Aelia Pulcheria                               Kaiserin von Byzanz
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19.1.399 10.9.453
Konstantinopel

Begraben: Apostelkirche Konstantinopel
 

Zweite Tochter des Kaisers Arkadius von Byzanz und der Eudoxia Aelia, Tochter vom fränkischen Feldherrn Bauto
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 323
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Pulcheria (Aelia Pulcheria)
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* 399, 453
Konstantinopel

2. Kind des oströmischen Kaisers Arcadius und der Aelia Eudoxia

Nach dem Tod des Vaters (408) übernahm Pulcheria, die gebildet war und Griechisch und Latein konnte, zunehmend die Sorge für die dynastischen Interessen und die Erziehung ihres zwei Jahre jüngeren Bruders Theodosios II. Ihre starke Persönlichkeit zeigte sich schon in jungen Jahren, als sie den bisherigen Leiter der Staatsgeschäfte ablösen ließ, 413 öffentlich das Gelöbnis der Jungfernschaft ablegte und auch ihre jüngeren Schwestern dazu veranlaßte. Der Entschluß zur Kinderlosigkeit im Kontext mit ihrer religiös-asketischen Neigung - schon von Zeitgenossen zur Erhaltung der theodosianischen Dynastie in männlicher Linie gedeutet - wurde von Holum modifizierter als politischer Schachzug gegen Heiratspläne des Reichspräfekten Anthemius interpretiert. 414 wurde Pulcheria, bisher nobilissima, von Theodosius zur Augusta proklamiert (Aufstellung ihres Bildes im Senat neben dem des Honorius und Theodosius). Verschärfte Gesetze gegen Häretiker, Juden und Heiden (Mord an der heidnischen Philosophin Hypatia), Abkehr von der intellektuellen Führungsschicht und eine neue Germanenpolitik (Ardabur, Aspar) gingen wahrscheinlich auf Pulcherias Einfluß zurück. Rasche Entscheidungsfähigkeit zeigte sich sowohl bei der Athenais/Eudokia zur Gemahlin ihres Bruders als auch bei ihrer Heirat mit Markianos und dessen Krönung nach dem Tode ihres Bruders ab (450). Neben ihrem monastischen Lebensstil, chronischer Wohltätigkeit (Verschenken ihres Vermögens, Bau von Armen- und Krankenhäusern, Fremdenherbergen) wird der Name Pulcherias mit zahlreichen Örtlichkeiten (Zisterne) und Kirchenbauten (Speck, Janin; unter anderem Hagios Stephanos [vergleiche Elfenbein im Trierer Domschatz]) in Konstantinopel in Verbindung gebracht. Ihre aktive Teilnahme an dogmatischen Auseinandersetzungen, Briefwechsel mit Papst Leo I., ihre angeblichen Visionen, die die Auffindung von Reliquien ermöglichten, haben wohl ihre Aufnahme in den kirchhlichen Heiligenkalender bewirkt (Fest: 10. September bzw. 7. August).



Lexikon Alte Kulturen: Band III Seite 216
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Pulcheria, Aelia
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* Konstantinopel 19. Januar 399, Ebd. 18. Februar 453

Byzantinische Kaiserin (Augusta seit 414)

Die energische, fromme und gebildete Tochter des Kaisers Arcadius war bis 416 Vormund ihres Bruders Theodosius II., nach dessen Tod sie 450 den Feldherrn Markian heiratete, der zum Kaiser gewählt wurde. Bekannt ist ihr Einfluß auf kirchliche Angelegenheiten.



Thiele, Andreas: Tafel 489
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

AELIA PULCHERIA
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* 399, 453

408 Mitregentin mit stärkstem Einfluß auf den Bruder; 450 (sogenannte "Josephsehe")

  oo MARCIAN
               457



Aelia Pulcheria war die einflußreiche Mitregentin ihres schwachen Bruders Theodosius II. Nach dessen Tode wurde sie zur Kaiserin proklamiert, ging aber eine Scheinehe ein.

Große Frauen der Weltgeschichte: Seite 381
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AELIA PULCHERIA
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19.I.399- VII.453

Die Tochter des oströmischen Kaisers Arkadius wurde schon mit fünfzehn Jahren Regentin für ihren unmündigen Bruder und blieb es bis zu seinem Tode; dieser Bruder, der sich als Kaiser den Namen seines wirklich "großen" Großvaters Theodosius I. wählte, ist vornehmlich dadurch berühmt geworden, dass er einen mechanischen Selbstfüller für seine Öllampe erfand. Bis tief in die Nacht hinein saß er am Schreibtisch und kopierte griechische Poeten und Grammatiker, was ihm den Spitznamen "Der Schönschreiber" eintrug. Um die Staatsgeschäfte kümmerte er sich nicht. Pulcheria, die künstlerisch und literarisch gebildet war, führte das Staatsruder. Sie verheiratete ihn mit der blitzgescheiten Tochter eines athenischen Rhetors, der Eudokia, mit der sie sich prächtig verstand. Die beiden klugen Frauen, die Kaisertochter und das "Mädchen aus dem Volke", führten ein wendiges Regiment im "Heiligen Palast" von Konstantinopel. Als Theodosius an den Folgen eines Sturzes gestorben war, vollbrachte Pulcheria eine Tat, die weltgeschichtliche Folgen hatte: Während die Hunnenschwärme rings um die zivilisierte Welt "wie ein schwarzer Zyklon" aufstiegen (Frank Thieß), heiratete sie den einzigen Mann, der die Kraft und den Mut hatte, das Unheil abzuwenden, den Offizier Marcian, und erhob ihn zum Mitregenten. Als regierende Augusta schickte sie ihn in den Krieg, und er schlug die Scharen Attilas in Dalmatien. Pulcheria verweigerte seitdem den Hunnen den Tribut. Marcian baute die verwüsteten Provinzen wieder auf, schuf aus den östlichen Völkern ein "nationales" Heer, schaltete die Ostgoten aus und legte im Zusammenwirken mit Pulcheria die Fundamente des neuen Oströmischen Reiches, während Westrom zerfiel. Byzanz bestand noch 1.000 Jahre.



Norwich John Julius: Band I Seite 158,160,163,170,174,176,187
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Nach 414 verschwindet der Prätorianer-Präfekt Anthemios von der Bildfläche und wird ersetzt durch Pulcheria, die Schwester des Kaisers und Drahtzieherin im Hintergrund. Mit dieser schillernden Persönlichkeit begann eine Zeitspanne von 36 Jahren - nämlich die verbleibende Regierungszeit des Bruders -, in der sich Macht und Einfluß im Staat praktisch insgesamt in Frauenhand befanden. Pulcheria war nur zwei Jahre älter als Theodosius, also fünfzehn, als sie zur Augusta erhoben wurde und die Regierungsgewalt übernahm. Schon damals muß für jedermann erkennbar gewesen sein, dass ihr Bruder keinen Deut mehr zu bieten hatte als Arkadios: Er war schwach, unentschlossen und leicht beeinflußbar. Sie dagegen zeigte sich stark und entschlossen, und sie liebte die Macht. Aber sie war überaus fromm und machte sich mit besonderem Eifer daran, die zerstörte Hagia Sophia wiederaufzubauen. Unter ihrem Einfluß entwickelten ihre jüngeren Schwestern Arkadia und Marina ähnliche Neigungen. Es ging das Gerücht, im Kaiserpalast gehe es zu wie im Kloster und nicht wie an einem Hof; es wimmle dort von morgens bis abends von Mönchen und Priestern, und die jungen Prinzessinen hätten allesamt ewige Jungfräulichkeit gelobt und stichelten unter Hymnenklängen, Psalmodien und Gebetsgemurmel in einem fort an Altartüchern und Meßgewändern. Manche empfanden es fast wehmütig als einen fernen Nachhall aus Eudoxias Tagen.
Pulcheria war eventuell am Sturz ihrer Schwägerin Athenais beteiligt und verlor in der Folgezeit den Einfluß auf ihren Bruder Theodosios. Theodosios und Athenais hatten keinen männlichen Nachkommen gezeugt, aber Pulcheria löste das Problem der Nachfrage. Ihr Keuschheitsgelübde hinderte sie nicht daran, den thrakischen Senator und ehemaligen Soldaten Markian nominell zu ehelichen: Sie erhob ihn unverzüglich in den Rang eines Augustus und an ihrer Seite auf den Kaiserthron. Dabei gab sie vor (ob das zutrifft, ist schwer zu sagen), Theodosios habe ihn auf dem Totenbett dazu bestimmt.
Da Markian und Pulcheria keine männlichen Nachfolger hatten, war auch kein Nachfolger nominiert. Pulcheria hätte die Situation zweifellos wie schon einmal gerettet, wäre sie noch am Leben gewesen. Aber sie war schon 453 gestorben, nur wenige Monate nach Attila. Ihre beiden jüngeren Schwestern, die sich in Regierungsgeschäfte aber ohnehin niemals eingemischt hatten, waren ihr vorangegangen: Seit Julians Tod war der Thron nicht mehr derart verwaist gewesen.
 
 
 

 450
  oo 2. Marcianus Kaiser von Byzanz
           396 26.1.457
 
 
 
 

Literatur:
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Grant, Michael: Die römischen Kaiser. Von Augustus bis zum Ende des Imperiums. Eine Chronik. Bechtermünz Verlag Augsburg 1977 Seite 326,364,3767,382,384 - Günther Rigobert: Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion. Militzke Verlag Leipzig 2003 Seite 74,75,77,88,97, 119,124,127,136,138,141,142,145-155,162 - Heuss Alfred: Römische Geschichte. Georg Westermann Verlag Braunschweig 1960 Seite 490 - Lexikon Alte Kulturen, Meyers Lexikonverlag Mannheim/ Wien/Zürich 1990 Band III Seite 216 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I Seite 158,160,163,170,174,176, 187 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 59 - Schreiber Hermann: Die Hunnen. Attila probt den Weltuntergang. Econ Verlag Wien-Düsseldorf 1990 Seite 45,210 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 489 -