Bevor Graf
Dedo im Jahre 1185 mit der Verwaltung der Ostmark betraut wurde,
herrschte dort seit 1156 sein älterer Bruder
Dietrich,
dessen Geburtsdatum - wie das aller Söhne Markgraf
Konrads - unbekannt ist. Da er bereits im Jahre 1144 gemeinsam
mit seinem Bruder
Otto
am
Hoftag in Würzburg teilnahm, dürfte er zu diesem Zeitpunkt mindestens
im Knabenalter gewesen sein. Danach war der WETTINER
erst
wieder von 1151 an bei verschiedenen Zusammenkünften des Adels anwesend,
bei denen er sich jeweils gemeinsam mit seinem Vater einfand. Sobald er
Konrad
in der Würde des Markgrafen der Ostmark gefolgt war, suchte
er
FRIEDRICH
I. häufiger auf. So erschien er 1157 beim Hoftag in
Halle und bezeugte ungefähr ein halbes Jahr später den in Goslar
vorgenommenen Gütertausch zwischen FRIEDRICH
I. und Heinrich
dem Löwen. Im Juni 1158 begab sich der WETTINER nach
Augsburg. Von dort aus brach er mit dem Kaiser nach Italien auf, wo er
zunächst bis zum Ende des Jahres blieb. Dann kam er offensichtlich
ins Markengebiet zurück, hielt sich bis April 1161 in seinem Herrschaftsbereich
auf und reiste schließlich erneut zum STAUFER
nach Italien, dessen Gefolge er vom Sommer bis zur Heimkehr nach Deutschland
im Herbst 1162 angehörte. Die Zeit von 1163 bis 1166 verbrachte Dietrich
in
Sachsen, wo die 1164 ausgebrochenen Kämpfe zwischen Heinrich dem Löwen
und mehreren Fürsten, darunter Erzbischof Wichmann und Markgraf
Otto, seine Aufmerksamkeit beansprucht haben dürften, obgleich
Hinweise auf eine direkte Beteiligung an dieser militärischen Auseinandersetzung
fehlen. Darüber hinaus war er 1165 auch bei den Hoftagen in Altenburg,
Erfurt und Würzburg anwesend. Zu Beginn des Jahres 1167 folgte Dietrich
dem
STAUFER
nach Italien, der sich bereits seit Oktober 1166 jenseits der Alpen aufhielt,
und blieb dort bis August. Nach der Rückkehr BARBAROSSAS
nahm der WETTINER von 1168 bis 1170 an denjenigen Hoftagen teil,
bei denen über die Schlichtung des Streites mit Heinrich dem Löwen
verhandelt wurde, und war ebenso zwischen 1172 und 1174 wiederholt in der
Umgebung des Kaisers, wenn dieser nach Sachsen kam.
Während des fünften Italienzuges, den FRIEDRICH
I. bereits im September 1174 angetreten hatte, begleitete Dietrich
den STAUFER seit dem Ende des Jahres
1176. In Cremona verkündete er im Dezember ein Urteil des Kaisers
und der Fürsten, war 1177 sowohl am Zustandekommen des Friedens mit
der Stadt Tortona als auch an der Aussöhnung mit dem Papst, den Normannen
in Sizilien sowie den Lombardenstädten beteiligt und beschwor gemeinsam
mit seinem Bruder Dedo die in Venedig beschlossenen Verträge.
Dietrich
reiste dann jedoch vorzeitig aus Italien zurück und war bereits im
Oktober wieder in Sachsen. Dort wurde das Geschehen seit 1178 vom Prozeß
gegen Heinrich den Löwen beherrscht, und auch der WETTINER
fand
sich in den Jahren von 1179 bis 1181 vielfach aus diesem Anlaß am
Hof des STAUFERS ein. Dabei trat
Dietrich
im
Sommer 1179 in besonderer Weise hervor, als er den welfischen
Herzog in Magdeburg zum Zweikampf herausforderte, weil dieser sich des
Verrats am Reich schuldig gemacht habe. Arnold von Lübeck, der von
dem Vorgang berichtet, hält dies allerdings nur für vorgeschoben.
Der wahre Grund sei gewesen, dass der Herzog Slaven zur Verwüstung
der Lausitz angestachelt habe. Dietrichs
Verhalten
zeugt jedenfalls von einer tiefgehenden Feindschaft zu Heinrich dem Löwen,
dessen Entmachtung er sowohl in Gelnhausen als auch in Altenburg beiwohnte.
Schließlich fand sich der WETTINER auch danach mehrfach am
Hof des Kaisers ein, nämlich 1182 in Nürnberg und Merseburg sowie
Anfang 1183 in Altenburg. Als im selben Jahr der Friede mit den Lombardenstädten
erneuert werden sollte, benannte der Kaiser neben Graf Dedo auch
Dietrich
von der Ostmark wieder als Schwurzeugen, allerdings waren beide
dann weder im April in Piacenza noch im Juli in Konstanz am Vertragsabschluß
tatsächlich beteiligt. Zum letzten Mal erschien der Markgraf im Jahre
1184 zur Feier des Pfingstfestes in Mainz in der Umgebung FRIEDRICH
BARBAROSSAS. So erfüllte auch Dietrich
wie sein Bruder Dedo die Pflichten eines kaiserlichen Lehnsmannes,
indem er dem Herrscher bei Hoftagen sowie bei Entscheidungen des Hofgerichts
mit seinem Rat zur Seite stand und überdies diplomatische Aufgaben
übernahm. Ebenso kam er seinen Hilfeverpflichtungen durch die Teilnahme
an militärischen Unternehmungen des Reiches, besonders aber bei den
verschiedenen Italienzügen nach. Durch sein Handeln unterstrich er
zugleich seine Zugehörigkeit zum Reichsfürstenstand. Innerhalb
dieser Gruppe kam ihm allerdings keine Führungsrolle zu, denn Dietrich
gehörte weder zu den politisch einflußreichsten Männern
des Reiches noch zu den engeren Vertrauten des STAUFERS.
In Sachsen erstreckte sich der Herrschaftsbereich des
WETTINERS
von der Gegend um Landsberg unweit der Saale im Westen bis zur Oder als
Grenze seines Markengebietes im Osten. Deshalb berührten sowohl die
Ausdehnungsbestrebungen Heinrichs des Löwen als auch die Entwicklung
des Reichsterritoriums Pleißenland unmittelbar Dietrichs
Interessen.
Problematisch war das Verhältnis zu Polen, obgleich er mit einer Tochter
des polnischen Königs Boleslaws
III.,
Dobronega, verheiratet
war. Denn von
Dietrichs Herrschaftsbereich aus wurden 1157 und 1172
Kriegszüge gegen den östlichen Nachbarn unternommen. Anscheinend
gab es auch mit den umwohnenden Slavenstämmen gegen Ende der 70-er
Jahre Konflikte. Über das Verhältnis zwischen Dietrich
und
den ASKANIERN
beziehungsweise PREMYSLIDEN liegen
nur wenige Nachrichten vor, die keine Hinweise auf Auseinandersetzungen
enthalten. Dasselbe gilt für Dietrichs Kontakte
zu den Bischöfen von Naumburg, Merseburg, Meißen und Halberstadt.
Enge Beziehungen bestanden hingegen zu Erzbischof Wichmann, und
dies war um so wichtiger, als die Einflußbereiche des Magdeburgers
und des
WETTINERS in unmittelbarer Nachbarschaft lagen.
Über Dietrichs Machtgrundlagen
ist nur wenig bekannt. Zu den bedeutendsten Orten seines Gebotsbereiches
gehörten Eilenburg und die Burg Landsberg, nach der
Dietrich
spätestens von 1174 an
auch zubenannt wurde. Das eigentliche Markengebiet reichte freilich viel
weiter nach Osten; dort, jenseits der Schwarzen Elster, stiftete der
WETTINER
das Zisterzienserkloster Dobrilugk.
Markgraf Dietrich
erkrankte zu Pfingsten 1184 auf dem Mainzer Hoffest und starb zu Beginn
des Jahres 1185. Neben seiner Witwe Dobronega
hinterließ er eine Tochter namens Gertrud, die als Nonne in
das Kloster Gerbstedt eintrat. Sein Sohn Konrad
war bereits im Jahre 1175 bei einem Turnier getötet worden. Ein zweiter,
illegitimer Sohn mit Namen Dietrich,
der aus einer Verbindung mit Kunigunde,
der Witwe des Grafen
Bernhard von Plötzkau, stammte, wurde Geistlicher. Zu Beginn
des 13. Jahrhunderts wählte man ihn zum Bischof von Merseburg. Es
gab somit keinen Nachkommen mehr, der diese wettinische
Linie
im Mannesstamm hätte fortführen können.