Lambert I. mit dem Barte               Graf von Löwen (973-1015)
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ca 955-12.9.1015 gefallen
             bei Florennes
 

Sohn des Grafen Reginar III. von Hennegau und der Adela von Löwen, Tochter von Graf Lambert
 

Brandenburg Erich: Tafel 33 Seite 66
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

VIII. 84. LAMBERT I., Graf von Löwen ca. 976
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* ca. 950, + 1015 12. IX.

Gemahlin:
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vor 994 (ca. 985)
Gerberge, Tochter des Herzogs Karl von Nieder-Lothringen (siehe VIII. 63.)
        +

Anmerkungen: Seite 156
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VIII. 83-86

Knetsch 14 f.



Thiele, Andreas: Tafel 17
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

LAMBERT I. "MIT DEM BART"
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    + 1015 gefallen

Lambert I. mit dem Barte floh 957 mit seinem Bruder Reginar nach Frankreich. Nach dem Tode Kaiser OTTOS I. kehrte er mit seinem Bruder zurück und setzte sich im väterlichen Erbe fest. Er machte 977/78 den Feldzug des Königs Lothar von Frankreich gegen Aachen mit und unterwarf sich anschließendOTTO II., der den Brüdern ihre Eigengüter zurückgab und Lambert zum Grafen von Löwen-Liuvain (Kerngebiet von Belgien) ernannte. Lambert schuf sich in der Folgezeit aus den Besitzungen seines Hauses in Brabant eine Grafschaft mit dem Zentrum Löwen. Er stritt viel mit seinem Bruder, der wohl ermordet wurde. Er stritt auch ständig mit seinem Schwiegervater Karl von Nieder-Lothringen und dem herzoglichen Schwager und geriet zeitweise in Haft. Er war eine der tatkräftigsten feudalen Gestalten im alten Lothringen und setzte sich zu größter Autorität durch. Er geriet gegen den Bischof Notker von Lüttich (+ 1007), der eine kaiserliche Stütze war, verbündete sich mit den rebellierenden Grafen von Luxemburg, wurde 1012 in Löwen belagert und behauptete sich gegen den Kaiser. Im Herbst 1012 besiegte er den Bischof von Lüttich bei Morgauden. Später versuchte Lambert im Bunde mit seinem Neffen Reginar V. von Hennegau seinen lästigen Nachbarn, den Herzog Gottfried II. von Nieder-Lothringen, zu beseitigen, ganz Brabant an sich zu ziehen und die Nachfolge im Herzogtum zu ertrotzen. Doch Gottfried II. besiegte Lambert am 12.9.1015 in der blutigen Schlacht bei Florennes, in der letzterer fiel.

  oo GERBERGA VON LOTHRINGEN
                 +

Tochter des KAROLINGER Herzog Karl, Erbin wichtiger Güter



Thietmar von Merseburg: Seite 404
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Chronik Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 -

Buch VII Kapitel 32

1016
Bei einer Insel Namens Augia [Reichenau] gingen am 16. Octbr. neun Schiffe voll Menschen beiderlei Geschlechts in den Fluthen unter.

Im Westen wurde Lambert, Reinheri's Sohn [158 Graf Lambert von Löwen suchte den Herzog von Nieder-Lothringen zu verdrängen.], mit den Seinigen von dem ihm feindlichen Godefrid, [dem Herzoge von Lothringen][159 Herzog von Nieder-Lothringen 1012-1023.], besiegt und getödtet [160
12. September 1015 Schlacht bei Fleures (nordöstlich Charleroi) oder Florennes (westlich Dinant), vgl. VII, 24.]. Diesem Lambert waren gar viele feind, denn es gab keinen schlechteren Menschen auf Erden, als er war: er knüpfte viele Menschen in den Kirchen am Glockenstrange auf. Wie viele durch ihn Vermögen und Leben verloren haben, vermag kein Mensch aufzuzählen. Und nie dachte er daran, für seine verübten Missethaten Buße zu thun. Er hatte auch mit seinem Bruder Reinger [161 Graf Reginar IV. von Hennegau 977-1013/15.] zusammen den Grafen Wirinhari und  zugleich dessen Bruder Reinzo erschlagen [162 958 hat Otto der Große nach der Verbannung Reginars III. dessen Güter und Grafschaften den Brüdern Werner und Reginald verliehen, die 974 fielen. - 977 erhielten Reginar IV. und Lambert das väterliche Erbe zurück.]. Sein Vater starb in Böhmen in der Verbannung, wohin ihn Kaiser Otto geschickt hatte. Ob dieser Menschen trauerte das Vaterland selbst, so lange sie lebten, und es freut sich, sie verloren zu haben. Das nur müssen wir beklagen, daß an jenem Tage um des einen Schuldigen willen auf beiden Seiten der Kämpfenden so viele Unschuldige gefallen sind.

Mohr Walter: Band I Seite 47-49,64
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"Geschichte des Herzogtums Lothringen"

Reginar und Lambert wurden im Jahre 958 enterbt.
Auch Kaiser OTTO II. scheint bei seiner Thronbesteigung an den Zuständen in Lothringen nichts geändert zu haben. Vielleicht war es dadurch möglich, dass lothringische Große wiederum versuchten, den Verhältnissen in ihrem Lande eine eigene Prägung zu geben. Man rief die Söhne Reginars III. vom Hennegau, der in der Verbannung in Böhmen gestorben war, Reginar und Lambert, zurück und dachte wohl die Tradition Giselberts zu erneuern. Es gelang den beiden, die früheren Besitzungen ihres Vaters im Hennegau zurückzuerobern. Sie konnten sich indes nur kurze Zeit halten. Zu Beginn des Jahres 974 erschien der Kaiser selbst im Hennegau und vertrieb sie. Sie entkamen ins westfränkische Reich. Ihre Güter wurden an die Grafen Gottfried und Arnulf übertragen, dieser vielleicht Graf von Valenciennes, jener von Verdun. Weiterhin scheint Lothringen dem Kaiser direkt unterstellt gewesen zu sein.
Inzwischen verfolgten die geflüchteten Reginar IV. und Lambert ihre Sache weiter. Sie suchten ihren Kampf auf eine breitere Basis zu stellen, indem sie um Bundesgenossen warben. Anklang fanden sie beim Grafen Adalbert von Vermandois, dessen Sohn Otto sich ihnen zur Verfügung stellte. Des weiteren gewannen sie Karl, den Bruder des westfränkischen Königs Lothar. Für das Haus VERMANDOIS lag wohl in diesem Bündnis die Zielsetzung, auf diesem Wege Einfluss auf das Bistum Cambrai zu gewinnen. Bei Karl ist die Veranlassung dazu vielleicht darin zu suchen, daß er etwas zurückgesetzt behandelt worden war, er hatte keinerlei Ausstattung mit Landbesitz erhalten. Für Lambert und Reginar mag das Zusammengehen mit ihm von besonderer Bedeutung gewesen sei, da von dem KAROLINGER eine moralische Wirkung auf die Haltung der Lothringer ausgehen konnte, so dass man sie leichter zum Abfall von ihrem sächsischen König bewegen würde. Es ist dabei durchaus möglich, dass Karl auf sein Mitwirken die Herrschaft über Lothringen in Aussicht gestellt wurde.
In der 2. Hälfte des April 976 wandten sich die Verbündeten gegen Mons. Vor der Stadt machte ihnen ein verlustreiches Gefecht die Weiterführung ihres Unternehmens unmöglich, die Stadt selbst blieb ihnen verschlossen. Lediglich Otto von Vermandois konnte die kleine Grafschaft Gouy besetzen, von der aus es ihm möglich war, auf Cambrai einen Druck auszuüben. Der Kaiser war vorläufig nicht imstande, einzugreifen, er war anderwärts gebunden. Erst Anfang November 976 ist er am Rhein erschienen. Unmittelbare Anordnungen hat er indes noch nicht sofort, sondern erst im April 977 getroffen. Vermutlich weist das darauf hin, daß die Lage kompliziert geworden war. Wir wissen, dass der westfränkische König sich in dieser Zeit in der Nähe der lothringischen Grenze aufhielt, was vielleicht auf konkrete Pläne eines Eingreifens in Lothringen selbst schließen lässt. Hierzu kam eine Verschärfung der Spannung zwischen ihm und seinem Bruder Karl. Dieser äußerte nämlich Beschuldigungen des Ehebruchs gegen Lothars Gemahlin mit dem Bischof von Laon. Motive für dieses Vorgehen lassen sich nicht erkennen. Lothar schritt jetzt zur Verbannung seines Bruders.
Der Kaiser wird sich also der Möglichkeit eines Eingreifens des westfränkischen Königs in Lothringen gegenüber gesehen haben, das sich zugunsten von Lambert und Reginar ausgewirkt haben würde. An diesen Faktoren wird sich OTTOS Politik orientiert haben, denn nur so sind die Beschlüsse zu erklären, die er jetzt fasste. Lambert und Reginar erhielten ihre Besitzungen zurück. Lambert wählte seine Residenz in Löwen. Reginar übernahm den Hennegau, jedoch verblieb dort das feste Mons noch im Besitz des Grafen Gottfried, der wahrscheinlich außerdem die Grafschaft Verdun erhielt. Das wichtigste aber war es, dass Karl als Herzog im lothringischen Gebiet eingesetzt wurde.
Die damaligen niederlothringischen Verhältnisse, über die wir in den ersten Regierungsjahren HEINRICHS II. sehr ungenügend unterrichtet sind, wurden zum guten Teil bestimmt durch das Streben des Grafen Balduin IV. von Flandern, seinen Einfluss auf die Gebiete östlich der Schelde auszudehnen. Das richtete sich zunächst gegen das Bistum Cambrai und das Gebiet um Valenciennes. Im Jahre 1006 erfolgte ein Angriff des Grafen und des jetzt mit ihm verbündeten Grafen Lambert von Löwen auf Valenciennes, der zur Vertreibung des dortigen Grafen Arnulf führte. Das rief die Gegenaktion König HEINRICHS hervor, die jedoch keinen Erfolg hatte. Nach stärkeren militärischen Vorbereitungen schritt der König im Jahre 1007 zu einer neuen Aktion, die diesmal auf flämisches Gebiet führte, wobei die Eroberung von Gent gelang, die dann den Grafen Balduin zum Einlenken bestimmte. Er musste Valenciennes wieder räumen, Graf Lambert von Löwen blieb nichts anders übrig, als sich ebenfalls zu unterwerfen, er musste dem König seinen Sohn als Geisel für sein weiteres Wohlverhalten stellen.
Nieder-Lothringen wurde in dieser Zeit bereits stark durch die Fehden des Grafen Lambert von Löwen gegen den Bischof von Lüttich beunruhigt. Lambert hat zudem auch daran gedacht, auf Grund der Verwandtschaft mit dem verstorbenen Herzog Otto Anspruch auf das Herzogsamt zu erheben. Er hatte die älteste Tochter Herzog Karls geheiratet und erhielt nun aus dem Erbe des verstorbenen Herzogs Otto die Burgen von Brüssel und Löwen, die die Grundlagen für das jetzt aufkommende Haus BRABANT bildeten. Die Lage entwickelte sich dann zu einer langwährenden Fehde zwischen Herzog Gottfried und Graf Lambert. Schließlich ist letzterer in der Schlacht bei Florennes am 13. November 1015 (Persönlicher Einwurf: Richtig ist der 12.9., den auch Glocker, Verwandten der Ottonen, bestätigt) gefallen. Indes führte sein Sohn Heinrich den Kampf weiter.

Weinfurter, Stefan: Seite 59,223
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"Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten"

Thietmar von Merseburg schildert ein besonders krasses Beispiel adligen Wütens in Lothringen, nämlich das des Grafen Lambert I. von Löwen. Keinen Schlimmeren als ihn habe es im Lande gegeben. Viele Menschen seien ihm zum Opfer gefallen, zahlreiche habe er erschlagen oder in den Kirchen am Glockenstrang aufhängen lassen. Als ihn Herzog Gottfried von Nieder-Lothringen 1015 endlich besiegt hatte und er tot war, habe das Land aufgeatmet [9 Thietmar, Chronik, lib. VII, cap. 46, Seite 455].
Seit 1002, den Herrscherwechsel nutzend, richtete Balduin IV. die Angriffe vor allem auf Valenciennes. Bei diesen Aktionen schloß sich ihm Graf Lambert I. von Löwen an, der aus der Familie der REGINARE stammte und zum hohen Reichsadel des Westens zählte. Dessen Ansprüche auf das niederlothringische Herzogtum hatte HEINRICH II. nach dem Tod Herzog Ottos vonNieder-Lothringen 1005 nicht erfüllt, sondern die Herzogsgewalt fürs erste in der eigenen Hand behalten - ein ähnlicher Fall wie derjenige Heinrichs von Schweinfurt. Lambert, der als besonders gewalttätig und skrupellos beschrieben wird [116 Annales Quedlinburgenses, Seite 79.], war empört und zog 1006 mit Balduin IV. zur Eroberung von Valiencennes.
 
 
 
 

985/90
  oo Gerberga von Nieder-Lothringen, Tochter des Herzog Karl
       ca. 970/75-27.1. nach 1018

     Erbin wichtiger Güter
 
 
 
 

Kinder:

  Heinrich I. Graf von Löwen
  ca. 990- 1038 nach 5.5. ermordet

  Lambert II. Graf von Löwen
  ca. 990-21.9. nach 1062

  Mathilde
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  oo Eustach I. Graf von Boulogne
              - ca. 1049
 
 
 
 

Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen. Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 33 Seite 66,156 - DIE SALIER UND DAS REICH. Gesellschaftlicher und ideengeschichtlicher Wandel im Reich der Salier. (Hg.) Stefan Weinfurter. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1991 Band I Seite 447 - Hirsch, Siegfried: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich II. 1. bis 3. Band, Verlag von Duncker & Humblot Berlin 1864 - Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten. Eduard Anton Verlag Halle 1832 Seite 550 - Mohr Walter: Geschichte des Herzogtums Lothringen. Geschichte des Herzogtums Groß-Lothringen (900-1048) Verlag "Die Mitte" Saarbrücken 1974 Band I Seite 47-49,64 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 17 - Thietmar von Merseburg: Chronik Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 Seite 404 - Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Puset Regensburg 1999, Seite 59,223 -