Johann II. von Avesnes                   Graf von Holland (1299-1304)
-----------------------------                  Graf von Hennegau (1257-1304)
1247-11.9.1304
        (22.8.1304 Ennen)
 

Älterer Sohn des Grafen Johann I. von Avesnes-Hennegau und der Adelheid von Holland, Tochter von Graf Florenz  IV.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Seite 509
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Johann II. von Avesnes, Graf von Hennegau, Holland und Seeland
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* ca. 1248, + 11. oder 12. September 1304

Älterer Sohn Johanns I. von Avesnes, dem Sohn der Margarete von Konstantinopel, Gräfin von Flandern und Hennegau und der Alix von Holland, Tochter von Floris IV. von Holland

  oo Philippa (Philippine) von Luxemburg, Tochter des Grafen Heinrich V.
             -

Johann II. von Avesnes führte einen erbitterten Kampf gegen seinen Halbbruder, Gui de Dampierre, den Grafen von Flandern; er hatte dabei die Unterstützung Graf Floris V. und König RUDOLFS VON HABSBURG, der ohne direkt einzugreifen, Johann mit Reichsflandern belehnte (6. November 1279). Im Hennegau trat Johann II. von Avesnes am 10. Februar 1280 die Erbfolge an. Trotz der Privilegierung und Ummauerung von Mons (1290) provozierte seine autoritäre Politik städtische Aufstände (Valenciennes, seit 1290; Maubeuge, 1293). Valenciennes rief Philipp IV. von Frankreich zu Hilfe, der die militärische Garde an Guy de Dampierre übertrug (1292). Doch führten wachsende französisch-flämische Spannungen bald wieder zur Annäherung zwischen dem französischen König und Johann II. von Avesnes (Vertrag vom Mai 1297). Dieser sicherte sich am 10. November 1299 die Grafenwürde von Holland und Seeland und leitete so die dauernde Personalunion der drei großen Fürstentümer ein. In seinen letzten Regierungsjahren wuchs der französische Einfluss in den Niederlanden; Johann II. von Avesnes, der sich am siegreichen Flandernfeldzug Philipps IV. (1301) beteiligte, hatte anschließend die Folgen der Katastrophe von Kortrijk (1302), bei der sein älterer Sohn umkam, mitzutragen. Flandern und Brabant bedrohten die nördlichen Territorien, doch konnte Johann II. von Avesnes seine Stellung mit aktiver Unterstützung der Städte Hollands, die den großen Seesieg von Zierike (10.-11. August 1304) errangen, sichern. Ihm folgte sein Sohn Wilhelm I. (III.) nach.



Thiele, Andreas: Tafel 11
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

JOHANN II. VON AVESNES
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* 1247, + 1304

Graf von Hennegau-Reichsflandern
1296 Vormmund in Holland und 1299/1300 Graf von Holland

Johann II. stand schroff gegen seinen Onkel in Flandern, das er auch über die Großmutter beanspruchte. Er unterstützte im deutschen Thronkrieg ("Interregnum") König RICHARD VON CORNWALL, der ihm alle Ansprüche bestätigte, das auch 1273 RUDOLF VON HABSBURG tat. Es war eine Zeit ständiger Rechtshändel und Grenzstreitigkeiten. Er war seit 1296 Vormund für den Neffen Johann I. in Holland-Seeland und folgte ihm 1299 als Graf von Holland-Seeland-Friesland, was zu einem Erbkrieg gegen den deutschen König ALBRECHT I. VON HABSBURG führte, der alles als erledigtes Reichslehen einzuziehen versuchte. Er wurde geächtet, behauptete sich aber weitgehend mit französischer und brabantischer Unterstützung. Er wurde französischer Vasall, um sich gegen Flandern abzusichern, das Hoheitsansprüche über Seeland erhob. Johann II. unterwarf die Friesen und sicherte seinem Bruder Guido 1301 das Bistum Utrecht, das so wieder ganz unter holländischen Einfluss geriet.

  oo um 1270
       PHILIPPA VON LUXEMBURG
              + 1311

Tochter des Grafen Heinrich V. (Haus LIMBURG)



Ennen, Edith: Seite 209
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"Frauen im Mittelalter."

Als Graf Johann von Holland und Seeland, Herr zu Friesland, 1299 kinderlos starb, beanspruchte sein Verwandter Johann von Hennegau die Nachfolge. Sein Sohn Wilhelm von Hennegau-Holland verheiratet seine Tochter Margarete mit dem deutschen Kaiser LUDWIG DEM BAYERN, seine Tochter Johanna mit Wilhelm V. Herzog von Jülich und seine Tochter Philippine mit König Eduard III. von England. Er selbst heiratete eine Tochter des Herzogs von Brabant.

Leo Heinrich Dr.: Seite 718,721-724
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"Zwölf Bücher niederländischer Geschichten."

Am 1. August 1299 wurde der Graf von Holland ermordet. Hierauf übernham Johann d'Avesnes die vormundschaftlichhe Regierung. Während Jean d'Avesnes Abwesenheit in Frankreich erkrankte Graf Johann am Rotlauf und starb in Haerlem am 10. November 1299.
Johann I. folgte sein Vormund und nächster Blutsverwandter Jean d'Avesnes, der Sohn Jeans d'Avesnes und der Schwester König WILHELMS, Adelheid von Holland. Er hatte sich noch kurz vor dem Tode Johanns I. als Vormund mit den vornehmsten holländischen und zeeuwschen Städten zu unablässiger Fortsetzung des Rache wegen der Ermordung des Grafen Florenz gegen gewisse adelige Familien verbündet. Er besaß zugleich Hennegau, und kam nun durch das zuletzt geschlossene Abkommen zwischen Flandern und Holland zu den DAMPIERRES von Flandern gleich anfangs wieder in ein höchst widerwärtiges Verhältnis.Die Herrschaft über das Amstelland war wieder gegen Utrecht gewonnen: nun erteilte Graf Jean sofort seinem Bruder Gui, der nachmals Bischof von Utrecht wurde. Der Graf von Flandern erteilte [1 Die Fläminger wollten sie Succession der D'AVESNES als Seitenlinie der Grafen von Holland nicht einmal gelten lassen, da sie mit diesen nur durch Weiber zusammenhingen. Kluit I. II. p. 376. Sie sahen also das zeeuwsche Lehen als an Flandern zurückgefallen an. Außerdem verlangte die flämische Fürstenfamilie einen Teil der Mobiliarerbschaft, da Johann I. Sohn einer Gräfin von Flandern war. - König ALBRECHT hatte einen Augneblick daran gedacht, die holländischen Lehen zum Reiche einzuziehen. Er kam deshalb im August 1300 nach Nymwegen, gab aber, als er die Macht Jeans d'Avesnes sah, den Plan auf, und bestätigte diesem in der Erbschaft.] die Belehnung über Zeeland seinem Sohne Gui. Jean dagegen berief sich auf die frühere Erteilung der deutschen Lehen bei Flandern an die D'AVESNES, wozu auch Zeeland gehörte, obwohl dies immer bei Holland geblieben war. Im Jahre 1302 fochten die Fläminger so glücklich, daß nicht nur Zeeland Bewester-Schelde, sondern die ganze Landschaft in ihre Gewalt kam; und in einem Frieden im Junius 1303 mußte sich der Graf von Holland zur einstweiligen Räumung Zeelands mit Ausnahme Zierikzees verstehen. Noch dauerte der Kampf bei Jeans Tode, doch durch den Seesieg über die Fläminger am 10. August 1304 wieder durchaus glücklich für Holland. Jean d'Avesnes starb am 22. August des genannten Jahres und sein Sohn Guillaume folgte ihm.
 
 
 
 

1270
  oo Philippa von Luxemburg, Tochter des Grafen Heinrich V.
             -6.4.1311
 
 
 
 

Kinder:

  Johann Graf von Ostervant
  um 1275-11.7.1302 gefallen

  Marie
         -28.8.1354
         Chateau de Murat

 1310
  oo Ludwig I. Herzog von Bourbon
      1279-22./29.1.1342

  Margarete
           -18.10.1342

 1298
  oo 3. Robert II. Graf von Artois
           1250-11.7.1302

  Isabella
        -   1305

 1296
  oo Rudolf II. von Clermont Seigneur de Nesle
               -11.7.1302

  Heinrich Domherr zu Lüttich
         -   1303

  Alix
       -   1317

 1290
  oo Roger III. Bigod Graf von Norfolk
              -   1306

  Mathilde Äbtissin von Nivelles
         -

  Johanna Nonne zu Fontanell
        -

  Wilhelm III. der Gute
  um 1280/1285-7.6.1337

  Johann Seigneur de Beaumont
  um 1288-11.3.1356

Illegitim

  Adelheid
         -

  oo Wilhelm II. Graf von Borsselen
              - um 1316
 
 
 
 

Literatur:
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Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 209 - Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten. Eduard Anton Verlag Halle 1832 Seite 181,718,721-724 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 -