4. Sohn des Herzogs
Markward II. von Kärnten und der Liutbirg von Plain,
Tochter von Graf Liutold II.
GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Wegener Dr. Wilhelm: Seite 113
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19. ULRICH II.
Abt von St. Gallen und Patriarch von Aquileja
1077 (Anfang September) eodem anno (HEINRICH
IV.) quendam iuvenem sui cognatum domini Marcuardi Carnotensis
filium in abbatem hic promovit Contin. cassum monast. s. Galli SS 2, 156;
in eodem itinere ... celle s. Galli quendam consanguineum suum eiusdem
loci non monachum ... constituit super abbatiam Bertholdi Annales SS 5,
301
1086 nach 23/2 de Oudalrico
patriarcha: igitur rex
HEINRICUS abbatem monasterii s. Galli patriarcheam apud Aquilegiam
constituit et utramque potestatem habere permisit Casus monast. Petrihus.
SS 20, 656
1086 (April) Feindschaft des ZÄHRINGERS Berthold
gegen Abt Ulrich, quia suus frater
Liutoldus aliqua sui iuris, ut sibi visum est, sc. ducatum Carinthie concessione
regia obtinuit (Heinricus) marchiam Istriam sub eadem concessione possedit.
Contin. cassum s. Galli SS 2, 159.
+ 2/4 1121 Kärnt. UB 3, 228 n 566.
Tangl Dr. Karlmann: Seite 235
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"Haus Eppenstein"
Nach der Vertreibung des Abtes Luitold ernannte König HEINRICH einen seiner Anverwandten, nämlich des Kärntner Herzogs Marquard Sohn, der noch ein Jüngling war, zum Abt jenes Stiftes. Dieser Ulrich als Abt Ulrich III. ist derselbe, welcher 1085 zum Patriarchen von Aquileja erwählt wurde. König HEINRICH brauchte in jenen Gegenden, wo seine Feinde, die Herzöge RUDOLF, Welf und Berthold so mächtig und einflussreich waren, einen Verfechter seiner Sache und einen solchen fand er in dem jungen, tatkräftigen, ihm ganz ergebenen Ulrich, der das Schwert wenigstens eben so gut, wenn nicht gar besser, als das Kreuz zu führen wusste. Hohe Abkunft, Verwandtschaft mit dem König, die hervorragende Stellung seiner Brüder, Talent, Mut, persönliche Tapferkeit, Ausdauer und Vorsorge für die Seinigen, verschafften ihm ein ungemeines Ansehen und flößten selbst seinen Feinden, deren Schrecken er war, Achtung ein. Die von seinen drei Vorgängern gesammelten Schätze gaben ihm anfänglich die Mittel zur Kriegsführung und als sie erschöpft waren und die in Alemannien, Schwaben und Bayern gelegenen zerstreuten Klostergüter von seinen Feinden in Besitz genommen waren und demnach im Kloster höchste Not entstand und die Mönche, um nicht Hungers zu sterben, alle Kirchengerätschaften verkaufen mussten, da lebte er vom Kriege selbst und plünderte zur Wiedervergeltung die Besitzungen seiner Feinde.
Klaar Karl-Engelhard: Seite 107-118
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"Die Herrschaft der Eppensteiner in Kärnten" (1966)
Mit dem Tode Markwarts tritt eine neue Generation
ins Blickfeld - die erste in der Folge der bayerisch-kärntnerischen
MARKWARTE, auf welche sich die herkömmliche Bezeichnung als EPPENSTEINER
begründeterweise anwenden lässt. Erst jetzt kann die Zubenennung
nach jener Burg wenigstens sprachlich nachgewiesen werden [Nr. 99], erst
jetzt ist ein Zusammenwirken mehrerer Glieder der MARKWART-Sippe im Sinne
einer Hauspolitik zu beobachten. Dass dieses Werden eines Adelsgeschlechtes
vergleichsweise spät erfolgt, liegt wesentlich an Herzog
Adalberos Sturz, der gewiss vorhandene innere Entwicklungsfäden
vorerst abgeschnitten hatte. Das oben behandelte Bemühen Markwarts
um
Besitzkonzentration zeigt, dass der neue Ansatz einen Vorgang von mehr
als einer Generation Dauer bedingte. Erst Markwarts Söhnen
sollte die Entwicklung im Reiche die Möglichkeit geben, auf der vom
Vater überkommenen Grundlage eigenen politischen Handelns zu der öffentlichen
Geltung aufzusteigen, welche zu erlangen jenen noch versagt geblieben war.
Ein Blick zeigt, dass auch die biologischen Voraussetzungen, um eine historische
Gegebenheit aussichtsreich für ein Geschlecht zu nutzen, durchaus
erfüllt waren. Wohl war ein gleichnamiger Sohn Markwarts noch vor
dem Vater gestorben, doch überlebten ihn vier weitere Söhne -
Liutolt,
Heinrich,
Ulrich und
Hermann[Nr.
40 e] -, so dass der Gedanke, es könnte diese erste EPPENSTEINER-Generation
zugleich die letzte sein, jedenfalls für 1076 nicht eben nahe liegt,
auch wenn man annimmt, dass die beiden letztgenannten Brüder schon
damals dem geistlichen Berufe bestimmt waren.
Noch im selben Jahre, 1077, setzte HEINRICH
IV. den an Kärnten entzündeten Gegensatz zwischen
EPPENSTEINERN
und ZÄHRINGERN auch im Stammlande der letzteren, in Schwaben,
für seine Zwecke ein, indem er Ulrich,
quendam fuvenem sui cognatum, domini Marcuardi Carnotensis filium, unter
dem Beifall des Konvents, welcher einen vom Gegenkönig aufgenötigten
Abt ablehnte, zum Abt von St. Gallen erhob. Abt
Ulrich erwies sich in der Folgezeit als besonders zuverlässiger
Vertreter der königlichen Interessen in SW-Deutschland.
Er hatte sich dabei namentlich mit den Söhnen des
im Jahre nach seiner Absetzung verstorbenen Herzogs Bertolt, Bertolt II.,
welcher den Herzogstitel beibehielt, und Gebhart, seit 1084 Bischof von
Konstanz, auseinander zu setzen, außerdem mit dem Grafen von Bregenz
und gleich von Anfang an mit der Abtei Reichenau, deren Abt Ekkart
(1072-1088) der Nellenburger Grafenfamilie angehörte. Hier wurde Ulrich
1079
zugleich als königlicher Gegen-Abt eingesetzt.
Durch die Continuatio casuum sancti Galli sind wir über
dieses hier nicht neuerlich im einzelnen nachzuerzählenden Wirken
Ulrichs in Schwaben ausführlich
und zusammenhängend unterrichtet - besser als über irgendeinem
anderen EPPENSTEINER, besser insbesondere als über seinen Bruder
Liutolt. Wie von dessen Großvater [Nr. 28], so kennen wir auch von
ihm mehrere Fälle richterlicher Funktion in der Veroneser Mark, die
sich etwa gleichmäßig über seine ganze Herzogszeit verteilen
(1078-1089; Nr. 61). In der Umgebung des Königs findet er sich außer
zu Beginn seines Dukats nur noch zweimal bezeugt, einmal in seinem eigenen
Sprengel [1082; nr. 62], das andere Mal gelegentlich des Reichstages zu
Mainz im Jahre 1085 [Nr. 64]. Des Bruders Abtwürde war seiner Stellung
in königstreuen Kreisen des Reiches ohne Zweifel ganz allgemein förderlich,
namentlich aber gilt dies für Kärnten selbst. Es wird ausdrücklich
berichtet, dass Bertolt II. von Zähringen unter anderem besonders
deshalb mit Ulrich von St. Gallen verfeindet,
ihm geradezu neidisch war, weil dessen Brüder Kärnten und Istrien
innehatten, auf welches Bertolt selbst ein Anrecht zu haben glaubte [Nr.
65]. Wenn die sankt-gallische Quelle dabei den ZÄHRINGER als Markgrafen
bezeichnet, so ist darauf hinzuweisen, dass er in antikaiserlichen Zeugnissen
als Herzog erscheint, also den väterlichen Titel beanspruchte. Die
Quelle hebt zugleich unmissverständlich die von den eppensteinischen
Brüdern betriebene Hauspolitik hervor.
Wertvoller als Hermanns
Passauer Episkopat war
für die Schaffung einer eppensteinischen Herrschaft im Ost-Alpenland
der weitere Aufstieg seines St. Galler Bruders
Ulrich.
Diesen übertrug der Kaiser im Mai 1086 die Patriarchenwürde
von Aquileja, wobei hervorgehoben wird, dass
Ulrich zugleich Abt von St. Gallen blieb. Den Wirkungsbereich
des kampferprobten Mannes zu erweitern, empfahl sich dem Kaiser zweifellos
von selbst. Dass dafür gerade Aquileja gewählt wurde, darf indes
auf entsprechende Einflussnahme Ulrichs
und seiner Brüder selbst zurückgeführt werden.
Beziehungen über die Alpen südwärts wurden, wie bereits
erörtert, spätestens von Ulrichs
Vater
Markwart unterhalten, ganz abgesehen von den Aufgaben der Amtsführung,
welche bereits Herzog Adalbero dort wahrgenommen hatte. Die von Markwart
versehene
Aquilejer Vogtei [Nrn. 46, 51] hatte sehr wahrscheinlich unmittelbar auf
seinen Sohn Heinrich vererbt werden können [Nr. 70]. Die Vereinigung
von Patriarchat und Vogtei in den Händen zweier Brüder aus einer
Familie, in deren engerem Interessenbereich Aquileja lag, bedeutete eine
erhebliche Steigerung der Möglichkeiten eigener Hauspolitik für
diese Familie. Das gilt um so mehr, als der Hauptbesitz der EPPENSTEINER
wohl in Kärnten selbst, die entwickelten Ansätze zur Staatlichkeit
dagegen in den bis 1077 zugehörigen südlichen Marken lagen, deren
wenigstens zwei, Istrien und Krain, um die Mitte der 80-er Jahre zwar nicht
Herzog
Liutolt direkt, aber sein Bruder, der Aquilejer Vogt Heinrich innehatte
[Nr. 65], dazu der Herzog selbst die Mark Verona [Nr. 61].