

  oo Imagina von Limburg

Nachdem es König RUDOLF VON HABSBURG nicht gelungen war, König Wenzel von Böhmen  für die Wahl seines Sohnes Albrecht, Herzog von Österreich, zum deutschen König zu gewinnen, hatten Herzog Albrecht von Sachsen und wohl auch Markgraf Otto von Brandenburg den Böhmen in Zittau ihre Kurstimme gegen Geld überlassen. Diese Verbindung sprengte Erzbischof Siegfried II. von Köln, als er in der Person ADOLFS, dem er seit der Schlacht von Worringen (1288) verpflichtet war, einen eigenen Kandidaten aufstellte und für diesen auch den zunächst zögernden Erzbischof Gerhard II. von Mainz gewann. In der Dominikanerkirche zu Frankfurt wurde ADOLF VON NASSAU am 5. Mai 1292 mit den Stimmen von Mainz (mit für Böhmen), Köln, Sachsen und vielleicht auch der Brandenburgs gewählt. Damit war der Versuch Pfalzgraf Ludwigs II. bei Rhein, seinen Kandidaten ALBRECHT VON ÖSTERREICH durchzubringen, gescheitert; am 24. Juni 1292 wurde ADOLF durch Siegfried von Köln in Aachen gekrönt. Die Wahl war dadurch ermöglicht worden, dass Köln und Mainz dem König unerhörte Wahlkapitulationen abzwangen. In ihnen ging der auf schmalen Besitz fundierte König schwere finanzielle Verpflichtungen (Köln: 25.000 Mark, dafür Verpfändung nassauischer Burgen) ein, auch war ihm die Überstellung von Gütern, vor allem wichtiger Burgen, die sich zum Teil gar nicht in seinem Besitz befanden auferlegt. Relativ geringfügige Forderungen stellte Boemund von Trier. Wenzel von Böhmen dürfte ADOLF dadurch gewonnen haben, dass er seinen Sohn Ruprecht mit Agnes von Böhmen verlobte. ADOLF VON NASSAU wollte dem Böhmen bis zur Vermählung der Kinder die Reichsländer Pleißen (um Altenburg) und Eger als Pfand geben. Die Erhebung des Landgrafen Heinrich von Hessen zum Reichsfürsten am 11. Mai 1192 gehörte zweifellos auch zu den Handlungen, zu denen sich ADOLF auf Drängen Gerhards II. von Mainz verstehen mußte. Die Herrschaft ADOLFS  war fortan wesentlich darauf angelegt, sich aus der ihm in den Wahlkapitulationen aufgezwungenen finanziellen und politischen Handlungsunfähigkeit zu befreien und für sein Königtum eine territoriale Basis zu gewinnen. Er kaufte dem in ständiger Geldverlegenheit befindlichen Landgrafen Albrecht dem Entarteten von Thüringen 1293 für 11.000 oder 12.000 Mark Silber die Landgrafschaft Thüringen (nach einigen Quellen auch Meißen) ab - ein rechtlich in verschiedener Weise fragwürdiges Geschäft. Damit nahm die Verschuldung ADOLFS zunächst zu, und er forderte den gegen ihn von Anfang an mißtrauischen Erzbischof von Mainz weiter heraus; einmal, weil die Gefahr bestand, dass die eingeschränkte Liquidität des Königs zur Zahlungsversäumnis gegenüber dem Erzstift führen würde. ADOLF VON NASSAU hatte nämlich in der Wahlkapitulation die Begleichung der Schulden bei der römischen Kurie übernommen, die dort anläßlich der Wahl Gerhards II. zum Erzbischof entstanden waren. Zum anderen mußte sich Gerhard durch einen in Thüringen unmittelbar gebietenden König bedrängt fühlen, weil Mainz hier seit alters große Territorialkomplexe besaß und Albrecht selbst mainzische Lehen innehatte. Ein ihm im Juni 1294 von König Eduard I. von England angebotenes Bündnis mußte ADOLF als Rettung erscheinen. Er schloß das Bündnis am 21. August 1294 in Nürnberg ab und brach vermutlich von dort nach Thüringen auf, von dem er in aller Form Besitz ergriff. Während er im Herbst 1294 bis in den Raum südlich Leipzig vorstieß, gingen aus der Zahlstelle des englischen Königs in Dordrecht 25.000 Pfund Hilfsgelder an ADOLF ab, die dieser zweifellos mit zur Bezahlung Thüringens verwendet hat. Die Einsetzung eines Reichslandpflegers und der systematische Kauf von Parteigängern in Thüringen ließen erkennen, dass ADOLF VON NASSAU die Basis für sein Königtum auszubauen suchte. Ein Vorstoß des Königs nach Burgund und ins Elsaß war nicht mehr als eine Demonstration gegen König Philipp IV. den Schönen von Frankreich. Dadurch sollte die mit dem englischen Vertrag übernommene Verpflichtung erfüllt werden, den KAPETINGER zur Entlastung der englischen Festlandsbesitzungen vom Osten her zu bedrängen. Durch einen zweiten Zug nach Mitteldeutschland (September 1295/Mai 1296) tangierte der König die über das Erzgebirge greifenden Interessen Wenzels so nachhaltig, dass er diesen an die Seite seines bisherigen Gegners ALBRECHT VON ÖSTERREICH trieb. Kritik an ADOLF VON NASSAU wurde 1297 anläßlich der von Erzbischof Gerhard II. von Mainz verspätet an Wenzel vollzogenen Krönung in Prag geübt und im Februar 1298 in Wien sein Sturz durch Brandenburg, Sachsen, Böhmen und Österreich vorbereitet. Herzog Albrecht wurde aufgefordert, an den Rhein zu ziehen und ADOLF zu bekämpfen. Die Kurfürsten waren bereit, ADOLF VON NASSAU abzusetzen und ALBRECHT zum König zu wählen, der versprach, das Pleißen- und das Egerland an Böhmen zu verpfänden und letzteres von allen vasallitischen Pflichten gegenüber dem Reich zu befreien. Papst Bonifaz VIII. suchte im Rahmen seiner Friedenspolitik gegenüber England und Frankreich auch ADOLF VON NASSAU und Philipp den Schönen von kriegerischen Maßnahmen abzuhalten. Der in Flandern erwartete  Zusammenstoß zwischen Philipp und Eduard, der in Sluys gelandet war, unterblieb. Während Herzog Albrecht den König am Oberrhein militärisch beschäftigte, führte der von Papst Bonifaz VIII. exkommunizierte Erzbischof Gerhard in seiner Metropole den Absetzungsprozeß gegen ADOLF (Absetzung am 23. Juni 1298 mit 5 von 7 Kurstimmen). Der NASSAUER wurde in der Ritterschlacht von Göllheim - diese wurde ein zwei längeren zeitgenössischen Gedichten besungen - von Herzog Albrecht geschlagen und fiel.

Literatur:
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F. W. Th. Schliephake, Gesch. v. Nassau 2 und 3, 1867, 9 - V. Samanek, Stud. zur Gesch. Kg. A.s, SAW phil.-hsit. Kl. 207, V. Abh. 2, 1930 - Die Reg. des Ksr.s unter A. v. N., RI VI, 2, neu bearb. v. V. Samanek, 1948 - F.J. Schmale, Eine thüring. Briefslg. aus der Zeit A.s v. N., DA 9, 1952 - H. Patze, Ebf. Gerhard II. v. Mainz und Kg. A. v. N., Hess. Jb. f. Landesgesch. 13, 1963, 83-140 - F. Trautz, Stud. zur Gesch. und Würdigung Kg. A.s v. N., Gesch. Landeskunde 2, 1965, 1-45.



Schwennicke Detlev: Tafel 61
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

ADOLF
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* (1250), + gefallen bei Göllheim 2. VII 1298

Begraben: Kloster Rosenthal, 1309 Speyer Dom

Frankfurt/Main 5. V 1292 gewählt
Aachen 24. VI 1292 KÖNIG gekrönt
1292 in WIESBADEN
stiftet 1298 Kloster Klarenthal bei Wiesbaden

  oo um 1271
       IMAGINA VON LIMBURG
                + 29. VII ...

Begraben: Klarenthal

Tochter von Gerlach



ADOLF verfügte nur über geringen Besitz. Den kleinen Familienbesitz hatte sein Vater auch noch mit seinem Bruder Otto teilen müssen, so dass ADOLF VON NASSAAU nach dem Tod des Vaters nur die Herrschaften Idstein und Weilburg, Stadt und Hof Wiesbaden sowie die Vogtei Bleidenstadt übernehmen konnte. Darüber hinaus teilten sich die beiden Linien auch noch die Einkünfte der Grafschaft Einrich und die der Grafschaft Nassau. Der Graf mußte, um seine Einkünfte zu mehren, fremde Dienste annehmen. ADOLF hatte eine besonders sorgfältige Ausbildung genossen (er sprach Latein und Französisch), außerdem galt er als liebenswürdig, beweglich, waffengewandt und tapfer. ADOLF hatte schon König RUDOLF I. als Burghauptmann von Wetzlar gedient, auch im Dienste des Pfalzgrafen Ludwig hatte er gestanden (Hauptmann von Kaub). Noch wichtiger für seinen Aufstieg aber war wohl die Teilnahme am Limburger Erbstreit, wo er für den Erzbischof von Köln kämpfte. ADOLF wurde, da ALBRECHT VON HABSBURG keine Mehrheit finden konnte, systematisch vom Kölner Erzbischof zum Kandidaten für den Königsstuhl aufgebaut und am 5.5.1292 zum deutschen König gewählt. Er erkaufte seine Wahl durch Geld und die Einräumung sensationeller Zugeständnisse an die Kurfürsten und schloß mit Eduard I. von England im August 1294 ein Bündnis gegen Frankreich. Die dafür erhaltenen Subsidien benutzte ADOLF jedoch nicht dazu, den schon erklärten Krieg (31.8.) zu beginnen, sondern ließ sich anscheinend seine Neutralität vom französischen König bezahlen. ADOLF unterwarf den Elsaß und kaufte im April 1294 dem Landgrafen Albrecht Thüringen ab und zog die Mark Meißen, wo er 1296 seinen Vetter Heinrich von Nassau als Statthalter einsetzte, als erledigtes Reichslehen ein. Diese Hausmachtpolitik rief vor allem den Mainzer Erzbischof und König Wenzel II. von Böhmen gegen ADOLF auf den Plan. Es kristallisierte sich immer mehr heraus, dass weder die Mittel noch die Persönlichkeit des Königs ausreichten, um sich im Reich bzw. auch außenpolitisch Anerkennung zu verschaffen. Im Jahre 1297 wollte ADOLF etliche eingegangene Verpflichtungen aus dem Bündnisvertrag mit England einlösen und mit einem Reichsheer nach Flandern einrücken. Doch das Vorhaben scheiterte an der drohenden Fürstenkoalition gegen den König. Er bestätigte die Reichsfreiheit der Eidgenossen, erwarb endgültig Biebrich und Weilburg, erhob Idstein zur Stadt und förderte die Adelsrebellionen in Österreich. Er stiftete 1298 das Nonnenkloster Klarenthal als Hauskloster. Im Juni 1298 beschloß die Kurfürstenversammlung in Mainz die Absetzung ADOLFS wegen zahlreicher Vergehen und wegen Unfähigkeit als König und wählte ALBRECHT VON HABSBURG zum deutschen König, der am 2.7.1298 ADOLFS Heer in der Schlacht bei Göllheim (Rheinpfalz) besiegte. ADOLF fiel in der Schlacht. Zunächst fand er seine letzte Ruhestätte im Kloster Rosenthal. Im Jahre 1309 ließ HEINRICH VII. die sterblichen Reste ADOLFS I. in den Dom von Speyer überführen.
 
 
 
 

um 1270
  oo Imagina von Limburg, Tochter des Grafen Gerlach I.
              -29.9. nach 1313

     Erbin von Kleeberg
 
 
 
 

8 Kinder:

  Heinrich
        - jung

  Imagina
         - jung

  Gerlach I.
  vor 1288-7.1.1361

  Adolf
  1292-   1294

  Walram III. Graf zu Wiesbaden
  1294-15.5.1324

  Ruprecht VI. Graf von Nassau (1299-1304)
  vor 1280-2.11.1304

  Adelheid Äbtissin von Klarenthal (1311-1338)
          -12.5.1338

  Mechthild
  um 1280-19.6.1323
                 Heidelberg

1.9.1294
  oo Rudolf I. Herzog von Ober-Bayern
      4.10.1274-12.8.1319
 
 
 
 

Literatur:
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Benker Gertrud: Ludwig der Bayer. Ein Wittelsbacher auf dem Kaiserthron. Eugen Diederichs Verlag München 1997 Seite 20,31,33,43,47,49,59,64 - Bock, Friedrich: Englands Beziehungen zum Reich unter Adolf von Nassau - Samanek, Vincenz: Der angebliche Verrat Adolfs von Nassau - Engel, Evamaria: Adolf von Nassau, in Deutsche Könige und Kaiser des Mittelalters, Urania-Verlag 1988, Seite 251-257 - Franzl Johann: Rudolf I. Der erste Habsburger auf dem deutschen Thron. Verlag Styria Graz Wien Köln 1986 - Höfer, Manfred: Die Kaiser und Könige der Deutschen, Bechtle Verlag Esslingen 1994, Seite 125-127 - Hundt, Barbara: Ludwig der Bayer. Der Kaiser aus dem Hause Wittelsbach Bechtle Verlag Esslingen München 1989 Seite 52,55,63,66,103,133,257 - Jaeckel, Gerhard: Die deutschen Kaiser. Die Lebensgeschichten sämtlicher Monarchen von Karl dem Großen bis Wilhelm II., Weltbild Verlag Augsburg Seite 103-104 - Krieger, Karl-Friedrich: Die Habsburger im Mittelalter. Von Rudolf I. bis Friedrich III. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1994, Seite 67,80-86,88,90,92,94,103,105,108,112 - Krieger Karl-Friedrich: Rudolf von Habsburg. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2003 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 61 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 2 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser II, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 308 - Trautz, Fritz: Die Könige von England und das Reich 1272-1377. Mit einem Rückblick auf ihr Verhältnis zu den Staufern, Carl Winter Universitätsverlag Heidelberg 1961 -