Die Ruine der Burg Camburg liegt in der gleichnamigen
kleinen Stadt an der Saale, etwa 20 km nördlich von Jena auf halber Strecke
nach Naumburg.
Die Markgrafen, für die Camburg als Stützpunkt gegenüber
den Ludowingern von großer Wichtigkeit war, ließen die Burg durch
Kastellane aus dem Stand der Ministerialität verwalten, die der Familie
eines Gerhards von Camburg angehörten. Vor allem in den Urkunden der Naumburger
Bischöfe treten von 1133 bis 1190 außerdem mehrfach Vertreter eines edelfreien
Geschlechts auf, das sich ebenfalls nach Camburg benennt. Da Camburg offenbar
eine zentrale Funktion für den südwestlichen Teil ihres Herrschaftsbereichs
zugedacht war, bemühten sich die Wettiner um den Ausbau der Burgsiedlung,
die dort bereits 1149 rechts der Saale bestand. Die Burg wird zum ersten
Mal 1166 in einer Urkunde Markgraf
Ottos des Reichen (1156-1190) urkundlich bezeugt. 1170 erscheint
ein Kaplan von Camburg als Zeuge in einer Urkunde Markgraf Ottos.
Die Burgkapelle selbst wird erstmals 1213 und in der Folgezeit mehrfach
erwähnt. Am Ende des 12. Jahrhunderts gehörte die Camburg neben Leipzig
und Meißen zu den wichtigsten Befestigungsanlagen Markgraf
Albrechts I. des Stolzen (reg. 1190-1195). Im Zuge der Auseinandersetzung
zwischen ihm und seinem jüngeren Bruder Dietrich
wurde die Burg 1191 von dem mit Dietrich verbündeten thüringischen
Landgrafen Hermann I belagert und eingenommen. 1194/95 hat Albrecht
die
Burg offenbar erneut ausbauen lassen.
1280 soll Camburg im Zuge der Kämpfe Albrecht II.
des Entarteten (1240-1314) mit seinen Söhnen durch Graf Günther
von Käfernburg erfolglos belagert worden sein. Es wird auch zuweilen angenommen,
dass auch Camburg zu den etwa 60 Burgen gehörte, die 1290/91 durch König
Rudolf von Habsburg und die Stadt Erfurt zerstört worden sind.
Nach häufigen Besitzerwechseln im 14. Jahrhundert wurde die Burg 1439
an die Vitzthume verkauft und im sächsischen Bruderkrieg 1450 durch
Kurfürst Friedrich II. den Sanftmütigen (1412-1464) bis auf
den Bergfried völlig zerstört. Auch in der Folgezeit wechselten die Stadt
Camburg und der Platz der Burg noch häufig den Besitzer: 1485 kamen sie
zunächst an die albertinische Linie, 1573 an die ernestinische
Linie der Wettiner, 1603 an das aus dieser Linie hervorgegangene
Herzogtum Sachsen-Altenburg und in der Folgezeit an weitere der vielfach
wechselnden ernestinischen Herzogtümer. Zur Zeit wird die Burg für die
Nutzung durch die Vereine der Stadt wieder hergerichtet.
Bei der unteren Burg in dem heute Turmberg genannten
Areal handelt es sich um eine etwa viereckige Anlage. Erhalten ist der
37 m hohe Bergfried mit einem Außendurchmesser von 11 m, der vermutlich
bereits im der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts oder am Beginn des
13. Jahrhunderts entstand. Von ihm gehen noch einige Reste der bogenförmigen
Burgmauer aus. Von der vermutlichen Oberburg, heute als Matzberg bezeichnet,
hat sich insbesondere der gewaltige 45 m lange, 25 m breite und 15 m hohe
Erdwall erhalten, der den Sporn nach Süden abriegelt. Zwischen beiden
besteht ein beträchtlicher Höhenunterschied.
Im Januar und Februar 1935 wurden die Unterburg zu einer "Jugendburg" der Hitlerjugend und des Bund Deutscher Mädel ausgebaut. Nach Abriss einer Gastwirtschaft kamen bei der Anlage einer Baugrube entlang des Westrandes des Berges mehrere Mauerzüge und Funde zu Tage. An der Stelle des heutigen L-förmigen Wohntraktes wurden ein leicht trapezförmiger Keller (5 x 6 m) und weitere Fundamentreste freigelegt und anschließend durch Prof. Dr. Gotthard Neumann und die Mitarbeiter des Germanischen Museums der Universität Jena vermessen. Die Mauern gehören zu einem größeren und wohl auch repräsentativen Gebäude, das sich südlich des Bergfriedes erhob. Da die Räume Brandspuren aufwiesen und mit Bau- bzw. Brandschutt aufgefüllt waren, der eine große Zahl von Funden enthielt, kann davon ausgegangen werden, dass dieses Gebäude durch einen Brand zerstört wurde.
Die ältesten Funde stammen aus der Zeit zwischen 1080 und 1220/25. Bruchstücke älterer Keramik in slawischer Fertigungstradition liegen bisher weder vom Turm- noch vom Matzberg vor. Die Masse des keramischen Materials gehört der grauen/blaugrauen Irdenware des 13. bis 15. Jahrhunderts an. Neben der Irdenware ist auch Steinzeug mit mehreren Exemplaren vertreten, darunter eine so genannte Jacobakanne, die wohl aus Waldenburgererer Produktion stammt. Die Steinzeuggefäße datieren mehrheitlich in das 14. Jahrhundert. Wenige Stücke wie ein kleiner Henkeltopf und der Rest einer Mineralwasserflasche aus Steinzeug stammen erst aus der Neuzeit. Zu den außergewöhnlichen Keramikfunden gehören der Rest eines Aquamaniles in Form eines Pferdekopfes und der Torso eines Reiters. Die Reste eines Rippenbechers aus Glas gehören in die Mitte des 15. Jh. Unter den Fundmünzen sind ein Prager Groschen und der Deckel einer Dose für Meißner Groschen besonders hervorzuheben. Von den übrigen Funden sind ein achtzinkiger Steilkamm aus Bein und eine Reihe von Waffenteilen und Geräten aus Metall zu nennen, darunter eine Bolzenspitze, die Nuss einer Armbrust, Reste von zwei trapezförmigen Steigbügeln, mehrere Wellen- und Pantoffeleisen, ein Eseleisen, Kettenteile, ein Türband, zahlreiche Beschläge, eine Mist- und eine Fleischgabel u. a. m. Das Fragment eines Stachelsporens kann nur allgemein in das 10./11. Jh. datiert werden. Ein Geflügelknochen mit zentralem Bohrloch kann als Knebel oder als Brummer/Schwirrer, ein Spielzeug, bei dem mit Hilfe eines verdrehten Fadens ein Ton erzeugt wird, gedient haben.
Insgesamt bestätigt sich so die bereits aus den schriftlichen Quellen hervorgehende Errichtung der Burg frühestens in der zweiten Hälfte des 11. Jh. Ein seit dem 19. Jh. angenommenes und vereinzelt auch heute noch behauptetes Zurückreichen der Anlage ins 9./10. und beginnende 11. Jh. ist nahezu auszuschließen. Eine genauere archäologische Datierung der Anfänge ist jedoch weiterhin kaum möglich, an Hand der Funde ist lediglich eine Existenz einer Burg in der Zeit um 1200 bzw. im ersten Viertel des 13. Jh. gesichert. Ihr Ende fand die Anlage in der Mitte des 15. Jh., wobei ein Zusammenhang der beschriebenen Brandeinwirkungen mit der überlieferten Zerstörung im Sächsischen Bruderkrieg 1450 angenommen werden kann. Allerdings wurde das Gelände auch in der folgenden Zeit gelegentlich begangen und für verschiedenen Zwecke genutzt, worauf einige jüngere Funde hinweisen.
Auf der Oberburg wurden bisher keine archäologischen
Untersuchungen durchgeführt. Bei der Umgestaltung des Areals zu einem
Park am Beginn des 20. Jh. wurden einige wenige Funde geborgen. Hierzu
gehören ein weiterer Steilkamm, der ebenfalls nur allgemein in das 12.-14.
Jh. datiert werden kann, eine Lanzenspitze und sechs Armbrustbolzenspitzen.
Die Funde sind verschollen und lediglich als Zeichnung überliefert. Eine
Bestimmung des Alters der Anlage und ein Vergleich mit der Unterburg sind
somit nicht möglich. Unklar ist auch, ob der gewaltige Abschnittsweise
im Mittelalter errichtet oder zu einer bronzezeitlichen Burganlage gehört,
da vom Gelände der Unterburg einige urnenfelderzeitlichen Keramikbruchstücke
vorliegen.