Begraben in kostbarsten byzantinischen Gewändern
in Worms
Älteste Tochter und Miterbin des Herzogs
Hermann II. von Schwaben aus dem Hause der KONRADINER
und der Gerberga
von Burgund, Tochter von König
Konrad
Mütterlicherseits Cousine von Kaiser
HEINRICH II. und Nichte von König
Rudolf von Burgund
Brandenburg Erich: Tafel 3
****************
"Die Nachkommen Karls des Großen"
IX. Generation
16.
-----
Mathilde
-----------
* ca. 989, + nach 1030, vor 1033
Gemahl: a) ca. 1004 Konrad Herzog von Kärnten
+ 1011 12. XII.
b) Friedrich II. Herzog von Ober-Lothringen
+ 1026/27 (siehe IX 88)
Anmerkungen: Seite 129
------------------
IX. 16. Mathilde
siehe Brandenburg, Probleme um die Kaiserin Gisela 29f.;
Bollnow, Grafen von Werl 29ff.
Ich habe a.a.O. ausgeführt, daß die Identität
der Mathilde, Gemahlin der beiden oben
genannten Gatten, und der Mathilde,
Schwester der Kaiserin Gisela, nicht
völlig außer Zwiefel stehe, und daß die erstere Mathilde
auch die Tochter einer anderen Tochter König
Konrads von Burgund (etwa der gleichnamigen Mathilde
VIII
69) sein könne. Wahrscheinlicher ist aber doch die Identität,
und ich halte daher die Beifügung eines Fragezeichens nicht für
erforderlich, zumal da auch in dem zweiten möglichen Falle die Kinder
der Mathilde zu den Nachkommen KARLS
DES GROSSEN (dann bei den Kindern von VIII 69) gehören
würden.
Ergänzungen (Wolf): Mathilde, + 1031/32 VII,
Gemahl c) 1026/27 Esico von Ballenstedt (nach Paul Leidinger,
Die Grafen von Werl, 1965), Stammvater der ASKANIER, vgl.
Brandenburg Seite 76, Nr. X 112.
VII. 37; VIII. 173 Mathilde
----------------------------------
* c 988, + 1031/32 im VII
c 1002
1. oo Konrad I. Herzog von Kärnten
+ 1011 XII 12
c 1034
2. oo Friedrich II. seit 1019 Herzog von Ober-Lothringen
+ 1026/27 am V 13
c 1026/27
3. oo Eisiko, Graf von Ballenstedt, Graf im Schwabengau
und im Gau Serimunt
- 1059/60
Älteste Tochter des Herzogs Hermann II. von Schwaben und der Gerberga von Burgund, Tochter von König Konrad
Mathilde ist als Tochter
der Gerberga in Constantins Vita Adalberonis
c. 17, SS IV 664 - Bericht über die Diedenhofener Synode 1003, bei
der König HEINRICH II. Vorwürfe
gegen Herzog Konrad I. von Kärnten und Mathilde,
die in einer Verwandtenehe lebten, erhob -, sowie durch den Brief Abt Siegfrieds
von Gorze an Abt Poppo von Stablo betreffs der Heirat Kaiser
HEINRICHS III. mit Agnes von Poitou
(gedruckt
bei Giesebrecht, Kaiserzeit Band 2, Seite 714-718) und in der Stammtafel
des Codex Steinfeldensis (gedruckt: SS III 215) bezeugt.
Mathilde stammte,
wie aus der Nachricht Thietmars V c. 12, S. 234, hervorgeht, wo
Mathildes
Ehemann Herzog Konrad
als Schwiegersohn Herzog Hermanns II. bezeichnet
ist, aus der Ehe Gerbergas mit dem
schwäbischen Herzog; dies ist auch in einem Widmungsbrief bezeugt,
den Mathildein den Anfangsjahren der
Regierungszeit König KONRADS II.
an den polnischen König Mieszko
richtete (gedruckt bei Giesebrecht, Kaiserzeit Band 2, Seite 699; vgl.
dazu Bresslau, Jahrbücher Konrad II. Bd. 1, S. 247 ff., und Leidinger,
Untersuchungen S. 59).
Die altersmäßige Einreihung Mathildesals
älteste Tochter der Gerberga und
Herzog
Hermanns II. von Schwaben ergibt sich mit Leidinger, Untersuchungen
S. 51, Anm. 70, aus ihrer Stellung in der Stammtafel des Codex Steinfeldensis.
Die ungefähre Geburtszeit ist aus derjenigen von Mathildesältestem
Sohn Konrad dem Jüngeren (* c 1003) erschlossen. Die ungefähre
Todeszeit hat Leidinger, Untersuchungen S. 54, ermittelt.
Aus der Anklage König HEINRICHS
auf der Diedenhofener Synode wissen wir auch von der Existenz der ersten
Ehe
Mathildes; vgl. dazu Hirsch Band
1, Seite 243-247.
Über die zweite Vermählung unterrichtet uns
Wipo in den Gesta Chuonradi c. 19, S. 39; vgl. dazu Bresslau, Jahrbücher
Konrad II. Band 2, Seite 72 f. (der freilich noch von einem irrigen Sterbezeitpunkt
für
Herzog Friedrich II. von Ober-Lothringen ausgeht; vgl.
VII, 55).
Die 3. Heirat mit Eisiko von Ballenstedt hat uns
der Annalista Saxo a. 1026 und a. 1030, SS VI 676 und 678, überliefert;
wie Leidinger, Untersuchungen Seite 55 ff., gezeigt hat, ist die beim Annalista
als Gattin
Eisikos
genannte
Mathildemit
der Witwe
Herzog Friedrichs II. von Ober-Lothringen des gleichen
Namens zu identifizieren.
König HEINRICH I.
--------------------------------------------------------
Gerberga
OTTO I. DER GROSSE
2. oo Ludwig IV. von Frankreich
1. oo Edgitha
--
--
Mathilde
Liutgard
oo 2. Konrad König von Burgund
oo Konrad der Rote
--
--
Gerberga
Otto von Worms
2. oo Hermann
II. von Schwaben
-----------------------------------------
---------------------------------
Beatrix
Gisela Mathilde
oo Konrad I. Herzog von Kärnten
Heinrich
König HEINRICH I.
--------------------------------------------------------
Gerberga
Hadwig
2. oo Ludwig IV. von Frankreich
oo Hugo der Große von Franzien
--
--
Mathilde
Beatrix
oo 2. Konrad König von Burgund
oo Friedrich I. von Ober-Lothringen
--
--
Gerberga
Dietrich I. von Ober-Lothringen
2. oo Hermann
II. von Schwaben
-----------------------------------------
--
Beatrix
Gisela
Mathilde oo
Friedrich II. Herzog von Ober-Lothringen
Weinfurter, Stefan (Hg.): Band I, Seite 226,230,232,239-244,248/Band
II Seite 200
********************
"Die Salier und das Reich"
Nach Hermann II. und seines über das Knabenalter
kaum hinausgelangten Sohnes (Herzog
Hermann III., 1003-1012) Tod erbten die Töchter, von denen
er "hinreichend viele" hatte: Mathilde,
Gisela
und Beatrix
[G. Wunder, Beiträge zur Genealogie schwäbischer Herzogshäuser,
in: Zeitschrift für Württembergische LG 31, 1972, Seite 1-15,
sieht Beatrix nicht als eine Tochter Herzog Hermanns II. an. Dies
akzeptiert als Prämisse seiner Einordnung der Hildegard "von Schlettstadt"
H. Bühler, Wie gelangten die Grafen von Tübingen zum schwäbischen
Pfalzgrafenamt?, in: Zeitschrift für Württembergische LG 40,
1981 Seite 188-220, hier Seite 199. Zur Kritik P. Hilsch, Regenbach und
die Schenkung der Kaiserin Gisela, in: Zeitschrift für Württembergische
LG 42, 1983, Seite 52-82, Seite 58 Anmerkung 15; Hlawitschka, Untersuchungen
(wie Anmerkung 28), Seite 51, Anmerkung 154.].
Die Unruhen in Schwaben, deren HEINRICH
II. 1004 in Zürich Herr zu werden suchte, dürften
mit der Neubestimmung von Königs- und Herzogsherrschaft zusammenhängen.
Indiesem Kontext waren die Ehen der Schwestern Hermanns III., Cousinen
HEINRICHS
II., von großer politischer Bedeutung, da sie ihren Gatten
konradinischen
Besitz und damit Teile der bisherigen materiellen Grundlage der Herzogsherrschaft
vermittelten.
HEINRICH II. hat darum
bestimmte, für die Herzogsherrschaft in Schwaben bedeutsame Ehen der
- je mehrfach verheirateten - Mathilde
und Gisela anzufechten versucht, wenngleich
beidemale ohne Erfolg: die "salischen"
Ehen der beiden Schwestern.
Die ältere dieser konradinisch-salischen
Verbindungen ist die vor 1002 geschlossen Ehe derMathilde
mit Konrad, dem Sohn Ottos "von Worms" und damit einem Enkel Konrads
des Roten und der
Liutgart, einer Tochter
OTTOS
DES GROSSEN. Durch diese Ehe war jene Koalition zwischen Otto
"von Worms", seinem Sohn Konrad und dessen Schwiegervater Hermann
II. zustandegekommen, die mittelrheinisch-fränkische und schwäbische
Machtposition zusammenschloß und die nach der Ermordung Ekkehards
von Meißen 1002 das Hauptproblem des Herrscherwechsels von
OTTO III. zu HEINRICH II. darstellte.
HEINRICH hat vielmehr
noch - auf der Synode von Diedenhofen im Januar 1003, wo doch Thietmar
zufolge seitr der Unterwerfung zu Bruchsal eitel Friede geherrscht haben
soll - versucht, die Ehe Konrads mit Mathildeals
Verwandtenehe zweiten Grades anzufechten und damit überhaupt die ihm
äußerst unliebsame konradinisch-salische
Verbindung, diesen Schritt eines "SALIERS"
ins konradinische Schwaben, rückgängig
zu machen.
Da die Machtgrundlage Konrads des Jüngeren sich
aus väterlicherseits ererbtem ("salischem")
und aus dem von seiner Mutter Mathildeererbten
(konradinischen) Besitz zusammengesetzt
haben muß und die Preisgabe Bruchsals das väterliche Erbe schmälerte,
steht zu vermuten, daß nunmehr von Mathildeherrührende,
auf Herzog Hermann II. zurückgehende Besitz relativ an Bedeutung
gewann. Entsprechend der mit dem schwäbischen Herzogsamt verbundenen
Verlagerung des Machtschwerpunktes der KONRADINER
vom Rhein-, Main- und Moselraum nach Süden und Südwesten dürfte
auch das Erbe der Mathilde eher inn
Richtung Schwaben oder in Schwaben selbst als in den ursprünglichen
Schwerpunktregionen zu suchen sein. Doch bestimmte, auf das Erbe Mathildeszurückgehende
Besitzungen werden nirgends als solche genannt.
Welche Vorgänge im einzelnen sich hinter der Herauslösung
Beinsteins und Beutelsbachs verbergen, ist nicht zu entscheiden. Es ist
zum Beispiel denkbar, daß Beinstein und Beutelsbach - im Unterschied
zu Waiblingen - zur Ausstattung der Töchter Herzog Hermenns II.
gehört
haben, Beinstein zum Gut der Gisela
und Beutelsbach zu dem der Mathilde,
und dadurch an
HEINRICH IV. bzw. an
Konrad von Beutelsbach gelangt wären.
Noch plausibler dürfte eine andere Herleitung des
Grötzinger Restitutionsgutes von 1075 sein. Adalberts von Calw Gemahlin
Wieldrud war eine Enkelin der Mathildeaus
deren zweiter Ehe mit Herzog Friedrich II. von Ober-Lothringen.
Aus dieser Ehe wurden unter anderem zwei Töchter, Sophia und Beatrix,
geboren; nach dem Tod ihrer Eltern - Friedrich II. starb 1026/27,
Mathilde1031/32,
sie wurde bei ihrem ersten Mann in Worms bestattet - und nach dem Tod auch
ihres älteren Bruders Friedrich III. (+ 1033) wurden Sophia und Beatrix
von der Kaiserin Gisela, also der Schwester
ihrer Mutter, adoptiert.
Die stirps Suevigenarum zielt offenbar auf die
Abkunft von der schwäbischen Gemahlin des "SALIERS"
Konrad
(+ 1011), von Mathilde also, der
Tochter Herzog Hermanns II. und der Gerberga.
Auf ihr Erbe gingen möflicherweise, vielelicht auch die namengebenden
Besitzungen des Konrad von Beutelsbach bzw. von Würzburg zurück.
Die besondere Bedeutung des Doms bestand in seiner Funktion
als Grablege der SALIER. Die frühen,
noch nicht königlichen SALIER,
Herzog Konrad der Rote, seine Schwiegertochter Judith (nicht jedoch sein
Sohn Otto), seine Enkel Heinrich und Konrad, Konrads Frau
Mathildeund
Heinrichs Tochter Judith (Schwester Kaiser KONRADS
II.), haben ihre Gräber im Wormser Dom gefunden.
Meyer von Knonau, Gerold: Seite 149-159
**********************
"Die Heiraten der burgundischen Mathilde, Tochter König
Konrads von Burgund, und der schwäbischen Mathilde, Enkelin derselben"
In den Memoires et documents publies par la societe d'histoire
et d'archeologie de Geneve, Tome XVI, livraison 2 (1867), ist p. 201ff.
eine Abhandlung genealogischen Inhaltes von Ed. Secretan publiziert, betitelt
Notice sur l'origine de gerold comte de Geneve. Der Verfasser dieser mit
ebenso viel Scharfsinn und Beelsenheit kombinierten, als in anziehender
Weise verfaßten Arbeit sucht in derselben folgende genealogische
Verhältnisse zu beweisen.
Des 993 verstorbenen Königs
Konrad von Burgund Tochter
Mathilde
- mit dem Verfasser nennen wir sie, um sie von ihrer gleichnamigen Mutter,
der westfränkischen Prinzessin, und ihrer ebenfalls gleichnamigen
Schwestertochter, der Mathilde von Schwaben,
zu unterscheiden, Mathilde II.,
die
Nichte aber Mathilde III.- hat in erster
Ehe den 1011 verstorbenen Konrad, Herzog von Kärnten,
oder Conrad von Worms, wie er hier genannt wird, den Vatersbruder
des späteren Kaisers KONRAD II.,
den Vater des Mitthronbewerbers von 1024, in zweiter Friedrich II.,
Herzog von Ober-Lothringen, gestorben 1033, zum Gemahle gehabt: durch
sie also war das burgundische mit dem fränkischen Königshause
verschwägert. Ihre Nichte
Mathilde III.dagegen,
die Tochter des 1003 verstorbenen Herzogs Hermann II. von Schwaben
und der burgundischen Prinzessin Gerberga,
war mit Hugo III., einem Grafen von Egisheim, vermählt. Eine Tochter
aus der Ehe der Mathilde II. mit Herzog
Konrad, also eine Schwester des jüngeren Konrads, eine Base Kaiser
KONRADS II., ist Bertha, die mit Eberhard von Egisheim vermählt
war. Dieser beiden Sohn ist Gerold.
Über diejenigen Teile dieser Erörterung, in
denen der Verfasser die Mathilde II.
an die Stelle der
Mathilde III. setzt
[Daß nicht die burgundische, sondern die schwäbische
Mathilde bis dahin als Gemahlin Konrads und Friedrichs
betrachtet
wurde, so zum Beispiel Voigtels Stammtafeln ed. Cohn Nr. 19,28, und Gisebrecht,
Geschichte der deutschen Kaiserzeit 2. Band 3. Auflage p. 219,221.], soll
an diesem Orte gehandelt werden.
Es ist zu diesem Behufe notwendig, dem Verfasser auf
dem Gang seiner Untersuchung über diesen Punkt zu folgen. In Cap.
IV: Qui epoussa
Conrad de Worms? (p. 223 ff.) führt er dieselbe,
nachdem er in den vorhergehenden Abschnitten, nach Voraussendung einer
kurzen Einleitung, erst dem Hause BURGUND
von Konrad an überhaupt, dann
von Mathilde II. speziell, hernach
von den Saliens de Franconie et de Souabe geredet, durch: insbesondere
kann er sich mit dem Gedanken nicht befreunden, daß die
Mathdilde II., eine burgundische Prinzessin, welche nach dem
Brief des Raynaldus comes Portinensis an den dux Aquitanorum G. (Flod.
ann., Mon. SS. III, p. 407) muß vermählt gewesen sein, un seigneur
inconnu de la Transjurane habe zum Gemahl haben können, und ist der
Ansicht, Gisela, die Tochter Herzog
Hermanns und Schwester der Mathilde III.,
könne nicht mit einem Bruno, Grafen von Braunschweig in 1. Ehe verbunden
gewesen sein: daß dieses letztere jedoch wirklich der Fall war, hat
Excurs V, C. der Jahrbücher Heinrichs II. von Hirsch, Band I, p. 464
ff., gezeigt.
In Cap. IV. nun geht der Verfasser der folgenden Substraten
aus. - In erster Linie wird die Stelle der von Konstantin, Abt des Schottenklosters
St. Symphorian zu Metz, um 1015 verfaßten Lebensgeschichte des 1005
verstorbenen Bischofs Adalbero II. von Metz aufgeführt, in der von
der Beteiligung Adalberos an der 1003 gehaltenen Synode von Thionville,
speziell von seiner Erklärung gegen die kanonisch unerlaubte Ehe Konrads,
des Sohnes des Herzogs Otto von Kärnten, mit Mathilde
von Schwaben die Rede ist (M. SS. IV, p. 663 ff.). Adalbero
sprach in dieser Versammlung in Bezug auf Konrad und Mathilde:
Domnus Otto dux, pater istius venerabilis Conradi ducis consedentis,
natus ex filia est magni OTTONIS, cujus
soror Girbergia dedit filiam suam Conrado
Burgundionum regi. Ex Conradi autem
filia nata est domina Mathildis, hujus Conradi assidentis uxor.
Es ist also Konrad der Urenkel OTTOS
I., Mathilde die Urenkelin
der Gerberga, und die Gereiztheit des
Herzogs von Ober-Lothringen gegen den Bischof, der von einem secundus locus
sprach, während, selbst wenn man nach kanonischer Rechnungsweise OTTO
I. und Gerberga, nicht HEINRICH
I. als Ausgangspunkt der Zählung gelten läßt,
nur vom 3. Grade die Rede sein konnte, höchst natürlich. In ganz
unzulässiger Weise, trotz der klaren Worte des Textes: ex Conradi
filia nata est Mathildis, nimmt hier der Verfasser zugunsten seiner Hypothese
an, hinsichtlich der Mathilde habe Adalbero die Wahrheit ausgesprochen:
Gerbergas
Enkelin, Mathilde II., sei Konrads
Gemahlin
gewesen [Vgl. hierzu Hirsch, Jahrbücher Heinrichs II. Band I, p. 246
n.2].
Als zweites Zeugnis für Mathilde
II. als Gemahlin Konrads von Worms - und dieses als das
noch zumeist Brauchbare wäre wohl besser in den Vordergrund gerückt
worden - betont der Verfasser die Stelle Thietmars, lib. V, cap. 7 (SS.
III, p. 794), wo es heißt, Herzog Hermann II. von Schwaben
habe 1002 den Bischof von Straßburg bekriegt, Straßburg belagert,
erobert und verwüstet, und zwar cum Conrado suimet gero, wie der Dresdener
Codex 1. schreibt. Lappenberg - nicht Pertz, wie p. 227 gesagt wird - setzte
hierfür genero in den Text, dafür haltend, Konrad sei
der Gemahl der schwäbischen Mathilde III.
Bekanntlich ist dieser Codex unter der Aufsicht Thietmars selbst angelegt,
von ihm mit eigener Hand korrigiert worden, so daß, was der nicht
eimal direkt aus demselben abgeleiteten Brüsseler Codex 2, aus dem
15. Jahrhundert, oder der Annalista Saxo (M. SS. VI, p. 649) bringen, ganz
hinter den Angaben jener ersten Handschrift zurücktritt. Wenn also
Codex 2 und der Annalist hier germano haben, so ist darauf bei weitem nicht
jenes Gewicht zu legen, das der Verfasser dieser Variante beimißt.
Dann fährt derseklbe p. 228 folgendermaßen
fort: La question serait certainement decidee en faveur de la version,
qui fait de Conrad de beau-frere (germanus) de Hermann, par consequent
le mari de Mathilde II., si Wipop,
auteur de la vie l'empereur CONRAD II.,
ne venait a son tour retablir l'equilibre dans le sens oppose. Presque
contemporain aussi, le precepteur de Henri III. etait en mesure d'etre
bien informe, c'est donclui qui a fait autorite. Wipo sagt nämlich
in der Vita Chuonradi c. 2 (SS. XI, p. 258) ausdrücklich von
KONRADS
II. jüngerem Vetter und Mitbewerber: Junioris Chunonis
mater Mathilda de filia Chuonradi
regis Burgundiae nata fuit. Die Versuche des Verfassers, die
Autorität dieser Angebe zu erschüttern, dieselbe als einen Irrtum
des Wipo hinzustellen, sind denn auch gering. Die Bestimmthiet der Worte
ist auch ihm allzu groß.
Wir sehen, zwei Zeugnisse unterstützen die Hypothese
nicht, und ein drittes spricht von vornherein streng dagegen: la question
ne peut etre resolue quem recourant aux probabilites (p. 229). Und so tritt
denn der Verfasser im Folgenden auf eine Prüfung der chronologischen
Daten, der Altersverhältnisse der einzelnen Personen ein, welche allerdings
beim ersten Blicke, in äußerst gewandter und bestechender Kombinationsweise,
wie diese Beweise vorgebracht sind, für seine Vermutung zu sprechen
scheinen. - In folgenden Stücken liegen seine hauptsächlichen
Einwendungen gegen die Annahme, Mathilde III.
sei Konrads von Worms und Friedrichs von Ober-Lothringen
Gemahlin gewesen:
1. der jüngere Konrad hätte in
diesem Falle nicht schon 1019 gegen Herzog Adalbero von Kärnten kämpfen,
1024 nicht als Mitbewerber auftreten können: er wäre noch allzu
jung zu beiden gewesen
2. was die drei Töchter Hermanns
II. von Schwaben und der Gerberga,
Gisela,
KONRADS
II. nachherige Gemahlin, Beatrix, diejeneige des Eppensteiners
Adalbero, Herzogs von Kärnten, und unsere
Mathilde
III. betreffe, so sei es höchst auffallend, daß Giseladurch
Eintritt in ihre dritte, mit KONRAD II.
geschlossene Ehe die Nichte dieser ihrer zuletzt genannten Schwester geworden
wäre
3. der Umstand, daß 996 ein Bruder Konrads
von Worms, Bruno, unter dem Namen Gregor V. Papst wird, in Verbindung
gesetzt mit der Erwägung, daß meist jüngere Söhne
den geistlichen Stand ergriffen, lasse den Altersunterschied zwischen Konrad
von Worms und Mathilde III.als
sehr groß erscheinen
4. da Gisela,
die
Gemahlin Heinrichs des Zänkers
und Mutter
Kaiser HEINRICHS II. eine
Mutterschwester der Mathilde III. war,
ihre Tochter Gisela aber erst 1006
mit Stephan von Ungarn sich vermählt
habe, so stimme das abermals nicht zu einer Ehe Mathildens
III. mit Konrad von Worms [Hier irrt der Verfasser
bedeutend. Gisela ist von Geisa
noch vor dessen 995 erfolgtem Tode zur Gemahlin seines Sohnes Waic
(als Christ Stephan) ausersehen worden
und hat wohl kurz nach Geisas Tod sich
vermählt; siehe Büdinger, Oesterreich, Geschichte I, p. 397.].
Schließlich, von p. 235 an, wird zu zeigen versucht, inwiefern Mathilde
II. besser in deise Verhältnisse hinein passen würde.
Diesen Ausführungen gegenüber muß an
dieser Stelle der Beweis geführt werden, daß sich mit der durch
die Quellen bezeugten Ehe der schwäbischen
Mathilde III. mit Konrad und Friedrich die anderen,
besonders die chronologischen Verhältnisse vereinigen lassen.
König Konrad von Burgund
hat
in zweiter Ehe - der Name der ersten Gemahlin, deren Tochter die
baierische
Herzogin Gisela war, ist nicht bekannt - eine westfränkische
KAROLINGERIN,
Mathilde,
Tochter König Ludwigs IV. und
der Gerberga, einer Schwester OTTOS
DES GROSSEN, gehabt. Da Gisela,
die Tochter erster Ehe, ihren Sohn den späteren Kaiser
HEINRICH II., schon 973 gebar, so muß Konrad
sich um oder nach 950 zum ersten Male vermählt haben. Setzt man mit
Hirsch den Abschluß der zweiten Ehe gegen Ende der 50-er Jahre des
10. Jh. und faßt man die Worte der Miracula s. Verenae, daß
König
Konrad von seiner echtmäßigen Gemahlin anfangs keine
Kinder hatte, dann aber zuerst einen Sohn erhielt, einerseits, andrerseits
den Umstand in das Auge, daß Konrads
Tochter zweiter Ehe, Bertha, als ihr
Gemahl, Graf Odo, 995 starb, Kinder von demselben hatte, so wird man annehmen
dürfen, daß Gerberga, welche
nach der Stammtafel des Steynvelter Codex (SS. III, p. 215) das dritte
Kind der Mathilde, jünger als
Bertha war, etwa Mitte der 60-er Jahre geboren worden ist.
Gerberga hat also
schon in den 80-er Jahren ihrem Gemahl Hermann, der 997 Herzog von
Schwaben wurde und erst 1003 starb, Kinder schenken können, und dieses
anzunehmen ist man auch durchaus gezwungen, da ihre Tochter Gisela
schon 1007 oder 1008 in zweiter Ehe einen Sohn zur Welt bringt, nachdem
ihr erster Gemahl, Bruno von Braunschweig, um 1006 gestorben. Unter den
anderen Töchtern aus dieser Ehe hat nun Mathilde
III. hier besondere Wichtigkeit.
Secretan sagt p. 230: Placons la naissance deMathilde
III. en 983, on arrivera a peine, en supposant Conrad le jeune
ne un an apes le mariage de sa mere, a pouvoir le considferer comne etant
ne en 1003, a l'epoque meme ou l'empereur HENRI
II. voulait attaquer le mariagne de ses parents a la diete de
Thionville, und gibt so selbst die Möglichkeit davon zu, da Mathilde
III. Konrads Gemahlin gewesen sei.
Mathilde, Hermanns und GerbergasTochter,
kann ganz gut zur Zeit der Synode von Thionville, im Januar 1003,
Konrads
Frau gewesen sein. Nehmen wir das von Secretan angeführte Jahre als
das ihrer Geburt an [Daß die Töchter in Hermanns und
Gerbergas
Ehe die ältesten Kinder waren, der Sohn, de rnachherige
Herzog
Hermann III. bedeutend später geboren wurde, bezeugen außer
den Stellen welche aussagen, derselbe sei 1012 in noch sehr jugendlichem
Alter gestorben (Stälin, Wirtemberg Geschichte I, p. 473 n.3).], so
wurde sie Witwe im 28. Lebensjahre und vermählte sich hierauf nochmals
mit Herzog Friedrich von Lothringen, der noch einige Kinder von
ihr empfing [Ein Sohn starb früh; dagegen überlebten zwei Töchter
den 1033 gestorbenen Vater: Beatrix und Sophie, jene später die Mutter
der großen Gräfin Mathilde. Friedrich von Lothringen
scheint seine Frau Mathilde überlebt
zu haben, denn nach seinem Tode kamen seine Töchter an den kaiserlichen
Hof. Die Stelle des Chr. s. Michaelos in pago Virdunensi c. 32 (SS. IV,
p. 84), welche hiervon erzählt, enthält übrigens auch einen
entscheidenden Protest gegen die Vertauschung der Mathilde
III. mit Mathilde II.; es
ist da von den duae puellulae Sophia et Beatrix die Rede, welche nutrien´bnantur
in aula regis (KONRADS II.); nam conjunx
imperatoris (Gisela), amita earum, eas sibi adoptaverat in filias.]. Würden
wir dagegen die burgundische Mathilde
der schwäbischen substituieren, so wäre 1011 von Konrad
eine Witwe im Alter von mindestens 40 Jahren zurückgelassen worden.
Indessen ist auch das Altersverhältnis zwischen
Mathilde
III. und ihrem ersten Gemahl ins Auge zu fassen, und da ergibt
sich allerdings eine nicht kleine Altersdifferenz, welche hervorzuheben
der Verfasser auch nicht versäumt. (p. 233).
Otto, der Sohn des gewesenen Herzogs Konrad von Lothringen,
der 955 auf dem Lechfeld gefallen war, durch seine Mutter Liudgard
ein Enkel OTTOS DES GROSSEN, ist der
Vater des Konrad von Worms, welcher ihm 1004 als Herzog von Kärnten
folgte, gewesen Ein anderer und wohl der älteste Sohn, Heinrich, der
Vater des nachherigen Kaiser KONRADS II.,
scheint früh, vor dem Vater, gestorben zu sein. Ein dritter ist Brun,
der durch OTTO III. 996 zum Papst gemacht
wurde und bis 999 als Gregor V. regierte, der erste Deutsche auf dem päpstlichen
Throne. Secretan nun macht mit vollem recht darauf aufmerksam, daß
meist die jüngeren Söhne zum geistlichen Stand bestimmt wurden,
und daß, mag Brun bei seiner Erhebung auch noch so jung gewesen zu
sein, er doch ein gewisses Alter haben mußte: Bruno ne pouvait gueres
avoir moins de 30 ans, eine wohl zu hoch gegriffene Zahl. Und überdies
kann Heinrich, als Bruno zum geistlichen Stand bestimmt wurde, noch gelebt
haben, so daß man nicht gezwungen ist, Konrads Geburt vor
derjenigen Brunos anzusetzenm, wie der Verfasser tut, indem er um 964 Konrad
geboren sein läßt: dergestalt allerdings wäre Konrad ungefähr
20 Jahre älter, als Mathilde III. gewesen,
beinahe 40 Jahre, falls nicht eine frühere kinderlose oder nur mit
kurzlebigen Kindern gesegnete Ehe angenommen wird, unvermählt geblieben.
Wenn nun auch dieses anzunehmen, wie bemerkt, nicht nötig ist, ein
Altersunterschied von mindestzens 10 Jahren war zwischen Konrad
und Mathilde III. immerhin vorhanden.
Konrad der Jüngere, der Sprößling dieser
Ehe, mag also um 1003 zur Welt gekommen sein, vielleicht auch schon etwas
früher; doch ist wohl hierbei nicht ganz außer Beachtung zu
lassen, daß
HEINRICH II. 1003
zu Thionville nur von der Existenz der ihm verhaßten Ehe, nicht schon
von derjenigen eines Kindes aus derselben redete. Ein puer war 1012 nach
Hermanns von Reichenau Ausdruck der filius Cuonradus, dem nach des Vaters
Tode HEINRICH II. das von demselben
inngehabte Herzogtum Kärnten nicht zuwies; als adolescens wird er
durch denselben bezeichnet, als er 1019 gegen Adalbero mit seinem Vetter,
Konrad
den Älteren, die Waffen ergriff. Und als HEINRICH
II. gestorben war, als es sich darum handelte, einen der beidenm
Konrade mit der Reichsführung zu betrauen, würde der jüngere
nach dieser Berechnung nicht viel über 20 Jahre gezählt haben,
währen dem älteren durch Giesebrecht ein Alter von etwa 40 Jahren
zugeschrieben wird.
Auch gegen diesen ziemlich bedeutenden Altersunterschied
zwischen den beiden gleichnamigen Vettern wendet Secretan p. 232 nicht
mit Unrecht ein, er vertrage sich schecht mit les relations en quelque
sorte fraternelles, mit denen man die Beziehungen der Konrade zueinander
zu verbinden gewohnt sei. Allein was diese innigen Bande angeht, so ist
die Waffengenossenschaft von 1019 jedenfalls ebenso sehr durch "die gemeinschaftlichen
Interessen" als durch die "Freundschaft" zu erklären, und hat andererseits
Steindorff erst kürzlich gewiß mit Recht betont, daß die
Reden bei Wipo bei Anlaß des Wahlaktes ohne Zweifel erfunden sind,
in denen der ältere Konrad seinem
Vetter unter anderem omnium cognatorum meorum dilectissimus nennt. Gerade
der bedeutende Altersunterschied der beiden läßt vielmehr eher
klar werden, daß der jüngere Konrad, trotz der Partei, die für
seine Erhebung war, sich von seinem älteren an Erfahrung ihm überlegenen
Vetter einschüchtern uind gewinnen ließ. Auch die Notiz der
Annalen von Hildesheim, Konrad sei inmatura morte 1039, nur kurz nach KONRAD
II. gestorben, paßt wohl zu einem Alter von etwa 36 Jahren.
So ist denn auch nach den chronologischen Verhältnissen
die schwäbische Mathilde an der
bisher ihr angewiesenen Stelle in den genealogischen Tafeln ohne Frage
zu behalten, und es ist die Angabe, Konrad der Jüngere sei ihr Sohn,
nicht nur impossible dans toute la rigeur du mot, sondern auch nicht trespeu
problable (p. 238) [Folgende zwei Momente sprechen auch noch gegen Secretans
Hypothese. Einmal ist in der schon mehrfach erwähnten Steynverlter
Stammtafel die angegebene, weil in den Augen des Schreibers wichtigere
Mathildis Mathilde III., nicht Mathilde
II. - Als zweites ist anzuführen, daß Konrad der
Jüngere, wäre seine Mutter
Mathilde
II. gewesen, ein Neffe König Rudolfs
von Burgund gewesen wäre, also dem Erblasser von 1032 noch
näher gestanden hätte als KONRAD II.
nach dessen Vermählung mit Gisela
(in Wirklichkeit, als Sohn der Mathilde III.
ist er ein Großneffe Rudolfs):
als Söhne von Schwestern Rudolfs
wären
1032 Graf Odo von der Champagne und er die nächsten Erben gewesen.
Allerdings nun hat Konrad der Jüngere, der sich bald nach KONRADS
Erhebung mit demselben entzweit hatte, 1025 offen mit dessen Stiefsohn,
Ernst II. von Schwaben, dem Großneffen König
Rudolfs,
dem es hauptsächlich um die Ansprüche auf Burgund zu tun war,
gemeinschaftliche Sache gemacht, und als 1027 Ernst sich von neuem erhob,
war Konrad "dem Kaiser weder treu, noch auch sehr schädlich", sondern
"hielt sich einstweilen im Hintergrund", mußte aber dafür, nachdem
Ernst sich unterworfen, gleichfalls hart büßen: während
jedoch besonders 1027 Ernsts Absichten auf Burgund deutlich genug hervortarten,
war Konrad 1025 wohl zumeist durch seine engen Beziehungen zu seinem Stiefvater,
Friedrich,
und durch denselben zu den lothringischen Dingen in die Reihen der Verschwörer
gezogen worden, und hielt er sich 1027, noch mehr nach Rudolfs
Absterben, als Odo, Gerold von Genf, der Erzbischof Burkhard III. von Lyon
die Ansprüche
KONRADS II. auf
Burgund mit Waffengewalt bekämpften, von den burgundischen Angelegenheiten,
so weit wir erkennen können, ferne. Das läßt sich begreifen,
wenn er der Großneffe
Rudolfs
war; der Neffe desselben hätte wohl energischer seine Anrechte geltend
gemacht.].
Eine der Haupteinwendungen des Verfassers gegen die Mathilde
III. als Gemahlin Konrads und Friedrichs lag darin,
daß es nicht denkbar war, daß der Name des Gemahls einer Tochter
des Königs Konrad von Burgund unbekannt
geblieben sei, während die Schwestern derselben die glänzendsten
Heiraten gemacht haben, eine Herzogin von Bayern, Mutter eines deutschen
Kaisers, die zweite Herzogin von Schwaben, die dritte erst Gemahlin eines
Rivalen
Hugo Capets, dann vorübergehend
Königin von Frankreich geworden sei. Daß Mathilde
von Burgund vermählt war, zeigt der Brief des Grafen Raynaldus,
wonach sie eine Tochter Bertha, diese einen Sohn, Geraldus Genevensis,
hatte. Den Namen des Gemahls freilich wissen wir nicht, und das kann bei
den zerrütteten inneren Verhältnissen des burgundischen Reiches
uns nicht überraschen. Wie dieselben keine Blüte der Künste
des Friedens, also auch keine historiographische Tätigkeit zum Gedeihen
kommen ließen, so kann auch der Vater der Bertha schon frühe
in einer der zahlreichen inneren fehden umgekommen sein. Dieses Schweigen
der Quellen kann am wenigsten etwas zu besagen im Stande sein.
Mit der Haltlosigkeit der Hypothese, die bis dahin besprochen
wurde, fällt selbstverständlich auch dahin, was in Cap. VII von
der Vermählung der schwäbischen Mathilde mit einem Grafen Hugo
III. von Egisheim, Vetter des Eberhard III., Grafen von Nordgau, Gemahl
der Bertha (von Worms, wie sie irrig benannt ist), aufgestellt ist. Dagegen
ist jedenfalls der in dem Briefe genannte Urenkel des Burgundischen Königs
Konrad, Geraldus Genevensis, der von Wipo im Leben KONRADS
c. 32 zum Jahre 1034 erwähnte Geroldus princeps regionis illius und
wohl auch der Gerolt Burgundio des Hermann von Reichenau zu 1045: jener
unterwirft sich zu Genf, zugleich mit dem Erzbischof von Lyon, KONRAD
II., dieser ergibt zu sich zu Solothurn HEINRICH
III. Auch das Alter Gerolds stimmt zum Briefe: Graf Gerold von
Genf ist gleich dem jüngeren Konrad ein Urenkel des burgundischen
Konrad.
Den Namen des Gemahls der Bertha
dagegen, des Schwiegersohnes der burgundischen
Mathilde, liefert uns eben die schon oben berührte Stelle
des Wibert. Die Nichte des letzten burgundischen
Königs Rudolf (neptis Rodulfi
regis Jurensis), Bertha -
denn hier ist es wohl gestattet, den Brief Raynalds mit Wiberts Bericht
zu verbinden - ist die Gemahlin des Gerhard, eines Sohnes des Grafen Hugo
von Egisheim, und Gerhards und Berthas Sohn
ist Graf Gerold von Genf. Daß dieser gegen KONRAD
II. und HEINRICH III. als
Großneffe König Rudolfs und
als burgundischer Großer mehrmals zu den Waffen griff, ist natürlich.
Hirsch Siegfried: Band 1 Seite 243-247
**************
"Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich
II."
Zu Diedenhofen, einer Pfalz an der Mosel, zwischen Metz
und Trier, hielt er mit den Eingesessenen der Provinz einen Landtag. Hier
nun erhob sich HEINRICH, und schalt
die Prälaten mit strenger Rede, daß sie nicht tapferer das geistliche
Schwert handhabten, um die untauglichen Glieder aus der Gemeinschaft der
Guten auszustoßen. Alle staunten ob der heftigen Worte und wußten
sie nicht zu deuten. Da löste der König ihre Zweifel mit folgenden
Worten: Unter Vielem, was in den Sprengeln meines Reiches zu verbessern
ist, steht es oben an, daß die nächsten Verwandten zur Ehe miteinander
schreiten, ja, daß selbst die im dritten Grade Blutsverwandten ehelicher
Verbindung nicht entsagen und so die Kette, welche die heiligen Bestimmungen
der Kanones bis zum siebenten Geschlecht unversehrt zu erhalten befehlen,
ruchloser denn Juden und Heiden schon in ihren ersten Gliedern zu zerreißen
sich nicht scheuen.
Wiederum herrschte langes Stillschweigen unter den Bischöfen.
Die einen wußten gar nicht, was der König meine; die anderen
hielt Neigung für die angefeindete Person oder Furcht vor derselben
zurück. Der König aber, in den Wissenschaften wohl erfahren,
wußte sich Mäßigung zu gebieten, und hielt es für
ehrenvoller, mit Sprüchen und Beispielen aus der heiligen Schrift
auf die Betroffenen einzudringen. Seht, sprach er endlich, der Herzog Konrad
von Austrasien, uns durch Blutsbande, allen Edlen Deutschlands durch Verschwägerung
verbunden, hat eine ihm so nahe verwandte Frau zur Gattin erwählt,
daß, wie ich fürchte, nicht nur ihn, sondern das gesamte Vaterland
alsbald die Strafe Gottes dafür treffen wird.
Jetzt erhob sich Adalbero, ein Kirchenfürst aus
jenem Hause, das seit langer Zeit mit den sächsischen Kaisern in enger
Verbindung war. Er erklärte, die Verwandtschaft des Herzogs Konrad,
des Sohnes Ottos von Kärnten - denn kein anderer war gemeint - und
seiner Gemahlin Mathilde, Tochter des
Herzogs
Herimann von Schwaben, man muß sagen mit mönchischem Eifer,
so, daß sie als Verwandte des zweiten Grades erschienen.
Natürlich erregte diese Deduktion Unwillen und Streit
in der Versammlung. Herzog Theoderich von Ober-Lothringen, der den Zorn
der Welt nicht scheute, trat offen seinem Bruder bei [Persönlicher
Einwurf: Pikanterweise heiratete später Theoderichs (Dietrichs)
Sohn Friedrich II. Herzog von Ober-Lothringen die wegen ihrer
Nahehe gescholtene Mathilde von Schwaben,
mit der er als Urenkel der Hadwig,
Schwester OTTOS DES GROSSEN, genau
so nahe verwandt war, wie Konrad von Kärnten als Urenkel OTTOS
DES GROSSEN.]. Von den weltlichen Großen scheinen viele,
von den Geistlichen nur wenige seinem Beispiel gefolgt zu sein. Rücksichten
für den Herzog bestimmtem gerade die Ansicht der Letzteren. Den ausgebrochenen
Hader konnte auch der König nicht beilegen; im Unfrieden, mit bitterem
Groll schied man.
Bresslau, Harry: Band 1 Seite 247
*************
"Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II."
Von sächsischer, also feindlicher Seite wird Mieszko sorgfältige Pflege der christlichen Institutionen nachgerühmt; und sehr merkwürdig ist ein auf uns gekommes Schreiben, das die Herzogin Mathilde von Ober-Lothringen, die Mutter des jüngeren Konrad und Gemahlin des Herzogs Friedrich, eben in diesen Jahren an ihn gerichtet hat. Aus der Bibliothek des Klosters Neu-Celle bei Frankfurt an der Oder ist ein liturgisches Buch in die der Hedwigskirche zu Berlin übergegangen, welches die Herzogin dem Polen-Fürsten als Geschenk übersandt hat, und welchem ein ziemlich umfangreicher Widmungsbrief an ihn vorangeht. Mit geradezu überschwenglichen Lobeserhebungen preist sie darin Mieszko, der in allen Zungen dem Dienst des Höchsten Verehrung spenden lasse, der mehr Kirchen erbaut habe, als irgendeiner seiner Vorgänger, der durch seine Tugenden, seinen sittlichen Lebenswandel, seine Gerechtigkeit seine Fürsorge für die Witwen und Waisen, für die Armen und die Elenden allgemeine Anerkennung erworben habe
Weinfurter, Stefan: Seite 165
****************
"Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten."
Auf der Synode von Diedenhofen verwies HEINRICH II. auf die angebliche Nahehe des SALIERS Konrad von Worms, der mit Mathilde, einer Tochter Herzog Hermanns II. von Schwaben, verheiratet war. Konrad war ebenfalls in Diedenhofen anwesend, und das Vorgehen des Königs war ein harscher Affront gegen ihn. Die meisten Bischöfe hielten sich noch zurück, ja sie waren geradezu konsterniert von den Attacken des Königs. Nur der Metzer Bischof Adalbero II., so hören wir, habe die Ansicht HEINRICHS II. verteidigt und nachzuweisen versucht, daß Konrad nicht nur in einer Nahehe vierten Grades, sondern sogar zweiten Grades verheiratet sei. Diese Versammlung ging in ziemlichen Unfrieden auseinander.
Erkens, Franz-Reiner: Seite 26,37,78
******************
"Konrad II. Herrschaft und Reich des ersten Salierkaisers."
Sein Sohn Konrad, verheiratet mit Mathilde,
der Tochter
Hermanns II. von Schwaben, hat im übrigen eine
andere Entscheidung getroffen und die Kandidatur seines Schwiegervaters
unterstützt. Die Verschwägerung mit der KONRADINER-Sippe
hat diesen Schritt sicherlich gefördert.
Die Lothringer aber standen in Opposition und sprachen
sich offenbar für den anderen, den jüngeren Konrad aus: Friedrich
II. von Ober-Lothringen, der schon zu Lebzeiten seines Vaters Dietrich
(+ 1027) den Herzogstitel führte und 1024 wohl auch die Politik im
Herzogtum mitbestimmte, hatte die verwitwete Mutter des jüngeren Konrad
geheiratet und unterstützte die Kandidatur seines Stiefsohnes.
Konrad der Jüngere, dessen Mutter, die Gemahlin
des oberlothringischen Herzogs Friedrich, Kontakte mit dem im Gegensatz
zum Reich stehenden polnischen König Mieszko
II. pflegte, hielt sich deutlich zurück, und Herzog
Friedrich, dessen Vater Dietrich am 2. Januar 1027 starb, bewahrte
trotz aller persönlicher Distanz zum salischen
König Ruhe.
Boshof, Egon: Seite 24,26
************
"Die Salier"
Ottos Sohn Konrad hat sich nämlich dem Schritt
des Vaters nicht angeschlossen, sondern für Hermann von Schwaben
Partei ergriffen. Die verwandtschaftliche Bindung - Konrad war mit
Hermanns
Tochter
Mathilde
verheiratet, hat diese Entscheidung sicherlich mitbestimmt.
Auf einer mit einem Hoftag verbundenen Synode in Diedenhofen
kam es 1003 zu einem aufsehenerregenden Zusammenstoß, als HEINRICH
Konrads Ehe mit Mathilde von Schwaben
als unkanonisch brandmarkte und - wenn man der Quelle, der Biographie des
Bischofs Adalbero II. von Metz, trauen darf - aus deiser anfechtbaren Verbindung
nicht nur für Konrad selbst, sondern für das ganze Vaterland
die Gefahr göttlicher Strafe erwachsen sah. Allerdings konnte der
Bischof Adalbero nur durch eine rabulistische Argumentation die Behauptung
zu enger Verwandtschaft der beiden Ehegatten aufrechterhalten, indem er
Bruder und Schwester in der Zählung der Grade nicht berücksichtigen
wollte. Tatsächlich ergibt aber die Rückführung beider Linien
bis zum gemeinsamen Vorfahren, HEINRICH I.,
- bei Konrad über Otto von Kärnten, Liudgard
und
OTTO
DEN GROSSEN, bei Mathilde
über Hermanns II. Gemahlin Gerberga,
deren Mutter Mathilde und die Großmutter
Gerberga,
OTTOS
DES GROSSEN Schwester, -
ein zulässiges Verwandtschaftsverhältnis des achten Grades.
Weinfurter Stefan: Seite 49
***************
"Herrschaft und Reich der Salier. Grundlinien einer Umbruchszeit."
Diesem König Mieszko von Polen hatte noch 1025/26 Mathilde, die Mutter Konrads des Jüngeren, ein kostbares liturgisches Buch übersandt mit einem wirklich bemerkenswerten Widmungsschreiben. Sie, die Schwester der Kaiserin Gisela, preist darin geradezu überschwenglich die Würde des Polen-Königs, seine Verdienste, seine Tugenden, seine Gerechtigkeit und Fürsorge für die Armen, nennt ihn Kämpfer Christi auf Eerden und "den unbesiegbaren König, dem die Bestimmung des allmächtigen Gottes das königliche Diadem verliehen habe", und sie wünscht ihm"glücklichen Triumph über alle Feinde". Dieser Brief an den Gegner KONRADS II. und - vom salischen Herrscher aus gesehen - an den Feind der "Reichsrechte" stellt gut vor Augen, daß sich die Opposition im Inneren des Reiches in einer ähnlichen Lage befand wie der Polen-König und daß man sich daher zusammenfand. Mieszko erscheint als der "gerechte König". Die Herrschaftsweise und den Autoritätsstil KONRADS II. empfand man demzufolge als "ungerecht". Mathildes Äußerungen muß man hoch bewerten, denn sie war in diesen Jahren als Mutter des jüngeren Konrad und als Gemahlin Herzog Friedrichs II. von Ober-Lothringen das Verbindungsglied in der Opposition und spielte zweifellos eine ganz zentrale Rolle, wie ein Gedenkbucheintrag dieser Gruppe im Kloster Reichenau aus dieser Zeit erkennen läßt (Hansmartin Schwarzmaier).
Goez Elke: Seite 11,38
*********
"Beatrix von Canossa und Tuszien. Eine Untersuchung zur
Geschichte des 11. Jahrhunderts."
Spärlich sind die Nachrichten über Beatrix bis
zu ihrer ersten Eheschließung. 1012 oder kurz danach hatte ihr Vater,
Herzog
Friedrich II. von Ober-Lothringen, die KONRADINERIN
Mathilde
geheiratet, die älteste Tochter Herzog Hermanns II. von Schwaben
und Witwe Herzog Konrads von Kärnten. Diese ist letztmals 1030
bezeugt, als sie während des Osterfestes am Königshof in Ingelheim
weilte [Vgl. Ekkehardi Casus s. Galli, Seite 142; Bresslau I, Seite 286f.;
Reg. b. Zur komplizierten Familiengeschichte der Konradiner vgl. Wunder,
Beiträge, Seite 1-15; Mertens, Rhein, Seite 227ff.; Hlawitschka, Thronwechsel,
Seite 149-248.]
Weit abseits vom alten Herrschaftszentrum Herzog Friedrichs
II. von Ober-Lothringen lagen ferner Titinesheim und Lutera.
Es könnte sich also hierbei möglicherweise um konradinisches
Erbe aus dem Nachlaß von Beatricens Mutter Mathildegehandelt
haben. Titinesheim ist mit Deidesheim an der Weinstraße zu
identifizieren. Bei Lutera handelt es sich offenbar um Lauterburg.
Schnith Karl: Seite 95-97,100-103,110-112
***********
"Frauen des Mittelalters in Lebensbildern."
Nach römischer Zählweise waren Konrad und
Mathilde,
die jeweils in der vierten Generation von HEINRICH
I. abstammten, im achten Grad verwandt. HEINRICH
II. sprach bei seiner Anklage auf der Synode von Diedenhofen
von Ehen zwischen Verwandten dritten Grades: als solche konnte man die
Verbindung von Konrad und Mathildewerten,
wenn man mit der germanischen Zählung die gemeinsamen Stammeltern
und deren Kinder ausklammerte. Diese Zählwiese ist zeitgenössisch
im Dekret Bischof Burchards von Worms belegt. Bischof Adalbero von Metz
aber bezeichnete die von ihm konkret dargelegte Verwandtschaft mit eben
diesem Argument überraschenderweise als eine zweiten Grades. Darauf
reagierte
Konrad sehr empört; er war damit keineswegs allein,
so daß die Versammelten im Unfrieden schieden. Vielleicht versuchte
Adalbero, auf eine Verwandtschaft zweiten Grades im Sinne von 2 : 2
zu kommen, weil zuweilen erst bei einer Verwandtschaft im vierten oder
fünften römischen Grad eine Trennung schon Verheirateter gefordert
wurde. Auch wenn man, wie Hoffmann fordert, nicht von vornherein bezweifelt,
daß es HEINRICH II. wirklich
um die Durchsetzung des Kirchenrechts ging, so legt doch die Verschärfung
durch Adalbero nahe, daß hier der Versuch gemacht wurde, das Kirchenrecht
politisch einzusetzen. Später hören wir nichts mehr von Angriffen
auf diese Ehe von Giselas Schwester,
genausowenig wie auf ihre zweite Ehe im gleichen Verwandtschaftsverhältnis.
Das 1019 sichtbare Einvernehmen zwischen den beiden Konraden
hat allerdings nur bis zur Wahl Konrads des Älteren
zum König gedauert. Seitdem dürften sich auch die Schwestern
Giselaund
Mathilde
zeitweise nicht mehr so gewogen gewesen sein.
Verwandt mit KONRAD
sowie mit Gisela war Bruno, ein Sohn aus der bereits mehrfach erwähnten
ersten Ehe von Giselas Schwester Mathilde.
Offenbar im Hinblick darauf, daß er als künftiger Bischof von
Würzburg vorgesehen war, schenkte Gisela der Würzburger
Bischofskirche ihren Anteil an ihrem bereits oben erwähnten, in seiner
ursprünglichen Funktion nicht mehr benötigtem Erbgut Regenbach,
dessen anderen Teil Bruno wohl über seine Mutter Mathilde
geerbt hatte.
Wir erinnern uns, daß ihre Schwester Mathilde,
die Mutter Konrads des Jüngeren, in zweiter Ehe mit Friedrich von
Ober-Lothringen verheiratet war, der die Wahl Konrads
des Älteren deshalb nicht mitgetragen hatte. Dem Streit
Konrads des Jüngeren mit dem König folgte eine gegen den König
gerichtete Verschwörung zwischen Konrad dem Jüngeren, seinem
Stiefvater Friedrich von Ober-Lothringen, Graf Welf und Herzog Ernst
II. von Schwaben, dem Sohn Giselas
aus zweiter Ehe. Angesichts der Verschwörung scheinen die beiden Schwestern
Gisela
und Mathilde zusammen mit Abt Bern
von der Reichenau einen Vermittlungsversuch unternommen zu haben. Ob die
Kontrahenten zusammenkamen, ist unsicher, aber jede der beiden Parteien
fand sich auf der Reichenau ein, wie uns durch zwei entsprechende Gedenkbucheinträge
wohl vom Sommer 1025 überliefert ist. Allerdings führte diese
Initiative offenbar zu keiner Einigung. Die Gegner KONRADS
II. nahmen sogar Verbindung nach Polen auf. Das zeigt ein Widmungsschreiben
aus der 2. Hälfte des Jahres 1025, mit dem MathildeKönig
Mieszko ein kostbares liturgisches Buch übersandte: der
polnische Gegner KONRADS II. wird von
ihr als gerechter König bezeichnet, dem sie glücklichen Triumph
über seine Feinde wünsche. Eine Reaktion auf diese Kontaktaufnahme
ist allerdings nicht bekannt.
Da Konrads Mutter Mathilde
zum Beispiel 1030 in der Umgebung Giselas
nachweisbar ist - sie besuchte, wie Ekkehard von St. Gallen berichtet,
in Ingelheim das österliche Hochamt zusammen mit Gisela
und KONRAD - könnten die beiden
Schwestern durchaus ausgleichend gewirkt haben.
Hilsch, Peter: Seite 57
***********
"Regenbach und die Schenkung der Kaiserin Gisela"
Eines scheint kaum zweifelhaft: daß Giselas
Schenkung bereits auf den am Königshof für Würzburg vorgesehenen
Bischof Bruno, ihren Verwandten, zielte und ihr Zeitpunkt mag auf diesen
im Sommer 1033 am Hof erfolgten Entschluß zurückgehen. Aber
noch ein anderes familiäres Ereignis war dafür entscheidend:
am 18. oder 20. Mai 1033, zweieinhalb Monate vor Ausstellung unserer Urkunde,
war der einzige Sohn Mathildes aus
ihrer zweiten Ehe mit Herzog Friedrich II. von Ober-Lothringen (+ 1026/27),
Herzog Friedrich III., kinderlos gestorben. Mathilde
selbst kann zu diesem Zeitpunkt ebenfalls nicht mehr gelebt haben; denn
Kaiserin
Gisela adoptierte nun, 1033, die einzigen hinterbliebenen Kinder
aus dieser Ehe ihrer Schwester und ließ sie am Königshof erziehen.
Dieser bemerkenswerte Vorgang, die einzige uns bekannte "Frauenadoption"
im Königshaus, bezeugt uns wiederum das große Interesse Giselasan
den Kindern Mathildes [Chronik des
Klosters St. Mihiel/Maas, Kap. 32, MGH SS 4, Seite 84: exceptis duabus
puellulis Sophia et Beatrice, quae nutriebantur in aula regis, nam coniunx
imperatoris, amita earum, was sibi adoptaverat in filias. Dazu Breßlau
Jbb. Band 2, Seite 72 Anmerkung 4. Über diese Adoption im Königshaus
Eduard Hlawitschka: Wer waren 'Kuno und Richlind von Öhningen? Kritische
Überlegungen zu einem neuen Identifizierungsvorschlag. In: ZGO 128
(1980) Anmerkung 115, Seite 24f. Mathilde
selbst ist zum letzten Mal 1030 am Königshof bezeugt; siehe zu den
betreffenden genealogischen Fragen Leidinger Seite 51-58, 65f. ].
Nach dem Tode seiner Mutter (vermutlich Juli 1031
oder 1032) und jetzt seines Stiefbruders muß Brun (neben Konrad
der einzige überlebende Sohn aus den beiden ersten Ehen der Mathilde)
ihr Erbe angetreten haben, soweit es nicht über seinen nun adoptierten
Stiefschwestern an Gisela gekommen
war. Nun liegt es nahe, anzunehmen, daß Mathildeebensowie
ihre Schwester
Giselaeinen Teil jener immunitzas um Regenbach geerbt
hatte.
Heinzelmann Josef
***************
"Der Name Sophia als genealogisches Indiz und Problem"
Sophia von Lothringen/Mousson
Eine Sophia, die ihrem Manne Ludwig von Mousson-Bar-Mömpelgard
die Hälfte der Allode des Herzogs Friedrich II. von (Ober-)Lothringen
zubrachte, ist nach der Tochter und der Enkelin Theophanus
die zeitlich nächste Namensträgerin. Auch sie hat den damals
besonders auffälligen Namen unter ihrer Nachkommenschaft verbreitet.
Wenn es eine Leitnamensitte gab, muss sie auch hier – in der Crême
de la crême des damaligen Reichsadels - gegolten haben. Hat sie aber
gegolten, drängt sich eine überraschende Erklärung auf,
die ich hier vorstellen will, wobei ich sie gegen den Vorwurf des Zirkelschlusses
abzusichern suche.
Kein Forscher hat bisher erklärt oder auch nur zu
erklären versucht, woher Sophia ihren Namen hat. Niemand hat vermutet,
sie könne eine Theophanu-Nachkommin
sein. Alle Forscher haben bisher angenommen, dass sie eine Schwester des
als Kind verstorbenen Herzogs Friedrich III. und der Beatrix von Tuszien
und eine Tochter Friedrichs II. und der Mathilde
von Schwaben war. Suchen wir dort nach einer Herleitung des
Namens.
Exkurs: Hermann II. und seine angebliche Ottonen-Verwandtschaft
Da wir bei Friedrichs II. durchaus bekannten Eltern
und Großeltern keinen Anhaltspunkt und keine Sophie in der Verwandtschaft
finden, müsste Sophie ihren Namen nicht von Vater-, sondern von Mutterseite
haben. Als ihre Mutter gilt Mathilde,
die in erster Ehe mit dem Herzog Konrad von Kärnten, dem SALIER,
in dritter Ehe mit Graf Esiko von Ballenstedt (einem ASKANIER)
verheiratet war.
Mathilde war als
Tochter Herzog Hermanns II. von Schwaben und der Gerberga
von Burgund (Witwe von Graf Hermann von Werl) etwa 988/990 geboren
worden, war 1002 schon mit dem SALIER Konrad,
Herzog von Kärnten, († 1011 Dezember 12) verheiratet, hatte mit
ihm die Kinder Konrad (der jüngere Thronkandidat von 1024) und Bruno
(1034 Bischof von Würzburg, † 1045 Mai 27). In zweiter Ehe heiratete
sie (laut Poull erst etwa 1016) Herzog Friedrich II. von (Ober)-Lothringen,
der 1026 Mai 18 (noch vor seinem Vater, der mit ihm die Regierung teilte),
starb. Recht eindeutig ist jedenfalls die Meldung Wipos, Fridericus
dux Liutharingorum, vitricus praedicti Chuononis,
imperatori inimicando morte propria praeventus est. Dieser Ehe sollen
Friedrich III., Sophie und Beatrix entsprossen sein.
Erwähnen wir kurz, dass Mathildes
Vater, Herzog Hermann II. von Schwaben, ein in seiner Zeit sehr
mächtiger Fürst war, der gegen HEINRICH
II. um die Nachfolge OTTOS III.
kandidiert haben soll. Er steht heute im Mittelpunkt eines erbitterten
Historikerstreits, da einzelne Forscher eine fragwürdige Meldung der
unzuverlässigen Welfen-Chroniken zum Anlass genealogischer Spekulationen
nahmen: Ein Graf Kuno
von Öhningen habe Richlind,
eine Tochter Kaiser OTTOS I., zur Frau
gehabt. Mit Kuno dürfte
Hermanns Vater Herzog Konrad
gemeint sein, Richlind wird von den
Parteigängern dieser Meinung meistens als Enkelin OTTOS
I. uminterpretiert. Grundsätzlich ist diese Diskussion
um Hermanns II. Thron-Erbrecht meiner Ansicht entschieden: “Wenn
man schon um jeden Preis einen ,geblütsrechtlichen‘ Anspruch Hermanns”
(II., Herzog von Schwaben) “postulieren will, dann läge es wohl
doch näher, die unbestreitbare, allgemein bekannte
ottonisch-karolingische
Deszendenz von dessen Gemahlin Gerberga
ins Feld zu führen (Anmerkung: Unter ihren Ahnen bis zur vierten Generation
befinden sich neun (!) Könige, darunter drei KAROLINGER…).”
Zu Herzog Konrad von Schwaben konnte ich aus dem Blickwinkel der Spanheimer-Forschung
sehr viel deutlicher machen, dass er mit dem dux Kuno de Beckilnheim, der
mit einer Jutta
verheiratet war, identisch ist, was die behauptete Ehe mit einer OTTONIN
Richlind
so
gut wie unmöglich macht.
Dass Hermanns II. und der Gerberga
Tochter Mathilde
einer Tochter den Namen Sophia aus der Nachkommenschaft
Theophanus
vermittelte, ist auch aus anderen Gründen auszuschließen. Mathildeserster
Mann, der SALIER Konrad, war ein Urenkel
Kaiser
OTTOS DES GROSSEN. Sie kann also nicht eine Enkelin Theophanus
und OTTOS II. gewesen sein. Konrads
und ihre Ehe wäre auf der Synode in Diedenhofen/Thionville noch heftiger
angegriffen worden, als sie es wegen des genau belegten siebenten kanonischen
(achten römischen) Grades 1003 wurde. “Herzog Otto, der Vater des
unter uns sitzenden ehrenwerten Herzogs Konrad, war der Sohn einer
Tochter des großen OTTO, welch
letzteres Schwester Gerberga ihre Tochter
dem
König der Burgunder Konrad
gab.
Konrads Tochter gebar aber Mathilde,
eben des hier unter uns weilenden Konrads Frau.” Grafisch dargestellt
und um die selbstverständlichen Namen ergänzt:
? Ks .Otto I. ?[Liutgard ? Hz. Otto ? Hz. Konrad
? ? 8 ? [v. Kärnten] ? [v. Kärnten]
? ? Konrad d. Rote] ? ?
? 8
? Gerberga ? [Mathilde ? [Gerberga ?
? [8 Ludwig IV ? 8 Konrad II. ? 8 ? Mathilde
? Kg. Frkr.] ? Kg. v. Burg] ? Hz. Hermann II.] ?
Die durch diesen gewiss zwischen Bischof Adalbero und
König HEINRICH II. abgesprochenen Angriff ausgelöste
Empörung richtete sich nicht gegen die unbestreitbare Darstellung
gemeinsamer Abstammung von König HEINRICH
I., sondern nur gegen die Anwendung einer neuen kanonischen
Zählung, die zwischen Geschwistern nur einen Schritt berechnete (quia
frater sororque in supputatione non admittitur), nicht zwei (je einer zum
gemeinsamen Elternteil) wie im römischen Recht und auch in unserem
Verständnis. Diese Verschärfung der kanonischen Regeln konnte
auf Dauer nicht durchgesetzt werden, bzw. wurde bald durch exzessive Dispensationen
umgangen.
Hier wird auch deutlich, weshalb diese Vorschriften so
oft missverstanden wurden: HEINRICH II.
spricht vom Frevel von Ehen tertii loci consanguinitatis, da doch
nach den heiligen Bestimmungen des Kanons solche ad septimam usque generationem
untersagt seien. Generatio ist hier im klassischen lateinischen Sinn als
“Zeugung, Geburt” zu verstehen, nicht als Abstand zum gemeinsamen Ahnherrn
(das ist der locus consanguinitatis). Die Inzest-Verbote sind
ja sowieso keine Glaubensinhalte. Im Neuen Testament findet sich nichts
dergleichen, und im Alten (auch weiterhin im Judentum) waren Heiraten z.
B. zwischen Onkel und Nichte erlaubt. Sie entstammen dem römischen
Recht und sind mithin ein weiterer Beweis für die Rechtskontinuität
zwischen dem spätrömischen Reich und dem Mittelalter, die Aufgabe
der Bischöfe war. Sie dienten zur Friedenswahrung (wie jede Exogamie)
und Verhinderung von Machtkonzentrationen, darum wurden die zumindest bei
Theodosius zu findenden Verbote in exzessiver Weise immer mehr ausgedehnt.
Darin hat man auch kirchliche “Erbschleicherei” (je weniger legitime Erben,
desto mehr fiel an die “tote Hand”) gesehen.
Als Enkelin OTTOS II.
wäre Mathilde
im fünften “kanonischen” Verwandtschaftsgrad mit Konrad verwandt
gewesen. Natürlich könnte Jackman auch hier behaupten, dass Bischof
Adalbero diese nahe Verwandtschaft “geheimgehalten” hätte. Ich bin
mir sicher, eine solche Geheimhaltung einer nahen Verwandtschaft mit den
OTTONEN,
auf die sich der doch im ganzen Reich bekannte Thronfolgeanspruch Herzog
Hermanns gegründet haben soll, konnte damals vor den Großen
des Reichs nicht unentlarvt durchgehen, sondern nur bei verrannten Historikern
unserer Tage.
So bleibt für Phantasten die Möglichkeit
offen, dass Mathilde
“eins” nach kurzer zweiter Ehe starb und Herzog Friedrich II. eine
zweite Gattin genommen hat, die auch Mathilde hieß und auch eine
Tochter Hermanns II. war, aber aus einer anderen Ehe mit einer Theophanu-blütigen
Frau stammte.
Leidingers gründliche Untersuchung über Mathildes
Mutter und ihre Familie erster Ehe genügt, um Gerbergas
Lebensdaten zu klären. Sie ist im Jahre 1000 zum letzten Mal erwähnt,
erstaunlicher Weise als matrona, obwohl sie doch verheiratet
war und die letzten Kinder noch unmündig waren. Hermann II. hätte
vielleicht in den letzten Jahren seines Lebens (1000–1004) eine zweite
Gattin nehmen können. Aber welche Theophanu-Tochter
oder -Enkelin wäre infragegekommen? Keine belegbare, keine denkbare
sogar. Und warum hätte kein Chronist eine so vornehme Verbindung erwähnt?
Wo wäre die Witwe abgeblieben? Außerdem wird eine Meldung über
Hermanns
Tod ausdrücklich von der Bemerkung begleitet, dass er von Gerberga
drei Töchter und einen Sohn seines Namens hinterließ. Von einer
zweiten Ehe und einer Tochter daraus ist keine Rede.
Entscheidend ist bereits ein einziges Argument: Herzog
Friedrich hätte eine Halbschwester seiner ersten Gemahlin nicht
heiraten dürfen. Das war nach kanonischem Recht damals ausgeschlossen.
Vollends zunichte gemacht wird dieses hypothetische Hirngespinst durch
den Reichenauer Gedenkbucheintrag von 1025, von dem gleich zu reden sein
wird.
Hätten wir ein paar Quellen weniger, ließe
sich trefflich kombinieren und die Diskussion über Erbrecht oder Wahlrecht
für die Bestimmung des Thronnachfolgers um weitere Hypothesen bereichern.
Insgesamt ist die Spekulation gescheitert, doch gibt es noch einen Spalt,
durch den man einen Fuß in die Tür der Hypothese bekommen kann.
Denn die Richtung, in der wir Theophanu
von Sophie aus suchten, war falsch.
Sophia als Tochter Herzog Friedrichs III.
Adolf Hofmeister hat erstmals die Abfolge der letzten
Herzöge aus dem ersten oberlothringischen Hause klargestellt.
Ich diskutiere die Ergebnisse nicht lang, sie sind unabweisbar, sind von
Parisse, Poull und anderen selbstverständlich übernommen worden;
doch sind die dort angeführten Nachrichten der Chronisten noch konkreter.
Wenn die Chronik von Saint-Mihiel im Zusammenhang
mit langjährigen Restitutionsbemühungen des Abtes Nanther, direkt
nach den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Graf Eudes/Odo (von
Blois und der Champagne) und KONRAD II. berichtet:
…cunctis morbo absumptis duce Tiedrico, filio ejus, et filio filii, exceptis
duabus puellulis Sophya et Beatrice, quae nutriebantur in aula regis, nam
conjunx imperatoris, amita earum, eas sibi adob(!)ta-verat in filias… muss
dieses im Ablativus absolutus als Vergangenheit erzählte Wegsterben
fast einer ganzen Drei-Generationen-Familie, das, wie wir wissen, 1026
mit dem Tod Friedrichs II. begann, eindeutig im Jahr 1033, vermutlich
im Mai, geendet haben, da Friedrich III., der “Sohn des Sohnes”, erst jetzt
starb. Puellula gilt für diesen Zeitpunkt. Das Wort kann nicht für
14-jährige, also deutlich ehemündige Mädchen verwendet werden,
was die Forschung bisher übersehen hat. Wenn laut der sehr zuverlässigen
Chronik eines Augenzeugen dann später der Abt seine Bitte an den Kaiser
über die beiden Erbinnen richtet, heißt es puellas adiit; sie
sind inzwischen schon etwas älter.
Bei Sigebert de Gembloux wird die Situation anders, aber
in selbem Sinne geschildert. Dabei muss es sich wieder um 1033 (Sigebert,
der mehrere Angaben ein Jahr zu spät datiert, meldet es unter 1034)
und Friedrich III. handeln: Friderico Mosellanorum duce mortus, quia mares
filios non habebat… “Nach dem Tode Herzog Friedrichs, der keine männlichen
Kinder hatte…”, also hinterließ er wohl (mindestens) eine Tochter.
Sein Vater Friedrich II. kann nicht gemeint sein, denn der war 1026
gestorben und hinterließ mindestens einen Sohn, eben Friedrich III.
Die beiden Friedriche sind leicht zu verwechseln, auch bei der Interpretation
eines Textes wie Constat me Beatrice lege vivente Saliga, filia bonae Memoriae
Federighi qui fuit Dux … Nach diesem Text kann Beatrix ebenso Tochter Friedrichs
II. wie III. sein. Aber kann sie, kann Sophia, überhaupt Friedrichs
III. Tochter sein?
Für ihre Geburtsjahre gibt es jedenfalls ein post
quem, das Poull übersieht, denn Beatrice (Beatrix) und Sophie erscheinen
nicht im Gedenkbucheintrag Mathildes
auf der Reichenau, den Schwarzmaier überzeugend auf 1025 datiert.
Selbst für den Laien sind die paläograph(o-lo-g)ischen Zusammenhänge
dieser Namengruppe evident. Hier nun die Reihenfolge:
CVONRADVS DVX ? HEREMANNVS DVX ? GERBIRCH ? MATHILTH
? FRIDERICH DVX ? CuonradvS DVX ? BRVN ? FRIDERICH ? RVUODOLF ? ADALHEID.
Die beiden (oder drei) ersten Personen sind verstorben.
Dabei ist der erste Name von besonderer Bedeutung, auch für die Bestimmung
der übrigen. Bis jetzt dachten Schwarzmaier, Hlawitschka, Zotz, Jackman
und Wolf bei CVONRADVS DVX nur an den Herzog Konrad von Schwaben, wohl
weil er der Vater der zweiten genannten Person war. Weil sonst kein anderer
Großelternteil Mathildes genannt
wird und ausgerechnet ihr ältester Sohn, Konrad “der jüngere”,
der Thronprätendent, in diesem Eintrag fehlen würde, glaube ich,
dass hier Mathildes erster Mann, Konrad,
Herzog von Kärnten gemeint war. Natürlich ist das zweite
dux für Konrad den Jüngeren, der 1011 der Herzogswürde privatus
wurde und erst Jahre später im Amt seines Vaters eingesetzt werden
sollte, angemaßt. Allerdings nennt ihn auch Wipo cap. 21 dux Chuono,
für einen Termin, da Konrad das Herzogtum Kärnten noch nicht
innehatte. Außerdem steht dieser CuonradvS DVX genau an der Stelle,
wo von der Logik des Eintrags der jüngere Konrad stehen muss.
Gemeint sind also: Die Herzöge Konrad (von Kärnten,
† 1011) und Hermann (II. von Schwaben), Gerberga
(von Burgund,
Hermanns Frau oder Witwe), dann kommen
Mathilde
selber, Herzog Friedrich II. von Ober-Lothringen, Konrad von Kärnten
als Aspirant auf das Herzogtum, Brun, der spätere Bischof von Würzburg,
Friedrich, später als Herzog “III.”, ein noch nicht identifizierter
Rudolf, schließlich eine Adelheid. Alles bezieht sich auf Mathilde:
Erster Gatte (†) – Vater (†) – Mutter (wohl auch †) - sie selber - ihr
derzeitiger Gatte – ihr ältester Sohn – ihr zweiter Sohn – ihr
dritter Sohn (der erste aus zweiter Ehe) - ein vierter Sohn? - die
Schwägerin oder eine Tochter oder gar eine Schwiegertochter.
Das ist ein derart genaues “Familienfoto” Mathildes,
dass wir daraus ableiten können, es habe 1025, zum wahrscheinlichen
Zeitpunkt des Eintrags, keine weiteren lebenden Kinder Mathildes
und Friedrichs II. gegeben. Wenn Rudolf (und evtl. Adelheid) zu
diesen gehören sollte, wäre auch er ein Sohn Friedrichs II.,
wenig später (vor 1033) gestorben und sein Name hätte an seine
Abstammung vom burgundischen Königshaus erinnert.
Mir scheint, nebenbei gesagt, dass der langjährige
Dissens der schwäbischen und oberlothringischen Herzogsfamilie mit
HEINRICH
II. und KONRAD II. eher
um das burgundische Erbe als um die deutsche Krone ging. Wenn Hermann
II. laut den Annales Sangallenses maiores zum Jahr 1002 daran dachte,
mit HEINRICH II. das Reich zu teilen,
wollte er wohl schon die Nachfolge in Burgund garantiert haben… Dass Eudes/Odo
von Blois und der Champagne im “burgundischen Erbfolgekrieg” gerade Lothringen
so verheerte, hat auch damit zu tun.
Doch kommen wir wieder zur Genealogie. Ermitteln wir
ein genaueres Geburtsdatum der beiden lothringischen Erbinnen als das durch
den Gedenkeintrag und den Tod Friedrichs III. ermittelte “zwischen 1025
und 1033”. Wenn Poull die beiden ausdrücklich als Schwestern bezeichnet,
gibt er hierfür keine Quelle an. Man mag eine indirekte in Bernoldi
Chronicon A. 1092 finden, wo (nicht in allen Handschriften) Domna Sophia
(“von Mousson”) bezeichnet wird als quae erat matertera comitissae
Mathildis, quae cum domino suo Welfone duce in Italia contra
scismaticos multum laboravit. Matertera wird indessen nicht immer
im strengsten Sinne (Schwester der Mutter) gebraucht, häufig steht
der Begriff auch für die matertera magna der Arbores consanguinitatis.
Dass er – nicht nur von Bernold – in Umkehrung zu nepos/neptis auch für
eine ältere Verwandte über die Mutterlinie gebraucht wurde, lässt
sich annehmen, vor allem wenn man die komplizierten Verhältnisse 60
Jahre später nicht mehr genau kannte. Auch wenn der Sohn Sophias in
Italien als Fredericus comes, nepos Beatricis ducissae, filius Lodovici
comitis bezeichnet wird, muss man das nepos nicht als “Neffe ersten Grades”
einengen, und Beatrix und Sophia zu Schwestern machen.
Ein Seitenblick auf Beatrice
Beatrice/Beatrix, laut Poull die jüngere der beiden,
wurde 1037 mit Bonifacio di Canossa verlobt, und begab sich im Juni dieses
Jahres nach Italien, die Hochzeit wurde in “Marego” gefeiert. Bonifacio
de Canossa ist etwa 985 geboren, er stirbt 1052. Zwei Kinder Beatrices
- Federico und Beatrice - sterben jung, das dritte, die berühmte Markgräfin
Mathilde von Canossa, ist 1046 geboren. Beatrices zweite Ehe mit Gottfried
dem Bärtigen war kanonisch unproblematisch (4:4 oder 4:5 nach römischer
Zählung): Gottfried ? Gozelo (1033 Herzog O’Lothringen) ? Gottfried
(Gf. Verdun) ? Gozlin (Gf. Verdun) ? Wigerich ? Friedrich I. ? Dietrich
? Friedrich II. [?Friedrich III.] ? Beatrice.
Wenn Beatrice 1037 ehemündig war, muss sie spätestens
1026 geboren worden sein. Wenn die Ehe aber erst später rechtskräftig,
also vollzogen wurde, kann man auch ihr Geburtsdatum entsprechend später
datieren. Aber arg gequält ist das schon. Auch kann man die drei Namen
ihrer Kinder von der lothringischen Familie ohne Zwischenglied ableiten.
Ihr eigner Name ist aus der Vorfahrenschaft erklärbar, obwohl andere
Namen nähergelegen hätten. Gerberga,
Richlint waren ihre Großmütter, Giselaihre
Tante. Vermutlich gab es ältere Schwestern mit diesen Namen, die früh
gestorben waren. Beatrice hieß aber die
robertinische Stamm- und Erbmutter des oberlothringischen
Hauses, Tochter von
Hugo dem Großen
und Gattin von Friedrich I., also Urgroßmutter der jungen Beatrice.
Übrigens ist der Name Beatrix/Beatrice selber rätselhaft, denn
die Annahme, er sei ein Diminutiv von Bertais (Berta, Bertrada), der auch
Settipani anhängt, erscheint mir keineswegs sicher. Soweit ich sehe,
sind alle Namensträgerinnen von einer einzigen abzuleiten, der Tochter
Heriberts I. von Vermandois und einer unbekannten Mutter. Sie wurde Gattin
des späteren
Königs Robert und
Großmutter der nach Lothringen verheirateten Beatrice.
Es gibt übrigens eine – freilich rein zufällige – Übereinstimmung
zwischen dieser und ihrer berühmteren Urenkelin, der “canusinischen”
Beatrice: Auch sie führte nach dem Tod des Gatten (Herzog Friedrich
I. starb 978 Mai 18) bis zu ihrem Tode (September 23 nach 987) allein und
erfolgreich die Herrschaft.
In den Zwischengenerationen sind Trägerinnen des
Namens nicht belegt, aber doch zu vermuten. Trotzdem spricht diese Namengebung
eher dafür, dass nur zwei und nicht drei Generationen zwischen den
beiden Beatricen liegen. Es fällt schwer zu glauben, dass Beatrice
von Tuszien nicht ein spätes Kind Mathildes
und Friedrichs II. war. Außerdem hätte Friedrich III.
einer ersten oder zweiten Tochter mit höchster Wahrscheinlichkeit
den Namen Mathilde gegeben, vor allem wenn, wie ich glaube, nicht nur die
väterliche Großmutter so hieß.
Im Besitz und der Hinterlassenschaft Mathildes von Canossa
finden sich Komplexe in der heutigen Pfalz (Stetten, Lutera, Quellen der
(Wies?)Lauter, Deidesheim), die sich mit größter Wahrscheinlichkeit
auf ihre Großmutter Mathilde
und weiter zurück auf konradinischen
Ursprung zurückführen lassen, da er weder über ihren Mann
(Bonifacio) noch über die oberlothringischen Herzöge noch
über ihre Urgroßmutter Gerberga von
Burgund herzuleiten ist. Einzige Alternative ist die väterliche
Großmutter Richilde, die Tochter des Grafen Folmar, eine Familie,
die später nachweislich Besitz in der heutigen Pfalz besaß.
Gerade diese Linie, die auf den BOSONIDEN
Bivin führen dürfte, ist noch wenig erforscht.
Endlich: Sophia
Sophia tritt erst “vers 1040”, drei Jahre nach Beatrice,
die Erbschaft an und in die Ehe. Ihr zweiter Sohn soll etwa 1045 geboren
sein. Demnach wäre sie jünger als Beatrice. Trotzdem wird sie
in der Chronik von St. Mihiel vor Beatrice genannt. Vielleicht geschah
dies nur, weil zu ihrem Erbe die Vogtei der Abtei gehörte. Wir müssen
aber annehmen, dass die Erbschaft erst nach der Abfassung der Chronik geteilt
wurde, weshalb diese Begründung wenig verfängt.
Eher aber wurde Sophia zuerst genannt, weil sie eine
(erste und einzige) Tochter Friedrichs III. war. Als Tochter des letzten
regierenden Herzogs war sie jünger, aber im Erbanspruch ranghöher
als Beatrice, ihre kaum ältere Tante, die wie sie noch als Säugling
oder Kleinkind den Vater und wohl auch die Mutter verloren hatte.
Gegen die Annahme einer späten Geburt spricht nur
scheinbar die Meldung von ihrem Todesalter in Bernoldi Chronicon zum Jahr
1093: Nobilissima comitissa Sophia, vidua Ludowici comitis, mater piae
memoriae Beatricis ducis et Friderici marchionis, in senectute bona.
Dieses gute Alter wird nämlich durch eine biblische Ergänzung
näher definiert: cum iam multos filiorum filios videret, diem clausit
extremum. Eine Menge Kindeskinder gesehen zu haben, bedeutet schon ein
“gutes” Alter. Dazu musste sie nicht 75 Jahre alt geworden sein.
Die Vorausetzung, dass Friedrich III. geheiratet haben
muss, um sie in der Ehe mindestens zu zeugen, ist gegeben. Wenn er (spätestens
1032!) die Regierung angetreten hat (wie Urkunden bezeugen), wird er auch
geheiratet haben. Er war ja der letzte Spross seines Hauses und sollte
rasch für einen Erben sorgen. Da es aber überhaupt keine Belege
für einen Herzog von Ober-Lothringen zwischen 1027 und 1032 zu geben
scheint, kann er schon früher (herrschafts- und ehe-)mündig geworden
sein. Warum Poull die Heirat seiner Eltern erst auf “sans doute vers 1016”
datiert und befindet, Friedrich III. “semble avoir vu le jour vers 1017”,
begründet er nicht. Selbst wenn Mathildes
Ehen nicht so rasch aufeinanderfolgten wie die ihrer Schwester Gisela,
könnte sie nach dem Tod des ersten Mannes Ende 1011 schon Ende 1012
zum zweiten Mal geheiratet und im nächsten Jahr den ersten Sohn bekommen
haben. Friedrich II. konnte dazu jedenfalls alt genug sein, seine
Eltern waren belegtermaßen spätestens 992 verheiratet. Friedrich
III. hätte also schon relativ bald nach dem Tod des Großvaters
– sagen wir 1029 und mit 16 Jahren – dessen Nachfolge übernehmen und
eine Ehe schließen können. Aber mit wem? Dieser ihrer Mutter
hätte Sophie ihren Namen zu verdanken.
Wer war Sophias Mutter?
Der junge Friedrich III. heiratete gewiss unter Anleitung
seiner Mutter, die ja wohl immer hinter der Fronde gegen KONRAD
II. steckte und in eben jener Zeit den König
Mieszko (II.) von Polen auszeichnete, einen wichtigen Gegner
KONRADS.
Zuletzt hat Mathilde noch Esiko
von Ballenstedt - einen Verbündeten Mieszkos
- geheiratet und ihm einen Adalbert und eine Adelheid geboren. 1030
feiert sie freilich das Osterfest am kaiserlichen Hofe in Ingelheim, sie
starb im Juni, vor 1033, also 1030…1032.
Ein ganz ungewöhnliches Indiz habe ich mir nämlich
aufgespart: Mathildes Verbindung zu
König
Mieszko. Im Kloster Neuzelle bei Frankfurt an der Oder wurde
eine Handschrift von des Pseudo-Alkuin Liber de divinis officiis (von 1026/27)
aufbewahrt. Bevor sie 1857 in Berlin verschollen ging, wurde Blatt 3v in
einer Farbtafel festgehalten. Sie zeigt die durchaus noch junge Dedikantin
(weist der Schleier auf Witwenstand?) und den Empfänger, mit der Beischrift
in Hexametern oder einem Distichon: Hunc librum regi Mahthiltdonat
Misegoni/quam genuit clarus Suevorum dux Herimannus. (Mechthild
macht dieses Buch zum Geschenk dem König
Mieszko, sie, des berühmten Hermann, des Schwaben-Herzoges,
Tochter.) Diese Schenkung weist meiner Meinung auf eine enge – bestehende
oder geplante – familiäre Bindung hin. Mahthilt/Mathilde
bezeichnet sich ausdrücklich als Tochter Hermanns II. Warum
sie nicht ihre ebenso herzoglichen Männer nennt, von denen der zweite
zur mutmaßlichen Schenkungszeit vielleicht noch lebte oder
wahrscheinlicher gerade gestorben war, bleibt mir unklar; ebenso, warum
sie sich nicht auf ihren ältesten Sohn Konrad bezieht, der doch wohl
gemeinsame Sache mit Mieszko machte.
Dass dieser auf dem Dedikationsbild als König dargestellt ist, entspricht
der Widmung, wo der Titel bedeutsam vorangestellt ist. Natürlich können
auch die Zwänge des Metrums das verursacht haben. Am plausibelsten
ist das alles, wenn Mathilde mit Mieszko
eine Verschwägerung anbahnen wollte.
Was lag für Mathilde
damals näher, als ihren Sohn zweiter Ehe mit einer nahen Verwandten
Mieskos
zu vermählen? Mieszko war (wohl
seit 1013) mit der EZZONIN Richeza verheiratet
und von 1025 bis zu seinem Tod 1034 Mai 10 König von Polen (ab 1032
aus Polen vertrieben). Sein späterer Nachfolger Kazimierz
I. war 1016 Juli 25 geboren. Möglicherweise hatte Mieszko
eine etwas ältere oder nur wenig jüngere Tochter (wir haben keinen
Beleg dafür!), die im genau richtigen Heiratsalter für Friedrich
III. gewesen wäre. Wenn es sie nicht gab, gibt es eine Alternative:
Eine Schwägerin Mieszkos… Mutter
Sophias wäre dann nicht eine Enkelin, sondern eine Tochter des Pfalzgrafen
Ezzo; es kann durchaus eine von denen sein, die in der hagiographischen
Chronik von Brauweiler als im geistlichen Stand verstorben bezeichnet werden;
am ehesten die vermutlich jüngste, Sophie, die 1025/1026 mit ihrer
Schwester Ida und drei weiteren Mädchen aus dem Stift Gandersheim,
wo sie zur Erziehung bei ihrer gleichnamigen Tante war, nach Mainz ins
(St. Marien-)Kloster Altmünster geflüchtet war, nach kurzzeitiger
Rückkehr nochmals “entführt” wurde und die zwischen 1031 und
1038 gestorben sein muss, bestimmt nicht als Äbtissin, weder in Mainz,
wie die Brauweiler Überlieferung will, noch anderswo. Die Brunwilarensis
monasterii fundatorum actus sind keinesfalls so zuverlässig, wie sie
von den Erforschern der EZZONEN gerne angesehen werden, zumindest sind
sie nicht vollständig. So werden z. B. zwei Töchter der Königin
Richeza nicht erwähnt, die eine selber Königin (von
Ungarn), die andere Großfürstin. Die geistlichen Bezüge
stehen – zuweilen sogar entgegen den Tatsachen – im Vordergrund. Dabei
entstanden die actus ca. 1070, also kaum ein Menschenalter nach unseren
Begebnissen. Der Autor sagt, er könne die Genealogie Ezzos antiquitate
temporum et maiorum neglectu nicht referieren. Zeitlicher Abstand und Vernachlässigung
durch die Vorgänger - überzeugend klingt das nicht. Insgesamt
gehört eine gründliche Untersuchung über die sogenannten
EZZONEN und HEZELINIDEN zu den großen Desiderata der Mittelalter-Genealogie.
Meine genealogische Rekonstruktion erklärt mithin
mehr als nur den Namen der Sophie, später “von Mousson”. Eine eher
kirchengeschichtliche Implikation besteht in dem Objekt, das Mathildedem
Polen-König schenkte: Der Inhalt (der unter dem Namen Pseudo-Alkuin
bekannte Liber de divinis officiis) hat ja eine besondere Bedeutung in
der Mainzer Liturgie. Gerade der gekürzte und veränderte zweite
Teil des Traktats beeinflusste das in der Mitte des 10. Jahrhunderts in
Mainz entstandene Pontificale Romano-Germanicum entscheidend. Ob Erzbischof
Aribo, der ja mit Kaiserin Gisela wahrhaftig
nicht zum Besten stand, besondere Beziehungen zu ihrer Schwester Mathilde
hatte? Zu der EZZONEN-Tochter Sophie hatte er gewiss welche. Denn wie des
Bischofs Godehard von Hildesheim parteiischer Biograph Wolfher berichtet,
war in dem Kloster, wo Aribo diese mit ihrer Schwester Ida und drei anderen
Mädchen aus Gandersheim “unterbrachte”, seine Schwester Äbtissin.
Ob dies das Mainzer Altmünsterkloster und Wigburg war, oder Göss
und Kunigunde, lasse ich dahingestellt. Nach der Beilegung des Streits
kehrten die Mädchen nach Gandersheim zurück, um bald darauf wieder
zu entfliehen und schließlich im Kloster bei Aribos Schwester Nonne
zu werden. Erst Aribos Nachfolger Bardo stellte in Nörten zwei der
fünf jungen Damen wieder der Gandersheimer Äbtissin Sophia zurück.
Die junge Sophia war inzwischen verstorben (quae prima earum erat Mogonciae
defunctae), die beiden anderen durfte Bardo “auf demütiges Bitten
hin” zurückbehalten. Nach Gandersheim zurück kam jedenfalls Ida,
die dann dort später als Äbtissin belegt ist. Immerhin könnte
Ida auch als Witwe zurückgekehrt sein. Um die Hypothesen vollzumachen:
Unter den drei anderen Mädchen könnte auch eine Tochter Mieszkos
gewesen sein…
Der Zeitpunkt für die Rückgabe durch Bardo
(und damit ein terminus ad quem für den Tod der jungen Sophia) kann
nicht genau bestimmt werden. Er lag “frühestens zu Weihnachten 1031”.
1031 Juni 29 war Bardo zum Erzbischof geweiht worden, Weihnachten 1031
verbrachte er nachweislich bei KONRAD II.
und Gisela in der Pfalz Goslar. Spätester,
sehr unwahrscheinlicher Termin dürfte der Tod Godehards 1038 sein,
der Ida noch zur Äbtissin weihte. Ein halbwegs lückenloses Itinerar
Bardos lässt sich nicht erstellen; darum liegt es nahe, den Vorfall
ganz allgemein in seine ersten Amtsjahre zu datieren.
Ob und wann genau die jungen Frauen das ewige Gelübde
abgelegt haben, was natürlich eine spätere, aber nicht eine vorhergehende
Heirat ausschließt, scheint mir genau so auslegbar wie die Begriffe
amita (für beide Mädchen, Sophia und Beatrice, zur Kaiserin
Gisela) statt matertera (bzw. matertera magna) und avus (Herzog
Dietrich zu Sophie). Dies mit “Groß”tante und “Ur”großvater
zu übersetzen, ist erlaubt, nicht einmal ungewöhnlich; die vage
Generationendefinition ist im Falle der “Tante” geradezu zwingend, wenn
Beatrix Nichte, Sophia aber Großnichte gewesen wäre.
Finale
Auch dass keine Quelle von der sehr kurzen Ehe Friedrichs
III. berichtet, macht sie nicht unmöglich, nicht einmal unwahrscheinlich.
Dass wir von seiner Gattin nichts erfahren, ist nicht ungewöhnlich.
Wenn sie nicht schon vor ihrem Mann gestorben war, könnte sie als
Witwe ins Kloster gegangen sein. Wahrscheinlicher ist aber ihr Tod (vielleicht
bei der Geburt der jungen Sophia), sonst hätte sie wohl einen zweiten
Mann genommen, um die Herrschaft in Lothringen und die Sorge für die
Hinterbliebenen zu übernehmen. Falls es sich um die EZZONIN Sophia
und nicht eine Tochter Mieszkos handelt,
erübrigt sich diese Überlegung, da sie bei Bardos Ausgleich mit
Bischof Godehard und der Äbtissin Sophia von Gandersheim nachweislich
bereits tot war. Wenn die spätere Erbin Sophia schon bei der Geburt
die Mutter verlor, liegt es besonders nahe, dass sie deren Namen bekam.
An und für sich hätte ja der Name Mathilde am nächsten gelegen.
So hießen die beiden Großmütter (eventuell ging es mütterlicherseits
um die Urgroßmutter, aber die war eine Kaisertochter). Selbst wenn
Friedrichs III. Gattin eine Tochter Mieszkos
war, hieß diese also wohl auch Sophia. Oder wollte man mit der Namengebung
die gestrenge (Ur-)großtante in Gandersheim besänftigen?
Der Tod Friedrichs III., aber auch seiner Mutter und
wohl auch seiner jungen Frau, bald auch König
Mieszkos, beendeten alle Ambitionen. (Es ist schon auffällig,
wieviele Konkurrenten HEINRICHS II. und
KONRADS
II. vor oder bald nach deren Thronbesteigung aus dem Leben schieden.)
Kaiserin
Gisela nahm die beiden sehr kleinen Mädchen und Erbinnen
Beatrice und Sophie an ihren Hof; gewiss als deren nächste Verwandte,
aber auch, um später einmal treue Gefolgsleute mit einer so reichen
und ehrenvollen Partie auszuzeichnen. Die Fürsorge für die verwaisten
(Groß)-Nichten war zugleich eine Art Geiselnahme.
“Hier zeichnete sich eine großräumige antisalisch-ezzonische
Oppositionsbewegung ab…” urteilt Helmuth Kluger über Vorgänge
in den 50-er Jahren, als der Bayern-Herzog Kuno (ein Neffe der Königin
Richeza) sich gegen HEINRICH III. empörte
und schließlich nach Ungarn zu seiner Kusine fliehen musste, einer
Tochter Richezas und Mieszkos
II., die vermutlich Ryksa
hieß.
Ob sich die Beziehungen zwischen Mathilde
und dem kaiserlichen Paar in Mathildesletzten
Lebensjahren verbessert haben, lasse ich dahingestellt. 1030 feierte sie
jedenfalls in Ingelheim bei Schwester und Schwager Ostern und als KONRAD
II. 1034 Januar 30 den Wormser Dom beschenkte, damit dort eine
Messe für die dort bestatteten Angehörigen des salischen
Hauses gelesen werde, geschah dies auch für Mathildeund
ihren verstorbenen ersten Mann, Herzog Konrad von Kärnten.
Man hat die Sarkophage beider im Wormser Dom, der Grablege der vorköniglichen
SALIER,
bestimmen zu können geglaubt. Man darf annehmen, dass Mathilde
nicht weit von Worms starb, vielleicht in Mainz, jedenfalls nicht in Ballenstedt
oder Lothringen. Schwarzmaier, der doch den Reichenauer Eintrag von 1025
so überzeugend als ein Dokument der Entzweiung interpretiert hat,
hat inzwischen stillschweigend diese Ansicht geändert: “…es besteht
auch kein Grund, aus heutiger Sicht einen Dissens in das so kompakte Familiengefüge
der SALIER um die Jahrtausendwende
hineinzutragen.” Vielleicht akzeptierte KONRAD
II., insbesondere nach den Erfahrungen mit OTTO
III. und HEINRICH II., seinen
Neffen Konrad den Jüngeren jetzt als potentiellen Thronfolger für
den Fall, dass sein einziger, für Krankheiten anfälliger Sohn
HEINRICH
(als König und Kaiser der Dritte) wegen Tod oder Aufstand ausfiele.
Dabei bedang er sich vielleicht aus, dass Konrad noch immer nicht heiraten
dürfe. Dessen mutmaßliche Ehelosigkeit ist ja wahrhaftig ein
genealogisches und historisches Problem.
Um abschließend meine eigenen Ergebnisse zu werten:
Ich halte es für unumstößlich, dass Sophie die Tochter
Friedrichs III. und nicht des II. war. Dass ihre Mutter eine Tochter oder
Enkelin Ezzos und der Theophanu-Tochter
Mathilde
war,
ist in hohem Grade wahrscheinlich, aber keinesfalls völlig sicher.
Freilich ist der Name Sophia im deutschen Sprachraum unter der Voraussetzung
der Leitnamensitte kaum anders erklärbar, wenn man nicht für
die Mutter eine Herkunft aus Frankreich oder Italien oder gar Byzanz annehmen
will. Während es für Beatrice und ihre Tochter intensive Untersuchungen
auch zur Besitzgeschichte gibt, ist dies für Sophia noch zu
leisten. Vielleicht ergäben sich Anhaltspunkte in Richtung auch ezzonischen
Vorbesitzes (freilich dürfte er nicht viel größer als eine
standesgemäße Mitgift gewesen sein).
Hätten wir weniger Nachrichten über Sophias
Familie, wäre es natürlich leichter, das genealogische Netz so
oder anders zu knüpfen. Darum habe ich meine anfänglichen irrwegigen
Mutmaßungen so ausführlich dargelegt und selber widerlegt. Man
sieht, wie vorsichtig man sein muss.
Ich habe auch die anderen Sophien des 11. Jahrhunderts
daraufhin untersucht, ob sich an ihnen die Namensvererbung nachweisen lässt.
Mir sind eine Menge Ungereimtheiten in den bisherigen Auffassungen begegnet.
Aber wirkliche Lösungen fand ich bisher in keinem dieser Fälle.
Ohne mich in eine Sophiasophie verlieren zu wollen, werde ich in einem
zweiten Teil gleichwohl auch diese Damen Revue passieren lassen.
um 1002
1. oo Konrad I. Herzog von Kärnten
um 975-12.12.1011
um 1014
2. oo Friedrich II. Herzog von Ober-Lothringen
-13.5.1026/27
um 1026/27
3. oo Esiko Graf von Ballenstedt
- um 1059/60
Kinder:
1. Ehe
Konrad II. der Jüngere Herzog von Kärnten
um 1003-20.7.1039
Bruno Bischof von Würzburg (1034-1045)
um 1004-27.5.1045
Tochter
-
oo Hezelin Graf im Bonngau (Bruder Ezzos)
- nach 1033
Wolfram ?
-
2. Ehe
Friedrich III.
-18./20.5.1033
Sophia
ca 1020/25- 1092
vor 1034
oo Ludwig Graf von Mömpelgard
- nach 1070
Beatrix
ca 1020/25-18.4.1076
1036/40
1. oo Bonifaz Markgraf von Tuszien-Canossa
-6.5.1052
1054
2. oo 2. Gottfried II. der Bärtige Herzog
von Nieder-Lothringen
-21.12.1069
3. Ehe
Adalbert
ca 1030- um 1080
oo 1. Adelheid von Weimar-Orlamünde, Tochter
des Grafen Otto
-28.3.1100
Adelheid
ca 1030-
oo Thiemo Edler von Schraplau
-
Literatur:
-----------
Bollnow, Hermann: Die Grafen von Werl. Genealogische
Untersuchungen zur Geschichte des 10. bis 12. Jahrhunderts. Dissertation
Stettin 1930 - Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart
Berlin Köln 1987, Seite 24,26,29,66 - Brandenburg Erich: Die
Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der
Aisch 1998 Seite 6,129 - Bresslau, Harry: Jahrbücher des Deutschen
Reiches unter Konrad II., Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1879
Band 1 Seite 247 ff./Band 2 Seite 72 f.- Die Salier und das Reich,
hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 66,226,
230,232,239-244,248/Band II Seite 200 - Erkens, Franz-Reiner: Konrad
II. Herrschaft und Reich des ersten Salierkaisers. Verlag Friedrich Puset
Regensburg 1998, Seite 26,36,37, 78,160 - Goez Elke: Beatrix von
Canossa und Tuszien. Eine Untersuchung zur Geschichte des 11. Jahrhunderts,
Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995, Seite 10,11,38,195 - Golinello,
Paolo: Mathilde und der Gang nach Canossa, Artemis und Winkler Düsseldorf
1998, Seite 73 - Heinzelmann Josef: Der Name Sophia als genealogisches
Indiz und Problem - Hilsch, Peter: Regenbach
und die Schenkung der Kaiserin Gisela, in: Zeitschrift für württembergische
Landesgeschichte 42 1983 Seite 52-81 - Hirsch Siegfried: Jahrbücher
des Deutschen Reiches unter Heinrich II. Band 1, Seite 243-247 - Hlawitschka,
Eduard: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische
Studien zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9.,10. und 11. Jahrhundert,
Saarbrücken 1969, Seite 63,84,104,152 - Hlawitschka Eduard:
Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts
und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen
um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite
51,68,104, 137,158,169 - Hlawitschka, Eduard: Wer waren Kuno und Richlind
von Öhningen? Kritische Überlegungen zu einem neuen Identifizierungsvorschlag.
In: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins 128 1980 Seite 1-49
- Lechner Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich
976-1246, Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar 1992, Seite 66,70 -
Ludat,
Herbert: An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches
und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar
Köln Wien 1995, Seite 89,500 - Meyer von Knonau, Gerold: Die
Heiraten der burgundischen Mathilde, Tochter König Konrads von Burgund,
und der schwäbischen Mathilde, Enkelin derselben, in: Forschung zur
deutschen Geschichte Band 8, 1968, Seite 149-159 - Partenheimer
Lutz: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des
Fürstentums Anhalt. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2001
Seite 21,207 - Pohl Walter: Die Welt der Babenberger. Schleier,
Kreuz und Schwert, hg. von Brigitta Vacha, Verlag Styria, Seite 83,94 -
Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung.
W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 90 - Schnith
Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien
Köln 1997 Seite 91,95-97,100-103,105,110-112,115,154,156 - Schwarzmaier
Hansmartin: Von Speyer nach Rom. Wegstationen und Lebensspuren der Salier.
Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1992, Seite 17,45,47,51,56 - Weinfurter,
Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich
Puset Regensburg 1999, Seite 165,202
-
Weinfurter Stefan:
Herrschaft und Reich der Salier. Grundlinien einer Umbruchszeit. Jan Thorbecke
Verlag Sigmaringen 1992, Seite 13, 17,47,49 -