Jüngerer Sohn des Herzogs
Markward II. (IV.)von Kärnten und der Liutbirg von Plain,
Tochter von Graf Liutold II.
GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
---------------------------------------------------------------------------------------------------
Wegener Dr. Wilhelm: Seite 114
******************
20. HERMANN
Bischof von Passau
F. u. eV. (1085 4-6/5 Mainz) presul Altmannus (von Passau)
sede sua privatur, Herimannus frater
ducis
Liutoldi pontificali infula sublimatur Vita Altmanni episcopi Patav.
SS 12, 234;
+ 1087 Herimannus
autem vix per biennium oves alienas totondit et mulsit et sic
iudicio dei vitam cum infula amisit ebenda; ähnlich Bernoldi Chron.
SS 5, 446 f.
Nicht so glücklich wie Ulrich
war sein Bruder Hermann,
welchen der Kaiser auf der Synode zu Mainz im Jahre 1085 an die Stelle
des der päpstlichen Partei anhängenden Bischofs Altmann zum Bischof
von Passau ernannt hatte. Als Bischof Hermann
in Passau einzog, begrüßte ihn der Klerus voll Freude. Aber
diese Freude dauerte nur kurz und schlug bald in Trauer um. Hermann
scheint
weder Ulrichs Geist noch Tatkraft besessen zu haben, auch mochte er es
wohl fühlen, dass er einen Mann verdrängt habe, mit dem er sich
in keiner Art von Verdiensten messen könne. Auch war sein Wirken als
Bischof bloß auf jenen Teil des Passauer Sprengels beschränkt,
welcher in Bayern lag, während die ebenfalls dazu gehörige Ostmark
so wie die Mark Steier den Bischof Altmann als ihren rechtmäßigen
Oberhirten anerkannten.
Im Jahre 1087 starb Hermann
der Bischof von Passau, der erst zwei Jahre vorher zu
diesem Bistum gelangt war. Ebenso konnte auch Hermann
schon früher, vielleicht wirklich schon 1079 vom Kaiser zum
Bischof von Passau ernannt worden sein, und sich in den Besitz der Bistumsgüter
gesetzt haben, besonders da ihm die Geistlichkeit und Bürgerschaft
freundschaftlich gesinnt war. Er konnte aber vielleicht erst 1085 das kanonische
Alter von 30 Jahren erreicht haben und somit erst in diesem Jahr geweiht
worden und wirklicher Bischof geworden sein.
Ist meine oben ausgesprochene Ansicht richtig, so starb
Hermann ungefähr
in seinem 32. Jahre, viel zu früh für seine Hoffnungen, für
die Macht seines Hauses und für die Sache des Kaisers. Auf dem Sterbebett
soll er bittere Reue über Altmanns Verdrängung und große
wegen des auf ihm lastenden Bannfluches empfunden haben, weshalb die Feinde
der kaiserlichen Partei seinen Tod den Schismatikern als ein warnendes
und abschreckendes Beispiel vorhielten.
Klaar Karl-Engelhard: Seite 107-118
******************
"Die Herrschaft der Eppensteiner in Kärnten" (1966)
Mit dem Tode Markwarts tritt eine neue Generation
ins Blickfeld - die erste in der Folge der bayerisch-kärntnerischen
MARKWARTE, auf welche sich die herkömmliche Bezeichnung als EPPENSTEINER
begründeterweise anwenden lässt. Erst jetzt kann die Zubenennung
nach jener Burg wenigstens sprachlich nachgewiesen werden [Nr. 99], erst
jetzt ist ein Zusammenwirken mehrerer Glieder der Markwart-Sippe im Sinne
einer Hauspolitik zu beobachten. Dass dieses Werden eines Adelsgeschlechtes
vergleichsweise spät erfolgt, liegt wesentlich an Herzog
Adalberos Sturz, der gewiss vorhandene innere Entwicklungsfäden
vorerst abgeschnitten hatte. Das oben behandelte Bemühen Markwarts
um Besitzkonzentration zeigt, dass der neue Ansatz einen Vorgang von mehr
als einer Generation Dauer bedingte. Erst Markwarts Söhnen
sollte die Entwicklung im Reiche die Möglichkeit geben, auf der vom
Vater überkommenen Grundlage eigenen politischen Handelns zu der öffentlichen
Geltung aufzusteigen, welche zu erlangen jenen noch versagt geblieben war.
Ein Blick zeigt, dass auch die biologischen Voraussetzungen, um eine historische
Gegebenheit aussichtsreich für ein Geschlecht zu nutzen, durchaus
erfüllt waren. Wohl war ein gleichnamiger Sohn Markwarts noch
vor dem Vater gestorben, doch überlebten ihn 4 weitere Söhne
- Liutolt,
Heinrich,
Ulrich und Hermann [Nr. 40 e] -, so
dass der Gedanke, es könnte diese erste EPPENSTEINER-Generation
zugleich die letzte sein, jedenfalls für 1076 nicht eben nahe liegt,
auch wenn man annimmt, dass die beiden letztgenannten Brüder schon
damals dem geistlichen Berufe bestimmt waren.
Im Jahre zuvor schon hatte nämlich HEINRICH
IV. einen auch in Nr. 40 c genannten 4. der Brüder - Herimannus
frater
ducis Liutoldi nennt ihn die Quelle - zum Gegenbischof von Passau erhoben.
Über seine kurze Wirksamkeit ist unmittelbar nur wenig bekannt, da
die Vita von Hermanns
Gegner Altmann darauf nur mit Schmähungen eingeht. Die
Wichtigkeit von Hermanns
Rolle
geht aber zur Genüge aus der Bedeutung dessen hervor, dem zum Gegenspieler
ihn der Kaiser ausersah. Bischof Altmann war einer der überzeugtesten
unter den wenigen Anhängern Gregors VII. im höheren deutschen
Klerus und seit 1080 päpstlicher Legat für Deutschland. Da Hermann
sich auf die gregorianischen Ideen der Klerusreform und damit ihrem Ordinarius
weitgehend abgeneigte Bistums-Geistlichkeit stützen konnte, welche
ihn mit Dankespsalmen empfangen hatte, gelang es ihm, Altmanns bischöfliches
Wirken auf den Ostteil der Diözese beschränkt zu halten. Von
Erzbischof Gebhart, der nach 9-jährigem Exil Salzburg in Begleitung
Altmanns wieder hatte betreten können, wurde Hermann
gebannt und starb schon 1087; der Kaiser gab ihm sogleich einen
Nachfolger, um die Position gegen Altmann zu erhalten.