Margarete I. die Schwarze             Gräfin von Flandern (1244-1278)
--------------------------------            Gräfin von Hennegau (1216-1246)
6.8.1202-10.2.1280
               Gent
 

Jüngere Tochter des Grafen Balduin IX. von Flandern und der Marie von Blois-Champagne, Tochter von Graf Heinrich I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Seite 239
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Margarete (Margaretha) von Konstantinopel, Gräfin von Flandern und Hennegau
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* 1202, + 10. Februar 1280

Tochter des Grafen Balduin IX. von Flandern (Balduin VI. von Hennegau, Balduin I., Kaiser von Konstantinopel und der Maria von Champagne

Margaretes erste Ehe mit dem mächtigen Hennegauer Burchard von Avesnes (1212) wurde auf Betreiben ihrer älteren Schwester, Gräfin Johanna, für ungültig erklärt (1215). 1223 schloss Margarete eine zweite Ehe mit Wilhelm von Dampierre.
Am 5. Dezember 1244 folgte Margarete ihrer kinderlos verstorbenen Schwester als Gräfin von Flandern  nach. In den heftigen Auseinandersetzungen um den Besitz der Grafschaften Flandern und Hennegau erfolgte im Juli 1246 der Schiedsspruch Papst Innozenz' IV., der die Erbfolge in Flandern dem Hause DAMPIERRE, in Hennegau dem Hause AVESNES zusprach; diese Entscheidung war beeinflusst von König Ludwig IX. von Frankreich, der darauf bedacht war, den Grafen von Flandern als einen seiner mächtigsten Vasallen zu schwächen. Durch den Schiedsspruch entflammte die politische Fehde aufs neue. Bis 1257 wurde Margarete durch Johann von Avesnes, der aufgrund seiner Ehe mit Aleidis von Holland eine gegen Flandern gesicherte Allianz zu knüpfen verstand, in die Defensive gedrängt. Als nach dem Tode Wilhelms von Dampierre (1251) Johann von Avesnes gegen den Schiedsspruch von 1246 berufen wurde, stürzten sich Margarete und ihr Sohn Gui (III.) von Dampierre in eine Reihe militärischer Abenteuer, die mit Mißerfolgen endeten (Niederlage bei Walcheren, 4. Juli 1253; Besetzung des aufständischen Hennegau mit Hilfe Karls von Anjou, 1253-1254). Der Tod Johanns von Avesnes (24. Dezember 1257) führte jedoch zu einem vorläufigen Ende des Bruderzwists.
Die äußerst kostspielige Politik der Gräfin trieb Flandern in finanzielle Abhängigkeit von Kreditgebern, vor allem französischen und italienischen Bankiers sowie den flämischen Städten, die sich ihre Hilfe mit wirtschaftlichen und politischen Privilegien bezahlen ließen.
In der Folgezeit konnte Margarete und ihr Sohn Gui einige diplomatische Erfolge verbuchen, vor allem die Anerkennung ihrer Lehnsrechte in Reichsflandern durch den römisch-deutschen König, RICHARD VON CORNWALL (27. Januar 1260). Sie erweiterten ihr Territorium beachtlich (Herrschaften Bethune und Dendermonde, 1263; Grafschaft Namur, 1263-1264). Andererseits löste Margarete in unbedachter Weise den englisch-flämischen Handelskrieg aus (1270-1275), der die Verwundbarkeit der Grafschaft offenbar werden ließ, besonders als England das Handelsembargo auf englische Wolle als politische Waffe einsetzte. Diese Auseinandersetzung verschärfte den innerflandrischen Konflikt zwischen Fürstenmacht und Städten, die mit einer wachsenden sozialökonomischen Krise zu kämpfen hatten und der zentralistischen Politik Margaretes und ihres Sohnes entgegensetzten. Am 29. Dezember 1278 dankte Margarete als Gräfin von Flandern ab, blieb aber bis zu ihrem Tode Gräfin von Hennegau.



Thiele, Andreas: Tafel 29
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

MARGARETE VON FLANDERN
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* 1202, + 1280

Tochter und Nacherbin des Kaisers von Byzanz Graf Balduin IX. von Flandern-Hennegau-Namur

Margarete I. die Schwarze folgte 1244 ihrer Schwester Johanna und ihrem Schwager Thomas von Savoyen als Gräfin von Flandern-Hennegau-Namur und begann einen Erbkrieg gegen die Familie ihres ersten Mannes und musste 1246 dem Erstgeborenen durch Schiedsspruch König Ludwigs IX. von Frankreich Hennegau abtreten. Sie lehnte sich an Kaiser FRIEDRICH II. an und bekam Namur und Reichsflandern von ihm zugesprochen. Sie verlor letzteres durch König WILHELM VON HOLLAND an den Erstgeborenen und suchte daher Hilfe bei Karl I. von Anjou, dem sie den Hennegau zusprach. 1256 allerdings musste sie endgültig die Erbteilung anerkennen und behielt nur Flandern-Namur. Zeitweise gewann sie Seeland für Guido, zu dessen Gunsten sie 1278 völlig verzichtete. Sie hatte besonders mit ihrer ersten Ehe mit einem Vasallen der Grafen von Flandern für großes Aufsehen gesorgt. Ihre Ehemänner blieben in Flandern ohne Einfluss.

  1. oo 1212-1221
           BURCHARD D'AVESNES, Seigneur de Leuze, Dr. iur und Bailli von Henengau
                    + 1244

  2. oo 1223
            WILHELM II DE DAMPIERRE, Seigneur de St- Dizier
                     + 1231



Winkelmann Eduard: Band II Seite 456
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"Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig"

Margarethe weilte seit 1206 gemeinsam mit ihrer Schwester Johanna am französischen Hof in Paris.
Burkhard von Avesnes, Domkantor von Laon und Sundiakon, verließ 1211 den geistlichen Stand, befehdete seinen Bruder und wurde von dem Grafen Ferrand von Flandern mit der Statthalterschaft über Hennegau, von der Gemahlin desselben, der Gräfin Johanna, nachher mit der Hut ihrer jungen Schwester Margarethe betraut, die er dann aber entführte und als seine Gemahlin ausgab, um durch sie dereinst Anrechte auf Flandern geltend machen zu können. Er wurde auf dem römischen Konzil gebannt und das über seinen jeweiligen Aufenthaltsort verhängte Interdikt sollte die Auslieferung Margarethes und Burkhards Rückkehr in den geistlichen Stand erzwingen: Letzterer fand trotzdem in den Diözesen von Laon, Cambrai und Lüttich immer wieder freundliche Aufnahme und nicht bloß bei Weltlichen. Margarethe sagte sich zwar später von ihm los, nachdem sie ihm zwei Söhne geboren hatte.
 
 
 

    1212
  1. oo Burkhard Graf von Avesnes
 - 1221     -  1244

    1223
  2. oo Wilhelm II. Graf von Dampierre
           um 1200-5.5.1231
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Johann I. von Avesnes Graf von Hennegau
   4.1218-24.12.1257

  Balduin Seigneur de Beaumont
          -   1295

2. Ehe

  Guido Graf von Dampierre
  1225/26-7.3.1304

  Wilhelm III.
  1224-6.6.1251

  Johanna
         - nach 1243

   um 1239
  1. oo Hugo III. de Vitry Graf von Rethel
                 -   1243

  2. oo Theobald II. Graf von Bar-Mousson
                 -   1291

  Johann I. von Dampierre Seigneur von Dampierre
        -   1258

  Marie Äbtissin von Flines
        -
 
 
 
 

Literatur:
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Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 123 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 187 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 100,209-210 - Erbe Michael: Belgien, Niederlande, Luxemburg. Geschichte des niederländischen Raumes. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1993 Seite 38 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Lehnsherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 225-227 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 220-222,395 - Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten, Eduard Anton Verlag Halle 1832 Seite 86-117 - Pernoud Regine: Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frankreich. Diederichs Verlag München 1991 Seite 25 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 29 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 402,404 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 2. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 160 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 351,456 -