Gregor von Tours:
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"Fränkische Geschichte."

Buch III

30. Von den Königen von Spanien.
 

Nach Amalrich wurde Theoda zum König in Spanien eingesetzt, und als dieser ermordet, erhob man den Theodegisil zum Könige. Als der einst mit seinen Freunden beim Mahle saß und von Herzen froh war, erloschen plötzlich im Zimmer alle Lichter, und er wurde von seinen Feinden mit dem Schwerdte niedergehauen. Nach ihm erhielt Agila die Herrschaft. Die Gothen hatten nehmlich die abscheuliche Sitte angenommen, daß, wenn ihnen Einer von ihren Königen nicht gefiel, sie ihn mit dem Schwerdte niederstießen und den zum Könige einsetzten, der ihnen recht war.

Buch IV

8. Von den Königen Spaniens.
 

In Spanien aber, wo Agila regierte und das Volk mit dem schweren Joche seiner Herrschaft bedrückte, fiel das Heer des Kaisers ein, und nahm mehrere Städte des Landes. Agila wurde aber endlich getödtet und Athanagild erhielt sein Reich. Der führte hernach viele Kriege gegen das Heer der Griechen, und besiegt sie auch meistentheils, und die Städte, welche sie arg verheert hatten, entriß er zum Theil wieder aus ihren Händen.

27. Wie Sigibert Brunichilde zum Weibe nahm.
 

König Sigibert aber schickte, da er sah, daß seine Brüder sich Weiber wählten, die ihrer nicht würdig waren, und daß sie sich so weit herabließen, selbst Mägde zur Ehe zu nehmen, eine Gesandtschaft nach Spanien, übersandte reiche Geschenke und freite um Brunichilde, die Tochter Königs Athanagild. Denn diese war eine Jungfrau von feiner Gestalt, schön von Angesicht, züchtig und wohlgefällig in ihrem Benehmen, klugen Geistes und anmuthig im Gespräch. Der Vater aber versagte sie ihm nicht, und schickte sie mit vielen Geschenken dem Könige. Da versammelte er die Großen seines Reichs, ließ ein Gelage zurichten, und unter unendlichem Jubel und großen Lustbarkeiten nahm er sie zu seinem Gemahl. Und da sie dem Glauben des Arius ergeben war, wurde sie durch die Belehrung der Bischöfe und die Zusprache des Königs selbst gekehrt, glaubte und bekannte die heilige Dreieinigkeit und erhielt das Chrisma. Und bis auf den heutigen Tag verharrt sie in Christi Namen in dem rechten Glauben.

38. Von den Königen Spaniens.
 

Es starb aber, um zu unserer Geschichte zurückzukehren, in Spanien König Athanagild, und Leuva empfing mit seinem Bruder Leuvigild die Herrschaft. Als dann Leuva gestorben war, nahm Leuvigild das ganze Reich in Besitz und vermählte sich, da seine Gemahlin gestorben war, mit Gunsvintha, der Mutter der Königin Brunichilde. Er hatte aber von seiner ersten Gemahlin zwei Söhne, von denen der eine sich mit einer Tochter Sigiberts, der andere mit einer Tochter Chilperichs verlobte. Er theilte unter diese das Reich zu gleichen Theilen, und schaffte alle diejenigen, die gewohnt waren die Könige aus dem Wege zu räumen, aus der Welt, indem er kein männliches Wesen von ihnen übrig ließ.
 

Buch V

18. Von dem Bischof Prätextatus und dem Ende Merovechs.
 

(19.) Indessen vernahm Chilperich, daß der Bischof Prätextatus von Rouen unter das Volk Geschenke vertheile, um es ihm abwendig zu machen und ließ ihn zu sich bescheiden. Durch eine Untersuchung entdeckte er, daß bei Prätextatus Sachen der Königin Brunichilde niedergelegt seien, er ließ diese darauf fortnehmen, ihn selbst aber verbannte er und hielt ihn, bis er ihn vor das Gericht der Bischöfe stellen konnte, in Haft. Und als die Bischöfe sich versammelt hatten, stellte er ihn vor Gericht. Die Versammlung fand aber zu Paris statt in der Kirche des heiligen Apostels Petrus. Und der König sprach zu Prätextatus: "Was kam dir in den Sinn, Bischof, daß du meinen Feind Merovech, der doch als Sohn hätte gegen mich handeln sollen, mit seiner Muhme, mit seines Oheims Gemahl nehmlich, trautest? Oder war es dir etwa nicht bekannt, was hierüber die Bestimmungen der Kirche festgesetzthaben? Aber du bist überführt, daß du nicht allein hierin gefehlt hast; denn du hast auch mit ihm dich gegen mein Leben verschworen und Geschenke unter das Volk vertheilt. Du hast den Sohn gegen den Vater aufgewiegelt, durch Gold das Volk bestochen, daß Niemand mir die Treue halten und bewahren solle, und wolltest mein Reich in die Gewalt eines Andern bringen." Da er solches sprach, entstand ein großes Murren unter der Menge der Franken, und sie wollten die Thüre der Kirche erbrechen und den Bischof hinausschleppen, um ihn zu steinigen. Aber der König verhinderte, daß es geschähe. Und als der Bischof Prätextatus Alles in Abrede stellte, was der König gesagt hatte, traten falsche Zeugen auf, zeigten einige kostbare Sachen vor und sagten: "Dies und das hast du uns gegeben, damit wir Merovech Treue geloben sollten." Jener aber antwortete darauf: "Es ist wahr, daß ihr öfters von mir beschenkt worden seid, aber nicht das war meine Absicht dabei, daß der König seine Herrschaft verlieren sollte; sondern da ihr mir die schönsten Pferde und andere Sachen gäbet, mußte ich da nicht auch euch auf ähnliche Weise beschenken?" Der König kehrte darauf in seine Wohnung zurück, wir aber blieben in der Sakristei der Kirche des heiligen Petrus zusammen. Und als wir uns untereinander beriethen, kam plötzlich zu uns der Archidiakon der Kirche von Paris, Aetius, grüßte uns und sprach: "Höret mich, ihr Priester des Herrn, die ihr hier versammelt seid. Entweder werdet ihr zu dieser Zeit euren Namen verherrlichen und weithin leuchten im strahlenden Ruhme, oder Niemand wird euch fortan für die wahren Priester Gottes erachten, wenn ihr unverständig euch selbst erniedriget und euren Bruder untergehen lasset." Als er solches sprach, wagte Keiner der Bischöfe ihm zu antworten. Denn sie fürchteten den Zorn der Königin, auf deren Betrieb dies Alles geschah. Da sie aber alle voll Schrecken waren und den Mund nicht öffneten, sprach ich: "Achtet, ich bitte euch, ihr heiligsten Priester Gottes, auf meine Rede, und besonders ihr, die ihr dem Könige näher zu stehen scheint, gebt ihm einen Rath, wie er heiligen Priestern geziemt, damit er nicht im Zorn handle gegen denDiener Gottes und deshalb unter dem Zorn des Höchsten zu Grunde gehe und Reich und Ruhm verliere." Bei diesen Worten schwiegen Alle. Da sie aber schwiegen, fuhr ich fort: "Erinnert euch, ihr Herren Bischöfe, des prophetischen Wortes, wo es heißt: "Wo der Wächter sähe die Sünde eines Menschen und sagte sie nicht an, so will ich sein Blut von des Wächters Hand fordern." Schweiget also nicht, sondern redet und legt dem Könige seine Sünden vor Augen, auf daß nicht ein Uebel ihn treffe, und ihr schuldig seid an seiner Seele. Oder wisset ihr nicht, was noch zu diesen Zeiten geschehen ist? Wie Chlodomer den Sigimund ergriff und in den Kerker stieß, und Avitus, der Priester Gottes, ihm sagte: "Lege nicht Hand an ihn, und du wirst, wenn du nach Burgund ziehst, den Sieg gewinnen." Jener aber hörte nicht auf das, was ihm der Priester sagte, sondern ging fort und tödtete jenen, sein Weib und seine Kinder, und zog nach Burgund, da aber wurde er von seinen Feinden besiegt und getödtet. Und was widerfuhr dem Kaiser Maximus? Als er den heiligen Martinus zwang, Gemeinschaft mit einem Bischof zu haben, der ein Mörder war, und jener dem gottlosen König nachgab, damit er so um so leichter die dem Tode Geweihten befreien könne, verlor Maximus durch das Gericht des ewigen Königs sein Reich und mußte zur Strafe des schimpflichsten Todes sterben." Da ich dies sprach, antwortete Keiner etwas, sondern sie waren Alle wie betäubt und voll Schrecken.

Zwei Speichellecker jedoch unter ihnen - schmerzlich ist es, so von Bischöfen sprechen zu müssen - meldeten es dem Könige und sagten ihm, er habe keinen größeren Feind in seinen Angelegenheiten, als mich. Sogleich wurde Einer der Hofleute eilenden Laufes abgesandt, um mich zu dem König zu bescheiden. Und als ich ankam, stand der König bei einem Zelte, das war aus Zweigen gemacht, und zu seiner Rechten stand der Bischof Berthramm, zu seiner Linken Ragnemod, und vor ihnen war eine Tafel, die war mit Brod und mit verschiedenen Gerichten besetzt. Als der König mich erblickt hatte, sprach er: "Du solltest Allen Gerechtigkeit zu Theil werden lassen, Bischof, aber siehe, ich selbst finde sie nicht vor dir, sondern du nimmst dich, wie ich sehe, der Ungerechtigkeit an, und es wird an dir das Sprüchwort wahr, eine Krähe hackt der andren nicht die Augen aus." Darauf sprach ich: "Wenn Einer von uns, o König, den Pfad der Gerechtigkeit verlassen sollte, kann er von dir zurecht gewiesen werden; wenn du aber abirrst, wer wird dich zurechtweisen? Wir sprechen freilich zu dir, aber du hörst nur darauf, wenn du willst, und wenn du nicht willst, wer kann dich verdammen, als der da gesagt hat, daß er selbst die Gerechtigkeit sei?" Hierauf sagte jener, erbittert, wie er es durch die Speichellecker gegen mich war: "Bei Allen habe ich Gerechtigkeit gefunden, nur bei dir kann ich sie nicht finden. Aber ich weiß schon, was ich thue, daß du den Leuten bekannt werdest und Alle wissen, wie ungerecht du bist. Ich werde das Volk von Tours zusammenrufen und zu ihm sprechen: "Erhebet eure Stimme gegen Gregor und schreiet es aus, daß er ungerecht sei und keinem Menschen Gerechtigkeit angedeihen lasse." Und wenn sie dies Geschrei laut werden lassen, werde ich ihnen antworten: "Ich, der König, kann keine Gerechtigkeit bei ihm finden, und ihr solltet sie finden, die ihr nur geringes Volk seid?"" Darauf sagte ich: "Ob ich ungerecht bin, weißt nicht du; der kennt mein Gewissen, dem das verborgene des Herzens offenbar ist. Ob aber das Volk in seinem Wahne, wenn du mich beschimpfest, gegen mich ein Geschrei erhebt, gilt mir gleich, denn Alle wissen ja doch, daß die Sache von dir ausgegangen ist. Deshalb beschimpft nicht mich, sondern dich solches Geschrei. Aber wozu viele Worte? Du hast das Gesetz und die kirchlichen Satzungen, die sollst du fleißig durchforschen, und beachtest du nicht, was sie vorschreiben, so wird dich, darauf verlasse dich, Gottes Gericht ereilen." Dann wandte er sich, um mich zu gewinnen - da er es listig anstellte, glaubte er, ich merkte es nicht - zu einem Gerichte, das vor ihm stand, und sprach: "Deinetwegen habe ich diese Gerichte bereiten lassen, sie enthalten nur Geflügel und einwenig Kichererbsen." Ich aber antwortete ihm, denn ich durchschaute, wie er mich fangen wollte: "Unsre Speise soll sein, den Willen Gottes zu thun und uns nicht locken zu lassen von diesen Lüsten, auf daß wir nimmerdar seiner Gebote vergessen. Du aber, der du Andere der Ungerechtigkeit zeihst, versprich erst, das Gesetz und die Satzungen der Kirche nicht übertreten zu wollen, dann werden wir glauben, daß es dir um die Gerechtigkeit zu thun ist." Darauf erhob er die Rechte und schwor bei dem allmächtigen Gott, daß er nimmerdar das Gesetz und die Satzungen der Kirche überschreiten wolle. Alsdann nahm ich vom Brodte, trank vom Weine und entfernte mich.
In derselben Nacht noch hörte ich, als die Chorgesänge eben beendigt waren, die Pforte meiner Wohnung von heftigen Schlägen erdröhnen, schicke den Diener heraus und erfahre, Boten von der Königin Fredegunde ständen draußen. Sie wurden eingeführt, brachten mir einen Gruß von der Königin und baten mich, ich möchte doch ihren Angelegenheiten nicht entgegen sein, zugleich versprachen sie mir zweihundert Pfund Silber, wenn ich gegen Prätextatus auftreten und er so verurtheilt würde. Sie sagten auch: "Schon von allen andren Bischöfen haben wir das Versprechen, nur sei du uns nicht entgegen!" Ich antwortete ihnen: "Wenn ihr mir auch tausend Pfund Silber und Goldes gäbet, könnte ich wohl etwas andres thun, als was mir mein Herr zu thun geboten hat? Dies Eine nur verspreche ich euch, dem werde auch ich beitreten, was die Uebrigen nach den Satzungen der Kirche beschließen." Jene verstanden nicht, was ich sagte, denn sie dankten und entfernten sich. Als es Morgen geworden war, kamen auch Einige von den Bischöfen zu mir; die hatten einen ähnlichen Auftrag und ich gab ihnen etwa dieselbe Antwort.

Als wir aber in der Frühe in der Kirche des heiligen Petrus zusammenkamen, war auch der König zugegen und sprach: "Ein Bischof ist beim Diebstahl ertappt worden, und die Gesetze der Kirche bestimmen, daß er von seinem bischöflichen Amt entsetzt werde." Und da wir erwiderten, wer denn jener Bischof wäre, den die Beschuldigung des Diebstahls treffe, sagte der König: "Ihr habt die Kostbarkeiten ja gesehn, die er uns diebisch entwendet hat." Er hatte uns nehmlich drei Tage zuvor zwei Bündel gezeigt, mit Kostbarkeiten und Schmucksachen aller Art angefüllt, die auf mehr als dreitausend Goldgulden geschätzt wurden, und einen Sack mit Goldmünzen, der dem Gewicht nach etwa zweitausend Gulden enthielt. Dies nun sagte der König, sei ihm vom Bischof gestohlen worden. Da antwortete dieser: "Ich glaube, ihr entsinnt euch, daß ich, als die Königin Brunichilde von Rouen fortging, zu euch kam und euch meldete, ich hatte Sachen von ihr, nehmlich fünf Bündel, in Verwahrung, und öfters kämen Diener von ihr zu mir und verlangten die Auslieferung, ich aber trüge Bedenken, dieselben ohne euren Willen zu verabfolgen. Da sprachst du zu mir, König: "Thue dies von dir, das Weib möge das Ihre zurücknehmen, auf daß nicht deshalb zwischen mir und meinem Neffen Childebert Feindschaft entstehe." Ich kehrte also zur Stadt zurück, und gab den Dienern ein Bündel, denn mehr konnten sie nicht tragen. Sie kehrten aber wieder zurück und verlangten die andren, da fragte ich wieder bei deiner Herrlichkeit an. Du aber befahlest mir und sprachest: "Thue, thue dies von dir, Bischof, daß kein Aergerniß aus dieser Sache komme." Und wiederum gab ich ihnen zwei von den Bündeln, zwei aber blieben noch bei mir zurück. Was verläumdest du mich nun jetzt und schuldigst mich des Diebstahls an, da es sich doch hier nicht um Entwendung, sondern um Bewahrung fremden Eigenthums handelt." Hierauf sprach der König: "Wenn dir diese Sachen nur zur Bewahrung übergeben sind, warum bandest du denn eins der Bündel auf, zerschnittest einen mit goldenen Fäden durchwebten Besatz und vertheiltest ihn unter die Männer, die mich von der Herrschaft vertreiben sollten." Bischof Prätextatus antwortete: "Ich habe dir schon früher gesagt, daß ich zuerst Geschenke von ihnen erhalten hatte, und deshalb, da ich im Augenblicke ihnen Nichts andres zu geben hatte, nahm ich vorläufig von jenen Sachen und machte ihnen davon Gegengeschenke. Denn ich hielt meinem Eigenthum gleich, was meinem Sohn Merovech gehörte, den ich aus dem Bad der Taufe gehoben hatte." Da aber König Chilperich sah, daß er ihn durch solche Verläumdungen nicht stürzen könnte, wurde er sehr betroffen, er schämte und verwirrte sich und ging alsbald von dannen. Und er rief Einige von seinen Schmeichlern zu sich und sprach: "Ich bekenne, daß ich durch des Bischofs Worte überführt worden bin, und ich weiß, Wahrheit ist es, was er spricht. Doch was soll ich nun thun, daß der Königin Wille an ihm vollstreckt werde?" "Gehet hin, sprach er, tretet zu ihm und sprecht, gleich als ob der Rath aus euch selbst käme: "Du weißt, daß König Chilperich fromm und weichherzig und leicht zum Mitleid zu bewegen ist, demüthige dich also vor ihm und sage, du habest, was er dir vorgeworfen, wirklich begangen. Dann werden wir uns alle vor ihm zu Füßen werfen und dir Verzeihung erwirken."" Bischof Prätextatus ließ sich verlocken und gab sein Wort, er wolle ihnen folgen.
Am Morgen kamen wir wieder an dem gewohnten Ort zusammen, auch der König erschien und sprach zum Bischof: "Wenn du diesen Leuten nur Geschenke gegen Geschenke gegeben hast, warum verlangtest du denn von ihnen, daß sie dem Merovech Treue gelobten?" Der Bischof antwortete: "Ich wünschte, ich gestehe es, daß er ihre Freundschaft gewönne, und nicht die Menschen allein, auch einen Engel vom Himmel, wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich zu seinem Schutze herbeigerufen. Denn, wie ich schon oft erwähnt habe, er war mein geistlicher Sohn durch die Taufe." Und als dies Hin- und Widerreden immer weiter ging, warf sich endlich Bischof Prätextatus auf die Erde und rief: "Ich habe gesündigt im Himmel und vor dir, gnädigster König. Ein ruchloser Mörder bin ich, ich wollte dich tödten und deinen Sohn auf deinen Thron erheben." Bei diesen Worten warf sich der König den Bischöfen zu Füßen und sprach: "Höret, wie dieser Verbrecher sein abscheuliches Vergehen bekennt, ihr frommen Bischöfe!" Und als wir unter Thränen den König vom Boden erhoben hatten, hieß er den Prätextatus die Kirche verlassen.

Der König selbst ging nach seiner Wohnung und schickte uns die Sammlung der Kirchengesetze, an die aber eine neue Lage angeheftet war, so die angeblich apostolischen Satzungen enthielt. Darin stand: "Wenn ein Bischof des Mordes, Ehebruchs oder Meineides überwiesen wird, soll er von seinem bischöflichen Amt entsetzt werden." Als wir dies lasen, stand Prätextatus wie erstarrt. Und Bischof Berthramm sagte: "Höre, Bruder und Mitbischof, du besitzest des Königs Gunst nicht mehr, und kannst deshalb auch unser Freund nicht sein, ehe du nicht von ihm Verzeihung erwirkt hast." Darauf verlangte der König, es solle entweder jenem das Gewand zerrissen, oder der hundert und achte Psalm über sein Haupt gesprochen, oder mindestens ein solches Urtheil über ihn verhängt werden, daß er in Ewigkeit aus der Gemeinschaft ausgeschlossen bliebe. Ich aber setzte mich allen diesen Vorschlägen entgegen und hielt an dem Versprechen des Königs fest, es solle Nichts gegen die Satzungen der Kirche geschehen. Da wurde Prätextatus vor unsern Augen ergriffen und in das Gefängniß gebracht. Da er aus demselben bei Nacht zu entkommen suchte, wurde er sehr schwer gegeißelt und auf eine Insel des Meeres, welche nahe der Stadt Coutances liegt, verwiesen.

Darauf verbreitete sich das Gerücht, Merovech suche sich wiederum nach der Kirche des heiligen Martinus zu flüchten. Chilperich ließ deshalb die Kirche bewachen und alle Zugänge schließen. Die Wächter ließen nur eine Thüre, durch welche etliche Geistliche zum Dienst des Altars eingehen durften, offen, alle übrigen hielten sie besetzt, was nicht ohne Beeinträchtigung des Volks geschah. Als wir aber noch zu Paris verweilten, sah man Zeichen am Himmel, zwanzig Strahlen nehmlich im Norden, die sich von Osten erhoben und nach Westen zogen. Einer von ihnen war länger und leuchtender als die übrigen, und als er in die Höhe gestiegen war, verschwand er plötzlich, und so auch die übrigen, die nach ihm kamen. Ich glaube, daß dies Zeichen das Ende Merovechs vorherverkündigte.

Merovech wurde aber, da er sich noch immer in der Champagne von Reims verborgen hielt und nicht öffentlich vor den Austrasiern zu zeigen wagte, von denen von Thérouenne in eine Falle gelockt. Sie ließen ihm nehmlich sagen, er möchte nur zu ihnen kommen, sie wollten seinen Vater verlassen und sich ihm unterwerfen. Da nahm er die tapfersten Männer mit sich und zog schnell zu ihnen. Sie zeigten jedoch bald offen, welche Fallstricke sie ihm gelegt hatten, umstellten ihn auf einem Hofe, umringten ihn mit Bewaffneten und sandten Boten an seinen Vater. Da der dies hörte, beschloß er sich sogleich dorthin zu begeben. Jener sah sich indessen in einem kleinen Hause festgehalten und besorgte, seine Feinde möchten sich schwer an ihm rächen und er schreckliche Strafen erleiden. Deshalb rief er seinen vertrauten Diener Gailen zu sich und sprach: "Wir waren bisher immer ein Herz und eine Seele, laß mich also jetzt nicht in die Hände meiner Feinde fallen, sondern nimm dies Schwerdt und stoße mich nieder." Und Gailen zauderte nicht, sondem durchbohrte ihn sogleich mit dem Schwerdte. Es wollten aber Manche behaupten, die Worte, die Merovech gesprochen haben soll, habe die Königin erfunden, und auf ihr Geheiß sei Merovech heimlich ermordet worden. Gailen aber ergriff man, hieb ihm Hände und Füße, schnitt ihm die Ohren und die Nasenspitze ab und tödtete ihn unter vielen andren Qualen auf die grausamste Weise. Grindio flocht man auf's Rad und hing ihn auf. Ciucilo,der einst Pfalzgraf König Sigiberts gewesen war, hieb man das Haupt ab, und noch viele Andere, die Merovech begleitet hatten, mußten unter verschiedenen Martern eines grausamen Todes sterben. Man erzählte sich damals, der Bischof Aegidius und Gunthramm Boso seien die Hauptanstifter bei diesem Anschlage gewesen, denn Gunthramm habe sich durch den Tod Theodeberts im Geheimen die Gunst der Königin Fredegunde erworben, Aegidius sei aber schon seit langer Zeit ihr werth gewesen.

38. Von der Verfolgung der Rechtgläubigen in Spanien.
 

(39.) Eine große Verfolgung kam in diesem Jahre über die rechtgläubigen Christen in Spanien. Viele wurden in die Verbannung geschickt, ihrer Habe beraubt, dem Hunger preisgegeben, in das Gefängniß geworfen, durch Geißelung und mannigfache Todesqualen hingeopfert. Die Hauptveranlassung zu diesen Schandthaten war Gunsvintha, die nach ihrer ersten Ehe mit König Athanagild dem König Leuvigild sich vermählt hatte. Aber da sie die Diener Gottes beschimpfte und erniedrigte, gerieth auch sie durch Gottes Strafgericht vor allem Volke in Schmach und Schande. Denn ein weißer Schleier verdunkelte ihr ein Auge und nahm das Licht, das ihr Geist nicht hatte, auch von ihren Augenliedern.

Es hatte aber König Leuvigild von einer andren Gemahlin zwei Söhne, von denen er den älteren mit einer Tochter König Sigiberts, den jüngeren mit einer Tochter König Chilperichs verlobt hatte. Ingunde, die Tochter König Sigiberts, wurde daher mit großem Gefolge nach Spanien geschickt und von ihrer Großmutter Gunsvintha mit großem Jubel empfangen. Aber sie ließ sie nicht lange in dem wahren Glauben ungestört beharren, sondern fing sie mit schmeichlerischen Reden an zu verlocken, sich nach der Arianischen Ketzerei abermals taufen zu lassen. Jene widerstand jedoch tapfer und sprach: "Es ist genug, daß ich von der Erbsünde einmaldurch die Taufe rein gewaschen bin und die heilige Dreieinigkeit als Eines und gleichen Wesens bekannt habe. Dies glaube ich, so bekenne ich von ganzem Herzen, und niemals werde ich von diesem Glauben weichen." Da jene solches hörte, wurde sie von der Hitze des Jähzorns ergriffen, ergriff das Mädchen bei den Haaren, riß sie auf die Erde, und trat sie so lange, bis Blut rann, mit Füßen, dann ließ sie dieselbe ausziehen und in einen Fischteich tauchen. Aber sie wurde, wie man versichert, niemals in ihrem Herzen an unsrem Glauben irre.

Leuvigild gab darauf ihr und ihrem Gemahle Hermenegild eine von seinen Städten, in der sie Hof hielten und herrschten. Als sie nun sich dahin begeben hatten, fing Ingunde an ihren Gemahl zu überreden, daß er von der trügerischen Lehre der Ketzerei ließe und den wahren Glauben erkenne. Er widerstrebte lange, neigte sich aber endlich ihrer Lehre zu, bekehrte sich zu dem wahren Glauben und empfing, als er das Chrisma erhielt, den Namen Johannes. Als Leuvigild dies vernahm, fing er an darauf zu sinnen, wie er seinen Sohn verderbe. Dieser wandte sich aber, als er die Absichten des Vaters merkte, auf die Seite des Kaisers und verband sich mit dem Statthalter desselben. Denn der Kaiser bekriegte damals Spanien. Da sandte Leuvigild Boten an seinen Sohn und sprach: "Komm zu mir, denn wir haben mit einander zu verhandeln." Jener antwortete aber: "Mit nichten werde ich kommen, denn du bist mir feind, weil ich rechtgläubig bin." Hierauf bestach der König den Statthalter des Kaisers mit 30.000 Goldgulden, daß er seinem Sohne nicht zur Hülfe kommen solle, brach mit seinem Heere auf und zog gegen ihn. Hermenegild rief aber die Griechen zu Hülfe und zog seinem Vater entgegen, seine Gemahlin ließ er jedoch in der Stadt zurück. Und als Leuvigild Hermenegild angriff, wurde dieser von seinen Hülfstruppen verlassen und sah bald, daß er Nichts würde ausrichten können. Da flüchtete er sich in eine Kirche, welche in der Nähe lag und sprach: "O daß doch mein Vater nicht über mich käme! Denn es ist nicht recht, daß der Vater vom Sohn, oder der Sohn vom Vater getödtet werde." Als Leuvigild solches hörte, schickte er seinen Bruder zu ihm, der schwor ihm einen Eid, daß ihm nichts Schimpfliches widerfahren solle und sprach: "Gehe nur selbst zum Vater und wirf dich ihm zu Füßen, er wird dir Alles verzeihen."Da verlangte Hermenegild, man solle seinen Vater rufen, und als dieser kam, warf er sich ihm zu Füßen. Der Vater nahm ihn auf, küßte ihn, redete ihm mit freundlichen Worten zu und führte ihn in das Lager. Er achtete aber nicht seines Eides, denn er gab den Seinigen ein Zeichen, ließ ihn ergreifen, seiner Kleidung berauben und legte ihm ein schlechtes Gewand an. Als er nach Toledo zurückkehrte, nahm er ihm seine Diener und schickte ihn in die Verbannung mit einem einzigen Diener.

43. Von einem Streit mit einem Ketzer.
 

(44.) König Leuvigild schickte aber den Agila als Gesandten zum Chilperich, einen Mann ohne Geist und Verstandesbildung, aber voll böser Gesinnung gegen die rechtgläubige Lehre. Da diesen sein Weg nach Tours führte, fing er an, wegen unsres Glaubens uns anzufechten und die Lehre unserer Kirche zu bekämpfen.
 "Unrichtig, sagte er, war die Entscheidung, welche die Bischöfe vor alten Zeiten gaben, daß der Sohn dem Vater gleich sei. Denn wie kann wohl, sagte er, der dem Vater an Macht gleich sein, derselbst spricht: "Der Vater ist größer denn ich." Hieraus folgt, daß es nicht richtig ist, ihn dem gleich zu setzen, dem er selbst sich untergeordnet nennt, dem er seine Traurigkeit bis in den Tod klagt, dem er endlich sterbend seinen Geist, gleich als sei er selbst ohne alle Macht, befiehlt. Es leuchtet hieraus ein, daß er der Zeit wie seiner Macht nach dem Vater nachsteht." Zur Antwort hierauf fragte ich ihn, ob er glaube, daß Jesus Christus der Sohn Gottes sei, und ob er bekenne, daß dieser zugleich die Weisheit Gottes, das Licht, die Wahrheit, das Leben, die Gerechtigkeit sei. Er antwortete: "Ich glaube, daß der Sohn Gottes dies Alles ist." - Und ich: "Sage mir also, wann war der Vater ohne Weisheit, wann ohne Licht, wann ohne Leben, wann ohne Wahrheit, wann ohne Gerechtigkeit? Denn wie der Vater ohne jene nicht sein konnte, so konnte er auch nicht ohne den Sohn sein, und gerade jene Eigenschaften sind für die Heiligkeit des göttlichen Namens nothwendige Stücke. Aber er würde ja auch gar nicht der Vater sein, wenn nicht der Sohn wäre. Wenn du aber anführst, daß er gesagt habe: "Der Vater ist größer denn ich," so wisse, daß er solches sprach nach der Niedrigkeit des Fleisches, das er annahm, damit du erkennen solltest, daß du nicht durch die Macht, sondern durch die Erniedrigung erlöset seiest. Ferner mußt du, wenn du die Worte anführst: "Der Vater ist größer denn ich," auch dessen gedenken, was er an einer andren Stelle sagt: "Ich und der Vater sind eins." Seine Todesfurcht aber und daß er Gott seinen Geist befahl, ist der Schwachheit des Körpers beizumessen, auf daß wir glauben, daß er wie wahrer Gott, so auch wahrer Mensch gewesen ist." Er erwiederte: "Wer den Willen Jemandes thut, der istgeringer als dieser. Und daher ist der Sohn geringer als der Vater, weil er den Willen seines Vaters thut. Es läßt sich nehmlich nicht beweisen, daß der Vater ihm den Willen thue." - Darauf ich: "Bedenke, daß der Sohn nur in dem Vater und der Vater nur in dem Sohne und beide stets nur in der Einheit des göttlichen Wesens existiren. Sodann, auf daß du erkennest, daß der Vater auch den Willen des Sohnes thut, vernimm, wenn du anders noch an das Evangelium glaubst, was Jesus selbst, unser Gott, sprach, als er hinging den Lazarus zu erwecken: "Vater, ich danke dir, sagte er, daß du mich erhöret hast; doch ich weiß, daß du mich allezeit hörest, doch um des Volkes willen, das umher stehet, sage ich es, daß sie glauben, du habest mich gesandt." Und als er seinen Leiden entgegenging, sprach er: "Und nun verkläre mich, du Vater, bei dir selbst mit der Klarheit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war." Und der Vater antwortete ihm vom Himmel: "Ich habe ihn verkläret und will ihn abermals verklären." Der Sohn ist also in der Gottheit gleichen Wesens und nicht geringer, auch ist Nichts an ihm, das geringer wäre. Denn wenn du ihn als Gott bekennst, so mußt du nothwendiger Weise eingestehn, daß er vollkommen sei und ihm Nichts fehle; wenn du aber sagst, daß er nicht vollkommen sei, so glaubst du auch nicht, daß er Gott sei." - Und jener: "Erst als er die menschliche Gestalt annahm, fing er an, Gottes Sohn genannt zu werden, und es gab eine Zeit, wo er nicht war." - Und ich: "Höre David, der im Namen des Vaters spricht: "Aus meinem Schooße habe ich dich erzeuget vor dem Morgenstern." Und der Evangelist Johannes spricht: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und alle Dinge sind durch dasselbige gemacht." Ihr, von dem verführerischen Gift verblendet, denket unwürdig von Gott." - Und jener: "Lehret ihr etwa auch, daß der heilige Geist Gott sei und haltet ihr ihn für gleichen Wesens mit dem Vater und dem Sohne?" - Ich antwortete ihm: "Ein Wille ist in den Dreien, eine Macht, ein Wirken. Gott ist eins in der Dreifaltigkeit und dreifaltig inder Einheit. Drei Personen, aber ein Reich, eine Majestät, eine Gewalt und Allmacht." Und jener sprach: "Der heilige Geist, von dem ihr behauptet, daß er gleichen Wesens mit dem Vater und dem Sohne sei, wird aber geringer als beide genannt, da man lies't, er sei vom Sohne verheißen und vom Vater gesandt worden. Niemand aber verheißt, was nicht seiner Gewalt untergeben ist, und Niemand sendet jemanden, er sei denn geringer als er selbst. Christus spricht aber selbst so in dem Evangelium:
"So ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch. So ich aber hingehe, will ich ihn zu euch senden." - Hierauf antwortete ich: "Mit Recht sagt der Sohn vor seinen Leiden, daß, wenn er nicht als Sieger zum Vater zurückkehrte und, nachdem er die Welt mit seinem Blute erlöset, in dem Menschen eine Gottes würdige Wohnstätte ihm bereitete, der heilige Geist, der eben Gott ist, nicht in die abgöttische und von dem Makel der Erbsünde besteckte Brust hinabsteigen könnte. Denn "der heilige Geist, wie Salomon sagt, fliehet die Abgöttischen." Du aber, wenn du noch irgend deine Hoffnung auf die Auferstehung setzest, so sprich nicht wider den heiligen Geist, denn nach dem Ausspruch des Herrn: "wer etwas redet wider den heiligen Geist, dem wird es nicht vergeben werden in dieser noch in jener Welt." - Und jener: "Gott ist der, der sendet, und nicht der, welcher gesendet wird." - Darauf fragte ich ihn, ob er an die Lehre der Apostel Petrus und Paulus glaube. Und da er antwortete "Ja", fuhr ich fort: "Als der Apostel Petrus Ananias anklagte wegen des beim Verkauf des Ackers unterschlagenen Geldes, was sagte er da? "Warum hast du denn solches in deinem Herzen vorgenommen, daß du dem heiligen Geiste lögest. Du hast nicht Menschen, sondern Gott gelogen ." Und Paulus spricht, wo er die verschiedenen Stufen der geistlichen Gaben unterscheidet: "Dies Alles wirkt derselbige einige Geist und theilt einem jeglichen seines zu, nachdem er will." Wer aber das thut, was er will, der ist Niemandemunterthan. Ihr aber denkt, wie ich schon vorher sagte, ganz irrig über die heilige Dreifaltigkeit, und wie unwürdig und verkehrt die Lehre dieser eurer Secte ist, zeigt der Tod des Gründers derselben selbst, des Arius. - Hierauf antwortete er: "Lästere nicht eine Lehre, die nicht die deine ist. Wir unsrestheils, obschon wir nicht glauben, was ihr glaubt, lästern es doch nicht. Denn wir sehen es nicht als ein Verbrechen an, so oder so zu glauben. Es ist bei uns eine gewöhnliche Rede, es sei nicht sträflich, wenn man zwischen Altären der Heiden und einer Kirche Gottes durchgehe, beiden seine Ehrfurcht zu beweisen." Da ich seine Blindheit nun völlig durchschaute, rief ich aus: "Wie ich sehe, zeigst du dich jetzt offen als Vertheidiger der Heiden und Anwalt der Ketzer, denn du greifst nicht allein die Lehren der Kirche an, sondern lehrst auch die Gräuel der Heiden verehren. Besser wäre es für dich, sagte ich, wenn der Glaube, den Abraham an der Eiche, Isaak beim Widder, Jakob aus dem Steine, Moses im Dornbusche erkannte, den Aaron im Brustschilde trug, David mit Pauken verherrlichte und Salomon im Geiste voraus verkündigte, den alle Erzväter und Propheten und das Gesetz selbst in Weissagungen verkündigten oder durch Opfer vorbildeten, welchen auch in den neueren Zeiten unser mächtiger Fürsprecher Martinus im Herzen hegte und in seinen Thaten kund gab, wenn dieser Glaube dein Herz stählte, auf daß du bekehret würdest und glaubtest an die untheilbare Dreifaltigkeit, von uns den Segen empfingest, deine Seele gereinigt von dem Gifte des Unglaubens und deine Sünden getilgt würden." Da wurde er wüthend, murmelte wie unsinnig etwas zwischen den Zähnen und sprach: "Ehe möge die Seele sich von den Banden des Leibes trennen, ehe ich von einem Bischofe eures Bekenntnisses den Segen empfange." Und ich: "Nie möge der Herr es dahin kommen lassen, daß unser Bekenntniß oder unser Glaube so lau werde, daß wir sein Heiligthum den Hunden und die kostbaren Perlen den schmutzigen Säuen vorwerfen." Hierauf brach er denStreit ab, erhob sich und ging von dannen. Als er nach Spanien zurückgekehrt war, wurde er schwach und krank, und in seiner Noth bekehrte er sich zu unserem Bekenntniß.

Buch VI

18. Wie die Gesandten Chilperichs heimkehrten.
 

Wie die Gesandten König Chilperichs von Spanien heimkehrten.
 

Es kehrten damals Ansovald und Domigisil, die Gesandten König Chilperichs, welche in Spanien den Brautschatz hatten in Augenschein nehmen sollen, zurück. Zu jener Zeit lag König Leuvigild gerade im Felde gegen seinen Sohn Hermenegild, dem er auch die Stadt Merida abnahm. Wie sich aber dieser mit den Heerführern des Kaisers Tiberius verbündete, haben wir bereits oben erzählt. Dieser Zwist hielt auch die Gesandten auf, so daß sie erst spät zurückkehrten. - Als ich mit ihnen zusammenkam, fragte ich sie besorgt, ob auch der Glaube bei den wenigen rechtgläubigen Christen, die noch in jener Gegend sind, stark sei. Darauf antwortete mir Ansovald: "Die Rechtgläubigen, welche noch in Spanien geblieben sind, bewahren den katholischen Glauben rein und unverfälscht. Aber der König sucht durch einen neuen Kunstgriff sie wankend zu machen, denn voll Arglist geht er zu den Gräbern der Märtyrer und zu den Kirchen unsres Bekenntnisses, thut, als ob er dort bete, und spricht: "Ich bin jetzt völlig überzeugt, daß Christus, der Sohn Gottes, gleichen Wesens mit dem Vater ist, aber ich kann nimmermehr glauben, daß der heilige Geist Gott sei, da dies ja auch nirgends in den heiligen Schriften sich findet."" - Ach, wie irrig ist doch solche Meinung, wie verderblich diese Ansicht und wie verkehrt solche Denkungsart! Wo bleibt da, was der Herr sagt: "Gott ist Geist," und was Petrus zum Ananias sagt: "Warum hast du denn solches in deinen Herzen vorgenommen, daß du dem heiligen Geiste lögest; du hast nicht Menschen, sondern Gott gelogen," und was Paulus sagt, wo er von den geistlichen Gaben spricht: "Dies aber alles wirkt derselbe einige Geist und theilt einem jeglichen seines zu, nachdem er will"! Denn wer wirkt, nachdem er will, der ist augenscheinlich Niemandem unterthan. - Als aber Ansovald zu König Chilperich kam, erschien auch alsbald eine Gesandtschaft aus Spanien, und nachdem sie von Chilperich auch zu Childebert gegangen war, kehrte sie nach Spanien zurück.

29. Von den Jungfrauen im Kloster zu Poitiers.
 

Aus Spanien kehrte eine Gesandtschaft zurück, brachte aber keine bestimmte Antwort mit, weil Leuvigild noch gegen seinen älteren Sohn im Felde lag.

Im Kloster der heiligen Radegunde starb dazumal eine Jungfrau, mit Namen Disciola, eine Nichte des heiligen Salvius, Bischofs von Albi, auf folgende Weise. Seit dem Anfange ihrer Krankheit warteten ihrer die andren Schwestern mit großer Sorgfalt, als aber der Tag kam, wo sie vom Leibe abscheiden sollte, sprach sie zu ihnen um die neunte Stunde: "Sehet, ich fühle mich schon leichter und empfinde keinen Schmerz; ich bedarf eurer Liebe jetzt nicht mehr, und es ist nicht nöthig, daß ihr euch Sorge um mich macht. Verlasset mich also lieber, daß ich desto leichter Schlaf gewinne." Auf diese Worte gingen die Schwestern ein wenig aus der Zelle und kehrten nicht lange danach zurück. Sie stellten sich dann um sie herum und warteten, ob sie ein Wort von ihr vernähmen. Sie aber breitete die Hände aus und flehte einen Unsichtbaren um seinen Segen an. "Segne mich, sagte sie, heiliger Diener des erhabenen Gottes, denn siehe schon zum dritten Mal hast du heut um meinetwillen Noth; was duldest du, Heiliger, umeines armen schwachen Weibes willen so vielfache Kränkung?" Sie fragten sie, an wen sie diese Worte richte, sie aber antwortete Nichts. Nach längerer Zeit rief sie dann mit lauter Stimme und lachte und gab so ihren Geist auf. Und siehe, es war da gerade ein Besessener, der war herbeigekommen, um gereinigt zu werden zum Ruhme des heiligen Kreuzes; der zerraufte sich das Haar, warf sich auf die Erde und schrie: "Wehe, wehe, wehe über uns, daß wir solchen Schaden erlitten! Hätten wir doch früher die Sache erwägen können, dann wäre diese Seele nicht unserer Macht entrissen! " Da ihn aber die fragten, welche zugegen waren, was er mit solcher Rede sagen wolle, gab er zur Antwort: "Sehet da, der Engel Michael hat die Seele dieser Jungfrau empfangen und sie gen Himmel geführt. Unser Gebieter aber, den ihr den Teufel nennt, hat keinen Theil an ihr." Darauf wurde der Leichnam gewaschen, und er war so blendend und schneeweiß, daß die Aebtissin kein Leinenzeug in ihrem Vorrath finden konnte, daß weißer gewesen wäre als der Leichnam. Nachdem man sie aber in reine Linnen gehüllt hatte, bestattete man sie.

Es hatte aber noch eine andere Jungfrau in jenem Kloster ein Gesicht und erzählte es ihren Schwestern. Es war ihr, sagte sie, als ob sie eine Reise mache, und es verlangte sie, auf ihrem Wege zu einer lebendigen Quelle zu kommen. Da sie aber den Weg nicht wußte, kam ihr ein Mann entgegen und sprach: "Wenn du zu der lebendigen Quelle kommen willst, so werde ich dir auf dem Wege vorangehen." Sie dankte ihm, er ging voran, und sie folgte. So schritten sie fürder und kamen endlich zu einer großen Quelle, deren Wasser glänzte wie Gold, und der Rasen herum strahlte im Frühlingsglanze wie allerhand Edelsteine. Da sagte der Mann zu ihr: "Siehe, das ist die lebendige Quelle, die du so emsig gesucht. Stille nun deinen Durst aus ihren Fluthen, und sie wird dir eine Quelle lebendigen Wassers werden, das in das ewige Leben quillet." Und da jene begierig von dem Wasser trank, siehe, da kam von der andren Seite die Aebtissin, entkleidete das Mädchen und zog ihr ein königliches Gewand an, das strahlte vonsolchem Glanz, Gold und Geschmeide, daß man es kaum für möglich hielt. Die Aebtissin aber sprach: "Dein Bräutigam schickt dir diese Geschenke." - Durch diesen Traum wurde die Jungfrau im innersten Herzen ergriffen und bat wenige Tage darauf die Aebtissin, sie möchte ihr eine Zelle bereiten, wo sie fortan abgeschlossen leben könne. Diese richtete es sofort aus und sprach: "Siehe, die Zelle ist bereit, was ist nun dein Wille?" Die Jungfrau aber bat, sie möchte sie dort einschließen lassen. Als ihr dies gewährt war, versammelten sich die Schwestern unter Chorgesang mit brennenden Lampen, die heilige Radegunde nahm sie selbst bei der Hand und führte sie bis zu der Zelle. Hier sagte sie Allen Lebewohl, küßte jede einzeln und wurde dann eingeschlossen. Der Zugang, durch den sie eintrat, wurde vermauert. In ihrer Zelle dort verlebt sie nun ihre Tage im Gebet und in dem Lesen der heiligen Schriften.

33. Von Heuschrecken, Krankheiten und Wundererscheinungen.
 

Im neunten Jahre König Childeberts gab König Gunthramm selbst seinem Neffen seinen Antheil von Marseille zurück. Es kehrten Gesandte König Chilperichs aus Spanien heim und erzählten, daß die Carpitanische Provinz schrecklich von Heuschrecken verwüstet sei, kein Baum, kein Weinstock, kein Busch, keine Feldfrucht, Nichts Grünes sei übrig geblieben, das die Heuschrecken nicht zu Grunde gerichtet hatten. Sie meldeten auch, daß die Feindschaft, welche zwischen Leuvigild und seinem Sohne ausgebrochen war, noch sehr im Wachsen sei. Auch verödeten viele Gegenden dort durch die Pest, welche besonders zu Narbonneungewöhnlich stark wüthete und zwar schon im dritten Jahre, nachdem sie zuerst aufgetreten war, und als sie schon so weit beseitigt schien, daß die Leute von der Flucht zurückkehrten. Sie wurden nun aber zum zweiten Mal von der Krankheit heimgesucht. Auch die Stadt Albi litt sehr durch diese Seuche.
In diesen Tagen wurden nach Norden um Mitternacht viele Strahlen sichtbar, die in sehr hellem Glanze leuchteten, sich näherten und dann wiederum trennten, bis sie verschwanden. Auch glänzte der ganze Himmel dabei gegen Norden so hell, daß man hätte glauben sollen, die Morgenröthe breche an.
 

34. Wie Chilperich einen Sohn verlor.
 

Wie Chilperich seinen Sohn, den er Theoderich genannt hatte, verlor.
 

Abermals kamen Gesandte aus Spanien an. Sie überbrachten Geschenke und verhandelten mit König Chilperich darüber, daß er seine Tochter nach früherer Uebereinkunft dem Sohne König Leuvigilds zur Ehegeben sollte. Danach als die Verhandlung beendigt und Alles abgemacht war, kehrte jener Gesandte zurück. Als König Chilperich aber Paris verließ und nach dem Gau von Soissons kam, betraf ihn ein neuer Verlust. Sein Sohn nehmlich, den er im vorigen Jahr durch die heilige Taufe von der Sünde hatte reinigen lassen, wurde von der Ruhr befallen und starb. Dies also verkündigte jener helle Glanz, der, wie wir oben erzählt haben, sich aus den Wolken ergoß. Darauf kehrten die Eltern unter unsäglichem Jammer nach Paris zurück und begruben den Knaben, schickten auch sogleich nach dem Gesandten, er möchte zurückkehren und die Ausführung des Abkommens, das er getroffen hatte, noch aufschieben. "Siehe, ich trage Trauer in meinem Hause, sagte der König, wie kann ich da die Hochzeit meiner Tochter feiern?"

Er wollte aber damals eine andere seiner Töchter nach Spanien schicken, welche ihm Audovera geboren und die er in das Kloster zu Poitiers gebracht hatte. Aber sie weigerte sich, besondersweil die heilige Radegunde dawider war und sprach: "Es gebührt sich nicht, daß eine Christus geweihte Jungfrau wiederum zu der Lust der Welt zurückkehre."

40. Wie wir uns mit einem Irrgläubigen stritten.
 

Es kam aus Spanien ein Gesandter, Namens Oppila, und überbrachte König Chilperich viele Geschenke. Denn es besorgte der König von Spanien, Childebert möchte mit einem Heere aufbrechen, um die seiner Schwester angethane Unbill zu rächen. Es hatte nehmlich Leuvigild seinen Sohn Hermenegild, der die Schwester Childeberts zur Ehe hatte, ergriffen und in Banden gelegt, diese seine Gemahlin aber war in den Händen der Griechen geblieben.
Als nun am Ostertage dieser Gesandte nach Tours kam, fragte ich ihn, ob er unsres Glaubens sei. Er antwortete, er glaube dasselbe, was die Rechtgläubigen bekennen. Darauf ging er mit uns in die Kirche und wohnte der Feier der Messe bei, aber er gab den Unsrigen nicht den Friedenskuß, noch nahm er an dem Abendmahl Theil. Da war es klar, daß es eine Lüge war, wenn ersich für einen Rechtgläubigen ausgegeben hatte. Dennoch folgte er unsrer Einladung und kam zum Festmahl. Und da ich ihn hier eifrig fragte, was er glaube, antwortete er: "Ich glaube, daß der Vater und der Sohn und der heilige Geist von gleicher Macht sind." Darauf sagte ich: "Wenn du dies glaubst, wie du behauptest, was hinderte dich denn, an dem Opfer theilzunehmen, das wir Gott darbringen?" Er sagte: "Weil ihr das Gloria nicht richtig sagt. Denn wir sagen nach dem Apostel Paulus: "Ehre sei Gott, dem Vater, durch den Sohn!" Ihr aber sagt: "Ehre sei Gott, dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste!" während die Kirchenlehrer doch lehren, daß der Vater durch den Sohn in der Welt verkündet sei, wie Paulus selbst spricht: "Aber Gott, dem ewigen Könige, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren und allein Weisen, sei Ehre und Preis in Ewigkeit durch Jesum Christum unsren Herrn."" Ich antwortete ihm: "Daß der Vater durch den Sohn verkündet ist, wird wohl keinem Rechtgläubigen unbekannt sein, aber so verkündete er den Vater in der Welt, daß er auch sich selbst durch seine Wunder als Gott offenbarte. Und es war nothwendig, daß der Vater den Sohn auf die Erde sandte, die Gottheit zu offenbaren, auf daß, weil die Welt den Patriarchen, Propheten und selbst dem Gesetzgeber nicht geglaubt hatte, sie dem Sohne mindestens glaube. Deshalb muß unter Bezeichnung der Personen Gott die Ehre gegeben werden, und wir sprechen also: "Ehre sei Gott dem Vater, der den Sohn sandte; Ehre Gott dem Sohne, der mit seinem Blute die Welt erlöste, Ehre Gott dem heiligen Geiste, der die bereits erlösten Menschen heiliget." Du aber, wenn du sprichst: "Ehre sei dem Vater durch den Sohn," nimmst dem Sohne die Ehre, gleich als ob er deshalb nicht die Ehre mit dem Vater theile, weil er ihn in der
Welt verkündiget. Es verkündete, wie ich sagte, der Sohn den Vater in der Welt, aber Viele glaubten ihm dennoch nicht, wie der Evangelist Johannes sagt: "Er kam in sein Eigenthum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf, wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben." Du aber, der du den Apostel Paulus schmähst, ohne den Sinn seiner Worte zu verstehen, achte doch darauf, wie behutsam er spricht und nach dem Verständniß eines jeden; beachte, wie er unter den ungläubigen Heiden so prediget, daß Niemandem eine drückende Last auferlegt zu werden scheine, wie er sogar zu Einigen sagt: "Milch habe ich euch zu trinken gegeben und nicht Speise, denn ihr konntet noch nicht; auch könnet ihr noch jetzt nicht. Den Vollkommenen aber gehöret starke Speise." Zu Andren spricht er: "Ich habe Nichts unter euch geprediget ohne allein Jesum Christum, den Gekreuzigten." Wie aber, willst du etwa deshalb, Irrgläubiger, daran zweifeln, daß Christus auferstanden ist, weil Paulus allein den gekreuzigten Christus predigte? Beachte doch lieber seine Behutsamkeit und merke auf seine Klugheit. Und wie spricht er zu Andren, die er fester im Glauben sah: "Und ob wir auch, sagt er, den gekreuzigten Christus gekannt haben, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr." Leugne also immerhin, du Ankläger Pauli, wenn du so verblendet bist, auch daß Christus gekreuzigt ist. Aber ich bitte dich vielmehr, bleibe nicht auf diesem Wege, sondern höre auf besseren Rath, salbe deine triefenden Augen und laß das Licht der apostolischen Predigt in deine Seele dringen! Denn nur um der Menschen willen läßt Paulus sich in seinen Worten herab, daß er sie auf die Stufen des höheren Glaubens hebe, wie er selbst an einer anderen Stelle sagt: "Ich bin jedermann allerlei geworden, auf daß ich allenthalben ja etliche selig mache." Und kann wohl ein sterblicherMensch dem Sohne die Ehre versagen, den der Vater nicht einmal, sondern zwei- und dreimal vom Himmelsthron herab verherrlicht hat? Denn höre seine Worte vom Himmel, als der Sohn von der Hand des Johannes getauft wurde, während der heilige Geist herabstieg: "Dies ist, sagt er, mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe." Und wenn deine Ohren verstopft sind, daß du solches nicht hörst, so glaube mindestens den Aposteln, was sie auf dem Berge vernahmen, als Jesus verkläret mit Moses und Elias redete. Aus einer lichten Wolke nehmlich sprach derVater: "Dies ist mein lieber Sohn, den sollt ihr hören ."" - Hierauf antwortete der Irrgläubige: "In allen diesen Stellen spricht der Vater nicht von der Ehre und Verklärung des Sohnes, sondern offenbart ihn nur als den Sohn." Darauf ich: "Wenn du das meinst, so will ich dir eine andre Stelle anführen, in welcher der Vater den Sohn verkläret hat. Wie der Herr in sein Leiden ging und sprach: "Vater, verkläre deinen Sohn, auf daß dich dein Sohn auch verkläre," was antwortete ihm der Vater vom Himmel? Sagte er nicht: "Ich habe ihn verkläret und will ihn abermals verklären." Der Vater giebt ihm also die Ehre mit eigenem Munde, und du willst ihm die Ehre entziehen? Du möchtest das wohl, aber es fehlt dir an Macht dazu. Denn du, der du als Ankläger des Apostels Paulus auftrittst, höre, wie er selbst, oder vielmehr Christus durch ihn, spricht: "Alle Zungen sollen bekennen, daß Jesus Christus der Herr sei in der Herrlichkeit Gottes des Vaters." Wenn er nun gleiche Herrlichkeit mit dem Vater hat und in derselben Herrlichkeit thronet, wie der Vater, was nimmst du ihm denn seine Ehre, gleich als sei er ohne Herrlichkeit? Oder warum soll ihm unter den Menschen nicht die Ehre erwiesen werden, da er doch in gleicher Herrlichkeit mit dem Vater in dem Himmel thront? Wir bekennen, daß Christus, der Sohn Gottes, wahrer Gott ist, und deshalb weil die göttliche Natur in ihnen eine und dieselbe ist, muß auch ihr Ruhm einer und derselbe sein." Hierauf schwiegen wir und der Streit wurde abgebrochen. Jener begab sich zu König Chilperich, übergab die Geschenke, welche der König von Spanien sandte, und kehrte nach Spanien zurück.

43. Von den Königen von Gallicien.
 

Auch in Gallicien traten damals neue Ereignisse ein, von denen wir in weiterem Zusammenhange erzählen wollen. Als nehmlich Hermenegild, der, wie wir oben erzählt haben, mit seinem Vater in Hader gerathen war, in einer Stadt Spaniens mit seiner Gemahlin seinen Sitz genommen und sich mit dem Kaiser und dem Könige Mir von Gallicien in Verbindung eingelassen hatte, erfuhr, daß sein Vater mit einem Heere gegen ihn anrücke, hielt er Rath, wie er ihn bei seinem Anzuge zurückschlagen oder tödten könne. Der Unglückliche bedachte nicht, daß er Gottes Gericht herausforderte, wenn er gegen seinen Vater, ob dieser auch im Irrglauben war, solches im Sinne führte. Nach gepflogenem Rathe wählte er aus den vielen Tausenden seiner Leute dreihundert Bewaffnete aus und warf sie in die feste Burg Osser, in deren Kirche sich die Quellen auf wunderbare Weise füllen. Sein Vater sollte von dieser Schaar beim ersten Angriff in Furcht gehalten und geschwächt werden, so daß ihn dann um so leichter die schlechter bewaffnete Mannschaft, die sehr zahlreich war, besiegen könnte. Als Leuvigild diesen schlauen Plan in Erfahrung gebracht hatte, war er lange in Ungewißheit, was er thun solle. "Wenn ich, sagte er, gegen jene Feste mit meinem ganzen Heere aufbreche, so wird mein auf eine Stelle zusammengedrängtes Heer von den Geschossen der Feinde auf das schrecklichste zugerichtet werden; greife ich sie aber mit Wenigen an, so kann ich jene tapferen Männer nicht überwinden." Dennoch zog er mit seiner ganzen Macht hin, und als er den Ort nahm, rieb er die Mannschaft auf und steckte die Burg in Brand, wie schon oben erzählt ist.

Nachdem er so den Sieg gewonnen hatte, erfuhr er, daß König Mir gegen ihn mit einem Heere im Felde liege. Es gelang ihm aber, ihn zu umzingeln, und er nahm ihm einen Eid ab, daß er in Zukunft es mit ihm halten werde. Darauf gaben sie sich gegenseitig Geschenke, und jeder kehrte in seine Heimath zurück. Mir legte sich aber, als er wieder zu Hause angelangt war, wenige Tage nachher zu Bett und starb. Denn er war von dem schlechten Wasser und der ungesunden Luft Spaniens erkrankt. Nach seinem Tode bewarb sich sein Sohn Eurich um die Freundschaft König Leuvigilds, leistete denselben Eid wie sein Vater und erhielt das Reich von Gallicien.

In diesem Jahre nun zog sein Verwandter Audica - er war nehmlich mit Eurichs Schwester verlobt - mit Heeresmacht gegen ihn aus, bemächtigte sich seiner Person, machte ihn zum Geistlichen und ließ ihm die Weihe als Diakon und Priester ertheilen. Audica selbst vermählte sich dann mit der Gemahlin seines Schwähers und gewann die Herrschaft über Gallicien.

Leuvigild nahm aber seinen Sohn Hermenegild gefangen, führte ihn mit sich nach Toledo und verurtheilte ihn zur Verbannung, die Gemahlin desselben konnte er jedoch nicht den Händen der Griechen entreißen.

Buch VIII

28. Von Hermenegild und Ingunde.
 

 Von Hermenegild und Ingunde und den Gesandten aus Spanien, die heimlich zu Fredegunde geschickt wurden.
 

Ingunde war, wie wir oben erzählt haben, von ihrem Gemahl bei dem Heere des Kaisers zurückgelassen, und sollte darauf mit ihrem kleinen Sohne zum Kaiser gebracht werden, sie starb jedoch in Afrika und wurde dort begraben. Hermenegild, den Gemahl der Ingunde, ließ Leuvigild, sein Vater, tödten. Hierüber erzürnt, beschloß König Gunthramm ein Heer nach Spanien zu senden, auf daß es zuerst Septimanien, welches noch innerhalb der Gallischen Grenze liegt, seiner Herrschaft unterwürfe, dann aber weiter vorrückte. Während das Aufgebot erging, fand man bei einigen Leuten gewöhnlichen Schlags ein Schreiben, das man dem Könige übersandte, daß er davon Kenntniß nähme. Es war aber so abgefaßt, als ob es von Leuvigild an Fredegunde gerichtet wäre, und zwar in der Absicht, daß sie auf alle Weise den Zug des Heeres nach Spanien hintertreiben möchte. "Unsere Feinde, hieß es, Childebert nehmlich und seine Mutter, schafft schnell bei Seite und macht dann mit König Gunthramm Frieden. Erkaufet ihn mit Geld, und sollte es euch vielleicht daran mangeln, so schicken wir es euch heimlich; nur richtetdas ins Werk, warum wir euch bitten. Haben wir uns an unsren Feinden gerächt, so erweiset euch freigebig gegen Bischof Amelius und die Frau Leuba, denn sie bieten unsren Boten die Gelegenheit, zu euch zu kommen." Leuba ist nehmlich die Schwiegermutter des Herzogs Bladast.

30. Wie das Heer nach Septimanien zog.
 

König Gunthramm ließ das Heer gegen Spanien aufbieten und sprach also: "Zuerst unterwerfet das Land Septimanien unserer Herrschaft, es liegt Gallien nahe, und unwürdig ist es, daß die Macht der abscheulichen Gothen sich bis in das Gallische Land erstrecke." Darauf trat das ganze Heer seines Reichs zusammen, und er sandte es dorthin. Die Völker aber, welche jenseits Saône, Rhône und Seine wohnen, stießen zu den Burgundern und richteten längst der Ufer der Saône und Rhone an den Feldfrüchten und Heerden großen Schaden an. Sie mordeten, brannten und heerten in des Königs eigenem Lande, beraubten sogar die Kirchen und tödteten Geistliche sammt Bischöfen, wie auch viel anderes Volk an den geweihten Altären; so rückten sie bis zur Stadt Nîmes vor. Gleiche Gräuel vollführten auch die von Bourges, Saintes, Périgueux, Angoulême und das Volk aus den übrigen Städten, die damals unter der Herrschaft Gunthramms standen, und drangen bis zur Stadt Carcassonne vor. Als sie zu dieser Stadt kamen, öffneten ihnen die Einwohner freiwillig die Thore, und sie zogen ein ohne Widerstand zu finden. Darauf brach aber ein Streit mit denen von Carcassonne aus, und sie verließen wiederum die Stadt. Damals kam Terentiolus, der früher Graf der Stadt Limoges gewesen war, durch einen Steinwurf von der Mauer um. Seine Feinde hieben ihm, um Rache an ihm zu nehmen, das Haupt ab und brachten es in die Stadt. Dies erfüllte das ganze Heer mit Schrecken. Sie beschlossen daher zur Heimath zurückzukehren und ließen Alles zurück, was sie auf dem Wege genommen oder mit sich von Hause gebracht hatten. Aber die Gothen überfielen noch Viele von ihnen aus einem Hinterhalt, zogen sie aus und erschlugen sie. Darauf fielen sie auf dem Heimweg in die Hände derer von Toulouse, denen sie auf dem Hinmarsch viel Uebles zugefügt hatten, und, geplündert und hart mitgenommen, konnten sie nur mit Mühe in die Heimath gelangen.

Die aber, die Nîmes angegriffen hatten, verwüsteten die ganze Umgegend, steckten die Häuser in Brand, sengten die Saaten ab, hieben die Oehlbäume um und zerstörten die Weinberge. Dennoch konnten sie den Belagerten Nichts anhaben und zogen deshalb zu andren Städten weiter. Diese waren aber sehr fest und mit Speise und andren Lebensbedürfnissen vollauf versehen. Daher verheerten sie zwar die Feldmarken dieser Städte, konnten aber in diese selbst nicht eindringen. Damals belagerte auch Herzog Nicetius, der mit den Arvernern zu diesem Zuge aufgebrochen war, mit den Andren die erwähnten Städte. Da er aber hier wenig ausrichten konnte, zog er ab, kam zu einer festen Burg in jener Gegend und belagerte sie. Die Bewohner öffneten, als man ihnen Sicherheit gelobt hatte, freiwillig die Thore und nahmen die Leute des Nicetius leichtgläubig wie gute Freunde auf. Aber sobald diese eingezogen waren, achteten sie ihres Versprechens nicht, plünderten alle Vorräthe, die sie fanden, und machten die Einwohner zu Gefangenen. Darauf hielten sie Rath und kehrten in die Heimath zurück. Und so viel Gräuel, Mordthaten, Raub und Plünderung verübten sie im eigenen Lande, daß sie vollständig zu erzählen viel zu weit führen würde. Da jedoch, wie wir schon oben erzählt haben, die Saaten in der Provence von ihnen selbst mit Feuer verheert waren, kamen nun Viele durch Mangel und Hunger um und blieben todt auf dem Wege liegen. Manche ertranken auch in den Flüssen, sehr viele wurden bei Zwistigkeiten erschlagen. Mehr als fünftausend sollen auf diese unglückliche Weise umgekommen sein. Dennoch warnte ihr Ende nicht diejenigen, die am Leben blieben. Damals wurden auch die Kirchen im Gebiet von Arvern, die nahe der Heeresstraße lagen, ihrer heiligen Geräthe beraubt, und es war kein Ende der Gräuel, bis sie alle in ihre Heimath gelangt waren. Als sie so zurückkehrten, wurde das Gemüth König Gunthramms mit bitterem Zorn erfüllt, und die Führer des Heeres flüchteten sich zu der Kirche des heiligen Märtyrers Symphorianus.

Da der König zum Fest des Heiligen dorthin kam, ließ er sie sich unter der Bedingung wieder vorstellen, daß sie ihm in Zukunft noch Rechenschaft geben sollten. Nach vier Tagen versammelte er seine Bischöfe und vornehme Männer aus dem Laienstande und begann vor ihnen die Herzoge zur Rede zu stellen. "Wie, sagte er, können wir in unsren Tagen den Sieg gewinnen, wenn wir nicht bewahren, was unsere Väter beobachtet haben? Sie bauten Kirchen, setzten alle ihre Hoffnung auf Gott, verehrten die Märtyrer und hielten die Priester in Ehren; so gewannen sie den Sieg, und mit Schwerdt und Schild unterwarfen sie sich oftmals unter Gottes Beistand die Feinde, die ihnen widerstanden. Wir aber fürchten nicht nur Gott nicht, sondern verheeren auch seine Tempel, tödten seine Diener, plündern und zerstören sogar, um unsren Spott damit zu treiben, die Reliquien der Heiligen. Wo so gesündigt wird, kann der Sieg nicht gewonnen werden. Deshalb sind unsere Hände schwach, das Schwerdt ist stumpf und der Schild deckt und schützt uns nicht mehr, wie er einst that. Fällt nun dies Alles mir zur Last, so möge Gott seine Strafe auf mein Haupt senden. Wenn aber ihr die Gebote eures Königs nicht achtet und das zu vollführen säumet, was ich euch gebiete, so soll die Axt auf euer Haupt fallen. Denn es wird ein warnendes Beispiel für das ganze Heer sein, wenn der Vornehmen Einer den Tod erleidet. Wir müssen an das denken, was die Noth erfordert. Wer also das Rechte thun will, der thue es; wer es aber außer Acht läßt, auf dessen Haupt komme die Strafe des Gesetzes. Denn besser ist es, daß wenige Ungehorsame verderben, als daß die Rache Gottes über dies ganze unschuldige Land komme." So sprach der König und es antworteten die Herzoge: "Wie groß, bester König, deine Güte, deine Gottesfurcht, deine Liebe für die Kirchen, deine Ehrfurcht vor den Bischöfen, deine Milde gegen die Armen und deine Freigebigkeit gegen die Bedürftigen ist, möchte nicht leicht Jemand aussagen können. Aber wenn wir auch Alles, was du, ruhmreicher Herr, sagst, für wahr und richtig halten, sprich, was können wir thun, da ja das ganze Volk verderbt ist und jeder seine Lust daran hat zu thun, was unrecht ist? Niemand scheut den König, Niemand achtet den Herzog, Niemand den Grafen. Und wenn dies vielleicht Einem von uns mißfällt und er es um deines Wohls und langen Lebens willen zu bessern sucht, sogleich entsteht Aufruhr, sogleich Empörung im Volke, und so weit vergißt sich jeder im wüthenden Hader gegen seinen Oberen, daß dieser kaum mit dem Leben davonzukommen hoffen darf, wenn er nicht endlich doch zu schweigen vermag." Hierauf antwortete der König: "Wer das Rechte thut, lebe, wer aber gegen das Gesetz und unsren Befehl handelt, den treffe der Tod, auf daß diese Schmach nicht ferner über uns komme."

Als er noch so sprach, kam ein Bote und meldete: "Richared, Leuvigilds Sohn, ist von Spanien aufgebrochen, hat die Feste Cabaret genommen, den größten Theil des Bezirks von Toulouse verwüstet und dieEinwohner in die Gefangenschaft geführt. Dann hat er die Burg Ugernum im Gebiet der Provence von Arles überfallen, die Menschen mit allen ihren Habseligkeiten fortgeschleppt und endlich sich in die Stadt Nîmes geworfen und dort eingeschlossen." Als der König dies vernahm, ernannte er Leudegisil an Stelle des Calumniosus, mit dem Beinamen Aegila, zum Herzog, übergab ihm die ganze Provence von Arles und ließ viertausend Mann als Wachtmannschaften an den Grenzen aufstellen. Auch machte sich Nicetius, der Herzog der Arverner, mit Wachtmannschaften auf den Weg und umstellte die Grenzen des Landes.
 

31. Von der Ermordung des Bischofs Prätextatus.
 

Indessen hielt sich Fredegunde in der Stadt Rouen auf. Sie ließ hier gegen Bischof Prätextatus Worte voll bittren Hasses laut werden und sagte, es würde einst die Zeit kommen, wo er die Verbannung, welche er erduldet hatte, abermals sehen würde.Da sprach jener: "Ich war immerdar, verbannt oder nicht verbannt, Bischof, bin es und werde es bleiben, aber du wirst nicht immer deine königliche Macht besitzen. Wir gelangen durch die Verbannung nach Gottes Gnade zu seinem Reiche, du aber wirst von diesem Reiche in die Hölle hinabgestoßen werden. Aber es wäre dir besser, daß du von deiner Thorheit und Bosheit ließest, und dich endlich zum Besseren wendetest. Lege den Hochmuth ab, in dem sich dein Herz aufbläht, auf daß du das ewige Leben erlangest und das Söhnlein, das du geboren hast, zu mündigem Alter erziehen kannst." Da er solches sagte, zürnte ihm das Weib sehr
und ging fort, bittren Groll im Herzen.

Als aber der Tag der Auferstehung des Herrn anbrach, begab sich der Bischof früh zur Kirche und stimmte nach seiner Gewohnheit und dem Brauche gemäß selbst die Antiphonien an. Und da er während des Singens sich auf eine Kniebank niederließ, trat ein verruchter Mörder heran, zog das Schwerdt vom Leder und verwundete den Bischof, der auf der Bank kniete, unter der Achsel. Dieser stieß einen Schrei aus, daß die Geistlichen, die um ihn waren, ihm zur Hülfe kämen, aber Keiner von so Vielen, die zugegen waren, eilte herbei. Da streckte er seine blutigen Hände nach dem Altar aus, betete und dankte Gott, bis er von seinen Dienern in sein Gemach getragen und auf sein Bette gelegt wurde. Und alsbald erschien Fredegunde selbst mit Herzog Beppolen und Ansovald und sprach: "Dies hatte, o heiliger Bischof, uns und deiner ganzen Gemeine nimmer widerfahren sollen, daß dir in deinem heiligen Amt solches zustieße. Möchte es doch an den Tag kommen, wer dies zu thun sich erfrechte, daß er die gebührende Strafe für sein Verbrechen empfange."
Der Bischof wußte aber recht wohl, wie sie voll Arglist Solches redete, und sprach: "Wer es gethan hat? Derselbe, der unsere Könige getödtet, so oft unschuldiges Blut vergossen und so vielfache Gräuel in diesem Reiche verübt hat." Da sprach das Weib: "Ich habe sehr erfahrene Aerzte, die deine Wunde heilen werden. Erlaube, daß sie dich besuchen." "Mich, gab er ihr zur Antwort, will Gott jetzt aus dieser Welt abrufen. Du aber, von der alle diese Gräuel ausgingen, wirst in Ewigkeit verflucht sein, und Gott wird mein Blut an deinem Haupte rächen." Da ging sie von dannen; der Bischof aber beschickte sein Haus und verschied.
Zu seiner Bestattung kam Bischof Romachar von Coutances. Es war eine große Trauer unter allen Bürgern von Rouen und besonders unter den fränkischen Vornehmen der Stadt. Von diesen kam Einer zu Fredegunde und sprach: "Viel Böses hast du in dieser Welt schon angestiftet, aber bisher hast du nichts Schlimmeres gethan, als dies, daß du den Bischof Gottes ermorden ließest. Möge Gott bald dies unschuldige Blut an dir rächen! Wir Alle wollen diesem Verbrechen nachspüren, daß es dir nicht länger ungestraft freistehe, solche Grausamkeiten zu vollführen." Als er dies gesagt hatte, verließ er die Königin, sie aber sandte ihm jemand nach, um ihn zum Mahle einzuladen. Er schlug es ab. Da ließ sie ihn bitten, wenn er das Mahl nicht bei ihr einnehmen wollte, möchte er mindestens einen Becher leeren, auf daß er doch nicht, ohne etwas genossen zu haben, den königlichen Pallast verließe. Er blieb, nahm einen Becher und trank daraus Wermuth, mit Wein und Honig gemischt, wie die Franken es lieben. Aber dieser Trank war vergiftet. Sobald er getrunken hatte, fühlte er einen heftigen Schmerz seine Brust bedrängen, es war ihm, als ob ihm im Innern Alles durchschnitten würde. Da rief er den Seinigen zu: "Fliehet, Unselige, fliehet dies Scheusal, daß ihr nicht von ihr ermordet werdet, gleich mir." Da tranken sie nicht, sondern beeilten sich das Haus zu verlassen. Ihm aber wurde es schwarz vor den Augen, er bestieg sein Roß und sank beim dritten Stadium vor der Stadt nieder und starb.

Darauf sandte Bischof Leudovald an alle Bischöfe Schreiben, und schloß, nachdem er ihren Rath eingeholt hatte, die Kirchen von Rouen, auf daß das Volk in ihnen keinen Gottesdienst mehr feiern sollte, bis durch gemeinsame Nachforschung der Urheber dieses Frevels entdeckt wäre. Er ließ auch Einige ergreifen, die er auf die Folter spannte und so zum Geständniß zwang, daß dies auf Anstiften Fredegundens geschehen sei. Da sie es aber leugneten, konnte er sie nicht bestrafen. Man erzählte, daß auch an ihn sich Mörder gemacht hätten, deshalb weil er nicht nachließ der Sache nachzuforschen, da er aber von den Seinigen sorgsam bewacht wurde, konnten sie ihm Nichts anhaben.

Als dies König Gunthramm hinterbracht wurde und man den Verdacht auf Fredegunde wälzte, sandte er an ihren Sohn, der Chilperichs Kind sein soll und, wie oben erwähnt, Clothar genannt wurde, drei Bischöfe ab, Artemius von Sens, Veranus von Cavaillon und Agrecius von Troyes, daß sie mit den Erziehern des Kindes der Person, die diesen Frevel angerichtet, nachspüren und sie zu ihm bringen sollten. Als die Bischöfe ihre Botschaft angebracht hatten, antworteten die Edlen Chlothars: "Uns mißfallen solche Thaten ganz und gar, und wir wünschen Nichts sehnlicher, als daß sie ihre Strafe finden. Aber das kann nicht geschehen,daß wenn Einer hier unter uns schuldig befunden werden sollte, man ihn vor euren König bringe, denn wir selbst können die Frevel der Unsrigen in königlicher Vollmacht strafen." Darauf antworteten die Bischöfe: "So wisset also, daß wenn die Person, die sich dies erfrecht hat, nicht ausgeliefert wird, unser König mit seinem Heere kommen und dieses ganze Land mit Feuer und Schwerdt verwüsten wird, denn es ist offenkundig, daß es dieselbe ist, die den Bischof mit dem Schwerdte ermorden ließ, die durch Giftmischerei den Franken umbrachte." Hierauf gingen sie von dannen, ohne eine ordentliche Antwort erhalten zu haben, sie geboten aber ausdrücklich, daß niemals Melanius, der schon zuvor in die Stelle des Prätextatus eingesetzt war, eine bischöfliche Handlung in jener Kirche verrichten dürfe.

35. Von den Gesandten aus Spanien.
 

Es kamen Gesandte aus Spanien zu König Gunthramm mit vielen Geschenken und baten um Frieden; sie erhielten jedoch keine bestimmte Antwort. Denn im vorigen Jahre waren, als das Heer Septimanien verheerte, Schiffe, welche aus Gallien nach Gallicien ausgelaufen waren, auf Befehl König Leuvigilds zerstört, die Sachen weggenommen, die Menschen theils gemißhandelt und getödtet, theils gefangen fortgeführt worden. Nur Wenige von ihnen waren mit genauer Noth auf Nachen entkommen und hatten daheim, was geschehen war, gemeldet.

Wie die Spanier in Gallien einfielen.

Im elften Jahre König Childeberts kamen abermals Gesandte aus Spanien und baten um Frieden, aber auch sie kehrten ohne eine bestimmte Antwort nach Spanien zurück. Richared, Leuvigilds Sohn, drang darauf bis nach Narbonne vor und plünderte in dem Gallischen Gebiet, zog sich jedoch dann heimlich zurück.

39. Vom Tode mehrerer Bischöfe.
 

In diesem Jahre starben viele Bischöfe. Unter ihnen auch Badegisil von Mans, ein Mann, der sehr hart gegen das Volk war und Vielen ungerechter Weise ihre Habe nahm und raubte. Seine an sich finstere und grausame Sinnesart verhärtete noch sein Weib, die noch schlimmer war und ihn durch die abscheulichsten Rathschläge zu vielen Schandthaten anreizte. Es ging kein Tag vorüber, kein Augenblick, wo er nicht damit umgegangen wäre, die Bürger zu berauben oder Händel aller Art mit ihnen anzufangen. Er wurde nicht müde, täglich mit den Richtern Streitsachen zu verhandeln, sich weltlichen Geschäften zu unterziehen, gegen die Einen zu toben, Andere mit Schlägen züchtigen zu lassen, er ging sogar so weit mit seinen eigenen Händen Viele zu schlagen. "Soll ich, sagte er, weil ich Geistlicher geworden bin, etwa nicht mehr das Unrecht rächen, das man mir anthut?" Wie kann dies bei Andren Wunder nehmen, da er nicht einmal seine eigenen Geschwister schonte, sondern die erst recht beraubte. Niemals konnten sie von ihm Gerechtigkeit wegen ihrer väterlichen oder mütterlichen Erbgüter erlangen. - Als er das fünfte Jahr seines Bisthums vollendet hatte und eben das sechste antreten wollte, und deshalb den Einwohnern der Stadt ein Gastmahl zugerichtet und sehr große Lustbarkeiten angestellt hatte, ergriff ihn plötzlich ein Fieber, und er beendete das Jahr, das er eben begonnen hatte, nur allzuschnell, denn es ereilte ihn der Tod. In seine Stelle wurde Berthramm, der Archidiakon von Paris, eingesetzt. Dieser hatte, wie man weiß, viele Streitigkeiten mit der Wittwe des Hinterlassenen, weil sie die Güter, welche bei Lebzeiten Bischof Badegisils der Kirche gegeben waren, als ihr Eigenthum zurückbehielt und sprach: "Es war eine Dienstentschädigung für meinen Mann." Aber, wie sehr sie sich auch sträubte, sie mußte doch Alles herausgeben. Dies Weib war unglaublich boshaft, oftmals schnitt sie Männern das Schaamglied mit der Bauchhaut ab und versengte den Weibern die Schaamtheile mit glühenden Blechen. Noch viele andere abscheuliche Dinge that sie, aber es ist besser, davon zu schweigen.

Auch der Bischof von Arles, Sabaudus, starb, und in seine Stelle wurde Licerius, der Kanzler König Gunthramms, berufen. Die Provence verheerte gerade damals eine schlimme Seuche. Es starb auch Evantius, Bischof von Vienne, dessen Stuhl der Priester Virus, der von vornehmer römischer Abkunft war, nach des Königs Bestimmung einnahm. Noch viele andere Bischöfe schieden in diesem Jahre aus dem Leben, aber ich will davon nicht weiter reden, weil sie, ein jeder in seiner Stadt, Denkmale ihres Wirkens zurückgelassen haben.

Hierauf erkrankte König Leuvigild von Spanien, und, wie Manche behaupten, empfand er noch Reue über seinen Irrglauben, gebot, Niemand solle fortan sich mehr zu demselben bekennen, trat zur rechtgläubigen Kirche über, beweinte sieben Tage lang unablässig Alles, was er in der Verstocktheit seines Herzens gegen Gott unternommen hatte, und hauchte dann den Athem aus. Sein Sohn Richared übernahm statt seiner die Regierung.

 Hier endet das achte Buch.
 

Buch IX
 

1. Von Richared und seinen Gesandten.
 

Nach dem Tode König Leuvigilds von Spanien schloß sein Sohn Richared mit Gunsvintha, der Wittwe seines Vaters, einen Freundschaftsbund und erkannte sie als seine Mutter an. Sie war nehmlich die Rechte Mutter der Königin Brunichilde, der Mutter Childeberts II., und Richared war König Leuvigild von einer andren Gemahlin geboren worden. Als dieser darauf mit seiner Stiefmutter Rath gepflogen, schickte er an König Gunthramm und Childebert Gesandte und sprach: "Haltet Frieden mit uns und laßt uns ein Bündniß schließen, auf daß wir eures Beistandes uns erfreuen und in gleicher Weise, wenn es die Noth erfordert, in Liebe und Freundschaft euch helfen und beistehen." Als nun die Gesandten, die an König Gunthramm geschickt waren, nach der Stadt Mâcon kamen, wurde ihnen befohlen hier Halt zu machen. Dorthin sandte der König einige Männer und erfuhr durch diese ihr Begehren, sie selbst wollte er nicht hören. Daraus erwuchs in der Folge eine solche Feindschaft zwischen ihnen, daß man Niemandem aus Gunthramms Reich erlaubte, in die Städte Septimaniens zu kommen. Die Gesandten an König Childebert wurden dagegen freundlich aufgenommen, sie brachten ihre Geschenke dar, erlangten Frieden und kehrten mit Geschenken zurück.

15. Von Richareds Bekehrung.
 

Zu dieser Zeit rief in Spanien König Richared, durch die Gnade Gottes bewogen, die Bischöfe seines Glaubens zusammen und sprach also: "Warum wuchert zwischen euch und den Bischöfen, welche sich die rechtgläubigen nennen, unablässig Hader und Zwietracht, und warum könnt ihr, da jene kraft ihres Glaubens Wunder thun, solche nicht vollbringen? Kommt, ich bitte euch, doch einmal mit ihnen zusammen und erörtert den Glauben beider Theile, daß man die Wahrheit so ermittele. Dann mögen entweder sie von euch belehrt werden und glauben, was ihr saget, oder ihr mögt die Wahrheit von ihnen annehmen und glauben, was sie predigen." Hierauf versammelten sich die Bischöfe von beiden Seiten, und die Irrgläubigen brachten jene Lehren vor, die wir schon öfters oben als die ihrigen bezeichnet haben. Und ebenso antworteten ihnen die Bischöfe unsres Glaubens mit den Gründen, mit denen so oft schon die Irrgläubigen, wie wir in den früheren Büchern dargethan haben, überwunden wurden. Und der König hielt besonders daran fest, daß wunderbare Krankenheilungen von den Bischöfen der Irrgläubigen nicht geschehen seien, und erinnerte sich, wie zu den Zeiten seines Vaters ein solcher Bischof, der sich rühmte durch seinen Irrglauben den Blinden das Augenlicht wiedergeben zu können, einen Menschen berührt und dadurch zu ewiger Blindheit verdammt hätte, selbst aber beschämt von dannen gezogen sei, wie wir dies ausführlich im Buche der Wunder erzählt haben. Deshalb berief der König die rechtgläubigen Bischöfe Gottes im Geheimen zu sich, besprach sich mit ihnen und erfuhr, daß der einige Gott, in drei Personen unterschieden, verehrt würde als Vater, Sohn und heiliger Geist und daß der Sohn nicht geringer sei als der Vater und der heilige Geist nicht geringer denn der Vater und der Sohn und daß man diese Dreifaltigkeit, Eins und gleich in ihrem Wesen und ihrer Macht, als wahren Gott bekenne. Da fand Richared die Wahrheit, sagte dem Hader ab und unterwarf sich der rechtgläubigen Kirche. Er empfing das Zeichen des heiligen Kreuzes und die Salbung mit dem Chrisma und glaubte an unsern Herrn Jesus Christus, Gottes Sohn, der gleich dem Vater und dem heiligen Geiste ist und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Darauf schickte Richared Gesandte in das Narbonensiche Land, daß sie meldeten, was er gethan hatte, und das Volk für denselben Glauben gewönnen. Es lebte aber dort zu dieser Zeit ein Bischof der Arianischen Secte, mit Namen Athaloch, der verstörte durch seine irrige Lehre und falsche Schriftauslegung dergestalt die Kirchen Gottes, daß man meinte, er sei Arius selbst, von dem der Geschichtsschreiber Eusebius aber erzählt, daß ihm die Eingeweide auf dem Abtritte aus dem Leibe gedrungen seien. Da dieser Bischof nun die von seiner Secte vom Glauben abhalten wollte, aber doch nur Wenige ihm anhingen und beistimmten, wurde er sehr zornig, zog sich in seine Zelle zurück, legte sein Haupt auf das Lager nieder und hauchte seine nichtswürdige Seele aus. Darauf bekannte das Volk der Irrgläubigen in dieser Provinz die untheilbare Dreifaltigkeit und verließ den Irrglauben.
 

16. Von seiner Gesandtschaft an unsern König.
 

Darauf schickte Richared eine Gesandtschaft an Gunthramm und Childebert um des Friedens willen, auf daß er in Liebe mit ihnen vereinigt sei, wie er versicherte, jetzt im Glauben mit ihnen eins zu sein. Die Gesandten wurden aber von König Gunthramm zurückgewiesen. "Wie können, sagte er, mir die Treue versprechen oder bei mir Glauben finden, die meine Nichte Ingunde der Gefangenschaft überantwortet haben, durch deren Hinterlist ihr Gemahl getödtet und sie selbst in der Fremde gestorben ist? Ich empfange deshalb die Gesandten Richareds nicht eher, als bis mich Gott hat Rache an diesen meinen Feinden nehmen lassen." Als dies die Gesandten hörten, begaben sie sich zu Childebert, der sie freundlich aufnahm, und sprachen: "Unser Herr, dein Bruder Richared, will sich von der Beschuldigung, die ihm zur Last gelegt wird, daß er nehmlich um den Tod eurer Schwester gewußt habe, rechtfertigen. Er kann sich hiervon durch einen Eid, wenn ihr es wünscht, oder auf jede andere Weise reinigen. Ferner will er euch, gnädiger König, zehntausend Goldgulden geben, um mit euch Frieden und Freundschaft zu haben, daß er sich eures Beistands getrösten könne, wie ihr, wenn es noth sein sollte, seine Dienste in Anspruch nehmen möget." Da sie so sprachen, gelobten König Childebert und seine Mutter, sie würden unverbrüchlich Frieden und Freundschaft mit ihm halten. Als nun die Gesandten ihre Geschenke dargebracht und andere zurückerhalten hatten, fügten sie hinzu: "Unser Herr hat uns auch noch befohlen, einen Auftrag wegen eurer Tochter und Schwester Chlodosinda an euch auszurichten, er wünscht sie nehmlich zur Ehe zu erhalten, auf daß so um so leichter der Friede aufrecht erhalten werde, den ihr geschlossen habt." Sie erwiederten ihnen: "Von unsrer Seite, so weit wir es können, soll euch dies zugesagt werden, aber wir wagen es ohne den Rath unsres Oheims, König Gunthramms, nicht zu thun, denn wir haben ihm gelobt, in allen wichtigen Sachen Nichts ohne seinen Rath zu unternehmen." Mit dieser Antwort kehrten die Gesandten zurück.

20. Gunthramms Friedensbotschaft.
 

Wie wir vom König Gunthramm auf Botschaft ausgeschickt wurden, um den Frieden zu erhalten.
 

In diesem Jahre, dem dreizehnten König Childeberts,  als wir uns, um ihn zu treffen, nach der Stadt Metz begeben hatten, erhielten wir den Auftrag mit einer Gesandtschaft zu König Gunthramm zu gehen. Da wir diesen in der Stadt Châlons antrafen, sprachen wir: "Seine reichsten Segenswünsche sendet dir, gefeierter König, dein ruhmreicher Neffe Childebert und sagt deiner Liebe unendlichen Dank, denn er wird unablässig von dir zu dem angehalten, was Gott gefällt, dir genehm und dem Volke förderlich ist. Das aber, was ihr miteinander besprochen habt, gelobt er Alles zu halten, und verspricht den Vertrag, der zwischen euch geschlossen ist, in keinem Punkte zu übertreten." Der König antwortete: "Gleichen Dank kann ich ihm nicht sagen, da dergestalt nicht gehalten wird, was mir versprochen ist. Mein Antheil an der Stadt Senlis wird mir nicht gegeben. Leute, die ich meiner Sicherheit halber, weil sie meine Feinde waren, fortgeschafft haben wollte, lieferte man nicht aus. Wie könnt ihr also behaupten, daß den zwischen uns geschlossenen Vertrag mein herzlichgeliebter Neffe in keinem Punkte zu übertreten beabsichtigt!" Darauf entgegneten wir: "Nein, er will nicht gegen jenen Vertrag handeln, sondern verspricht ihn vollständig zu erfüllen, so daß wenn du jetzt zur Theilung von Senlis Leute schicken willst, sie unverzüglich erfolgen und du sogleich das deinige erhalten wirst. Was aber die Leute betrifft, deren du erwähnst, so laß uns ihre Namen wissen, und es soll Alles erfüllt werden, was versprochen ist." Als wir so sprachen,befahl der König den Vertrag selbst vor den Anwesenden nochmals zu verlesen.
 

Wortlaut des Vertrags.
 

"Als im Namen Christi die erlauchten Herren König Gunthramm und König Childebert und die ruhmreiche Frau Königin Brunichilde um der Liebe und Eintracht willen zu Andelot zusammenkamen , um über Alles, was aus irgend welchem Grunde Spaltung unter ihnen hervorrufen könnte, nach reiflicher Erwägung Entscheidung zu treffen, beschlossen sie auf Beirath ihrer Bischöfe und Großen unter dem Beistande Gottes in aller Liebe und Eintracht, setzten fest und bestimmten, daß, so lange der allmächtige Gott ihnen das Leben in dieser Zeitlichkeit erhalten würde, sie immerdar Treue und wahre, aufrichtige Liebe einander bewahren wollten. Gleichermaaßen ist, weil Herr Gunthramm behauptete, daß nach dem Vertrage, den er mit dem Herrn Sigibert seligen Andenkens geschlossen hat, ihm der ganze Antheil, welchen jener vom Reiche Chariberts erhalten hatte, ungeschmälert zukomme, und weil Herr Childebert seinerseits dagegen verlangte, vollständig Alles, was sein Vater einst besessen hatte, zurückzuerhalten, unter ihnen nach schließlicher Berathung abgemacht worden, daß jenes Drittheil der Stadt Paris mit seinem Gebiet und seinen Bewohnern, was von dem Reiche Chariberts nach schriftlicher Uebereinkunft an Herrn Sigibert gekommen war, sammt den Burgen Dun und Vendôme und Allem, was der gedachte König auf der Straße dorthin von dem Gau von Etampes und Chartres mit dem dazu gehörigen Gebiet und Bewohnern erhalten hatte, auf immerdar unter der Gewalt und Herrschaft des Herrn Gunthramm bleiben soll, wie auch Alles, was er schon bei Lebzeiten des Herrn Sigibert vom Reiche Chariberts besessen hatte; ingleichen soll aber Herr Childebert die Städte Meaux, zwei Antheile von Senlis,Tours, Poitiers, Aranches, Vicus Julii, Conserans, Lapurdum und Albi mit ihrem Gebiet vom gegenwärtigen Tage an wieder in seine Gewalt bekommen; jedoch unter der Bedingung, daß wer von diesen beiden Königen nach Gottes Willen den Andren überlebt, das Reich dessen, der ohne Söhne zu hinterlassen aus dieser Zeitlichkeit abscheidet, unverkürzt und auf immerdar unter seine Gewalt bekommen und unter Gottes Beistand seinen Nachkommen hinterlassen soll.

Es wurde dabei ins Besondere festgesetzt, allerwege unverbrüchlich daran festzuhalten, daß Alles, was der Herr König Gunthramm seiner Tochter Chrodichilde bisher geschenkt hat oder, wenn es Gott geliebt, noch schenken sollte, an Gütern oder Vermögensstücken irgend einer Art, an Städten oder Ländereien oder Einkünften, in ihrer Gewalt und ihrem Eigenthum verbleibe, und daß, wenn sie über etwas von den Staats-Ländereien, über Kostbarkeiten oder Geld nach ihrem Belieben verfügen oder Jemandem etwas der Art verleihen sollte, es dabei für immerdar unter Gottes Beistand bleiben und sie von Niemandem zu irgend einer Zeit deshalb angefochten werden soll, sie selbst aber unter dem Schutze und Schirme des Herrn Childebert ungestört und in allen Ehren und Würden Alles behalten soll, was sich beim Tode ihres Vaters in ihrem Besitze befinden wird. Gleicherweise verspricht dagegen der Herr König Gunthramm, daß wenn sich nach der menschlichen Gebrechlichkeit zutragen sollte, was Gottes Güte verhindern möge und was er selbst nicht zu erleben wünscht, daß bei seinen Lebzeiten Herr Childebert abscheiden sollte, er dann dessen Söhne, die Könige Theodebert und Theoderich, oder welche Söhne ihm sonst noch etwa Gott schenken sollte, unter seinen Schutz und Schirm nehmen will, so daß sie das Reich ihres Vaters in seinem ganzen Umfange besitzen sollen, desgleichen wird er die Mutter des Herrn Childebert, die Frau Königin Brunichilde, und ihre Tochter Chlodosinda, die Schwester des Herrn Königs Childebert, so lange sie im Reiche der Franken sich aufhalten wird, so wie dessen königliche Gemahlin Faileuba als seine liebe Schwester und seine Töchter unter seinen besonderen Schutz und Schirm in christlicher Liebe nehmen, sie sollen in allen Ehren und Würden alle ihre Güter, ihre Städte, Ländereien und Einkünfte, so wie ihre sämmtlichen Gerechtsame und jedes Vermögensstück, sowohl was sie heutigen Tages besitzen, als was noch unter Christi Beistand rechtlich dazu erworben werden sollte, ungestört und ruhig behalten, dergestalt, daß wenn sie über etwas von den Staats-Ländereien, über Kostbarkeiten oder Geld nach ihrem Belieben verfügen oder Jemandem etwas der Art verleihen wollen, es dabei unverrückt für immerdar verbleiben und ihr Wille von Niemandem zu irgend einer Zeit angefochten werden soll.

In Betreff der Städte Bordeaux, Limoges, Cahors, Béarn und Béziers, welche einst Galsvintha, die Schwester der Frau Brunichilde, wie bekannt, als sie nach Frankreich kam, theils zum Brautschatz, theils zur Morgengabe erhielt, und die dann nach der richterlichen Entscheidung des ruhmreichen Herrn Königs Gunthramm und der Franken bei Lebzeiten der Könige Chilperich und Sigibert bekanntermaaßen Frau Brunichilde erwarb, ist festgesetzt worden, daß Frau Brunichilde vom gegenwärtigen Tage an die Stadt Cahors mit ihrem Gebiete und allen ihren Bewohnern zum Eigenthum empfangen, die andren Städte aber, die in dieser Beziehung oben genannt sind, Herr Gunthramm, so lange er lebt, besitzen soll, doch so, daß sie dereinst nach dessen Heimgang in ihrem ganzen Umfange in das Eigenthum der Frau Brunichilde und ihrer Erben unter Gottes Beistand wiederum übergehen, bei Lebzeiten König Gunthramms aber weder von der Frau Brunichilde noch von ihrem Sohne Childebert oder dessen Söhnen auf irgend eine Weise oder zu irgend einer Zeit beansprucht werden sollen.

Ingleichen kam man überein, daß Herr Childebert Senlis ungetheilt besitzen soll, und soviel das Drittheil beträgt, was Herrn Gunthramm hiervon zukömmt, soll diesem dafür von dem Drittheil, das Herrn Childebert an dem Gebiet von Rosson zusteht, zu den Antheilen, welche Herr Gunthramm dort schon besitzt, als Entschädigung gegeben werden.

Desgleichen kam man überein, daß nach dem zwischen Herrn Gunthramm und Herrn Sigibert seligen Andenkens geschlossenen Vertrage, diejenigen Leudes, die nach dem Tode König Chlothars zuerst Herrn Gunthramm ihren Eid geschworen haben und sich erweislich erst nachher auf die andre Seite gewandt haben, von den Orten, wo sie sich jetzt aufhalten, entfernt und zurückgebracht werden, und gleicherweise auch diejenigen, die nach dem Tode König Chlothars erweislich zuerst Herrn Sigibert ihren Eid geleistet und sich nachher auf die andre Seite gewandt haben, zurückgebracht werden sollen. Desgleichen soll Alles, was die erwähnten Könige an Kirchen oder an ihre Getreuen verliehen haben, oder unter Gottes Beistand annoch rechtmäßiger Weise verleihen werden, unangefochten diesen verbleiben. Und was einem Jeden ihrer Getreuenin beiden Reichen nach Recht und Gesetz zukommt, daran soll er keine Uebervortheilung erleiden, sondern Alles besitzen oder zurückerhalten, was ihm gebührt, und wenn irgend Einem etwas durch königliche Entscheidung ohne seine Schuld entzogen ist, soll es ihm nach vorheriger Untersuchung zurückgestellt werden, auchein Jeder, was er durch die Freigebigkeit früherer Könige bis zum Tode des Herrn Königs Chlothar ruhmreichen Andenkens erworben hat, ungefährdet besitzen, und was seitdem getreuen Personen entzogen ist, ihnen gegenwärtig zurückerstattet werden. Und weil zwischen den erwähnten Königen eine wahre und aufrichtige Eintracht in Gottes Namen hergestellt ist, ist man übereingekommen, daß den Getreuen Beider durch Beider Reich, mögen dieselben in Staatsgeschäften oder in ihren eigenen Angelegenheiten reisen, niemals der Durchzug zu verweigern sei. Ingleichen hat man bestimmt, daß Keiner die Leudes des Andren an sich ziehen oder, wenn sie zu ihm kommen sollten, aufnehmen darf, und wenn diese etwa wegen irgend einer Schuld sich in den Schutz des andren Theils begeben sollten, sollen sie ausgeliefert werden, jedoch nach Beschaffenheit ihres Verbrechens unter der Zusicherung, daß ihnen an Leib und Leben kein Leid geschehen soll.

Endlich beschloß man diesem Vertrage noch hinzuzufügen, daß wenn ein Theil die gegenwärtige Festsetzung, unter welchem Vorwande oder zu welcher Zeit es auch sei, übertreten sollte, er alle Vortheile verlieren soll, sowohl die für die Folge versprochenen, als die hier sofort eingeräumten, und Alles dem zu Gute kommen soll, der unverbrüchlich alle obigen Bestimmungen beobachtet hat, auch soll dieser dann seiner eidlich eingegangenen Verpflichtungen in allen Stücken enthoben sein. Nachdem dies also bestimmt, schwören beide Theile beim Namen des allmächtigen Gottes, bei der untrennbaren Dreifaltigkeit, bei allem Heiligen, bei dem Schrecken des jüngsten Gerichts Alles, was oben geschrieben steht, ohne jeglichen Lug und Trug aufrichtig und unverbrüchlich zu beobachten.

Dieser Vertrag wurde abgeschlossen am 28. November im  sechsundzwanzigsten Jahre der Regierung des Herrn Königs Gunthramm, im zwölften der Regierung des Herrn Childebert."

Als der Vertrag verlesen war, sagte der König: "Gottes Gericht soll mich treffen, wenn ich etwas von dem nicht erfüllt habe, was hierin enthalten ist." Er wandte sich dann zu Felix, der mit uns als Gesandter gekommen war, und sprach: "Sprich nun, Felix, du hast ja die engste Freundschaft zwischen meiner Schwester Brunichilde und Fredegunde, die Gottes und aller Menschen Feindin ist, geschlossen." Felix leugnete dies, und ich sprach: "Zweifle nicht, König, daß zwischen ihnen noch just jetzt dieselbe Freundschaft besteht, die sie seit langen Jahren hegen. Der Haß, der von Alters zwischen ihnen obwaltet, tobt, davon sei überzeugt, noch fort und ist keineswegs erstorben. Möchtest du nur, ruhmreicher König, ein minder freundliches Benehmen mit Fredegunde haben. Denn du empfängst, wie wir oft erfahren haben, ihre Gesandten geziemender als die unsrigen." Da antwortete jener: "Wisse, Bischof, ich empfange ihre Gesandten so, daß ich dabei das gute Vernehmen mit meinem Neffen König Childebert niemals aus den Augen lasse. Denn mit ihr kann ich janimmerdar Freundschaft schließen, die zu wiederholten Malen Mörder aussandte, die mir nach dem Leben stellten." Da er dies sagte, sprach Felix: "Es ist zu dir, glorreicher König, wie ich glaube, gedrungen, daß Richared eine Gesandtschaft an euren Neffen mit der Bitte gerichtet hat, er möchte ihm eure Nichte Chlodosinda, eures Bruders Tochter, zur Ehe geben. Aber jener wollte ohne euren Rath Nichts hierüber versprechen." Der König sprach: "Es ist nicht wohl gethan, daß meine Nichte dahin geht, wo ihre Schwester ermordet ist, auch kann mir das nicht gefallen, daß der Tod meiner Nichte Ingunde ungerächt bleiben soll." Felix antwortete: "Man will sich deswegen vollständig rechtfertigen, durch Eidschwur oder auf welche Weise ihr es verlangt, nur gebet eure Zustimmung, daß Chlodosinda an Richared, wie er es wünscht, verlobt werde." Der König sagte: "Wenn mein Neffe erfüllt, was er selbst im Vertrage hat festsetzen lassen, so will ich ihm hierinseinen Willen thun." Da wir versprachen, es sollte Alles erfüllt werden, fügte Felix noch hinzu: "Erbittet auch eure Liebe, daß ihr ihm Beistand gegen die Langobarden gewährt, damit dies Volk aus Italien vertrieben werde, und der Theil des Landes, den sein Vater bei seinen Lebzeiten erobert hat, wieder an ihn komme, das Uebrige aber durch euch und ihn der Herrschaft des Kaisers wieder unterworfen werde." Der König antwortete: "Ich kann mein Heer nicht nach Italien senden und ohne Noth dem Tode preisgeben. Denn eine schreckliche Seuche verheert jetzt Italien. " Darauf sagte ich: "Ihr habt euren Neffen wissen lassen, alle Bischöfe seines Reichs sollten an einem Orte zusammentreten, weil Vieles einer Untersuchung bedürfe. Nach dem Brauch und den Kirchengesetzen wünscht aber euer ruhmreicher Neffe, daß lieber der Bischof jeder Mutterkirche mit den Bischöfen seiner Provinz zusammentrete, und so durch Beschluß der Bischöfe gebessert werde, was gegen die Ordnung geschehen ist. Denn welchen Grund giebt es, so viele Personen an Einem Orte zuversammeln? Der Glaube der Kirche ist von keiner Gefahr bedroht, es taucht keine neue Irrlehre auf. Was sollte also jene dringende Noth sein, die es nöthig macht, die Bischöfe des Herrn an Einem Orte zu versammeln?" Jener sprach: "Vieles giebt es zu entscheiden, denn es ist viel Unrechtes geschehen, Bestimmungen sind gegen das unzüchtige Leben zu treffen und Entschließungen in manchen Sachen zu fassen, welche uns selbst angehen. Vor allen Dingen aber muß die Sache Gottes selbst in das Auge gefaßt und untersucht werden, wie es kam, daß Bischof Prätextatus mit dem Schwerdte in der Kirche ermordet wurde. Auch ist über die, welche wegen fleischlicher Lust angeklagt sind, eine Entscheidung zu treffen, damit sie entweder überführt durch Beschluß der Bischöfe bestraft und gebessert werden können, oder, wenn sie unschuldig befundenwerden, die Beschuldigung des Verbrechens öffentlich von ihnen genommn werde." Darauf befahl er die Synode bis zum Anfang des Juni zu verschieben.

Nach diesen Worten begaben wir uns zur Kirche, denn es war gerade an jenem Tage das Fest der Auferstehung des Herrn. Als die Messe beendet war, zog uns der König zur Tafel, die eben so reich besetzt mit Schüsseln war, als an ihr gute Laune herrschte. Der König sprach fortwährend von Gott, von der Erbauung von Kirchen, und wie man sich der Armen annehmen müsse. Bisweilen lachte er auch und hatte an geistreichen Scherzen sein Vergnügen, Manches sagte er, um uns eine Freude zu machen. So hörten wir von ihm Folgendes: "Möchte doch mein Neffe sein Versprechen halten; es ist ja doch Alles sein, was ich habe.Doch er nimmt Aergerniß daran, daß ich Gesandte meines Neffen Chlothar empfange; bin ich denn aber so ohne Verstand, daß ich nicht wissen sollte zwischen ihnen die Sache ins Gleiche zu bringen, auf daß der Hader nicht weiter um sich greife? Ich weiß wohl, daß es besser ist ihm schnell ein Ende zu machen, als ihn sich in die Länge ziehen zu lassen. Ich werde Chlothar, wenn ich ihn als meinen Neffen anerkennen werde, zwei oder drei Städte in irgend einem Theile meines Reichs geben, damit ich ihn nicht ganz ohne Erbe an meinem Reiche lasse und daß ihm, was ich jenem hinterlassen werde, keine unruhige Stunden mache." Nachdem er Solches und Andres der Art gesprochen hatte, entließ er uns, mit den zärtlichsten Liebesbeweisen und mit Geschenken überhäuft, und forderte uns auf, immer solchen Rath an König Childebert zu ertheilen, der seinem Wohle förderlich wäre.

24. Von der bischöflichen Verwaltung des Fronimius.
 

Sodann starb der Bischof Deutherius von Vence; dessen Stelle erhielt ein gewisser Fronimius, der aus der Stadt Bourges gebürtig und, ich weiß nicht aus welchem Grunde, nach Septimanien gegangen war. Nach dem Tode König Athanagilds wurde er von dessen Nachfolger Leuva hoch geehrt und in der Stadt Agde zum Bischof eingesetzt. Als aber nach Leuvas Tode Leuvigild in den wegen der ketzerischen Verstocktheit und Bosheit wandelte und Ingunde, König Sigiberts Tochter, damals, wie wir erzählt haben, als Braut nach Spanien geführt wurde, hörte Leuvigild, daß dieser Bischof ihr gerathen habe, sie solle sich niemals durch das Gift des ketzerischen Glaubens beflecken; deshalb belästigte er ihn unaufhörlich und legte ihm Fallstricke, daß er ihn auf irgend eine Weise um sein Bisthum brächte. Da er aber kein Mittel fand, ihn in seinem Garne zu fangen, sandte er zuletzt Einen ab, der ihn mit dem Schwerdte ermorden sollte. Da dies Fronimius durch Zwischenträger erfuhr, verließ er die Stadt Agde und begab sich nach Gallien. Dort wurde er von vielen Bischöfen freundlich aufgenommen und beschenkt und gelangte endlich bis zu König Childebert. Als nun jener Platz eröffnet war, erhielt er durch die Gunst des Königs das Bisthum im neunten Jahre, nachdem er das frühere verlassen hatte. Die Britannen richteten in diesem Jahre in dem Gebiet von Nantes und von Rennes große Verwüstungen an, lasen die Weinberge ab, zerstörten die bebauten Felder und führten die Leute aus  den Höfen in die Gefangenschaft fort. Von dem, was sie früher versprochen hatten, hielten sie Nichts, ja sie hielten nicht nur nicht ihr Versprechen, sondern fügten auch unsren Königen neuen Schaden zu.

25. Wie Childeberts Heer nach Italien zog.
 

Obgleich nun König Childebert den Langobarden, als sie ihn um seine Schwester als Gemahlin für ihren König baten, bereits dieselbe versprochen hatte, sagte er sie doch jetzt den Gesandten der Gothen, als diese kamen, ebenfalls zu, weil er nehmlich erfuhr, daß dieses Volk sich zu der rechtgläubigen Lehre bekehrt habe. Und er schickte eine Gesandtschaft an den Kaiser, daß er jetzt, was er früher unterlassen hatte, das Volk der Langobarden bekriegen und sie im Einverständniß mit ihm aus Italien vertreiben wolle. Er sandte auch sofort sein Heer ab, um jenes Land zu erobern. Die Herzoge brachen mit dem Heere auf und zogen dorthin, und es kam mit den Feinden zum Kampfe. Aber die Unsrigen wurden gewaltig aufs Haupt geschlagen. Viele fielen, Manche wurden gefangen, ein großer Theil entwischte zwar, kam aber nur mit Noth in die Heimath zurück. Eine solche Niederlage erlitt damals das Heer der Franken, daß man sich von Alters her nicht einer ähnlichen erinnert.

28. Von kostbaren Geschenken.
 

 Von kostbaren Geschenken, die Königin Brunichilde machte.
 

Die Königin Brunichilde ließ einen Schild von wunderbarer Größe aus Gold und Edelsteinen machen und sandte ihn mit zwei hölzernen Schaalen, die man gewöhnlich Becken zu nennen pflegt und die in gleicher Weise mit Gold und Edelsteinen verziert waren, dem Könige nach Spanien. Damit schickte sie Ebregisil, der schon oft als Gesandter in jenes Land gegangen war, dahin ab. Da er sich aber auf den Weg machte, wurde es König Gunthramm gemeldet, und es sprach Einer zu ihm: "Die Königin sendet diese Geschenke an Gundovalds Söhne." Als der König dies vernahm, ließ er alle Straßen seines Reichs scharf bewachen, und Niemand konnte ohne untersucht zu werden seines Weges ziehen. Man durchsuchte sogar die Kleider und Schuhe und die andren Sachen der Menschen, ob sie nicht etwa darin versteckt einen Brief trügen. Als nun Ebregisil mit seinen Kostbarkeiten nach Paris kam, wurde er vom Herzog Ebrachar ergriffen und zu Gunthramm geführt. Und der König sprach zu ihm: "Ist es noch nicht genug, Unseligster aller Menschen, daß ihr in eurer Unverschämtheit jenen Ballomer, den ihr Gundovald nanntet, herbeirieft, um sie zu heirathen? Doch ihn hat meine Hand überwunden, als er die Macht unsres Reichs unter seine Gewalt bringen wollte. Nun aber schickt ihr seinen Söhnen Geschenke, daß ihr sie auffordert, wiederum nach Gallien zu kommen und mich zu tödten. Aber du sollst nicht dahinziehen, wohin du trachtest, sondern des Todes sterben, denn deine Botschaft gereicht unsrem Volke zum Schaden." Jener aber widersprach und sagte, er wisse Nichts von solchen Dingen, sondern diese Geschenke würden an Richared, der sich mit Chlodosinda, der Schwester König Childeberts, verloben wolle, gesandt. Da er dies sagte, glaubte ihm der König und ließ ihn ziehen. Er setzte darauf den Weg, den er gesandt war, mit den Geschenken fort.

38. Von einem Anschlage gegen die Königin Brunichilde.
 

Von einem Anschlage, den einige Personen gegen die Königin Brunichilde machten.
 

Als Faileuba, die Gemahlin König Childeberts, nach der Geburt eines Kindes, das bald darauf starb, krank darniederlag, kam zu ihren Ohren ein Gerücht, daß gewisse Personen gegen sie und gegen die Königin Brunichilde Uebles im Schilde führten. Sobald sie daher von ihrer Krankheit sich erholt hatte, begab sie sich zum Könige und eröffnete ihm und seiner Mutter, was sie gehört hatte. Sie erzählte, Septimina, die Erzieherin ihrer Kinder, habe dem Könige den Rath geben wollen, er solle seine Mutter verweisen, sie selbst, seine Gemahlin, verlassen und eine Andre zur Ehe nehmen. Dann hätten sie gemeint, würden sie Alles, was sie wünschten, durch ihn erlangen oder durch Bitten bei ihm erwirken können. Wenn der König aber diesen Rath nicht annähme, dann hätten sie ihn durch Zauberkünste um das Leben bringen, seine Söhne zu Königen erheben, sie, die Mutter der Kinder, sowie die Großmutter vertreiben, und selbst das Reich regieren wollen. Um diesen Plan hätten der Marschall Sunnegisil, der Kanzler Gallomagnus und Droctulf, der Septimina zur Unterstützung bei der Erziehung der königlichen Kinder zuertheilt war, gewußt. In Folge dessen wurden Septimina und Droctulf ergriffen. Und sofort, als sie auf die Folterbank gespannt und hart gegeißelt wurden, bekannte Septimina, daß sie aus Liebe zu Droctulf Jovius, ihren Ehemann, durch Zauberkünste getödtet habe und jener jetzt mit ihr in Buhlschaft lebe. Auch über das, was wir oben erzählt haben, legten sie zusammen Bekenntniß ab und gaben an, die genannten Männer hätten um ihren Anschlag gewußt. Sofort wurden auch diese aufgesucht; da aber das böse Gewissen sie peinigte, suchten sie eine Zuflucht hinter Kirchenmauern. Der König ging selbst zu ihnen und sprach: "Kommet heraus und stellt euch vor Gericht, damit wir so erkunden können, ob das, was euch vorgeworfen wird, wahr sei oder falsch. Denn meines Erachtens würdet ihr nicht in diese Kirche euch geflüchtet haben, wenn euch das böse Gewissen nicht quälte. Doch ich verspreche euch das Leben, selbst wenn ihr schuldig befunden werden solltet. Denn wir sind Christen, und es ist ein Frevel, selbst Verbrecher, wenn sie in der Kirche ergriffen werden, am Leben zu strafen." Da wurden sie herausgebracht und erschienen mit dem König vor Gericht. Als aber die Untersuchung über sie gehalten wurde, leugneten sie und sprachen: "Septimina und Droctulf haben uns dieses ihr Vorhaben eröffnet, wir aber haben es mißbilligt, uns davon fern gehalten und niemals unsere Zustimmung zu einem solchen Verbrechen geben wollen." Der König aber sprach: "Wenn ihr ihnen keinen Beistand hättet gewähren wollen, so hättet ihr sicherlich die Sache uns mitgetheilt. Es ist daraus klar, daß ihr ihnen beistimmtet, daß ihr die Sache nicht habt zu meiner Kenntniß gelangen lassen." Und sofort wurden sie entlassen und begaben sich wiederum in die Kirche. Septimina aber wurde mit Droctulf hart gegeißelt und mit glühenden Eisen im Gesicht gebrannt, und es wurde ihr Alles genommen, was sie hatte, und sie nach dem Hofe Marleim gebracht, daß sie dort die Mühle drehte und den Mägden, welche in der Arbeitsstube spannen, den täglichen Bedarf an Mehl bereitete. Droctulf wurden die Haare und die Ohren abgeschnitten, und er in einen Weinberg geschickt, um dort zu arbeiten. Doch entkam er wenige Tage nachher, wurde aber vom Verwalter wieder ergriffen, abermals zum Könige gebracht, hier lange gegeißelt und dann abermals nach dem Weinberge geschickt, den er verlassen hatte. Sunnegisil und Gallomagnus verloren ihre Güter, die sie vom Staate erhalten hatten, und wurden in die Verbannung geschickt. Da aber Gesandte von König Gunthramm erschienen, unter denen auch Bischöfe waren, und für sie Fürbitte einlegten, so wurden sie aus der Verbannung zurückgerufen, doch blieb ihnen Nichts, als was ihr Erb' und eigen war.