Disiderta (Desiderata)                    Königin der Franken
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um 750 nach 770
Pavia
 

Tochter des Langobarden-Königs Desiderius und der Ansa
 

Thiele, Andreas: Tafel 226
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

DESIDERATA
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  oo KARL I. DER GROSSE, König der Franken
               + 815



Treffer Gerd: Seite 31-32
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"Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert)"

                                            Desiderata - die Nicht-Ersehnte
                                             um 747,  776

Zweite Gemahlin KARLS DES GROSSEN
Heirat: 25. Dezember 770 Mainz

Ganz anders, als ihr Name es vermuten ließe, ist Desiderata eigentlich niemals so recht "die Ersehnte". KARL DER GROSSE heiratet sie, nachdem er Himiltrud verstoßen hat, auf Anraten seiner Mutter. Sie wird aber nur etwa ein Jahr lang seine (zweite) Frau und Königin des Franken-Reiches sein, letztlich ein Spielzeug politischer Ambitionen ihrer Schwiegermutter. Die Tochter des langobardischen Herrscherpaares Desiderius und Ansa hat mütterlicherseits Vorfahren in Bayern, väterlicherseits bei den rheinischen Herren von Nassau.
Der in Pavia geborenen Prinzessin hätte sicher niemand vorhergesagt, sie würde eines Tages einen Sohn Pippins heiraten, des Mannes also, der so erbittert gegen ihren Vater gekämpft hatte, um dem Papst zu Hilfe zu kommen. Die Heirat wird bezeichnenderweise von Pippins Witwe Bertrada eingefädelt, die pikanterweise auch schon bei KARLS erster Frau diese Rolle gespielt hatte. Sie war 770 nach Italien gereist und hatte die 21-jährige Prinzessin mitgebracht. Trotz aller anderslautender Beteuerungen der Königin-Mutter beruht die Hochzeit ausschließlich auf politischen Überlegungen, diente Bertradas großem europäischen Friedensplan und der Aussöhnung der Franken mit den Langobarden. Dazu gehörte auch die Heirat von Desideratas jüngerer Schwester Gerberga mit KARLS Bruder Karlmann. Ihre anderen Schwestern sind mit dem Bayern-Herzog Tassilo und dem neuen Langobarden-Herzog von Benvent verheiratet.
Mochte die Friedensordnung, die Bertrada anstrebt, zwar faszinierend sein, der Papst konnte ihr nicht zustimmen. Franken, Bayern und Langobarden vereint, das Papsttum und der junge Kirchenstaat wie eine Nuß im Nußknacker eingeklemmt zwischen dem norditalienischen Königreich Langobardien und dem süditalienischen Langobarden-Herzogtum Benevent - das konnte auf Dauer nur zu Lasten des Heiligen Stuhls gehen. Vehemant greift Papst Stephan III. die Ehe zwischen Desiderata und KARL an. Seine Sendschreiben atmen Panik: "Was für ein Wahnsinn, daß Euer edles fränkisches Volk, das alle Völker überstrahlt, und Euer so glänzendes und edles Königsgeschlecht befleckt werden sollte durch das treulose und stinkende Volk der Langobarden, das gar nicht unter die Völker gerechnet wird und von welchem bekanntlich die Aussätzigen stammen."
Bertradas Plan scheitert, ja, er verkehrt sich ins Gegenteil. Sie wollte ein Gleichgewicht der europäischen, christlichen Nationen erzielen; sie erreicht eine Spaltung: auf der einen Seite KARL und die Langobarden - Karlmann und das Papsttum auf der anderen.
Nach der Plünderung Roms durch Desiderius ist KARL mit seinem Schwiegervater unzufrieden und der Bevormundung durch seine Mutter leid. Mit Desiderata versteht er sich schlecht. Hinzukommt, daß er sich in eine 13-jährige schwäbische Prinzessin verliebt hat KARL entschließt sich zu einer radikalen Lösung. Er schickt Desiderata, die ungeliebte langobardische Königs-Tochter, die für ihn nur noch eine politisch schädliche Beziehung ist, ihrem Vater zurück. Als Vorwand dient ihm die Behauptung ihrer Sterilität. Nach nur einem Ehejahr ist das kaum eine überzeugende Begründung. Sie kann auch niemanden täuschen. KARLS Schritt findet nicht die einhellige Zustimmung der Franken. Sein Vetter Adalhard, einer der Trauzeugen, fühlt sich durch diese Tat meineidig gemacht. Er verläßt den Hof und tritt in das Kloster Corbie ein.
Am 4. Dezember 771 stirbt Karlmann. KARL wird fränkischer Gesamtherrscher. Gerberga, Karlmanns Witwe, die um ihre Kinder fürchtet, läßt sich im Süden nieder, kehrt dann nach Italien zurück. Desiderata stirbt fünf Jahre später im Jahre 776 mit 29 Jahren.



Brandenburg Erich: Tafel 1 Seite 1
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"Die Nachkommen Karls des Großen."

1. KARL DER GROSSE
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* 747 2. IV., 814 28. I.

Gemahlinnen:
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a)
HIMILTRUD (Konkubine?)
   

b)
N. (DESIDERATA?)
 

Tochter des Langobarden-Königs Desiderius

Anmerkungen: Seite 110
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I. 1.
Geburts- und Todesdatum Mühlbacher 130b und 508c.
Gemahlinnen:
Himiltrud ebd. 139a;
Tochter des Desiderius 139a, 142b (vgl. 141)



Werner Karl Ferdinand: Seite 442
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"Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr 1000 (1.-8. Generation)"

I. Generation
1 b
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Die Ehe KARLS mit der Tochter des Langobarden-Königs, deren unbeglaubigter Name "Desiderata", den Brandenburg mit Fragezeichen bringt, ganz fallenzulassen ist, gehört zu 769, ihre Trennung ins Jahr darauf, spätestens Anfang 771.


Schieffer Rudolf:
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"Die Karolinger"

Nach diesem energischen Auftakt scheint er jedoch die Initiative seiner Mutter Bertrada überlassen zu haben, denn das Jahr 770 sah die Witwe Pippins in einer für die gesamte karolingische Geschichte einzigartigen Weise im Vordergrund des Geschehens. Im Namen einer Politik des Ausgleichs nach allen Seiten vermittelte sie bei Karlmann in Selz (Elsaß) und begab sich dann zu Herzog Tassilo III., dem Vetter ihrer Söhne, nach Bayern, ferner zu dessen langobardischem Schwiegervater Desiderius nach Pavia und auch zu dem über jede fränkisch-langobardische Annäherung besorgten Papst Stephan III. (768-772) nach Rom. Das Ergebnis ihrer Diplomatie kam einer Preisgabe wesentlicher Ziele des verstorbenen Pippin nahe, denn es bestand in der Hinnahme der Eigenständigkeit Bayerns und in der Aussicht auf ein doppeltes Ehebündnis mit dem zuvor zweimal zum Schutze des Papstes besiegten Langobarden. Diese überraschende Schwenkung kann nicht gegen den Willen KARLS erfolgt sein, denn er war es, der die von Bertrada mitgebrachte Tochter des Desiderius noch 770 heiratete, unter Aufgabe der Himiltrud und gegen den beschwörenden Warnungen aus Rom vor "dem treulosen und stinkenden Volk der Langobarden". Zwar kam die von Desiderius auch gewünschte Vermählung seines Sohnes (und Mit-Königs) Adelchis mit der 13-jährigen Gisela, der Schwester der Franken-Könige, nicht zustande, doch wog die neue Allianz schwer. Sofern sie nur dazu dienen sollte, dem jüngeren Karlmann, dessen südliches Teilreich allein an die Alpen grenzte, den Weg zu einer erfolgreichen Fortsetzung der hegemonialen Italienpolitik Pippins zu verbauen, war der Preis hoch, denn unter dem wachsenden Druck des Desiderius kam es bereits im Frühjahr 771 zu einem Umsturz in Rom, durch den die dortige frankenfreundliche Partei ausgeschaltet und Stephan III. genötigt wurde, sich den Langobarden zu fügen. Das mag bewirkt haben, dass KARL nicht lange bei diesem Kurs blieb, denn nach Einhards Bericht hat er die "auf Geheiß seiner Mutter" geheiratete langobardische Königs-Tochter (unbekannten Namens) schon nach einem Jahr wieder verstoßen. Die Zeitangabe läßt offen, ob dieser Entschluß noch vor dem Tod Karlmanns gefaßt wurde (und dessen Witwe dann Veranlassung gab, sich zu Desiderius, KARLS brüskiertem Schwiegervater, zu flüchten) oder erst nach dem Tod des Bruders, als die unverhoffte Aussicht auf die eigene Alleinherrschaft KARLdie Bindung an den Hof von Pavia als lästige Fessel erscheinen zu ließ.

Konecny Silvia: Seite 67
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"Die Frauen des karolingischen Königshauses. Die politische Bedeutung der Ehe und die Stellung der Frau in der fränkischen Herrscherfamilie vom 7. bis zum 10. Jahrhundert."

Die langobardische Prinzessin heiratete KARL 770 auf Anraten seiner Mutter Bertrada. Diese Heirat war die einzige Eheverbindung der KAROLINGER mit dem langobardischen Königshaus, ja die einzige Ausländerehe zur Zeit KARLS DES GROSSEN überhaupt, obwohl etliche ähnliche Eheprojekte existierten. Die Ehe mit der Langobardin darf nicht mit demselben Maß gemessen werden, wie die Verbindung mit einem fränkischen Mädchen. Je nach politischer Lage nahm die Tochter des Desiderius wohl entweder die Ehrenstellung als Gemahlin KARLS ein oder fand Geringachtung als Geisel. Die Quellen berichten die langobardische Heirat mit den für Vollehen üblichen Terminus, nirgends wird die Langobardin Königin genannt. Weder ist auszuschließen, daß sie zugleich mit Himiltrud am Hof KARLS lebte, noch daß sie vielleicht nach kurzer Zeit Hildegard als König neben sich zu respektieren oder zumindest zu erwarten hatte. Die Heirat besiegelte ein kurzfristiges Bündnis zwischen Langobarden und Franken, dessen Auflösung KARL mit der Verstoßung seiner Gattin dokumentierte.
 
 
 
 

 769
   oo 2. KARL I. DER GROSSE
   x       2.4.742/47-28.1.814
 
 
 
 

Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen. Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 1 Seite 1 - Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977, Seite 497,498 - Herm, Gerhard: Karl der Große. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, Wien, New York 1987, Seite 78,81,94,96,100,105,118,127,192 - Illig Heribert: Das erfundene Mittelalter. Die größte Zeitfälschung der Geschichte. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1996, Seite 49, 50 - Kalckhoff Andreas: Karl der Große. Profile eines Herrschers. R. Piper GmbH & Co. KG, München 1987, Seite 38-39,50,80,251 - Konecny Silvia: Die Frauen des karolingischen Königshauses. Die politische Bedeutung der Ehe und die Stellung der Frau in der fränkischen Herrscherfamilie vom 7. bis zum 10. Jahrhundert. Dissertation der Universität Wien 1976, Seite 67 - Mühlbacher Engelbert: Deutsche Geschichte unter den Karolingern. Phaidon Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion Band I Seite 128 - Nack Emil: Germanien. Ländern und Völker der Germanen. Gondrom Verlag GmbH & Co. KG, Bindlach 1977, Seite 215,280 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 226 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996, Seite 28,37,41 - Wies Ernst W.: Karl der Große. Kaiser und Heiliger. Bechtle Verlag Esslingen 1986, Seite 61,63,66,71,141,253,257 -