Begraben: Herzfeld
Sohn des Grafen Reginbert
Ekbert scheint entgegen
älteren Darstellungen ein nach Sachsen verpflanzter fränkischer
Reichsaristokrat zu sein, der erst mit den nötigen Grundlagen für
seine Amtstätigkeit (vermutlich dem Ruhrgau) ausgestattet wurde. Nach
der Darstellung der freilich historisch geringwertigen Vita Idae ist Ekbert
der
sächsische Graf, der auf einem Feldzug erkrankte, bei einem fränkischen
Grafen aufgenommen wurde und dessen einzige Tochter
Ida
heiratete. Auf Befehl
Kaiser KARLS besetzte
er 809 zusammen mit anderen sächsischen Grafen den Ort Esesfeld an
der Stöhr und befestigte ihn. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass
Ekbert wegen
dieser militärischen Tätigkeit von dem Verfasser der Translatio
s. Pusinnae den Titel "dux" erhalten hat.
Wenn nun die EKBERTINER
im Mannesstamm keine Sachsen sind, müßte Eigilwi/Heilwig, die
Gattin Welfs und Mutter der Kaiserin Judith,
entweder eine Mutter-Schwester Ekberts oder
eine Verwandte seiner Frau Ida sein. W. Metz weist Ida
jenem
Kreise zu, der seiner Meinung nach durch den Namen ihres Sohnes Warin
erkennbar sind, nämlich den SALIERN-WIDONEN.
Hier soll umgekehrt die Meinung vertreten werden, dass der Name Warin aus
der Familie Ekberts
stammt und dass Ida aus der
liudolfingischen
Verwandtschaft am Mittelrhein kam. In keinem Fall wäre sie aber dann
als Sächsin zu bezeichnen. Wir kämen damit zum Schluß,
dass die Gattin Welfs eine Mutter-Schwester Ekberts
gewesen sein dürfte.
Ekbert erscheint
im Besitz von sich begrenzenden Gütern im südlichen Westfalen,
zwischen dem Rheine und der Weser, indem an dies Dotalitium im Boroctra,
zwischen der Lippe, Ruhr und dem Rhein - sich sein Allod im "Gaue Dreni"
unmittelbar anschloß, und sein Gut zu Immungshausen im Ittergau nicht
sehr fern von der Weser lag. Somit war Ekbert
Graf zwischen dem Rhein und der Weser und wurde von KARL
DEM GROSSEN überdies zum Heerführer (dux) der Sachsen
zwischen Rhein und Weser ernannt.
Glocker, Winfrid: Seite 255
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der
Politik"
Die moderne Forschung äußerte immer wieder
die Vermutung, die LIUDOLFINGER des
9. Jahrhunderts ständen mit den EKBERTINERN
(nach einem anderen leitnamen auch COBBONEN genannt)
in verwandtschaftlicher Beziehung. Bei diesen EKBERTINERN
handelts es sich um die Nachkommenschaft eines Vertrauten KARLS
DES GROSSEN namens Ekbert.
Dieser pflegte eine vornehme Dame, die heilige Ida, durfte sie schließlich
heiraten und erhielt von KARL DEM GROSSEN
in einem Teil Sachsens eine herzogliche Stellung übertragen
(vgl. zu diesen Zusammenhängen Krüger, Grafschaftsverfassung
Seite 77f., Hlawitschka, Herkunft Seite 147-150, sowie den Forschungsstand
referierend Jakobi, Nachkommen passim).
Hömberg, einer der besten Kenner der sächsischen
Grafschaftsverfassung in der Zeit des 9. Jahrhunderts, sah Comitate Seite
122ff. in diesem Ekbert, dem VertrautenKARLS
DES GROSSEN, und seiner Gemahlin Ida die direkten Großeltern
des Liudolf dux. Diese Ansicht begründete er mit dem Besitz des alten
Königshofes Herzfeld, den man zuerst in den Händen Ekberts
nachweisen kann, und der sich dann in den Händen Herzog Ottos des
Erlauchten, des Sohnes unseres Liudolf dux findet. Doch hat Hömberg
übersehen, daß die skizzierte Besitzfolge bei dem Königshof
Herzfeld nicht unbedingt durch Erbfolge bewerkstelligt sein muß,
sondern auch auf dem Weg der Belehnung erfolgt sein könnte. Da aber
der Name "Ekbert" unter dem Namensgut, das wir bei den Kindern des
Liudolf dux finden, entgegen einer früheren Vermutung nicht nachgewiesen
werden kann, können wir eine agnatische Verwandtschaft zwischen den
LIUDOLFINGERN
und EKBERTINERN mit Sicherheit ausschließen.
Ein gewisser verwandtschaftlicher Konnex muß aber bestanden haben,
da sich der Name Liudolf unter den Ekbert-Kindern findet.
Hlawitschka, Eduard: Seite 147-150
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"Zur Herkunft der Liudolfinger und zu einigen Corveyer
Geschichtsquelle"
Die sogenannten EGBERTINER/COBBONEN
stellen
- das muß zur Erklärung hier kurz eingefügt werden - einen
Verwandtenkreis dar, der von dem Vertrauten KARLS
DES GROSSEN namens Egbert
abstammt. Eine erste wichtige Nachricht über sie können
wir der von dem Werdener Mönch Uffing 980 anläßlich der
Erhebung der Gebeine der hl. Ida verfaßten Vita dieser Heiligen
entnehmen. KARL DER GROSSE soll hiernach
dem Grafen Egbert
- nachdem jener mit anderen Edlen bei einem Heereszug zur Niederwerfung
von Aufständischen aus den O-Gebieten nach "Gallin" gekommen, dort
aber schwer erkrankt und durch die Pflege der hl. Ida, einer hochedlen
Dame ex regali scilicet indole sanctarum virginum Odiliae et Gertrudae
filiae (regis) Pipini, wieder geheilt
worden - die Zustimmung zur Verheiratung mit Ida gewährt haben
und ihn auch im Zusammenhang mit dieser Heirat cunctis Saxonibus, qui
inter Hrenum et Wisaram inhabitant, zum dux gegeben haben. In Herzfeld
an der Lippe habe Ida schließlich auf Besitztum ihres Gatten
einen oratorium bzw. eine lapidea basilica gegründet, und dort seien
sowohl
Egbert
als
auch sie nach ihrem Tod bestattet worden.
Außerdem sind die oben Seite 150 angeführten
Argumente für die Notwendigkeit der Rekonstruktion der Verwandtschaft
Haduwys
mit
KARL DEM KAHLEN über Ida
- und nicht über Egbert
- übergangen!], so bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, daß
sich Karlmanns Witwe Gerberga
wiederverheiratete und daß dieser Graf, in dessen Haus Egbert
von
Ida gesundgepflegt wurde, lediglich Idas Stiefvater
gewesen ist [In der Vita S. Idae wird nie vom pater das gesprochen, wir
hören nur vom favor parentum zu Idas Ehe und daß
Ida praefacto comiti ... unica filia gewesen ist..]. Gerade
diese Sicht, so überraschend sie auf den ersten Blick wirken mag,
hat aber auch einen Vorzug: sie vermag zu erklären, washalb KARL
DER GROSSE seinen assensus zur Ehe Idas mit
Egbert zu
geben hatte. Nach
Karlmanns Tode mußte
ja die Vormundschaft über seine zurückgelassenen Kinder an den
nächsten männlichen Schwertmaghen, d. h. an seinen Bruder KARL
DEN GROSSEN, fallen. KARL DER GROSSE
steht mit seiner Mitwirkung bei der Verheiratung
Idas also an seines
Bruders Statt; eine einleuchtendere Erklärung für die Nachricht
kann es wohl kaum geben. Bislang wurde diese Stelle der Vita regelmäßig
unerklärt übergangen; das ist nun nicht mehr notwendig; im Gegenteil:
sie vermag jetzt in einzigartiger Weise die komplizierte Frage der Herkunft
Idas zu erhellen.
Die EGBERTINER/COBBONEN
waren aber auch - wie schon seit längerem erkannt ist - Verwandte
der LIUDOLFINGER/ OTTONEN. Vor allem
haben dies S. Krüger und K.A. Hömerg deutlich zu machen versucht,
wenngleich auf unterschiedliche Weise. S. Krüger - noch auf die erst
neuerdings als Fälschung des 11. Jahrhunderts erkannte Querimonia
Egilmari aufbauend, in der eine namentlich ungenannte Schwester
Abt Warins
von Corveyals Äbtissin von Herford erscheint, welche sich wiederum
nur als die ca. 853-858 einzureihende Äbtissin verstehen ließ,
und diese ungenannte Mutter identifizierend - setzte die Äbtissin
Addila von Herford mit Aeda, der Mutter Herzog Liudolfs (* 866)
Gemahlin Oda, gleich und erklärte die LIUDOLFINGER/OTTONEN
damit
zu direkten Nachkommen Egberts und
Idas
über zwei Frauenlinien. Freilich war damit nicht Herzog Liudolf (+
866), sondern seine Gemahlin Oda als Bindeglied zu Egbert
und Ida postuliert. K.A. Hömberg bestritt die Richtigkeit dieser
Sicht - und das gewiß zu Recht. Er wiers darauf hin, daß der
Konnex zwischen
EGBERTINERN/COBBONEN
und LIUDOLFINGERN nicht erst durch
die Ehe Liudolfs und Odas (als Enkelin Egberts
und
Idas
durch Aeda/Addila von Herford) zustandegekommen sein kann, da - nach der
Corveyer Tradition A §126 (= B § 350) - bereits der ältere
Cobbo einen um 844 verstorbenen Bruder Liudolf
gehabt habe, also bereits Egbert und
Ida
einen ihrer Söhne den Namen Liudolf gegeben hätten. Bei dieser
Argumentation Hömbergs ist zwar die Einreihung des ca. 844 schon verstorbenen
Liudolf um eine Generation zu früh angesetzt, wie sich leicht zeigen
läßt; das ändert letztlich aber nichts daran, daß
sein Argument doch stichhaltig ist. Auch wenn erst Cobbo
des Jüngeren - und nicht schon Cobbos des Älteren - einen
Bruder Liudolf (+ ca. 844) hatte, ist die Erklärung des Liudolf-Namens
bei den EGBERTINERN/COBBONEN die Verheiratung
der von S. Krüger als EGBERTINERIN/COBBONIN
postulierten Oda mit Herzog Liudolf (+ 866) nicht mehr ausreichend.
786
oo Ida die Heilige, Tochter des Königs Karlmann
- um 814
Kinder:
Warin Abt von Corvey (826-856)
um 800-20.9.856
Ida die Jüngere
-
oo 2. Asig I.
-
Addila
- vor
858
oo Bunicho
-
Cobbo der Ältere
um 790- vor 13.6.858
Literatur:
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Beumann, Helmut: Die Ottonen, Verlag W. Kohlhammer,
1991 Seite 23 - Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen
Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band I Seite 142,352
- Glocker, Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung
in der Politik, Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 255 - Hlawitschka,
Eduard: Zur Herkunft der Liudolfinger und zu einigen Corveyer Geschichtsquelle,
in Stirps Regia von Eduard Hlawitschka, Verlag Peter Lang Frankfurt am
Main Seite 147-150 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen
Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 36,480
- Jakobi, Franz-Josef: Zur Frage der Nachkommen der heiligen Ida
und der Neuorientierung des sächsischen Adels in der Karolingerzeit,
in: Jaszai, Geza (Hg): Heilige Ida von Herzfeld, 980-1980, Festschrift
zur Tausendjährigen Wiederkehr ihrer Heiligsprechung, Münster
1980, Seite 53-63 - Krüger, Sabine: Studien zur Sächsischen
Grafschaftsverfassung im 9. Jahrhundert, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen
1950 Veröffentlichung der Historischen Kommission für Hannover
Seite 71-79 -