Wido                                               Markgraf der Bretonischen Mark
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    -   802/814
 

Sohn des Grafen Lantbert und der BOSONIDIN Deotbric
 

Lexikon des Mittelalters: Band IX Seite 67
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Wido comes, Präfekt der Bretonischen Mark 799-808/13
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Ein Angehöriger des Adelsgeschlechts der WIDONEN, war offenbar im Dienst König Pippins zunächst mit Abt Fulrad von St-Denis im Elsaß und in der Ortenau tätig. 799 von KARL DEM GROSSEN als Präfekt der Bretonischen Mark eingesetzt, unterwarf er die Bretagne dem Frankenreich. Er stand mit Alkuin, der ihn bei KARL DEM GROSSEN als "vir perfectus et iudex incorruptus" pries und ihm seinen "Liber de virtutibus et vitiis" widmete, in enger Verbindung. In der Bretonischen Mark ist sein Sohn Lambert bereits seit 806 als Graf, ab 818 als Präfekt nachweisbar.

Literatur:
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J. Fleckenstein, Fulrad v. St-Denis und der frk. Ausgriff in den süddt. Raum (Forsch. zur Oberhein. Landesgesch. 4, 1957), 9-39.



Thiele, Andreas: Tafel 389
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

WIDO
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    + 802/14

Erst ab Lantbert ist die Filiation der Familie weitgehend sicher; er war Mitglied des fränkischen Reichsadels. Er und seine Familie waren hochangesehen. Wido mußte 782 auf Druck KARLS DES GROSSEN alle Ansprüche auf das Kloster Mettlach aufgeben. Er erschien 796 zusammen mit seinem Bruder Warnharius als Tradent und Besitzer von Kloster Hornbach. 799 wurde er Markgraf der Bretonischen Mark und eine wichtige Stütze KARLS. Er erwarb viel Besitz in Westfrankreich und wurde 802 kaiserlicher missus.
Graf Wido ist als Nachkomme und Besitznachfolger des Warnharius bezeugt. Nachkommen sind ebenfalls Willigart, Schenkerin von Willgartswiesen 828 und ihr nepos Warnharius. Werner, der Stammvater der SALIER, gehört auch zu den Besitznachfolgern und sehr wahrscheinlich zu den Nachkommen Lantberts.



Die Reichsannalen mit Zusätzen aus den sogenannten Einhardsannalen: Seite 70
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in: Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte Band V

799.

Als Papst Leo zu Rom vom Lateran nach der Kirche des heiligen Laurentius, die zum Rost heißt, zur Litanei ritt, fiel er in den ihm von den Römern bei dieser Kirche gelegten Hinterhalt. Er ward vom Pferde heruntergerissen, wie etliche meinten ihm die Augen ausgestochen, die Zunge abgeschnitten, und er dann nackt und halbtodt auf der Straße liegen gelassen. Später brachte man ihn auf Befehl der Anstifter dieser That in das Kloster des heiligen Märtyrers Herasmus, um da geheilt zu werden; es gelang jedoch seinem Kämmerer Albinus, ihn bei Nacht an der Mauer herabzulassen, wo er sodann von dem Herzog Winigis von Spoletium, der auf die Kunde solchen Frevels schleunig nach Rom gekommen war, in Empfang genommen und nach Spoletium geführt wurde.

Als der König die Nachricht von diesem Vorfall erhielt, gab er Befehl den römischen Papst als den Stellvertreter des heiligen Petrus mit den höchsten Ehren zu ihm zu geleiten, gab jedoch darum den Zug nach Sachsen, den er sich vorgenommen hatte, nicht auf. Er hielt den Reichstag zu Lippeham am Rhein, setzte dann über diesen Fluß und rückte mit seinem ganzen Heere nach Padrabrunnon, wo er sein Lager aufschlug und den Papst erwartete. Unterdessen schickte er seinen Sohn Karl mit einer  Abtheilung des Heers an die Elbe, um einige Angelegenheiten mit den Wilzen und Abodriten abzumachen und einige Sachsen von den Nordliudi in Empfang zu nehmen. Während er dessen Rückkehr  abwartete, kam der Papst an, wurde sehr ehrenvoll von ihm empfangen und blieb mehrere Tage bei ihm. Nachdem er ihm sodann alles, warum er gekommen, eröffnet hatte, ward er mit großen Ehren von den Gesandten des Königs, die ihm beigegeben wurden, wieder nach Rom geleitet und in seine Gewalt wieder eingesetzt. Nach des Papstes Abreise verweilte der König noch wenige Tage und gab dem Danihel, dem Gesandten des Patricius Michahel von Sicilien Bescheid. Auch die traurige Kunde von dem Untergange Gerolds und Erichs erhielt er daselbst: der eine von ihnen, Gerold, der Befehlshaber von Baiern, war in einer  Schlacht gegen die Hunen umgekommen [und wurde in Reichenau begraben], der andere, Erich, fand nach vielen Kämpfen und herrlichen Siegen bei Tharsatica, einer Stadt Liburniens, durch die Hinterlist der Bewohner seinen Tod. Nachdem nun die Dinge in Sachsen, so gut als es die Zeit erlaubte, in Ordnung gebracht waren, kehrte der König ins Frankenland zurück. - Während des Winters, den er in Aachen zubrachte, erschien Wido, der Graf und Befehlshaber im brittanischen Grenzbezirk, der in diesem Jahr in Verbindung mit anderen Grafen das ganze Land der Brittonen durchzogen hatte, und überbrachte ihm die Waffen der Herzoge, die sich ergeben hatten und deren einzelne Namen darauf geschrieben waren. Es schien dieses Land damals völlig unterjocht zu sein, jedoch der Wankelmuth des treulosen Volkes wandte dieß wie  gewöhnlich bald wieder anders. Es wurden auch Siegeszeichen gebracht, welche den auf der Insel Maiorika getödteten maurischen Räubern abgenommen worden waren. Der Sarrazene Azan, der  Befehlshaber von Oska, schickte dem König die Schlüssel der Stadt nebst andern Geschenken und versprach ihm die Stadt zu übergeben,  wenn eine passende Gelegenheit komme. Aber auch ein Mönch traf aus Jerusalem ein und überbrachte dem König von dem Patriarchen den Segen und Reliquien von dem Orte der Auferstehung des Herrn. Der König blieb über Weihnachten in seiner Pfalz zu  Aachen; als der Mönch wieder heimkehren wollte, gab er ihm den  Zacharias, einen Priester seines Palastes, als Begleiter bei und  schickte mit ihm fromme Gaben nach jenen heiligen Orten.

Mitterauer Michael: Seite 69
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"Karolingische Markgrafen im Südosten."

Gemeinsam mit seinen Brüdern mußte Wido um 782 das Kloster Mettlach, das sein Vater widerrechtlich in seinen Besitz gebracht hatte, herausgeben. Für seines Bruders Warin Seelenheil schenkte Wido 796 Güter an Hornbach im Bliesgau. Zusammen mit seinem Bruder Werner war Wido Besitzer dieses Klosters. Sein Anteil ging auf seinen Sohn Lantpert über, der Werners auf Herard. Lantpert ist der Vater Herzog Widos von Spoleto, dem Kaiser LOTHAR I. "in der Not des Reiches" das von seinen Ahnen gegründete Kloster Mettlach verlieh.

Fleckenstein Josef: Seite 26
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"Fulrad von Saint-Denis und der fränkische Ausgriff in den süddeutschen Raum." in: Studien und Vorarbeiten zur Geschichte des Großfränkischen und frühdeutschen Adels

Damit stellt sich die Frage, wer denn der hier genannte Wido war. Daß er zu den Mächtigen gehörte, läßt schon die Größe seiner Tradition an Fulrad erkennen. Unter den Mächtigen, der hier in Frage stehenden Gebiete tritt um diese Zeit aber mit dem Namen Wido (der sonst nicht gerade selten ist) nur ein Mann hervor: der bekannte Zeitgenosse Fulrads aus dem Hause der WIDONEN, der spätere Markgraf der Bretagne. Und dieser Wido [71 Vgl. D Karol. 1 nr. 148 und Mon. Boic. XXXI nr. 17; zu seiner Einordnung in den Stammbaum der WIDONEN: Heinrich Baldes, Die Salier und ihre Untergrafen in den Gauen des Mittelrheins (Diss. Marburg 1913) Seite 10ff.; ferner Hermann Schreibmüller, Die Ahnen Kaiser Konrads II. und Bischofs Bruno von Würzburg in: Herbipolis jubilans (1952), besonders Seite 179ff., der für unsere Zeit inhaltlich und methodisch i.w. M. Chaume, Les Origines du duche de Bourgogne (1925) folgt (siehe besonders Seite 534f.) und leider auch, wie dieser, gerade für seine schönsten Kombinationen die Belege schuldig bleibt; neuestens besonders A. Doll, Das Pirminskloster Hornbach, Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 5 (1953) Seiet 118ff. und I. Dienemann-Dietrich, Der fränkische Adel Seite 172f.], der Sohn Lantberts und Bruder des Warnarius, mit dem er zusammen Eigenkirchenherr des Klosters Hornbach im Bliesgau war, hatte nicht nur, wie auch die Vita S. Pirmini bezeugt, Beziehungen ins Elsaß, sondern zweifellos auch zu Fulrad, der ja, wie wir sahen, im Bliesgau und dessen Nachbargauen beheimatet war. Man wird also wohl die Identität für hinreichend gesichert halten dürfen [73 A. Doll, Das Pirminskloster Hornbach Seite 117ff., dem I. Dienemann-Dietrich, Der fränkische Adel Seite 172ff. im wesentlichen folgt, hat darüber hinaus wahrscheinlich gemacht, daß schon Warin, der Kollege Ruthards, mit dem gleichnamigen Gründer des Klosters identisch und also ebenfalls WIDONE war; eine Identifizierung, die sich mühelos in unser Bild einfügen läßt.].
Das Testament berichtet, in seinem ersten Teil von insgesamt sechs Traditionen; davon bezogen sich, abgesehen vond er ersten, drei auf den Bliesgau und nur zwei auf das Elsaß mit der Ortenau (und den Seillegau). Das heißt konkret: Es war die Hilfe von nur zwei Männern, von zwei Großen, die sowohl Fulrad persönlich als auch ihrem König nahestanden: die Hilfe Ruthards und Widos, durch die Fulrad im Elsaß und Alemannien Fuß gefaßt hat. Fulrads Besitz im Elsaß (und in Alemannien) ging also bis zum Jahre 768 allein auf sie zurück! Sie haben ihm spätestens seit 764 und bis 768 [74 "Bis 768", mit anderen Worten: "768 oder vor 768" als Datierung der Tradition Widos an Fulrad ist freilich eine sehr vage Bestimmung, doch darf man annehmen, daß sie nicht lange vor 768 erfolgt ist. Wido muß um diese Zeit noch ein junger Mann gewesen sein; er tritt 782 im Streit um Mettlach hervor (D Karol. 1 nr. 148), 799 ist er als Markgraf der Bretagne bezeugt (Annales regni Francorum rec., Fr. Kurze, SS rer. Germ. (1895) Seite 108/09). Die Tatsache, daß Fulrad im Jahre 768 anläßlich seiner schweren Erkrankung, die ihn an seinen Tod denken ließ, nur die Wido-Güter als Stiftung für sein Seelenheil (DK 27: ut pro eius (sc. Fulradi) animea ipsias res ad loca sanctorum confirmare deberemus) Pippin übergab, läßt keinen weiteren Schluß auf die übrigen Erwerbungen Fulrads zu, - es ei denn den, daß er sie eben nicht für diesen Zweck aus der Hand gegeben hat. Sie können also durchaus früher erfolgt sein. Dies gilt in unserem Fall speziell für die sonst nicht datierte Tradition Ruthards im Elsaß, für die wir allein aus der Aufzählung im Testament darauf schließen können, daß sie wahrscheinlich vor der Wido-Traditiion lag. Siehe oben Seiet 23f.] Zugang zu diesem neuen fränkischen Kraftfeld im Süden verschafft.
Von Pippin selbst hören wir zunächst nichts. Wohl stand Ruthard - und später jedenfalls auch Wido [75 Siehe die letzet Anmerkung.] - in seinem bzw. seines Sohnes Dienst.
Wie wir nur noch asu einer späteren Urkunde KARLS DES GROSSEN erkennen können, hat er wenigstens in einem Fall Fulrad mit einem Grundstück in Filicione curte belehnt [76 D Karol. 1 nr. 107: illus mansus, quom genitor meus Fulrado beneficiavit in Filicione curte ...], also in Filsdorf im Seillegau, wo gleichzeitig Besitz Widos gelegen war, der ihn - wohl nicht zufällig - ebenfalls Fulrad tradierte [77 Vgl. Tabell I nr. 23. ]. Er gehörte zu der umfangreichen Tradition Widos, die Fulrad bei seiner Erkrankung an Pippin weitergegeben und von diesem nach seiner Genesung ohne weiteres zurückerhalten hatte.

Schreibmüller, Hermann: Seite 187
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"Die Ahnen Kaiser Konrads II. und Bischof Brunos von Würzburg, in Herbiopolis Jubilans. 1200 Jahre Bistum Würzburg."

Vor und nach 800 erscheint ein besonders tüchtiger Wido, gleich dem berühmten Hruodland als comes ac praefectus Britanni limitis, das heißt Markgraf der Bretagne. Dass ein SALIER mit dem verantwortungsschweren, einflußreichen Amt eines Markgrafen betraut wurde, spricht für die große Bedeutung seiner Familie. Seine Stellung war außerordentlich schwierig. Im Jahre 799 besiegte Wido die Bretonen vollständig und überbrachte dem Kaiser KARL nach Worms als Siegeszeichen die Waffen der keltischen Häuptlinge mit ihren eingravierten Namen. Nach seinem Sieg nahm Wido seinen Sitz in Vannes, das der Brennpunkt des Kampfes gewesen war. Das Urkundenbuch des Klosters Redon hat in einer Urkunde von 814 die bezeichnende Datierung "regnante Jarnhitin et Wido comite", sucht also die Scheinherrschaft des Bretonenhäuptlings mit der Amtstätigkeit Widos zu verbinden.
Dieser Markgraf Wido stand, was den kriegerischen Hocharistokraten von der geistigen Seite zeigt, in enger Verbindung mit dem größten Gelehrten seiner Zeit, Alkuin, dessen Vorträge in der "Hofschule" er vielleicht gehört hatte. Auf den "ehrenvollen" Antrag Widos schrieb Alkuin für den kriegerisch Beanspruchten eine Abhandlung über die Hauptlaster und -tugenden, als tröstendes, jederzeit bereites Handbuch für den Grafen gedacht, um ihm den Weg zum "Gipfel der Vollkommenheit" zu zeigen. Diese Schrift war zunächst nur für Wido bestimmt, den Alkuin im Widmungsbrief als "innigstgeliebten Sohn" und Ew. Liebden" bezeichnet, wurde aber viel abgeschrieben und ist noch heute in nicht wenigen Handschriften des 9. und 10. Jahrhunderts erhalten. Das sehr günstige Urteil Alkuins über Wido, den er als "vollkommenen Mann, unbestechlichen Richter und getreuen Sendboten" rühmt, erhellt aus einem Brief Alkuins an KARL DEN GROSSEN aus der Zeit von 801/02.
Mit dem Hornbacher Abt und Konvent wendete sich Wido, der mit dem Familienkloster Hornbach, in engster Beziehung blieb, in den Jahren 803 bis 813 an den Erzbischof Riculf von Mainz mit einer kirchlichen Bitte. Schon 796 hatte er das Kloster beschenkt. Gestorben ist er 814.
Dieser tüchtige, von Alkuin so hoch geschätzte Markgraf Wido ist die früheste große, vielseitige, kriegerische und geistig hervorragende Persönlichkeit unter den SALIERN, die zugleich ihren persönlichen und zugleich den allgemeinen Zusammenhang zwischen West- und Ostfranken beweist.
 
 
 
 

  oo N.N.
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Kinder:

  Wido Graf von Vannes
          -   834 gefallen

  Lambert I. (Lantbert)
          -   836/37
 
 
 
 

Literatur:
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Dienemann-Dietrich Irmgard: Der fränkische Adel in Alemannien im 8. Jahrhundert. in: Grundfragen der Alemannischen Geschichte. Vorträge und Forschungen Band 1 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen Seite 172 - Die Reichsannalen mit Zusätzen aus den sogenannten Einhardsannalen. Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte Band V Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1974 Seite 70 - Fleckenstein Josef: Fulrad von Saint-Denis und der fränkische Ausgriff in den süddeutschen Raum.
in: Studien und Vorarbeiten zur Geschichte des Großfränkischen und frühdeutschen Adels Eberhard Albert Verlag Freiburg im Breisgau 1957, Seite 12,16,19,23,25,29 - Kalckhoff Andreas: Karl der Große. Profile eines Herrschers. R. Piper GmbH & Co. KG, München 1987 Seite 56,253 - Mitterauer Michael: Karolingische Markgrafen im Südosten. Archiv für österreichische Geschichte Band 123. Hermann Böhlaus Nachf./Graz-Wien-Köln 1963 Seite 69 - Riche, Pierre: Die Karolinger, Deutscher Taschenbuch Verlag München 1991, Seite 143,173 - Schreibmüller, Hermann: Die Ahnen Kaiser Konrads II. und Bischof Brunos von Würzburg, in Herbiopolis Jubilans. 1200 Jahre Bistum Würzburg. Festschrift zur Säkularfeier der Erhebung der Kiliansreliquien Würzburger Diözesangeschichtsblätter 14/15 1952 Seite 187 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 389 -