Pätzold Stefan: Seite 48-52
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"Die frühen Wettiner"

Bevor Graf Dedo im Jahre 1185 mit der Verwaltung der Ostmark betraut wurde, herrschte dort seit 1156 sein älterer Bruder Dietrich, dessen Geburtsdatum - wie das aller Söhne Markgraf Konrads - unbekannt ist. Da er bereits im Jahre 1144 gemeinsam mit seinem Bruder Otto am Hoftag in Würzburg teilnahm, dürfte er zu diesem Zeitpunkt mindestens im Knabenalter gewesen sein. Danach war der WETTINER erst wieder von 1151 an bei verschiedenen Zusammenkünften des Adels anwesend, bei denen er sich jeweils gemeinsam mit seinem Vater einfand. Sobald er Konrad in der Würde des Markgrafen der Ostmark gefolgt war, suchte er FRIEDRICH I. häufiger auf. So erschien er 1157 beim Hoftag in Halle und bezeugte ungefähr ein halbes Jahr später den in Goslar vorgenommenen Gütertausch zwischen FRIEDRICH I. und Heinrich dem Löwen. Im Juni 1158 begab sich der WETTINER nach Augsburg. Von dort aus brach er mit dem Kaiser nach Italien auf, wo er zunächst bis zum Ende des Jahres blieb. Dann kam er offensichtlich ins Markengebiet zurück, hielt sich bis April 1161 in seinem Herrschaftsbereich auf und reiste schließlich erneut zum STAUFER nach Italien, dessen Gefolge er vom Sommer bis zur Heimkehr nach Deutschland im Herbst 1162 angehörte. Die Zeit von 1163 bis 1166 verbrachte Dietrich in Sachsen, wo die 1164 ausgebrochenen Kämpfe zwischen Heinrich dem Löwen und mehreren Fürsten, darunter Erzbischof Wichmann und Markgraf Otto, seine Aufmerksamkeit beansprucht haben dürften, obgleich Hinweise auf eine direkte Beteiligung an dieser militärischen Auseinandersetzung fehlen. Darüber hinaus war er 1165 auch bei den Hoftagen in Altenburg, Erfurt und Würzburg anwesend. Zu Beginn des Jahres 1167 folgte Dietrich dem STAUFER nach Italien, der sich bereits seit Oktober 1166 jenseits der Alpen aufhielt, und blieb dort bis August. Nach der Rückkehr BARBAROSSAS nahm der WETTINER von 1168 bis 1170 an denjenigen Hoftagen teil, bei denen über die Schlichtung des Streites mit Heinrich dem Löwen verhandelt wurde, und war ebenso zwischen 1172 und 1174 wiederholt in der Umgebung des Kaisers, wenn dieser nach Sachsen kam.
Während des fünften Italienzuges, den FRIEDRICH I. bereits im September 1174 angetreten hatte, begleitete Dietrich den STAUFER seit dem Ende des Jahres 1176. In Cremona verkündete er im Dezember ein Urteil des Kaisers und der Fürsten, war 1177 sowohl am Zustandekommen des Friedens mit der Stadt Tortona als auch an der Aussöhnung mit dem Papst, den Normannen in Sizilien sowie den Lombardenstädten beteiligt und beschwor gemeinsam mit seinem Bruder Dedo die in Venedig beschlossenen Verträge. Dietrich reiste dann jedoch vorzeitig aus Italien zurück und war bereits im Oktober wieder in Sachsen. Dort wurde das Geschehen seit 1178 vom Prozeß gegen Heinrich den Löwen beherrscht, und auch der WETTINER fand sich in den Jahren von 1179 bis 1181 vielfach aus diesem Anlaß am Hof des STAUFERS ein. Dabei trat Dietrich im Sommer 1179 in besonderer Weise hervor, als er den welfischen Herzog in Magdeburg zum Zweikampf herausforderte, weil dieser sich des Verrats am Reich schuldig gemacht habe. Arnold von Lübeck, der von dem Vorgang berichtet, hält dies allerdings nur für vorgeschoben. Der wahre Grund sei gewesen, dass der Herzog Slaven zur Verwüstung der Lausitz angestachelt habe. Dietrichs Verhalten zeugt jedenfalls von einer tiefgehenden Feindschaft zu Heinrich dem Löwen, dessen Entmachtung er sowohl in Gelnhausen als auch in Altenburg beiwohnte. Schließlich fand sich der WETTINER auch danach mehrfach am Hof des Kaisers ein, nämlich 1182 in Nürnberg und Merseburg sowie Anfang 1183 in Altenburg. Als im selben Jahr der Friede mit den Lombardenstädten erneuert werden sollte, benannte der Kaiser neben Graf Dedo auch Dietrich von der Ostmark wieder als Schwurzeugen, allerdings waren beide dann weder im April in Piacenza noch im Juli in Konstanz am Vertragsabschluß tatsächlich beteiligt. Zum letzten Mal erschien der Markgraf im Jahre 1184 zur Feier des Pfingstfestes in Mainz in der Umgebung FRIEDRICH BARBAROSSAS. So erfüllte auch Dietrich wie sein Bruder Dedo die Pflichten eines kaiserlichen Lehnsmannes, indem er dem Herrscher bei Hoftagen sowie bei Entscheidungen des Hofgerichts mit seinem Rat zur Seite stand und überdies diplomatische Aufgaben übernahm. Ebenso kam er seinen Hilfeverpflichtungen durch die Teilnahme an militärischen Unternehmungen des Reiches, besonders aber bei den verschiedenen Italienzügen nach. Durch sein Handeln unterstrich er zugleich seine Zugehörigkeit zum Reichsfürstenstand. Innerhalb dieser Gruppe kam ihm allerdings keine Führungsrolle zu, denn Dietrich gehörte weder zu den politisch einflußreichsten Männern des Reiches noch zu den engeren Vertrauten des STAUFERS.
In Sachsen erstreckte sich der Herrschaftsbereich des WETTINERS von der Gegend um Landsberg unweit der Saale im Westen bis zur Oder als Grenze seines Markengebietes im Osten. Deshalb berührten sowohl die Ausdehnungsbestrebungen Heinrichs des Löwen als auch die Entwicklung des Reichsterritoriums Pleißenland unmittelbar Dietrichs Interessen. Problematisch war das Verhältnis zu Polen, obgleich er mit einer Tochter des polnischen Königs Boleslaws III., Dobronega, verheiratet war. Denn von Dietrichs Herrschaftsbereich aus wurden 1157 und 1172 Kriegszüge gegen den östlichen Nachbarn unternommen. Anscheinend gab es auch mit den umwohnenden Slavenstämmen gegen Ende der 70-er Jahre Konflikte. Über das Verhältnis zwischen Dietrich und den ASKANIERN beziehungsweise PREMYSLIDEN liegen nur wenige Nachrichten vor, die keine Hinweise auf Auseinandersetzungen enthalten. Dasselbe gilt für Dietrichs Kontakte zu den Bischöfen von Naumburg, Merseburg, Meißen und Halberstadt. Enge Beziehungen bestanden hingegen zu Erzbischof Wichmann, und dies war um so wichtiger, als die Einflußbereiche des Magdeburgers und des WETTINERS in unmittelbarer Nachbarschaft lagen.
Über Dietrichs Machtgrundlagen ist nur wenig bekannt. Zu den bedeutendsten Orten seines Gebotsbereiches gehörten Eilenburg und die Burg Landsberg, nach der Dietrich spätestens von 1174 an auch zubenannt wurde. Das eigentliche Markengebiet reichte freilich viel weiter nach Osten; dort, jenseits der Schwarzen Elster, stiftete der WETTINER das Zisterzienserkloster Dobrilugk.
Markgraf Dietrich erkrankte zu Pfingsten 1184 auf dem Mainzer Hoffest und starb zu Beginn des Jahres 1185. Neben seiner Witwe Dobronega hinterließ er eine Tochter namens Gertrud, die als Nonne in das Kloster Gerbstedt eintrat. Sein Sohn Konrad war bereits im Jahre 1175 bei einem Turnier getötet worden. Ein zweiter, illegitimer Sohn mit Namen Dietrich, der aus einer Verbindung mit Kunigunde, der Witwe des Grafen Bernhard von Plötzkau, stammte, wurde Geistlicher. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wählte man ihn zum Bischof von Merseburg. Es gab somit keinen Nachkommen mehr, der diese wettinische Linie im Mannesstamm hätte fortführen können.