Sohn des Hausmeiers Liuthericus
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 105
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Adalrich (Attich, Eticho), Herzog des Elsaß 673-700
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Stammte wahrscheinlich aus Burgund und war zunächst
Patricius der Provence. Wurde dann von König
Childerich II. zum Herzog ernannt und stellte sich nach dessen
Ermordung auf die Seite des neustrischen Hausmeiers Ebroin, mit dem er
sich aber bald überwarf. Adalrich anerkannte
nun Dagobert II., den Sohn
König
Sigiberts III., den man aus Irland zurückgerufen hatte,
als König. Daraufhin konfiszierte Ebroin alle seine Güter in
Burgund. Adalrich
regierte
sein Herzogtum gewalttätig und ließ den heiligen German von
Münster-Granfelden und den Bibliothekar des Klosters ermorden, als
dieser sich ihm widersetzte. Durch fromme Stiftungen versuchte er, seine
Gewalttaten gutzumachen. So gründete er das Frauenkloster Hohenburg,
dem seine Tochter Odilia als erste Äbtissin
vorstand, die später Schutzpatronin des Elsaß wurde. Auch das
Kloster Ebersmünster nördlich von Schlettstadt geht auf Adalrichs
Gründung zurück. Das Leben des Herzogs ist Gegenstand
zahlreicher Legenden.
Zum Herzog im Elsaß wurde nach 666 Adalricus
Eticho aus
dem Hause der Herzöge des Hauyer (Dijon) erhoben, der sich mit der
neustroburgundischen Regierung überworfen hatte und anscheinend verwandtschaftliche
Beziehungen zu Wulfoald aufnahm.
In Auster beriefen die um Wulfoald gescharten Großen
mit Hilfe Wilfrids von York den 656 nach Irland gebrachten Königssohn
Dagobert
zurück. Wulfoalds Gegner proklamierten dagegen Chlodwig,
einen angeblichen Sohn Chlothars III.
zum König. Zu dieser Gruppe, der sich auch Ebroin anschloß,
gehörten Waimer, der Herzog der Champagne, und der Elsässer
Herzog Adalricus/Eticho, ferner die vielleicht beim Sturz Ebroins
abgesetzten rhoneländischen Bischöfe Desideratus/Diddo von Chalon
und Bobo von Valence.
Unterdessen marschierten die abgesetzten Bischöfe
und die beiden Herzöge im Namen des falschen
Chlodwig nach Burgund vor Autun. Leodgar stellte sich seinen
Feinden. Waimer ließ ihn blenden und führte ihn mit sich in
die Champagne ab. Das übrige Heer zog vor Lyon gegen den Metropoliten
Genesius, wurde aber dort abgeschlagen und löste sich in der Folge
auf. Adalricus/Eticho, der sich zum
patricius der Provence aufwerfen wollte, zog sich nach dem
Scheitern seines ehrgeizigen Plans ins Elsaß zurück und erkannte
Dagobert
II. an. Theuderich III.
ließ daraufhin im September 676 seine Güter im Hatuyer (Dijon)
wegen Infidelität konfiszieren.
Der Elsässer Herzog Eticho,
der dieser Gruppe angehörte, machte wohl nach der Rückkher vom
Unternehmen gegen Autun und Lyon seinen Frieden mit dem austrasischen König.
Die Erblichkeit der Herzogswürde, die anfangs nur
in Bayern rechtens war, hatte sich auch in den anderen Ländern, zuletzt
unter Adalricus/Eticho (ab 673/75),
der einem frankoburgundischen Geschlecht entstammte, auch im Elsaß
durchgesetzt.
Eticho, der einem
frankoburgundischen Geschlecht entstammte und der Gründer der Herzogsdynastie
war, kam unter Childerich II. um 673
an den Rhein, wo er unter diesem Herrscher bezeugt ist. Sein Versuch, sich
nach der Ermordung des Königs der Provence zu bemächtigen, scheiterte
vor Lyon. Als Herzog im Elsaß hatte sich Eticho
von der Zentralgewalt emanzipiert und setzte die Erblichkeit der Herzogswürde
auch im Elsaß durch. Die vorher mit der Verwaltung des Königsguts
beauftragten Grafen verschwinden. Eticho
gründete für seine Tochter Odilia das Frauenkloster
Hohenmünster bei Straßburg und die Abtei Ebersheim. Im Herzogtum
folgte ihm wohl noch vor dem Tod Pippins
sein Sohn Adalbert.
Büttner Heinrich:
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"Geschichte des Elsaß I" 1991
Im Jahre 673 war Herzog Eticho an die Stelle des 664/66 noch in einer Urkunde für Speyer genannten Herzogs Bonifatius getreten. Es ist die markanteste Gestalt, deren Bild wir uns unter den elsässischen Herzögen am lebendigsten ausmalen können. Von ihm ab ist das Herzogtum im Elsaß bis zu seinem Erlöschen ca. 740 wohl bei derselben Familie verblieben. Herzog Eticho tritt uns wieder im Sornegau entgegen; er wollte das Juragebiet fester in seine Herrschaftssphäre einbeziehen, als es während des ersten Versuches unter Gundoin und zu Lebzeiten des nur wenig bekannten Herzogs Bonifatius geschehen war. Der Sornegau blieb unter dem intensiven Einfluß des elsässischen Herzogtums. Eine weiter Ausdehnung des elsässischen Machtbereiches nach der Burgundischen Pforte hin erfolgte auch unter Eticho nicht, obschon die Beziehungen Etichos nach Burgund selbst sehr rege waren. Eticho war an den Streitigkeiten beteiligt, die zwischen dem Hausmeier Ebroin und Leodegar, dem Bischof von Autun, ausgebrochen waren und zu Spannungen und Kämpfen größten Ausmaßes im MEROWINGER-Reich führten. Unter Herzog Eticho tritt das untere Elsaß, von dem während der 1. Hälfte des 7. Jahrhunderts fast jede Kunde verloren ist, wieder etwas deutlicher in das Licht der Geschichte. Als Familiengründung der ETICHONEN ist auf einer der beherrschenden Höhen das Kloster Hohenburg um die Wende des 7. zum 8. Jahrhundert entstanden. Aus der Vita s. Odiliae, ergibt sich mit Sicherheit, dass die Gründung Hohenburgs auf die Einflußnahme Odilias zurückgeht, dass aber Herzog Eticho aufs stärkste daran beteiligt war, ja nach außen hin als der eigentliche Stifter auftrat. Johenburg, auf beherrschender Höhe über den Vogesen aufragend, galt in der Überlieferung später als die Residenz des Herzogs Eticho. Auch das Kloster Ebersheimmünster ist eine Gründung des ETICHONEN-Hauses. Herzog Eticho und seine Gemahlin Bersuinda gründeten nach allgemeiner Überlieferung der Quellen die Abtei auf ihrem Eigengut zu Ehren des heiligen Mauritius. Auch in der Bischofsstadt Straßburg besaß das elsässische Herzogsgeschlecht größeren Besitz.
Vollmer Franz: Seite 137,141-147
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"Die Etichonen"
Herkunft: Seite 142
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Adalrichs Herkunft
ist unbekannt. Er ist mit den Austrasiern alliiert und möglicherweise
selbst austrasischen Ursprungs. Jedenfalls zählt er unbestreitbar
zu der obersten fränkischen Führungsschicht. Zusammen mit anderen
Männern aus allen Teilen des Reiches ist er bei Ebroin zu finden,
verläßt später
Theoderich III.
und
schließt sich Dagobert II. an,
den er zusammen mit anderen Großen für einige Jahre auf den
Thron von Austrasien setzt. Theoderich III.
bestraft ihn dafür und konfisziert seinen burgundischen Besitz, um
ihn an Kloster Beze zu geben. Burgund war die erste faßbare Basis
Adalrichs. Von hier aus hatte er
versucht, den Patriziat der Provence zu gewinnen, war aber vor Lyon gescheitert.
Politische Pläne und Handlungen weisen Adalrich
so in den Kreis austrasischer Edelinge, die unter den schwachen MEROWINGER-Herrschern
zum Teil als Träger fränkischer Gesamtinteressen, zum Teil als
Verfechter eigener persönlicher Machtpläne das politisch aktive
Element bilden. Er hat wahrscheinlich völlig auf die Karte der PIPPINIDEN,
der austrasischen Hausmeier, gesetzt, deren Aufstieg auch seine Stellung
endgültig sicherte. Von Burgund aus kommt Adalrich
ins
Elsaß, um hier an die Stelle des 664/65 noch genannten Herzogs Bonifatius
zu treten.
Was aber ist von den Vorfahren Adalrichs
in Erfahrung zu bringen?
Die Vita Otiliae nennt als Vater des dux
illuster Adalricus/Etih einen Liuthericus, maior domus
des Childerich III. (660-674). Von
diesem Hausmeier Liuthericus wissen wir sonst nichts. Trotz aller
Erörterungen über die Vorfahren
Etichos
kann
auch jetzt die gesicherte Geschichte erst mit der Person des Herzogs
Adalricus/Eticho selbst um 670 einsetzen.
Berswindas Herkunft: Seite 146
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Adalrichs Gemahlin
ist nach der Vita S. Otiliae, der Ebersheimer Chronik und nach der ins
12. Jahrhundert gehörenden Ebersheimer Falschurkundengruppe Berswinda
(Bersuinda/Perethsinda/Bersinda). Die Odilienvita nennt sie "ex nobilissimus
prohenitoribus orta"; nach ihr stammt Berswinda von der Familie
des heiligen Leodegar ab. Nach der Leodegarsvita stammen dessen Eltern
aus vornehmster Frankenfamilie. Über die unmittelbare Verwandtschaft
Leodegars wissen wir recht gut Bescheid; sie profiliert sich in den Kämpfen
um den Sturz des Königs Childerich III.
675 und wird von Ebroin zerschlagen.
Wie aber können die Aussagen über die Herkunft
der Berswinda aus diesem burgundisch-mittelfranzösischen Adelskreis
unterbaut werden?
Leodegar wird in der ETICHONEN-Familie
stark verehrt. Eberhard läßt 727 seine Neustiftung Murbach diesem
Märtyrer weihen. Auch die Namensvergleichung ergibt stützende
Hinweise: der Name Bodilo kehrt in Bodolus,
dem Enkel des Paares Adalricus-Berswinda,
wieder, und vielleicht ist die Silbe Liut-/Leod- der etichonischen
Familie von Leodegar herzuleiten. Eine urkundliche Sicherung dieser Herkunft
der Berswinda fehlt aber. Sowohl für Adalricus/Eticho
wie auch für seine Gemahlin Berswinda ist bei der Lückenhaftigkeit
und Gegensätzlichkeit der Quellenaussagen noch keine endgültige
Sicherheit in der Frage der Vorfahren erreicht. Übereinstimmend aber
wird die Herkunft von vornehmsten und politisch aktiven fränkischen
Adelsgruppen hervorgehoben. Etichos
Betrauung mit dem elsässischen Dukat liegt so wesentlich in seiner
Herkunft begründet.
In den Adelskämpfen nach dem Rücktritt Balthildes
(664-667)
hatte der Hausmeier von Neustrien, Ebroin, auch zeitweise Adalricus
gewonnen, der hoffte, Herzog von Burgund und der Provence zu werden, aber
vor Lyon scheiterte. Als sich der Eigenwille Austrasiens gegen den zentralistischen
Ebroin im KAROLINGER Pippin
sammelte, wechselte Adalricus rechtzeitig
die Partei. Wie verschiedene andere Große sagte er sich von dem von
Ebroin gehaltenen Schattenkönig Theuderich
III. los und ging zu Childerich III.,
dem austrasischen König und damit zu Pippin
über. Es zeigte sich bald, dass er damit die zukunftsstarke Partei
gewählt hatte. Mochte Ebroin seinen Besitz in Burgund auch konfiszieren
lassen, Pippin konnte ihn reichlicher
entschädigen: nachdem noch 664-666 im Elsaß ein Herzog Bonifatius
genannt worden war, tritt wenige Jahre danach bereits
Adalricus,
oder wie er nun genannt wird, Etich(o)
als Inhaber des wesentlich mit militärischen Sicherungsaufgaben
gegen die unabhängigeren Alemannen östlich des Rheins betrauten
elsässischen Dukats auf.
So ist Adalricus/Eticho
um 673 ins Elsaß gekommen und seine Nachkommen sollten auf viele
Jahrhunderte hinaus eng mit diesem Land am Oberrhein verbunden bleiben.
Adalricus
lebt noch 682; nach seinem Tode übernimmt sein Sohn Adalbert den elsässischen
Dukat, und diesem folgt der Adalbert-Sohn
Liutfrid
nach.
Den Namen hat die Familie von dem Stammvater Eticho/Adalricus,
der 673 als dritter bekannter fränkischer dux im Elsaß nachgewiesen
ist. Vor 673 ist keine Beziehung des Adalricus
zum Elsaß feststellbar. Danach trägt Adalricus
seine herzogliche Herrschaft nach Süden in den Sornegau vor. Er befiehlt
die Centenare des Juratales vor sich und schickt sie in die Verbannung.
Seine Maßnahmen in dieser südlichen Randzone des alemannischen
Einflusses wurden vom Germanen-Vitenschreiber ablehnend als Plünderung
und rechtloser Eingriff interpretiert. Im Elsaß selbst ist Adalricus
als
Klostergründer von Ebersheim und Hohenburg zu erkennen. Nach den Ebersheimer
Fälschungen und der dortigen Chronik sollen Herzog
Atticus und seine Gemahlin Berswinda
Stifter dieser Abtei sein. Auch Hohenburg/Niedermünster ist die Initiative
dieses Herzogs offenliegend und seine Tochter Odilia schenkt nach der auf
ihren Namen gefälschten Urkunde ihren von ihrem Vater ererbten Besitz
an diese Odilienbergklöster. 682 ist Herzog
Adalrich/Eticho noch am Leben.
Aber auch im letzten Jahrzehnt liegen mehrere Bezeugungen
eines oder mehrerer hochadliger Träger dieses Namens vor, deren Identität
mit dem Elsaßherzog durchaus möglich, doch nicht streng beweisbar
ist. So finden wir 693 und 697 im königlichen Placitum unter Chlodwig
III. und Childebert III.
unter den "comitebus" einen Adalricus.
oo Bersuinda
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Kinder:
Adalbert
- vor 11.12.722
Odilia 1. Äbtissin von Hohenburg
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Batticho
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Hugo
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Hetticho
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Literatur:
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Borgolte Michael: Die Grafen Alemanniens in merowingischer
und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen
1986 Seite 41,250 - Borgolte Michael: Geschichte der Grafschaften
Alemanniens in fränkischer Zeit. Vorträge und Forschungen Sonderband
31 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1984 Seite 21,28,118 - Ewig,
Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich, Verlag W. Kohlhammer 1993 Seite
162,166-170,193,195 - Geuenich Dieter: Geschichte der Alemannen.
W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1997 Seite 99 -