DIEPOLDINGER
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EUROPÄISCHE STAMMTAFELN NEUE FOLGE BAND XVI Tafel 78 

Lexikon des Mittelalters: Band III Seite 1009
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DIEPOLDINGER
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Grafen im schwäbischen Augst- und Durigau sowie Markgrafen auf dem bayerischen NordgauU. Ältestes bekannte Mitglied dieser mit zahlreichen Hochadelsfamilien des südostdeutschen Raumes verwandten Familie ist wohl der 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld gefallene Diepold, Graf im Augstgau, der auch um Dillingen und Giengen begütert war. Seine Enkelin heiratete den Traungaugrafen Rapoto und begründete damit die untrennbar engen Verbindungen zu den RAPOTONEN. Nach der weitgehenden Beschneidung der Macht der DIEPOLDINGER im Augstgau durch die Forstbannschenkung Kaiser HEINRICHS IV. an die Bischöfe von Augsburg 1059 sind sie ab 1073 als Markgrafen in der um die Jahrhundertmitte von Kaiser HEINRICH III. eingerichteten Markgrafschaft Cham und ab 1077 in der Mark Nabburg bezeugt. Rapoto V. erscheint zudem 1082-1099 als Pfalzgraf in Bayern. Im Investiturstreit standen die RAPOTONEN auf kaiserlicher Seite. Diepold II. fiel 1078 bei Mellrichstadt, Rapoto III. 1080 an der Grune. Während der Auseinandersetzungen zwischen Kaiser HEINRICH IV. und HEINRICH V. traten sie aber auf die Seite des Sohnes. Diepold III. (1099-1146) war maßgeblich am Aufstand des Nordgauadels gegen HEINRICH IV. 1105 beteiligt und spielt in der Reichspolitik HEINRICHS V. eine bemerkenswerte Rolle. Durch dessen Förderung erlebte das Geschlecht seinen Höhepunkt. Diepold III. erwarb Gebiete um Vohburg und dehnte seine Herrschaft durch Landesausbau vor allem im Egerland aus. Er gründete 1118 die Benediktinerabtei Reichenbach und 1133 die Zisterzienserabtei Walsassen. Auf ihn geht die entscheidende Stufe in der Entwicklungsgeschichte der Stadt Cham zurück. Seine Tochter Adela war die 1. Gattin FRIEDRICH BARBAROSSAS. Mit dem Tode Diepolds III. setzte der Niedergang ein. Noch 1146 wurde das Egerland von der Mark Nabburg abgetrennt. Das Geschlecht teilte sich in 2 Linien. Die Ältere starb mit Markgraf Berthold II. 1204 aus, der die Gebiete um Cham und Vohburg an seinen Schwager Herzog Ludwig I. von Bayern vererbte. Die Jüngere erlosch um 1257 in der Gefolgschaft der STAUFER in Italien und brachte Reste der Mark Nabburg in der mittleren und nördlichen Oberpfalz an die WITTELSBACHER. Der Versuch der Territorialbildung auf dem Nordgau durch die DIEPOLDINGER ist in den Anfängen steckengeblieben. Schwerpunkt ihrer Herrschaft blieb immer die Markgrafschaft Cham. Die Hauptleistungen des Geschlechts sind die kolonisatorische Erschließung großer Teile des bayerischen Nordwaldes (des heutigen Oberpfälzer Waldes) bis ins Egergebiet und die Sicherung des Grenzraumes gegen das sich bildende Herzogtum und Königreich Böhmen durch vor allem um die Reichsburg Cham angesiedelte Ministerialen.
 

Literatur:
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NDB III, 653f. [M. Piendl] - M. Doeberl, Reg. und Urkk. zur Gesch. der Dipoldinger Mgf.en auf dem Nordgau, 1893 - Ders., Die Mgft. und die Mgf.en auf dem bair. Nordgau, 1894 - S. v. Riezler, Gesch. Baierns I, 2, 1927, 584-586 - Genealog. Hdb. zur bair.-österr. Gesch. hg. O. Dungern, 1931 Taf. 4 [K. Trotter] - K. Bosl, Die Markengründungen Ks. Heinrichs III. auf bair.-österr. Boden, ZBLG 14, 1943/44 177-247 - L. Throner, Die D. und ihre Ministerialen [Diss. masch. München 1944] - K. Tyroller, Genealogie des altbayer. Adels im HochMA, 1962, 180-191.
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Boslís Bayerische Biographie: Seite 138
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DIEPOLDINGER, Markgrafen
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Seit Mitte des 11. Jahrhunderts zusammen mit den verwandten RAPOTONEN als Markgrafen von Cham, Vohburg, Nabburg in entscheidender Herrschaftsposition auf dem Nordgau. Im Zuge von Rodung, Burgenbau und Ministerialenverwaltung Entwicklung einer geschlossenen Adelsherrschaft.