Gisela                                             Äbtissin des Klosters Chelles
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757 810
        Chelles

Begraben: Chelles
 

Einzige überlebende Tochter des Franken-Königs Pippin der Kleine aus dem Hause der KAROLINGER und der Bertha von Laon, Tochter von Graf Heribert
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1464
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Gisela (Ghysela, Gisla)
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* 757, 810
            Chelles

Begraben: Chelles

Tochter König Pippins und der Bertrada, Schwester KARLS DES GROSSEN

Sie war wie ihr Bruder KARL, der sie nach dem Zeugnis Einhards (Vita Karoli cap. 18) "similiter ut matrem" ehrte, mit den artes liberales vertraut und wegen ihrer Bildung hochgeschätzt. Als junge Prinzessin noch zu Lebzeiten ihres Vaters vom byzantinischen Kaiser Konstantin für seinen Sohn (Cod. Carol. ep. 38), nach 768 vom langobardischen König Desiderius als Braut für seinen Thronfolger (Cod. Carol. ep. 47) umworben, entschied sie sich bereits  "in puellaribus annis" (Vita Karoli cap. 18) für das klösterliche Leben und trat in das Kloster Chelles bei Paris ein, dem sie bis zu ihrem Lebensende als Äbtissin vorstand. Von hier aus blieb sie in engem Kontakt mit dem KARLS-Hof und der Hofgesellschaft, insbesondere mit Alkuin, dessen Freundeskreis sie unter dem Pseudonym 'Lucia' angehörte. Mit ihm unterhielt sie einen lebhaften Briefwechsel (MGH Epp.Karol. IV, nr. 15,84,154,195,196,213,214,216,228), der ihre intensive Teilnahme an den geistigen Bestrebungen des KARLS-Hofes dokumentiert. Alkuin hat ihr (und ihrer Nichte Rotrud) seinen Kommantar zum Johannesevangelium gewidmet, den er im wesentlichen auf ihre Anregung hin geschrieben hat (MGH Epp. Karol. IV nr. 196, 213).

Literatur:
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JDG Pippin, 1871 [L. Oelsner] - B. Bischoff, Die Kölner Nonnenhss. und das Skriptorium von Chelles (Karol. und otton. Kunst. Forsch. zur Kunstgesch. und Chr. Archäologie, III, 1957), 395ff. - J. Fleckenstein, Karl d. Gr. und sein Hof (Braunfels, KdG I, 1965), 24ff. -



Schwennicke Detlev: Tafel 4
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

GISELA
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* 757, 810

788 Äbtissin von Chelles



Hlawitschka Eduard: Seite 82
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"Die Vorfahren Karls des Großen"

58 Gisela
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Erat ei (= KAROLO) unica soror nomine Gisla; Einhard, Vita Karoli c. 18. Der beiden in den ersten Kinderjahren gestorbenen Schwestern Rothaid und Adelheid wird dabei nicht gedacht. Die Annahme L. Levillains, Le charte de Clotilde (wie in Nr. 32), Seite 59, daß KARL noch eine weitere Schwester Rotrude hatte, die mit Graf Gerhard I. von Paris vermählt war und Nachkommen hinterließ, dürfte durch diese Aussage aber doch wohl widerlegt sein. - Eine Urkunde der Ghysela, nobilissima regis filia Pippini et Bertredane regine olim, DKar. 319, Seite 484.


Nach der Ablehnung byzantinischer und langobardischer Brautwerbungen war sie früh ins Kloster Chelles eingetreten, wo sie vor 788 Äbtissin wurde und, gerühmt für ihre hohe Bildung, zeitlebens Kontakt mit dem Hof beibehielt.

Konecny Silvia:  Seite 83
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"Die Frauen des karolingischen Königshauses. Die politische Bedeutung der Ehe und die Stellung der Frau in der fränkischen Herrscherfamilie vom 7. bis zum 10. Jahrhundert."

Während die repräsentative Funktion nur am Hof ausgeübt wurde, nahmen am kulturellen Leben nicht nur die Frauen und Töchter KARLS teil, die in seiner unmittelbaren Umgebung lebten, sondern vor allem auch Gisla, die Schwester des Herrschers. Sie bildete in dem Kloster Chelles, dessen Äbtissin sie war, ein Zentrum geistiger Regsamkeit.
Gisla erbaute in Chelles eine neue Kirche und betrieb hier vielleicht auch ein großes Skriptorium, in dem Nonnen zur Schreibarbeit herangezogen wurden. In ihrer Amtszeit wurden in Chelles zumindest zwei Heiligenviten verfaßt. Sie stand mit Alkuin in regem Briefwechsel und unterhielt Kontakte zu Angilbert und anderen bedeutenden Männern des zeitgenössichen Geisteslebens. Gisla war wohl nicht nur informiert über kulturelle Bestrebungen, sondern auch mitbeteiligt an der Gestaltung des geistigen Lebens überhaupt. KARLS "Hofakademie" hatte allem Anschein nach ein zweites Zentrum in Chelles. Darüber hinaus gelang Gisla eine Synthese von geistigen Bestrebungen und politischer Einflußnahme in ganz spezifischer Form. Chelles war unter ihr eine Nachrichtenzentrale ersten Ranges, die sogar den wohlinformierten Alkuin gelegentlich mit Neuigkeiten beliefern konnte. Hier wurde karolingische Geschichte geschrieben, denn die Annales Mettenses dürften unter Gisla in Chelles entstanden sein. Sie waren eine karolingische Familienchronik mit Propagandawirkung ersten Ranges. Gislas Wirken als Äbtissin von Chelles schuf wohl eine jener Zellen im karolingischen Reich, auf die sich die Herrschaft KARLS DES GROSSEN stützen konnte. Nicht umsonst betonte Einhard die Ehrerbietung, die KARL der Schwester entgegenbrachte. Gislas Bedeutung ist auch dadurch bezeugt, daß sie selbst urkundete, ja sogar über einen eigenen "cancellarius" verfügte.

Treffer Gerd: Seite 23-29
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"Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert)"

In Bertradas Vorstellungen soll dieses friedensstiftende Ehesyndikat vervollständigt werden durch die Heirat ihrer Tochter Gisela mit dem langobardischen Königssohn und Thronfolger Adelchis. KARL beugte sich zwar dem Spruch seiner Mutter in bezug auf seine Ehe mit Desiderata. (Sein Biograph Einhard schreibt: "Sodann heiratete er auf Anraten seiner Mutter eine Tochter des Langobarden-Königs".) Bei Gisela aber legte er sich quer. Vielleicht weil er, wie die Sage berichtete, eine verbotene Neigung zu seiner Schwester hatte, als deren inzestuöse Frucht der Held des Rolandliedes und Graf der bretonischen Mark, Roland, genannt wird. (Das würde KARLS liebevolle Zuneigung zu Roland erklären). Vielleicht weil er die Langobardenpolitik seiner Mutter nur als Zwischenspiel ansieht und davon ausgeht, daß ein Mann sich leichter aus einer unbequemen Ehe befreien kann als eine Frau.
Bertrada reiste nach Rom, um an den Gräbern der Heiligen zu beten und dem Papst die neue Mächtekonstellation in Europa zu berichten. Der Papst aber kann ihr niemals zustimmen. Sein Gebiet von Norden wie von Süden von langobardischgen Territorien eingekeilt und nun auch noch die Langobarden mit den Franken ausgesöhnt? Ein Alptraum für den Papst. Er wettert insbesondere gegen die Ehe von KARL und Desiderata.

Dahn Felix: Seite 496
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"Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas"

Die einzige Schwester, Gisela, war 757 geboren; sie wurde als Kind bereits umfreit für den Kaiser-Sohn zu Byzanz und für den Sohn des Langobarden-Königs zu Pavia. Sie aber wählte früh den Schleier und lebte später als Äbtissin im Kloster Chelles bis 810. KARL erwies ihr brüderliche Liebe; sie stand in regem Verkehr mit Alkuin. Sie hat dazu beigetragen, daß er seinen Kommentar zum Johannesevangelium schrieb.

Herm, Gerhard: Seite 123,129
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"Karl der Große"

Aber nein, sagen die Kenner der unverbürgten, im Volk verbreiteten Karlsvita. Roland war in Wirklichkeit KARLS Sohn, gezeugt mit der eigenen Schwester Gisela. Wofür hätte diese als Nonne im Kloster Chelles ein Leben lang büßen sollen, wenn nicht für ihre große, sündige Liebe? KARL beglich auch mit der Niederlage in Spanien eine nur ihm bekannte Schuld. Man kann derlei Unterstellung zu den Ausgeburten der reinen Phantasie zählen, man kann ihren Urhebern aber ebensogut ein gewisses Maß an psychologischem Spürsinn zugetsehen.
KARL mag bei diesem nicht ungeschickten Überrumpelungsversuch daran gedacht haben, daß bereits Pippin ein ähnlichesr Vorschlag gemacht worden war. Dessen Tochter Gisela - die gleiche Frau, die als Mutter Rolands galt - hatte er dem damaligen Herrscher von Byzanz vermählen sollen. Aus der ebenfalls von einem Papst angesponnenen Beziehung war jedoch nichts geworden, weil Pippin, als er die Tochter hätte ziehen lassen müssen, einfach erklärte, er brächte es nicht übers Herz, sie außer Landes zu schicken.

Illig Heribert: Seite 50
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"Das erfundene Mittelalter. Die größte Zeitfälschung der Geschichte."

Unser Kaiser blieb bis ins hohe Alter rüstig und lendenstark: Als 58-jähriger Witwer lebte er mit vier Konkubinen und geriet sogar in den Verdacht der Blutschande, habe er doch mit seiner Schwester Gisela seinen späteren Paladin Roland gezeugt [Herm 1995,123].

Riche Pierre: Seite 98,105
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"Die Karolinger. Eine Familie formt Europa."

Zudem war der Papst bereit, die Patenschaft für PippinsTochter Gisela zu übernehmen. Zwischen den Päpsten und den KAROLINGERN entstand so eine regelrechte geistige Verwandtschaft.
Trotzdem gab die griechische Diplomatie noch nicht auf, man verhandelte über eine mögliche Ehe zwischen Pippins Tochter Gisela und dem Sohn Kaiser Konstantins.

Schieffer Rudolf: Seite 63,68,72,89,108
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"Die Karolinger"

Das päpstliche Bestreben nach dauerhafter geistlicher Verwandtschaft zeigte auch Paul I. (757-767), der in seinem Schreiben an Pippin eigens festhielt, daß er das Tauftuch von dessen neugeborener Tochter Gisela in Empfang genommen habe und gemäß dieser symbolischen Taufpatenschaft nun als compater der königlichen Familie für deren Wohlergehen zu Gott bete.
Dem in den Reichsannalen ohne ein Resultat vermerkten Ereignis waren ein Jahrzehnt lang Gesandtschaften zwischen Konstantinopel und dem fränkischen Hof vorausgegangen, die zunächst wohl durch die politische Berührung in Italien veranlaßt wurden, später aber (um 766/67) zum Angebot einer Ehe des Kaiser-Sohns Leon mit Pippins TochterGisela führten, worauf sich der Franken-König freilich nicht einließ (angeblich mit der Begründung, er dürfe sein Kind nicht ins Ausland verheiraten, tatsächlich wohl eher aus Rücksicht auf den Papst, der jeden fränkisch-byzantinischen Zusammengehen mißtraute).
Zwar kam die von Desiderius auch gewünschte Vermählung seines Sohnes (und Mit-Königs) Adelchis mit der 13-jährigen Gisela, der Schwester der Franken-Könige, nicht zustande, doch wog die neue Allianz schwer.
KARLS einzige SchwesterGisela war nach der Ablehnung byzantinischer und langobardischer Brautwerbungen früh ins Kloster Chelles eingetreten, wo sie vor 788 Äbtissin wurde und, gerühmt durch ihre hohe Bildung, zeitlebens Kontakt mit dem Hof beibehielt.
810 starben nacheinander seine hochgeschätzte Schwester Gisela, Äbtissin von Chelles, seine älteste Tochter Rotrud und auch noch sein Sohn Pippin, der König des einst langobardischen Italiens.

Wies Ernst W.: Seite 61,226
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"Karl der Große. Kaiser und Heiliger."

Überwölbt werden sollte dieses Ehesyndikat durch die Verheiratung des langobardischen Thronfolgers und Königs-Sohnes Adelchis mit der Bertrada-Tochter Gisela.
Seine geliebte Schwester Gisela setzte KARLüber die Frauenklöster von Chelles und Notre Dames de Soissons.
 
 
 
 

Literatur:
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Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977, Seite 496 - Einhard: Das Leben Karls des Großen. Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte Band V Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1974 - Fleckenstein Josef: Karl der Große und sein Hof. In: Braunfels Wolfgang: Karl der Große Lebenswerk und Nachleben. Verlag L. Schwann Düsseldorf Band I Seite 24 - Herm, Gerhard: Karl der Große. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, Wien, New York 1987, Seite 123,129,278 - Illig Heribert: Das erfundene Mittelalter. Die größte Zeitfälschung der Geschichte. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1996, Seite 50 - Kalckhoff Andreas: Karl der Große. Profile eines Herrschers. R. Piper GmbH & Co. KG, München 1987, Seite 133,204 - Konecny Silvia: Die Frauen des karolingischen Königshauses. Die politische Bedeutung der Ehe und die Stellung der Frau in der fränkischen Herrscherfamilie vom 7. bis zum 10. Jahrhundert. Dissertation der Universität Wien 1976, Seite 64,79,83,84 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991, Seite 98,105,128,170 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992, Seite 63,68,72,74, 89,108 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990, Seite 97 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 4 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 23-29 - Wies Ernst W.: Karl der Große. Kaiser und Heiliger. Bechtle Verlag Esslingen 1986, Seite 61,226 -