Liudolfs Sohn war wiederum ein Graf
Bruno. Das ergibt sich an Hand von Amtsgebiet und Namen, der
sich in typischer Folge jeweils vom Großvater auf den Enkel vererbte.
Thietmar überlieferte, dass Brun
990 an der Heerfahrt zur Unterstützung Herzogs
Miseco gegen Herzog Boleslav von Böhmen teilnahm. Der alte
Machtanspruch seiner Familie trat gerade bei ihm deutlich zutage. Er versuchte
1002 nach dem Tode des letzten OTTONEN,
die deutsche Königskrone zu erlangen. Diesen Vorgang bezeugten zwei
Quellen: die Vita Meinwerci und die Vita Bernwardi. Thietmar von Merseburg
überging ihn, obwohl er ausführlich die Bemühungen Ekkehards
von Meißen schilderte. Die Vita Meinwerci schrieb quidam etiam
princeps
Brun nomine regni fastigium optinere voluit, sed effectu carens,
multis votis eius non faventibus... Eine analoge Stelle brachte die
Vita Bernwardi. Beide betiteln ihn princeps, nicht etwa comes. Das
erklärt sich primär nicht durch seine Stellung zum Königshaus,
sondern durch sein Recht, an der Wahl teilzunehmen.
Brunos Anspruch
war durchaus begründet. Durch den Tod eines seiner Vorfahren fiel
das Herzogtum Sachsen Otto
dem Erlauchten zu. Während Ottos Nachkommen zum Königtum
und Kaisertum aufstiegen, wurden die
BRUNONEN immer mehr von ihnen
in den Hintergrund gespielt. Selbst das Herzogtum Sachsen blieb ihnen vorenthalten.
OTTO
DER GROSSE übertrug es in bewußter Ausschaltung
der eigenen Familie Hermann
Billung. Die Chronica ducum de Brunswick hob ausdrücklich
hervor:
quia ducatus, quem predecessores sui tenuerant, viris difficientibus,
ab
OTTONE primo Hermanno...
est donatus. Genau so äußerte sich die Braunschweigische
Reimchronik: wante wir habens gelesen/daz dher erste
Keyser
OTTO
gaph/daz Herzochtoum undh herscaph/Hermanne.../daz
Brunes
vorvaren helten scone/.
Vielleicht reiht sich in diesen Zusammenhang doch jener
Eccardus, filius Liudolfi ein, dessen Feindschaft
gegen Hermann Billung sich aus persönlicher Zurücksetzung
erklären würde. Auch 1002 erreichten die BRUNONEN nicht
ihr Ziel. Die Krone fiel
Herzog
Heinrich von Bayern als dem nächsten Agnaten zu. Da
besonders Bernward von Hildesheim für seine Wahl eintrat, zog er den
Haß des BRUNONEN auf sich, der ihn in der Folgezeit schädigte,
wo immer er konnte.
Bruno, den der
sächsische Annalist (a. 1026) comes de Brunswic
nannte, war mit Gisla
vermählt. Der Annalist berichtete, dass sie aus dem Werlaer Grafenhaus
stammte. Er gab ihr Rudolf, Bernhard und Mathilde zu
Geschwistern. Auch der Braunschweiger Reimchronik nannte sie: eyn vrowe
Gisle was se ghenant von Werle. Diesen
in späteren Zeiten komplizierten Quellen von zweifelhafter Zuverlässigkeit
steht das zeitgenössische Urteil Wipos gegenüber, der als ihre
Eltern Herzog
Hermann von Schwaben und Gerberga,
die Tochter König Konrads von Burgund,
bezeugte. Seiner Aussage gebührt der Vorzug. Er war nämlich Kaplan
KONRADS
II., der selber Gislas
dritter Gatte wurde. Nach dem sächsischen Annalisten (a. 1026) war
Gisla dreimal verheiratet: ihr erster
Gatte war Ernst,
der Sohn des BABENBERGERS Liutpold, der Markgraf der Ostmark (Österreich)
war. Die Chronica ducum de Brunswick und die Braunschweiger Reimchronik
verwechselten Vater und Sohn. Wahrscheinlich kamen die BABENBERGER erst
durch diese Heirat in den Besitz des Herzogtums Schwaben. Bollnow machte
wahrscheinlich, dass
Gisla
die älteste
Tochter des Schwaben-Herzogs war. Herzog Ernst starb am 31. März 1015.
Als Gislas zweiten
Gatten erwähnte der sächsische Annalist Graf
Bruno von Braunschweig. Sein Todesjahr ist nicht genau überliefert.
Schon um 1017 ging Gisla ihre dritte
Ehe mit KONRAD, dem späteren König,
ein. Sowohl Thietmar als auch der sächsische Annalist hielten diese
Ehe für unerlaubt, weil Gisla KONRADS
Nichte war.
Es ist auffällig, dass Thietmar wohl ihre Ehen mit
Herzog Ernst und KONRAD erwähnte,
ihre Verbindung mit Bruno von Braunschweig
jedoch völlig überging. Thietmar bezeichnete Gisla,
als sie ihre Ehe mit KONRAD schloß,
als vidua Ernesti ducis. Das ist nach den Ausführungen des
Annalisten nur bedingt richtig, da die Ehe mit Bruno
dazwischen
lag, die frühestens 1016 zustande gekommen sein kann. Holtzmann hielt
in seiner Thietmar-Ausgabe an der Reihenfolge fest. Er datierte den Tod
Brunos
von Braunschweig, der von einem persönlichen Feind Milo
in seinem eigenen Wohnsitz erschlagen wurde, in das Jahr 1016,
so dass für diese Ehe praktisch nur ein Jahr übrigbleibt, in
das auch die Geburt ihres Sohnes Liudolf
fallen muß. Unabhängig
von der erwähnten Thietmar-Stelle erbrachte Bollnow auf Grund chronologischer
Überlegungen den Beweis, dass Gislas
Ehe mit Bruno von Braunschweig ihre
erste war. Wenn man seine Beweisführung, die viel Wahrscheinlichkeit
für sich hat, aufrechterhalten will, so ergibt sich damit zwangsläufig,
dass Brunos Todesdatum um einige Jahre,
wahrscheinlich auf 1012, vordatiert werden muß, als ihr zweiter
Gatte Ernst die Nachfolge im Herzogtum antrat. Das bedeutet nämlich,
dass sie zu dieser Zeit schon mit ihm verheiratet war. Herzog Ernst starb
- wie schon erwähnt - 1015. Da aus dieser Ehe zwei Kinder hervorgingen:
Ernst
II. und Hermann,
wird man wohl ungefähr auf dieses Datum kommen. Bollnow setzte Gislas
Geburtsjahr auf Grund genealogischer Erwägungen um das Jahr 985. Zu
einem etwas späteren Zeitpunkt gelangte Rieckenberg. Er ging von der
Aufschrift ihrer Grabplatte im Speyrer Dom aus, die das Jahr DCCCCXCVIII
trägt. Da die Eingravierung nur sehr flüchtig ausgeführt
sei, schlug er vor, die letzten Zahlenzeichen (VIIII) als Abkürzung
für die Indikation aufzufassen und kam auf diese Weise zu dem Ergebnis,
dass Gisla
am 13. November 990 geboren
wurde. Trotzdem wird man ihre Heirat mit Bruno
von Braunschweig und die Geburt ihres ersten Sohnes Liudolf
in die ersten Jahre des neuen Jahrtausends ansetzen dürfen. Ehen pflegten
im 10. Jahrhundert ohne Berücksichtigung des jugendlichen Alters der
Frauen geschlossen zu werden.