Chimnechild                                   Königin der Franken
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um 630 nach 675
 

Tochter des N.N.
 

Schwennicke Detlev: Tafel 2
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

SIGIBERT III.
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* 630, + 1.II.656

König in METZ

  oo nach 646
      CHIMNECHILD
               +



Ewig Eugen: Seite 144,157,161
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"Die Merowinger"

Sigibert III. heiratete, als er 646 das Mündigkeitsalter von 15 Jahren erreicht hatte, Chimnechild, deren Familie leider nicht näher bekannt ist.
Balthilds jüngster Sohn Childerich, damals noch ein Knabe von sieben Jahren wurde zum König der austrasischen Franken erhoben und mit Sigiberts III. Tochter Bilichild verlobt. Die Regentschaft für das unmündige Königspaar übernahm Sigiberts Witwe Chimnechild. Dies alles geschah, wie ausdrücklich bezeugt, auf friedliche Weise.

Schneider, Reinhard: Seite 164
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"Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter"

Verschwiegen wird von dem Biographen der Königin des Westreiches, welche Rolle Austrasiens ebenfalls verwitwete Königin bei der Königsbestellung gespielt hat [547 Es handelt sich um Himnechilde, die Witwe Sigiberts III., die also eine Tante Childerichs II. war.]. Gemeinsam mit Childerich hat sie später Urkunden ausgestellt, die weniger auf einer Vormundschaft als vielmehr auf eine Mitregentschaft der Witwe Sigiberts III. und Tante Childerichs zwingend weisen. Die in der Geschichte der merowingischen Herrschaftsnachfolge so bewährte Form der Einheirat war wohl angesichts von Childerichs Jugend und wegen denkbarer rechtlicher Schranken nicht in Frage gekommen. Um eine modifizierte Form der Einheirat aber handelte es sich, als König Childerich später seiner Tante Himnechildes Tochter Bilichilde, seine eigene Kusine und die Schwester Dagoberts II., heiratete. Unterstellt man, daß diese Heirat schon 661/62 anvisiert worden ist, dann verliert die neustrische Einflußnahme auf Austrasiens Herrscherbestellung doch einiges von der hohen Bedeutung, die ihr aufgrund der Angaben aus der Vita Balthildis zugemessen worden ist.

Hartmann Martina: Seite 74,79
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"Aufbruch ins Mittelalter. Die Zeit der Merowinger.""

Im Alter von ca. 15 Jahren, wie bei den MEROWINGER-Königen üblich, heiratete Sigibert III. 645/46 Chimnechilde, über die wir nichts wissen. Die Ehe blieb in den folgenden Jahren kinderlos und möglicherweise war der König auch nicht sehr gesund, sodass der austrasische Adel eine Nachfolge seines "neustrischen" Halbbruders" Chlodwig II. fürchtete.
Wohl zwischen 650 und 655 gebar Chimnechilde dann doch noch zwei "Königskinder", nämlich Bilichild und Dagobert.
Nachdem der Hausmeier Grimoald in Austrasien Dagobert, den Sohn Sigiberts III. (639-656/57), durch Exilierung von der Nachfolge ausgeschaltet und seinen eigenen Sohn Childebertus adoptivus auf den Thron gesetzt hatte (siehe oben Seite 75), wäre es eigentlich naheliegend gewesen, nach dem Tod des Childebert den inzwischen nicht mehr so kleinen Dagobert aus Irland zurückzuholen und auf den austrischen Thron seines Großvaters Dagobert I. und seines Vaters Sigibert III. zu setzen. Doch die Großen Austriens wählten eine andere Lösung: Sie vermählten 662 in einer "Kinderheirat" Childerich, den jüngsten, um 655 geborenen (und damit dem irischen Dagobert etwa gleichaltrigen) Sohn des neustrischen Königs Chlodwig II. (639-657) mit seiner "neustrischen" Cousine Bilichild, der Tochter Sigiberts III. und Schwester Dagoberts. Bilichild war vermutlich etwas älter als der ungefähr sechsjährige Childerich II. (662/63-675), und ihre Mutter Chimnechilde übernahm die vormundschaftliche Regierung für ihren "kleinen Schwiegersohn", obwohl sie ja selbst einen Sohn geboren hatte, der König hätte werden können, nämlich Dagobert. Warum der austrasische Adel sich für diese Lösung entschied, ist unklar. Man hat vermutet, dies sei noch die Idee des dann von den Neustriern hingerichteten Grimoald gewesen.

Offergeld Thilo: Seite 255,268
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"Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter."

Neben ihnen waren die Königin-Witwen in entscheidendem Maße an den Verwicklungen beteiligt: vor allem Balthild, der es gelang, einen weiteren ihrer Söhne zum König erheben zu lassen, aber auch Chimnechild, die durch die Verlobung des neuen Königs Childerich II. mit ihrer kleinen Tochter Bilichild und die Übernehme der Regentschaft für das minderjährige Paar ihren Anteil an der Macht zu sichern wußte [688 Ihre Regentschaft wird durch ihre Unterzeichnung mehrere Königsurkunden Childerichs belegt; vgl. D Mer. 102 (664 VIII 1, zur Brauchbarkeit der Unterfertigung des Spuriums siehe unten Anm. 737); D 107 (669 III 1) und D 108 (670 IX 6), bei welch letzteren allerdings Interpolationsverdacht besteht; siehe unten Anm. 744. Per consilium Emnehilde regine ist außerdem ausgestellt D Mer. 99. Bedeutenden politischen Einfluß der Königin bezeugt die Passio Praeiecti c. 24, Seite 240, sogar noch für die Zeit um 675. Über Chimnechilds Herkunft ist nichts bekannt, doch genoß sie zweifellos die Unterstützung austrasischer Adelskreise; vgl. Stafford, Queens Seite 150, 155. Eine noch entscheidendere Rolle als in der oben wiedergehgebenen Deutung hat Chimnechild gespielt, wenn man dem Rekonstruktionsversuch von Wood, Kingdoms Seite 222-224, folgt. Er vermutet, Dagobert II. sei gar nicht Chimnechildes Sohn gewesen; sie habe als söhnelose Witwe die Vermählung ihrer Tochter mit Grimoalds Sohn Childebert arrangiert, um selbst als Königin-Mutter an der Macht bleiben zu können, und diese Aktion sei als die fragliche 'Adoption' des Childebertus adoptivus zu verstehen. Grimoald sei nach deer Königserhebung nicht mehr benötigt und von den Neustriern ausgeliefert worden; erst der Tod Childeberts habe dann den Ereignissen eine neue Richtung gegeben. - Neben Chimnechild besaß vor allem der dux Wulfoald Anteil an der Regierung Childerichs, vgl. Liber historiae Francorum c. 45, Seite 317 (Childericum itaque ... in Auster una  cum Vulfoaldo enim frater in Auster a Francis in regno elevatus est aput Vulfoaldum ducem), Vgl. Ewig, Teilreiche Seite 209f.; zur Person Wulfoalds und seiner Zugehörigkeit zu einer anti-pippinidischen Familie vgl. Ebling, Prosopographie Seite 241-244; Ewig, Merowinger Seite 162f. - Von einer "Kinderheirat" Childerichs und Bilichilds spricht Ewig, Namengebung Seite 66 (vgl. auch ebd. Seite 67), unter Bezug auf Dupraz, Essai Seite 556, wo allerdings nur die Datierung des Regierungsantritts behandelt wird; nach Ewig, Merowinger Seite 157, und Kölzer, Merowingerstudien 1, Seite 24, hättee sich zunächst um eine Verlobung gehandelt, die, so Ewig, Studien Seite 27, 670/71 vollzogen worden sei.]. Im Widerstreit dieser Interessen waren die Kindkönige nur jeweils Mittel zum Zweck.
Dieser Feststellung stehen lediglich zwei Diplome Childerichs II. entgegen, in denen neben dem König die faktische Regentin Chimnechild, im zweiten Fall außer dieser sogar noch drei weitere Personen als Aussteller fungieren. Theo Kölzer hat diese Irregularität jedoch bei beiden Stücken als Zutat späterer Interpolatoren erwiesen, die möglicherweise durch die in beiden Diplomen zu beobachtende Mit-Unterfertigung der Königin(nen) zu erklären [732 Es handelt sich um das zwar gefälschte, aber auf echter Grundlage beruhende D Mer. 102 mit Childericus rex et Chinechildis regina in der Intitulatio sowie D 108, in dem neben Childerich und Chimnechild noch seine Gattin Bilichild als gratia Dei(!) regina und die viri inlustri Gundoin und Hodo als Aussteller bezeichnet werden. Die beiden Großen dürften ursprünglich als Adressaten genannt worden und erst durch die spätere Übberarbeitung in die Intitulatio geraten sein (vgl. schon Bresslau, Handbuch 2, Seite 202 Anm. 1), wodurch sich dann wiederum die ganz irreguläre Unterfertigung durch das signum Gundoins erklären ließe; im Vergleich zur Nennung der Königinnen wäre es also der umgekehrte Vorgang. Vgl. die jeweiligen Vorbemerkungen in der Edition Kölzers sowie Kölzer, Merowingerstudien 1, Seite 24-26.].
 
 
 
 

  646
  oo Sigibert III. Franken-König
       629 1.2.656
 
 
 
 

Kinder:

  Dagobert II.
  652 23.12.679 ermordet

  Bilchilde
  um 650 675 ermordet

  oo Childerich II.
            675 ermordet
 
 
 
 

Literatur:
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Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Ewig, Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1993, Seite 144,157,161,165,183 - Hartmann Martina: Aufbruch ins Mittelalter. Die Zeit der Merowinger. Primus Verlag 2003 Seite 74, 77,79,167 - Jarnut, Jörg: Agilolfingerstudien. Anton Hirsemann Stuttgart 1986, Seite 109 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 255,268,269,271,273 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991, Seite 41 - Schieffer, Rudolf: Die Karolinger. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1992, Seite 22 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter. Anton Hirsemann Stuttgart 1972, Seite 164,228 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 2 -