Hermann von Eppenstein                           Bischof von Passau(1085-1087)
-------------------------------
um 1055-21.9.1087
 

Jüngerer Sohn des Herzogs Markward II. (IV.)von Kärnten und der Liutbirg von Plain, Tochter von Graf Liutold II.
 

GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
---------------------------------------------------------------------------------------------------
Wegener Dr. Wilhelm: Seite 114
******************
20. HERMANN

Bischof von Passau
F. u. eV. (1085 4-6/5 Mainz) presul Altmannus (von Passau) sede sua privatur, Herimannus frater ducis Liutoldi pontificali infula sublimatur Vita Altmanni episcopi Patav. SS 12, 234;
+ 1087 Herimannus autem vix per biennium oves alienas totondit et mulsit et sic iudicio dei vitam cum infula amisit ebenda; ähnlich Bernoldi Chron. SS 5, 446 f.


Tangl Dr. Karlmann: Seite 256
*****************
"Haus Eppenstein"

Nicht so glücklich wie Ulrich war sein Bruder Hermann, welchen der Kaiser auf der Synode zu Mainz im Jahre 1085 an die Stelle des der päpstlichen Partei anhängenden Bischofs Altmann zum Bischof von Passau ernannt hatte. Als Bischof Hermann in Passau einzog, begrüßte ihn der Klerus voll Freude. Aber diese Freude dauerte nur kurz und schlug bald in Trauer um. Hermann scheint weder Ulrichs Geist noch Tatkraft besessen zu haben, auch mochte er es wohl fühlen, dass er einen Mann verdrängt habe, mit dem er sich in keiner Art von Verdiensten messen könne. Auch war sein Wirken als Bischof bloß auf jenen Teil des Passauer Sprengels beschränkt, welcher in Bayern lag, während die ebenfalls dazu gehörige Ostmark so wie die Mark Steier den Bischof Altmann als ihren rechtmäßigen Oberhirten anerkannten.
Im Jahre 1087 starb Hermann der Bischof von Passau, der erst zwei Jahre vorher zu diesem Bistum gelangt war. Ebenso konnte auch Hermann schon früher, vielleicht wirklich schon 1079 vom Kaiser zum Bischof von Passau ernannt worden sein, und sich in den Besitz der Bistumsgüter gesetzt haben, besonders da ihm die Geistlichkeit und Bürgerschaft freundschaftlich gesinnt war. Er konnte aber vielleicht erst 1085 das kanonische Alter von 30 Jahren erreicht haben und somit erst in diesem Jahr geweiht worden und wirklicher Bischof geworden sein.
Ist meine oben ausgesprochene Ansicht richtig, so starb Hermann ungefähr in seinem 32. Jahre, viel zu früh für seine Hoffnungen, für die Macht seines Hauses und für die Sache des Kaisers. Auf dem Sterbebett soll er bittere Reue über Altmanns Verdrängung und große wegen des auf ihm lastenden Bannfluches empfunden haben, weshalb die Feinde der kaiserlichen Partei seinen Tod den Schismatikern als ein warnendes und abschreckendes Beispiel vorhielten.

Klaar Karl-Engelhard: Seite 107-118
******************
"Die Herrschaft der Eppensteiner in Kärnten" (1966)

Mit dem Tode Markwarts tritt eine neue Generation ins Blickfeld - die erste in der Folge der bayerisch-kärntnerischen MARKWARTE, auf welche sich die herkömmliche Bezeichnung als EPPENSTEINER begründeterweise anwenden lässt. Erst jetzt kann die Zubenennung nach jener Burg wenigstens sprachlich nachgewiesen werden [Nr. 99], erst jetzt ist ein Zusammenwirken mehrerer Glieder der Markwart-Sippe im Sinne einer Hauspolitik zu beobachten. Dass dieses Werden eines Adelsgeschlechtes vergleichsweise spät erfolgt, liegt wesentlich an Herzog Adalberos Sturz, der gewiss vorhandene innere Entwicklungsfäden vorerst abgeschnitten hatte. Das oben behandelte Bemühen Markwarts um Besitzkonzentration zeigt, dass der neue Ansatz einen Vorgang von mehr als einer Generation Dauer bedingte. Erst Markwarts Söhnen sollte die Entwicklung im Reiche die Möglichkeit geben, auf der vom Vater überkommenen Grundlage eigenen politischen Handelns zu der öffentlichen Geltung aufzusteigen, welche zu erlangen jenen noch versagt geblieben war. Ein Blick zeigt, dass auch die biologischen Voraussetzungen, um eine historische Gegebenheit aussichtsreich für ein Geschlecht zu nutzen, durchaus erfüllt waren. Wohl war ein gleichnamiger Sohn Markwarts noch vor dem Vater gestorben, doch überlebten ihn 4 weitere Söhne - Liutolt, Heinrich, Ulrich und Hermann [Nr. 40 e] -, so dass der Gedanke, es könnte diese erste EPPENSTEINER-Generation zugleich die letzte sein, jedenfalls für 1076 nicht eben nahe liegt, auch wenn man annimmt, dass die beiden letztgenannten Brüder schon damals dem geistlichen Berufe bestimmt waren.
Im Jahre zuvor schon hatte nämlich HEINRICH IV. einen auch in Nr. 40 c genannten 4. der Brüder - Herimannus frater ducis Liutoldi nennt ihn die Quelle - zum Gegenbischof von Passau erhoben. Über seine kurze Wirksamkeit ist unmittelbar nur wenig bekannt, da die Vita von Hermanns Gegner Altmann darauf nur mit Schmähungen eingeht. Die Wichtigkeit von Hermanns Rolle geht aber zur Genüge aus der Bedeutung dessen hervor, dem zum Gegenspieler ihn der Kaiser ausersah. Bischof Altmann war einer der überzeugtesten unter den wenigen Anhängern Gregors VII. im höheren deutschen Klerus und seit 1080 päpstlicher Legat für Deutschland. Da Hermann sich auf die gregorianischen Ideen der Klerusreform und damit ihrem Ordinarius weitgehend abgeneigte Bistums-Geistlichkeit stützen konnte, welche ihn mit Dankespsalmen empfangen hatte, gelang es ihm, Altmanns bischöfliches Wirken auf den Ostteil der Diözese beschränkt zu halten. Von Erzbischof Gebhart, der nach 9-jährigem Exil Salzburg in Begleitung Altmanns wieder hatte betreten können, wurde Hermann gebannt und starb schon 1087; der Kaiser gab ihm sogleich einen Nachfolger, um die Position gegen Altmann zu erhalten.