Lexikon des Mittelalters: Band II Seite 1490
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Capua
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Der Langobardische Dukat Benevent ließ die
antike Einheit der Region Sammium-Hirpinum als Langobardia minor wiedererstehen,
deren Bevölkerung durch die Aufnahme von Flüchtlingen aus Nord-
und Mittelitalien nach dem Fall des langobardischen Königreiches (774)
vermehrt wurde. Der ursprüngliche langobardische Gastaldat Capua
brachte im Laufe des 9. Jh. beginnend mit Landulf,
eine Dynastie hervor, die ab 900 unter Atenulf
den
Fürstentitel führte. Die Langobarden von Capua
mußten mehr als ein Jahrhundert mit den autonomen, an der
Küste liegenden Herzogtümern Gaeta, Neapel und Amalfi Krieg führen.
Nachdem sie in der Folge eine dynastische Verbindung mit dem Fürstentum
Benevent eingegangen waren, gerieten sie mit dem Byzantinischen Reich
in Konflikt, dessen unteritaliensichen Themen Apulia (Langobardia) und
Calabria Ende des 10. Jh. zum Katepanat Italia vereinigt wurden. Die Dynastie
von Capua
erreichte
ihren Höhepunkt unter Pandulf I. Eisenkopf (961-981),
der nach Leistung den Lehnseid an OTTO
I. die Langobardia minor wieder vereinigen konnte. Herzog
Pandulf erlangte 966 von Papst
Johannes XIII. die Erhebung der Kirche von Capua zum Metropolitansitz
"inter universas metropolis apostolicae sedi vicinior". Sie führte
sich auf den heiligen Priscus, einen Gefährten des heiligen Petrus
und Jünger Christi, zurück und besaß seit dem 4. Jh. Bischöfe.
Erster Erzbischof war der Bruder Pandulfs I. Eisenkopf, Johannes.
Capua wurde damit die erste Erzdiözese Kampaniens, das bis
dahin zur suburbikarischen Diözese Roms gehört hatte. Die zahlreichen
Suffragansitze des Erzbistums fielen mit den Zentren der Gastaldate und
Komitate im Gebiet des Fürstentums Capua
zusammen. Im Laufe des 10. Jh. nahm Capua
nach der Zerstörung der Klöster Montecassino und S. Voncenzi
al Voltutno deren Mönche innerhalb seiner Mauern auf; ihre Klöster
legten sich die Namen der Mutterklöster zu. Als die Mönche wieder
in ihren ursprünglichen Klöstern eingesetzt waren, gingen Montecassino
und S. Vincenzo, die unter KARL
DEM GROSSEN Reichsklöster geworden waren, in die Abhängigkeit
der Fürsten von Capua über. Im 11.
Jh. verfolgten die Herzöge von Capua,
vor allem Pandulf IV. (1026-1069) eine
von wechselndem Glück gekennzeichnete Expansionspolitik (temporäre
Unterwerfung von Neapel, Gaeta und Montecassino), die aber die Tragweite
der Kirchenreformbewegung zu wenig ins Kalkül zog. Die Präsenz
der Normannen in der benachbarten Grafschaft
Aversa, die von Herzog Sergius IV. von Neapel als Bollwerk gegen
die Langobarden von Capua
1030 gegründet worden war, bedrohte die Stadt. Richard
Quarrel Drengot führte von dieser Grafschaft aus einen Eroberungszug
gegen Capua, bei dem er politische Unterstützung
des Abtes Desiderius von Montecassino, eines der Hauptvertreter der gregorianischen
Reform in Kampanien, fand. Nach einer von Juni 1058 bis Mai 1062 dauernde
Belagerung fiel die langobardische Festung Capua
in Richards Hände, der den letzten Fürsten der Capuanischen
Dynastie, Landulf VI., absetzte.
Als Sitz eines normannischen Fürstentums wurde der Principatus Capuae
Teil der zentralistisch-feudalen Monarchie
Rogers
II. (1130), bewahrte jedoch seine historisch gewachsene Individualität,
die auch im sizilischen Königstitel zum Ausdruck kommt.