Licinia Eudoxia                              Weströmische Kaiserin
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422 um 480
         Jerusalem
 

Älteste Tochter des Kaisers Theodosius II. von Byzanz und der Eudoxia Athenais, Tochter vom Rhetor Leontius
 

Thiele, Andreas: Tafel 489
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

LICINIA
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    nach 462

 437
  oo VALENTINIAN III., weströmischer Kaiser
             455 ermordet

 455
  oo PETRONIUS MAXIMUS, weströmischer Kaiser
             455



GROSSE FRAUEN DER WELTGESCHICHTE. Tausend Biographien in Wort und Bild.: Seite 161
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KAISERIN EUDOXIA
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422-463

Der Vandalen-König Geiserich, Herr des ersten unabhängigen Germanenreiches auf römischem Reichsboden, hatte seine Hauptstadt Karthago nach der Eroberung Roms mit zahllosen Statuen und Kunstschätzen geschmückt, die er aus Italien entführt hatte. Der kostbarste Schatz aber dünkte ihn die bildschöne, fünfunddreißigjährige Kaiserin Westroms zu sein, die mit ihren beiden Töchtern seine Gefangene geworden war. Eudoxia, die Tochter der byzantinischen Kaiserin Eudokia, einer gebürtigen Athenerin, war in jungen Jahren dem römischen Kaiser Valentinian III. vermählt worden und hatte in dem von der Völkerwanderung umtosten Rom die Schrecken eines wahren Weltuntergangs erlebt. Auch ihr eigenes Leben war zur Tragödie geworden. Ihr Gatte Valentinian erstach seinen Feldherrn Aetius, den "Heermeister" und Sieger über die Hunnen auf den Katalaunischen Feldern, als er für seinen Sohn eine Kaiser-Tochter zur Gemahlin begehrte; die rächenden Anhänger des Aetius erschlugen darauf unter Führung des Senators Petronius Maximus den Kaiser und zwangen Eudoxia, Maximus, den Mörder ihres Gatten, zu heiraten, der sich zum Kaiser ausrufen ließ. Gegen ihn rief Eudoxia den Vandalen-König Geiserich zu Hilfe, und Geiserich gewährte ihr und ihren Kindern "Schutzhaft". Während in Rom ein Kaiser nach dem anderen ermordet wurde, vermählte sich in Karthago Geiserichs Sohn Hunrich mit Eudoxias Tochter. Die Kaiserin, endlich aus der Haft entlassen, ging nach Jerusalem und ihre Tochter floh zu ihr, nachdem sie in Karthago ihrem Gemahl Hunrich den vandalischen Thronfolger geboren hatte. Doch das vandalische Mittelmeerreich hatte nicht lange Bestand; es versank schon ein Menschenalter später unter den Schlägen der oströmischen Macht.



Als Licinia Eudoxia von ihrem zweiten Gemahl dessen Anteil am Tode Valentinianus III. erfuhr, rief sie den Vanadalen-König Geiserich zu Hilfe. Dieser führte die Kaiserin mit ihren zwei Töchtern bei der Plünderung Roms 455 als Gefangene nach Karthago. Erst 462 bewog Kaiser Leo I. den Vandalen-König, die Kaiserin nach Konstantinopel zu entlassen.

Norwich John Julius: Band I Seite 184,186
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Petronius Maximus bestand darauf, unverzüglich die verwitwete Kaiserin Eudoxia zur Frau zu nehmen. Eudoxia, die inzwischen 37 Jahre alt und wie ihre Mutter eine der schönsten und in ihrem Wesen eindruckvollsten Frauen ihrer Zeit war, trauerte noch um ihren Mann, den sie offenbar trotz seiner Seitensprünge und Fehler aufrichtig geliebt hatte. Vor allem aber graute ihr davor, sich gegen ihren Willen mit einem verbrauchten, fast doppelt so alten Mann zu vermählen. Da sie wußte, daß ein Einspruch in Konstantinopel ziemlich sicher ungehört verhallen würde, entschloß sie sich zu einer ähnlichen Flucht nach vorn wie vor ein paar Jahren ihre Schwägerin Honoria: Sie ersuchte einen Barbaren-König um Hilfe.
So zumindest lautet die traditionell überlieferte Geschichte. Sie klingt aber nicht sonderlich überzeugend, und Johannes von Antiochia, einer der beiden Chronisten, die darüber berichten, will sie denn bezeichnenderweise auch nur vom Hörensagen kennen. Nach einer weniger romantischen, dafür aber viel glaubwürdigeren Version soll Eudoxia sehr wohl imstande gewesen sein, für sich selbst zu sorgen, und die Avancen des neuen Kaisers ingigniert zurückgewiesen haben. In diesem Fall hatte sie keinen Grund, sich an König Geiserich zu wenden. Sein Einfall in Italien bedarf in der Tat auch keinerlei Erklärung dieser Art.
Nachdem die Vandalen vierzehn Tage lang zielstrebig und systematisch die Reichtümer Roms entfernt hatten, entschwanden die Vandalen und nahmen Eudoxia und ihre beiden Töchter mit [2 Eudoxia verbrachte sieben Jahre in Karthago; erst 462 durfte sie, auf wiederholte Bitte Papst Leos hin, mit ihrer Tochter Placidia nach Konstantinopel zurückkehren. Diese Placidia war die Frau des römischen Senators (und späteren Übergangs-Kaisers) Olybrius; deren Schwester, Eudokia, hatte Geiserich mit seinem Sohn Hunerich vermählt.].
 
 
 
 

29.10.437
  1. oo Valentinian III. Flavius Placidius
           3.7.419 16.3.455

   2. oo 2. Petronius Maximus
                    455
 
 
 
 

Kinder:

  Eudokia
  um 438 471/72

  1. oo Palladius, Sohn des Maximus
              

  2. oo Hunerich König der Vandalen
          411/15 22.12.484

  Placidia
      nach 462

 455
  oo Olybrius Amicius Kaiser des Weströmischen Reiches
            2.11.472
 
 
 
 

Literatur:
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Gottschalk Gisela: Die großen Cäsaren. Ihr Leben, ihre Taten, ihre Zeit. Scherz Verlag Bern und München 1980 Seite 250,257 - Grant, Michael: Die römischen Kaiser. Von Augustus bis zum Ende des Imperiums. Eine Chronik. Bechtermünz Verlag Augsburg 1977 Seite 326,365,381,387,395 - GROSSE FRAUEN DER WELTGESCHICHTE. Tausend Biographien in Wort und Bild. Neuer Kaiser Verlag 1987 Seite 161 - Günther Rigobert: Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion. Militzke Verlag Leipzig 2003 Seite 88,89,90,91,92,93,94,95,97,104,131,141,146 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I Seite 184,186 - Quast Helmut W.: Geiserich. Vandale ohne Vandalismus. Casimir Katz Verlag Gernsbach 1987 Seite 140-143,153,154 - Schreiber Hermann: Die Vandalen. Siegeszug und Untergang eines germanischen Volkes.  Gondrom Verlag Bindlach 1993 Seite 163,253 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 489 -