Begraben: Kirche zu Monza
Eventuell Sohn des Grafen Haicho und damit Ur-Ur-Enkel
des Herzogs Eticho vom
Elsaß
Er könnte auch der Neffe des Abtes Thetibalds von
Ebersheim sein.
Lexikon des Mittelalters: Band 162 Seite 162
********************
Hugo, Graf von Tours, 1. Hälfte 9. Jh.
--------
Karolingischer Amtsträger, ETICHONE
811 zusammen mit Bischof Heito von Basel und Aito von
Friaul Gesandter KARLS DES GROSSEN
in Byzanz, trat Hugo
mit
dem karolingischen
Herrscherhaus in
engste Verbindung, als 821 LOTHAR,
Sohn LUDWIGS DES FROMMEN,
Hugos
Tochter
Irmingard
zur Frau nahm; durch die Heirat der anderen Tochter Adelheid
war
Hugo mit den WELFEN
verschwägert.
Hugos
bedeutende
Stellung im Reich zeigt sich daran, dass er unter den um 824 im Reichenauer
Verbrüderungsbuch eingetragenen 'nomina amicorum viventium' die Reihe
der Grafen eröffnete und bei der Taufe des Dänen-Königs
Harald Klak in Ingelheim 826 mit Matfrid von Orleans Kaiserin
Judith geleitete. 824 und 827 an Feldzügen gegen die Bretonen
und die Sarazenen beteiligt, wurde Hugo
828 seiner Ämter enthoben, da wegen seiner Säumigkeit das fränkische
Ersatzheer zu spät an der spanischen Grenze eingetroffen war. Nach
Thegan galt Hugo von Tours als besonders
ängstlich; überdies soll er Kaiser LOTHAR
zur Untreue gegen seinen Vater angestachelt haben.
Büttner Heinrich:
**************
"Geschichte des Elsaß I" 1991
Auf der Reichsversammlung des September 820 in Quierzy war bereits Graf Hugo von Tours, der im Elsaß reich begütert war, wie sein Tausch mit Weißenburg in Quierzy bezeugt, mit dem Bischof Adaloch von Straßburg erschienen. Ob damals bereits die Heirat LOTHARS mit der Tochter Graf Hugos in Aussicht war, steht dahin. Im Oktober 821 wurde auf der Reichsversammlung in Diedenhofen die Vermählung LOTHARS I., der seit 817 Mitregent des Kaisers war, und der Grafentochter Irmingard, die durch ihre Herkunft dem ETICHONEN-Geschlecht verwandt war, vollzogen. Als Morgengabe erhielt Irmingard den Herrenhof in Erstein an der Ill mit 60 abhängigen Hufen überwiesen. In Worms wurde im Jahre 829 an KARL das Elsaß, Alamannien und ein Teil des burgundischen Gebietes übertragen. LOTHARS Teil war durch das Herausbrechen dieses wichtigen Gebietes bedeutend geschmälert; seine Verärgerung wurde durch die Grafen Hugo, der große Interessen im Elsaß hatte, und Matfrid, der über eine angesehene Stellung im Moselgebiet verfügte, noch geschürt. Denn beide waren in ihrem Einfluß bei LUDWIG DEM FROMMEN gestürzt worden; LOTHAR wurde nach Italien gesandt, um der widerstrebenden Partei die Spitze zu nehmen. Nach der Absetzung Kaiser LUDWIGS auf dem Lügenfeld zu Colmar erhielt Ludwig der Deutsche das Elsaß. Nach der Freilassung LUDWIGS DES FROMMEN 834 begleitete Graf Hugo mit anderen Großen LOTHAR I. nach Italien. Nach der 839 erfolgten Aussöhnung zwischen LUDWIG und LOTHAR kam das Elsaß wieder an Kaiser LOTHAR; seine Anhänger erhielten ihren Besitz und teilweise ihre Lehen wieder zurück.
Tellenbach Gerd: Seite 57
**************
"Der großfränkische Adel"
Die Anhänger LOTHARS I., die ihre Lehen und Eigengüter jenseits der Alpen verloren hatten, mußten in Italien versorgt werden. Hugo von Tours und seine Gattin Ava erhielten unter anderem den alten Königshof Leocate am Lambro. Aber Hugo konnte in Italien keine Rolle mehr spielen, da er, wie viele seiner Genossen, bereits 836 von einer katastrophalen Seuche dahingerafft wurde. Wenige Jahre später starb auch Ava.
Vollmer Franz: Seite 139, 163
*************
"Die Etichonen"
Möglicherweise sind einzelne ETICHONEN
von KARL DEM GROSSEN zu besonderen
Königsdiensten herangezogen worden; auch der Aufstieg Hugos
von Tours beginnt ja bereits unter KARL
DEM GROSSEN selbst. Es ist aber sicher kein Zufall, dass dieser
ETICHONE
nach des Kaisers Tod so einflußreich wird und machtvoll in
der allgemeinen Politik agieren kann. Hugos
Familie rechnet jetzt zu den vornehmsten des Reiches und den ältesten,
die in sich die Reichseinheitstradition verkörpern und vertreten,
aber andererseits die Schwäche der Zentralgewalt benutzen, sich selbst
in den Vordergrund zu schieben. Hugo
wird Schwiegervater des Kaisers, und LOTHARS
Gunst und Vertrauen bringen ihn nach Oberitalien, wo eine Nachkommenslinie
noch im 10. Jahrhundert zu verfolgen ist. Die vornehme Stellung Hugos
spiegelt sich auch in den Ehen seiner beiden Töchter Adelais/Aelis
und Bertha.
Adelais heiratet in erster Ehe den WELFEN
Konrad, den Bruder der Kaiserin Judith,
Gemahlin
LUDWIGS DES FROMMEN, des WELFEN
Rudolf und Ludwigs des Deutschen Gemahlin
Emma.
Bertha
wird die Gemahlin Girards "von Roussillon", der zuerst Graf von Paris,
dann Verwalter von Burgund (Vienne) ist. Verkörperte Hugo
noch einmal in seiner Person die die Grenzen der Teilreiche negierende
alte Reichseinheit, so zeigt sich bereits in der nächsten Generation
eine bemerkenswerte Beschränkung auf einzelne Landschaften. Sein Sohn
Liutfrid
ist nur noch im Elsaß und in Oberitalien interessiert, seine Töchter
Bertha
und
Aelis scheinen dagegen den burgundischen Besitz Hugos
geerbt
zu haben.
Während sich so Ende des 8. Jahrhunderts langsam
fast über alle Nachkommen Etichos
ein bisher nicht erhelltes Dunkel legt, tritt zu Beginn des 9. Jahrhunderts
mit "Hugo von Tours"
eine politisch höchst aktive Persönlichkeit auf, die
unmißverständlich als Nachkomme Etichos
gekennzeichnet ist.
Hugo "timidus" wird
811 von KARL DEM GROSSEN als Gesandter
nach Konstantinopel geschickt. Bereits 807 trat unter KARL
DEM GROSSEN ein
Hugo comes
auf, der möglicherweise mit dem ETICHONEN
zu
identifizieren ist. Vor allem aber unter LUDWIG
DEM FROMMEN sehen wir ihn unter den Mächtigen des Reiches.
Jetzt ist Hugo Graf von Tours; er ist
es wahrscheinlich auch von Sens und hat damit zwei der wichtigsten westfränkischen
Positionen in seiner Hand. Ältere ETICHONEN-Rechte
an diesen Positionen sind nicht bekannt; die Verleihung ist also wohl der
besonderen persönlichen Gunst LUDWIGS DES
FROMMEN zu verdanken. Von Kaiser LUDWIG
hat
Hugo vor allem auch das Nonnenkloster
S. Julian d'Auxerre zu Lehen. 821 erreicht die enge Verbindung
Hugos mit dem Herrscherhause ihren
Höhepunkt: LUDWIGS DES FROMMEN Sohn
LOTHAR I. heiratet
Hugos
Tochter Irmgard.
Hugo
bleibt auch in diesen Jahren der größten Hofnähe im Elsaß
begütert und interessiert, wie sein Weißenburger Gütergeschäft
von 820 ausweist. Er muß aber wichtige Kampfaufgaben des Reiches
übernehmen: 824 ist er Führer im Feldzug gegen die Bretonen,
827 gegen die Sarazenen. Dass hiermit die Grenze seiner Einsatzbereitschaft
für das Reichsinteresse erreicht ist, stellt sich nur zu deutlich
heraus: 828 muß er von
LUDWIG DEM FROMMEN
wegen Hilfeverweigerung für den Grafen Bernhard von Barcelona gegen
die Sarazenen abgesetzt werden; er verliert damit die vom Kaiser empfangenen
Lehen wie die Grafschaft Tours und das Kloster S. Julien d'Auxerre und
damit wohl auch die Grafenrechte in Sens. Bei seinem Schwiegersohn LOTHAR
I. bleibt aber Hugo auch
in den Jahren 830 bis 836 führend und von bestimmenden Einfluß
. Um 834/35 taucht Hugo
in Oberitalien auf. Er ist hierin wohl LOTHAR
gefolgt und wird von diesem für seine Verluste nördlich der Alpen
entschädigt worden sein. In Italien hat er - sicher über seinen
kaiserlichen Schwiegersohn
LOTHAR -
eine beachtliche Stellung und rechnet zu den "primores" des Landes. Seine
Besitzbasis liegt im Gebiet von Mailand; nach dem Königsgut Leocate
am Lambro, das er nun innehat, wird er "dux de Locate" genannt.
Hier im Süden überraschte ihn auch der Tod; in der Kirche von
Monza, die von Hugo reich mit Schenkungen
bedacht worden war, findet er sein Grab.
Hugo war nach Herzog
Eticho/Adalricus der bedeutendste Angehörige dieses Hauses, der sich
am nachhaltigsten in der großen, alle landschaftlichen Rahmen sprengenden
Politik betätigt hat. Sein hoher Adel wie auch seine außergewöhnlich
einflußreiche Stellung unter LUDWIG
und LOTHAR werden von den zeitgenössischen
Schriftstellern gebührend hervorgehoben.
Dass Hugo
wirklich
ETICHONE ist, wissen wir durch
Thegans ausdrückliches Zeugnis. Bestätigt wird dies durch die
Übereinstimmung der Namen der unmittelbaren Nachkommenschaft
Etichos
und der Nachkommen Hugos:
die Namen Liutfrid, Eberhard und Hugo finden sich hier wie dort. Überdies
sprechen die vielfältigen Beziehungen Hugos
zum Elsaß für seine ETICHONEN-Stämmigkeit.
820 tauscht Hugo
mit der Abtei Weißenburg seine nordgauische Eigengüter in Niederbronn,
Preuschdorf, Walf, Barr und Fröschweiler gegen Güter in Dettweiler.
Auf Hugos Schenkung soll auch ein Kreuz
des Odilienberg-Klosters Niedermünster zurückgehen. Auch Hugos
Kinder
stehen in engen Beziehungen zum Oberrheingebiet.
So erhält Hugos
Tochter Ermengard von ihrem kaiserlichen
Gemahl LOTHAR I. ihre Morgengabe im
elsässischen Erstein, worauf sie 849 ein Kloster stiftet. Der Sohn
Liutfrid und dessen
Söhne Hugo und Liutfrid
sind Laienäbte von Münster-Granfelden. Auch der Urenkel Hugo,
Lothars
II. Sohn, wird nochmals Herzog des Elsaß. Bei besitzgeschichtlichen
Vergleichen ergibt es sich rasch, dass Hugos
und seiner Nachkommenschaft Besitz durchwegs im gleichen elsässischen
Gebiet liegt, in dem auch
Herzog Eticho und seine unmittelbaren Nachkommen
begütert waren.
Dümmler Ernst: Band I Seite 44-46,90,100,120
*************
"Geschichte des Ostfränkischen Reiches"
Diese Männer, unter denen besonders der Kanzler Elisachar,
Abt von St. Maximin und anderer Klöster, der Erzkaplan Hilduin Abt
von St. Denis, der Graf Matfrid von Orleans, LOTHARS
Schwiegervater Hugo und über allen
andern die kaiserlichen Vettern Adalhard
und Wala von Corbie hervorragen, hatten
die Erbfolgeordnung vom Jahre 817 entweder selbst mit zustande gebracht
oder suchten doch im Sinne der zu erhaltenden Einheit des Reiches und der
Kirche, mithin für deren künftigen Träger LOTHAR
zu wirken. Die Nachfolge desselben verbürgte zugleich die Fortdauer
ihrer eigenen Macht und Politik.
LOTHAR wurde hierin
von der Partei unter den fränkischen Großen bestärkt, die,
sei es aus kirchlichen und politischen Gründen allgemeiner Art, sei
es aus selbstischem Interesse sich die Erhaltung der Reichseinheit ui ihrwer
besonderen Aufgabe gemacht hatte, zumal von seinem Schwiegervater Hugo
von Tours und dem Grafen Matfrid, des Kaisers rechter Hand,
einem Manne nicht von dem lautersten Charakter. Ihre Umtriebe blieben Judith
nicht verborgen und sie ersah sich bald eine treffliche Gelegenheit, dieser
beiden unbequemen Widersacher auf einmal loszuwerden. Ein gefährlicher
Aufstand in der spanischen Mark nämlich, der im Jahre 826 unter der
Führung des Goten Aizo ausgebrochen war, veranlaßte im folgenden
Jahr die Absendung Hugos
und Matfrids an der Spitze sehr bedeutsamer Streitkräfte,
die sie dem König Pippin zuführten,
doch kanmen sie zu spät, um den Rückzug des von Aizo herbeigerufenen
arabischen Hilfsheeres nach Saragossa zu verhindern und die Verwüstungen,
welche die Ungläubigen angerichtet, blieben ungeahndet. Die Schuld
an diesem Unglücke, welches das größte Aufsehen erregte,
wurde der Nachlässigkeit und Saumseligkeit der beiden Grafen beigemessen,
die sich vielleicht hierbei auch durch ihre Abneigung gegen den von den
Sarazenen bedrängten Markgrafen Bernhard von Barcelona hatten leiten
lassen; in Folge dessen hielt eine Reichsversammlung zu Aachen im
Februar 828 über sie Gericht und sprach ihnen - gleichzeitig mit der
aus ähnlichen Gründen verfügten Entsetzung des Markgrafen
Balderich von Friaul - zur Strafe ihre Lehen und Grafschaften ab: ein Triumpg
für die Kaiserin, die wenig nach dem heftigen Grolle dieser gefallen
Größen fragte.
Während bei den geringen Herrschergaben LOTHARS
sein
Schwiegervater Hugo mit den Grafen
Lambert und Matfrid um die erste Stelle im Rat haderten, blieben die mahnenden
Worte eines Wala ungehört.
In einem Zelte vor dem Lager, das auf einem erhöhten
Platz, allen sichtbar aufgerichtet war, empfing LUDWIG
DER FROMME auf seinem Throne sitzend, die beiden getreuen Söhne
zur Seite, die reuigen Sünder, die fußfällig seine Vergabung
erflehten. Zuerst LOTHAR selbst, dann
dessen Schwiegervater, den furchtsamen Hugo,
dann Matfrid und alle übrigen.
Daßdies in feindlichem Sinne geschehen sollte,
konnte nicht zweifelhaft sein und bedenklich genug war
LOTHARS Lage, zumal dadurch die Begnadigung der Erzbischöfe
Agobard und Bernhard und des Bischofs Heribald von Auxerre, wahrscheinlich
aufgrund der mit
Wala geschlossenen
Übereinkunft, ihm mehrere ergebene Anhänger abwendig gemacht
wurden und von den früheren zahlreichen Todesfällen in seiner
Partei bald auch das Hinscheiden seines Schwiegervaters Hugo
und des tapferen Grafen Lambert nachfolgte.
Riche Pierre: Seite 173,182,184-187,235
***********
"Die Karolinger. Eine Familie formt Europa."
Die Sippe der ETICHONEN
kam, wie schon erwähnt, aus dem Elsaß. Ihr entstammte Graf
Hugo von Tours, der König LUDWIG
bei der Eroberung von Barcelona unterstützte und Schwiegervater von
dessen ältestem Soh wurde. Er besaß Güter in Italien, und
im Jahre 811 betraute man ihn mit einer Gesandtschaft nach Konstantinopel.
LUDWIG DER FROMME
verheiratete dann seinen Sohn LOTHAR
mit Ermengard, Tochter des Grafen
Hugo von Tours aus dem Hause der
ETICHONEN.
Für ihren zweiten Bruder, Konrad, erlangte
Judith Sankt Gallen, und sie konnte auch für seine Eheschließung
mit Adelheid sorgen, der Tochter des Grafen Hugo
von Tours, des Schwiegervaters LOTHARS
I. Auf der "imperialen Partei" befanden sich Graf Matfrid von
Orleans, der sich rühmte, das Vertrauen des Kaisers zu besitzen, und
Graf
Hugo von Tours, der Schwiegervater
LOTHARS.
LUDWIG wollte 827
Bernhard Verstärkungen schicken, aber weder der in den Quellen als
besonders furchtsam geschilderte
Graf Hugo von
Tours noch Graf Matfrid von Orleans
brachen rechtzeitig auf. So wurde Barcelona von Bernhard allein aus der
Gefahr befreit. Hugo und Matfrid wurden
des Verrats beschuldigt und zum Tod verurteilt. Zwar wurden sie auf Fürbitten
Walas begnadigt, doch verloren sie
ihre Grafschaften und Besitzungen.
Der Aufstand brach aus, als LUDWIG
im April 830 einen Feldzug gegen die Bretonen vorbereitete, Pippin
von Aquitanien, die Grafen Hugo
und Matfrid, dazu noch Ludwig der Deutsche
waren entschlossen, den Kaiser aus der Macht Judiths
und Bernhards zu "befreien". Pippin
und Ludwig hatten darauf gedrängt,
der Kaiser solle sich in ein Kloster zurückziehen, aber LOTHAR,
schnell aus Italien herbeigeeilt, beschränkte sich darauf, die Beschlüsse
der Wormser Reichsversammlung aufzuheben.
Schieffer Rudolf: Seite 120,124,126-128,134
**************
"Die Karolinger"
Dem Vater folgte 821 der junge Kaiser
LOTHAR durch seine Heirat mit Irmingard,
der Tochter des Grafen Hugo von Tours
aus dem alten elsässischen Herzogshaus der ETICHONEN.
Zwar konnte der Graf Bernhard von Barcelona das Ärgste
verhindern, aber das von den Grafen
Hugo und Matfrid geführte
fränkische Hauptheer rückte dann so schleppend heran, daß
es den plündernden Feind gar nicht mehr zu fassen bekam, und auch
der 828 ausgesandte LOTHAR drehte frühzeitig
ab.
Sichtbar zutage traten die latenten Gegensätze erst,
als es galt, auf die akute Bedrohung an den Grenzen zu reagieren. LUDWIG
DER FROMME ordnete dazu Anfang 828 nicht nur ein allgemeines
Fasten an, sondern verfügte auch auf einem Hoftag in Aachen die Absetzung
des Markgrafen Balderich von Friaul, der die Bulgaren nicht hatte abwehren
können, sowie der Grafen Hugo
und Matfrid, denen Versagen in Spanien vorgeworfen wurde. Mögen dies
nach Lage der Dinge nicht unbegründete Entscheidungen gewesen sein,
so griffen sie doch rigoros in die labile Balance unter den führenden
Magnaten ein, denn jeder der Entmachteten stand in mannigfachen Bindungen
zu anderen Großen, deren Ergebenheit durch solche Sanktionen auf
eine harte Probe gestellt wurde. LOTHAR
zum Beispiel konnte es nicht gleichgültig sein, daß sein Schwiegervater
Hugo um allen Einfluß gebracht
und Matfrid in der Grafschaft Orleans ausgerechnet durch Odo, einen Vetter
des vor Barcelona suegreichen Grafen Bernhard, ersetzt wurde.
LOTHAR unterwarf
sich und rettete damit immerhin seine Herrschaft über Italien freilich
nur unter der eidlichen Zusage, das Land nicht mehr eigenmächtig zu
verlassen; dorthin wurde auch den wichtigsten seiner geistlichen und weltlichen
Parteigänger, also Wala von Corbie,
Agobard und mindestens fünf weiteren Bischöfen sowie den Grafen
Hugo, Matfrid, Lambert und ihrem Anhang, freier Abzug gestattet.
Boshof Egon: Seite 158,169,173,178,179,204,234
***********
"Ludwig der Fromme"
LOTHAR vermählte
sich mit Irmingard, der Tochter des
dem alten elsässischen Herzogsgeschlecht der
ETICHONEN entstammenden
Grafen Hugo von Tours. Neben Matfrid
von Orleans hat Hugo
in diesen Jahren unter den Vertretern der Laienaristokratie in der Umgebung
LUDWIGS eine führende Rolle gespielt.
Thegan, der bekanntlich Polemik und prononcierte Urteile nicht scheute,
charakterisiert ihn sarkastisch als den furchtsamsten Menschen unter der
Sonne. Seiner Gemahlin übertrug LOTHAR
als Wittum Güter im Elsaß um die villa Erstein, in der
Irmingard später ein Kanonissenstift errichtete.
Aizo suchte Rückendeckung bei Abd
ar-Rahman II., und tatsächlich brach 827 ein muslimisches
Heer in die Spanische Mark ein. Barcelona wurde vom Grafen Bernhard erfolgreich
verteidigt. LUDWIG aber reagierte eigentümlich
unentschlossen. Er ordnete zunächst den Abt Helisachar und die Grafen
Hildebrand und Donatus als Königsboten ab, um die Ruhe wiederherzustellen,
und gab dann erst Pippin den Auftrag,
dem hart bedrängten Bernhard zur Hilfe zu eilen. Die fränkischen
Truppen, die von den Grafen Hugo von Tours und
Matfrid von Orleans befehligt wurden, operierten jedoch so langsam, daß
die Sarazenen nach Verheerung des flachen Landes mit großer Beute
unbehelligt abziehen konnten. Es scheint, daß wiederum Rivalitäten
im Hochadel für diese blamable Vorstellung mitverantwortlich waren,
doch blieb dies nicht ohne Folgen. Diese Ereignisse bildeten den Auftakt
zu einer neuen Säuberungsaktion in der kaiserlichen Umgebung, damit
aber auch zu den inneren Auseinandersetzungen, die das Reich und die Herrschaft
LUDWIGS
in eine tiefe Krise stürzten.
Im Februar des Jahres 828 wurden die Grafen Matfrid von
Orleans und
Hugo von Tours auf einer
Reichsversammlung in Aachen für ihr Versagen beim Aufstand in der
Spanischen Mark mit dem Verlust ihrer Ämter und Lehen bestraft. Mochte
sich Matfrid auch durch seine notorische Korruption Feinde geschaffen haben,
sein Sturz dürfte zumindest jenen Teil der Reichsaristokratie, der
in ihm den Sachwalter seiner Interessen am Hofe gesehen hatte, verstimmt
haben, und durch die Entmachtung Hugos ward
er Mitkaiser LOTHAR, sein Schwiegersohn,
unmittelbar mitbetroffen.
Nach dem Sturz Hugos
und Matfrids schien sich die Lage zunächst beruhigt haben;
die führende Rolle am Hofe hatte der Erzkaplan Hilduin von St. Denis
übernommen.
Auch LOTHAR hatte
unter dem Einfluß
Hugos und Matfrids
bereits begonnen, sich aus den gegenüber
Judith und KARL bei dessen
Taufe übernommenen Verpflichtungen zu lösen.
Die harte Behandlung jedoch, die er dem Vater zukommen
ließ, den er von St. Medard nach Compiegne holte, dann im November
834 nach St. Denis mit sich führte, der Mißbrauch der eben erst
gewonnenen Macht durch LOTHAR selbst
und seine Günstlingen, unter denen Hugo,
Lambert umd ie Führungsrolle stritten, alles das führte zu einem
Umschwung der Stimmung im Volk zugunsten des gestürzten Kaisers.
Die Ausgleichsbemühungen waren in eine Sackgasse
geraten. Da führte ein schweres Unglück eine überraschende
Wende herbei: Eine Fieberseuche raffte in Italien einen großen
Teil der Gefolgsleute LOTHARS hinweg.
Namentlich werden in den Quellen genannt Hugo
von Tours, der in Monza bestattet wurde, Matfrid, Lambert, Gottfried
und sein gleichnamiger Sohn, der Graf Agimbert von Perthois, der ehemalige
königliche Oberjägermeister Burgarit und de Bischöfe Jesse
von Amiens und Elias von Troyes.
oo Ava
um 780/85-4.11.839
Kinder:
Irmingard
um 805-20.3.851
821
oo LOTHAR I.
795-29.9.855
Adelheid
-
oo Konrad I. Graf im Argen- und Linzgau
-16.2.863
Liutfrid
um 800/05- um 864
Bertha
-
819
oo Gerhard Graf von Vienne
800-
878/79
Hugo
- vor 25.1.835
Literatur:
-----------
Borgolte Michael: Die Grafen Alemanniens in merowingischer
und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen
1986 Seite 41,147,167,177,208 - Boshof Egon: Ludwig der Fromme.
Primus Verlag Darmstadt 1996 Seite 158,169,173, 178,179,204,234 -
Dümmler
Ernst: Geschichte des Ostfränkischen Reiches. Verlag von Duncker und
Humblot Berlin 1865 Band I Seite 26 Anm. 21,44,90,100,120 - Hlawitschka
Eduard: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische
Untersuchungen zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9., 10. und
11. Jahrhundert. Kommissionsverlag: Minerva-Verlag Thinnes Nolte
OHG Saarbrücken 1969 Seite 109,157,167 - Riche Pierre: Die
Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH
& Co. KG, München 1991 Seite 173,182,184,187,235 - Schieffer
Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992
Seite 120,124,126-128,134 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche
Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag
Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 50,57 - Werner Karl Ferdinand:
Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch
Verlag GmbH & Co. KG, München 1995 Seite 426 -