Die "profilierteste Gestalt" unter den KAROLINGER-Frauen
(so Konecny) hat man Angilberga genannt;
sie stammte aus einem jener fränkischen Adelsgeschlechter, die fest
in Italien verwurzelt waren, von den SUPPONIDEN in Parma, und wurde
851 mit LUDWIG
II. - dem ältesten Sohn LOTHARS
I. - verlobt, dem bei der Erbteilung Italien zugesprochen
worden war. LUDWIG war 844 bereits
zum König der Langobarden gekrönt worden. Angilberga
hatte ein strakes Herrscher- und Familienbewußtsein,
Sinn für Macht und Besitz. Sie steht im Kreis ähnlich gearteter
Frauen: ihrer Tochter Irmgard, der
Gemahlin Bosos von Vienne, Liutgard,
Gemahlin
Ludwigs des Jüngeren,
Ageltrudis,
Witwe WIDOS
VON SPOLETO, die beim Anrücken des deutschen
Herrschers ARNULF
die Tore Roms schließen ließ und die ewige Stadt und die Kaiserwürde
für sich und ihren Sohn LAMBERT
verteidigte - allerdings ohne Erfolg. Angilberga
hat aktiv an der Politik teilgenommen, und zwar seit LUDWIGS
Erkrankung und Jagdverletzung 864. Sie wird bereits "consors et adiutrix
regni" genannt, als erste mittelalterliche Herrscherin. Söhnelos
wollte sie Italien und die Kaiserkrone den ostfränkischen KAROLINGERN
zuspielen
und verhandelte 872 mit Ludwig dem Deutschen;
der oberitalienische Adel erklärte sich jedoch für KARL
DEN KAHLEN. Sie verfügte über einen reichen Grundbesitz,
den sie klug und gewinnbringend zu verwalten verstand. Sie erbaute in Piacenza
ein Kloster, förderte mehrere Klöster und zog sich 877, zwei
Jahre nach LUDWIGS II. Tod, in ein
Kloster zurück.