Ulrich III. von Eppenstein                          Abt von St. Gallen (1077-1121)
--------------------------------                         Patriarch von Aquileja (1085-1121)
um 1055-21.12.1121
 

4. Sohn des Herzogs Markward II. von Kärnten und der Liutbirg von Plain, Tochter von Graf Liutold II.
 

GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Wegener Dr. Wilhelm: Seite 113
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19. ULRICH II.

Abt von St. Gallen und Patriarch von Aquileja
1077 (Anfang September) eodem anno (HEINRICH IV.) quendam iuvenem sui cognatum domini Marcuardi Carnotensis filium in abbatem hic promovit Contin. cassum monast. s. Galli SS 2, 156; in eodem itinere ... celle s. Galli quendam consanguineum suum eiusdem loci non monachum ... constituit super abbatiam Bertholdi Annales SS 5, 301
1086 nach 23/2 de Oudalrico patriarcha: igitur rex HEINRICUS abbatem monasterii s. Galli patriarcheam apud Aquilegiam constituit et utramque potestatem habere permisit Casus monast. Petrihus. SS 20, 656
1086 (April) Feindschaft des ZÄHRINGERS Berthold gegen Abt Ulrich, quia suus frater Liutoldus aliqua sui iuris, ut sibi visum est, sc. ducatum Carinthie concessione regia obtinuit (Heinricus) marchiam Istriam sub eadem concessione possedit. Contin. cassum s. Galli SS 2, 159.
+ 2/4 1121 Kärnt. UB 3, 228 n 566.


Ulrich von Eppenstein wurde 1077 Abt von St. Gallen, 1079 von Reichenau und 1085 Patriarch von Aquileia. Er verbesserte die Positionen des Bruders im Patriarchat und in Friaul und war als Doppel-Abt schroffer Gegner der Häuser RHEINFELDEN und ZÄHRINGEN. Er war besonders Gegner des ZÄHRINGERS Bischof Gebhard von Konstanz, der stark päpstlich war. Als Patriarch von Aquileia stand er besonders gegen die Markgräfin Mathilde von Tuszien, unterstützte Kaiser HEINRICH V., war 1110/11 mit in Italien und half Papst Paschalis II. zu inhaftieren.

Tangl Dr. Karlmann: Seite 235
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"Haus Eppenstein"

Nach der Vertreibung des Abtes Luitold ernannte König HEINRICH einen seiner Anverwandten, nämlich des Kärntner Herzogs Marquard Sohn, der noch ein Jüngling war, zum Abt jenes Stiftes. Dieser Ulrich als Abt Ulrich III. ist derselbe, welcher 1085 zum Patriarchen von Aquileja erwählt wurde. König HEINRICH brauchte in jenen Gegenden, wo seine Feinde, die Herzöge RUDOLF, Welf und Berthold so mächtig und einflussreich waren, einen Verfechter seiner Sache und einen solchen fand er in dem jungen, tatkräftigen, ihm ganz ergebenen Ulrich, der das Schwert wenigstens eben so gut, wenn nicht gar besser, als das Kreuz zu führen wusste. Hohe Abkunft, Verwandtschaft mit dem König, die hervorragende Stellung seiner Brüder, Talent, Mut, persönliche Tapferkeit, Ausdauer und Vorsorge für die Seinigen, verschafften ihm ein ungemeines Ansehen und flößten selbst seinen Feinden, deren Schrecken er war, Achtung ein. Die von seinen drei Vorgängern gesammelten Schätze gaben ihm anfänglich die Mittel zur Kriegsführung und als sie erschöpft waren und die in Alemannien, Schwaben und Bayern gelegenen zerstreuten Klostergüter von seinen Feinden in Besitz genommen waren und demnach im Kloster höchste Not entstand und die Mönche, um nicht Hungers zu sterben, alle Kirchengerätschaften verkaufen mussten, da lebte er vom Kriege selbst und plünderte zur Wiedervergeltung die Besitzungen seiner Feinde.

Klaar Karl-Engelhard: Seite 107-118
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"Die Herrschaft der Eppensteiner in Kärnten" (1966)

Mit dem Tode Markwarts tritt eine neue Generation ins Blickfeld - die erste in der Folge der bayerisch-kärntnerischen MARKWARTE, auf welche sich die herkömmliche Bezeichnung als EPPENSTEINER begründeterweise anwenden lässt. Erst jetzt kann die Zubenennung nach jener Burg wenigstens sprachlich nachgewiesen werden [Nr. 99], erst jetzt ist ein Zusammenwirken mehrerer Glieder der MARKWART-Sippe im Sinne einer Hauspolitik zu beobachten. Dass dieses Werden eines Adelsgeschlechtes vergleichsweise spät erfolgt, liegt wesentlich an Herzog Adalberos Sturz, der gewiss vorhandene innere Entwicklungsfäden vorerst abgeschnitten hatte. Das oben behandelte Bemühen Markwarts um Besitzkonzentration zeigt, dass der neue Ansatz einen Vorgang von mehr als einer Generation Dauer bedingte. Erst Markwarts Söhnen sollte die Entwicklung im Reiche die Möglichkeit geben, auf der vom Vater überkommenen Grundlage eigenen politischen Handelns zu der öffentlichen Geltung aufzusteigen, welche zu erlangen jenen noch versagt geblieben war. Ein Blick zeigt, dass auch die biologischen Voraussetzungen, um eine historische Gegebenheit aussichtsreich für ein Geschlecht zu nutzen, durchaus erfüllt waren. Wohl war ein gleichnamiger Sohn Markwarts noch vor dem Vater gestorben, doch überlebten ihn vier weitere Söhne - Liutolt, Heinrich, Ulrich und Hermann[Nr. 40 e] -, so dass der Gedanke, es könnte diese erste EPPENSTEINER-Generation zugleich die letzte sein, jedenfalls für 1076 nicht eben nahe liegt, auch wenn man annimmt, dass die beiden letztgenannten Brüder schon damals dem geistlichen Berufe bestimmt waren.
Noch im selben Jahre, 1077, setzte HEINRICH IV. den an Kärnten entzündeten Gegensatz zwischen EPPENSTEINERN und ZÄHRINGERN auch im Stammlande der letzteren, in Schwaben, für seine Zwecke ein, indem er Ulrich, quendam fuvenem sui cognatum, domini Marcuardi Carnotensis filium, unter dem Beifall des Konvents, welcher einen vom Gegenkönig aufgenötigten Abt ablehnte, zum Abt von St. Gallen erhob. Abt Ulrich erwies sich in der Folgezeit als besonders zuverlässiger Vertreter der königlichen Interessen in SW-Deutschland.
Er hatte sich dabei namentlich mit den Söhnen des im Jahre nach seiner Absetzung verstorbenen Herzogs Bertolt, Bertolt II., welcher den Herzogstitel beibehielt, und Gebhart, seit 1084 Bischof von Konstanz, auseinander zu setzen, außerdem mit dem Grafen von Bregenz und gleich von Anfang an mit der Abtei Reichenau, deren Abt Ekkart (1072-1088) der Nellenburger Grafenfamilie angehörte. Hier wurde Ulrich 1079 zugleich als königlicher Gegen-Abt eingesetzt.
Durch die Continuatio casuum sancti Galli sind wir über dieses hier nicht neuerlich im einzelnen nachzuerzählenden Wirken Ulrichs in Schwaben ausführlich und zusammenhängend unterrichtet - besser als über irgendeinem anderen EPPENSTEINER, besser insbesondere als über seinen Bruder Liutolt. Wie von dessen Großvater [Nr. 28], so kennen wir auch von ihm mehrere Fälle richterlicher Funktion in der Veroneser Mark, die sich etwa gleichmäßig über seine ganze Herzogszeit verteilen (1078-1089; Nr. 61). In der Umgebung des Königs findet er sich außer zu Beginn seines Dukats nur noch zweimal bezeugt, einmal in seinem eigenen Sprengel [1082; nr. 62], das andere Mal gelegentlich des Reichstages zu Mainz im Jahre 1085 [Nr. 64]. Des Bruders Abtwürde war seiner Stellung in königstreuen Kreisen des Reiches ohne Zweifel ganz allgemein förderlich, namentlich aber gilt dies für Kärnten selbst. Es wird ausdrücklich berichtet, dass Bertolt II. von Zähringen unter anderem besonders deshalb mit Ulrich von St. Gallen verfeindet, ihm geradezu neidisch war, weil dessen Brüder Kärnten und Istrien innehatten, auf welches Bertolt selbst ein Anrecht zu haben glaubte [Nr. 65]. Wenn die sankt-gallische Quelle dabei den ZÄHRINGER als Markgrafen bezeichnet, so ist darauf hinzuweisen, dass er in antikaiserlichen Zeugnissen als Herzog erscheint, also den väterlichen Titel beanspruchte. Die Quelle hebt zugleich unmissverständlich die von den eppensteinischen Brüdern betriebene Hauspolitik hervor.
Wertvoller als Hermanns Passauer Episkopat war für die Schaffung einer eppensteinischen Herrschaft im Ost-Alpenland der weitere Aufstieg seines St. Galler Bruders Ulrich. Diesen übertrug der Kaiser im Mai 1086 die Patriarchenwürde von Aquileja, wobei hervorgehoben wird, dass Ulrich zugleich Abt von St. Gallen blieb. Den Wirkungsbereich des kampferprobten Mannes zu erweitern, empfahl sich dem Kaiser zweifellos von selbst. Dass dafür gerade Aquileja gewählt wurde, darf indes auf entsprechende Einflussnahme Ulrichs und seiner Brüder selbst zurückgeführt werden. Beziehungen über die Alpen südwärts wurden, wie bereits erörtert, spätestens von Ulrichs Vater Markwart unterhalten, ganz abgesehen von den Aufgaben der Amtsführung, welche bereits Herzog Adalbero dort wahrgenommen hatte. Die von Markwart versehene Aquilejer Vogtei [Nrn. 46, 51] hatte sehr wahrscheinlich unmittelbar auf seinen Sohn Heinrich vererbt werden können [Nr. 70]. Die Vereinigung von Patriarchat und Vogtei in den Händen zweier Brüder aus einer Familie, in deren engerem Interessenbereich Aquileja lag, bedeutete eine erhebliche Steigerung der Möglichkeiten eigener Hauspolitik für diese Familie. Das gilt um so mehr, als der Hauptbesitz der EPPENSTEINER wohl in Kärnten selbst, die entwickelten Ansätze zur Staatlichkeit dagegen in den bis 1077 zugehörigen südlichen Marken lagen, deren wenigstens zwei, Istrien und Krain, um die Mitte der 80-er Jahre zwar nicht Herzog Liutolt direkt, aber sein Bruder, der Aquilejer Vogt Heinrich innehatte [Nr. 65], dazu der Herzog selbst die Mark Verona [Nr. 61].