Unbekannte Tochter des Kaisers
OTTO I. DER GROSSE
Nach A. Wolf/Jackman/Fried Tochter des Herzogs
Liudolf von Schwaben und der Ida von
Schwaben, Erbtochter von Herzog Hermann
I.
Heine Alexander (Hg.): Seite 39
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"Geschichte der Welfen"
Geschichte der Welfen
6. Rudolf, der Bruder des Vorigen, nahm eine Gemahlin namens Ita aus dem Hause ÖHNINGEN [Die Verwandtschaft der Ita ist der Genealogie der Welfen entnommen. Diese Angaben sind teilweise falsch, OTTO hatte keine Tochter Richlint, es gab keinen Grafen Eggebert von Stade, ein Graf Kuno von Öhningen ist unbekannt, Diessen und Andechs werden gleichberechtigt genannt.], deren Vater der sehr edle Graf Kuno, die Mutter aber eine Tochter des Kaisers OTTOS DES GROSSEN namens Richlint war. Dieser Kuno zeugte vier Söhne, Eggebert, Kuno, Liutold und Leopalt. Der erste von ihnen, nämlich Eggebert, hatte die Mark gegen die Dänen an der Grenze Sachsens, Stade genannt, und zeugte Söhne und Töchter, welche sich in verschiedene Länder zerstreut haben. Derselbe Kuno hatte auch vier Töchter, deren eine unseren Rudolf, eine andere einen von Rheinfelden, Ahnherrn der ZÄHRINGER, eine dritte den König der Rugier und eine vierte den Grafen von Dießen heiratete.
Wolf Armin: Seite 59
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"Wer war Kuno von Öhningen?"
in: Archiv für Erforschung des Mittelalters 36 1980
Ist es möglich, auch die Identität der Gemahlin
Kunos/Konrads
festzustellen, die die welfische Überlieferung
filia OTTONIS MAGNI imperatoris und
Richlint nannte? Wie wir sahen, hatte
die ältere Literatur den Bericht der Genealogia Welforum weitgehend
verworfen. Seit Schmid in der Reichenauer Memorialnotiz ein zeitgenössisches
Zeugnis für Konrad,
Richlint,
fünf ihrer Kinder und zwei ihrer Enkel entdeckte, wurde der Bericht
der Genealogia aber weitgehend bestätigt.
In der Forschung werden hierzu drei Auffassungen vertreten:
1. Nach wörtlicher Deutung wäre Richlint
wirklich eine leibliche Tochter OTTOS DES GROSSEN
von unbekannter Mutter gewesen. So sah Gisi (1887) in Richlint
eine "weiter nicht bekannte, wohl natürliche Tochter OTTOS
DES GROSSEN. Feger (1956) bezeichnete Richlintebenfalls
als "Tochter Kaiser OTTOS I." Auch
die Europäischen Stammtafeln von Isenburg und Freytag (Ausgabe 1960)
führen
Kunos Frau als Tochter
OTTOS
DES GROSSEN an. Nach Eckhardt (1963) war sie es "vielleicht".
Eine schwache Stelle dieser direkten Filiation
Richlint-OTTO
DER GROSSE ist aber das Fehlen jeden Hinweises auf die Mutter
oder auf eine uneheliche Geburt Richlints.
Weil wir sonst nirgends von einer Tochter OTTOS
DES GROSSEN namens
Richlint hören,
erscheint diese Lösung zwar nicht unmöglich, aber doch ziemlich
unwahrscheinlich. Sie ist auch bereits von Schenk zu Schweinsberg (1904),
von Dungern (1910), Curschmann (1921), Dobbertin (1962) und Schmid (1966)
abgelehnt worden.
2. Schenk vertrat statt dessen eine andere Deutung.
Danach solle
Richlinteine Nichte OTTOS
DES GROSSEN und mit jener neptis vom Wormser Hoftag identisch
gewesen sein, um deren Ehe ein Zweikampf geführt wurde. Ich habe oben
gezeigt, aus welchen Gründen ein Bezug dieser Geschichte auf die Gemahlin
Kunos
'von Öhningen' völlig ungesichert, ja sogar unwahrscheinlich
ist. Eine schwache Stelle dieser zweiten Lösung liegt auch darin,
daß es bisher nicht gelang, nachzuweisen oder auch nur plausibel
zu machen, aufgrund welcher Filiation Richlinteine
Nichte Kaiser OTTOS gewesen sein könnte.
Auch diese Lösung ist daher abzulehnen.
3. Nach der dritten und neuesten Deutung wäre
Richlint
eine leibliche Enkelin Kaiser OTTOS DES GROSSEN
und Tochter von Herzog Liudolf aus
seiner Ehe mit Ida von Schwaben gewesen.
Nach Liudolfs frühem Tod 957 sei
Richlint - so wie es von Liudolfs
Sohn Otto bereits bekannt ist - von
ihrem kaiserlichen Großvater als Tochter adoptiert worden. Diese
Lösung wurde zuerst von Klebel (1954) und dann vor allem von Decker-Hauff
(1956 und 1957) vorgeschlagen. Es ist kein zeitgenössischer Text bekannt,
der Otto und Mathilde
als die einzigen KinderLiudolfs bezeichnet,
ja nicht einmal ein Text, der sie auch nur nebeneinander als Kinder
Liudolfs erwähnt. Beide Filiationen werden lediglich
einzeln genannt. Die Geburt eines weiteren Kindes von Liudolfvermerkt
der Continuator Reginos zwar nicht. Aber kann es deshalb wirklich keine
weiteren Kinder
Liudolfs gegeben haben,
etwa Richlint? Durchaus! Denn der Fortsetzer
Reginos ist weit davon entfernt, alle Geburten im Königshause vollständig
aufzuführen.
Die Nichterwähnung der Geburt von Richlint
ist also kein Argument gegen deren von den WELFEN
unwidersprochen behauptete Abstammung von OTTO
DEM GROSSEN. Diese Überlegung habe ich bei der Prüfung
des Essener Nekrologs bestätigt gefunden. Darin sind von 29 bekannten
Angehörigen des ottonischen
Königshauses
15 genannt. Wenn auch Richlint hier
fehlt, so spricht dies also nicht gegen ihre Zugehörigkeit zum OTTONEN-Haus.
Nach Widerlegung dieser denkbaren Gegenargumente können
wir jetzt ganz unbefangen fragen: Was spricht dafür, dass Richlint
eine
Tochter Herzog Liudolfs und Itas
von Schwaben war.
Ich sehe sechs Argumente.
a) Das Auftreten des Namens Otto bei fünf
oder sechs Enkeln und Urenkeln der Richlint.
Dieses Argument gilt natürlich in gleicher Weise, ob Kunos
Frau leibliche Tochter (Lösung 1) oder leibliche Enkelin (Lösung
2) OTTOS DES GROSSEN war.
b) Im Gegensatz zu Lösungen 1 und 2 (Richlint
= Tochter oder Nichte Kaiser OTTOS)
ist mit der hier vertretenen Lösung 3 (Richlint=
Enkelin
Kaiser OTTOS) das Auftreten
weiterer Leitnamen erklärbar. Bei den Kindern
Richlints
und Kunos finden wir die Namen Ita,
Hermann
und
Liutold.
Deren Auftreten fände eine einfache Erklärung darin, dass
Ita und Hermann die Namen von Richlints
Mutter und mütterlichem Großvater wären und Liutold
an den Namen von
Richlints Vater Liudolf
(= Liutolf) anklänge. Im Hinblick auf diese drei
Namen ist die Lösung 3 den Lösungen 1 oder 2 entschieden vorzuziehen.
c) In einem Aschaffenburger Evangeliar findet
sich von einer Hand des 11. Jahrhunderts die Nachricht, dass eine nobilis
matrona nomine Richiza diesen von ihren
parentes gestifteten Ort (das heißt das Kollegialstift St. Peter
und Alexander zu Aschaffenburg), durch eine Schenkung bereichert habe.
Adolf Hofmeister, der 1914 auf diese Stelle hinwies, hielt
Richiza für die Königin von Polen (+ 1063) und sah
in der Person Herzog Ottos I. von Schwaben (+
982) - ohne sich an dem Unterschied zwischen Singular und Plural
zu stören - die als Stifter genannten parentes. Decker-Hauff hat aber
1957 in der Festschrift "1000 Jahre Stift und Stadt Aschaffenburg" dargetan,
welche Schwächen diese Deutung hat. Vielmehr seien - aufgrund von
Argumenten, die hier nicht im einzelnen zu wiederholen sind, - schon die
Eltern Ottos I., also Herzog
Liudolf und Ita, Stifter
von St. Peter und Alexander gewesen. Als parentes jener "edlen Frau namens
Richiza" waren sie - ganz wörtlich
verstanden - deren Eltern. Richiza (eine Koseform von Frauennamen, die
mit Rich- beginnen), sei dann aber jene Richlint,
die Gemahlin Kunos 'von Öhningen'. Von dieser als filia OTTONIS
MAGNIS imperatoris bezeichneten
Richlint
der welfischen Überlieferung,
deren Existenz bereits durch die Reichenauer Memorialnotiz bestätigt
wurde, wird damit auch die Filiation ihrer
ottonischen
Herkunft namentlich bestimmt. Ich sehe in diesen Überlegungen von
Decker-Hauff die erste überzeugende Erklärung für Richlints
Abstammung
aus dem
ottonischen Kaiserhaus, wie
sie die welfische Überlieferung
- seinerzeit unwidersprochen - behauptete.
d) Richlints
Enkelin, die Gemahlin Adalberos Grafen von Ebersberg, erscheint im Chronicon
Ebersbergense als Richlindis, im Jahrzeitbuch von Einsiedeln unter dem
Kosenamen Richenza. Beide Namen können also wirklich die gleiche Person
bezeichnen.
e) Beachtung verdient ferner die Tatsache, dass
der Öhninger Gedenkeintrag in Reichenau vorgenommen wurde. Dies wäre
nämlich, falls Richlint die Tochter
Liudolfs
und
Itas von Schwaben war, kein beliebiger
Ort, sondern die Grablege von Richlints mütterlichem
Großvater (Herzog Hermann I. + 949).
f) Nach dem Zeugnis der Historia Marechtalensis
stammte die sehr edle Gräfin Bertha von Kellmünz de progenie
eorundam (sc. Suevie) ducum ab. Als Tochter Rudolfs
von Rheinfelden stammte sie gewiß von einem Herzog von
Schwaben ab.Wenn nun Rudolfs Urgroßmutter
Richlint Tochter und Enkelin von zwei Herzögen von Schwaben war, so
wäre damit erklärt, warum Bertha de progenie ducum (nicht bloß
ducis) bezeichnet wurde.
Zusammenfassung:
****************
Als Tochter des Königssohnes
Liudolf und der schwäbischen Herzogstochter
Ita wird Richlint um 948
(zwischen Ende 947 und Anfang 949) geboren sein. Ihr Vater war damals zunächst
neben ihrem Großvater Hermann I., seit 949 dann allein Herzog
von Schwaben, mußte aber infolge seines erfolglosen Aufstandes 954
auf das Herzogtum Schwaben verzichten. Als Liudolf957
in Pombia bei Novara starb, wurde Richlint
als
etwa 9-jährige Halbweise von ihrem Großvater,
König
OTTO I., adoptiert: Seit etwa 960 war sie kirchenrechtlich heiratsfähig.
Ihre Vermählung mit dem "sehr edlen Grafen" Kuno ist in einem
der nächsten Jahre anzunehmen, vielleicht 961, als Chuonradus comes
erstmals in einer Königsurkunde erscheint. Nach der gefälschten
Gründungsurkunde der Öhninger Kirche stimmte sie 965 deren Stiftung
zu. Vielleicht stammte ein Teil des in Schwaben gelegenen Stiftungsgutes
nicht aus Kunos, sondern aus Richlints
Familie.
Sie gebar ihrem Gemahl drei Söhne und vier Töchter:
Liutold,
Konrad,
Hermann;
Ita,
Judith, N. und Kunigunde. Zusammen mit den Namen ihres Gemahls, der drei
Söhne, der zwei ältesten Töchter, eines Schwiegersohnes
(Rudolf) und zweier Enkel (Welf und Heinrich) steht
Richlintim
Reichenauer Verbrüderungsbuch. Falls es ihr Gemahl war, der im Mai
983 Herzog von Schwaben wurde, wäre dieser Eintrag zeitlich nicht
lange vor diesem Datum anzusetzen. Als nobilis
matrona nomine Richiza, das heißt möglicherweise
als Witwe, schenkte sie dem von ihren parentes gegründeten Stift St.
Peter und Alexander zu Aschaffenburg 3 Hufen in dem (noch nicht lokalisierten)
Ort Criniszi. Wenn Richlint ihren 997
verstorbenen Mann überlebte, könnte sie mit jener Nonne im Niedermünster
zu Regensburg identisch sein, die von einer Hand der 1. Hälfte des
11. Jahrhunderts unter dem 2. September als Rihlint
m(onach)a im Nekrolog von Einsiedeln eingetragen wurde und unter
dem gleichen Datum auch in den Nekrologen von Niedermünster I, St.
Emmeram (hier 1. September), Fulda und Mondsee erscheint. Falls sie mit
jener Richlint sanctimonialis
identisch war, die im Jahre 1035 starb, hätte sie ein sehr
hohes Alter erreicht.
Ihre Nachkommen gehörten zu den vornehmsten Häusern
Deutschlands; auch die Herzöge und Könige von Polen und Böhmen
stammten von einer ihrer Töchter ab. Von ihrer nach Dießen verheirateten
Tochter Kunizza weiß die Überlieferung zu berichten, dass deren
Großvater Kaiser OTTO DER GROSSE
gewesen sei.
Hlawitschka Eduard: Seite 21
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"Wer waren Kuno und Richlind von Öhniungen"
Gründe, warum Richlind nicht die Tochter von Liudolf von Schwaben war:
a) Wolf macht aus einer filia OTTONIS
MAGNI eine Neptis OTTONIS MAGNI
b) Adoptionen von Frauen waren im Mittelalter
ganz unüblich (Ausnahme: Adoption der Nichten Sophia und Beatrix durch
die Kaiserin Gisela)
c) Herzog Konrad wäre mit Richlind
in einer Nahehe 2 : 3 verbunden
d) Bei der Ehe von Herzog Konrad von Kärnten
mit
Mathilde
von Schwaben würde es sich um eine Nahehe nicht im Verhältnis
4
: 4, sondern 4 : 3 handeln (Diedenhofer Synode)
e) Herzog
Hermann II. von Schwaben wäre mit
Gerberga
von Burgund in einer Nahehe im Verwandtschaftsverhältnis
3 : 3 vermählt
f) Herzog Hermann II. von Schwaben hätte
1002 begründete Ansprüche, da er wie Otto von Kärnten mit
OTTO
III.
näher verwandt gewesen wäre als Herzog
Heinrich IV. von Bayern. Thietmar berichtet dies ausdrücklich
von Otto von Kärnten, nicht aber von Herzog Hermann II.
g) Der 982 in Italien verstorbene Herzog
Otto von Schwaben wurde nach Aschaffenburg gebracht, wo er von
dem Mainzer Metropoliten Willigis, domna Ida
matre ac sorore sua
Machthildae abbatissa
veneranda presentibus, bestattet wurde. Von Richlind
ist dabei wiederum nichts zu bemerken.
h) Als Geschwister werden Herzog
Otto und
Mathilde außerdem
in einem Eintrag im ältesten Aschaffenburger Nekrolog erkennbar, wobei
wiederum nichts von einer weiteren Schwester zu erspüren ist.
i) In Vers 1164 ff. der Gesta Oddonis von Hrotswith
von Gandersheim findet man die Freude beschrieben, mit der er sich nach
Abschluß seines Italienunternehmens im Spätsommer 957 zur Heimfahrt
anschickte, wie er darauf brannte das väterliche Antlitz und seine
Gemahlin wiederzusehen und ebenso seine seit langem schon in der Heimat
zurückgelassenen beiden Kinder. Liudolf und
Ida
hatten
also nur zwei Nachkommen, das heißt neben Otto
und
Mathilde
gab es kein drittes Kind!
Eigene Meinung
Professor Armin Wolf stellte die These auf, daß
Richlint
die Tochter des Herzogs Liudolf und
der Ida von Schwaben war, der sich
inzwischen verschiedene Forscher anschlossen.
Mir erscheinen die Argumente für
Richlint als Tochter Liudolfs nicht
zwingend. Man wird den Eindruck nicht los, daß hier ein Baustein
in ein Mosaik eingebaut wurde, ein Ergebnis bekannt war, und nur der Lösungsweg
gesucht wurde.
1. Der Name Richlint
ist mir sonst noch nie aufgefallen. Erst ihre angebliche Enkelin, die WELFIN
Richlind
ist als Gräfin von Ebersberg bezeugt, denn Richlint
von Öhningen wird ja erst später in der Genealogia
Welforum genannt. Ob sich der Name Richlint von ihrer Großmutter
Regilinde
(Regilindis) herleiten läßt, wie mir dies Prof. Wolf versicherte,
möchte ich doch anzweifeln.
2. Wie von Prof. Wolf beschrieben, wurde Richlint
nach dem frühen Tod ihres Vaters am Hofe OTTOS
I. erzogen. Sie stand also von Kindesbeinen an dem Hof nahe
oder lebte am Hofe. Trotzdem wird sie in keiner Quelle oder Intervention
genannt. Das wäre für diese Zeit mehr als ungewöhnlich,
denn auch ottonische Prinzessinnen
standen im Mittelpunkt des Zeitgeschehens. Auch durch ihrer Ehe mit Herzog
Konrad von Schwaben gehörte sie der Führungsschicht des Reiches
an und wäre als Herzogin von Schwaben auch öfter am Hofe
erschienen und keiner hätte sie irgendwo erwähnt oder zur Kenntnis
genommen. Wir dürfen dabei auch nicht aus den Augen, daß Richlint
auch die Stiefnichte der Kaiserin Adelheid
gewesen wäre. Ich möchte nur darauf hinweisen, welchen Einfluß
und welches Ansehen die Schwestern OTTOS III.
1002 und noch 1024 genossen. Nach meiner Meinung ist das Auftauchen einer
bisher unbekannten ottonischen Prinzessin
ausgeschlossen.
3. Johannes Fried, Prolepsis oder Tod, Seite 109
macht wahrscheinlich, daß Konrad, Sohn eines Gebhards,
950 angeblich unerlaubte Beziehungen zu einer neptis des Königs unterhielt.
Dieser Konrad, der Vater Konrads von Öhningen, brüstete
sich mit Beziehungen, die er zur Gemahlin Herzogs
Liudolfs, der KONRADINERIN Ida,
unterhielt. Wenn die These Frieds zutrifft, dann hätte der Schwiegervater
Richlints
intime Beziehungen zu ihrer Mutter unterhalten oder sich dessen
gebrüstet. Das ist aber eine mehr als groteske und geschmacklose Vorstellung.
Nach dem Hoftag von Worms hatten die KONARDINER
die Gnade des Königs verloren und zu Lebzeiten OTTOS
I. wäre eine Ehe seiner Enkelin mit einem KONRADINER
unmöglich gewesen.
4. Wenn Richints
Sohn Hermann von Schwaben in einer Ehe 4 : 4 mit seiner Gemahlin
Gerberga
von Burgund verbunden war, dann ist mir nicht erklärlich,
warum der König auf der Synode von Diedenhofen nicht die Ehe Hermanns,
sondern die Ehe von dessen Tochter Mathilde mit Konrad, dem Sohn
Ottos von Worms, angriff. Eine solche Gelegenheit, seinen Gegner noch zusätzlich
zu diffamieren, hätte sich der siegreiche Heinrich
von Bayern nicht entgehen lassen. Er griff Hermann von Schwaben
nicht an, weil dieser in einer kanonisch unangreifbaren Ehe lebte und somit
nicht mit den OTTONEN,
oder nur sehr weitläufig mit ihnen verwandt war.
5. Wenn wir Wolfs Geburtsjahr für Richlint
folgen wollen, dann müßte Hermann von Schwaben um 965 geboren
sein und seine Gemahlin Gerberga war
etwa gleichaltrig. Warum aber dann ein Ehepaar im Alter von ungefär
30 Jahren eine Wallfahrt zur heiligen Verena zu Zurzach unternahm, damit
ihnen ein Sohn und Erbe geboren werde, ist mir völlig unklar. Einem
Ehepaar in diesem Alter könnte jährlich noch ein Kind geboren
werden, denn Prof. Wolf wies mich darauf hin, daß
Agnes,
die Tochter Kaiser HEINRICHS IV., noch
Kinder im Alter von 45 geboren hat.
Diese beinahe an Torschlußpanik erinnernde Handlung
macht nur dann einen Sinn, wenn Hermann, wie allgemein angenommen wird,
um 940/50 geboren wurde und er zum Zeitpunkt der Wallfahrt um die 50 Jahre
alt gewesen wäre. Er näherte sich einem Alter, das Thietmar für
Otto von Worms mit betagt angibt, und hatte noch keinen Erben und Nachfolger
und vielleicht aufgrund einer Krankheit den nahen Tod vor Augen.
Zusammenfassend möchte ich feststellen, daß
die Gemahlin Kunos von Öhningen möglicherweise Richlint
geheißen
haben kann, sie war aber sicher nicht eine Tochter oder Enkelin OTTOS
I. Warum der Genealoge der Welfen glaubte hier eine OTTONEN-Verwandtschaft
konstruieren zu müssen, entzieht sich meiner Kenntnis.
oo Konrad I. Herzog von Schwaben
915/20-20.8.997
Kinder:
Liutold Graf von Mömpelgard
-
Konrad Graf
-24.11.994
Hermann II.
945/50-4.5.1003
Ita von Öhningen
-16.10.
oo Rudolf II. Graf von Altdorf (WELFE)
-10.3.
Uda
- jung
Literatur:
-----------
Fried, Johannes: Prolepsis oder Tod? Methodische
und andere Bemerkungen zur Konradiner-Genealogie im 10. und frühen
11. Jahrhundert - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und
ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite
279 - Heine Alexander (Hg.): Geschichte der Welfen. Phaidon Verlag
GmbH Essen Seite 39 - Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den
Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte
Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“,
Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 8,48,59,68,100,103,111,147
- Hlawitschka, Eduard: Wer waren Kuno und Richlind von Öhningen?
Kritische Überlegungen zu einem neuen Identifizierungsvorschlag. In:
Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins 128 1980 Seite 1-49 - Schmid
Karl: Gebetsgedenken und adliges Selbstverständnis im Mittelalter.
Ausgewählte Beiträge, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1983,
Seite 127,130,138 - Schneidmüller Bernd: Die Welfen.
Herrschaft und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln
2000 Seite 115 - Wolf Armin: Wer war Kuno von Öhningen? Überlegungen
zum Herzogtum Konrads von Schwaben (+ 997) und zur Königswahl vom
Jahre 1002. in Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters Band
36, Seite 25-83 1980 -