Begraben: Herzfeld
Eventuell Tochter des Franken-Königs
Karlmann
Nach E. Hlawitschka Tochter eines unbekannten fränkischen
Grafen und der Gerberga,
Witwe von König Karlmann
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 322
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Ida von Herzfeld
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†
vielleicht gegen 825
Heilige (Fest: Münster 24. September, Werden 26. November, Herzfeld an beiden Tagen)
Gemahlin Egberts († vor 820), dux der Sachsen zwischen Rhein und Weser; verwandt mit den KAROLINGERN und den großen sächsischen Familien des 9. Jh.; die Einzelnachweise blieben hypothetisch. Eine Vita schrieb der Werdener Mönch Uffing anläßlich der 980 erfolgten Translation aus der Grablege in die von Ida und Egbert gestiftete Kirche (S. Maria und S. Germanus). Die Stiftung geriet in liudolfingischen, gegen 900 in Werdener Besitz, war nie Kloster und wurde lange vernachlässigt, was die Nachrichtenarmut der späteren Vita erklären mag. Egbert erkrankte auf einem Aquitanienzug KARLS DES GROSSEN und wurde in Idas Familie gesund gepflegt, heiratete dann Ida mit KARLS Zustimmung, der ihn zum Dux erhob und beschenkte. Kinder sind nicht durch die Vita, sondern durch andere Quellen bezeugt; doch behauptete die Vita keine strikte Enthaltsamkeit des Paares. Als Witwe hat die asketisch lebende Ida sich der Armenfürsorge gewidmet. Postume Wunder bewirkten die Erhebung der Gebeine.
Literatur:
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Vita: R. Wilmans, Die Kaiserurkk. der Prov. Westfalen
I, 1867, 469-488; dt. Überse. A. Ahlke (I. v. H. Fschr. zur 100jährigen
Wiederkehr ihrer Heiligsprechung, hg. G. Jaszal, 1980) - B. Kasten, Adalhard
v. Corbie, 1986 [Genealog. Exkurse].
Gedenktag katholisch: 4. September
Regionalkalender Münster, Paderborn
Name bedeutet: die Seherin (althochdt.)
Seherin, Wohltäterin
† 825
(oder 813?) in Herzfeld
Ida stiftete nach einem Traum um 790 die Kirche
von Herzfeld in Westfalen. In einer an die Kirche angebauten Klause lebte
sie nach dem Tod ihres Mannes, des Sachsen-Herzogs Egbert, in großer
Frömmigkeit mit Werken der Nächstenliebe bis zu ihrem Tod. Das
Volk bezeichnete sie als "Mutter der Armen". Eine spätmittelalterliche
Legende berichtet, wie ein von Jägern verfolgter Hirsch bei ihr Schutz
suchte.
Ida war die erste Heilige in Westfalen. Bischof Dodo erhob ihre Gebeine 980, damals fand der erste Umzug mit ihren Reliquien statt; bis heute wird die "Identracht" alljährlich in der Woche ab dem 4. September begangen und dabei der "Ida-Segen" erteilt. Idas Grablege in der zur Kapelle umgewidmeten Klause wurde eine bedeutene Wallfahrtsstätte. Schwangeren hilft der geweihte "Ida-Gürtel".
Attribute: Kirchenmodell, Hirsch
Patronin der Schwangeren
Biographisch-bibliographisches KirchenLexikon
Jakobi Franz-Josef: Seite 53
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"Zur Frage der Nachkommen der heiligen Ida und der Neuorientierung
des sächsischen Adels in der Karolingerzeit"
Die heilige Ida von Herzfeld, fränkische Grafen-Tochter und KAROLINGER-Verwandte, Gemahlin des Grafen Ekbert, der von KARL DEM GROSSEN zum Herzog aller Sachsen zwischen Rhein und Weser gemacht wurde, die Gründerin und spätere Hauptpatronin der Kirche in Herzfeld gehörte zweifellos zu den bedeutendsten Frauengestalten der Zeit um 800 im sächsisch-fränkischen Norden des KAROLINGER-Reiches. Sie gilt nämlich nicht nur als 'Stammutter' der im 9. Jh. in Sachsen mächtigen Adelssippe der 'EKBERTINER', sondern als ihre Nachfahren werden von verschiedenen Geschichtsforschern auch Zweige mehrerer anderer bedeutender Geschlechter angesehen: der 'BILLUNGER', der älteren BABENBERGER und vor allem der 'LIUDOLFINGER', die in der 4. oder 5. Generation nach Idain der Person HEINRICHS I. zur Königsherrschaft im ostfränkisch-deutschen Reich aufstiegen.
Glocker, Winfrid: Seite 255
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der
Politik"
Die moderne Forschung äußerte immer wieder
die Vermutung, die LIUDOLFINGER des
9. Jahrhunderts ständen mit den EKBERTINERN
(nach
einem anderen Leitnamen auch COBBONEN
genannt)
in verwandtschaftlicher Beziehung. Bei diesen EKBERTINERN
handelts
es sich um die Nachkommenschaft eines VertrautenKARLS
DES GROSSEN namens Ekbert. Dieser pflegte eine vornehme
Dame, die heilige Ida, durfte sie
schließlich heiraten und erhielt von KARL
DEM GROSSEN in einem Teil Sachsens eine herzogliche Stellung
übertragen (vgl. zu diesen Zusammenhängen Krüger, Grafschaftsverfassung
Seite 77f., Hlawitschka, Herkunft Seite 147-150, sowie den Forschungsstand
referierend Jakobi, Nachkommen passim).
Hömberg, einer der besten Kenner der sächsischen
Grafschaftsverfassung in der Zeit des 9. Jahrhunderts, sah Comitate Seite
122ff. in diesem Ekbert, dem Vertrauten KARLS
DES GROSSEN, und seiner Gemahlin Ida
die direkten Großeltern des Liudolf dux. Diese
Ansicht begründete er mit dem Besitz des alten Königshofes Herzfeld,
den man zuerst in den Händen Ekberts nachweisen kann, und der
sich dann in den Händen Herzog Ottos des Erlauchten, des Sohnes
unseres Liudolf dux findet. Doch hat Hömberg
übersehen, daß die skizzierte Besitzfolge bei dem Königshof
Herzfeld nicht unbedingt durch Erbfolge bewerkstelligt sein muß,
sondern auch auf dem Weg der Belehnung erfolgt sein könnte. Da aber
der Name "Ekbert" unter dem Namensgut, das wir bei den Kindern des
Liudolf dux finden, entgegen einer früheren Vermutung nicht
nachgewiesen werden kann, können wir eine agnatische Verwandtschaft
zwischen den
LIUDOLFINGERN und
EKBERTINERN mit Sicherheit ausschließen.
Ein gewisser verwandtschaftlicher Konnex muß aber bestanden haben,
da sich der Name Liudolf unter den Ekbert-Kindern findet.
Hlawitschka, Eduard: Seite 147-150
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"Zur Herkunft der Liudolfinger und zu einigen Corveyer
Geschichtsquelle"
Die sogenannten EGBERTINER/COBBONEN
stellen
- das muß zur Erklärung hier kurz eingefügt werden - einen
Verwandtenkreis dar, der von dem Vertrauten KARLS
DES GROSSEN namens Egbert abstammt. Eine erste wichtige
Nachricht über sie können wir der von dem Werdener Mönch
Uffing 980 anläßlich der Erhebung der Gebeine der heiligen
Ida verfaßten Vita dieser
Heiligen entnehmen. KARL DER GROSSE
soll hiernach dem Grafen Egbert - nachdem jener mit anderen Edlen
bei einem Heereszug zur Niederwerfung von Aufständischen aus den Ost-Gebieten
nach "Gallin" gekommen, dort aber schwer erkrankt und durch die Pflege
der heiligen Ida, einer hochedlen
Dame ex regali scilicet indole sanctarum virginum Odiliae et Gertrudae
filiae (regis) Pipini, wieder geheilt
worden - die Zustimmung zur Verheiratung mit Ida
gewährt haben und ihn auch im Zusammenhang mit dieser Heirat
cunctis
Saxonibus, qui inter Hrenum et Wisaram inhabitant, zum dux gegeben
haben. In Herzfeld an der Lippe habe Ida
schließlich auf Besitztum ihres Gatten einen oratorium bzw.
eine lapidea basilica gegründet, und dort seien sowohl
Egbert
als auch sie nach ihrem Tod bestattet worden. Aus der bereits 862-875
in Corvey entstandenen Translatio S. Pusiennae geht nun hervor, daß
der Abt Warin (826-856) ein Sohn Egberts und Idasgewesen
ist: Warinus, nobilissimo genere propagatus: fuit enim
genitus Echberto clarissimo comite et duce, matre splendidissima
nomine Ida.
Daß die karolingischen
Beziehungen der in dieser Tafel nunmehr deutlicher vor uns stehenden Äbtissin
Haduwy von Herford nicht über den ungenannten Gemahl (NNm) der
Schwester des Abtes Warin und des älteren Grafen
Cobbo (NNf) gelaufen sein können, erhellt sich schon daraus, daß
dieser Gemahl in der Translatio S. Pusinnae als vir spectabilis et valde
inclytus beschrieben ist, während bei Warin - und das heißt
damit auch bei seiner Schwester - von nobilissimo genere die Rede
ist und Egbert und Ida mit den
Epitheta clarissimus und splendidissima bezeichnet sind;
auch wird ja die Vita S. Idae mit ihrer Angabe, daß Idasummo
inter suos loco nata gewesen sei, und zwar "aus der königlichen
Art der heiligen Jungfrau Odilia und Geretrud,
Tochter Pippins des Älteren, recht
deutlich. Die KAROLINGER-Verwandtschaft
ist also über Egbert und Ida zu
suchen und - da Egbert Sachse und nur Ida
Fränkin (wie die KAROLINGER)
war - wiederum nur über Ida zu
erklären.
Die Frage lautet also nunmehr: In welcher Weise ist Idain
die Genealogie der KAROLINGER einzugliedern?
Die Angabe der Translatio S. Pusinnae, daß Haduwy von Herford
tertio
quartoque cognationis gradu mit KARL DEM KAHLEN
verwandt war, zwingt uns dazu, drei Generationen vor KARL
DEM KAHLEN und vier Generationen vor Haduwy zurückzugehen,
um auf den gemeinsamen Ahnen zu stoßen. (Die drei Generationen auf
der Seite KARLS DES KAHLEN
und nicht
auf der Haduwys zu suchen, ist schon deshalb naheliegend, weil KARL
DER KAHLE das letzte Kind erst der zweiten Ehe LUDWIGS
DES FROMMEN war und letzterer auch erst als 5. Kind KARLS
DES GROSSEN und Hildegards
zur Welt kam, so daß die normale Geburtenfolge auf der KAROLINGER-Seite
etwas überdehnt ist. Das aber führt uns auf König
Pippin
als den vermutbaren gemeinsamen Ahnen [Von diesen Vorfahren
KARLS
DES KAHLEN können nur König
Pippin und seine Gemahlin Bertrada
das Bindeglied zu Ida in der Vorfahrenschaft
der Äbtissin Haduwy von Herford gewesen sein, weil uns Gerold
und Imma
ins Rhein-Main-Gebiet und nach Alemannien, die Eltern Welfs in das
bayerisch-schwäbische Stammesgrenzgebiet und Eilwigis/Heilwichs
Eltern nach Sachsen verweisen,
Ida
aber in Gallia aufwuchs (vgl. oben Seite 147). Bisher pflegte man allerdings
Ida zumeist als Tochter der Äbtissin
Theodrada
von Soissons (Schwester der Äbte
Adalhard und Wala) anzusehen,
die ihrerseits eine Enkelin Karl
Martells (durch des letzteren Sohn Bernhard)
gewesen ist; so etwa Hüsing, Die Genealogie der hl. Ida, in: Zeitschr.
f. vaterländ. Gesch. u. Altertumskunde (Westfalen) Band 38, 1880,
Seite 10; zuletzt H.W. Krumwiede; Das Stift Fischbeck a.d. Weser, 1955,
Seite 49,51,53 und besonders Seite 56f., auch Tafel am Schluß des
Bandes. A.K. Hömberg, Werls Stellung und Bedeutung, in: ders., Zwischen
Rhein und Weser, 1967, Seite 39, faßte seine Auffassung in folgenden
Worten zusammen: "Diese Ida entstammte
einem Geschlecht, das zu den edelsten des fränkischen Reiches gehörte.
Ihr Vater war, wie wir aus den Namen ihrer Kinder erschließen können,
ein Angehöriger des Hauses der WARINIDEN, eines burgundisch-schwäbischen
Geschlechtes, das seit dem 7. Jahrhundert in der Auvergne, im Rhone- und
Saonetal und in der Schweiz eine bedeutende Rolle spielte; ihre Mutter
war aber höchstwahrscheinlich eine Schwester oder Cousine von
Adalhard
und Wala, den Gründern der Abtei Corvey im Wesertal,
die
einer Nebenlinie des karolingischen
Hauses entstammten."]. Und das wiederum bedeutet, daß Ida
eines der Geschwister KARLS DES GROSSEN
als einen Elternteil hatte. KARLS DES GROSSEN
Geschwister hießen: König Karlmann,
Gisela,
Pippin,
Rothaid
und Adelheid. Davon verstarben
Pippin, Rothaid und Adelheid
im Kindesalter, Gisela hingegen - in
ihrer Kindheit von zwei Herrscherhäusern (Byzanz und Pavia) umfreit
- wählte noch in jugendlichen Jahren (a puellaribus annis)
den Schleier und wurde Äbtissin des Klosters Chelles bei Paris.
Somit verbleibt - falls man nicht an einen bislang unbekannten unehelichen
Sohn
Pippins oder eine unbekannte uneheliche
Tochter dieses Königs denken will - nur König
Karlmann,
der am 4.12.771 verstarb, als möglicher karolingischer
Elternteil Idas. Von Karlmann
wissen
wir, daß er mit einer gewissen Gerberga
verheiratet
war und zwei Kinder zurückließ [Annales Mettenses priores ad
771, MG SS rer. Germ., ed. B. v. Simon, 1905, Seite 58: Gerberga
vero uxor Carolomanni cum duobus parvulis
et paucis principibus de parte coniugis sui Carolomanni
Italiam petiit.]. Von diesen beiden Kindern ist bisher - auf Grund
der Annales Petaviani - nur eines, mit Namen Pippin,
bekannt. Nach den vorausgegangenen Überlegungen - akzeptiert man sie
- darf man nunmehr noch Ida hinzufügen.
In der ihr gewidmeten Lebensbeschreibung wird Ida
als unica filia eines comes bezeichnet, der auch zu den summis
primatibus KARLS DES GROSSEN zählte,
ja, die Eltern Idas hätten zur
Verheiratung - ebenso wie KARL DER GROSSE
- die Zustimmung gegeben. Das aber kann auf den 771 gestorbenen Karlmann
nicht zutreffen! Will man nicht - wie schon erwähnt - an ein bislang
unbekanntes uneheliches Kind König
Pippins denken, das an Stelle Karlmanns
das
Bindeglied zwischen KAROLINGERN und
EGBERTINERN/COBBONEN
darstellt, und auch nicht andere abwegige Hypothesen lancieren, die wiederum
zu anderen Quellen in Widerspruch stehen [Die ältere Auffassung, Ida
sei
eine Schwester Adalhards und Walas gewesen,
die man schon bei Falke (vgl. oben Anm. 147) und ältere Autoren des
18. und 19. Jahrhunderts findet - vgl. etwa A. Chr. Wedekind, Noten zu
einigen Geschichtsschreibern des deutschen Mittelalters I, 1821; Seite
142f., oder die Kommentierung der Vita S. Idae in MG SS II Seite 570 -
wird schon durch die klaren Angaben des Paschasius Radbertus, Vita Adalhardi
c. 61, Migne PL 120, Spalte 1539, ebde c. 32f., Spalte 1525f., widerlegt.
Paschasius nennt nur Adalhard,
Wala,
Gundrada,
Bernarius
und Theodrada als Kinder des Grafen
Bernhard (des Bruders König
Pippins) und spricht ausdrücklich nur von quinque unius
viri semine propageti; vgl. zu dieser Familie jetzt besonders L. Weinrich,
Wala, Graf. Mönch und Rebell, 1963, Seite 11ff. - Die Herleitung Idas
von Bernhards
Tochter Theodrada, die zur Zeit üblich ist (vgl. Anm.
242), scheitert hingegen daran, daß Ida
- wie wir aus ihrer Vita erfahren - die einzige Tochter (unica
filia) gewesen ist, Theodora aber zumindest auch noch eine Tochter
Imma hatte; vgl. die Belege bei L. Weinrich, a.a.O. Seite 14 Anm. 35.
Zudem stimmt für beide genannten Herleitungen, die den gemeinsamen
Ahnen bei Karl Martell vorausetzen,
die Zählung
tertio quartoque cognationis gradu aus der Translatio
S. Pusinnae nicht!
Die These von H. Böriger, Die Brunonen, 1865, Seite
22 ff., die 1902 von E. Frhr. v. Uslar-Gleichen, Das Geschlecht Wittekinds
(wie Anm. 233) Seite 29ff wieder aufgegriffen wurde und nach der Idaeine
Tochter des Grafen Theoderich vom Ripuariergau gewesen sein soll,
ist bereits von S. Abel-Simson, Jahrbücher Karls des Großen
I, 2. Auflage 1888 Seite 430 Anm. 2, zurückgewiesen worden. Sie scheitert
vor allem daran, daß Graf Theoderich bzw. seine Vorfahren
nicht zu den direkten Ahnen der KAROLINGER
(sondern nur zu deren Seitenverwandten) gehörten und folglich über
ihn die Quellenangabe der Translatio S. Pusinnae aber nicht zu verifizieren
ist. Zu Theoderich und seinen Vorfahren vgl. E. Hlawitschka, Die
Vorfahren Karls d. Gr. (wie Anm. 243) Seite 76ff. nr. 26 und Stammtafel
nach Seite 72.
W. Metz, Heinrich mit dem goldenen Wagen (wie Anm. 202)
Seite 143ff., möchte die Verwandtschaft der EGBERTINER/COBBONEN
mit den KAROLINGERN in ganz anderer
Weise erklären, und zwar über die WELFEN.
Er möchte Eigilwigi/Heilwich, die Gemahlin des Grafen Welf
und
Mutter der zweiten Gemahlin LUDWIGS DES FROMMEN
namens Judith, und
Graf Egbert
als Geschwister (evt. auch als Cousin und Cousine) auffassen. Die Verwandtschaft
Haduwys
von Herford mit KARL DEM KAHLEN
wird also über KARLS Mutter Judith
aufzurollen versucht. Das aber läßt sich mit der Translatio
S. Pusinnae insofern nicht vereinbaren, als von Äbtissin Haduwy
über
die unbekannte Schwester Warins zu Egbert und weiter zu dessen
unbekannten Eltern NN drei Schritte zu zählen sind und von KARL
DEM KAHLEN über seine Mutter Judith
und deren Mutter Eigilwi/Heilwich zu den beiden Linien gemeinsamen
Stammeltern NN wiederum nur drei Schritte. Erforderlich ist aber die Zählbarkeit
tertio
quartoque cognationis gradu. (Geht man einen Schritt weiter zurück
und wollte man die etwa zur gleichen Zeit lebenden Egbert und Heilwich
nur
als Cousin und Cousine werten, so hieße die Zählung 4 : 4, nicht
aber 3 : 4). Zudem sind die wenigen beigebrachten Argumente für eine
Verwandtschaft der EGBERTINER/COBBONEN
mit den WELFEN nicht überzeugebnd,
was aber hier nicht weiter zu behandeln ist. Außerdem sind die oben
Seite 150 angeführten Argumente für die Notwendigkeit der Rekonstruktion
der Verwandtschaft Haduwys mit KARL DEM
KAHLEN
über Ida - und
nicht über Egbert - übergangen!], so bleibt eigentlich
nur die Möglichkeit, daß sich Karlmanns
Witwe Gerberga wiederverheiratete
und daß dieser Graf, in dessen Haus Egbert von Ida
gesundgepflegt
wurde, lediglich Idas
Stiefvater gewesen ist [In der Vita S. Idae wird nie vom pater
das gesprochen, wir hören nur vom favor parentum zuIdasEhe
und daß
Ida praefacto comiti
... unica filia gewesen ist..]. Gerade diese Sicht, so überraschend
sie auf den ersten Blick wirken mag, hat aber auch einen Vorzug: sie vermag
zu erklären, washalb KARL DER GROSSE
seinen assensus zur Ehe Idas
mit Egbert zu geben hatte. Nach Karlmanns
Tode mußte ja die Vormundschaft über seine zurückgelassenen
Kinder an den nächsten männlichen Schwertmagen, d. h. an seinen
Bruder KARL DEN GROSSEN, fallen. KARL
DER GROSSE steht mit seiner Mitwirkung bei der Verheiratung
Idasalso
an seines Bruders Statt; eine einleuchtendere Erklärung für die
Nachricht kann es wohl kaum geben. Bislang wurde diese Stelle der Vita
regelmäßig unerklärt übergangen; das ist nun nicht
mehr notwendig; im Gegenteil: sie vermag jetzt in einzigartiger Weise die
komplizierte Frage der Herkunft Idaszu
erhellen.
Die EGBERTINER/COBBONEN
waren aber auch - wie schon seit längerem erkannt ist - Verwandte
der LIUDOLFINGER/OTTONEN. Vor allem
haben dies S. Krüger und K.A. Hömberg deutlich zu machen versucht,
wenngleich auf unterschiedliche Weise. S. Krüger - noch auf die erst
neuerdings als Fälschung des 11. Jahrhunderts erkannte Querimonia
Egilmari aufbauend, in der eine namentlich ungenannte Schwester Abt
Warins von Coryey als Äbtissin von Herford erscheint, welche sich
wiederum nur als die ca. 853-858 einzureihende Äbtissin verstehen
ließ, und diese ungenannte Mutter identifizierend - setzte die Äbtissin
Addila von Herford mit Aeda, der Mutter Herzog Liudolfs
(† 866) Gemahlin Oda,
gleich und erklärte die LIUDOLFINGER/OTTONEN
damit
zu direkten Nachkommen Egberts und Idasüber
zwei Frauenlinien. Freilich war damit nicht Herzog Liudolf (†
866), sondern seine Gemahlin Oda als Bindeglied zu Egbert
und
Ida postuliert. K.A. Hömberg
bestritt die Richtigkeit dieser Sicht - und das gewiß zu Recht. Er
wies darauf hin, daß der Konnex zwischen
EGBERTINERN/COBBONEN
und LIUDOLFINGERN nicht erst durch
die Ehe Liudolfs und Odas (als Enkelin Egberts und
Idas
durch Aeda/Addila von Herford) zustandegekommen sein kann, da -
nach der Corveyer Tradition A §126 (= B § 350) - bereits der
ältere
Cobbo einen um 844 verstorbenen Bruder Liudolf gehabt habe,
also bereits Egbert und Ida
einen
ihrer Söhne den Namen Liudolf gegeben hätten. Bei dieser
Argumentation Hömbergs ist zwar die Einreihung des ca. 844 schon verstorbenen
Liudolf um eine Generation zu früh angesetzt, wie sich leicht
zeigen läßt; das ändert letztlich aber nichts daran, daß
sein Argument doch stichhaltig ist. Auch wenn erst
Cobbo des Jüngeren
- und nicht schon Cobbos des Älteren
- einen Bruder Liudolf
(†ca. 844) hatte, ist die Erklärung
des Liudolf-Namens bei den EGBERTINERN/COBBONEN
die Verheiratung der von S. Krüger als EGBERTINERIN/COBBONIN
postulierten
Oda mit Herzog Liudolf (†866)
nicht mehr ausreichend.
786
oo Ekbert Dux der Sachsen
um 756 †
nach 811
Kinder:
Warin Abt von Corvey (826-856)
um 800 † 20.9.856
Ida die Jüngere
†
oo 2. Asig I.
†
Addila
†
vor 858
oo Bunicho
†
Cobbo der Ältere
um 790 † vor
13.6.858
Literatur:
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Beumann, Helmut: Die Ottonen, Verlag W. Kohlhammer,
1991 Seite 23 - Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen
Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band I Seite142,349,352
- Eckhardt Karl August: Genealogische Funde zur allgemeinen Geschichte.
Deutschrechtlicher Instituts-Verlag Witzenhausen 1963 - Glocker,
Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik,
Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 255 - Hlawitschka,
Eduard: Zur Herkunft der Liudolfinger und zu einigen Corveyer Geschichtsquelle,
in Stirps Regia von Eduard Hlawitschka, Verlag Peter Lang Frankfurt am
Main Seite 147-150 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen
Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 480 -
Jakobi,
Franz-Josef: Zur Frage der Nachkommen der heiligen Ida und der Neuorientierung
des sächsischen Adels in der Karolingerzeit, in: Jaszai, Geza (Hg):
Heilige Ida von Herzfeld, 980-1980, Festschrift zur Tausendjährigen
Wiederkehr ihrer Heiligsprechung, Münster 1980, Seite 53-63 - Krüger,
Sabine: Studien zur Sächsischen Grafschaftsverfassung im 9. Jahrhundert,
Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1950 Veröffentlichung der
Historischen Kommission für Hannover Seite 71-79 -