Heinrich III.                                              Herzog von Kärnten (1090-1122)
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um 1050-4.12.1122                                  Graf von Eppenstein
                                                               Vogt von Aquileia und Moosburg

Begraben: Kloster St-Lambrecht (Steiermark)
 

3. Sohn des Herzogs Markward II. (IV.) von Kärnten und der Liutbirg von Plain, Tochter von Graf Liutold II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 2069
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Heinrich III. von Eppenstein, Herzog von Kärnten
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     + 1122

Begraben: Kloster St-Lambrecht (Steiermark)

Sohn Graf Markwarts IV. und der Liutbirg

  1. oo Beatrix von Dießen

  2. oo Liutkard

  3. oo BABENBERGERIN Sophie

Keine Kinder.

Heinrich III., 1086 Markgraf von Istrien, folgte seinem Bruder Liutolt (+ 1090) als Herzog von Kärnten, Markgraf von Verona und Vogt von Aquileia nach. Gemeinsam mit seinem Bruder Ulrich (seit 1085 Patriarch von Aquileia) zählte Heinrich im Investiturstreit zu den Hauptstützen HEINRICHS IV., wechselte aber 1105 zu HEINRICH V. Das von seinem Vater gegründete Kloster St. Lambrecht stattete der kinderlose Heinrich III. erst 1103 mit reichem Besitz aus. In Kärnten war Heinrich in langwierige Kämpfe mit dem Grafen Engelbert von Spanheim, dem Führer der päpstlichen Partei, verwickelt. Im Streit um Kirchengüter und Zehnte im Kanaltal musste sich Heinrich III. dem Salzburger Erzbischof Konrad I., der seinem Suffragan Hiltebold von Gurk zu Hilfe geeilt war, unterwerfen und ihm nach Androhung von Kirchenstrafen um Verzeihung bitten. Nach Heinrichs Tod - er wurde erst postum, (1130) nach der Burg Eppenstein benannt - fiel sein Besitz in Kärnten an sein Patenkind Heinrich von Spanheim, der ihm als Herzog folgte. Die umfangreichen steierischen Güter gingen an die verwandten OTAKARE von Steyr.

Literatur:
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A. v. Jaksch, Geschichte Kärntens bis 1135, I, 1928 - C. Fräss-Ehrfeld, Gesch. Kärntens, I, 1984.


GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Wegener Dr. Wilhelm: Seite 113
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18. HEINRICH

F. u. eV. c 1070 siehe 10
(1080/85) Heinricus Mosapurgensis advocatus nQ 5, 478 n 1650 (der nächste bekannte Vogt ist Burkhard III. von Moosburg siehe da n 7 c 1120, also vielleicht erst ab 1123)
1086 (April) angeblich Markgraf von Istrien siehe 19
(1085/90) der Edle Herrant schenkt der Brixener Kirche Güter bei Brixen und Weinberge bei Bozen, die ihm Heinricus frater ducis Liutoldi gegeben Acta Tirol. 1, 125
1090 Herzog von Kärnten in Nachfolge seines Bruders Liutold, erstmals als solcher erwähnt
(1090) 10/11 Herzog Heinrich Vogt von Aquileja Kärnt. UB 3, 191 f. n 495
(1101/02) Herzog Heinrich verzichtet zugunsten des Markgrafen Burkhard (siehe Moosburg n 5) auf die Vogtei über Aquileja Kärnt. UB 3, 213 f. n 532
1108 29/3 vor Pressburg König HEINRICH V. bestätigt, dass Heinrich von Schaumburg das Gut Ober-Viehbach AG Landshut potestativa donatione Heinrici ducis de Carinthia coram nobis et princibus in proprium suscepit Stumpf 3032
1109 25/3 Lateran Papst Paschalis II. bestätigt das von dem verstorbenen Vater Markwart des Herzogs Heinrich begonnene und vom letzterem vollendete Kloster St. Lambrecht Kärnt. UB 3, 220 n 542
1114 17/1 Mainz ebenso Kaiser HEINRICH V. Kärnt. UB 3, 224 n 550
1116 18/3 Padua Heinrich auch Markgraf von Verona Kärnt. UB 3, 225 n 558
 + 1122 4/12 Aquileja Dom: Heinricus dux et advocatus, qui placitum advocatie fratribus dedit 13. Jh. Kärnt. UB 3, 230 n 571; 1122 St. Lambrecht: Heinricus dux Carinthie fundator huis monasterii Necr. 2, 340

Gemahlinnen

1.) c 1070  Beatrix (Tochter Ottos von Dießen)
+ 24/2 St. Lambrecht: Beatrix fundatrix huis locui Necr. 2, 316; vgl. Andechs n 14 f;
2.) Liutgard, unbekannter Herkunft,
+ 21/7 St. Lambrecht: Liutkart ducissa Necr. 2, 332
3.) Sophie, Tochter des Markgrafen Liutpold II. von Österreich, wiedervermählt mit dem Grafen Sieghard XI. von Schala (+ 1142)
 + 2/5 1154 siehe Sieghardinger n 33;
alle drei Ehen kinderlos.


Heinrich III. folgte seinem Bruder Liutold als Herzog von Kärnten. Er musste nach jahrelangen Auseinandersetzungen die Bamberger Lehen doch wieder zurückgeben, geriet auch schroff gegen die päpstlichen Erzbischöfe von Salzburg und Bischöfe von Gurk, war zeitweise gebannt, musste sich zuletzt völlig unterwerfen und verlor so wichtige Lehen und Rechtspositionen. Er ging im Thronkrieg 1105 zu Kaiser HEINRICH V. über, zog mit ihm 1108 gegen die Ungarn und 1110/11 zur Kaiserkrönung nach Italien. Er war der letzte in Kärnten regierende EPPENSTEINER.

Tangl Dr. Karlmann: Seite 238
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"Die Grafen, Markgrafen und Herzoge aus dem Hause Eppenstein"

Diese Rücksicht mochte HEINRICH IV. daher bestimmt haben, die Mark Istrien seinem Anverwandten Heinrich, dem Bruder des Kärntener Herzogs Luitold zu verleihen. Diese wichtige Nachricht verdanken wir dem Mönch Burkhard. In der Urkunde vom Jahre 1093, worin Kaiser HEINRICH die Mark Krain dem Patriarchen Ulrich schenkte, findet sich keine Angabe darüber, wer sie von 1077 bis 1093 besessen habe. Man könnte vermuten, dass es eben derselbe Heinrich, Luitolds Bruder, dem die Mark Istrien verleihen worden war, gewesen sein dürfte, und dass er hiermit die beiden Marken Istrien und Krain vereint besessen hat.
 
 
 
 

    1075
  1. oo Beatrix von Diessen, Tochter des Grafen Otto I.
      x        -24.2. um 1096

  2. oo Liutgard
     x          -21.7.

    1103
  3. oo 1. Sophia von Österreich, Tochter des Markgrafen Leopold II.
     x        um 1085-2.5.1154

        2. oo Sighard XI. Graf von Burghausen und Schala
                       -19.4.1142
 
 
 
 

Literatur:
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Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 57,121,124 - Klaar, Karl-Engelhard: Die Herrschaft der Eppensteiner in Kärnten, Klagenfurt 1966 Seite 107-135 - Lechner Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246,Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar 1992, Seite 110,137,179,348 A 75 - Tangl, Karlmann: Die Grafen, Markgrafen und Herzoge aus dem Hause Eppenstein,  Archiv XV -



Klaar Karl-Engelhard: Seite 107-135
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"Die Herrschaft der Eppensteiner in Kärnten" (1966)

Mit dem Tode Markwarts tritt eine neue Generation ins Blickfeld - die erste in der Folge der bayerisch-kärntnerischen MARKWARTE, auf welche sich die herkömmliche Bezeichnung als EPPENSTEINER begründeterweise anwenden lässt. Erst jetzt kann die Zubenennung nach jener Burg wenigstens sprachlich nachgewiesen werden [Nr. 99], erst jetzt ist ein Zusammenwirken mehrerer Glieder der MARKWART-Sippe im Sinne einer Hauspolitik zu beobachten. Dass dieses Werden eines Adelsgeschlechtes vergleichsweise spät erfolgt, liegt wesentlich an Herzog Adalberos Sturz, der gewiss vorhandene innere Entwicklungsfäden vorerst abgeschnitten hatte. Das oben behandelte Bemühen Markwarts um Besitzkonzentration zeigt, dass der neue Ansatz einen Vorgang von mehr als einer Generation Dauer bedingte. Erst Markwarts Söhnen sollte die Entwicklung im Reiche die Möglichkeit geben, auf der vom Vater überkommenen Grundlage eigenen politischen Handelns zu der öffentlichen Geltung aufzusteigen, welche zu erlangen jenen noch versagt geblieben war. Ein Blick zeigt, dass auch die biologischen Voraussetzungen, um eine historische Gegebenheit aussichtsreich für ein Geschlecht zu nutzen, durchaus erfüllt waren. Wohl war ein gleichnamiger Sohn Markwarts noch vor dem Vater gestorben, doch überlebten ihn vier weitere Söhne - Liutolt, Heinrich, Ulrich und Hermann [Nr. 40 e] -, so dass der Gedanke, es könnte diese erste EPPENSTEINER-Generation zugleich die letzte sein, jedenfalls für 1076 nicht eben nahe liegt, auch wenn man annimmt, dass die beiden letztgenannten Brüder schon damals dem geistlichen Berufe bestimmt waren.
In diesem Zusammenhange bietet sie den einzigen Beleg dafür, dass ein dritter der Brüder, aller Wahrscheinlichkeit nachHeinrich, damals über Istrien verfügte. Diese Mark hatte der König im Jahre 1077 unter Befürwortung Herzog Liutolts von Kärnten an Aquileja gegeben [Nr. 60 a]. Ihr Wiederentzug wird mit zeitweiser papstfreundlicher Haltung des Nachfolgers des seinerzeitigen Patriarchen Sighart (+ 1077), Heinrich (1077-1084), in Verbindung gebracht; als mögliche Zeitpunkte erscheinen die Jahre 1079 und 1084, wobei für das erste die Tatsache spricht, dass der König bereits 1081 den wieder zu ihm übergeschwenkten Patriarchen durch Verleihung der Bistümer Triest und Parenzo auszeichnete. Eine bemerkenswerte Parallele zur Entziehung Friauls ist jene Krains, von welcher HEINRICH IV. 1093, sie widerrufend, selbst sagt, sie sei übel beratenerweise erfolgt. Aufgrund der Verwandtschaft jenes Diploms mit unserer Nr. 75 ist unter dem alius, dem Krain unterdessen übertragen worden war, sehr wahrscheinlich wiederum Heinrich von Eppenstein zu verstehen; seine Nichterwähnung lässt nicht vermuten, dass er "völlig damit einverstanden war", die Mark zu verlieren, auch wenn sie in die Hand seines Bruders kam. - Mit den Rückerstattungen von 1093 - auch Istrien ist spätestens zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Heinrichs Hand - wurde jedoch der Entwicklung vorgegriffen; um 1098 war die Stellung der EPPENSTEINER im Südosten stärker als je zuvor.
Auch die Nachfolge von Liutolts Bruder Heinrich im Herzogtum spricht gegen offene Auflehnung des ersteren, obschon keineswegs sicher ist, dass Heinrich das Herzogtum sofort bei Liutolts Tod erhielt. Liutolts Übergang in das Lager der "Gregorinaer", deren einer, Bertolt II. von Zähringen, den Kärntner Herzogstitel seines Vaters weiterführte, darf somit als ausgeschlossen gelten. Ein Abrücken des EPPENSTEINERS vom Kaiser in dem Sinne, dass er sich, sobald er mit dessen Hilfe die Stellung seines Großvaters wieder hinlänglich fest in die Hand bekommen hatte, mehr und mehr dem Ausbau der eigenen Herrschaft widmete, ist indes durchaus wahrscheinlich. Die dargelegten Bestrebungen der eppensteinischen Brüder sowie die Verdächtigung durch den Verfasser des Liber de unitate entsprechen dem positiv ebenso, wie negativ das Fehlen Liutolts in der Umgebung des Herrschers und wie insbesondere sein Fehlen in der Gründungstradition des Hausklosters St. Lambrecht. Auf diese letztere Beobachtung ist eigens hinzuweisen. Wohl erscheinen Markwart, der Vater, und Heinrich, der Bruder und Nachfolger Liutolts, in den St. Lambrechter Quellen als institutor oder fundator des Klosters, und ihrer beider Wirksamkeit für die Entstehung desselben wir immer wieder gedacht [Nrn. 54, 76, 82, 84, 90, 97], von Liutolt dagegen ist im St. Lambrechter Zusammenhang nur das knappe Liutoldus dux des Totenbuches überliefert [Nr. 66 f]. Die Gesamtheit der betrachteten Tatsachen macht wahrscheinlich, dass Liutolt keineswegs durch die Wirren des Investiturstreites am Ausbau der väterlichen Stiftung gehindert wurde. Er hat sich im Gegenteil jedenfalls in der 2. Hälfte seiner Amtszeit sehr wohl den Interessen seines Hauses widmen können und vermutlich auch gewidmet. In eben diese Zeit ist vielleicht auch die Anlage der Burg zu setzen, welche in der Historiographie namengebend für das Geschlecht wurde [Popelka, Judenburg 310, nimmt an, Eppenstein (zuerst belegt 1130: Nr. 99) sei der Name der "Burgstadt" beim Markt Judenburg (zuerst belegt vor 1087; siehe oben 87) gewesen, und letztere Benennung habe sich schließlich auf beide Teile ausgebreitet; so ist indes der Name der Burg ob Weißkirchen nicht erklärt. Er mag älter sein, enthält wohl den Personennamen Eppo (vgl. Nr. 10 b) und führt auch mit der Endung -stein ins 11. Jh. (Schnebögl, Burgennamen, 212); Liutolt kann durchaus einen bereits vorhandenen Wehrbau in Familienbesitz zum neuen Zentrum bestimmt haben (vgl. die Burgen in Nr. 47). Die Lage entspricht entgegen Popelka durchaus den zeitgenössischen Dynasten-Burgen. Speziell: Keller, Eppenstein (sehr unzureichend); Baravalle, Burgen, 246 ff.]. Sie beherrscht mit dem nördlichen Zugange zum Obdacher Sattel eine für die Beziehungen der EPPENSTEINER nach Friaul wichtige Südstraße. Da die Burg Eppenstein unter Herzog Liutolts Bruder Heinrich jedenfalls schon existierte [Nr. 99] und dieser sich, soweit die Zeugnisse erkennen lassen, hauptsächlich der Förderung der von Markwart begonnenen Klostergründungen angenommen hat, fügt sich die Annahme, Liutolt habe auf dem Wege des Burgbaues die Schaffung eines Herrschafts-Mittelpunktes unternommen, auch von dieser Seite her gut zu dem Schweigen der St. Lambrechter Quellen über diesen Herzog. - Hinter solchen Belangen des eigenen Herrschaftsaufbaues mag Liutolt die Parteinahme für seinen kaiserlichen Herrn so weit zurückgetreten sein, dass ein Verdacht wie der erwähnte im Liber de unitate aufkommen konnte. Die Unterstellung zwar, er habe nach der Krone gestrebt, ist eine starke Übertreibung, wie deren die Publizistik des Investiturstreites genug aufweist. Aber so stark scheint Liutolt die Möglichkeiten, welche für ihn in HEINRICH IV. Unterstützungsbedürftigkeit lagen, doch überfordert zu haben, dass er, als es später - 1093, 1096 - zu einem Ausgleich kam, einer Art so nachhaltig wirksamer damnatio memoriae verfallen konnte, dass, so weit zu sehen ist, erst im 15. Jahrhundert ein St. Lambrechter Chronist des Herzogs im Zusammenhange mit der Klostergründung gedachte, und dass unter den zahlreichen Stifterbildnissen späterer Zeit in St. Lambrecht Liutolt nicht erscheint, obschon der Herzog seine Grablege im späteren Lambrechts-Kloster gefunden haben dürfte [Nr. 96].
Damit wird der Ausgangspunkt für Liutolts Bruder und Nachfolger erkennbar. Heinrich hatte eine im Aufbau unvollendete Herrschaft anzutreten. Dies konnte ihm der Umstand erleichtern, dass er an ihrer Gestaltung bisher schon beteiligt gewesen war. Die Selbständigkeit dieser Herrschaft hing von ihrer Verbindung mit dem Kärntner Herzogsamte ab. Diese Verbindung durch Herzog Liutolts Tod nicht abreißen zu lassen, musste daher Heinrichs natürliches Bestreben sein. Angesichts der zwischen Kaiser HEINRICH IV. und Herzog Liutolt in dessen letzten Lebensjahren anzunehmenden Entfremdung war die Nachfolge im Herzogtum keine reine Formalität. Dass sie gleichwohl alsbald im Jahre 1090 stattfand, wird in der Forschung unter Hinweis auf die angeblich bedingungslose Kaisertreue der EPPENSTEINER durchgängig als sicher angenommen, aber nirgends bewiesen. Bezeugt ist Heinrich als Herzog von Kärnten erst im Mai 1093 gelegentlich der Erwähnung seines Verzichtes auf die Villa Daugendorf, welche HEINRICH IV. an St. Gallen weitergab [Nr. 75; vgl. auch die Ausführungen zu Nr. 70!]. Am gleichen Tage erhielt Aquileja die Mark Krain zurück, die sich vorher sehr wahrscheinlich gleichfalls in der Hand des EPPENSTEINERS befunden hatte. Möglicherweise gehört Heinrichs Rückgabe der Aquilejer Vogtei in die gleiche Zeit: Nr. 74. Gegen Ende desselben Jahres 1093 ist auch für Heinrichs weitere Mark Istrien ein neuer Markgraf, Poppo, bezeugt, Sohn des 1070 verstorbenen istrischen Markgrafen Ulrich und zugleich Schwiegersohn Engelberts von Spanheim; er gehörte also in den Kreis der Kärntner Rivalen der EPPENSTEINER, besonders während der 80-er Jahre. Dass Heinrichs Verzichtleistung irgendwie mit seinem Aufstieg zur Kärntner Herzogswürde in Zusammenhang stehen, ist eine allgemein naheliegende Annahme. Kaum wahrscheinlich ist jedoch, dass der EPPENSTEINER die Marken ganz von sich aus herausgegeben hat. Viel eher ist in dem Vorgange das Bestreben des Kaisers zu erkennen. Heinrichs Nachfolge im Herzogtum Kärnten zu nicht noch stärkerer eppensteinischer Machtkonzentration führen zu lassen, als sie vor 1090 mit den entsprechenden Nachteilen für das Königtum bestanden hatte. Trifft diese Erwägung zu, so ist es weiterhin allgemein sehr unwahrscheinlich, dass HEINRICH IV. erst drei Jahre nach der Herzogserhebung des EPPENSTEINERS diesem die Marken entzogen habe. Im besonderen völlig unverständlich wäre eine derartige Maßnahme ausgerechnet im Frühsommer 1093, unmittelbar nach dem Abfall des Kaiser-Sohnes KONRAD. Gerade damals war HEINRICH IV. wieder darauf angewiesen, sich das Wohlwollen vorhandener und potentieller Gefolgsleute, zumal solcher in wichtiger strategischer Position, nicht zu verderben. Dagegen: Herzog Liutolts wahrscheinliche Abwendung vom Kaiser gegen 1090, König KONRADS Abfall von seinem Vater etwa im März 1093, die Rückerstattung Krains an Aquileja sowie die Übertragung einer eppensteinischen Besitzung im südwestlichen Ober-Deutschland an St. Gallen (mit gleichzeitigem ersten Beleg für Heinrich als dux de Carinthia) im Mai 1093, schließlich die erste Erwähnung eines neuen Markgrafen für Istrien im Dezember 1093 - dies alles zusammengenommen deutet stark darauf hin, dass Kärnten eben nicht sogleich nach des wohl zu selbstherrlichen Liutolts Tod an dessen Bruder Heinrich gegeben, sondern von Kaiser HEINRICH IV. selbst in der Hand behalten wurde. Einen Dritten etwa dort einzusetzen, musste ihm untunlich erscheinen, da ein solcher sich kaum hätte gegen den EPPENSTEINER durchsetzen können, dieser aber derart dem Kaiser völlig entfremdet worden wäre. So aber hatte HEINRICH IV. die Möglichkeit, sich in einem kritischen Augenblick des im Lande mächtigen Heinrich von Eppenstein zu versichern, indem er ihm das Herzogtum Kärnten nicht länger vorenthielt, wobei er zugleich Bedacht darauf nahm, den EPPENSTEINER seine Rangerhöhung mit sonstigen Verzichtleistungen erkaufen zu lassen und sein Stellung auf diese Weise nicht zu mächtig werden zu lassen. Insofern ähneln sich die Situationen des Herrschers einerseits, der EPPENSTEINER andererseits, für die Jahre 1077 und 1093 in ganz auffälligerweise Weise, und ähnlich sind die Folgerungen, welche HEINRICH IV. zog. Sie zeigten ihn in beiden Fällen trotz aller Bedrängtheit so weitgehend als Herren der Lage, dass er den Bewerbern um das Herzogtum Kärnten keineswegs nach deren Belieben ausgeliefert war.
Herzog Heinrichs III. von Kärnten Amtübernahme geschah mehr als Auswirkung seiner tatsächlichen, nicht gegen Kaiser HERINRICH IV. festgelegten Machtstellung in Kärnten, als im Sinne selbstverständlicher Verwirklichung von Erbansprüchen, die freilich mitspielten. Sie nach außen hinlänglich verbindlich zu gestalten, war indes bis 1090 noch nicht vollgelungen. Damit zusammenhängend und eben sowenig erreicht war nach innen die Errichtung eines ideellen und materiellen Zentrums, an dem die eppensteinische Familie genügend fest orientieren konnte, mit anderen Worten, "der erlangten Herrschaft Dauerhaftigkeit zu geben" vermochte. Wohl hatte Heinrichs Vater entsprechende Maßnahmen eingeleitet, doch sind sie bis in Heinrichs Herzogszeit zu keinem erkannbaren Abschluß gediehen. Der Herzog erkannte die ihm hierdurch gestellte Aufgabe sehr wohl, und das erste Zeugnis, das uns nach 1093 von ihm berichtet, befaßt sich mit der Gründung des eppensteinischen Familienklosters.
In Kärnten selbst war in die Jahre, da vermutlich Kaiser HEINRICH IV. das Herzogtum in der Hand hatte, der Abschluss einer wichtigen Klostergründung gefallen, St. Pauls im Lavanttal. Es ist die Schöpfung Engelberts, Vogtes der Salzburger Kirche seit ca. 1060, aus der schon wiederholt erwähnten Familie der Grafen von Spanheim und seiner Söhne sowie insonderheit seines Bruders, Erzbischof Hartwichs von Magdeburg (1079-1102). Die Nachrichten über die Anfänge dieses Klosters lassen beispielhaft erkennen, wie hier die Mitglieder einer Familie sich als solche empfanden und zusammenwirkten bei der Schaffung eines ihnen gemeinsamen geistigen Mittelpunktes. Dabei wurde in St. Paul noch eine Generation weiter zurück miteinbezogen. Eine wesentliche Aufgabe des Familienklosters in solchem Sinne war ja die Aufnahme der Grablege der Stifterfamilie. Engelberts Mutter Richardis ließe den Leichnam ihres Gatten Siegfried aus Bulgarien, wo er 1065 auf einer Pilgerfahrt verstorben war, nach der Pauluskirche im Lavanttal überführen. Ein gleiches tat dann Erzbischof Hartwich mit den Gebeinen seiner Mutter Richardis, die gleichfalls als Pilgerin gestorben, zunächst in remoto Germanie sinu apud Spanheim, also in der Heimat ihres Gattem, beigesetzt worden war. Die Klosterkirche blieb fortan bevorzugte Grablege der Kärntner SPANHEIMER bis kurz vor dem Aussterben der Familie.
Dass den SPANHEIMERN die Errichtung ihres Klosters noch vor der Herzogs-Familie gelang, fällt zunächst auf, wenn auch der Gründungs-Bericht vom Grafen Engelbert sagt, er sei ex patre Sigfrido Francorum civis, ex matre Rihkarda maiorum Karinthie primus gewesen. Eine wesentliche Erklärung für den Vorsprung der SPANHEIMER liegt in den wachsenden Kräftegruppierungen des Investiturstreites. Die Beziehungen zwischen beiden Familien waren jedenfalls in den letzten Jahren von Herzog Heinrichs Vater nicht ungünstig gewesen. Engelbert, der spätere Gründer von St. Paul, wirkte als Salzburger Vogt mit beim Zustandekommen von Markwarts großem Tauschvertrag mit Erzbischof Gebhart [Nr. 47]. Noch in Markwarts Lebzeit fällt auch die Patenschaft seines Sohnes Heinrich, des späteren Herzogs, für Engelberts jüngsten Sohn, der nach seinem Paten genannt wurde [Nr. 69]. Als dann 1077 der EPPENSTEINER Liutolt durch Hinwendung zu HEINRICH IV. das Herzogtum erwarb, stellte sich der Spanheimer, um seine Familie nicht in den Hintergrund drängen zu lassen, auf die Seite seines Vogteiherren, Erzbischof Gebharts. Mehrfach ist bezeugt, wie er sich Gebharts Interesse gegenüber dem kaiserlichen Gegenerzbischof Bertolt tatkräftig einsetzte. Nach Gebharts Tod ist dann aber - anscheinende auf Betreiben Erzbischofs Hartwichs von Magdeburg - zu einem gewissen Ausgleich zwischen und den SPANHEIMERN gekommen. So hinderte es der Kaiser nicht, dass St. Paul nach entsprechender Ausstattung mit Familiengut durch Mönche aus Hirsau bezogen wurde, welche Engelbert noch von Abt Wilhelm selbst erbeten hatte. Damit hatte die kirchliche Reformbewegung, soweit sie vom Mönchtum getragen war, eine feste Position in Kärnten gewonnen; noch Urban II. bestätigte die Gründung und nahm sie in päpstlichen Schutz.
Die vergleichsweise erheblichen Schwierigkeiten, denen sich Herzog Heinrich gegenübersah, wollte er den Abschluss der von seinem Vater begonnenen Klostergründung nicht auf schwer absehbare Zeit hinausschieben, sind wiederholt dargestellt worden. Königlicher Schutz allein, die Zugehörigkeit zur Reichskirche, war seit der Zeit Kaiser HEINRICHS III. und Papst Leos IX. für ein Dynastenkloster nicht mehr zureichend. Andererseits kam die übliche Unterstellung des Klosters unter den Schutz des heiligen Petrus, der sich als zuverlässigstes Mittel zur Gewährleistung der Vogteiprärogative der Gründerfamilie wie auch der Unabhängigkeit von an sich zuständigen Bischof erwiesen hatte, für den EPPENSTEINER nicht in Betracht. Als Gefolgsmann des 1094 neuerlich gebannten Kaisers hatte er keine Aussicht, von Urban II. für seine Gründung ein päpstliches Privileg zu erhalten, wie sie damals in großer Zahl anderen Klöstern zuteil wurden. Unter diesen Umständen kam es im Jahre 1096 zu einer Interimslösung [Nr. 76], die in Form wie Inhalt so auffällig wie aufschlussreich ist und darum ausführlichere Behandlung erfordert.
Es handelt sich um eine Urkunde des Herzogs, welcher durch Hinzusetzung eines kanzleimäßigen Protokolls und Eschatolls ganz äußerlich die Form eines Kaiserdiplom HEINRICHS IV. gegeben wurde. Eine Narratio enthalten diese auf den Herrscher stilisierten Teile des Stückes überhaupt nicht, so dass von Insertion der Herzogsurkunde eben sowenig gesprochen werden kann wie von deren Bestätigung durch HEINRICH IV. Der Text der Herzogsurkunde selbst scheint ohne Beteiligung der Reichskanzlei abgefasst zu sein.
Die dergestalt dem Rahmen einer Kaiserurkunde eingefügte Urkunde Herzog Heinrichs enthält zunächst einen knappen Bericht über die Geschichte der Gründung, worin diese bereits als abbatio erscheint und der fratrum ibidem deo servientium, nicht aber eines Abtes Erwähnung geschieht. Des weiteren wird gesagt, dass der Herzog in Gegenwart des Kaisers und des Herzogs Welf jetzt sub tutela Romani principis die Abtei samt nicht näher spezifiziertem Zubehör dem Apostelfürsten Petrus übergibt, wobei Markgraf Burkhart als Salmann fungiert. Es folgen bestimmte Einzelverfügungen rechtlicher Art:
1.
Die Abtei soll jährlich in Rom einen Byzantiner erlegen, darüber hinaus aber ab omni alia exactione immunis et libera bleiben.
2.
Die Brüder sollen beim Tode des Abtes einen neuen ohne jede Beeinflussung von außen wählen, welcher dann die Abtei vom Papste empfangen soll.
3.
Die Vogtei behält sich der Herzog selber vor; nach seinem Tode soll sie auf seinen Sohn (gegebenenfalls auf den ältesten) übergehen; stirbt der Herzog kinderlos, so soll der Abt nach eigenem Gutdünken einen neuen Vogt aussuchen. Alle diese Verfügungen werden schließlich von einer Reihe Anwesender bezeugt.
Inhaltlich hält sich die Herzogsurkunde also weitgehend im Rahmen dessen, was von dynastischen Klosterstiftungen der Zeit bekannt ist. Dies gilt für die Grüdungsnarratio ebenso wie für die Einzelbestimmungen. Der an die Kurie zu entrichtende Zins in Höhe eines  Byzantiners stellt den Normalfall dar; desgleich die freie Abtwahl und die Erbvogteu, bei der in vielen Fällen die Beschränkung auf die nächste Generation freilich praktisch unwirksam blieb. Dementsprechend finden sich die Bestimmungen der Herzogs-Urkunde zum größten Teil im Jahre 1109 im Privileg Paschalis II. für St. Lambrecht wieder [Nr. 84], lediglich formal dem kurialen Gebruache angeglichen. Die päpstliche Schutzverleihung ist daher ausführlicher und präzisiert die Verfügungen von 1096 mehrfach. So heißt es 1109 bei der Zinsverfügung Lateranensi palacio anstatt Rome. Die Anweisungen über die Abtwahl werden durch die übliche Bestimmung communi consensu uel fratrum pars consilii sanioris ergänzt und außerdem dahingehend erläutert, dass die Abtweihe dem Papst, die sonstigen Weiherechte dagegen dem Salzburger Erzbischof zustehen sollen. Über die Vögte finden sich allerdings 1109 keine Ausführungen; solche wurden bemerkenswerter Weise erst wieder im Jahre 1114 beigefügt, als Kaiser HEINRICH V. dem Kloster das Paschalis-Privileg bestätigte [Nr. 90].
Es könnte nach dem Gesagten scheinen, als habe der EPPENSTEINER bereits 1096, den seinem Vorhaben entgegenstehenden Schwierigkeiten zum Trotz, eine ganz normale Klostergründung mit päpstlichem Schutz zustandegebracht. Sein Bestreben ging offenbar darauf hinaus. Die eben angestellte Betrachtung des Veroneser Diploms hat indes eine Reihe wichtiger Besonderheiten außer acht gelassen: Sie sind der bisherigen Forschung natürlich keineswegs entgangen, man hat vielmehr mit recht von einer "unvergleichlichen Urkunde" gesprochen. Diese Besonderheiten wurden indes hinsichtlich ihrer Gründe wie Konsequenzen zu einseitig unter dem Gesichtspunkt des Klosters selbst erörtert. Die herausragende formale Eigenheit des Diploms ist die bloße, "umrahmende" Beurkundung der Herzogsurkunde durch den Kaiser. Inhaltliche Eigentümlichkeiten finden sich in den jenen weiteren Rechtsgehaltes baren kanzleimäßigen Bestandteilen des Stücken gar nicht, umso bemerkenswertere dagegen in der Herzogsurkunde. Sie liegen insbesondere in den Worten sub tutela Romani principis und in der ausdrücklichen Erwähnung der Anwesenheit Kaiser HEINRICHS IV. und Herzog Welfs IV. von Bayern.
Weitgehende Abweichungen von der Normalform einer Kaiserurkunden lassen sich am ehesten aus speziellen Entstehungsumständen erklären. Mit anderen Worten: Eine besondere politische Lage muss zu einem entsprechenden Abkommen geführt haben, dessen Niederschlag uns in D H IV. nr. 451 vorliegt. Darauf wird alsbald zu kommen sein. Zuvor aber: Was ist darunter zu verstehen, wenn Herzog Heinrich die Abtei sub tutela Romani principis Petro apostolorum principi übertägt? Der offensichtlich zweigliedrige Ausdruck wurde in seinem 2. Teil stets und mit Recht auf "den" apostolischen Stuhl bezogen. Im Romanorum princeps der subtutela-Formel hat man in mehr oder weniger klaren Umschreibungen gleichfalls den Papst gesehen: "unter dem Schutze des römischen Papstes, dem Apostel-Fürsten petrus"; "dem päpstlichen Stuhle in Schutz und Schirm"; "in den Schutz des Papstes, dem Apostel-Fürsten Petrus". bei ersterer Deutung wirkt die Erwähnung s. Petri als unangemessen appositionelles Anhängsel, bei letzterer wäre sub tutela(m) gewissermaßen als Ausführungs-Bestimmung an zweiter Stelle (nach der Nennung des heiligen Petrus) zu erwarten. Wozu aber überhaupt die Doppelgliedrigkeit? Es ist darauf hingewiesen worden, dass die Übertragungsformel wohl bewusst verschleiere, ob sie Papst Urban II. oder den Gegen-Papst Clemens III. meint. Indes hätten sich sonst gebräuchliche Wendungen wie das bloße beato Petro offere vieler päpstlicher Bestätigungen oder die bekannter Formel des  D H IV. nr. 380 für Hirsau (sub Romane ecclesie mundiburdio et maiestate) auch im vorliegenden Falle bei Bedarf ohne weiteres auf einen beliebeigen Papst beziehen lassen; eine Tautologie steigert diese Möglichkeit nicht. Von solchen Erwägungen abgesehen, ist aber doch vor allem zu fragen, ob Romanus princeps schon vom Wort her nicht viel eher den Kaiser als den Papst bezeichne. Für den gleichsam amtlichen Sprachgebrauch liegt darüber eine neuere Untersuchung vor. Tatsächlich ist der antike Princeps-Titel seit der KAROLINGER-Zeit von der königlichen Kanzlei oft für den Herrscher, seit der frühen SALIER-Zeit dann auch für andere Fürsten verwandt worden. Die in ihrer Echtheit nicht völlig sichere Signumzeile eines Diploms aus dem Jahre 1026 nennt schon KONRAD II. Romanorum rex et princeps. In den Urkunden HEINRICHS IV. bezeichnet das Wort, dann im Plural, ganz überwiegend Fürsten, doch nennt sich auch der König gelegentlich princeps ac defensor ecclesiarum. Erst in der STAUFER-Zeit - schon seit KONRAD III. - wird der Titel wieder häufiger für den König benutzt, zum Teil anscheinend in der Absicht, der Frage auszuweichen, wie weit die Stellung des deutschen Königs an sich bereits eine kaiserliche sei. Der Vorschlag, angesichts der angestellten Erwägungen und dieser Belege die fragliche Stelle bei HEINRICH IV. zu beziehen, gewinnt an Wahrscheinlichkeit durch die Tatsache, dass es sich ja dabei um eine - vom Kaiser freilich approbierte - Privaturkunde handelt, deren Formulierung freier sein kann. Es darf daher im folgenden die eben vorgetragene Auffassung zugrundegelegt werden. Die Aussagen des Diploms lassen sich jetzt, soweit sie für die politische Geschichte erheblich sind, etwa so zusammenfassen: In Gegenwart des Kaisers und des Bayern-Herzogs und unter dem Schutze des ersteren überträgt der Herzog von Kärnten dem Heiligen Stuhl eine von ihm errichtete Abtei zu weitgehend zeitüblichen Bedingungen; anschließend beurkundet der Kaiser eine Übertragung. - Bei der Erklärung des Hintergrundes dieser eigenartigen Konstellation sei von Herzog Welf ausgegangen. Dass seine Anwesenheit keine mehr oder minder zufällige ist, zeigt schon seine Stellung innerhalb der Urkunde; ansonsten hätte er, anstatt neben dem Kaiser, an der Spitze der Zeugen rangieren können. So erscheint er als Mitwirkender, und es ist zu fragen: Warum? und: Auf welche Weise? - Welf IV. war 1077 das Herzogtum Bayern durch HEINRICH IV. entzogen worden. Seither hatte er sich energisch, obschon nicht ohne Eigennutz, für die Sache Gregors VII. und dessen Nachfolger eingesetzt, während das Herzogtum einstweilen beim Reiche geblieben war. Des WELFEN zeitweilig große Erfolge beim Streben nach Ausbau seiner Macht wichen später Mißerfolgen. Die Hoffnung auf reiche Erbschaft hatte sich als verfehlt erwiesen, sobald die (aus welfischer Sicht) zum Behufe ihrer Erlangung geschlossene Ehe des jüngeren Welf mit der Markgräfin Mathilde von Tuszien aufgelöst worden war. Mahr noch: Der abgesetzte Bayern-Herzog hatte um weiteres Erbe nach seinem Vater Azzo zu bangen, hauptsächlich in der Lombardei, da Azzo nach dem Tode von Welfs IV. Mutter Cuniza (+ 1055) wieder geheiratet hatte und Halbbrüder Anspruch auf des alten Markgrafen Besitzungen erhoben [Nr. 77]. So kann es nicht verwundern, wen sich seit dem Jahre 1095 Bemühungen Welfs abzeichnen, sich mit dem Kaiser zu verständigen und das Herzogtum Bayern zurückzuerhalten. Diese Versuche mussten dem von Oberdeutschland noch immer weitgehend abgeschnittenen Kaiser gleichfalls willkommen sein. So führten sie bald sie bald zum Erfolge - eben 1096 in Verona, zur Zeit der Ausstellung unserer Nr. 76: Der Kaiser nahm Welf wieder in Gnaden auf und gab ihm Bayern zurück. Als selbstverständliche Gegenleistung verzichtete der Herzog auf weitere Umtriebe gegen HEINRICH IV. Das Diplom für St. Lambrecht gibt uns darüber hinaus einigen Einblick in weitere Kompromisse, die dabei gefunden wurden. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat Welf bereits 1096 mit Herzog Heinrich von Kärnten abgesprochen, dass dieser ihm im Falle von Makgraf Azzos Ableben, womit bei dessen hohem Alter in naher Zukunft zu rechnen war, beim Kampf um sein lombardisches Erbe unterstützen würde. Der Fall trat im nächsten Jahr ein, und es gelang Welf mit Unterstützung durch die EPPENSTEINER - Herzog Heinrich von Kärnten und Patriarch Ulrich von Aquileja -,  sich eines großen Teils der fraglichen Güter zu versichern [Nr. 77]. - Dafür hat sich der Bayern-Herzog, so darf aus seiner Erwähnung in Nr. 76 geschlossen werden, beim Kaiser für eine Sache verwandt, welche dem EPPENSTEINER wichtiges Anliegen war - eben für das Zustandekommen des Klosters St. Lambrecht. Der Kaiser konnte dessen Übertragung an den Heiligen Stuhl, wo ferne darunter Urban II. verstanden war, schwerlich gutheißen. Herzog Heinrich dagegen war sicher nicht darauf aus, die neue Gründung mit definitiver Bindung an Clemens III. zu belasten. Letzteres ist allerdings unter Hinweis auf die wahrscheinliche Anwesenheit des Gegenpapstes in der Umgebung des Kaisers als sicher behauptet worden, man hat sogar ein (verlorenes) Exemptionsprivileg von Clemens III. für St. Lambrecht angenommen. Gewiss, der Herzog stand auf Seiten des Kaisers. Mehr als diese Parteinahme, zu der ihn das Streben nach Erlangung und Behauptung der Kärntner Herzogswürde veranlasst hatte und weiterhin bewog; galt ihm aber ebenso wie seinem verstorbenen Bruder Liutolt die Festigung seiner eigenen Herrschaft. Dazu gehörte als geistiger Kristallisationspunkt eine klösterliche Familienstiftung unter päpstlichem Schutz, wie deren die Dynasten des Reiches sich während des Investiturstreites viele geschaffen hatten. Der Kärntner war freilich vom Kaiser zu abhängig, als dass er nicht hätte vorerst mit einem Interim zufrieden sein müssen. Wohl mit der Unterstützung Welfs, der auf HEINRICH IV. noch am ehesten einen gewissen Druck auszuüben in der Lage war, konnte Heinrich von Eppenstein zwar seiner Stiftung eine normale Verfassung geben.  Einen wie starken Einfluss sich der Kaiser trotzdem vorbehielt, zeigt die Tatsache, dass die Übertragung St. Lambrechts unter seinem Schutz erfolgte, und dass er sie beurkundete. Soweit bekannt ist, ist das der einzige Fall aus der Regierungszeit HEINRICHS IV. nach Ausbruch des Investiturstreites, in dem es dem Kaiser gelang, sich derart entscheidend in den Vorgang einer Klostergründung einzuschalten. Das Diplom von 1096 kann somit als ein später Abglanz jener Art reichskirchlicher Klosterpolitik von Seiten des Königtums gelten, die zuletzt in der berühmten Urkunde für Kloster Hirsau in Erscheinung getreten war.
Erheblichen Gewinn zog aus dem Veroneser Abkommen zweifellos auch Herzog Welf, der durch das Zusammenhalten seiner Besitzungen in Bayern, Schwaben und Italien die Grundlage für den weiteren Aufstieg seiner Familie sicherte. Wesentlicher als der Erfolg des Kaisers und des WELFEN ist in unserem Zusammenhange das Ergebnis, welches der EPPENSTEINER selbst für sich erzielte. Er schuf sich durch die kaiserliche Beurkundung seines Vorhabens einer Klostergründung nach seinem Sinne einen rechtlichen Rahmen, den auszufüllen ihn mehrere wichtige Quellen aus dem folgenden Vierteljahrhundert bestreben zeigen. Ein Rückblick ist hier erforderlich, um darzutun, wie entscheidend wichtig Herzog Heinrich Erfolg gewesen ist.
Es lässt sich nicht im einzelnen sagen, welchen Stand der Dinge Heinrich in St. Lambrecht übernahm. Immerhin steht fest, dass bereits sein Vater auf erbeigenem Grund mit dem Aufbau der Lambertus-Abtei begonnen hatte. Das schließt neben technischer insbesondere  geistige Vorarbeit ein. Dass gerade die etwa 1065 [Nr. 47] unter zahlreichen Eigenkirchen Graf Markwarts einzig nicht mit dem Ortsnamen angeführte ecclesia sancti Lamperti in silva zum Kloster ausgestaltet werden sollte, ist nach dem Wortlaut in Nr. 76 gewiss noch Markwarts Plan gewesen. Die Patroziniumswahl schließt unausweichlich derart enge geistige Beziehungen ein, dass in ihr der Ausdruck eines Bekenntnisses gerade zu dem besonderen Schutzheiligen gesehen werden muss. Die Verbindung des heiligen Bischofs Lambert von Lüttich (+ ca. 705) mit dem hohen Adel ist bekannt. Eine umfassende Zusammenstellung hat gezeigt, dass alle Kultbelege außerhalb der alten Erzdiözese Köln bis ins 12. Jahrhundert sich auf Einfluss des Adels zurückzuführen lassen. Aus volkskundlicher Sicht konnte Lambert daher geradezu als einer der ersten "Standespatrone" bezeichnet werden. Die Kultverbreitungskarte weist neben massierten Vorkommen im Maasgebiet etwa gleichmäßige Streuung im deutschen Sprachraum bis zur Elbe (mit Ausnahme des Südwesten) mit 2 erheblich kleineren Schwerpunkten um Freising und in Kärnten/ Steiermark aus. Der Lambertus-Kult in der bayerischen Bischofsstadt geht noch in die Zeit starken fränkischen Einflusses zur Zeit KARLS DES GROSSEN zurück und wurde später neuerlich belebt durch Verschmelzung mit der Verehrung des dortigen Bischofs gleichen Namens (937-957). In Kärnten hatte der heilige Lambert im späten 10. Jahrhundert Eingang gefunden. Der bereits unter den ersten Kärntner Herzögen erwähnte SALIER Otto erwirkte 983 von Kaiser OTTO II. die Übertragung gewisser Rechte und Liegenschaften am Kärntner Berg an eine Lambertus-Kirche; zugleich verlieh der Kaiser dieser Kirche und den dort Gott und dem heiligen Lambert Dienenden Schutz und Immunität. Drei Jahre zuvor hatte der Herzog bereits 5 Hufen in umliegenden Dörfern vom Kaiser erhalten. Aller Wahrscheinlichkeit nach dienten diese Besitzungen gleichfalls zur Ausstattung der Kirche und ist Herzog Otto deren Stifter gewesen, wie er ja auch in seinem fränkischen Stammlande ein Lambrechts-Kloster errichtet hat. Die Lambrechts-Kirche in der geschichtlichen Kernlandschaft Kärntens - der königlichen Pfalz Karnburg benachbart, unweit des "Herzogsstuhles" - hat in der Überlieferung keine weiteren Spuren hinterlassen. So ist angenommen worden, die Gründung sei überhaupt nicht zustande gekommen, da die Salzburger Kirche eine derartige Niederlassung unter päpstlichem Schutz in unmittelbarer Nähe eines ihrer Besitz- und Verwaltungsschwerpunkte nicht habe aufkommen lassen wollen. Letztere Begründung lässt sich vertreten, von Übertragung an den heiligen Petrus ist dagegen bei dem St. Lambrecht des 10. Jahrhunderts keine Rede. Wohl aber hat, wie gesagt, Kaiser OTTO II. im Jahre 983 die Kirche beschenkt und in seinen Schutz genommen; damals muss der Empfänger der darüber ausgestellten Urkunde, eben die ecclessia sancti Lamberti martiris, also bestanden haben. Der spurlose Untergang eines wenn auch kleinen Stiftes oder Klosters unter Königsschutz wäre dann freilich etwas sehr Auffälliges.
Angesichts des in den Diplomen OTTOS II. nrn. 216 und 292 detailliert aufgeführten Besitzrechte liegt es nahe, von ihnen aus die weitere Geschichte der Stiftung Herzog Ottos zu erhellen. Beide Stücke sind um Archiv des Bistums Bamberg auf uns gekommen. Für das Diplom von 983 hat man dies zu erklären gesucht durch die Gleichsetzung der darin umschriebenen Liegenschaften mit der Gegend des späteren St. Veit an der Glan, welches Engelbert von Spanheim 1147 an Bamberg verkaufte, wogegen für das Diplom von 980 irrtümliche Aushändigung an Bamberg auf dem Umwege über Brixen angenommen wurde. Gegen die teils hypothetische, teils recht unbefriedigenden Deutung spricht zunächst, dass sie durch ihre Entstehung höchstwahrscheinlich zusammengehörigen Urkunden und die darin niedergelegten Rechte trennt, um sie dann durch einen Zufall wieder in ein und dieselbe Hand gelangen zu lassen. Sie steht außerdem etwas beziehungslos neben der Aussage, dass zwischen dem Kärntner St. Lambrecht des 10. und dem steiermärkischen des 11. Jahrhunderts "gar kein materieller Zusammenhang" existiere, dagegen "der ideelle umso bemerkenswerter sei.
Damit ist das Stichwort einer möglichen geschichtlichen Verbindung zwischen "Alt"- und "Neu"-St. Lambrecht gegeben, zugleich eine Frage, wie eine solche Beziehung aus der Sicht der eppensteinischen Kloster-Gründung zu denken sei, und mit dem Hinweis auf die durch Herzog Adalberos Heirat entstandene cognatische Verwandtschaft der EPPENSTEINER zu den SALIERN eine erste Antwort darauf. Der Ort, den Herzog Otto für die frühest bekannte klosterartige Institution auf Kärntner Boden ausersehen hatte, weist ebenso wie seine Wahl des Patroziniums auf die damit verfolgten Ziele, soweit sie politischer Art waren, hin. Ihm, den Landfremden, ging es darum, unter dem Schutze des von ihm schon in seiner fränkischen Heimat durch eine Klostergründung verehrten Heiligen ein gesistiges Zentrum im Herzen des ihm übertragenen, erst seit wenigen Jahren bestehenden Herzogtums zu schaffen, das unter Einbeziehung der dort um das Zollfeld allenthalben wirksamen Zeugnisse älterer Tradition etwas Neues, ihm Eigenes darstellen sollte. Das salische Herzogtum in Kärnten hat sich, wenn auch mit erheblichen Unterbrechungen, durch drei Generationen hindurch halten können. Dass es keine Festigkeit erlangte und schließlich scheiterte, ist nicht zuletzt aus dem Widerstande des Markgrafen und späteren Herzogs Adalbero zu erklären - die Aussagen der Quellen zu 1012, zu 1019 und 1035 [Nrn. 26,30,38] lassen daran keinen Zweifel. Hatte sich Adalbero des Herzogtums bemächtigt, so lag es für ihn nahe, die salische Position am Kärntner Berge an sich zu bringen. Hier konnte er unschwer erreichen, was ihm 1019 weitab in Schwaben misslungen war. Zugleich konnte er damit einen Mittelpunkt des salischen Herzogtums, in dessen Tradition zu stehen beanspruchte, in seine Hand bringen. Mit Adalberos Sturz war vermutlich der Entzug vormals salischer Besitz- und Rechtstitel verbunden, doch ist fraglich, wie weit sich dies praktisch auswirkte, da ja der Allodialbesitz und damit eine wesentliche Machtstellung des Herzogs Nachkommen verblieb. Diese fanden sich in der Lage, das Herzogtum neuerdings erstreben oder behaupten zu müssen, wobei ihnen gegenüber ihren Vorgängern und Konkurrenten eben ihr erhebliches Eigengut in Kärnten und besonders in der Kärntner Mark zustatten kam. Auf die in jedem Falle unsicheren, mit sonstigem Eigen nicht verbundenen Besitzungen am Kärntner Berge zu verzichten, mochte Markwart, dem filius ducis, rätlich erscheinen, als er daran ging, der eppensteinischen Herrschaft in Kärnten einen neuen Grund zu legen. Er konnte diesen Verzicht auf gute Art leisten, indem er jene Liegenschaften einer größeren Kirche übergab, wofür sich ihm die seinerzeit von seinem Bruder geleitete, im Lande noch keineswegs mächtige Bamberger Kirche besonders empfehlen musste; auf diese Weise lässt sich wohl der Übergang der Diplome OTTOS II. nrn. 216 und 292 an Bamberg am zwanglosesten erklären. Die Lambrechts-Verehrung als die geistige Manifestation des beanspruchten salischen Herzogtums brauchte Markwart damit nicht aufzugeben. Er konnte sie im Gegenteil zu neuer, gesteigerter Wirksamkeit im Sinne der eppensteinischen Herzogsherrschaft bringen, indem er sie in den Bereich massierten eppensteinischen Allodialbesitzes unweit der Grenze zwischen Kärnten und der Mark übertrug. Einzelheiten dieses Vorganges zu erkennen, erlauben die Zeugnisse leider nicht. Eine Klosterverlegung im engeren Sinne ist nicht anzunehmen, da die Neuformierung sich dann kaum über mehrere Jahrzehnte hingezogen hätte; außerdem blieb ja am Kärntner Berge eine Lambrechts-Kirche bestehen. Wohl aber ist eine Reliquien-Translation vorauszusetzen, bei welcher vielleicht noch Markwarts Mutter Beatrix, die Schwägerin KONRADS II. und Herzog Konrads I. von Kärnten, mitgewirkt hat. Zeitlich dürfte die Errichtung der eppensteinischen Lambrechts-Kirche allenfalls zwischen 1040 und 1065, eher gegen 1060 erfolgt sein. Die erste Nennung von "Neu"- St. Lambrecht [Nr. 47] zeigt, dass Markwart nicht irgendeine seiner Kirchen zur neuen Stätte der Lambertus-Verehrung bestimmt hat: Da dort im Gegensatz zu den sonst genannten Eigenkirchen nicht ein Ortsname ohne Patroziniumsangabe, sondern umgekehrt der Name des Patrons ohne Ortsbezeichnung erscheint, zudem mit der Erläuterung in silva, ist mit einer völligen Neuanlage in kaum erschlossenem Gelände zu rechnen.
Die Rückschau auf die Vorgeschichte der vom Grafen Markwart begonnenen Gründung zeigt, wie wichtig ihm und seiner Familie das Festhalten an der von dem SALIER Otto in Kärnten eingeführten Verehrung des heiligen Lambert sein musste. Ein Familienkloster schlechthin, so wichtig den EPPENSTEINERN dieses Anliegen zweifellos war, hätte sich wohl leichter einrichten lassen. Hier ging es zugleich um den Anspruch, in der Tradition des salischen Herzogtums in Kärnten zu stehen, welche, verbunden mit der alten Machtstellung der EPPENSTEINER, die Grundlage ihrer Herzogsherrschaft abgeben sollte. Diese Betrachtungsweise wirft auch einiges Licht auf die merkwürdig zwiespältige Stellung der EPPENSTEINERzu HEINRICH IV., wie sie von Markwarts Bemühungen um die Herzogswürde [Nr. 50] über Herzog Liutolts etwas mysteriöses Ende [Nr. 66] bis hin zur Erhebung Herzog Heinrichs (oben 116 ff.) zu beobachten war. Hatte sich König HEINRICH III. in jungen Jahren wohl zu einem Verzicht auf die von seinem Urgroßvater geschaffene, von seinem Vetter beanspruchte salische Stellung in Kärnten bestimmen lassen [Nr. 38/II], so behielt er später das Herzogtum zunächst selbst in der Hand, um es dann dem Grafen Welf - nicht Markwart - zu geben. Als HEINRICH IV. die Nachfolge im Reich antrat, lag der Tod Adalberos, des Usurpators in salischer Auffassung, eben einundeinhalbes Jahrzehnt zurück. Wir haben verfolgt, wie die EPPENSTEINER nur in besonderen Notlagen des Königs zum Herzogtum gelangten, wie ihnen andererseits eine Parteinahme für die Gegner HEINRICHS IV. schon mit Rücksicht auf die Ansprüche der ZÄHRINGER weniger möglich war. Hatte Adalberos Fall die eppensteinischen Bestrebungen um Jahrzehnte zurückgeworfen, so wurde späterhin der eppensteinischen Herrschaftsaufbau in Kärnten dauernd gehemmt durch diese Gespaltenheit zwischen dem Ziel, eine eigene Herzogs-Herrschaft in salischer Tradition zu errichten, und das Angewiesensein auf die Billigung - seit den Ausbruch des Investiturstreites geradezu: Förderung - durch das salische Königtum. Diese Kluft im vielschichtigen Vergleich des Jahres 1096 geschlossen zu haben, ist Herzog Heinrichs großer Erfolg bei jenem Übereinkommen gewesen. Das Diplom HEINRICHS IV. nr. 451 enthält nicht weniger als die endliche Anerkennung der eppensteinischen Herrschaftsansprüche durch den Kaiser.
Wie der EPPENSTEINER die ihm nunmehr eröffneten Möglichkeiten nutzte, spiegelt sich weiterhin vornehmlich in St. Lambrecht. Diese Einseitigkeit ist in der Quellenlage begründet, welche gleichermaßen dazu nötigt wie berechtigt, die letzten zweiundeinhalb Jahrzehnte eppensteinischer Herrschaft in Kärnten, welche zum Abschluss kurz zu überblicken sind, von der Klostergründung her zu behandeln.
Der Erfolg von 1096 erst gab Herzog Heinrich freie Hand, die wenigstens 30 Jahre vorher von seinem Vater begonnene Unternehmung wesentlich weiterzuführen. Wenn aber die vom Kaiser in seine Beurkundung aufgenommene Herzogsurkunde [Nr. 76] schon von einer abbatia spricht, so ist darin eher das Ziel als der seinerzeitige Stand des Vorhabens ausgedrückt. Dem widersprechen auch nicht die Formulierung defuncto autem abbate, wie überhaupt die theoretisch-juristisch gefassten Bestimmungen über dieses Amt, abgesehen davon, dass ein Abt nicht namentlich erwähnt wird. Die unabhängig von den rechtlichen Verfügungen gleich im Anschluss an den knappen Gründungsbericht genannten fratres waren dagegen wahrscheinlich vorhanden. Es dürften eppensteinische Eigenleute, dazu Priester, gewesen sein, welche den Dienst am Lambrecht-Altar zu versehen hatten und die Klostergründung technisch vorbereiteten. Für diese Zwecke hatte ihnen der Herzog bereits quedam de suis, welche nicht näher bezeichnet werden, zugewiesen. Wie wenig 1096 von einem fertigen Kloster gesprochen werden kann, zeigt außer allgemeinen Erwägungen dann die eigentliche Bestiftung der Abtei, die erst 6 Jahre später erfolgte. In der Zwischenzeit kamen die eppensteinischen Brüder erfolgreich der 1096 übernommenen Verpflichtung nach, Herzog Welf von Bayern in Italien Waffenhilfe zu leisten [Nr. 77]. Wir hören weiterhin von Güterübertragungen Herzog Heinrichs zuhanden seines Bruders Ulrich und an das Kloster Rosazzo in Friaul [Nrn. 80,78]. Letzterem, im Bereiche größerer eppensteinischer Besitzungen gelegen, hatte bereits Graf Markwart seine Aufmerksamkeit zugewandt, und Patriarch Ulrich hatte dort Benediktiner eingeführt. Schließlich berichten die Zeugnisse außer der Tatsache, dass der Herzog lombardische Teilnehmer des 1. Kreuzzuges unterstützte [Nr. 79], von einem Aufenthalt Heinrichs am kaiserlichen Hofe zu Speyer [Nr. 81; Febr. 1102]. In diese Jahre um die Jahrtausendwende fallen, worüber freilich kein mittelbares Zeugnis bekannt ist, Bemühungen des Herzogs um das Lambrachts-Kloster, Bemühungen, deren Ergebnis zu Beginn des Jahres 1103 zutage tritt.
Damals schenkte Herzog Heinrich von Kärnten eine größere Anzahl von Gütern und Hörigen ad altare sancti Lamperti in silva [Nr. 82]. Die Tatsache der Bestiftung deutete auf den Abschluss des Gründungsvorganges hin. Zugleich zeigt die Nennung des Abtes, der damals in St. Lambrecht wirkte, wie der Herzog die Klostergründung seiner Familie ausgerichtet sehen wollte. Abt Hartmann ist der Forschung wohlbekannt. In weitausgreifendem Werk führte ihn sein Leben von der Tätigkeit als Kaplan bei RUDOLF VON RHEINFELDEN über das Prioren-Amt in St. Blasien zur Leitung der Abteien St. Nikola vor Passau, Göttweig, Kempten, St. Ulrich zu Augsburg und schließlich St. Lambrecht. Im von den Namen dieser Abteien umschriebenen Raum war er der endgültige Vermittler des Reform-Mönchtums St. Blasischer Prägung. Dieser Bewegung also hat Herzog Heinrich das Lambrechts-Kloster angeschlossen. Freilich: Die Blütezeit der mönchischen Reform war vorüber, und eine engere Verbindung mit St. Blasien scheint nicht aufrechterhalten worden zu sein. - Von der rechtlichen Stellung des Herzogs zur abgeschlossenen Gründung verlautet in der Bestiftungsurkunde nichts. Auch die päpstliche Bestätigung, die 6 Jahre später Paschalis II. dem Kloster gewährte, äußert sich nicht dazu [Nr. 84]. Dagegen gelang es dem EPPENSTEINER, im Jahre 1114 von Kaiser HEINRICH V. eine Bestätigung  zu erlangen [Nr. 90], welche die Erbvogteiverfügungen von 1096 [Nr. 76] einschloss. HEINRICH V. entsprach damit dem Wunsche eines Mannes, der ihn bereits 1108 bei seinem großen Ungarnzug unterstützt hatte [Nr. 83]. Mochte dies vom nächstbenachbarten Herzog zu erwarten sein, so verdient jedenfalls die Hilfe, welche die beiden eppensteinischen Brüder dem Kaiser bei seiner Auseinandersetzung mit Paschalis II. boten, besondere Erwähnung [Nrn. 85, 86, 89]. Diese Quellen bezeugen ein Vertrauensverhältnis zwischen dem Kaiser und den EPPENSTEINERN, das, zusammengenommen mit dem Diplom von 1114, darauf deutet, dass der Ausgleich des Jahres 1096 dem salisch-eppensteinischenGegensatz in der Tat ein End ebereitet hatte - in einer Weise, die durchaus als Erfolg der zielstrebigen eppensteinischen Politik anzusprechen ist, die sich gegen ältere salische Ansprüche durchgesetzt hatte. Wenn Herzog Heinrich im Jahre 1108 alten Markwart-Besitz an der Isar aus der Hand gab [Nr. 83], so kann auch dies als Zeichen der Sicherheit aufgefasst werden, dass nunmehr endgültig die eppensteinische Herrschaft in Kärnten begründet sein sollte. in 100-jähriger Anspannung war der äußere Aufbau der Herrschaft, dem hier nachzugehen war, vollendet. Als ein Kernpunkt der inneren Gestaltung konnte allein die Klostergründung näher behandelt werden. Darüber hinausgehende Zeugnisse einer beginnenden Adelsherrschaft aus dem 11. Jahrhundert waren an sich in größerem Umfang nicht zu erwarten, umso weniger, als die Entwicklung der eppensteinischen Herrschaft in dieser Zeit ja keineswegs ungebrochen verlief. Immerhin haben uns die Quellen Andeutungen über den Landesausbau, über Burgen und Ministerialität gegeben.
Insgesamt war mehr als nur eine sicher tragfähige Grundlage weiteren Aufbaues geschaffen. Für die Mitlebenden kann es trotzdem keine Überraschung bedeutet haben, als 1122, im Jahre des Wormser Konkordats, die EPPENSTEINER-Herrschaft zusammenbrach. Im selben Augenblick, als von außen her volle Aussicht auf Erreichung des Zieles jeder Adelsherrschaft bestand, sich Dauerhaftigkeit zu sichern, versagten ihre biologischen Voraussetzungen dafür. Die Zeugnisse aus den Jahren 1096, 1103, 1114 [Nrn. 76, 82, 90] sprechen diese Gefahr bereits unmissverständlich aus. Gegen Jahresende 1121 starb dann Ulrich, Patriarch von Aquileja und Abt von St. Gallen, ein Jahr darauf als Letzter der Familie der dux Karinthie Heinricus de Eppenstein [Nr. 97, 99]. Man hat Versuche unternommen, das Überleben biologischer Seitenverwandter in eppensteinischer Tradition zu beweisen. Sie überzeugen in sich nicht, und unabhängig davon ist die historische Existenz der EPPENSTEINER und ihrer Herrschaft jedenfalls mit dem Jahre 1122 erloschen. Das in späterer Form auf uns gekommene Testament Herzog Heinrichs [Nr. 96] zeigt die vom Semmering bis zum Tagliamento ausgebreiteten eppensteinischen Besitzrechte. Diese und dazu die Vogtei über das Lambrechts-Kloster erbten die Markgrafen der Kärntner Mark, die sich nach Steyer nannten, und erlangten damit ein wesentliches Mittel zum Aufbau ihrer Landesherrschaft. Nachfolger im Herzogtum dagegen wurde die SPANHEIMER, zunächst auf Betreiben Herzog Heinrichs III. sein gleichnamiger Patensohn, der jüngste Sohn des Grafen Engelbert [Nr. 69]. - Die Unmöglichkeit, Allod und Amt zusammenzuhalten, die Möglichkeit, über beide weitgehend zu verfügen, spiegeln noch einmal Bruchstückhaftigkeit und Vollendung der EPPENSTEINER-Herrschaft in Kärnten.

Klaar Karl-Engelhard: Seite 50-72
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"Die Herrschaft der Eppensteiner in Kärnten" (1966)

Die Herrschaft der Eppensteiner in den Zeugnissen
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Nr. 67          Herzog Heinrich von Kärnten

a)
Als Sohn Markwarts und der Liutbirg urkundlich mehrfach bezeugt: Nrn. 75, 76, 82, 84, 90; vgl. auch Nr. 40 c sowie allg. Tyroller, Genealogie, 113 nr. 18.

b)
Heinrichs jüngerer Bruder Hermann wurde 1085 Bischof [Nr. 40 e, 5], er selbst muss ca. 1065 [Nr. 47] noch nicht volljährig gewesen sein, so dass sein Geburtsjahr auf ca. 1050 anzusetzen ist.

c)
Wir wissen von drei Gattinnen Heinrichs, welche in der älteren Forschung in der Reihenfolge Liutgard, Beatrix, Sophia angeführt werden (so nach Lazius: Scholliner, De Gebirge, 638). - Die erste Frau Heinrichs scheint indes Beatrix, eine Tochter des Grafen Otto von Dießen gewesen zu sein; vgl. zu Nr. 68. Die Eheschließung ist demnach gegen 1075 anzusetzen. Beatrix dürfte 1096 noch gelebt haben; sie wird zwar in Nr. 76 nur indirekt erwähnt, erscheint aber als Beatrix fundatrix huius loci zu VI. kal. martii im Necr. s. Lamb. A (ed. Pangerl, 55, ed. Herzberg-Fränkel, 316). Siehe Tyroller, Genealogie, 151 f. nrn. 14-15. -
Wenige Jahre später ist als Gattin des Herzogs eine Liutgard bezeugt [Nr. 82, 1103; vgl. aber zu Nr. 74]. Ihre Herkunft ist nicht bekannt. Der Vorschlag von Scholliner, a.a.O., 639 ff., sie sei die Witwe Herzog Bretislaws II. von Böhmen (+ 1100) und habe demnach der Familie der Grafen von Bogen angehört, findet in den Todestagen keine Stütze: Für die Herzogin von Böhmen ist der 31. Dezember überliefert (vgl. Wegener, Premysliden, Taf.2, und Tyroller, a.a.O., 240 nr. 18), wogegen die Gemahlin Heinrichs zu XII. kal. Aug. im Necr. s. Lamb. A als Livkart ducissa eingetragen ist (a.a.O., 161 bzw. 332). Unzutreffend auch der Hinweis von Wiesflecker, zu Reg. Görz 1 nr. 163, auf ebd. nr. 140. -
Sophia schließlich, Tochter des BABENBERGERS Leopold (II.; vgl. Juritsch, Babenberger, Stammtaf.),  erscheint erst in der letzten Lebenszeit des Herzogs [Nr. 94] und wird später ausdrücklich als uxor tercia Heinrichs bezeichnet, welche er erst nach der Beschenkung des Klosters (1103) geheiratet habe: D K III. ddo. 1149 Mai   21, St. nr. 3338 = UB. Stmk. 1 nr. 281 = MdC 3 nr. 879; ähnlich D F I. ddo. 1170 März 3, St. nr. 4110 = UB. Stmk. 1  nr. 513. Sie verehelichte sich unter Weiterführung des Titels einer Herzogin später  mit dem Grafen Sighart von Burghausen  und Schala (s. Nr. 95), den sie gleichfalls überlebte (+ 1142), und starb nach ergebnisloser Verfechtung von Erbansprüchen  (dazu die o. a. DD K III. und F I.) gegenüber dem Kloster St. Lambrecht, in dessen Toten-Gedächtnis sie nicht aufgenommen ist 1154 Mai 2: Sophia ducissa de Scala zu VI. non. maii im Necr. Mellic. A, ed. Fuchs, 554. Gewin,  Herkunft, 70 nr. 45, sieht in Sophia irrig die Gattin von Herzog Heinrichs gleichnamigen Nachfolger (1122-1123); vgl. aber Nr. 98: coniugis mee Gerdrudis.

d)
Kinder hat Herzog Heinrich nicht hinterlassen und jedenfalls 1096 und 1103 nicht gehabt, worauf in Nrn. 76 und 82 usdrücklich hingewiesen ist, ähnlich auch 1114 [Nr. 90].

e)
Heinrich starb 1122 Dezember 4: Nr. 97
 
 

Nr. 68          [1070-1076]

Heinrich filius Marchwardi Carinthiensis comitis et milites eius Odalscalch, Anno, Erchanger, Arnolt comes de Diezan et miles eius Wolftrigil, Meginhart comes de Giltich et miles eius Magnus, Otto comes de Daningan et miles eius Reginpreht, Otto comes de Skyrun et miles eius Reginpreht an der Spitze der umfangreichen Zeugen-Liste beim Gütervertrag des Adalpertos Frisingensis vicedominus mit seiner Gattin Perhta.

D: Trad. Freis. 2 nr. 1469 (zu vor 1073). - R: MdC Erg.-Heft 1 nr. 386 a = nr. 3040 (zu ca. 1070).

Die Datierung des Stückes hängt gerade von der Erwähnung Heinrichs ab, wobei das für Ende 1072 bezeugte Bemühen seines Vaters Markwart um das Kärntner Herzogtum [Nr. 50] teils als terminus ante quem gewertet wird (so Bitterauf, Vorbem. zur Edition), teils als terminus post quem (so Hundt, Bayr. urkk., 34; datiert ca. 1075). Beide Argumentationen überzeugen schon im Ansatz nicht; als ausreichend sicherer späterer Ansatz dürfte erst 1076, das Todesjahr Markwarts [Nr. 54], gelten. Zu den Zeugen, beiderseitigen Verwandten des  Ehepaares, siehe Klebel, Verwandtschaftsbeziehungen, 11, und besonders Tyroller, Genealogie, 151 nr. 14. Heinrich war demnach wahrscheinlich der Schwager der Berta über eine ihrer Schwestern, Beatrix (vgl. Nr. 67 c). Adalbret Frisingensis erscheint später umgekehrt in wichtiger eppensteinischer Sache [Nr. 76]; in ihm vermutet man einen Vorfahren der Kärntner ORTENBURGER und der Grafen von Tirol: Trotter, Ortenburg; Klebel, Kärnten-Tirol, 181.
 
 

Nr. 69          [ca. 1075]

Heinrich fungiert als Taufpate des jüngsten Sohnes des Grafen Engelbert von Spanheim.

a)
Engelbertus [...] Gebhardum Iuuaiensem ob scima expulsum reduxit, monasterium sancti Pauli in valle Lauantina ordinis sancti Benedicti fundavit, frequens bellum cum Hainrico duce de Eptenstein habuit. Ex ex Hadwige uxore suscepit filios Hartwicum Maydeburgensem archiepiscopum, Hainricum Carintije ducem heredem in ducatu patrini de Eptenstein, Engelbertum ducem Karinthie postea, Sigefridum et Bernhardum comitem de Strubsin.

D: Ebendorfer, Cron. Austr., ed. Pez, 799; vgl. Jaksch, Genealogie, 200 f. und MdC 3 nrn. 488, 499, 571: Neuausgabe (ed. Lhotsky, MGH. SS. NS. 13) im Druck.

b)
Engelbertus comes habuit ex coniuge sua Hadwige quinque filios clarissimos scilicet Hertwicum Maideburgensem archiepiscopum [...], item Heinricum ducem, quem Heinricus dux de Eppenstain post diuturnam cum patre pueri controversiam de sacro fonte levavit et heredem in ductatu reliquit, item Engelbertum postea ducem, et quartum Sigefridum, patrem Sifridi comitis de Liwbenawe, et quintum Bernhardum comitem de Struchsin. Predicto denique Heinrico duce adoptivo Heinrici ducis de Eppenstein filio absque herede mortuo, Engelbertus predictus frater eius in ducatus successit.

D: Staindel, Collectana, gedr. MB 16, 581, ferner Jaksch, Genealogie, 200 f., MdC 3 nrn. 499, 571.

Beide Zeugnisse gehören humanistischer Geschichstwissenschaft an, gehen aber wahrscheinlich auf eine Genealogia Spanheimensium aus dem frühen 13. Jh. zurück. Die Version b) des Passauer Domherrn Johannes Staindel ist jünger als die Thomas Ebendorfers, doch von dieser nicht abhängig; vermutlich haben beide eine gemeinsame Vorlage. Der Stand der Forschung zu den vorliegenden Texten ist zusammengefaßt bei Lhotsky, Quellenkunde, 236 f. - Die Aussagen über die Söhne Engelberts I. lassen sich anhand der Traditionen aus dem spanheimischen Familien-Kloster St. Paul i. L. prüfen, wobei sich zeigt, dass sowohl in a) wie in b) Hartwig, der Magdeburger Erzbischof, und Heinrich, als Kärntner Herzog der IV., vorgezogen sind. Als tatsächliche Reihenfolge der Söhne ergibt sich aus MdC 3 nrn. 500, 506, 528, 547 übereinstimmend: Engelbert II. (primogenitus in nr. 506), Hartwig, Siegfried, Bernhard, Heinrich. Dagegen spricht nicht, dass Heinrich 1091 in MdC 3 nr. 496 als 1. Zeuge auftritt, da er hier als einziger der Brüder erscheint; indes ist diesem Beleg zu entnehmen, dass Heinrich damals volljährig war, mithin seine Taufe spätestens ca. 1075 anzusetzen ist. - Die Glaubwürdigkeit der Berichte selbst über des späteren Herzogs Heinrich III. Taufpatenschaft ist zu bejahen. Sie entspricht der Namengebung des Täuflings ebenso wie seiner Nachfolge im Herzogsamte (1122) bei Lebzeiten mehrerer seiner älteren Brüder. Chronologisch unzutreffend ist die Nachricht in b) über die Beziehungen Engelberts I. zu Heinrich vor der Taufe; diese controversia fand vielmehr später, etwa 1076-1089, statt, als Engelbert sich auf die Seite Erzbischof Gebharts von Salzburg und gegen kaiserliche Ansprüche in Kärnten stellte. - Vgl. unten 120, 135.
 
 

Nr. 70          [1076 nach Juni 16]

Heinrich gibt dem Patriarchen von Aquileja ein Grundstück in Egg (südöstlich Villach/Kärnten für die Aquilejer Vogtei.

(Patriarch Ulrich I. von Aquileja beurkundet die zu Zeiten seines Vorgängers Friedrich beschlossene, durch dessen Tod [1086] verzögerte Bestiftung des Klosters Mosach [Moggio] mit einzelnen aufgeführten Gütern, vornehmlich solchen, die Graf Kazelin aus seinem Besitz dafür bestimmt hatte; hinzu ferner ua.:) totum aream unam in Carinthia que Ekke vocatur, quam dux Henricus pro advocacia Aquileiensi patriarche dederat [...]. Huius rei testes sunt Andreas Noue Ciutatis episcopus, abbas Gaudencius de Summaco, abbas Kebeno de sancto Odalrici ua. Actum est hoc anno incarnacionis dominice M°LXXII°, IIII° idus novembris, XII indictione.

D: MdC 3 nr. 485 (unvollst.: zu [1090] Nov. 10.) - R: Reg. Görz 1 nr 114 (zu [ca. 1090] Nov. 10.

Zur fehlerhaften Datierung der in einem Notariatsvidimus aus dem Jahre 1263 überlieferten Patriarchen-Urkunde siehe unten; das frühest mögliche Ausstellungsdatum ist 1093, allenfalls 1090, da Heinrich bereits als Herzog bezeichnet wird. Der zeitliche Ansatz seiner Güterübertragung ist indes davon weitgehend unabhängig. Da 1074 noch Heinrichs Vater Markwartals Vogt bezeugt ist [Nr. 51], ist mit der Übergabe des Amtes während dessen beider letzten Lebensjahre kaum zu rechnen. Andererseits legt der Wortlaut der Urkunde nahe, dass die Zuwendung von Egg durch Heinrich wie auch jene der übrigen Güter bereits vor der Aquilejer Sedenzzeit seines Bruders Ulrich erfolgte, also spätestens gleichfalls unter Patriarch Friedrich (1084-1086). Nimmt man weiter mit Schmidinger, Patriarch, 76, an, dass die Vogtei unmittelbar von Markwart auf Heinrich überging, so ist sein Schluss, letzterer habe das Gut gleich bei Erlangung der Vogte tradiert, dem Text wie dem üblichen Gebrauch in solchen Fällen gut entsprechend. - Zur Niederlegung der Vogtei durch Heinrich siehe Nr. 74. - Die Patriarchenurkunde kann nicht, wie überliefert ist, 1072 ausgestellt sein, da Ulrich erst 1086 Patriarch wurde (siehe unten 112). Die XII. Indiktion ergäbe innerhalb dessen Patriarchats die Jahre 1089, 1104 und 1119. Ersteres Jahr entfällt, da ist noch Liutolt Herzog von Kärnten war: um 1104 dagegen residierte in Cittanova ein Bischof Alexander (Gams, Series 770). Hält man also an der Indiktion als Datierungselement fest, so bleibt 1119, in welchem Jahre tatsächlich Bischof Andreas II. von Cittanova das Kloster Mosach weihte (IP 7/1, 66), dessen Stiftung Patriarch Ulrich hier bestätigt. Der übliche Ansatz des vorliegenden Stückes auf 1090 geht auf De Rubeis, Monumenta, Sp. 545 f., zurück und beruht auf der Tatsache, dass Bischof Andreas' I. Vorgänger Nikolaus 1089 starb, sowie auf der Annahme, dass Heinrich sogleich nach seines Bruders Liutolt Tod Herzog von Kärnten wurde. Das Resultat dieser an sich berechtigten Überlegung als Beleg für Heinrichs Herzogswürde im Jahre 1090 heranzuziehen heißt daher, einen Zirkelschuss ziehen. Es spricht vieles dafür, dass Heinrich diese Würde erst 1093 erlangte (siehe dazu unten 116 ff.), welches Jahr mithin als terminus post quem für die Patriarchenurkunde zu gelten hat. Für ihren Ansatz zu 1119 spricht dabei außer den obigen Erwägungen die Feststellung, dass sowohl unter den weiteren Zeugen des vorliegenden Stückes wie denen einer anderen, ca. 1120 ausgestellten Urkunde Patriarch Ulrichs neben dem Bischof Andreas ein Johannes als Aquilejer Vizedom erscheint (MdC 3 nr. 561 = Reg. Görz 1 nr. 177), welches Amt gegen Ende des 11. Jh. ein Dietricus versah (s. Nr. 74).
 
 

Nr. 71          [ca. 1085-1090]

quidam nobilis prosapie Herrant nomine gibt der Brixener Domkirche unter Bischof Altwin auf dessen Bitte talia bona, qualia domnus Heinricus frater ducis Liutoldi loco Tulis monte et in conballibus, agris et pascuis, cultis et incultis, quesitis et inquirendis, mancipiis omnibusque pertinentiis, Bauzano autem vineis aliisque pluribus locis potenter habuit et possedit prefatoque Herrando potenter delegavit ac  contradidit. Dies wird bezeugt durch Rotperto, Ottone, item Ottone, Dietmaro, Theoderico, Odalscalcho, Heimone, Altone, Aribone, Scuribrando, Snelhardone.

D: Trad. Brixen nr. 364. - R: MdC 3 nr. 468, UB. Tirol 1/I nr. 108, Reg. Görz 1 nr. 147.

Tulis: Tuls bei Brixen/Tirol; Bauzan: Bozen/Tirol. - Die vorliegende Traditions-Notiz gehört zeitlich und sachlich zu einigen weiteren Besitzübereignungen an Brixen aus eppensteinischen Händen: Nrn. 63 a-c, 72, wo Herrant und die beiden Otto gleichfalls erscheinen. - Der Besitz in der Bozener Gegend könnte auf frühere EBERSBERGER Mitgift zurückgehen; vgl. Trad. Eberbg. nr. 35 = UB. Tirol 1/I nr. 60 (vor 1045 März 27; Adalbero von Ebersberg testiert seiner Gemahlin Richlind verschiedene genannte Güter, worunter solche in Pozana.) Der Name des als Salman auftretenden Edlen Herrant erscheint auch sonst wiederholt in der Umgebung des EPPENSTEINERS; s. Nr. 76. - Vgl. unten 113.
 
 

Nr. 72          [ca. 1085-1093]

quidam nobilis prosapie Heinrich nomine schenkt tale predium, quale in loco Linta hereditario iure possedit, der Brixener Kirche zu Händen Bischof Altwins. Zeugen: Wezil, Herrant, Liutolt, Scuribrant, Snelger, Otto, Werinheri, Marchwart, Perehtolt, Rodolf, Wasegrim, Liutheri, Wichman, Mantwin.

D: Trad. Brixen nr. 368, MdC 3 nr. 469 (beide zu [ca. 1085-1097]). - R: Reg. Görz 1 nr. 148.

Linta: Lind westsüdwestlich Spittal an der Drau/Kärnten. - Redlich und Jaksch sehen, wie aus ihrer Datierung hervorgeht, in dem Schenker nicht den 1093 zum Herzog von Kärnten erhobenen Bruder Liutolts. Demgegenüber weist jedoch die Zeugen-Reihe eindeutige Überschneidungen mit jenen der Nrn. 63 und 71 auf, insbesondere erscheint der Name des Salmannes aus Nr. 71 unter den Zeugen. Hinzu kommt der Name des geschenkten Besitzes selbst, auf den auch die unzweifelhaft eppensteinischen Güterübertragungen der Nrn. 63 a und 63 c bezogen werden. Zwar erhalten ca. 1065-1077 quidam nobilis prosapie Heinricus nomine und dessen Gattin Wezela von Bischof Altwin quendam  curtiferum loco situm, doch nur ad eorum vitam: dieser Besitz könnte einundeinhalbes Jahrzehnt später kaum als Erbgut bezeichnet werden (Trad. Brixen nr. 228; dieser Heinrich vielleicht identisch mit dem nobilis homo Heinricus nomine Altvvani Brixinensis episcopi miles von Trad. Brixen nr. 231).
 
 

Nr. 73          [1090 nach Juni 16 - 1106]

Herzog Heinrich erhält Lehen vom durch den kaiserlichen Gegen-Erzbischof Bertolt von Salzburg eingesetzten Bischof Bertholt von Gurk.

Hec sunt allodia quibus sub nomine beneficiorum nudatam se gemit Gurcensis ecclesia ab eo (sc. Perhtoldo de Celsach, dem Gurker "Intrusus"): Ecclesia in loco qui dicitur Wztrich cum 150 mansis duci (folgt in der Hs. ein durch Flecken unleserliches Wort) et ad hoc Frescari curtis una, altera Dernsteine. Poppo cum fratre suo Wilhelmo 80 mansos eiusdem possidet Gurcensis ecclesie et curtium unam et ecclesiam in eodem edificatam predio. In Marchia episcopus duci et cometissae 80 villas et duas curtes concessit (folgen weitere, an andere Personen ausgetane Güter).

D: Chron. Gurc. s. 2, ed. Wattenbach, 8; MdC 1 nr. 39.

Wutrich: Feistritz westlich Friesach; Fresaci: Friesach/Kärnten; Dernsteine: Dürnstein, nördlich Friesach. - Für die Lehen in den Kärntnermark erwägt Jaksch, Kärnten 1, 238, Lage am Bachergebirge (Unter-Steiermark). - Ein anderer, als Herzog Heinrich von Kärnten, kann unter dem dux kaum verstanden werden. Seine Belehnung erfolgte möglicherweise schon vor seiner Herzogszeit, was ein rückschauender Berichterstatter leicht vernachlässigen konnte. So ergibt die Sedenzzeit Bischof Bertolts die zeitlichen Grenzen. Dessen Bestreben, sich des Adels durch Belehnungen zu versichern, entspricht dem Verhalten seines Salzburger Gönners und dient zugleich der Festigung von HEINRICHS IV. Möglichkeiten, im Lande Einfluß zu nehmen; vgl. Meyer von Knonau, Heinr. IV. und V. 4, 44 f., Jaksch, Kärnten 1, 237 f., Zeillinger, Konrad I. von Salzburg, 41 und 45 Anm 2. - Außer dem Herzog erhielten dabei namentlich die SPANHEIMER reichliche Zuwendungen - die Vorgänge fallen in die Zeit nach der eppensteinisch-spanheimischen Annäherung, vgl. unten 120 -, wozu wohl auch jene obigen einer cometissa verliehenen gehören. Für den EPPENSTEINER bedeuteten die Positionen um Friesach ein Bindeglied zwischen seinen Besitzungen im Murtal und bei den Kärntner Seen; siehe Wonisch, Graslupptal, 33, und unten 105.
 
 

Nr. 74          [1093 ?]

Herzog Heinrich verzichtet auf die Vogteigerichtsbarkeit der Aquilejer Kirche

a)
Heinricus sancte Aquilegiensis ecclesie [...] advocatus anerkennt eiusdem sancte ecclesie iusticiam und übergibt pro amore omnipotentis dei et remedio anime sue omniumque successorum suorum consentiente et collaudante nen non et eandem sententiam confirmante Purchardo eodem die advocato constituto der Aquilejer Kirche zu Händen Patriarch Ulrichs des placitum advocatie super omnibus bonis prefate Aquilegiensis ecclesie attinentibus [...] in manu domni et catholici patriarche Odalrici eidem sancte Aquilegiensi ecclesie [...], ita, ut nullus advocatus amodo et usque in sempiternum inibi placitet, sed fratres digne et religiose atque devote deo iugiter servientes perpetuo et  inviolabili iure habenat ita, ut orationes eorum, in quas me cum omni caritate unanimes receperunt, fideliter habeam [...]. Qui venerabilis patriarcha Odalricus gaudens super his que ex iusta et bona voluntate predicti fratris sui Heinrici advocati ad aludem et gloriam sanctissime Aquilegiensis ecclesie fiebant, accepta in se potestate communi conventu libito consensu et voluntate cleri et populi eiusdem sancte ecclesie fidelium scriptis commisit. [...] + Ego Odalricus patriarcha manu propria subscripsi, Zeugen: Purcardus frater Purcardi advocati et filius eius Purcardus, Heinricus de Guriza, Wilelmus, Hernos, Waldo, Andreas, Rantolofus et filii eius Fridericus, Astaldus, Marcuardus frater Adree, Fridericus de Tengile, Atzo, Otto de Pisuic, Dietricus vicedominus, Bertoldus et frater eius Wernerius, Vodalricus, Hermenardus, Iohannes, Adalbertus, comes Wotiscalcus.

D: MeA Sp. 599 ff. (zu [1121]), MdC 3 nr. 532 (zu [1106]). - R: Reg. Görz 1 nr 162 (zu [1101-1102].

b)
Notum sit omnibus fidelibus Christi, qualiter ego Henricus dux totum placitum advocatie canonice huius ecclesie pro mea anima et Liucarde uxoris mee sancte Marie et fratribus his coram clericis et laicis collaudante et confirmante domno Wodolrico patriarcha dederim videlit eo tenore, ut semper in festivitate omnium sanctorum optimum servicium canonicis his  in vita mea a preposito eorum fideliter amministretur et C pauperes pascantur, post mortem vero meam in meo annioversario totum istud supradictum adimpleatur.

D: MeA Sp. 556 (aus epigraph. Überlieferg.), MdC 3 nr. 533 (aus Vidimus d. J. 1196; zu [1106]. - R: Reg. Görz 1 nr. 162 (zu [ca 1101-1102].

Heinrich hatte die Aquilejer Vogtei wahrscheinlich seit 1076 inne [Nr. 70]. Die beiden undatierten Zeugnisse über seinen Verzicht darauf werden in der neueren Forschung zwischen 1090 (Tangl, Eppenstein 4, 98; Czoernig, Görz, 490 Anm. 1) und 1106 (Jaksch, MdC 3 nrn. 532 f) angesetzt. Letzterer Vorschlag, gestützt auf Änderung des ersten Burkhart der Zeugenreihe in a) zu Bertolt, fällt durch Hinweis auf Nr. 75, worin gleichfalls die beiden Burkharte als Brüder bezeichnet sind. Infolge zu geringen Vergleichsmaterials führt die Zeugen-Reihe nicht weiter (Heinrich 1102: Reg. Görz 1 nr. 161). Bei Annahme von Ungleichzeitigkeit beider Zeugnisse ergibt die (auffälligerweise in a] fehlende) Bezeichnung Heinrich als Herzog das Jahr 1093 als frühesten Termin für b) (allenfalls 1090; siehe aber unten 116 ff.). Dieser Termin könnte wegen der Erwähnung der Herzogin Liutgard mit einiger Wahrscheinlichkeit auf nach 1096 eingeengt werden (NB: für Nr. 74 b; vgl. Nr. 67 c). Der späteste Zeitpunkt für beide Quellen ergibt sich ais Reg. Görz 1 nr. 161, worin zu 1102 Nov. 7 bereits ein Nachfolger des im Vorliegenden genannten Burkhart, namens Konrad, als Vogt bezeugt ist (Burkharts Schwiegersohn; vgl. Tyroller, Genealogie, 174 nr. 10). Es liegt nahe, den Vorgang selbst an den Anfang des umschriebenen Zeitraumes zu setzen (so auch Trotter, Moosburg, 192), da Heinrich szt. bei Erlangung des Herzogtums auch sonstige Verzichtleistungen zugunsten Aquilejas zu erbringen hatte und nach Aufgabe der Marken Krain und Istrien zur Ausübung der Vogtei kaum noch zureichend in der Lage war. Die zusätzliche Bestätigung von Seiten des Herzogs (b), welche dann auch in Stein gehauen wurde, kann später erfolgt sein. - Einen Hinweis auf Beachtung der dort getroffenen Verfügungen gibt Nr. 97 b. - Vom Patriarchat her gesehen, gehört die Angelegenheit in den Rahmen des Strebens nach Aufbau einer eigenen Landesherrschaft; die Bestimmung, ut nullus advocatus amodo et in sempiternum inibi placitet (a), macht deutlich, dass der nachfolgende Vogt Burkhart eine in ihren Rechten gegenüber bisher geminderte Funktion übernahm, was er eigens billigen musste. Vgl. zur Sache Mayer, Alpenländer, 107 f., Paschini, Friuli 1, 227 ( = 2, 1. Aufl., 14), Schmidinger, Patriarch, 76 f.
 
 

Nr. 75          1093 Mai 12, Pavia

Kaiser HEINRICH IV. gibt dum pro petitione Odalrici patriarche dilectissimi consanguinei nostri, dum ob interventum fidelium nostrorum videlicet Meginwardi Frisingensis episcopi, Dieboldi marchionis, Werinheri marchionis, Burchardi marchionis, Heinrici de Houerdorf, Burchardi fratris Burchardi marchionis, Adelberti de Hortenburc, Emelrici de Bosco et aliorum [...] quandam villam nomine Touwondorf et ad hoc tantum, ut XXX mansus pleniter ibe habeantur, de illo scilicet predio, quod nobis dux Heinricus de Carinthia filius domoni Marquardi dedit, ecclesie sancti Galli in proprium, mit allem Zugehör und aller Nutzung, ea videlicet ratione, ut idem Odalricus patriarcha monesteriique sancti Galli abbas eiusque successores freies Verfügungsrecht über das Gut haben sollen.

D: D H IV. nr 431. - R: MdC 3 nr. 497.

Touwondorf: Daugendorf, LK. Saulgau/Wttbg. - Am gleichen Tage erhielt die Kirche von Aquileja unter Patriarch Ulrich die ihr zeitweilig (zugunsten Heinrichs von Eppenstein!) entzogene Mark Krain zurück (D H IV. nr. 432); die Intervenineten-Liste stimmt mit der obigen überein und überschneidet sich zum Teil mit der Zeugenreihe von Nr. 76, worauf zuerst Trotter, Ortenburg, 501 f., hingewiesen hat. - Für die Herkunft Daugendorfs in der Hand des Kärntner Herzogs bietet Erbgang nach seiner Großmutter Beatrix [Nr. 21 c] die naheliegendste Erklärung, wie solche auch Klebel, Hohenstaufen, 144, annimmt. Dessen Bemerkung allerdings, das Diplom stelle nur eine kaiserliche Bestätigung einer voraufgegangenen Schenkung des Herzogs selbst an St. Gallen dar, trifft kaum zu. Die Güterübertragung geht wohl vielmehr auf das Bestreben des Kaisers zurück, in Bereichen überwiegenden Einflusses seiner welfischen und zähringischen Gegner einem seiner eigenen Parteigänger eine Position zu schaffen, wozu Daugendorf in der Hand des Abtes von St. Gallen weit geeigneter erscheint, als in jener des Herzogs von Kärnten; vgl. Büttner, Staufer und Welfen, 18 f. Wenn dort gesagt wird, es habe sich um Besitztum gehandelt, das der Kaiser "selbst erst erworben hatte", so ist dem beizufügen, dass der Verzicht des Herzogs auf D. wohl einer der Preise war, welche er bei Erlangung des Herzogtums zu entrichten hatte; dass der Besitz dabei (durch Ulrich, Herzog Heinrichs Bruder) zunächst doch in Händen der eppensteinischen Brüder blieb, ist eines der bei solchen Verzichtleistungen häufig zu beobachtender Kompromisse. - Von einem Austausch kärntnischer und schwäbischer Güter zwischen HEINRICH IV. und den EPPENSTEINERN (so Werle, Titelherzogtum, 246) ist keine Rede. - Vgl. zu Daugendorf noch Jänichen, Singen, 138 f., und - zur späteren Rolle - Büttner, a.a.O., 24 m. Anm. 28; allg. zu den Diplomen aus Pavia vom Frühjahr 1093 Meyer von Knonau, Heinr. IV. und V. 4, 389. - Siehe auch unten 86, 107 Anm. 66, 111,117.
 
 

Nr. 76          1096, Verona

Kaiser HEINRICH IV. beurkundet die Gründung der Abtei St. Lambrecht/Stmk. durch Herzog Heinrich III. von Kärnten.
In nomine sancte et individue trinitatis. HEINRICUS dei gratia Romanorum imperator augustus. - Divina favente clementia Heinricus Carinthiorum dux ad communem omniumnoticiam per schripture seriem committere voluit, qualiter de abbatia sancti Lanberti, que sita est in episcopatu Salzenburc in comitatu Friesach in loco et fundo qui dicitur Carinthi, deo annuente ordinavit. Predictam abbatiam pater prefati ducis Heinrici pro remedio anime sue et suorum in solo proprietatis sue, quod iure hereditario possidebat, edificare cepit. Cuius pium propositum quia morte interveniente ab illo perfici non potuit, divina misericordia per laborem filii eius Heinrici ducis voluit consummari. Ibi ergo ad usum fratrum ibidem deo servientum prout potuir eidem ecclesie in perpetuum habenda quedam de suis contulit. Verum quia per peccatum evenire solet, ut loca a religiosis personis ad honorem dei bene instituta, postquam in extraneas potastates devenerint, dilabi incipiant et decrescere, ipse sub tutela Romani pricipis Petro apostolorum principi predictam abbatiam cum omnibus pertinenciis suis presente HEINRICO Romanorum imperatore augusto et duce Welfone per manus Burchardi marchionis absque omni contradictione tradidit, eo videlicet pacto ut singulis annis Rome bisantium vel valens ipsum persolvat; quo soluto ab omni alia exactione immunis et libera permaneat. Defuncto autem abbate abbatem eligendi secundum regulam suam firmissimam ipsi fratres potestatem habeant nec ab ullo mortalium contra voluntatem suam aliquem ad hoc officium suscipiendi ullam omnino molestiam sustineant; et ipsam abbatiam ab apostolico electus suscipiat. Advocatiam in manu sua retinuit et, si filios de uxore sua deus ei dederit, si unus erit, illum habere instituit, si plures, seniorem habere decrevit, et si filios non habuerit, in abbatis arbitrio sit, quem sibi meliorem et commodiorem advocatum eligere velit. Ad honorem dei omnipotentis dux Heinricus pro anima sua et dilecte coniugis sue seu omnium parentum suorum istam rem ita stabilire et permanere proposuit; cuis boni quicumque cooperator et adiutor ac bone voluntatis socius fuerit, elemosine etiam perticeps fiat. Qui vero constitutionem istam infringere, cassare et annullare temptaverit, inter illum et deum sit, cuius sibi iram exacerbare et in caput suum provocare non extimuit. Ut autem hec omni tempore rata et inconvulsa permaneant, nomina eorum annotari placuit, qui rei geste interfuerunt et testimonium perhibuerunt. Que sunt Rapoto videlicet palatinus comes, Otto de Omeras, Otto de Schire, Perenhart, Cundakaer, Ernest de Cregelingen, Herrant, Herrant, Conrat filius Heinrici de Houators, Henricus de Wndestorf, Adelbret Frisingensis, Almerich, Walcdn, Menegelhalm nepos eius, Penno, Gerloch, Willehalm, Liotolt, Idergel, Litpolt, Gundekar de sancto Martinoo, Harthuinch de Kaltenbrunnen, Adelram, Liotolt et Otto frater eius. - Signum domni HEINRICI imperatoris invictissimi (M.). - Humbertus cancellarius vice archiepiscopi Maguntini et archicancellasii recognovit. - Anno dominice incarnationis millesimo nonagesimo sexto, indictione quarta, HEINRICO anno quadragesimo tertio regnante, imperante vero terciodecimo; Verone feliciter actum est.

D: Tangl, Eppenstein 4, 190 f., Anm. 269, UB. Stmk. 1 nr. 88, MdC Erg.-Heft 1, nr. 501 a (= nr. 3047; unvollst.). D H IV. nr. 451.

Das Original des zuerst 1223 in einem Transsumpt Kaiser FRIEDRICHS II. (RI 5/I nr. 1461) überlieferten Diploms war 1782 noch vorhanden und ging nach Überstellung aus dem Stiftsarchiv St. Lambrecht an die Landes-Regierung in Graz verloren (Wonisch, Urkunden für St. Lambrecht, 262 Anm. 4). Die diplomatische Echheit hat eingehend zuerst Jaksch, St. Lambrecht, 94 f., dargetan. - Zur Zeugenreihe siehe allg. Meyer von Knonau, Heinr. IV. und V. 4, 479 Anm 27. Sie setzt sich hauptsächlich aus dem Gefolge der beiden Herzöge zusammen, wobei jenes des Bayern - etwa die ersten 6 bis 7 Namen umfassend - voransteht. Eine restlose Aufschlüsselung scheitert an Identifizierungsfragen. Die Aussonderung der auf Kärnten zu beziehenden Zeugen haben Pirchegger, Uradel, 47, und Trotter, Ortenburg, unternommen. Im einzelnen:
Rapoto p.c.: Der bayerische Pfalzgraf der bis 1096 die Sache des Kaisers gegen Herzog Welf zu vertreten hatte; + 1099. Vgl. Riezler, Bayern 1/II, 174 und 584, sowie Tyroller, Genealogie, 186 f. nr. 12.
Otto de O.: Zur Andechser Grafenfamilie gehörig, Tradent an Brixen ca. 1084 bis 1090 (Trad Brix. nr. 341; vgl. ebd. Einltg., XXX); Tyroller, a.a.O., 150 nr. 10; identisch mit O. de Daningan: Nr. 68.
Otto de S.: Scheyern; Riezler, a.a.O., 174. Vgl. Nr. 68.
Ernest de C.: Grögling an der Altmühl; vgl. Ernust comes unter den Zeugen von Nr. 68 und Tyroller, a.a.O., 224 nr. 6.
Herrant: Erscheint auch in Nrn. 63 und 71 (dazu Trad. Brixen, Einltg., XXX) sowie Nr. 82 bei eppensteinischen Angelegenheiten.
Conrat de H.: Hofenbdorf, LK. Rottenburg an der Laaber/Ndb. Sein Vater Heinrich anwesend 1093 in Nr. 75 und D H IV: nr. 432. Vgl. Trotter, Moosburg, 177 f.
Heinricus de W.: Mit Otto von Scheyern Zeuge in Trad. Freis. 2 nr. 1660 (1090 bis 1098)
Adelbret F.: = Adalbert von Ortenburg; Gatte der Berta in Nr. 68; auch in Nr. 75 und D H IV. nr. 432 (1093). - Trotter, a.a.O.; Tyroller, a.a.O., 225 nr. 10.
Almerich: Vor 1090 Zeuge in Nr. 63, 1093 in Nr. 75 und D H IV. nr. 432.
Walcdn: Evtl. identisch mit Watlchon de Lungouv in Nr. 82, 1103.
Gerloch: Vgl. Gerhoch der Treuesse in Nr. 82, 1103.
Willehalm: Vgl. Willehalm de  Hunipurch in Nr. 82, 1103.
Loitolt: Der hier dreifach erscheinende Name einmal auch in Nr. 82, 1103.
Den Salman Burkhart hält Dungern, UB. Stmk. Erg.-Heft, 52 nr. 88, gegenüber Jaksch, St. Lambrecht, 95 Anm. 2, für den "istrischen" Markgrafen; dazu unten 117 Anm. 115.
Zur Urkunde insgesamt jener Mezler-Andelberg, St. Lambracht, 536-541, und unten 105, 121-134.
 
 

Nr. 77          1097

Azzo marchio de Langobardia, pater Welfonis ducis de Baiowaria, iam maior centenario ut aiunt, viam universae terrae arripuit, magnamque werram suis filiis de rebus suis dereliquit. Nam Welfo dux omnia patris sui bona, utpote matri suae donata, obtinere voluit; set fratres eius alia matre procreati, noluerunt se penitus exheredari; unde et aditum ei in Longobardiam prohibuerunt, cum iret ad possidendum. [...] Interim dux Welfo Baioriae Longobardiam profectus est ad possidendam hereditatem patris sui Azzonis marchionis, qui nuper defunctus est; set filii eiusdem marchionis de alia coniuge praedicto duci totis viribus restitere. Unde idem dux adiutorium Heinrici ducis Carentani, et fratris eius Aquileiensis patriarchae coactus asciscere, fratres suos hostiliter invasit; sicque hereditatem patris de manibus eorum ex magna parte sibi vendicavit.

D: Bernoldi chron. ad a. 1097, ed. Peertz, 465; MdC 3 nr. 504.

Zu der Erbschafts-Auseinandersetzung siehe Mayer, Alpenländer, 108 f., Meyer von Knonau, Heinr. IV. und V. 5, 10 f., Riezler, Bayern 1/II, 176, und Jaksch, Kärnten 1, 233 f. - Das unvollzogene D H IV. nr. 289 (zu 1077) enthält eine Liste der fraglichen Güter, auf welche HEINRICH IV. den Halbbrüdern Welfs, Hugo und Fulco ihre Ansprüche bestätigt. Als später (1096) HEINRICH IV. dem WELFEN-Herzog freie Hand in dieser Angelegenheit gab, scheint König KONRAD für Hugo und Fulco eingetreten zu sein: 1097 August 20 erteilte er Fulco das Privileg, ut nullum bannum regius exactor a marchione exiget (Urk. Konrads nr. 2, DD H IV. S. 672 f.)
 
 

Nr. 78          1100 ?

Dem Kloster Rosazzo schenkt MC Heinricus de Carinthie [...] III villas Buchniach, Mirsach et Scopp in Carstis.

D: Jaksch, Rosazzo, 238 nr. 8. - R: Reg. Görz 1 nr. 152.

Eintrag in einem Görzer Registerbuch des 14. Jh., angesichts dessen weitgehender chronologischer Unzuverlässigkeit die zur Amtszeit Heinrichs III. von Kärnten jedenfalls passende Datierung des Stückes zweifelhaft ist. - Buchniach: Betanja; Mirsach: Merec; Scopp: Skopo; sämtlich Bezirk Sesena (nördlich Triest); siehe Jaksch, a.a.O., 233. - Vgl. unten 103, 106 Anm. 62, 132.
 
 

Nr. 79          [1100 gegen Jahresende]

permissu Heinrici ducis Carinthia permeata ziehen lombardische Teilnehmer am 1. Kreuzzuge ostwärts.

D: Ekkeh. Uraug. chron. ad a. 1101, ed. Waitz, 220; MdC 3 nr. 509; danach auch Ann. Saxo ad a. 1101, ed. Waitz, 735.

Da die Langobardorum plebes, wie die gleiche Quelle weiter berichtet, in Bulgarien überwinterten, ist ihr Durchzug durch Kärnten doch wohl nicht erst Anfang 1101 erfolgt, wie Jaksch annimmt; Ekkehards Bericht hat vor allem die folgenden Begebenheiten im Auge. - Zur Sache Meyer von Knonau, Heinr. IV. und V. 5, 136.
 
 

Nr. 80          1102

Item Instrumentum qualiter Dux Henricus donavit Ecclesie Aquilegensi Castrum suum situm in Comitatu Istrie, in loco qui dicitur Rivin, anno MCII.

D: Thesaur. eccl. Aquilej. nr. 517.

Die in diesem Archiv-Inventareintrag des 14. Jh. genannte Burg wird mit Rauenstein am Inicto (Istrien) gleichgesetzt; vgl. Trotter, Moosburg, 194 Anm. 140 (zitiert versehentlich nr. 516), und - im Rahmen der Behandlung weiterer privater Schenkungen an Aquileja - Schmidinger, Patriarch, 74. - Siehe unten Nr. 96 und S. 103, 132.
 
 

Nr. 81          1102 Februar 11, Speyer

in conspectu omnium, qui tunc ibi aderant, principum, videlicet Friderici Coloniensis, Brunonis Treverensis archiepiscoporum, Iohannis Spirensis, Emehartdi Wirceburcgensis, Uodonis Hildesheimensis, Heinrici Podalbrunnensis, Burchartdi Monasteriensis, Widelonis Mindensis, Adalberonis Metensis, Burgartdi Traiectensis, Cuononis Strazburcgensis episcoporum, Friderici, Heinrici ducum ceterorumque fidelium nostrorum bestätigt Kaiser HEINRICH IV. die Vogteirechte des Klosters Weißenburg/ Elsaß.

D: D H IV. nr. 473. - R: MdC 3 nr. 512. - Vgl. Meyer von Knonau, Heinr. IV. und V. 5, 151 f. und unten 131 f.
Nr. 82          1103 Januar 7

Herzog Heinrich von Kärnten schenkt der Kirche St. Lambrecht unter Abt Hartmann genannte Güter und Hörige.

Omnibus Christi fidelibus tam presentibus quam futuris innotescat, quod Karinthie dux Henricus pro anime sue remedio et dilecte coniugis sue Liutkarde et pro animabus patris et matris sue Marchwardi et Liutpirge fratrumque suorum et aliorum parentum ac debitorum suorum et omnium fidelium defunctorum ad altare sancti Lamperti in silua ultra aquam Theodosiam ecclesiam sancte Marie in loco Grazluppa dicto sitam exceptis ministerialibus eorumque prediis et beneficiis cum omni iure quod nunc habet et postea habiturus erit, presenti Harthmanno abbati cunctisque successoribus suis cum omni subiectione obediendum, et in eadem ualle Adalbertum cocum, Regilhalmum, Hamidie, Reginhalmum cum eorum beneficiis. si absque liberis socia sibi aoniuge progenitis obierit, potestatiua manu sine omni contradictione tradidit, preterea mercatum Judenpurch cum usu qui muta dicitur, thelono et pretereuntium merce. Eadem traditione ecclesiam Wizanchircha cum omni usu quem nunc habet uel postmodum habebit, et ecclesiam sancti Martini Linthe cum omnibus ad eam pertinentibus, nec e eandem uillam cum piscina, molendinis, piscatoribus pariterque stabularium curtem quam Ozi possidet, excepto Wolftrigilo eiusque beneficio, et uallem Auelnice cum ecclesia ibidem consructa et ministerialibus hac habitantibus Helimperto, Walbronone, Chadalhoho cum filiis suis excepto Egilmundo, cum omni utilitate, siluis, uenationibus, pascius, pratis, cultis locis et incultis, salino et rudere quod ariz dicitur, castoribus et martonibus, ecclesiam sancte Marie in comitatu qui dicitur Moriztal, et stabularium curtem Scaldorf et quicquid in eodem comitatu habuit, exxeptis beneficiis Waldonis et Gundakari, barrochiam sancti Georgii ad Agriach cum usu quem modo tenet postmodumque tenebit, tale predium quale habuit in loco qui vocatur Pibertal, barrochiam scilicet sancti Andree et ecclesiam sancte Margarete cum omnibus pertinentiis suis, exceptis ibi ministerialibus suis eorumque prediis et beneficiis, saltum autem qui vulgo vorst dicitur, cum omni usu quem habet, uenationibus, melle, pellibus martonum et saltuaribus qui uotstere dicuntur, et flumen Cheinach cum omnibus illo pertinentibus, piscationibus, castorum uenationibus, et uillam Sedinge in quo Diethmar habitat, sicut est possessa, et curtem stabulariam  Zederniza cum omni iure ad hanc pertingente et uineas ibidem ex toto, superiores et inferiores. Confirmata est autem hec traditio subscriptorum testimonio testium qui sunt Odalscalci comitis, Willihalm de Huninpurch, Starchant marchio de Sona et frater eius Odalrich, Rotpreht de Dietrichesten, Liutpolt, Guntheri, Gerhoch de Treuesse, Poppo de Sedelsach, Watlchon de Lungouv, Pabo de Suphilik, Liutolt de Suoniperch, Otto de Pustris, Meginhart., Marchuvart, Peringer, Odalrich, Adalpreht, et in audientia aliorum quam plurium clericorum ac laicorum. Scripta est hec notitia anno incarnationis dominice millesimo C. III. indictione X., VII. idus Januarii.

D: Tangl, Eppenstein 4, 192 Anm. 270, UB. Stmk. 1 nr. 95 (aus Kopie; Lesarten des Or. dort im Apparat; vgl. ebd. Erg.-Heft, 52 nr. 95). - R: MdC 3 nr. 517, Reg. Görz 1 nr. 164 (beide nach Kopie).

Zu den Ortsnamen, mit denen mehrere in Nr. 47 genannte identisch sind:
Agriach: Adriach bei Fronleiten; vgl. Nr. 47
Auelnica: Aflenz/Stmk.; vgl. Nr. 47
Cheinach: Fluß und Tal Kainach westlich Graz/Stmk.: Zahn, Ortsnamenbuch, 85
Grazluppa: Graslab bei Neumarkt/Stmk.; vgl. Nr. 47
Judenpurch: Judenburg/Stmk.: Zahn, a.a.O., 284
Lintha: Lind, Dorf westlich Knittelfeld/Stmk.: Zahn, a.a.O., 313
s. Marie i. com. q. d. Moriztal: St. Marein im Mürztal, Dorf nordöstlich Kapfenberg: Zahn, a.a.O., 329.
Pibertal: Pibertal; südlich Andreas und s. Margarete Kirchen dort bei Voitsberg: Zahn a.a.O., 38 bzw. 187
Scaldorf: Schalldorf, Dorf nördlich Bruck an der Mut/Stmk. (unmittelbar benachbart südlich Marein i. M.); Zahn, a.a.O., 417
Sedinge: Dörfer Groß- und Klein-Söding südwestlich Graz/Stmk.: Zahn, a.a.O. 457
Theodosia: Thaja, Bach bei St. Blasen nördlich St. Lambrecht/Stmk.; heute noch Pfarrgrenze zwischen St. Lambrecht und Mariahof; vgl. Tangl, Eppenstein 4, 156, Wohnisch, Graslupptal, 10 und 74, sowie ders., St. Blasen, 280 Anm. 21
Wizanchircha: Weißkirchen bei Judenburg/Stmk.; vgl. Nr. 47
Zedernica: Nach Zahn, a.a.O., 366 = Oternitz (vgl. Nr. 47 und unten 104 Anm. 56.)

Die Schenkungs-Urkunde ist die älteste original erhaltene Kärntner Herzogs-Urkunde. Ihre mehrfache Überlieferung hat Wonisch, Urkunden für St. Lambrecht, geklärt. Es gibt demnach außer dem Original (A 1, mit durchgedrücktem, echten Siegel) eine nur orthographisch abweichende Kopie (A 2, ca. 1150, Siegel gefälscht; D: UB. Stmk. 1 nr. 95) und 2 die Güterliste vermehrende Total-Fälschungen (B, 2. H. 12. Jh.; D: UB. Stmk. 1 nr. 94 b = MdC 3 nr. 516; ferner C, ca. 1207; D: UB. Stmk. 1 nr. 94 a). Das Herzogssiegel von A 1 ist abgebildet bei Siegenfeld, Landeswappen, 245 nr. 1, jenes danach verfertigte von A 2 bei Tangl, Eppenstein 4, Taf.; es zeigt den Herzog mit Lanze und Schild zu Pferde, nach rechts sprengend, in der Umschrift Heinricus dei Gra Dax.

Die Schenkung wurde von Neumann, Juden, 99, versehentlich auf Admont bezogen. - Vgl. sonst Jaksch, Kärnten 2, 265, Mezler-Andelberg, St. Lambrecht, 542 f., Pirchegger, Eigenkirchen, 283, und unten 87, 107 Anm. 66, 133 f.
 
 

Nr. 83          1108 September 29, Preßburg

König HEINRICH V. beurkundet, dass Heynricus de Schuenburch predium quoddam Viehbach dictum quod ipse potestativa donatione Heinrici ducis de Cariuntha coram nobis et principibus in proprium suscepit, samt allem Zubehör precepto nostri et rogatu principum altari s. Petri Babinbergensis ecclesie überträgt und mit seinem Sohn Ulrich von von Bischof Otto zu Prekarie-Recht zurückerhält, wobei besonders erbrechtliche Bestimmungen getroffen werden. Nolumus hic preterire, qua ratione dux Heinricus probaverit se prefatum predium possedisse. Probavit namque dux predictus idoneis testibus coram nobis coram duce Welfone et principibus se legitimo testimonio probasse Ratisbone coram genitore nostro felicis memorie cesare HEINRICO et principibus, quod ipse et frater suus Adilbero Babinbergensis episcopus ab invicem non diviserant et propter hoc ibidem adiudicatum fuisse coram genitore nostro et principibus, quod frater suus episcopus nullam donationem quoquam potuit facere de praefato seu de alio quod habere videbatur, predio. Sic igitur illud predium hereditavit ad predictum ducem Heinricum iure hereditario et nunc quidem, prout firmius potuit, donavit illud in proprium cum omnibus pertinentiis et utilitatibus homini suo Heinrico de Schuenburch zu freiem Eigen. Et donationem illam coram nobis et principibus recognovit [...]. Nomina testium: Fridericus Coloniensis archiepiscopus, Hartwicus eps. Ratisponensis, Oudalricus Patauiensis eps. Heinricus eps. Frisingensis, Eberhardus eps. Eistetensis, Hermannus eps. Augustensis, Purchardus eps. Monasteriensis, dux Uvelfo, dux Fridericus, marchio Leupoldus, marchio Dyepoldus, marchio Engilbertus, comes Wicpertus de Turingia, comes Lodewicus, comes Adelbertus de Bogen, comes Peringer, comes Hermannus de Ratilinberg, comes Ekkebertus de Butine, comes Otto de Hauichsburch, comes Fridericus de Tengelingen, comes Wergunt de Blainn, comes Gebehardus de Beugin, Friderich aduocatus Ratisponensis, Hartwich de Chregelingen, comes Bertolfus de Benhtheim, Uuernher aduocatus Augustensis, Wolfker de Nalunie, Dietrich de Waltindorf, Mazil de Muleheim, Gerloch de Orte, Roperth de Balsenz, Boto de Asparn, Rodolf de Berge, Adilram de Vtindorf, Adilbero de Griezbach, Diepold de Butinberge, Hartwich de Winchelsaze, Pernharth, Adilram et frater eius de Treisim, Ernist et frater eius de Teisim, Hartwich de Treisim, Piligrim de Rauhneh, Otto de Mosin, Volkold de Trigilbach, Reginberht de Haginau, Erchinberht de Mosburch et frater eius Egino, Heinrich de Piburch, Huch de Steine, Heinrich de Sigenburch, Pernhart de ..... dorf.

D: CdHung. 2, 50-54 (nach Kopie), Mayer, Spicilegium, 294 ff., nr. 2 (aus Or.; nicht ganz vollständig), MdC Erg.-Heft 1 nr. 541 a = nr. 3049 (auszugsweise), - R: St. nr. 3032.

Viehbach: Oberviehbach, LK. Dingolfing/Ndb., vgl. Riedler, Oberviehbach. - Das Gut, welches Herzog Heinrich hier seinem Lehensmann überträgt, stammte wohl aus ältestem bayerischen Besitz seiner Vorfahren (vgl. Nrn. 2, 43). Heinrichs Onkel (nicht: Bruder) Adalbero hatte es dann als Bischof von Bamberg (1054-1067; siehe 99 f) seiner Kirche gegeben (Reg. Bambg. 1 nr. 269). Wie aus vorliegendem Bericht hervorgeht, hatte Herzog Heinrich gelegentlich eines Regensburger Hoftages Kaiser HEINRICH IV. diese Schenkung erfolgreich angefochten. Nunmehr scheint Bischof Otto von Bamberg vor HEINRICH V. auf Herausgabe des Gutes geklagt zu haben, welche dann in der Form des im Diplom geschilderten Kompromisses erfolgte. - Der Empfänger nennt sich nach einer von Viehbach nicht weit entfernten Burg nördlich Landshut/Ndb. (vgl. Herzog, Schaumburg); er erscheint etwa zur nämlichen Zeit, wohl mit seinem Bruder, als Zeuge in einer Freisinger Tradition (Heinrich et Odalrich de Soinpurch: Trad. Freis. 2 nr. 1681). Den ihm 1108 zugekommenen Besitz suchte er wie Eigengut zu behandeln, so dass Bamberg zur Zeit König KONRADS III. nochmals um ein Hofgerichtsurteil zu seinen Gunsten nachsuchen mußte: MdC Erg.-Heft 1 nr. 774 a = nr. 3053 (demnächst auch in DD K III. ed. Hausmann = MGH DD 9, und in: Tegernseer Briefsammlung des 12. Jh., ed. Plechl = MGH Epp. sel. 6; Herrn Prof. Dr. H. Plechl, Freiburg i.Br., habe ich für gewährte Möglichkeit der Einsichtnahme in das Manuskript zu danken); dort wird unter anderem berichtet, dass Adelbbero [...] Babenbergensis ecclesie episcopus predictam possessionem [...] fratribus [...] tradidit ac postmodum dux Carinthie H(einricus) impedimentum illis tale fecerit, ut eandem oblationem proprietatis iure sibi vindicasset et eam H(einrico) de Scowenburc in stipendium militie et pretium pugne tradidisset et ille quoquo modo suis eam dimisisset heredibus. - Zu HEINRICHS V. Aufgebot gegen Ungarn allg. Meyer von Knonau, Heinr. IV. und V. 6, 84; die Zeugenliste des vorliegenden Diploms ist eine wesentliche Quelle für die Kenntnis der Teilnehmer. - Klebel, Hohenstaufen, 1146 ff., zieht die Urkunde im Zusammenhang seines Versuches heran, eine agnatische Verwandtschaft der direkten Vorfahren der STAUFER und EPPENSTEINER wahrscheinlich zu machen. - Vgl. unten 75, 97, 105, 134. Die Herren von Schaumburg behandelt jetzt Tyroller, Genealogie, 283-287.
 

Nr. 84          1109 März 25, Rom

Papst Paschalis II. an Abt Jakob von St. Lambrecht: Heinricus siquidem Carinthie dux monasterium a patre suo pie memorie Marchuuardo inchoatum adiuuente domino consummavit in comitatu Friesach iuxta fluuium Theodosiam consummatumque ac rebus suis ditatum beato petro pro sua suorumque salute obtulit. Bestätigt dem Kloster die erhaltenen und künftig rechtens zu erlangenden Güter und nimmt es in seinen Schutz; die Weihereihe sollen dem Salzburger Erzbischof zustehen; befindet er sich nicht im Einvernehmen mit dem Hl. Stuhl, so soll ein beliebiger Bischof mit apostolischer Befugnis dafür gewählt werden; Abtwahl soll frei sein und durch den Konvent erfolgen; Verleihung oder sonstige Veräußerung von Klostergut soll nur consensu meliorum fratrum zulässig sein; Begräbnisrecht wird zugestanden. Zum Zeichen der von der römischen Kurie empfangenen Freiheit soll das Kloster alljährlich einen Byzantiner erlegen.

D: Tangl, Eppenstein 4, 195 f., Anm. 277, UB. Stmk. 1 nr. 97. - R: JL 1 nr. 6230, GP 1, 103 nr. 1, MdC 3 nr. 542.- Vgl. unten 122, 133.
 
 

Nr. 85          1111 Februar 4, Rom

Genannte Vertreter König HEINRICHS V. versichern gegenüber Petrus Leonis, dem Beauftragten Papst Paschalis II., dass der König von seiner Kaiserkrönung an auf jegliche Investitur mit Kirchen verzichten und dem heiligen Petrus die diesem aufgrund früherer Verfügungen zustehenden Güter zurückerstattet werde, ferner, dass nichts geschehen oder geplant sei, um den Papst um Amt, Leben oder Gesundheit zu bringen; pro huius securitatis observatione mediatores dabit rex domno papae principes quos petiit, id est Fridericum filium sororis suae, marchionem Engilbertum, marchionem Thiebaldum, comitem Hermannum, Fridericum palatinum comitem de Saxonia, Beringarium de Bavaria, Godefridum comitem, Fridericum Saxonem, Albertum cancellarium, Cononem fratrem Beringarii, Sigebot de Bavaria, Henricum ducem Carinthie, Bertoldum filium ducis Bertoldi; qui iurabunt domno pape securitatem de Vita, de membris, de papatu, de captione; et si rex hec omnia suprascripta non observaverit, ipsi cum honoribus suis ad domnum papam et ad Romanam ecclesiam se tenebunt; als Geiseln für des Papstes Sicherheit werde der König am 9. Februar Herzog Friedrich von Schwaben (seinen Neffen), Bischof Bruno von Speier, Konrad (den Neffen des Grafen Hermann), dessen Sohn und Heinrich (den Bruder des Grafen Friedrich) überstellen.

D: Const. 1 nr. 83. - R: MdC 3 nr. 544

Zur Sache Hauck, Kirchengeschichte 3, 898 ff., Meyer von Knonau, Heinr. IV. und V. 6, 143 ff., Jaksch, Kärnten 1, 239 f. - Vgl. Nr. 85.
 
 

Nr. 86          1111 Februar 9, Sutri

Die eidliche Zusicherung von Schutz und freiem Geleit durch König HEINRICH V. gegenüber Papst Paschalis II. und seinem Gefolge beschwören: Ego Frethericus dux, ego Ingelbertus marchio, ego comes Herimannus, ego Theobaldus marchio, ego Fredericus palatinus comes de Saxonia, ego Cuono frater Beringarii, ego Sygeboto de Bavaria, ego Heinricus dux de Carinthia, ego Bertoldus filius ducis Bertoldi, ego Albertus cancellorius non ero in facto aut consilio, ut dominus papa Paschalis II. perdat paptum Romanorum vel vitam vel mebra vel capiatur mala captione; et se rex iuramentum hoc et ea, que in carta conventionis scripta sunt, non observaverit, ego cum honore meo ad dominum papam et ad Romanam ecclesiam me tenebo; sic observalo domino papae sine fraude et malo ingenio, si dominus papa sic adinpleverit domino nostro regi proximo die dominico sicut in conventionis carta scriptum est.

D: Const. 1 nrn. 87 f. - R: St. nr. 3047, MdC 3 nr. 545.

Vgl. Nr. 85. - Es kam dann doch zur Festnahme Paschalis II., welcher dem Bruder Herzog Heinrichs von Kärnten, dem Patriarchen Ulrich von Aquileja, zur Beaufsichtigung übergeben wurde: Nec mora (das heißt: 1111 Februar 12) cardinales capiuntur et custodes armati circa papam disponuntur servanes eum ac deinde Udalrico patriarche Aquileiensi custodiendus traditur, was dann dem Gegensatz zwischen Ulrich von Aquileja und Erzbischof Konrad I. neuen Auftrieb gab: Vita Chunradi archiep. c. 9, ed. Wattenbach, 68; MdC 3 nr. 546. - Vgl. unten 134.
 
 

Nr. 87          1111 März 23, Rom

Die Bischöfe von Regensburg, Bamberg, Würzburg und Speyer sowie dux Guelfo, marchio Engelbertus, dux Henrigus bezeugen die Besitzbestätigung König HEINRICHS V. für die Abtei S. Maria di Serena (bei Volterra).

D: St. Acta nr. 95. - R: St. nr. 3053, MdC Erg.-Heft 1 nr. 456 a (! = Nr. 3050).
 
 

Nr. 88          1111 Mai 24, Garda

per interventum nostorum fidelium (des Erzbischofs von Köln und der Bischöfe von Speyer und Trient) nec non et ducis Heinrici nostre marchie nimmt Kaiser HEINRICH V. das Kloster Ss. Nazarius und Celsus vor Verona unter Abt Benedikt in seinen Schutz.

D: Biancolini, Verona 1, 260-269 (zu 1111 Mai 25). - R: St. nr. 3063, MdC 3 nr. 546 a.
 

Nr. 89          [1111/1112]

P(aschalis) episcopus servus servorum Dei äußert sich brieflich gegenüber C(unrado) Salzburgensis episcopo, welchen er tröstet, da er unter gravis passionis angustia durch seine Seelsorgebefohlenen leide; ferner: pro quibusdam ecclesiis a te interdictis nos Hen(ricus) dux Karinthie postulavit, nos autem totum id dispositioni tue committimus; endlich weist er ihn an, de Hugone Brixiensi gemäß den für Wibertiner einschlägigen Bestimmungen zu verfahren.

D: Migne, PL 163, 234 f., nr. 242 (zu 1107), MdC 3 nr. 604 (auszugsweise; zu [1124 Anf. Janaur].  - R: JL nr. 6569 (zu ca. 1117), GP 1, 20 nr. 52 m. Korr. 410 (zu ca. 1112), reg. Sbg. nr. 58 (zu 1123).

Die Datierung des in der Briefsammlung Erzbischof Eberharts von Salzburg (1147-1164) überlieferten Papstschreibens war lange unsicher. Zeillinger, Erzbischof Konrad I., 119-124, hat die älteren Ansichten darüber zusammengestellt und die von Brackmann, GP 1, 410, vertretene Auffassung neuerdings bekräftigt (wobei er diesen irrig die noch GP 1, 20, vorgetragene unterstellt). - Tatsächlich hielt sich Erzbischof Konrad (1106-1147), der Empfänger des Briefes, in den Jahren 1112-1121 fern von Salzburg auf (bis 1115 in Tuszien, dann in Sachsen; Zeillinger, a.a.O., 32 ff.). Vorher hatte er am 1. Italienzug HEINRICHS V. teilgenommen und des letzteren Maßnahmen gegen Papst Paschalis II. (siehe zu Nr. 86) mißbilligt. Dies brachte ihn in offenen Gegensatz nicht nur zum Kaiser, sondern auch zu dessen Parteigängern in Salzburg, wie sich nach Konrads Rückkehr dorthin zeigte (reversus de expeditione multe in episcopatu mala maxime a domesticis pati coepit: Vita Chunradi archirp. c. 10, ed. Wattenbach, 69; auf die dort dann des Näheren behandelten mals dürfte im Papstbrief angespielt sein. - Die gegen den von HEINRICH V. wenig vorher eingesetzten Brixener Bischof (erwähnt zuerst 1111: St. nr. 3067) empfohlenen Maßnahmen sind möglicherweise schon auf die neuen Verfügungen des Laterankonzils von 1112 März zu beziehen (s. Meyer von Knonau, Heinr. IV. und V. 6, 231 f.). - Der Kärntener Herzog hat sich vermutlich 1111, als er Gelegenheit hatte, persönlich mit dem zeitweise völlig dem Kaiser ausgelieferten Papst zusammentreffen, an diesen wegen der interdiszierten Kirchen gewandt. Wann die Interdizierung erfolgt war, wird nicht gesagt, doch war das Verhältnis Herzog Heinrichs zu Erzbischof Konrad bis kurz vor des ersteren Ende [Nr. 93] gespannt, wie auch die Beziehungen zwischen Konrad und Ulrich von Aquileja, des Herzogs Bruder, ungünstig waren; dazu Zeillinger, a.a.O., 40 ff. - Vgl. unten 134 und zum Interdikt Nr. 99.
 
 

Nr. 90          1114 Januar 17, Mainz

iusta peticione Heinrici ducis Karinthie dilectissimi nepotis nostri, rogatu etiam dilectissimorum principum Friderici Coloniensis archiepiscopi, Brunonis Treuerensis archiepiscopi, Burchardi Monasteriensis episcopi, Gebehardi Tridentini episcopi, Erlungi Wirzeburgensis episcopi, Ottonis Babenbergergensis episcopi, Gebehardi Tridentini episcopi, ducum quoque Welfonis de Bauuaria, LIUTHERII ducis de SAXONIA, Friderici ducis de Suueuia, comitum quoque Godefridi palatini comitis, hermanni marchionis, Berengarii comitis, Liupoldi marchionis, Dietwaldi marchionis, in universali curia nostra apud Maguntiam bestätigt Kaiser HEINRICH V. ecclesie sancti Lamberti ab eodem supradicto duce Heinrico et a patre suo Marchuuardo bone meorie in Carinthia constructe, dass nullus dux uel marchio, comes ueluicecomes, uel aliqua persona secularis uel ecclesiastica, magna siue parua eandem ecclesiam aliquo modo deinceps inquietare, molestare uel disuestire audeat, ferner, dass quecumque predia idem dux uel alii fidelis eidem monasterio contulerunt siue in futurum concessione pontificum, liberalitate principum iuste atque canonice conferri contigerit, firma eis eorumque successoribus et illibata permaneant, Aduocatum nullum habeant, nisi ipsum ducem Heinricum uel aliquem eius legitimum filium uel si legitimum filium nullo modo habere poterit, ad peticionem abbatis et frratrum eiusdem ecclesie aduocatus eis detur. Omnia etiam que eis per priuilegium Pascalis Romane sedis pontificis pontificali auctoritate ordinata sunt, inconuulsa conseruentur, episcopo uero uel ipsi abbati nullo modo liceat, cenobii bona in deudum siue beneficium sine consensu meliorum fratrum personis aliquibus dare uel modiis aliis alienare.

D: Tangl, Eppenstein 4, 204 f., Anm. 279, UB. Stmk. 1 nr. 100. - R: St. nr. 3100, MdC 3 nr. 550. - Von Zahn irrig als Fälschung bezeichnet, vgl. aber Jaksch, St. Lambrecht, 98.

Da Herzog Heinrich eine Woche später in der Umgebung des Kaisers bezeugt ist [Nr. 91], ist zu vermuten, dass er an der Hochzeit HEINRICHS V. teilgenommen hat; vgl. Meyer von Knonau, Heinr. IV. und V. 6, 285 ff., Jaksch, Kärnten 1, 243; St. nrn. 3099 und 3100 sind die hpts. Zeugnisse für den Teilnehmerkreis. - Entgegen dem Privileg Paschalis II. aus dem Jahre 1109 [Nr. 84] gelang es also dem Herzog, sich nunmehr vom Kaiser die schon 1096 [Nr. 76] getroffenen Erbvogteibestimmungen bestätigen zu lassen, jedoch dahingehend ergänzt, dass für den Fall von Herzog Heinrichs söhnelosem Tod sich der Kaiser die Bestellung eines Vogtes vorbehielt (vgl. Mezler-Andelberg, St. Lambrecht, 558; ebd. 542 f. auch zur Überlieferungs- und Echtheitsfrage). Ähnliche Fälle aus der Zeit HEINRICHS V. behandelt Hirsch, Klosterimmunität, 53 und 215-220. - Siehe auch 122, 134.
 
 

Nr. 91          1114 Januar 25, Worms

interventu quoque ac peticione fidelis nostri Burcardi Monasteriensis episcopi, Otonis Bavenbergensis episcopi, Heinrici ducis Carincie et Godefridi palatini comitis, Berenharii comitis bestätigt Kaiser HEINRICH V. dem Bistum Treviso unter Bischof Gumbald seine Rechte.

D: St. Acta nr. 473, Bresslau in Neues Archiv d. Ges. f. ält. Dt. Geschichtskunde 3 (1878) 131. - R: St. nr. 3103 a (S. 484), MdC 3 nr. 551.
 
 

Nr. 92          1116 März, Venetien

Herzog Heinrich III. von Kärnten weilt in der Umgebung Kaiser HEINRICHS V.

a)
1116 März, Treviso: Gelegentlich einer von ihm abgehaltenen Gerichtssitzung nimmt Kaiser HEINRICH die Gemeinde     Valdobbiadene (nordwestlich Treviso) in seinen Bann und bestätigt ihre Grenzen; adessentque cum eo [...] Heinricus dux Carintie.

D: CdP 2 nr. 76. - R: St. nr. 3126, MdC Erg.-Heft 1 nr. 554a = nr. 3051, UB. Tirol 1/I nr. 144.

b)
1116 März. Treviso: ob interventum seiner Gattin, mehrerer genannter italienischer Bischöfe, ducum quoque Heinrici ducis de Carinthia, Henrici fratris Welfonis ducis, nec non et comitum Henrici comitis, Alberti comitis de Verona nimmt Kaiser HEINRICH V. die Brüder Ansedisius und Wido, Söhne des Grafen Raimbald von Treviso, wieder in seine Gnade auf und bestätigt ihre Rechte.

D: Muratori, Antiquitates 2, Sp. 39 f. - R: St. nr. 3127, MdC 3 nr. 555, UB. Tirol 1/I nr. 145.

c)
1116 März 11, Venedig: Als Kaiser HEINRICH V. in consilio resideret, adessent [...] Henricus Carentane dux; der Kaiser nimmt das Kloster SS. Georg und Stephan in Venedig in seinen Schutz.

D: Verci, Marca 1, 13, Tangl, Eppenstein 4, 184 f. Anm. 252 (auszugsweise). - R: St. nr. 3131, MdC 3 nr. 557.

d)
1116 März 12, Venedig (zum Ort vgl. oben c und St. nr. 3130): Auf Bitten des Kanzkers Burkhart, Bischof Gebharts von Trient, nec non ducis Henrici bestätigt Kaiser HEINRICH V. dem Marienkloster in Mogliano seine Besitzungen.

D: Verci, Marca 1, 13, Tangl, Eppenstein 4, 184 f. Anm. 252 (auszugsweise). - R: nr. 3131, MdC 3 nr. 557.

e)
1116 März 18, Padua: Als Kaiser HEINRICH V. in iudicio resideret ad iusticias faciendas ac deliberandas, adessent cum  eo [...] Henricus Carentanae tociusque marchiae dux; der Kaiser entscheidet einen Rechtsstrreit zugunsten des Klosters St.   Stephan in Padua unter Äbtissin Iza.

D: Böhmer, Acta 1 nr, CdP 2 nr. 79. - R: St. nr. 3132, MdC 3 nr. 558.

Vgl. allgemein Meyer von Knonau, Heinr. IV. und V. 7, 1 f. - Der Herzog dürfte erst südlich der Alpen - in seinem Amtsbereich als Markgraf von Verona - zu dem von Augsburg her kommenden Kaiser gestoßen sein, jedenfalls ist er in der vorhergehenden Zeit in dessen Umgebung nicht nachzuweisen (vgl. Meyer von Knonau, a.a.O., 358). Jaksch, Kärnten 1, 244, nimmt an, dass er bis nach Inbesitznahme der Mathildischen Güter durch HEINRICH V. - 1116 Mai - bei diesem verblieb. - Die Bezeichnung des Herzogs als tocius marchiae dux in e) ist umstritten. Istrien (so Waitz, Verfassungsgeschichte 7, 74 Anm. 5) ist schon im Hinblick auf die Angaben unten 117 Anm. 115 unwahrscheinlich. Pirchegger, Landesfürst 1, 60 Anm. 15, und 2, 312, faßt den Ausdruck als Inbegriff der noch von Kärnten abhängigen Marken auf - was den Plural erfordern würde - und wendet sich gegen ausschließlichen Bezug auf die Kärntnermark (welche Heinrich wahrscheinlich gar nicht innehatte; vgl. Pirchegger, Herzog Heinrich III.). Dem ist wohl zuzustimmen; Charentanae ist hier eher substantivisch als adjektivisch gemeint, da leichter die (untergeordnete) Bezeichnung marchio als das (umfassendere) Attribut Kärnten bei der Titular des Herzogs vernachlässigt werden konnte. Unter der Mark ist daher - auch im Hinblick auf Ort und Inhalt der Rechtshandlung - mit Hofmeister, Markgrafen, 385 Anm. 3, Verona zu verstehen; vgl. noch Nr. 88.
 
 

Nr. 93          [1121]

(Erzbischof Konrad I. von Salzburg) reversus de Saxonia [...] reconciliato sibi imperatore eumque persequi iam desistente, cum se crederet pacem habiturum, infinitas adversitates patiebatur a duce Karinthiae Heinrico, fratre patriachae Udalrici. Qui cum Salzburgensem ecclesiam variis tribulationibus et pressuris afflixisset, omnia quae in Foro Iulii possidebat diripens et in suos usus transferens, tandem collecto exercitu transire disponit Canalem, totam Karinthiam invadere et suae ditioni subiungare desiderans. Huius tyrannidi episcopus Gurcensis obsistens, potentia quidem et viribus longe impar, sed  animositate et strebuitate, quam in bello plurimum valere compertum est, prestantior, legato in Bawariam directo, ubi tunc archiepiscopus consistebat, hortatur eum, quantacunque posset copia militum coadunata duci occurrere, ne desidia sua et illius pertinacia tota in perpertuum Karinthia ecclesiae periret, ptomttens se quingentos milites in auxilim eius adducere. Cuius exhortatione ille animatus, cum mille militibus Karinthiam ingreditur, et in loco qui Crapvelt appellatur, compositis castris ducis prestolatur adventum. Quo comperto dux, qui totam terram circa Glanekke quasi locustae exercitu suo operauerat, angustiari coepit, quidnam potissimum eligeret, congredi an terga dare. Qui alterum propter excommunicationem metuendum, alterum propter confusionem ignominiosum, utrumque vero propter hostium vicinitatem et audaciam, nec non et dubium  pugnae eventum, periculosum videbat. Ut tamen pacem peteret, elegit. Quam ob rem nuntium dirigit, rogans archiepiscopum ab armis discedere et in gratiam ipsius se postera die venturum, quantinus ab excommunicatione absolveretur. Ilico episcopus, qui ut leo contra ducem fremebat: "Nequaquam", inquit, "inermes, sed in armis milites eum domini mei prestolabuntur, ostendentes se paratos ad pugnam pro honore beati Ruodberti et domini sui". Mittit secundo, ut signum deponeretur. "Nec hoc", inquit episcopus, "fiet, sed potius sub signo erecto humaliabitur ad pedes archiepiscopi". Misit et tertio, rogans ne in eum milites clamorem excitarent. Tunc primum archiepiscopus promisit se clamorem nullum excitaturum. Venit ergo humiliter dux nudis pedibus, laneis inductus, ut absolveretur postulans.

D: Vita Chunradi archiep. c. 15, ed. Wattenbach, 71 f.; MdC 1 nr. 45 u. 3 nr. 563 (je teilw.); Reg. Sbg. nr. 39

Canalem: das Kanaltal; Crapvelt: Krappfeld (Ebene südl. Friesach in Kärnten); Glanekke: Glanegg an der Glan/Kärnten. - Die salzburgischen Güter in Friaul hat Zeillinger, Erzbischof Konrad I., 42 Anm. 2, zusammengestellt. Ihre Okkupation durch Herzog Heinrich erfolgte wohl während der Abwesenheit Konrads, also zwischen 1112 und 1121. Der erwähnte Gurker Bischof ist Hiltibolt, vorher Kaplan Erzbischof Konrads und von diesem an die Stelle des heinricianischen Bischofs Bertolt (vgl. Nr. 73) gesetzt; mit Recht weist Zeillinger, a.a.O. (gegen Jaksch, Kärnten 1, 247), darauf hin, dass offensichtlich Hiltibolt ein Hauptinteresse an der Unterwerfung des Herzogs hatte; vgl. dazu Nr. 73. - Herzog Heinrich hatte außer den hier erwähnten Gütereinziehungen sich auch geweigert, Zehnten an Salzburg zu zahlen; s. Nr. 99.
 
 

Nr. 94

anno 1122 nostri (sc.: Burensis) cenobii venerabilis pater Wolbotto abbas attulit quasdam reliquias, quas sibi dederunt Salburgensis episcopus Conradus et Reginbertus eiusdem loci abbas et Heinricus dux Charinthia et uxor eius Sophia.

D: Tubingius, Ann. coenobil. Burensis, ed. Sattler, 313; die Stelle auch bei Jähnichen, Hohentwiel, 140 Anm. 25. - Eine Neuausgabe wird von G. Brösamle vorbereitet (demnächst als Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, Bd. 3; mit dt. Übersetzung).

Auf die von Christian Tubingius (16. Jh.), dem letzten Abt der Benediktinerabtei Blaubeuren (LK. Ulm/Wttbg), in der Chronik seines Klosters überlieferte Reliquienschenkung haben in neuerer Zeit Jänichen, a.a.O., und Lonhard, Blaubeuren, 8, hingewiesen. Sie ist, wie schon aus den sämtlich auch sonst zeitgenössisch bezeugten Personen hervorgeht, glaubwürdig. Auch der Vorgänger Abt Wolbots in Blaubeuren, Rudiger, hat sich erfolgreich um Reliquien bemüht (aus Rom: Lonhard, a.a.O.). Die Schenkung an Wolbot lag kaum längere Zeit von der von Tubingius berichteten Übertragung der Reliquien in das Kloster. Im Zusammenwirken des Herzogs mit dem Erzbischof ist daher wohl eine Auswirkung des Friedensschlusses zwischen beiden (1121; Nr. 93) zu erblicken.
 
 

Nr. 95          [Vor 1122 Dezember 4]

Herzog Heinrich von Kärnten gibt seiner dritten Gattin Sophie ein noch unerschlossenes Gelände am Wald zu Meryna:
Sirus qui et Sigehardus comes de Scala et eius consors glorie Sophia unacum filio suo Heinrico geben an Kloster Vornbach/Ndb. inculti ruris et nemoris in loco, qui Meryna uocarur, quinquangita mansus pro remedio tam sue anime quam etiam prioris mariti sui Karinthiorum quondam ducis Heinrici, qui hoc ei proprietatis iure dedit.

D: MB 4, 56 nr. 74, UB. OÖ. 1, 657 f. nr. 107.

Meryna: Mehring, welches? M., Gde. Linden, LK. Eggenfelden/Ndb., und M., LK. Altötting/Obb., liegen am nächsten und dort konnte Herzog Heinrich wohl über ererbten Besitz verfügen. - Die Datierung der Traditionsnotiz ergibt sich aus dem Todesjahr Graf Sigharts (+ 1142; Tyroller, Genealogie, 97 nr. 33) und der Tatsache, dass sein und der 1122 zuerst verwitweten Sophia Sohn bereits als Mitschenker erscheint, zu ca. 1140. - Der Zeitpunkt der Übereignung des Gutes an Sophia ist davon unabhängig, jedoch nach rückwärts nicht näher einzugrenzen (s. Nr. 67 c); möglicherweise handelt es sich um eine testamentarische Verfügung Herzog Heinrichs.

Nr. 96          [vor 1122 Dezember 4]

Herzog Heinrich von Kärnten verfügt letztwillig über seinen Amts- und Allodialbesitz.

Der Herzoge Heinrich mit dem graenn dinget dem marchgraven Otaker von Steyr sin aeigen, swaz des was von Logowe mit fliezzunden wazzern unt mit regenwazzern ze beden siten untz in die Mur unt fur sich untz hintz Sanct Stephandes prukke; von dann bi der Murzze her abe, ouch als di rinnunde wazzer unt di vliezzende wazzer vliezzent; da nach von dem Semernicke untz in die Murtz unt bi der Murtz nider untz in die Mur; von dann untz da diu Mur unt diu Murtz zesamen rinnent; von dann ze tak hintz Gestenike - swaz des ist um Gestenicke daz ist allez des selben aeigens, beidiu mit den burgen unt mit den dienstmann unt mit den liuten die dar zu gehorent -; danach von Aentrichstanne, daz gegen Frisache leit, her nieder untz in die Mur, daz ist allez des elben aeigens. - Daruber dinget er im ienshalbes Chanoles: Portenowe unt Nawen unt Ruwin unt Spengenberch unt ander aeigen daz darzu gehort. dar zu dinget erm die vogetaey ze Sanct Lampreht ze dem chloster da sin bruder lit unt ouch er selbe lit unt gestiftet hat; daz chloster dinget er im also daz des niemen vogt waer, niwan der aein der herre ze Steyr waer.

D: Landbuch von Österr. und Ster c. 1, ed. Lampel, 706 f.; MdC 3 nr. 571

Zur Quelle und ihrer komplizierten Überlieferung kurz Lhotsky, Quellenkunde, 272 f.; der Text ist aufgrund verschiedener Vorlagen im 13. Jh. entstanden. - Eine ausführliche Untersuchung topographischer Art gibt Pirchegger, Landesfürst 1, 9 f.: im einzelen:
Aentrichestanne: Belege zusammengestellt bei Zahn, Ortsnamenbuch, 168; nach der überzeugenden Darlegung von Pirchegger, a.a.O.. 11 f., indes auf den Berg Eibel (Höhe 1497, ca. 6 km nnö Friesach/Kärnten) - nicht die Grebenen, Höhe 1870, ca. 5 km ssö St. Lambbrecht/Stmk. - zu beziehen.
Chanoles: Das Kanaltal (Fellatal/Galitztal; bis gegen Arnoldstein/ Kärnten); vgl. Nr. 93. Es handelt sich also um eppensteinische Besitzuungen in Friaul.
Frisache: Friesach/Kärnten; vgl. Nr. 73.
Gestenicke: Gösting an der Mur (bei Graz). Zur Besitz-Geschichte Pirchegger, a.a.O. 1, 11; seiner Annahme dortigen Eppensteiner-Besitzes unerklärter Herkunft gibt der Text keinen zwingenden Anhalt, da es sich um die reine Bezeichnung eines Grenzpunktes handeln kann.
Longowe: Der Lungau, Grenzgebiet zwischen Salzburg und Steiermark am Oberlauf der Mur; vgl. Klebel; Lungau, und dagegen Pirchegger, Steirisch-Lungau.
Mur: Die Mur, Fluß in der Stmk.
Murzze: Die Mürz, linker Nebenfluß der Mur.
Nawen: Cordenone/Friaul.
Portenowe: Porenone zwischen der Meduna und der Livenza (nicht an letzeterer, wie Lampel, a.a.O., 707 Anm. 8, angibt) in Friaul.
Ruwin: Nicht sicher gedeutet. Lampel, a.a.O., 707 Anm. 10, erwägt Rovigno und Ragogna, Pirchegger, Landesfürst 1, 15 dagegen Reana nördlich Udine. Möglicherweise ist jedoch Rauenstein (Petrapelona)am oberen Inicto (Istrien) gemeint, für welches unter dem Namen Rivin zu 1102 Besitz Herzog Heinrichs bezeugt ist: Nr. 80
Semernicke: Paß Semmering; Zahn, Ortsnamenbuch, 461.
Sanct Stephandes prukke: St. Stephan i. Lobming an der Mur/Stmk.
Spengenberch: Spilimbergo a. Tagliamento/Friaul; Zahn, a.a.O., 309 Anm. 3.

Eine knappe Parallele zu vorliegendem Text bietet ein auch MdC 3 nr. 571 angeführter Satz aus der Genealogie marchionum de Stire, ed. Waitz, 72 (dazu Lhotsky, a.a.O., 236): Et factus est heres Liupoldus marchio ex testamento possessionum et ministerialium Heinrici ducis de Eppenstein. Die Allodioal-Erbschaft war vermutlich noch Leopolds Vater Ottokar zugedacht - so jedenfalls der Wortlaurt im Landbuch -, doch starb dieser kurz vor dem Erblasser selbst (1122 Nov. 28; vgl. Pirchegger, Otakare, 64 nr. 16). - Lampel, a.a.O., 707 Anm. 13, bezieht nach Aussage der Quelle im St. Lambrecht bestatteten Bruder Herzog Heinrichs III. von Kärnten auf einen Hartmann. Dem kann Verwechslung des ersten Abtes von St. Lambrecht, Hartmann [Nr. 40 e, 5], zugrunde liegen; schon Weixler, Chronik St. Lambrecht, ed. Zahn, 5 (17. Jh.), hat die Namen verwechselt. Dass die Nachfolge im Herzogtum, Heinrich, der jüngste der spanheimischen Brüder, antrat, ist sicher auf die Einflußnahme seines Taufpaten, des letzten Eppensteiners, zurückzuführen; vgl. dazu Jaksch, Kärnten 1, 248 f., Pirchegger, Steiermark 1, 156 ff., und unten 134 f. Freilich dürfen dabei Worte wie heredem in ducatu reliquit [Nr. 69 b] - aus späterer Sicht geschrieben - nicht zu wörtlich genommen werden.
 
 

Nr. 97          1122 Dezember 4

Herzog Heinrich von Kärnten stirbt. - Quellenübersicht: MdC 3 nr. 571.

a)
Obiit Heinricus dux Carinthiae, fundator huius monasterii. Anno domini 1122.

D: Necr. s. Lamb. B. zu II. non. Dec., ed. Pangerl, 218, ed. Herzberg-Fränkel, 340. - Necr. s. Lamdb. A fehlt für die letzten Kalendermonate.

b)
II. non Decemb. Heinricus dux et advocatus obiit qui placitum advocatie f(ratribus) d(dedit). (Folgt Text von Nr. 74 b).

D: MeA Sp. 556 (aus Kapitelnecr. Aquilej., 14. Jh.)

Herzog Heinrich wurde im Kloster St. Lambrecht bestattet; vgl. Nr. 96.
 
 

Nr. 98          [1123]

pro meorum redemptione peccaminum dein pro remedio dilecte coniugis mee Gerdrudis genitorumque nostrorum nec non Heinrici quondam ducis et omnium parentum debitorumque meorum schenkt Herzog Heinrich IV. von Kärnten dem Kloster im Lavanttal genannte Güter.

D: MdC 3 nr. 574 (zu 1123). - R: UB. Stmk. 1 nr. 227 (zu ca 1145).

Datierung: Herzog Heinrichs IV. Vorgänger starb 1122 Dez. 4 [Nr. 97], er selbst bereits 1123 (Dez. 13? - MdC 3 nr. 581). - Die vorläufige Schenkung, welche der Herzog unter anderem zugunsten des Seelenheils seines Vorgängers und Taufpaten [Nr. 69] tätigt, ist die einzige von ihm original erhaltene Urkunde, zugleich die einzige von ihm bekannte überhaupt; vgl. Pagitz, urkundenschreiber, 80.
 
 

Nr. 99          [ca 1130]

Dux Karinthie Heinricus de Eppenstein decimas de prediis suis Chunrado archiepiscopo soluere nolens, vix tandem per divinorum subtractionem coactus soluere cepit. Quas statim ipse archiepiscopus Admuntensi cenobio tradidit, ne secularibus illas in beneficium cedere cogeretur. In silva igitur ubi nunc monasterium est sancti Lamberti, de Lesach quincquid tunc novalium a temporibus Gebehardi archiepiscopi runcatum ibi fuit et usque in finem fieri potuerit, ipse Conradus archiepiscopus monasterio nostro contradidit. Facto autem ibi monasterio sancti Lambertii, decima que ad coquinam veniebat fratrum, commutata est siue cambiata  a fratribus ipsius loci cum nostris pro salina solvente per salina solvente per singulas hebdomatas modium salis et dimidium et pro predio parvo quod iacet sub monte Lichenperch.

D: UK. Stmk. 1 nr. 123 b, MdC 3 zu nr. 563 (auszugsw.).

Die Zehntverweigerung des Herzogs scheint vor die Sedenzzeit Erzbischof Konrads I. zurückzureichen; zur Leisung der Zehnten dürfte er sich dann bei seiner Unterwerfung unter Konrad (1121; Nr. 93) verstanden haben. Zum divinorum subtractio vgl. Nr. 89. - Die Notiz bildet den ältesten Beleg für den Namen der Burg, welcher seither für die gesame Familie des Herzogs und für seine Vorfahren gebraucht wird. Ihre handschriftliche Vorlage, die Kopie eines Admonter Traditions-Kodex, ist im 19. Jh. durch Brand zugrunde gegangen.
 
 

Nr. 100         1149 Mai 21, Salzburg

König KONRAD III. tut urkundlich kund, qualiter Wolframus monasterii sancti Lambertii abbas [...] altitudinem nostram adiit, rogans ac supplicans quantinus locum supradictum sancti Lamberti a comite Marcwardo initiatum et a filio eius duce Heinrico Karinthie feliciterconsummatum cum omnibus que uterque fundator pro remedio anime sue illi loco contulit, sub regie maiestatis nostre tuicionem ac tutelem susciperemus, was der König unter namentlicher Aufführung der  in Nr. 83 genannten Güter tut; weierhin illas uero possessiones quas domina Sophia uidua predicti ducis Heinrici que post hanc iustam ac legitimam traditionem uxor ei tercia exstitit, ab ecclesia illa iniuste ac uiolenter sibi usurpare presumit, iusto iudicio curie nostre ei resignamus et reddimus, sub obtentu gratie nostre precipientes, ne quis eandem ecclesiam temere perturbare uel bona eius auferre audeat uel presumat.

D: UB. Stmk. 1 nr. 281, demnächst auch in DD K III., ed. Hausmann = MGH DD 9 nr. 201. - R: St. nr. 3558, MdC 1 nr. 167, MdC 3 nr. 879.

Zu Sophia, der Witwe Herzog Heinrichs,  vgl. Nr. 67 c. Sie hat auch nach der Ablehnung ihrer Ansprüche gegenüber St. Lambrecht versucht, Rechte gletend zu machen. Es kam 1152 zu einem Vergleich, den Erzbischof Eberhart von Salzburg vermittelte: UB. Sbg. 2 nr. 283 = UB. Stmk. 1 nr. 340; vgl. den diesbezüglichen Auftrag Papst Eugens III.: GP 1, 104 nr. 4. Auch in der Bestätigung Kaiser FRIEDRICHS I. ddo. 1170 März 3, Friesach (St. nr. 4110; UB. Stmk. 1 nr 513), welche direkt auf Nr. 82, nicht auf Nr. 100 Bezug nimmt, wird die Erbschaftsauseinandersetung behandelt; vgl. dazu Appelt, Diplom für St. Lambrecht.