Hans Constantin Faußner

"Kuno von Öhningen und seine Sippe in ottonisch-salischer Zeit"

10. Ita de Saxonia et de Birctorf

Hermann Jakobs Resümee zum Forschungsstand: "Wer die Frage nach Itas Herkunft anpackt, greift gleichsam in ein Wespennest der Forschung, das zwar erst vor kurzem von H. Dobbertin zur Ruhe gebracht worden ist, in dem es immer noch unruhig summt": Letzteres sicherlich zu Recht.
Der Propst Albert von Stade, der im 13. Jahrhundert seine Annales Stadenses schrieb, berichtet zu 1112 über einen großen Erbstreit und in diesem Zusammenhang von einer Dame Ida von Elsdorf, an deren Identität mit Ita de Saxonia et de Birctorf, der Schluchseemiteignerin, kein ernsthafter Zweifel besteht: Ista namque Ida, nobilis femina de Suevia nata, in villa Elsthorpe manens, hereditaem habuit, que adhuc hereditas Ide dicitur. Hec fuit filis fratris imperatoris HEINRICI III., filia quoque sororis Leonis pape, qui et Bruno. Bald darauf kommt er wieder auf Ita zu sprechen: Habuit etiam Ida filium Ecbertum comitem, quem primus Udo marchio Wistede prope Elsthorpe occidit, cum tamen esset cognatus suus. Ida vero orbata heredibus, Romamprofecta est ad advunculum suum papam Leonem... rediit Elsthorpe... ipsum Udonem suum fecit heredem, adoptansu eum in filium.
Die Forschung stimmt auch soweit überein, dass es sich bei dem frater imperatoris HEINRICI um dessen Halbbruder Liudolf aus der Ehe Giselas mit Brun von Braunschweig handelt. Dass aber Ita keine leibliche Tochter Liudolfs war, ergibt sich aus dem ausdrücklichen Hinweis auf ihre Herkunft: nobile femina de Suevia nata. Der Sachse Liudolf war ihr Stiefvater. Ihre Mutter wird als eine Schwester Papst Leos IX. (1049-1054), des früheren Bischofs Bruno von Toul, bezeichnet, war also eine EGISHEIMERIN. Sie hieß Gertrud und war in 1. Ehe - wie sich aus dem Gesamtzusammenhang ergibt - mit einem Sohn Ezzos und Richenzas verheiratet. Aus dieser Ehe ging Ita hervor. Nach dem frühen Tod ihres Vaters vermählte sich ihre Mutter mit Liudolf von Braunschweig, dessen Mutter Gisela, die spätere Kaiserin, eine Cousine des Verstorbenen war. Aus dieser Ehe gingen der spätere Markgraf Ekbert I. von Meißen und sein Bruder Brun hervor. Aus der Tatsache, dass sowohl Ita wie ihre Mutter in ihrer Zweitehe einen Sohn Ekbert nannten, könnte geschlossen werden, dass Itas Vater ebenso hieß, genannt nach dem Halbbruder seiner Mutter.
Gertrud war es, die drei schwäbische Heiligenkulte nach Braunschweig brachte, den der Heiligen Magnus, Ulrich und Blasius. Letzterer war ein Egisheimer Hausheiliger. Gertruds Bruder, Papst Leo IX., war ein besonderer Förderer der Blasiusverehrung und gab ihr vom Elsaß aus Auftrieb. Im übrigen weist auch Gertruds Name auf ihre Abkunft hin, denn jede Generation der EGISHEIMER hat neben Hugo auch einen Gerhard. Erich Brandenburgs Zweifel an den Ausführungen Alberts von Stade über Ita, "diese rätselhafte Persönlichkeit", bestanden jedenfalls zu Recht, als er vor der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig 1928 es für völlig vergebliche Mühe (hielt), aufgrund seiner Angaben die Abkunft von Ida bestimmen zu wollen. Mit Itas Herkunft hatte das Erbe, um das 1112 der Streit ging, nichts zu tun. Eodem tempore Eilmarus iunior, comes de Aledenburg, filius Eilmari et Rikencen, filie Ide de Elsthorpe, movit questionem de hereditate eiusdem Ide contra principes Stadenses, Udonem marchionem et filium eius Heinricum, qui eandem hereditatem, quod vixerunt, quiete posserunt ... Ista ... adhuc hereditas Ide dicitur... (ida) nupsit Lippoldo, filio domine Glismodis, et peprit Odam sanctimonialem de Rinthelen ... Habuit etiam Ida filium Ecbertum comitem. Albert berichtet sodann, wie bereits zitiert, dass Ekbert von seinem cognatus Udo, dem späteren Markgrafen, erschlagen wurde und Ita diesen nach Aussprache mit ihrem Onkel, Papst Leo, in Rom adoptierte.
Bei der hereditas Idae handelte es sich demnach um das Erbe des ersten Gemahls Itas, Lippolds, des Sohnes der Domina Glismod. Diese war eine Tochter des Grafen Immed aus der Provinz Utrecht und der Sächsin Adela und eine Schwester des Bischofs Meinwerk II. von Paderborn (1009-1036), selbst cuiusdam nobilis principis in Baioaria matrimonio copulatur. Wie schon Karl Lechner mit Recht vermutete, war dieser nobilis princeps ein BABENBERGER, Markgraf Adalbert, ein Sohn des Markgrafen Liutpold. Und somit war Idas erster Gemahl dessen Sohn Liutpold, Alberts von Stade Lippoldus. Dieser starb bereits in jungen Jahren am 9. Dezember 1043, nur wenige Tage nachdem er in Ingelheim von HEINRICH III. zum Markgrafen ernannt worden war.
An Liutpolds Erbbesitz von Mutterseite hatte Ita zu dessen Lebzeiten die Mitgewere der Ehefrau. Nach seinem Tode verblieb ihr die Gewere, der Besitz war jedoch dem Sohn Ekbert verfangen. Tochter Oda war als sanctimonialis ausgesteuert. Als Ekbert wegen dieses Erbes, an dem Udo von Stade Rechte geltend machte, von diesem erschlagen wurde, wurde Ida befreite Alleineignerin der hereditas. Mit der ihr angeratenen Adoption Udos wurde der Besitz diesem verfangen und ging mit dem Tode Itas auf ihn über, soweit sie Teile des Besitzes ihm nicht bereits zu ihren Lebzeiten übergeben hatte. Die Kinder aus der Zweit- und Drittehe Itas hatten an der hereditas Idae keinen Anteil, da die Adoption vor der Zweitehe erfolgte und rechtlich somit eine beerbte Erstehe gegeben war. 1112, nach über einem halben Jahrhundert, kam es zum Rechtsstreit, da Itas Enkel aus späterer Ehe die Adoption Udos und damit dessen und seiner Nachkommen Erbrecht auf die hereditas Idae anfocht.
Während Itas Tochter Richenza mit Graf Eilmar von Oldenburg verheiratet, die Stammutter dieses Hauses wurde, wurde Tochter Oda aus dem Kloster wieder freigekauft und einem regi Ruzie, dem Großfürsten Svjatoslav II. von Kiew, angetraut. Als es hier wieder einmal zu einer der üblichen Thronwirren gekommen war, entsandte Kaiser HEINRICH IV., um seine Intervention angegangen, 1075 den Trierer Electus und Dompropst Burchard zur Vermittlung nach Rußland. Dieser schien hierzu besonders geeignet, da er ein Bruder Königin Odas war.
Bei diesen Verbindungen von Nachkommen Richenzas nach Polen und Rußland wird es verständlich, warum der WELFEN-Genealoge Kunos dritte Tochter einem regi Rugorum antraute. Dazu kam, dass es über Richenza selbst keine Überlieferung gab, da diese sich bei Ezzo auf seine zweite Gemahlin, die Kaiserschwester, konzentrierte und dieser selbst Kinder Richenzas zurechnet. Vielleicht trug aber auch noch eine gewisse Verwechslung mit ihrer gleichnamigen Tochter, der Polen-Königin, bei. So kann man mit Karl Schmid annehmen, "hinter dem 'König der Rugier' (rex Rugiorum) verberge sich ein 'König der Russen' (rex Ruzorum), wurden doch in damaliger Zeit die russischen Fürsten so bezeichnet.
In der Schluchseeeignergenmeinschaft vertrat Ita von Elsdorf den von ihrer Großmutter Richenza, der Mutter ihres Vaters, überkommenen Erbteil.