Begraben: Apostelkirche zu Konstantinopel
Tochter des fränkischen Feldherrn Bauto
Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 76
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Eudoxia Aelia
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†
Tochter des fränkischen Heermeisters Bauto,
seit 395 Gattin des oströmischen Kaisers
Arcadius, der sie 400 zur Augusta erhob. Sie gebar ihrem
Gatten
Flacilla (* 397),
Pulcheria
(* 399),
den späteren Kaiser
Theodosios II. (* 401) und
Marina (* 403).
Trotz ihrer germanischen Herkunft sorgte sie für
die Ausschaltung der germanischen Kräfte am Hof und setzte den Sturz
des allmächtigen Eunuchen Eutropius durch. Vor allem auf dem
Gebiet der Religionspolitik wurde sie die eigentliche Beherrscherin des
Reiches. Persönlich fromm und wundergläubig, unterstützte
sie die orthodoxen Bischöfe, ließ Kirchen bauen und Reliquien
sammeln und beeinflußte ihren Gatten zu strengem Vorgehen gegen Heiden
und Häretiker. Bekannt ist vor allem ihre Auseinandersetzung mit Johannes
Chrysostomos. Die anfängliche Freundschaft wurde erstmals getrübt,
als dieser die seinem Gegner Epiphanios von Salamis gewogene Kaiserin
in einer Predigt scharf angriff (Socr. hist. eccl. 6,10,14). Einer ersten,
auf der sogenannten Eichensynode ausgesprochenen Absetzung, die unter anderem
von Eudoxia Aelia mit Hilfe des alexandrinischen
Patriarchen Theophilos wegen angeblich unangemessener Lebensführung
betrieben wurde (403), folgten Rückkehr und Versöhnung des Bischofs
mit der Kaiserin. Als dieser eine silberne Statue auf einer Porphyrsäule
errichtet wurde, sah Johannes darin eine Störung des Gottesdienstes
seiner in der Nähe gelegenen Kirche und predigte wiederum gegen die
neue Herodias und Jesabel, die sich in ungehöriger Weise in die Politik
einmische (MPG 59, 485; vgl. Socr. hist. eccl. 6,18,1ff.). Auf einer Synode
ließ das Kaiserpaar den Bischof trotz seines großen Anhangs
in der Hauptstadt absetzen (404) und mit Waffengewalt aus der Stadt entfernen.
Im gleichen Jahr starb
Eudoxia Aelia,
wahrscheinlich an einer
Fehlgeburt, sie wurde in der Apostelkirche
zu Konstantinopel beigesetzt.
Oströmische Kaiserin
Tochter des fränkischen Heermeisters Bauto,
der großen Einfluß als Ratgeber am Hof Valentinians
II. hatte; seit 395 Gattin des Kaisers
Arcadius; Mutter Theodosius'
II.; nahm nachhaltigen Einfluß auf die Politik des
Reiches (unter anderem auf die Relegionspolitik: Eudoxia
war maßgeblich an der Verbannung Johannes' Chrysostomos
beteiligt).
ARKADIUS
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* 377, † 408
395
oo AELIA EUDOXIA, Halbgermanin
† 404
Tochter des fränkischen Feldherrn Bauto, ab 399 Mitregentin, 400 Augusta; beherrschte den Mann
fünf Kinder
Norwich John Julius: Band I Seite 134,139,144,147
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."
Mangels eigener Nachkommenschaft wählte Eutropius
eine junge, unwiderstehlich attraktive Fränkin, die in Konstantinopel
eine gute Erziehung und Bildung genossen hatte, daraufhin ihren
fremden Namen mit einem vertrauter klingenden griechischen vertauscht hatte
und sich nun Eudoxia nannte. Als nun
Rufinus
sich
für kurze Zeit in Antiochia aufhielt, nutzte Eutropius die
Gunst der Stunde und führte Eudoxia
in den Palast ein. Aufgrund seiner langjährigen Übung gelang
es ihm rasch, das Interesse des Kaisers auf sie zu lenken, und als Rufinus
in
die Hauptstadt zurückkehrte, waren Arkadios
und Eudoxia verlobt. Am 27. April 395
fand die Hochzeit statt.
Eudoxia ist die erste
in einer langen Reihe byzantinischer Kaiserinnen, die schön,
weltlich
gesinnt und ehrgeizig waren und deren Namen für
Pracht
und Sinnlichkeit stehen. Wie so rasch wurde weitherum gemunkelt, sie
unterhalte ganze Trauben von Liebhabern, wobei einer davon, ein
Edelmann, den wir unter dem Namen Johannes kennen,
wahrscheinlich der Vater ihres Sohnes Theodosius
war. Es heißt, sie habe sich ohne Scheu zu ihrer Freizügigkeit
bekannt, indem sie und ihre Hofdamen tief in die Stirn gekämmte Stirnfransen
trugen: das bekannte Markenzeichen der Kurtisane. Sie verdankte ihre Stellung
Eutropius, aber dieser hatte sie zu seinem Unglück einmal zuviel
daran erinnert. Auch paßte es ihr nicht, dass er auf ihren Mann soviel
Einfluß ausübte. In den vier Jahren seit ihrer Hochzeit hatte
sich die Beziehung zwischen ihr und Arkadios
verschlechtert und beide machten aus ihrer gegenseitigen Abneigung
keinen Hehl. Nun forderte sie die Auslieferung des Eutropius an
die aufständischen Goten.
Johannes Chrysostomos, dieser heiligmäßige,
aber unausstehliche Prälat hatte sich mit flammenden Geißelungen
der Kaiserin und der Lebensweise am Hof gefährlich unbeliebt gemacht.
Im Jahre 403 lieferte sein langer, leidenschaftlicher Disput mit Theophilos,
dem Bischof von Alexandria, Eudoxia
den Vorwand, auf den sie gewartet hatte. Chrysostomos wurde abgesetzt
und nach Bithynien verbannt. Am Abend ereignete sich ein Erdbeben, dass
die Kaiserin so sehr erschreckte, dass sie eine Fehlgeburt gehabt
haben soll und der verbannte Prälat wurde zurückberufen und wiedereingesetzt.
Am 6. Oktober, weniger als vier Monate nach der
abermaligen Verbannung des Patriarchen Chrysostomos, folgte das
letzte als unmißverständliches Zeichen göttlichen Mißfallens
gedeutete Ereignis: Die Kaiserin hatte eine weitere Fehlgeburt.
Sie starb daran.
27.4.395
oo Arkadius Kaiser des Byzantinischen Reiches
377 †
1.5.408
Kinder:
Theodosius II.
10.4.401 † 28.7.450
Aelia Pulcheria
19.1.399 † 10.9.453
oo 2. Marcianus
396 † 26.1.457
Flacilla
397 †431
Arkadia
†
444
Marina
403 †449
Literatur:
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Grant, Michael: Die römischen Kaiser. Von
Augustus bis zum Ende des Imperiums. Eine Chronik. Bechtermünz Verlag
Augsburg 1977 Seite 326,365,368,434 - Günther
Rigobert: Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion.
Militzke Verlag Leipzig 2003 Seite 46,108,124,134, 135,136,137,138,147,162
- Lexikon Alte Kulturen, Meyers Lexikonverlag Mannheim/Wien/Zürich
1990 Band I Seite 658 -
Mann Golo: PROPYLÄEN WELTGESCHICHTE.
Eine Universalgeschichte. Vierter Band. Rom Die römische Welt. Verlag
Ullstein GmbH, Frankfurt am Main - Berlin, Propyläen Verlag 1986 Seite
555,610,667 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen
Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I
Seite 134,139,144,147 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum
Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover
2001 Seite 58,59 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische
Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 489 -
Zöllner Erich: Geschichte
der Franken bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts. Verlag C. H. Beck München
1970 Seite 166 -