Begraben: Laurentiuskapelle Reichenau
Sohn des Grafen
Manegold I. im Zürichgau
GENEALOGISCHES HANDBUCH DER SCHWEIZER GESCHICHTE Band IV
---------------------------------------------------------------------------------------
Hans Kläui: Seite 187
*********
13. Eberhard V. (Eppo)
Geboren um 980/90, + 1030/34.
Wurde verschiedentlich als Enkel des Thurgau-Grafen
Eberhard (Nr. 4) betrachtet, doch ist dies unwahrscheinlich. Da
er - wie Graf Manegold
- Vogt von Einsiedeln war, sein Sohn Eberhard
der Selige - ebenfalls wie Manegold (und er) - Graf des Zürichgaus,
ist er wohl ein Sohn (oder Enkel?) des Vertrauten der Kaiserin
Adelheid. Das Buch des Stiftes von Allerheiligen hebt seine
edle Geburt, aber auch seinen grimmigen Charakter hervor, der ihn selbst
bei hohen Herren gefürchtet machte. Er (oder ein anderer Graf Eberhard,
der dann als Zwischenglied zwischen ihm und Manegold
in Frage käme) tauscht nach 998 Apr. 28. die von Kaiser
OTTO III. an das Kloster Einsiedeln geschenkten, im Filsgau
gelegenen 4 Huben und den Ort Billizhausen gegen Besitz in Volketswil (Kanton
Zürich) und Stetten (Kanton Aargau) ab.
Zum Jahre 1009 meldet sodann Bernold die Verheiratung: "Temporibus
his, comes de Nellenburc, consobrinam HEINRICI
regis, Hedewig
nomine, de curia regis duxit uxorem." Die Frau, deren große Frömmigkeit
schließlich auch ihren Gatten bezähmt haben soll, war verwandt
mit Kaiser HEINRICH II., KONRAD
II. und Papst Leo IX. aus dem Geschlecht der Grafen von Egisheim.
Sie brachte ihrem Gatten reiche Güter im Nahegau, besonders in Kreuznach,
und die Burg Dill im Hunsrück in die Ehe und stiftete nach dessen
Tod das Kloster Pfaffen-Schwabenheim bei Kreuznach. Im Jahre 1029 überfiel
Graf Eppo das Kloster Einsiedeln, dessen
Vogt er war, und brannte es nieder, worauf seinem Geschlecht die Kastvogtei
über dieses für immer entzogen wurde. Kurz nach dieser Untat
muß er gestorben sein, denn seine Beisetzung in Reichenau durch seinen
Sohn, Graf
Eberhard den Seligen, fiel vor die Zeit des Konstanzer Bischofs
Eberhard (1034-1046).
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Eduard Hlawitschka: Seite 163
****************
"Untersuchungen"
Eberhard war mit Hedwig,
einer Verwandten Kaiser HEINRICHS II.,
verheiratet und hatte seinen Amtsbezirk im Zürichgau. Dort und im
Thurgau scheinen auch die älteren Vorfahren als Grafen tätig
gewesen zu sein. Über Hedwig
hatte Eberhard reichen Besitz
im Nahegau und wohl auch im Elsaß erlangt.
Kurt Hils: Seite 19,21
********
"Grafen von Nellenburg"
Die Erklärung einer so vornehmen Eheverbindung dürfte darin
zu suchen sein, dass man verwandtschaftliche Beziehungen der Vorfahren
der Nellenburger Familie
zum Geschlecht Herzog Burkhards annimmt. Schließlich wird sich Eppo
selber eine bedeutende Stellung unter HEINRICH
II. erworben haben, vielleicht in den Wirren von 1002/03.
Hedwig brachte als Mitgift Güter im Nahegau und sicher auch
im Elsaß mit.
Über Eppos Stellung ist sehr
wenig bekannt. Die Nachricht Rüegers, dass ein
Graf Eberhard von Nellenburg
987 von OTTO III. Freiheiten über
etliche Güter erhalten hätte, ist entgegen Tumbült nicht
auf Eppo zu beziehen, da dieser 987
zu jung gewesen sein dürfte.
Die Einsiedler Quellen betichten über einen Eppo:
"Eppo Deo odoblis, qui monasterium
nostrum Heremi loci incendit et combussit sub Embricone abbate; pro quo
reatu postea data est huoba in supradicta villa Stetten." In diesem Eppo,
der den Klosterbrand legt, wird häufig der NELLENBURGER
vermutet. Als Begründung wird angeführt, dass bis 991
Manegold,
der Günstling der Kaiserin Adelheid,
die Einsiedler Vogtei innegehabt hat und er zu den Nellenburger
Vorfahren gehört. Von diesem Manegold
hatte Eppo als Verwandter die
Vogtei erhalten, die ihm unter Abt Embrico (1026-1051) entzogen worden
sein soll. Aus Rache habe er dann die Klostergebäude angezündet.
Kläui möchte diesen Brand allerdings mit der Güterkonfiskation
des Rebellen und Verbündeten Herzog Ernsts, Werner von Kyburg, in
Zusammenhang bringen; aus Verärgerung, dass Eppo
nichts aus dem Konfiskationsgut bekommen hatte, habe er das
Feuer gelegt. Keinesfalls jedoch kann Eppo der
Sohn oder der Neffe Manegolds
genannt werden; dafür fehlen stichhaltige Beweise. Das Jahr des Brandes,
1029, ist nur bei Tschudi überliefert, doch wird es durch die Meldung
der Einsiedler Annalen, 1031 sei mit dem Neubau des Klosters begonnen worden,
bestätigt. Im selben Ort, Stetten an der Reuß, in dem Eppo
zur Entschädigung Einsiedelns eine Hufe schenkt, wird auch Besitz
Eberhards von Nellenburg erwähnt.
Dennoch reichen die Argumente für eine Identifikation des Einsiedler
Eppo mit dem NELLENBURGER Eppo
nicht aus.
Nach der Eintragung im Einsiedler Nekrolog wäre also Eppo
im Februar gestorben. Das Stifterbuch setzt den Tod Eppos
noch in die Jugendzeit seines Sohnes Eberhard;
außerdem berichtet diese Quelle, dass nach Eppos
Tod sich seine Gattin Hedwig
auf ihre Eigengüter im Nahegau zurückgezogen und dort
mit ihrem Sohn Eberhard
ein Kloster in Pfaffenschwabenheim (Kreis Bingen) gegründet hat. Den
Tod Eppos möchten wir in die Jahre
1030-1035 verlegen, wobei es auf ein paar Jahre nicht ankommt. Dies paßt
auch dazu, dass die Laurentiuskapelle auf der Reichenau, in der
Eppo bestattet ist, unter Bischof Eberhard von Konstanz (1034-1049)
geweiht wurde. Weshalb Eppo schon 970
geboren sein soll, also erst mit ca. 39 Jahren geheiratet hätte (1009
etwa heiratet Eppo), ist uns unverständlich;
eine frühere Ehe vor 1009 anzunehmen, ist eine reine Konstruktion
der Genealogen.
um 1009
oo Hedwig (evtl. Tochter eines Egisheimer Grafen und der Brigida
von Bayern)
um 990-
Kinder:
Manegold II.
-17.8.1030 gefallen
Eberhard I. der Selige
-26.3 ca. 1078
Burkhard II.
-21.8.1040 gefallen
(18.6.1053 Isenburg)
Literatur:
----------
Hils, Kurt: Die Grafen von Nellenburg im 11. Jahrhundert. Ihre Stellung
zum Adel, zum Reich und zur Kirche, Eberhard Albert Verlag Freiburg 1967,
Seite 13,18-23,25,30,39,46-49,54,58,68,75 -