Arkadius                                         1. Kaiser von Byzanz (395-408)
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377 1.5.408
 

Ältester Sohn des Kaisers Theodosius I. der Große aus seiner 1. Ehe mit der Aelia Flacilla
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 894
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Arcadius Flavius
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* um 377 1. Mai 408

Sohn Theodosius' I.

  oo 395 Eudoxia, Tochter des fränkischen Magister militum Bauto

Fünf Kinder, unter anderem Pulcheria (* 399) und Theodosius II. (* 401)

Durch den Christen Arsenios und den heidnischen Rhetor Themistios erzogen, wurde Arcadius am 19. Januar 383 sechsjährig zum Augustus ausgerufen. Als Theodosius 394 gegen den Usurpator Eugenios zu Felde zog, wurde Arcadius zum Regenten der Osthälfte des Reiches bestimmt. Während Rufinus ( 27. November 395), Eutropius ( 399), dazu später seine Gemahlin Eudoxia († 6. Oktober 404) und Anthemius (seit 405) de facto die Regierungsgewalt ausübten, blieb Arcadius weitgehend von diesen abhängig und untätig. Die Plünderungszüge Alarichs I. in Griechenland, die auch durch das Eingreifen Stilichos nicht verhindert wurden, konnten durch Ernennung Alarichs zum Magister militum per Illyricum beendet werden, während Eutropius selbst die Hunnen aus Kleinasien vertrieb. Die Spannungen mit Westrom verstärkten sich durch die Ausdehnung des oströmischen Interessengebietes auf das von Gildo beherrschte Nord-Afrika (397). Der Ausbruch einer antigermanischen Bewegung (Apell des Synesios in einer Rede 399) führte zu einem Massaker an den Goten (400), die zeitweilig unter Gainas Konstantinopel beherrschten. Die dadurch eingetretene Schwächung des oströmischen Heeres zeigte sich in der Unfähigkeit zur Abwehr plündernder Barbaren in Lybien und Kleinasien, bildete aber gleichzeitig den Ausgangspunkt für eine grundlegende Heeresreform durch Anthemius. Die Religionspolitik unter Arcadius ist einerseits bestimmt durch rigorose Gesetze gegen Heiden und Häretiker, andererseits durch den Streit zwischen Alexandria und Konstantinopel um den Primat in der Ostkirche, den Johannes Chrysostomos zeitweise zugunsten Konstantinopels entscheiden konnte, bis er wegen Spannungen mit Eudoxia 404 abgesetzt und verbannt wurde. Dadurch wurde die kaiserliche Autorität über die Kirche gestärkt. Obwohl Arcadius als einer der schwächsten oströmischen Kaiser anzusehen ist, war die Erb-Monarchie doch soweit gefestigt, daß die Herrschaft nach seinem Tode ohne Schwierigkeiten auf seinen Sohn Theodosius II. übergehen konnte.



Thiele, Andreas: Tafel 489
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

ARKADIUS
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* 377, 408

Sohn des letzten Gesamtherrschers Kaiser Theodosius I. der Große

Arkadius wurde 383 Caesar und Augustus, ab 385 mehrmals Konsul und 395 nach dem Tode des Vaters Regent im Ostreich mit dem Recht eigener Gesetzgebung. Er war unselbständig, schwächlich und dumm, zeitlebens ein willenloser Spielball der jeweiligen Günstlinge. Zuerst wurde er vom Heermeister Rufinus beherrscht, der am 27.11.395 von Stilicho ermordet wurde, dann von Eutropius und dann von verschiedenen Figuren, wobei Stilicho im Hintergrund steuerte. Dieser hatte die Westgoten gegen Byzanz gehetzt, um Druck zu machen. Kaiser Arkadius ernannte dagegen den Westgoten-König Alarich zum Magister militum per Illyricum. Stilicho versuchte 408 nochmals, Gesamtregent zu werden und wurde ermordet, was einen stärksten Antigermanismus hervorrief. Es war eine Zeit übelster Palastintrigen und völliger Demoralisierung in Heer und Verwaltung. Es fanden ständige Abwehrkämpfe gegen Hunnen, Perser und Goten statt.

 395
  oo AELIA EUDOXIA, Halbgermanin
              404

Tochter des fränkischen Feldherrn Bauto, ab 399 entschiedene Mitregentin, 400 Augusta; beherrschte den Mann

fünf Kinder



Norwich John Julius: Band I Seite 126,132,134,137,139,141,145,158
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Nach dem Willen seines Vaters sollte Arkadios, dem älteren Sohn, die östliche Reichshälfte zufallen. Als Theodosius starb, war sein älterer Sohn Arkadios noch keine 18 Jahre alt.
Ein Mann wie Rufinus hätte wohl auch für einen energischen und eigenwilligen Kaiser eine Gefahr dargestellt. Arkadios war jedoch weder das eine noch das andere. Er sprach und bewegte sich schleppend, und seine Augenlider hingen, als drohte er ständig einzuschlafen, was ihn nicht eben geistreich aussehen ließ. Und er war auch tatsächlich keines vernünftigen Gedankens fähig, und sein Charakter war ebenso schwach ausgebildet wie sein Intellekt. Wer ihn zum ersten Mal begegnete, konnte kaum glauben, einen Sohn des Theodosius vor sich zu haben. Nur ein Umstand bewahrte ihn davor, zur geistlosen Marionette von Rufinus zu werden: der Einfluß des sogenannten Vorstehers des heiligen Schlafzimmers, eines älteren Eunuchen namens Eutropius.
Wer auch immer dafür verantwortlich war, Rufinus' Tod hatte kaum Einfluß auf den weiteren Verlauf der Dinge. Nun, da der Kaiser nur noch auf Eutropius hörte, waren Korruption, Veruntreuung der offene Kauf und Verkauf von Ämtern einfach noch etwas weiter verbreitet als zuvor.
 
 
 
 

27.4.395
   oo Eudoxia, Tochter des fränkischen Feldherrn Bauto
        um 375/80 6.10.410
 
 
 
 

Kinder:

  Theodosius II.
  10.4.401 28.7.450

  Aelia Pulcheria
  19.1.399 10.9.453

  oo 2. Marcianus
          396 26.1.457

  Flacilla
  397 431

  Arkadia
         444

  Marina
  403 449
 
 
 
 

Literatur:
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Browning Robert: Justinian und Theodora. Herrscher in Byzanz. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 1988 Seite 12,14 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 90,91,171,344 - Ewig Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1988 Seite 11 - Faber Gustav: Das erste Reich der Deutschen. Geschichte der Merowinger und Karolinger. C. Bertelmanns Verlag GmbH, München 1980 Seite 20 - Grant, Michael: Die römischen Kaiser. Von Augustus bis zum Ende des Imperiums. Eine Chronik. Bechtermünz Verlag Augsburg 1977 Seite 326, 345,348,352-355,363 - Günther Rigobert: Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion. Militzke Verlag Leipzig 2003 Seite 44-46,51-54,56,58,68,104,133,134,135,136,138,147 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I Seite 126,132,134, 137,139,141,145,158 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 53,57,60,62-64,716 - Riehl Hans: Die Völkerwanderung. Der längste Marsch der Weltgeschichte. W. Ludwig Verlag 1988 Seite 20,23,24,28, 30,93 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 484, 489 - Veh Otto: Lexikon der römischen Kaiser. Von Augustus bis Iustinianus I. 27 v. Chr. bis 565 n. Chr. Artemis & Winkler Verlag Düsseldorf/Zürich 1998 Seite 12 -