Günther Rigobert: Seite 46,134-138
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"Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion."

Arcadius heiratet am 27. April 395 auf Anraten und Vermittlung seines einflußreichen Hofkämmerers Eutrop die Aelia Eudoxia, Tochter des Bauto, eines kriegserfahrenen romanisierten Heermeisters von fränkischer Abkunft und Schwester des weströmischen Heermeisters Arbogast.
Die Stadt war nach dem Tode von Theodosius I. die Wirkungsstätte mehrerer energischer, kluger, intrigierender, attraktiver schöner Frauen, die ihren Männern in der Innen-, Kirchen- und Personalpolitk weitgehend vorschrieben, was sie zu tun hätten.
Beginnen wollen wir mit der Kaiserin Aelia Eudoxia. Ihr Geburtsdatum ist nicht bekannt. Sie war die Tochter des weströmischen Heermeisters Bauto, fränkischer Abkunft, der dieses Amt von 380 bis 385 innehatte. Ihr Bruder war Arbogast, von 388 bis 394 höchster Heermeister des Reiches. Sie war eine Frau von besonderer Schönheit, wie der Geschichtsschreiber Zosimos überliefert [58 Zosimos, Neue Geschichte 5, 3,2.].
Es war das Ergebnis eines Machtkampfes rivalisierender Gruppen am oströmischen Kaiserhof, daß Aelia Eudoxia als Gattin des jungen Kaisers Arcadius ausersehen wurde. Eigentlich wollte Rufinus seine Tochter mit Arcadius verehelichen. Doch Eutropius, Eunuch und erster Kammerherr des Kaisers besaß soviel Einfluß auf den Kaiser, um die wachsende Machtfülle des Rufinus zu verhindern. Eutropius vermittelte die Bekanntschaft des Kaisers mit Eudoxia. Vielleicht war sie auch hübscher als die Tochter des Rufinus. Jedenfalls entschied sich Arcadius für die Tochter des Bauto. Die Hochzeit fand am 27. April 395 statt.
Aelia Eudoxia wird als eine energische Dame geschildert. Sie betrieb vor allem eine aktive Kirchenpolitik. Ihre fränkische Herkunft suchte sie vergessen zu machen, indem sie am Hofe die antigermanische Gruppierung unterstützte, die sich ähnlich wie in Ravenna in den Jahren 401/02 mit Mord und Totschlag durchsetzte.
Arcadius und Aelia Eudoxia führten eine fruchtbare Ehe. Am 17. Juni 397 wurde die Tochter Flacilla geboren, am 19. Januar 399 die später so berühmte Pulcheria. Am 3. April 400 folgte die Tochter Arcadia, am 10. April 401 der sehnlichst erwartete Sohn Theodosius. Am 10. Februar 403 gebar die Kaiserin die Tochter Marina. Am 6. Oktober 404 starb Aelia Eudoxia an einer Fehlgeburt.
Der Hofklatsch machte auch vor dieser Kaiserin nicht halt. Oder war es gar kein Hofklatsch? Allgemein galt in Konstantinopel als sicher, daß ein gewisser Johannes ihr Liebhaber war. Das Gerücht behauptete sogar, sie habe von diesem Johannes den Sohn Theodosius empfangen, da Arcadius stets nur Mädchen zeuge. Besagter Johannes gehörte in den Jahren 399 und 400 zu den führenden Persönlichkeiten in der Regierung Ostroms und war ein vertrauter Berater des Arcadius. Durch die Fürsprache der Kaiserin bekleidete er im Jahr 404 das Amt des Finanzministers in Konstantinopel.
Am 9. Januar 400 wurde Aelia Eudoxia in den Rang einer Augusta erhoben. Ganz anders als sein Vater war Arcadius eine schwache Herrscherpersönlichkeit. Zufrieden damit, daß seine Gattin den Hof besser repräsentierte als er, überließ er ihr weite Bereich der Innen- und Religionspolitik. Im Jahre 399 stürzte sie den Kammerherrn, Konsul und Patrizius Eutropius, der ihre Ehe mit Arcadius vermittelt hatte. Eutropius hatte sich den Zorn der Kaiserin zugezogen, als er Ausschreitungen von Mönchen verfolgte, die bei der Kaiserin in Ansehen standen. Am Hofe war sie ein besonders Monument, und wer beim Kaiser etwas erreichen wollte, tat gut, erst bei der Kaiserin vorzusprechen. Seit sie den Augusta-Titel besaß, galt sie als die eigentliche Herrscherin.
Um ihre Gunst buhlten Eunuchen und Hofdamen, die um ihren Einfluß bei der Kaiserin eiferten, darunter vorzüglich der Eunuch und Kammerdiener der Kaiserin, Amantius, der sie zu energischem Vorgehen gegen die Heiden veranlaßte. In diesem Sinne setzte sie im Jahre 401 durch, daß heidnische Tempel in Gaza in Palästina geschlossen wurden. Dann waren da die kaiserlichen Hofdamen Marsa, Castricia und Eugraphia. Marsa war eine reiche Witwe und im Jahr 404 eine führende Opponentin am Hof gegen den ungeliebten Bischof Johannes Chrysostomos. Sie bestärkte die Kaiserin in ihrem Vorhaben gegen den Bischof. Auch Castricia war eine wohlhabende Witwe in der Gunnst Eudoxias und haßte Johannes Chrysostomos ebenfalls. Diesem Witwenkreis gehörte auch Eugraphia an. Diese drei waren von Johannes Chrysostomos in seinen Predigten öfters wegen ihrer ausschweifenden Lebensführung und ihres negativen Einflusses auf die Kaiserin angegriffen und bloßgestellt worden, was sie ihm durch ständiges Anschwärzen und Anfeinden am Hofe heimzahlten.
Während der Kaiser zu einer großartigen Palastfigur erhoben wurde und Zeremonie und Protokoll immer zunehmende Bedeutung erhielten, führte die Kaiserin die Geschäfte. Im Geschmack der Macht war sie auch Bestechung zugänglich. Man sagte ihr Habsucht nach, sie habe auch Unschuldige verurteilen lassen. Es ist verständlich, daß Bischof Johannes Chrysostomos ihr ihre Lebensart vorwarf. In seinen Predigten machte er zwar mehr die drei Hofdamen zur Zielscheibe seiner Kritik, aber jeder wußte, daß auch die Kaiserin gemeint war.
Aelia Eudoxia war dem orthodoxen Christentum sehr ergeben. Nach der Zerstörung der heidnischen Tempel in Gaza ließ sie dort eine prächtige Kirche errichten. Anfänglich gab es zwischen ihr und dem Bischof der Stadt ein gutes Einvernehmen. Als er ihr aber seit 401 Vorhaltungen wegen räuberischer Gier und lasterhafter Lebensführung machte, wurden die Spannungen zwischen beiden immer größer.
Sie hatte sich rechtswidrig ein Grundstück angeeignet, was Johannes Chrysostomos ihr vorwarf. Das Zerwürfnis zwischen Kaiserin und Bischof nützte Theophilos, Bischof von Alexandria, aus, der nun von Aelia Eudoxia favorisiert wurde.
Ehrlich und aufrichtig, doch so undiplomatisch wie nur möglich, hielt er aufreizende Predigten gegen die Kaiserfamilie. Im Jahr 404 wurde er erneut aus der Hauptstadt verbannt. Noch im armenischen Exil verglich er die Kaiserin mit zweifelhaften Frauengestalten des Alten und Neuen Testaments, die Propheten des wahren Glaubens verfolgt hatten. Er hatte die Kaiserin, die bereits am 6. Oktober 404 gestorben war, um drei Jahre überlebt. Aelia Audoxia wurde in Konstantinopel in der Apostelkirche beigesetzt. Dort fand auch ihr Gatte Arcadius im Jahr 408 seine letzte Ruhestätte.