Arcadius heiratet
am 27. April 395 auf Anraten und Vermittlung seines einflußreichen
Hofkämmerers Eutrop die Aelia Eudoxia,
Tochter des Bauto, eines kriegserfahrenen romanisierten Heermeisters
von fränkischer Abkunft und Schwester des weströmischen
Heermeisters Arbogast.
Die Stadt war nach dem Tode von Theodosius
I. die Wirkungsstätte mehrerer energischer, kluger, intrigierender,
attraktiver schöner Frauen, die ihren Männern in der Innen-,
Kirchen- und Personalpolitk weitgehend vorschrieben, was sie zu tun hätten.
Beginnen wollen wir mit der Kaiserin Aelia
Eudoxia. Ihr Geburtsdatum ist nicht bekannt. Sie war die Tochter
des weströmischen Heermeisters Bauto, fränkischer Abkunft,
der dieses Amt von 380 bis 385 innehatte. Ihr Bruder war Arbogast,
von 388 bis 394 höchster Heermeister des Reiches. Sie war eine Frau
von besonderer Schönheit, wie der Geschichtsschreiber Zosimos
überliefert [58 Zosimos, Neue Geschichte 5, 3,2.].
Es war das Ergebnis eines Machtkampfes rivalisierender
Gruppen am oströmischen Kaiserhof, daß Aelia
Eudoxia als Gattin des jungen Kaisers Arcadius
ausersehen wurde. Eigentlich wollte Rufinus seine Tochter
mit Arcadius verehelichen. Doch
Eutropius, Eunuch und erster Kammerherr des Kaisers besaß
soviel Einfluß auf den Kaiser, um die wachsende Machtfülle des
Rufinus zu verhindern. Eutropius vermittelte die Bekanntschaft
des Kaisers mit Eudoxia. Vielleicht
war sie auch hübscher als die Tochter des Rufinus. Jedenfalls
entschied sich Arcadius für die
Tochter des Bauto. Die Hochzeit fand am 27. April 395 statt.
Aelia Eudoxia wird
als eine energische Dame geschildert. Sie betrieb vor allem eine
aktive Kirchenpolitik. Ihre fränkische Herkunft suchte sie vergessen
zu machen, indem sie am Hofe die antigermanische Gruppierung unterstützte,
die sich ähnlich wie in Ravenna in den Jahren 401/02 mit Mord und
Totschlag durchsetzte.
Arcadius und Aelia
Eudoxia führten eine fruchtbare Ehe. Am 17. Juni 397 wurde
die Tochter Flacilla geboren, am 19.
Januar 399 die später so berühmte Pulcheria.
Am 3. April 400 folgte die Tochter Arcadia,
am 10. April 401 der sehnlichst erwartete Sohn
Theodosius. Am 10. Februar 403 gebar die Kaiserin die Tochter
Marina.
Am 6. Oktober 404 starb Aelia Eudoxia an
einer Fehlgeburt.
Der Hofklatsch machte auch vor dieser Kaiserin nicht
halt. Oder war es gar kein Hofklatsch? Allgemein galt in Konstantinopel
als sicher, daß ein gewisser Johannes ihr Liebhaber
war. Das Gerücht behauptete sogar, sie habe von diesem Johannes
den Sohn Theodosius empfangen, da Arcadius
stets nur Mädchen zeuge. Besagter Johannes gehörte in
den Jahren 399 und 400 zu den führenden Persönlichkeiten in der
Regierung Ostroms und war ein vertrauter Berater des Arcadius.
Durch die Fürsprache der Kaiserin bekleidete er im Jahr 404 das Amt
des Finanzministers in Konstantinopel.
Am 9. Januar 400 wurde Aelia
Eudoxia in den Rang einer Augusta erhoben. Ganz anders
als sein Vater war Arcadius eine schwache
Herrscherpersönlichkeit. Zufrieden damit, daß seine Gattin den
Hof besser repräsentierte als er, überließ er ihr weite
Bereich der Innen- und Religionspolitik. Im Jahre 399 stürzte sie
den Kammerherrn, Konsul und Patrizius Eutropius, der ihre
Ehe mit Arcadius vermittelt hatte.
Eutropius hatte sich den Zorn der Kaiserin zugezogen, als er Ausschreitungen
von Mönchen verfolgte, die bei der Kaiserin in Ansehen standen. Am
Hofe war sie ein besonders Monument, und wer beim Kaiser etwas erreichen
wollte, tat gut, erst bei der Kaiserin vorzusprechen. Seit sie den Augusta-Titel
besaß, galt sie als die eigentliche Herrscherin.
Um ihre Gunst buhlten Eunuchen und Hofdamen, die um ihren
Einfluß bei der Kaiserin eiferten, darunter vorzüglich der Eunuch
und Kammerdiener der Kaiserin, Amantius, der sie zu energischem
Vorgehen gegen die Heiden veranlaßte. In diesem Sinne setzte sie
im Jahre 401 durch, daß heidnische Tempel in Gaza in Palästina
geschlossen wurden. Dann waren da die kaiserlichen Hofdamen Marsa,
Castricia und Eugraphia. Marsa war eine reiche Witwe und
im Jahr 404 eine führende Opponentin am Hof gegen den ungeliebten
Bischof Johannes Chrysostomos. Sie bestärkte die Kaiserin in
ihrem Vorhaben gegen den Bischof. Auch Castricia war eine wohlhabende
Witwe in der Gunnst Eudoxias und haßte
Johannes Chrysostomos ebenfalls. Diesem Witwenkreis gehörte
auch Eugraphia an. Diese drei waren von Johannes Chrysostomos
in seinen Predigten öfters wegen ihrer ausschweifenden Lebensführung
und ihres negativen Einflusses auf die Kaiserin angegriffen und bloßgestellt
worden, was sie ihm durch ständiges Anschwärzen und Anfeinden
am Hofe heimzahlten.
Während der Kaiser zu einer großartigen Palastfigur
erhoben wurde und Zeremonie und Protokoll immer zunehmende Bedeutung erhielten,
führte die Kaiserin die Geschäfte. Im Geschmack der Macht war
sie auch Bestechung zugänglich. Man sagte ihr Habsucht nach,
sie habe auch Unschuldige verurteilen lassen. Es ist verständlich,
daß Bischof Johannes Chrysostomos ihr ihre Lebensart vorwarf.
In seinen Predigten machte er zwar mehr die drei Hofdamen zur Zielscheibe
seiner Kritik, aber jeder wußte, daß auch die Kaiserin gemeint
war.
Aelia Eudoxia war
dem orthodoxen Christentum sehr ergeben. Nach der Zerstörung der heidnischen
Tempel in Gaza ließ sie dort eine prächtige Kirche errichten.
Anfänglich gab es zwischen ihr und dem Bischof der Stadt ein gutes
Einvernehmen. Als er ihr aber seit 401 Vorhaltungen wegen räuberischer
Gier und lasterhafter Lebensführung machte, wurden die Spannungen
zwischen beiden immer größer.
Sie hatte sich rechtswidrig ein Grundstück angeeignet,
was Johannes Chrysostomos ihr vorwarf. Das Zerwürfnis zwischen
Kaiserin und Bischof nützte Theophilos, Bischof von Alexandria,
aus, der nun von Aelia Eudoxia favorisiert
wurde.
Ehrlich und aufrichtig, doch so undiplomatisch wie nur
möglich, hielt er aufreizende Predigten gegen die Kaiserfamilie. Im
Jahr 404 wurde er erneut aus der Hauptstadt verbannt. Noch im armenischen
Exil verglich er die Kaiserin mit zweifelhaften Frauengestalten des Alten
und Neuen Testaments, die Propheten des wahren Glaubens verfolgt hatten.
Er hatte die Kaiserin, die bereits am 6. Oktober 404 gestorben war,
um drei Jahre überlebt. Aelia Audoxia wurde
in Konstantinopel in der Apostelkirche beigesetzt. Dort fand auch ihr
Gatte
Arcadius im Jahr 408 seine
letzte Ruhestätte.