Einziger Sohn des Hausmeiers Erchinoald
und der
Leutsind
Werner Karl Ferdinand: Seite 357
********************
"Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000."
Die unzufriedenen neustrischen Großen ließen deswegen im Jahr 675 Childerich II. - der einen Angehörigen des hohen Adels entehrend hatte schlagen lassen - und seine schwangere Gemahlin im Forst von Brotonne nahe Rouen ermorden. Danach erhoben sie Leudesius zum Hausmeier, und Wulfoald floh nach Austrien. Die günstige Gelegenheit nützte Ebroin, um sein Exil zu verlassen. Unterstützt durch Bischof Audoin von Rouen, übernahm er erneut die Herrschaft. Vor allem in Burgund mußten viele hohe Geistliche in die Verbannung gehen, Leudesius und Warin wurden ermordet.
Ewig Eugen: Seite 149,153,166
**********
"Die Merowinger und das Frankenreich."
Erchinoald überlebte den König nur kurze
Zeit. Er starb vor 660 und wurde von Eligius "aus Barmherzigkeit"
bestattet, vermutlich in Peronne. Bei der Nachfolge im Hausmeieramt wurde
sein Sohn
Leudesius übergangen.
Gewiß hatte die Regentin Balthild
ihre
Hand im Spiel, als die Franken nach dem Tod Erchinoalds
(vor 660,
vielleicht 657/58) nach langem Schwanken nicht dessen Sohn
Leudesius,
sondern Ebroin, einen Franken aus dem Soissonnais, zum Hausmeier
erhoben.
Der Hausmeier Wulfoald, dessen Autorität
in Neustroburgund allein auf dem König beruhte, zog sich nach dem
Königsmord fluchtartig auf Auster zurück. Leodegar und
Ebroin,
die sich im Exil angeblich versöhnt hatten, verließen Luxeuil.
Leodgars
Bruder, der Graf Gairenus/Warin von Paris, dürfte gemeinsam
mit Audoin von Rouen den bereits 673 von Ebroin proklamierten
Königs-Bruder Theuderich
aus St. Denis eingeholt und als König Neustroburgunds restituiert
haben. Zum Hausmeier erhoben wurde jedoch nicht Ebroin, sondern
Leudesius,
der Sohn Erchinoalds. Diese Entscheidung führte zu einem
neuen Bruch mit Ebroin.
Die Partei des falschen Chlodwig,
die sich aus Großen beider Teilreiche rekrutierte, sollte sich bald
auflösen. Ebroin nutzte sie nur, um die Partei Leodegars
in Neustroburgund auszuschalten. Mit Hilfe der Austrasier griff er den
in Nogent residierenden Königshof überraschend an, verfolgte
die Fliehenden über die Oise zur Somme, legte in Baizieux die Hand
auf den Königsschatz und in Crecy-en-Ponthieu bei der Mündung
der Somme die Hand auf den König. Leudesius wurde hingerichtet,
Ebroin
trat an seine Stelle.
Dahn Felix: Seite 466,479
**********
"Die Franken."
Im folgenden Jahr entscheidet der König einen Streit
zwischen der Kirche von Rouen und dem Kloster von Saint Denis über
einen Hof, der ehedem dem Major domus Erchinoald verliehen, jetzt
von dessen Sohn Leudesius besessen war, in der Weise, daß
jede Partei die Hälfte davon erhielt.
Mit Mühe entkam Wulfoald durch Flucht nach
Auster. Sofort wurde Leodegar aus dem Kloster geholt und er und
sein Bruder Gairinus waren es vor allem, welche die Wahl eines neuen
Hausmeier für ("das Palatium") Burgund betrieben und auf Leudesius,
den Sohn Erchinoalds, lenkten.
Es enstanden (obwohl die von Leudesius und Leodegar
geführten
Adelsgruppen Theuderich II. aus dem
Kloster holten und zum König von Burgund und Neuster erhoben, namentlich
aber bevor dies geschehen konnte) solch Wirren in diesen beiden Reichen,
"daß man meinte, es stehe das Erscheinen des Antichrist auf Erden
bevor".
Leudesius entkam mit König Theuderich.
Aber Ebroin verfolgte eifrig, erbeutete in der villa Bacio die königlichen
Schätze, verfolgte weiter bis Crisciacum, wo er König Theuderich
einholte, in seine Gewalt brachte und sofort - nicht etwa tötete,
sondern als seinen König und Herrn ehrte! Leudesius lockte
er durch listige Friedensvorschläge herbei, tötete ihn treulos
"und nahm nun mit klugem Geist wieder das Majordomus für sich."
Literatur:
-----------
Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899
Seite 466,479 - Ewig Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich.
W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1988 Seite 149,153,166,170
- Werner Karl Ferdinand: Die Ursprünge Frankreichs bis zum
Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
1995 Seite 357 -