Grafen von Aversa
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Lexikon des Mittelalters: Band I Seite 1296
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Aversa
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Stadt in S-Italien (Provinz Caserta)

An der Stelle der 1022 bezeugten Casale ad S. Paulum ad Averze in der Nähe des zerstörten antiken Atella gründete der seit 1017 in Unteritalien auftretende Rainulf Drengot auf Grund einer Verleihung des Herzogs Sergius IV. von Neapel 1030 das befestigte Kastell Aversa als Sitz einer Neapel gegen das Fürstentum Capua abschirmenden Grafschaft, die sich über die fruchtbare Ebene der Liburia erstreckte. Dank des Zuzugs weiterer Normannen aus N-Frankreich gelang es Rainulf (+ 1045) und seinen Nachfolgern, Aversa zu einem planmäßig angelegten, ummauerten städtischen Siedlungszentrum auszubauen, das auch Bewohner der Liburia aufnahm und sich zum Sitz eines ansehnlichen normannischen Baronats entwickelte. Rainulf löste die Grafschaft vom Herzogtum Neapel, indem er sich 1033/34 mit Fürst Pandulf IV. von Capua, dann mit Fürsten Waimar V. von Salerno (+ 1052) verband, der ihm 1038 die Belehnung durch Kaiser KONRAD II. vermittelte und auch seine Nachfolger einsetzte. Die erneute Belehnung des Grafen Rainulf II. Tricanotte (1046-1048) durch Kaiser HEINRICH III. im Februar 1047 wahrte noch Rechte des Fürsten von Salerno. Graf Richard Quarrel (1050-1078) eroberte 1058 das Fürstentum Capua und gewann damit dessen politische Legitimation und Tradition. Obwohl Aversa damit seinen Rang als Herrschaftsmittelpunkt an Capua verlor, blieb die um 1053 durch Papst Leo IX. zum Bistumssitz erhobene Stadt der Hauptort der normannischen Siedlung in der Terra di Lavoro. Die von den normannischen Fürsten von Capua angestrebte und von Calixt II. sanktionierte Exemition des Bistums Aversa, das 1207 einen Teil der Diözese Cuma aufnahm, wurde von den Päpsten Ende des 13. Jh. zugunsten des Erzbischofs von Neapel aufgehoben. Das von Graf Richard I. gegründete Kloster S. Lorenzo in Aversa nahm mit seinen zahlreichen, nach dem Vorbild von Cluny zusammengeschlossenen Obödienzen in Apulien und in der Basilicata einen großen Anteil an der kirchlichen Reform Unteritaliens. Geistiger Mittelpunkt war im 11. und 12. Jh. die Schule der Domkirche S. Paolo, deren Ansehen Alfanus von Salerno (+ um 1085) zum Vergleich mit Athen beflügelte.
Wegen des Widerstandes gegen die normannische Reichsgründung ließ König Roger II. 1135 die Mauern von Aversa schleifen und Teile der Stadt zerstören, ordnete aber selbst den raschen Wiederaufbau an, bei dem das herrschaftliche Kastell an den Rand der Stadt verlegt wurde. Seit dem Ende des Fürstentums Capua (1156) war Aversa königliche Stadt. Im 14. und 15. Jh. residierten die Könige von Neapel wiederholt in Aversa, wo 1345 Andreas von Ungarn, der erste Gemahl der Königin Johannas I. (1343-1382), ermordet wurde. Unter Einbeziehung der Casali des städtischen Territoriums besaß die Stadt Aversa, die als Nahmarkt der Liburia eine wirtschaftliche Funktion bewahrte, 1268/69 670, 1532 3.644 Feuerstellen.