LUDWIG IV. DER BAYER        Herzog von Ober-Bayern (1294-1347)
-----------------------------------       Deutscher König (1314-1347)
1.4.1282-11.10.1347                    Römischer Kaiser seit 17.1.1328
München  bei Fürstenfeld            König von Italien

Begraben: Frauenkirche, München
 

2. Sohn des Herzogs Ludwig II. der Strenge von Ober-Bayern aus dem Hause der WITTELSBACHER aus seiner 3. Ehe mit der Mechthild von Habsburg, Tochter von König RUDOLF I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 2178
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LUDWIG IV. DER BAYER, römisch-deutscher Kaiser aus dem Haus WITTELSBACH
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* wohl Ende 1281/Anfang 1282, + 11. Oktober 1347
München                                       Puch bei Fürstenfeldbruck

Begraben: München, Frauenkirche

Eltern: Herzog Ludwig II. der Strenge von Ober-Bayern und der Mechthild von Habsburg

Seit 1294 Herzog von Bayern, am 20. Oktober 1314 Wahl zum römischen König in Frankfurt, am 25. November 1314 Krönung zu Aachen, Kaiserkrönung zu Rom 17. Januar 1328

  1. oo um 1309 Beatrix von Glogau

  2. oo 1324 Margarete von Holland

Kinder:
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von 1.:
Ludwig, Markgraf von Brandenburg
Stephan II. Herzog von Nieder-Bayern

von 2.:
Ludwig VI., Markgraf von Brandenburg
Otto V., Markgraf von Brandenburg

[1] Anfänge:

Über die Jugend LUDWIGS ist kaum etwas bekannt. Nach dem Tod seines Vaters 1294 wurde er zusammen mit den Söhnen seines Onkels ALBRECHT VON ÖSTERREICH zur Erziehung nach Wien geschickt. Die Beteiligung an der Regierung der oberbayerisch-pfälzischen Stammlande mußte er erst mit Unterstützung ALBRECHTS I. 1301 gegen seinen älteren Bruder Rudolf I. erkämpfen. Die 1310 erfolgte Teilung des väterlichen Erbes hielt bis zum Sommer 1313 an, als es wegen der Vormundschaft über die minderjährigen Kinder des Herzöge Stephan I. (+ 1309) und Otto III. (+ 1312) von Nieder-Bayern zu einer vorübergehenden Annäherung kam. Obwohl LUDWIG das Sorgerecht erhielt, unterstellten sich die Herzogs-Witwen dem Schutz des verwandten Hauses HABSBURG, das auf dieser Grundlage die Regentschaft in Nieder-Bayern beanspruchte. Den Krieg, der über dieser Frage ausbrach, entschied LUDWIG bei Gammelsdorf (9. November 1313) zu seinen Gunsten und sicherte damit die wittelsbachische Herrschaft in Nieder-Bayern.

[2] Königsjahre:

Dieser Sieg veranlaßte die luxemburgische Partei, nach dem Tod HEINRICHS VII. Herzog Ludwig bei der Königswahl als ihren Kandidaten gegen das Haus ÖSTERREICH zu unterstützen. Das Ergebnis war die Doppelwahl von 1314. Im Oktober wurden FRIEDRICH DER SCHÖNE und LUDWIG von unterschiedlichen Gruppierungen zum römischen König gewählt und im Folgemonat gekrönt. Der dadurch ausgelöste Thronkampf zog sich fast über acht Jahre hin. Die Entscheidungsschlacht wurde am 28. September 1322 bei Mühldorf am Inn geschlagen und endete mit einer vernichtenden Niederlage des HABSBURGERS, der bis zum Frühjahr 1325 auf der Burg Trausnitz (Ober-Pfalz) inhaftiert wurde. LUDWIG bemühte sich vergeblich um die Anerkennung der römischen Kurie. Johannes XXII. berief sich auf das päpstliche Vikariat über Italien und war entschlossen, die ihm dadurch ermöglichte politische Hnadlungsfreiheit in Italöien zum weiteren Ausbau der päpstlichen Position zu nutzen. Er bot deswegen LUDWIG lediglich die Vermittlung im Thronkonflikt an, um die Verhältnisse offen zu halten. Dadurch drängte er LUDWIG IV. in eine Gegenposition. Dieser nahm in der Folgezeit eine betont antikuriale Politik auf, die sich zunächst vor allem in der Erneurerung der herkömmlichen königlichen Italienpolitik äußerte. Der dadurch in seinen Kompetenzen beeinträchtigte Papst eröffnete daraufhin ein Rechtsverfahren gegen LUDWIG, indem die Frage der päpstlichen Approbation des Königs in den Vordergrund gerückt wurde. Doch wies LUDWIG DER BAYER in zwei Appellationen zu Nürnberg (18. Dezember 1323) und Frankfurt (7. Januar 1324)  die Zuständigkeit des ohnehin befangenen päpstlichen Gerichts zurück. Wegen dieser Mißachtung der Kurie verhängte diese am 23. März 1324 den Kirchenbann über den König und drohte ihm überdies mit Aberkennung aller aufgrund der Königswahl erworbenen Rechte und Ansprüche. LUDWIG IV. antwortete mit der Sachsenhäuser Appellation (24. Mai 1324), in der er nun sogar die Rechtgläubigkeit des Papstes in Frage stellte. Der Vorwurf wurde mit der Stellungnahme der Kurie im "Theoretischen Armutsstreit" begründet, aufgrund derer ihr keine gerichtliche Kompetenz mehr zukommen könnten. Deswegen betrieb der König nun die Einberufung eines Konzils, das den Papst in dei Schranken weisen sollte. Tatsächlich ließ dieser daraufhin am 11. Juli 1424 LUDWIG IV. alle aus der Königswahl herrührenden Rechte aberkennen. Angesichts dieser Rückschläge suchte LUDWIG DER BAYER eine Aussöhnung mit dem Haus HABSBURG, die im Münchener Vertrag (5. September 1325) zustandekam, in dem FRIEDRICH DER SCHÖNE als Mitregent anerkannt wurde und dem Haus HABSBURG alle während des Thronkampfes gemachten Erwerbungen zugesichert wurde. Im Ulmer Vertrag erklärte sich der König (7. Januar 1326) sogar zum Verzicht auf dei Krone bereit, falls die Kurie dem HABSBURGER ihre Zustimmung geben würde.

[3] Kaisertum:

Johannes XII., dem es in erster Linie um die Wahrung der kurialen Machtposition in Italien ging, ließ sich aber zu einer derartigen Entscheidung nicht drängen. LUDWIG entschloß sich zum Italienzug (1327-1330), den er durch die Sicherung der Verbindungslinien mit Hilfe von Absprachen mit den HABSBURGERN und durch die Verstärkung der Zusammenarbeit mit antikurialen Gruppierungen in Italien vorbereitete. Am 17. Januar 1328 empfing LUDWIG DER BAYER die Kaiserkrone in Rom. In beabsichtigter Abkehr vom päpstlichen Krönungsanspruch wurde die Zeremonie von vier Vertretern der Stadt vorgenommen. Am 18. April 1328 wurde Johannes XXII. für abgesetzt erklärt und am 12. Mai Peter von Corbara zum Gegen-Papst (Nikolaus V.) erhoben, der die Krönungszeremonie noch einmal wiederholte.
LUDWIG versuchte seine Position durch den Ausbau der Zusammenarbeit mit den antipäpstlichen Kräften zu festigen. Naben Marsilius von Padua nahm LUDWIG IV. auch die wichtigsten Akteure im sogenannten "Theoretischen Armutsstreit" an seinem Hof auf: Michael von Cesena, Bonagratia von Bergamo und Wilhelm von Ockham. Wegen dieser Begünstigung von Ketzern erneuerte Johannes XXII. den Bannfluch von 1324. Das von LUDWIG angestrebte Konzil wußte er auch jetzt zu verhindern. Der in Oktober 1335 eröffnete Absolutionsprozeß wurde 1337 abgebrochen, weil sich seit den frühen dreißiger Jahren auch der französische Königshof in dei Angelegneheit einschaltete und die Kurie in ihrem Widerstand bestärkte. Deswegen nützte es dem Kaiser politisch nur wenig, daß die Kurfürsten am 16. Juli 1338 im Rhenser Kurverein in eindeutiger Proklamation betonten, daß der von ihnen Gewäghlte selbst bei zwiespältiger Wahl nicht der päpstlichen Bestätigung bedürfe ("Licet iuris"). Auch als nach dem Tod FRIEDRICHS DES SCHÖNEN dessen Brüder im Vertrag von Hagenau (6. August 1330) noch einmal ihre Unterstützung gegen alle Feinde in Deutschland zusicherten, konnte der Thronkampf nicht beeendet werden. Denn nun meldete das Haus LUXEMBURG immer nachdrücklicher seine Thronansprüche an. Die entscheidende Förderung erfuhr es von seiten der Kurie, als Papst Clemens VI. 1343 die Kurfürsten zur Neuwahl aufforderte, die am 11. Juli 1346 stattfand. Markgraf Karl von Mähren wurde zum Gegen-König gewählt. Diesen Umschwung der Verhältnisse konnte auch das spektakuläre Bündnis LUDWIGS DES BAYERN mit König Eduard III. von England nicht mehr verhindern. Der unumgänglichen Entscheidungsschlacht mit KARL IV. kam der unerwartete Tod LUDWIGS IV. zuvor.

[4] Territorialpolitik

Die Reichspolitik LUDWIGS DES BAYERN steht in unmittelbarem zusammenhang mit seiner Territorialpolitik. Als Grundlinie zeichnete sich sich das Bestreben ab, die Erblande im Innern so zu stärken und nach außen so sehr auszubauen, daß von dieser gefestigten Basis aus eine kraftvolle und erfolgreiche Reichspolitik in Angriff genommen werden konte. Deswegen hat LUDWIG IV. DER BAYER seine hart erkämpften Mitregierungsrechte zielstrebig erweitert. Die entscheidenden Stationen auf diesem Weg waren die Ausschaltung Herzog Rudolfs I. durch den Vertrag vom 26. Februar 1317 und die Abgrenzung der Interessenbereiche mit dessen Söhnen im Hausvertrag von Pavia (4. August 1329), vor allem aber die Wiedervereinigung der bayerischen Lande nach dem Aussterben der niederbayerischen Teillinie 1340. Der innere Ausbau des Landes wurde vor allem über die erfolgreiche Landfriedens- und eine gezielte Städtepolitik vorangetrieben, um sich über ein erhöhtes Steueraufkommen größeren Handlungsspielraum zu verschaffen. München wurde zur führenden Residenzstadt in S-Deutschland. Durch die großen Privilegien von 1329 und 1330 wurden die Klöster als Faktoren des herrschaftlichen Lebens in Bayern anerkannt. Bedeutend waren die Gründung von Ettal und die Förderung von Fürstenfeld. Das oberbayerische Landrecht von 1334/35 (1346) schuf eine brauchbare Grundlage für eine einheitliche Rechtsprechung im Herzogtum. LUDWIG IV. nutzte seine Stellung als König zum Ausbau der Position seiner Familie. 1323 belehnte er den Sohn Ludwig mit der Mark Brandenburg. Auf dem Wege der Heiratspolitik wurden die Grafschaften Tirol (1342), Holland, Seeland und Friesland (1346) erworben.

Quellen:
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RI VII - MGH Const. 5,6 - Die Register der Kanzlei L.s d. B., hg. H. Bansa, 1971-1974 - Bayer. Chroniken des XIV. Jh., hg. G. Leidinger, 1918 -

Literatur:
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ADB XIX, 457-476 - NDB XV, 334-347 - Spindler II, 1988, 149-195 - H. Bansa, Studien zur Kanzlei Ludwigs des Bayern ... 1968 - H.-O. Schwöbel, Der diplomatische Kampf zwischen Ludwig dem Bayern und der römischen Kurie, 1968 - A. Schütz, Die Prokuratorien und Instruktionen im Thronstreit von 1314-1330, 1974 - G. Benker, Ludwig der Bayer, 1980 - P. Moser, Das Kanzleipersonal Kaiser Ludwigs des Bayern in den Jahren 1330-1347, 1985 -



Boslís Bayerische Biographie: Seite 495
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LUDWIG IV., DER BAYER, bayer. Herzog, deutscher König, römischer Kaiser
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* 1283, + 11.10.1347
München  Puch b. Fürstenfeldbruck

Begraben: Frauenkirche, München

Vater:
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Herzog Ludwig II.(1229-1294)

Mutter:
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Mechthild von Habsburg

  1. oo Beatrix von Schlesien-Glogau

  2. oo Margarethe von Holland (um 1293-1356)

1294 zusammen mit seinem Bruder Rudolf Erbe von Ober-Bayern und der Rheinpfalz.
Im Streit um die Vormundschaft in Nieder-Bayern 1313 Sieg gegen die Österreicher bei Gammelsdorf.
1314 in Frankfurt zum deutschen König gewählt.
Die Gegenpartei kürte den HABSBURGER FRIEDRICH DEN SCHÖNEN, 1314 in Aachen gekrönt.
1322 Sieg bei Ampfing gegen die Österreicher. Gefangennahme FRIEDRICHS.
1324 Bann durch den Papst in Avignon.
Ernannte 1325 den gefangenen FRIEDRICH zum Mit-König.
Der Papst verweigerte dazu allerdings die Bestätigung.
1326 Eintreffen von Marsilius von Padua in München.
1327 Aufbruch zum Krönungszug nach Rom, erhielt in Mailand die Eiserne Krone, am 17.1.1328 in Rom die Kaiserkrone.
Auf dem Rückweg nach München 1329 Unterzeichnung des Hausvertrages von Pavia, der die Abtrennung der Pfalz vorsah.
1330 Gründung des Klosters Ettal. 1338 Kurverein zu Rhense.
1340 Wiedervereinigung des gesamten bayerischen Herzogtums.
1346 wählten einige Kurfürsten den LUXEMBURGER KARL zum Gegen-König.

Literatur:
----------
ADB 19; BWB 2; H.-D. Homann, Kurkolleg u. Kgtum im Thronstreit v. 1314-30, 1974: G. Benker, L. d. B (122-1347). Ein Wittelsbacher auf dem Kaiserthron, 1980.



Rall, Hans und Marga: Seite 53
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"Die Wittelsbacher. Von Otto I. bis Elisabeth I."

Kaiser LUDWIG IV. DER BAYER   Ludwigsche Linie von 1294 bis 1777
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* Februar/März 1282, + 11.10.1347
München                     bei Kloster Fürstenfeld

Grabstätte: Dom in München

  1. oo um 1308 in Schlesien?
          BEATRIX VON SCHLESIEN-GLOGAU
          * um 1290, + 24.8.1322
            ?               München

Grabstätte: Dom in München

Eltern: Heinrich III., Herzog von Schlesien-Glogau, und Mechthild, Tochter Herzog Albrechts von Braunschweig-Lüneburg

  2. oo 25.2.1324 in Köln
          MARGARETE VON HOLLAND
          * um 1293, + 23.6.1356
            ?               Quesnoy

Grabstätte: Minoritenkirche in Valenciennes

Eltern: Wilhelm III., Graf von Holland, und Johanna, Tochter Graf Karls I. von Valois



Schwennicke Detlev: Tafel 91
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

LUDWIG IV. DER BAYER
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* II/III 1282, + Puch bei Fürstenfeldbruck 11. X 1347

Begraben: München

1292 (/1302 min.) HERZOG VON BAYERN IN OBERBAYERN
1294/1329 PFALZGRAF BEI RHEIN (seither nur noch Titel)
1340 auch in NIEDERBAYERN
Frankfurt/Main 20. X 1314 KÖNIG gewählt
Aachen 25. XI 1314 gekrönt
Mailand 31. V 1327 KÖNIG VON ITALIEN gekrönt
Rom 17. I 1328 KAISER

  1. oo nach 14. X 138/1311
           BEATRIX VON SCHWEIDNITZ (PIASTEN)
           * (1290), + München 24. VIII 1322

Begraben: ibid

Tochter von Bolko I. Herzog von Jauer und Schweidnitz

  2. oo Köln 25. II 1324
          MARGARETA VON HENNEGAU (AVESNES)
                     +Le Quesnoy 23. VI 1356

Begraben: Valenciennes

1345/54 GRÄFIN VON HENNEGAU
1345/54 GRÄFIN VON HOLLAND UND SEELAND
verzichtet 7. XII 1354

Tochter von Wilhelm VII. (I.) Graf von Holland, Seeland und Hennegau



Nach dem Tode ihres Vaters regierten LUDWIG und sein habsburgisch gesinnter Bruder Rudolf (+ 12.8.1319) die väterlichen Erblande, bis LUDWIG 1310 mit Hilfe der Mutter eine Erbteilung erzwang, bei der er Ober-Bayern erhielt. Rudolfs Stellung nach LUDWIGS Königswahl wurde bedeutungslos. Am 13. November 1313 brachte LUDWIG im niederbayerischen Regentschaftsstreit den niederbayerischen Verwandten und deren Verbündeten, den HABSBURGERN, eine empfindliche militärische Niederlage bei Gammelsdorf, westlich von Landshut, bei und wurde niederbayerischer Regent. Durch diesen spektakulären Erfolg trat LUDWIG schlagartig aus der provinziellen Bedeutungslosigkeit in das Rampenlicht der Geschichte und wurde am 20.10.1314 von der luxemburgischen Partei in einer umstrittenen Doppelwahl gegen den am 19.10.1314 erhobenen HABSBURGER FRIEDRICH (III.) DEN SCHÖNEN in Aachen zum deutschen König gewählt. Nachdem er 1319 ein habsburgisches Heer bei Regensburg zurückgeschlagen hatte, entschied er den damit ausbrechenden Thronstreit durch den militärischen Sieg über FRIEDRICH bei Mühldorf (28.9.1322); FRIEDRICH DER SCHÖNE geriet in Gefangenschaft. Am 13.3.1325 kam es zum Ausgleich mit den HABSBURGERN, die die Reichsinsignien übergeben mußten. Im Laufe seiner Regierungszeit griff LUDWIG wiederholt zu taktischen Maßnahmen (Mitregierung FRIEDRICHS, Abdankungsplan LUDWIGS), um das gegen ihn gerichtete Bündnis Papst Johannes XXII., der sich einem Eingreifen LUDWIGS in Oberitalien widersetzte, der HABSBURGER und des französischen Königs zu sprengen. Seit 1323 wurden LUDWIGS Regierungshandlungen im wesentlichen bestimmt durch Auseinandersetzungen mit dem unter französischem Druck stehenden Papsttum, das Anklage gegen den zwiespältig, vom Papst nicht anerkannten deutschen König erhob und über LUDWIG und seine Anhänger den Bann verhängte. LUDWIG antwortete in mehreren Appellationen (wichtigste: Appellation von Sachsenhausen vom 22.5.1324), in denen er die Rechtmäßigkeit seiner Wahl bekräftigte, den päpstlichen Bestätigungsanspruch zurückwies und den Papst der Ketzerei bezichtigte. In den auch nach dem Tode Johannes XXIII. (1334) fortdauernden Auseinandersetzungen mit dem Papsttum konnte sich LUDWIG auf eine breite antikuriale, nationale Bewegung in Deutschland stützen, die besonders vom Bürgertum der süddeutschen Städte und von niederen geistlichen Kreisen getragen wurde, aber auch die Kurfürsten zur Stellungsnahme zwang (16.7.1338 Kurverein von Rhens). Auf dem Höhepunkt dieser Bewegung behauptete LUDWIG mit dem Reichsgesetz "Licet iuris" (6.8.1338) für den von der Mehrheit der Kurfürsten ohne päpstliche Mitwirkung gewählten deutschen König die Befungnis zur Ausübung der kaiserlichen Rechte. Die Entgegennahme der Kaiserkrone (17.1.1328) von Vertretern der gegen die päpstliche Herrschaft revoltierenden Römer darf als Versuch LUDWIGS gelten, die Theorien der fortgeschrittensten Staatslehre seiner Zeit in der Praxis umzusetzen. Doch der Konflikt mit der Kurie endete nicht mit einem Sieg des Königtums, sondern mit einem Erfolg der deutschen Fürsten und des Papstes. LUDWIG IV. stellte sich 1338/39 nicht konsequent an die Spitze der von ihm ausgelösten oppositionellen Bewegung, wählte mitunter ungeeignete taktische Maßnahmen zur Durchsetzung seiner Ziele und verfügte nicht über ausreichende finanzielle und militärische Hilfsmittel. Schließlich schritten die Kurfürsten, durch LUDWIGS Bestrebungen, seine Hausmacht auszubauen (1323 Belehnung der WITTELSBACHER mit der Mark Brandenburg, 1342 Vermählung von LUDWIGS Sohn mit der Erbin von Tirol, Margarete Maultasch, 1345/46 Erwerb der Grafschaften Seeland, Holland, Friesland und Hennegau auf Grund der Ehe mit Margarete von Holland), in ihrer eigenen Territorialpolitik eingeschränkt und von Papst Clemens VI. dazu ermuntert, zur Wahl eines Gegen-Königs, KARLS IV. (11.7.1346). LUDWIG erlag auf der Bärenjagd einem Schlaganfall. Der nüchterne, praktisch denkende Realpolitiker behauptete sich 33 Jahre lang zäh gegen alle Gegner. Durch seine Sprunghaftigkeit, zuweilen auch durch seine Unentschlossenheit verdarb er sich jedoch selbst die Chancen, die sich ihm boten. Seine Politik gegenüber der Kirche bereitete eine spätere Abgrenzung des deutschen Königtums von deren Einflüssen vor.
 
 
 
 

    1309
  1. oo Beatrix von Schlesien-Glogau, Tochter des Herzogs Heinrich III.
          um 1290-24.8.1322
                        München

  25.2.1324
  2. oo Margarethe von Holland, Tochter des Grafen Wilhelm III.
           um 1293-23.6.1356
                         Quesnoy
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Mechthild (Mathilde)
  um 1310-3.7.1346
               Meißen

Mai 1323
  oo Friedrich II. Markgraf von Meißen
      1310-18.11.1349

  Agnes Nonne in München
  Ende 9.1314-11.11.1352

  Ludwig V. der Ältere
  Mitte Mai 1315-18.9.1361

  Anna
  um 1316-29.1.1319
              Kastl/Oberpfalz

  Agnes I.
  um 1318- ?

  Stephan II. mit der Hafte
  Herbst 1319-19.5.1375

 2. Ehe

  Margarete
  1325-   1374
          München

    Januar 1351
  1. oo Stephan von Anjou-Ungarn Herzog von Kroatien
          26.12.1332-   1353/54

    1358
  2. oo Gerlach Graf von Hohenlohe
                 - nach 16.10.1387

  Anna
  um 1326-3.6.1361

18.2.1339
   oo Johann I. Herzog von Nieder-Bayern
       29.11.1329-20.12.1340

  Ludwig VI. der Römer
  7.5.1328-17.5.1365

  Elisabeth
  1329-2.8.1402
         Stuttgart

 22.11.1350
  1. oo Cangrande II. della Scala Fürst von Verona
           8.6.1332-14.12.1359

    1362
  2. oo Ulrich Herzog von Württemberg
          1342-23.8.1388

  Wilhelm I.
  12.5.1333-15.4.1389

  Albrecht I.
  25.7.1336-13.12.1404

  Otto V. der Faule
  1340/42-15.11.1379

  Beatrix
  1344-25.12.1359

 1356
  oo Erich XII. König von Schweden
      1337-21.6.1359

  Agnes II.
  1345-11.11.1352
  München München

  Ludwig
  Anfang Oktober 1347-   1348
  München                  München
 
 
 
 

Literatur:
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Benker Gertrud: Ludwig der Bayer. Ein Wittelsbacher auf dem Kaiserthron. Eugen Diederichs Verlag München 1997 - Bosl, Karl: Bosls Bayerische Biographie, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1983 Seite 495 - Fritze, Konrad: Ludwig der Bayer, in Deutsche Könige und Kaiser des Mittelalters, Urania-Verlag 1988, Seite 274-305 - Höfer, Manfred: Die Kaiser und Könige der Deutschen, Bechtle Verlag Esslingen 1994, Seite 136-139 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 - Hoensch, Jörg K.: Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit 1368-1437. Verlag C.H. Beck München 1996 Seite 24,28,237,518 - Hundt, Barbara: Ludwig der Bayer. Der Kaiser aus dem Hause Wittelsbach Bechtle Verlag Esslingen München 1989 - Jaeckel, Gerhard: Die deutschen Kaiser. Die Lebensgeschichten sämtlicher Monarchen von Karl dem Großen bis Wilhelm II., Weltbild Verlag Augsburg, Seite 123-125 - Rall, Hans und Marga: Die Wittelsbacher. Von Otto I. bis Elisabeth I., Verlag Styria Graz/Wien/Köln 1986 Seite 51-63 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 91 - Seibt Ferdinand: Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346 bis 1378. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1994 - Spindler Max: Handbuch der bayerischen Geschichte Erster Band Das alte Bayern. Das Stammesherzogtum bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts. C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München Seite 149-195 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 2 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser II, R.G. Fischer Verlag 1994 -