Leowigild                                       König der Westgoten (568-586)
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   13.4./21.5.586
     Toledo
 

Sohn des N.N.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1903
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Leovigild, westgotischer König 568-586
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  oo Gosvintha, Witwe König Athanagilds
           

Bruder des 567 in Narbonne zum König erhobenen, 572 gestorbenen Liuva I., der sich auf Septimanien beschränkte und die Iberische Halbinsel, den er zum Mitregenten einsetzte, überließ. Leovigilds Regierung war von bedeutenden Erfolgen geprägt: Zurückdrängung der Ost-Römer 570-571, Einnahme Córdobas 572, Beseitigung regionaler Selbständigkeit von Stämmen und Vornehmen (unter anderem Unterwerfung Kantabriens 574, Eroberung baskischer Gebiets 581, Vernichtung des Sueben-Reichs 585). Leovigild besiegte seinen aufständischen Sohn Hermenegild und vermochte den Adel niederzuhalten. Bei der Erneuerung der monarchischen Gewalt war ihm das Kaisertum Vorbild. Das westgotische Recht ließ er neu kodifizieren. Die flexible Kirchenpolitik des arianischen Königs bewog viele Katholiken, zum Arianismus überzutreten.

J. Prelog



Thiele, Andreas: Tafel 218
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

LEOWIGILD
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    586

Leowigild war ab 569 Mitregent seines Bruders Leowa und residierte zu Toledo, wohin er als König endgültig die Residenz verlegte. Er hob das Eheverbot zwischen Goten und Römern auf, ein erster wichtiger Schritt zur Angleichung von Arianern und Christen. Er vervollkommnete die Gesetzgebung König Eurichs und eroberte das Sueben-Reich (Nordwest-Spanien) und auch auch Aragon/Kantabrien. Er bekriegte Byzanz und eroberte Teile Andalusiens mit Cordoba zurück. Leowigild verfolgte die Christen, beeinflußt von seiner zweiten Frau, mit großer Härte und Bürgerkriege gegen seinen Sohn Hermengild bestimmten seine letzten Jahre.

  1. oo THEODOSIA
                 +

  2. oo GUNSWINTHE
                  +
Witwe des Königs Athanagild



Leowigild wurde 568 von seinem Bruder Liuwa I. zum Mitregenten ernannt. Er eroberte in drei Feldzügen das Sueben-Reich in West-Spanien und drängte die Byzantiner zurück. Er bemühte sich um eine Festigung der inneren Einheit des Westgoten-Reiches durch eine gewaltsame Durchsetzung des arianischen Glaubens gegenüber der katholischen romanischen Bevölkerung. Er führte Thron, Diadem und Purpurmantel ein und schuf Toledo als feste Residenz. Der König füllte jetzt planmäßig den leeren Königsschatz nicht nur aus der Beute, sondern durch Erhöhung der Steuern und Einziehung der Güter des aufrührerischen Adels. Er schränkte die Macht des Adels ein und wollte das Wahlrecht durch eine Erbmonarchie ersetzen. 571 ernannte er seine Söhne aus erster Ehe Hermenegild und Rekkared zu Mitregenten. Leowigild war der letzte arianische König der Westgoten. Durch dynastische Verbindungen wollte er die Beziehungen zum Franken-Reich verbessern, erreichte aber das volle Gegenteil, denn es kam durch die Empörung seines Sohnes Hermenegild zur schlimmsten Spaltung im Reich.

Claude, Dietrich: Seite 55,59-62,70,73
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"Adel, Kirche und Königtum im Westgotenreich. Vorträge und Forschungen Sonderband 8"

Im zweiten Jahr seiner Regierung ernannte Liuva I. seinen Bruder Leovigild zum Mitregenten, wobei er ihm die Pyrenäenhalbinsel als Herrschaftsgebiet zuwies.
Auch die Macht des westgotischen Adels hatte zu Beginn der Regierung Leovigilds einen dem König bedenklich erscheinenden Umfang angenommen. Wie Isidor berichtet, ging er gegen die Mächtigsten und Reichen mit Todesurteilen und Vermögenskonfiskationen vor. Einzelheiten sind leider nicht bekannt.
Antiaristokratischen Charakter trägt auch eine weitere Maßnahme Leovigilds, die Ernennung seiner beiden Söhne Hermenegild und Reccared zu Mitregenten. Durch diesen Schritt Leovigilds war echtlich eine Triarchie geschaffen worden, doch erfahren wir nicht, ob die Söhne tatsächlich an der Machtausübung beteiligt wurden. Vermutlich führte Leovigild die Regierung allein. Erst als es nach Hermenegilds Ehe mit der fränkischen Königs-Tochter Ingunde zu Unzuträglichkeiten kam, da die Königin Godsvintha Ingunde zum Arianismus bekehren wollte, erhielt Hermenegild ein eigenes Herrschaftsgebiet.
Die Bestellung der Söhne zu Mitregenten unter Ausschaltung des Wahlrechts zielte auf die Bildung einer Dynastie. Vielleicht ist auch die Hochzeit Leovigilds mit Galsvintha, der Witwe Athanagilds, auf legitimistische Erwägungen zurückzuführen; es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, daß Leovigild, so wie vor ihm Theudis, durch die Ehe mit einer vermutlich sehr reichen Frau seine Position stärken wollte.
Oströmisches Vorbild wird auch bei der Umgestaltung des westgotischen Königtums durch Leovigild sichtbar. Isidor von Sevilla berichtet, daß er "als erster (König) unter den Seinen mit dem Königsornat angetan auf dem Thron" gesessen habe; vor der Zeit Leovigilds habe der König die gleiche Kleidung und die gleiche Sitzgelegenheit wie das übrige Volk gehabt.
Leovigild war der erste Westgoten-König, der Goldmünmzen mit seinem eigenen Bild prägen ließ.
Es gelang Leovigild, das Königtum erheblich zu stärken. Dieses Ziel erreichte er einerseits durch die Unterdrückung des Adels, andererseits durch eine weitgehende Umgestaltung des Königtums. Es ist bezeichnend, daß Leovigild nicht versuchte, auf den herkömmlichen Grundlagen des westgotischen Königtums aufzubauen, sondern daß er in wesentlichen Punkten römische Elemente übernahm.
 
 
 
 

  1. oo Theodosia, Tochter des Byzantiners Severianus
                 

    567
  2. oo 2. Godiswintha, Witwe des Königs Athanagild
                     
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Rekkared I.
       Dez. 601
 

  Hermenegild
  vor 550 13.4.585 ermordet
 
 
 
 

Literatur:
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Claude, Dietrich: Adel, Kirche und Königtum im Westgotenreich. Vorträge und Forschungen Sonderband 8, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1971 Seite 55-91 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 121,155,176,411,413,415 - Gregor von Tours: Fränkische Geschichte. Phaidon Verlag, Essen und Stuttgart 1988 Buch IV Kapitel 38; Buch V Kapitel 38,43; Buch VI Kapitel 18,29,33,40, 43; Buch VIII Kapitel 28,31,35,39,46; Buch IX Kapitel 1,25 - Hartmann Martina: Aufbruch ins Mittelalter. Die Zeit der Merowinger. Primus Verlag 2003 Seite 62 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 98-100,102,118,149,204 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frümittelalter. Untersuchungen zur Herrschaftsnachfolge bei den Langobarden und Merowingern, Anton Hiersemann Stuttgart 1972 Seite 34,101,244,253 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 218 - Thiess Frank: Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas. Paul ZsolnayVerlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien 1959 Seite 63,153,159,196,208,227 -