Ida die Heilige
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um 770/75- um 814
 

Begraben: Herzfeld
 

Eventuell Tochter des Franken-Königs Karlmann
Nach Hlawitschka Tochter eines unbekannten fränkischen Grafen und der Gerberga, Witwe von König Karlmann
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 322
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Ida von Herzfeld
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     + vielleicht gegen 825

Heilige (Fest: Münster 24. September, Werden 26. November, Herzfeld an beiden Tagen)

Gemahlin Egberts (+ vor 820), dux der Sachsen zwischen Rhein und Weser; verwandt mit den KAROLINGERN und den großen sächsischen Familien des 9. Jh.; die Einzelnachweise blieben hypothetisch. Eine Vita schrieb der Werdener Mönch Uffing anläßlich der 980 erfolgten Translation aus der Grablege  in die von Ida und Egbert gestiftete Kirche (S. Maria und S. Germanus). Die Stiftung geriet in liudolfingischen, gegen 900 in Werdener Besitz, war nie Kloster und wurde lange vernachlässigt, was die Nachrichtenarmut der späteren Vita erklären mag. Egbert erkrankte auf einem Aquitanienzug KARLS DES GROSSEN und wurde in Idas Familie gesund gepflegt, heiratete dann Ida mit KARLS Zustimmung, der ihn zum Dux erhob und beschenkte. Kinder sind nicht durch die Vita, sondern durch andere Quellen bezeugt; doch behauptete die Vita keine strikte Enthaltsamkeit des Paares. Als Witwe hat die asketisch lebende Ida sich der Armenfürsorge gewidmet. Postume Wunder bewirkten die Erhebung der Gebeine.

Literatur:
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Vita: R. Wilmans, Die Kaiserurkk. der Prov. Westfalen I, 1867, 469-488; dt. Überse. A. Ahlke (I. v. H. Fschr. zur 100jährigen Wiederkehr ihrer Heiligsprechung, hg. G. Jaszal, 1980) - B. Kasten, Adalhard v. Corbie, 1986 [Genealog. Exkurse].


Während nun die einen Ida für die Schwester-Tochter Adalhards und Walas halten, will sie K A. Eckhardt zur Tochter Karlmanns und Nichte KARLS DES GROSSEN machen. Beide Möglichkeiten scheiden höchstwahrscheinlich aus, obwohl KAROLINGER-Abkunft wahrscheinlich ist.
Sie war die Enkelin des fränkischen Grafen am Mittelrhein Theodulf und der Ida und durch einen ihrer Söhne Liudolf (+ 785), Folcleich oder Nandolf wurde die Verwandtschaft zwischen EKBERTINERN und LIUDOLFINGERN hergestellt.
Im Jahre 980 wurde ein Teil der Gebeine der heiligen Ida aus Herzfeld, dem Erbgut ihres Gemahls, nach Werden, ihrem Vaterland Ripuarien überbracht.

Jakobi Franz-Josef: Seite 53
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"Zur Frage der Nachkommen der heiligen Ida und der Neuorientierung des sächsischen Adels in der Karolingerzeit"

Die heilige Ida von Herzfeld, fränkische Grafentochter und KAROLINGER-Verwandte, Gemahlin des Grafen Ekbert, der von KARL DEM GROSSEN zum Herzog aller Sachsen zwischen Rhein und Weser gemacht wurde, die Gründerin und spätere Hauptpatronin der Kirche in Herzfeld gehörte zweifellos zu den bedeutendsten Frauengestalten der Zeit um 800 im sächsisch-fränkischen Norden des KAROLINGER-Reiches. Sie gilt nämlich nicht nur als 'Stammutter' der im 9. Jh. in Sachsen mächtigen Adelssippe der 'EKBERTINER', sondern als ihre Nachfahren werden von verschiedenen Geschichtsforschern auch Zweige mehrerer anderer bedeutender Geschlechter angesehen: der 'BILLUNGER', der älteren BABENBERGER und vor allem der 'LIUDOLFINGER', die in der 4. oder 5. Generation nach Ida in der Person HEINRICHS I. zur Königsherrschaft im ostfränkisch-deutschen Reich aufstiegen.

Glocker, Winfrid: Seite 255
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

Die moderne Forschung äußerte immer wieder die Vermutung, die LIUDOLFINGER des 9. Jahrhunderts ständen mit den EKBERTINERN (nach einem anderen leitnamen auch COBBONEN genannt) in verwandtschaftlicher Beziehung. Bei diesen EKBERTINERN handelts es sich um die Nachkommenschaft eines Vertrauten KARLS DES GROSSEN namens Ekbert. Dieser pflegte eine vornehme Dame, die heilige Ida, durfte sie schließlich heiraten und erhielt von KARL DEM GROSSENin einem Teil Sachsens eine herzogliche Stellung übertragen(vgl. zu diesen Zusammenhängen Krüger, Grafschaftsverfassung Seite 77f., Hlawitschka, Herkunft Seite 147-150, sowie den Forschungsstand referierend Jakobi, Nachkommen passim).
Hömberg, einer der besten Kenner der sächssichen Grafschaftsverfassung in der Zeit des 9. Jahrhunderts, sah Comitate Seite 122ff. in diesem Ekbert, dem Vertrauten KARLS DES GROSSEN, und seiner Gemahlin Ida die direkten Großeltern des Liudolf dux. Diese Ansicht begründete er mit dem Besitz des alten Königshofes Herzfeld, den man zuerst in den Händen Ekberts nachweisen kann, und der sich dann in den Händen Herzog Ottos des Erlauchten, des Sohnes unseres Liudolf dux findet. Doch hat Hömberg übersehen, daß die skizzierte Besitzfolge bei dem Königshof Herzfeld nicht unbedingt durch Erbfolge bewerkstelligt sein muß, sondern auch auf dem Weg der Belehnung erfolgt sein könnte. Da aber der Name "Ekbert" unter dem Namensgut, das wir bei den Kindern des Liudolf dux finden, entgegen einer früheren Vermutung nicht nachgewiesen werdden kann, können wir eine agnatische Verwandtschaft zwischen den LIUDOLFINGERN  und EKBERTINERN mit Sicherheit ausschließen. Ein gewisser verwandtschaftlicher Konnex muß aber bestanden haben, da sich der Name Liudolf unter den Ekbert-Kindern findet.

Hlawitschka, Eduard: Seite 147-150
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"Zur Herkunft der Liudolfinger und zu einigen Corveyer Geschichtsquelle"

Die sogenannten EGBERTINER/COBBONEN stellen - das muß zur Erklärung hier kurz eingefügt werden - einen Verwandtenkreis dar, der von dem Vertrauten KARLS DES GROSSEN namens Egbert abstammt. Eine erste wichtige Nachricht über sie können wir der von dem Werdener Mönch Uffing 980 anläßlich der Erhebung der Gebeine der hl. Ida verfaßten Vita dieser Heiligen entnehmen. KARL DER GROSSE soll hiernach dem Grafen Egbert - nachdem jener mit anderen Edlen bei einem Heereszug zur Niederwerfung von Aufständischen aus den O-Gebieten nach "Gallin" gekommen, dort aber schwer erkrankt und durch die Pflege der hl. Ida, einer hochedlen Dame ex regali scilicet indole sanctarum virginum Odiliae et Gertrudae filiae (regis) Pipini, wieder geheilt worden - die Zustimmung zur Verheiratung mit Ida gewährt haben und ihn auch im Zusammenhang mit dieser Heirat cunctis Saxonibus, qui inter Hrenum et Wisaram inhabitant, zum dux gegeben haben. In Herzfeld an der Lippe habe Ida schließlich auf Besitztum ihres Gatten einen oratorium bzw. eine lapidea basilica gegründet, und dort seien sowohl Egbert als auch sie nach ihrem Tod bestattet worden. Aus der bereits 862-875 in Corvey entstandenen Translatio S. Pusiennae geht nun hervor, daß derAbt Warin (826-856) ein Sohn Egberts und Idas gewesen ist: Warinus, nobilissimo genere propagatus: fuit enim genitus Echberto clarissimo comite et duce, matre splendidissima nomine Ida.
Daß die karolingischen Beziehungen der in dieser Tafel nunmehr deutlicher vor uns stehenden Äbtissin Haduwy von Herford nicht über den ungenannten Gemahl (NNm) der Schwester des Abtes Warin und des älteren Grafen Cobbo (NNf) gelaufen sein können, erhellt sich schon daraus, daß dieser Gemahl in der Translatio S. Pusinnae als vir spectabilis et valde inclytus beschrieben ist, während bei Warin - und das heißt damit auch bei seiner Schwester - von nobilissimo genere die Rede ist und Egbert und Ida mit den Epitheta clarissimus und splendidissima bezeichnet sind; auch wird ja die Vita S. Idae mit ihrer Angabe, daß Ida summo inter suos loco nata gewesen sei, und zwar "aus der königlichen Art der heiligen Jungfrau Odilia und Geretrud, Tochter Pippins des Älteren, recht deutlich. Die KAROLINGER-Verwandtschaft ist also über Egbert und Ida zu suchen und - da Egbert Sachse und nur Ida Fränkin (wie die KAROLINGER) war - wiederum nur über Ida zu erklären.
Die Frage lautet also nunmehr: In welcher Weise ist Ida in die Genealogie der KAROLINGER einzugliedern? Die Angabe der Translatio S. Pusinnae, daß Haduwy von Herford tertio quartoque cognationis gradu mit KARL DEM KAHLEN verwandt war, zwingt uns dazu, drei Generationen vor KARL DEM KAHLEN und vier Generationen vor Haduwy zurückzugehen, um auf den gemeinsamen Ahnen zu stoßen. (Die drei Generationen auf der Seite KARLS DES KAHLEN und nicht auf der Haduwys zu suchen, ist schon deshalb naheliegend, weil KARL DER KAHLE das letzte Kind erst der zweiten Ehe LUDWIGS DES FROMMEN war und letzterer auch erst als 5. Kind KARLS DES GROSSEN und Hildegards zur Welt kam, so daß die normale Geburtenfolge auf der KAROLINGER-Seite etwas überdehnt ist. Das aber führt uns auf König Pippin als den vermutbaren gemeinsamen Ahnen [Von diesen Vorfahren KARLS DES KAHLEN können nur König Pippin und seine Gemahlin Bertrada das Bindeglied zu Ida in der Vorfahrenschaft der Äbtissin Haduwy von Herford gewesen sein, weil uns Gerold und Imma ins Rhein-Main-Gebiet und nach Alemannien, die Eltern Welfs in das bayerisch-schwäbische Stammesgrenzgebiet und Eilwigis/Heilwichs Eltern nach Sachsen verweisen, Ida aber in Gallia aufwuchs (vgl. oben Seite 147). Bisher pflegte man allerdings Ida zumeist als Tochter der Äbtissin Theodrada von Soissons (Schwester der Äbte Adalhard und Wala) anzusehen, die ihrerseits eine Enkelin Karl Martells (durch des letzteren Sohn Bernhard) gewesen ist; so etwa Hüsing, Die Genealogie der hl. Ida, in: Zeitschr. f. vaterländ. Gesch. u. Altertumskunde (Westfalen) Band 38, 1880, Seite 10; zuletzt H.W. Krumwiede; Das Stift Fischbeck a.d. Weser, 1955, Seite 49,51,53 und besonders Seite 56f., auch Tafel am Schluß des Bandes. A.K. Hömberg, Werls Stellung und Bedeutung, in: ders., Zwischen Rhein und Weser, 1967, Seite 39, faßte seine Auffassung in folgenden Worten zusammen: "Diese Ida entstammte einem Geschlecht, das zu den edelsten des fränkischen Reiches gehörte. Ihr Vater war, wie wir aus den Namen ihrer Kinder erschließen können, ein Angehöriger des Hauses der WARINIDEN, eines burgundisch-schwäbischen Geschlechtes, das seit dem 7. Jahrhundert in der Auvergne, im Rhone- und Saonetal und in der Schweiz eine bedeutende Rolle spielte; ihre Mutter war aber höchstwahrscheinlich eine Schwester oder Cousine von Adalhard und Wala, den Gründern der Abtei Corvey im Wesertal, die einer Nebenlinie des karolingischen Hauses entstammten."]. Und das wiederum bedeutet, daß Ida eines der Geschwister KARLS DES GROSSEN als einen Elternteil hatte. KARLS DES GROSSEN Geschwister hießen: König Karlmann, Gisela, Pippin, Rothaid und Adelheid. Davon verstarben Pippin, Rothaid und Adelheid im Kindesalter, Gisela hingegen - in ihrer Kindheit von zwei Herrscherhäusern (Byzanz und Pavia) umfreit - wählte noch in jugendlichen Jahren (a puellaribus annis) den Schleier und wurde Äbtissin des Klosters Chelles bei Paris. Somit verbleibt - falls man nicht an einen bislang unbekannten unehelichen Sohn Pippins oder eine unbekannte uneheliche Tochter dieses Königs denken will - nur König Karlmann, der am 4.12.771 verstarb, als möglicher karolingischer Elternteil Idas. Von Karlmann wissen wir, daß er mit einer gewissen Gerberga verheiratet war und zwei Kinder zurückließ [Annales Mettenses priores ad 771, MG SS rer. Germ., ed. B. v. Simon, 1905, Seite 58: Gerberga vero uxor Carolomanni cum duobus parvulis et paucis principibus de parte coniugis sui Carolomanni Italiam petiit.]. Von diesen beiden Kindern ist bisher - auf Grund der Annales Petaviani - nur eines, mit Namen Pippin, bekannt. Nach den vorausgegangenen Überlegungen - akzeptiert man sie - darf man nunmehr noch Ida hinzufügen.
In der ihr gewidmeten Lebensbeschreibung wird Ida als unica filia eines comes bezeichnet, der auch zu den summis primatibus KARLS DES GROSSEN zählte, ja, die Eltern Idas hätten zur Verheiratung - ebenso wie KARL DER GROSSE - die Zustimmung gegeben. Das aber kann auf den 771 gestorbenen Karlmann nicht zutreffen! Will man nicht - wieschon erwähnt - an ein bislang unbekanntes uneheliches Kind König Pippins denken, das an Stelle Karlmanns das Bindeglied zwischen KAROLINGERN und EGBERTINERN/COBBONEN darstellt, und auch nicht andere abwegige Hypothesen lancieren, die wiederum zu anderen Quellen in Widerspruch stehen [Die ältere Auffassung, Idasei eine Schwester Adalhards und Walas gewesen, die man schon bei Falke (vgl. oben Anm. 147) und ältere Autoren des 18. und 19. Jahrhunderts findet - vgl. etwa A. Chr. Wedekind, Noten zu einigen Geschichtsschreibern des deutschen Mittelalters I, 1821; Seite 142f., oder die Kommentierung der Vita S. Idae in MG SS II Seite 570 - wird schon durch die klaren Angaben des Paschasius Radbertus, Vita Adalhardi c. 61, Migne PL 120, Spalte 1539, ebde c. 32f., Spalte 1525f., widerlegt. Paschasius nennt nur Adalhard, Wala, Gundrada, Bernarius und Theodrada als Kinder des Grafen Bernhard (des Bruders König Pippins) und spricht ausdrücklich nur von quinque unius viri semine propageti; vgl. zu dieser Familie jetzt besonders L. Weinrich, Wala, Graf. Mönch und Rebell, 1963, Seite 11ff. - Die Herleitung Idas von Bernhards Tochter Theodrada, die zur Zeit üblich ist (vgl. Anm. 242), scheitert hingegen daran, daß Ida - wie wir aus ihrer Vita erfahren - die einzige Tochter (unica filia) gewesen ist, Theodora aber zumindestr auch noch eine Tochter Imma hatt; vgl. die belege bei L. Weinrich, a.a.O. Seite 14 Anm. 35. Zudem stimmt für beide genannten Herleitungen, die den gemeinsamen Ahnen bei Karl Martell vorausetzen, die Zählung tertio quartoque cognationis gradu aus der Translatio S. Pusinnae nicht!
Die These von H. Böriger, Die Brunonen, 1865, Seite 22 ff., die 1902 von E. Frhr. v. Uslar-Gleichen, Das Geschlecht Wittekinds (wie Anm. 233) Seite 29ff wieder aufgegriffen wurde und nach der Ida eine Tochter des Grafen Theoderich vom Ripuariergau gewesen sein soll, ist bereits von S. Abel-Simson, Jahrbücher Karls des Großen I, 2. Auflage 1888 Seite 430 Anm. 2, zurückgewiesen worden. Sie scheitert vor allem daran, daß Graf Theoderich bzw. seine Vorfahren nicht zu den direkten Ahnen der KAROLINGER (sondern nur zu deren Seitenverwandten) gehörten und folglich über ihn die Quellenangabe der Translatio S. Pusinnae aber nicht zu verifizieren ist. Zu Theoderich und seinen Vorfahren vgl. E. Hlawitschka, Die Vorfahren Karls d. Gr. (wie Anm. 243) Seite 76ff. nr. 26 und Stammtafel nach Seite 72.
W. Metz, Heinrich mit dem goldenen Wagen (wie Anm. 202) Seite 143ff., möchte die Verwandtschaft der EGBERTINER/COBBONEN mit den KAROLINGERN in ganz anderer Weise erklären, und zwar über die WELFEN. Er möchte Eigilwigi/Heilwich, die Gemahlin des Grafen Welf und Mutter der zweiten Gemahlin LUDWIGS DES FROMMEN namens Judith, und Graf Egbert als Geschwister (evt. auch als Cousin und Cousine) auffassen. Die Verwandtschaft Haduwys von Herford mit KARL DEM KAHLEN wird also über KARLS Mutter Judith aufzurollen versucht. Das aber läßt sich mit der Translatio S. Pusinnae insofern nicht vereinbaren, als von Äbtissin Haduwy über die unbekannte Schwester Warins zu Egbert und weiter zu dessen unbekannten Eltern NN drei Schritte zu zählen sind und von KARL DEM KAHLEN über seine Mutter Judith und deren Mutter Eigilwi/Heilwich zu den beiden Linien gemeinsamen Stammeltern NN wiederum nur drei Schritte. Erforderlich ist aber die Zählbarkeit tertio quartoque cognationis gradu. (Geht man einen Schritt weiter zurück und wollte man die etwa zur gleichen Zeit lebenden Egbert und Heilwich nur als Cousin und Cousine werten, so hieße die Zählung 4 : 4, nicht aber 3 : 4). Zudem sind die wenigen beigebrachten Argumente für eine Verwandtschaft der EGBERTINER/COBBONEN mit den WELFEN nicht überzeugebnd, was aber hier nicht weiter zu behandeln ist. Außerdem sind die oben Seite 150 angeführten Argumente für die Notwendigkeit der Rekonstruktion der Verwandtschaft Haduwys mit KARL DEM KAHLEN über Ida - und nicht über Egbert - übergangen!], so bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, daß sich Karlmanns Witwe Gerberga wiederverheiratete und daß dieser Graf, in dessen Haus Egbert von Ida gesundgepflegt wurde, lediglich Idas Stiefvater gewesen ist [In der Vita S. Idae wird nie vom pater das gesprochen, wir hören nur vom favor parentum zu Idas Ehe und daß Ida praefacto comiti ... unica filia gewesen ist..]. Gerade diese Sicht, so überraschend sie auf den ersten Blick wirken mag, hat aber auch einen Vorzug: sie vermag zu erklären, washalb KARL DER GROSSE seinen assensus zur Ehe Idas mit Egbert zu geben hatte. Nach Karlmanns Tode mußte ja die Vormundschaft über seine zurückgelassenen Kinder an den nächsten männlichen Schwertmaghen, d. h. an seinen Bruder KARL DEN GROSSEN, fallen. KARL DER GROSSE steht mit seiner Mitwirkung bei der Verheiratung Idas also an seines Brders Statt; eine einleuchtendere Erklärung für die Nachricht kann es wohl kaum geben. Bislang wurde diese Stelle der Vita regelmäßig unerklärt übergangen; das ist nun nicht mehr notwendig; im Gegenteil: sie vermag jetzt in einzigartiger Weise die komplizierte Frage der Herkunft Idas zu erhellen.
Die EGBERTINER/COBBONEN waren aber auch - wie schon seit längerem erkannt ist - Verwandte der LIUDOLFINGER/ OTTONEN. Vor allem haben dies S. Krüger und K.A. Hömerg deutlich zu machen versucht, wenngleich auf unterschiedliche Weise. S. Krüger - noch auf die erst neuerdings als Fälschung des 11. Jahrhunderts erkannte Querimonia Egilmari aufbauend, in der eine namentlich ungenannte Schwester Abt Warins von Coryey als Äbtissin von Herford erscheint, welche sich wiederum nur als die ca. 853-858 einzureihende Äbtissin verstehen ließ, und diese ungenannte Mutter identifizierend - setzte die Äbtissin Addila von Herford mit Aeda, der Mutter Herzog Liudolfs (+ 866) Gemahlin Oda, gleich und erklärte die LIUDOLFINGER/OTTONEN damit zu direkten Nachkommen Egberts und Idas über zwei Frauenlinien. Freilich war damit nicht Herzog Liudolf (+ 866), sondern seine Gemahlin Oda als Bindeglied zu Egbert und Ida postuliert. K.A. Hömberg bestritt die Richtigkeit dieser Sicht - und das gewiß zu Recht. Er wies darauf hin, daß der Konnex zwischen EGBERTINERN/COBBONEN und LIUDOLFINGERN nicht erst durch die Ehe Liudolfs und Odas (als Enkelin Egberts und Idas durch Aeda/Addila von Herford) zustandegekommen sein kann, da - nach der Corveyer Tradition A §126 (= B § 350) - bereits der ältere Cobbo einen um 844 verstorbenen Bruder Liudolf gehabt habe, also bereits Egbert und Ida einen ihrer Söhne den Namen Liudolf gegeben hätten. Bei dieser Argumentation Hömbergs ist zwar die Einreihung des ca. 844 schon verstorbenen Liudolf um eine Generation zu früh angesetzt, wie sich leicht zeigen läßt; das ändert letztlich aber nichts daran, daß sein Argument doch stichhaltig ist. Auch wenn erst Cobbo des Jüngeren - und nicht schon Cobbos des Älteren - einen Bruder Liudolf (+ ca. 844) hatte, ist die Erklärung des Liudolf-Namens bei den EGBERTINERN/COBBONEN die Verheiratung der von S. Krüger als EGBERTINERIN/COBBONIN postulierten Oda mit Herzog Liudolf (+ 866) nicht mehr ausreichend.
 
 
 
 

 786
  oo Ekbert Dux der Sachsen
       um 756- nach 811
 
 
 
 

Kinder:

  Warin Abt von Corvey (826-856)
  um 800-20.9.856

  Ida die Jüngere
       -

  oo 2. Asig I.
                 -

  Addila
         - vor 858

  oo Bunicho
             -

  Cobbo der Ältere
  um 790- vor 13.6.858
 
 
 
 

Literatur:
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Beumann, Helmut: Die Ottonen, Verlag W. Kohlhammer, 1991 Seite 23 - Glocker, Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik, Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 255 - Hlawitschka, Eduard: Zur Herkunft der Liudolfinger und zu einigen Corveyer Geschichtsquelle, in Stirps Regia von Eduard Hlawitschka, Verlag Peter Lang Frankfurt am Main Seite 147-150 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 480 - Jakobi, Franz-Josef: Zur Frage der Nachkommen der heiligen Ida und der Neuorientierung des sächsischen Adels in der Karolingerzeit, in: Jaszai, Geza (Hg): Heilige Ida von Herzfeld, 980-1980, Festschrift zur Tausendjährigen Wiederkehr ihrer Heiligsprechung, Münster 1980, Seite 53-63 - Krüger, Sabine: Studien zur Sächsischen Grafschaftsverfassung im 9. Jahrhundert, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1950 Veröffentlichung der Historischen Kommission für Hannover Seite 71-79 -
 
 
 
 
 


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