Giselbert                                         Herzog von Lothringen (915-939)
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880/95-2.10.939 ertrunken
             bei Andernach
 

Ältester Sohn des Grafen Reginar I. Langhals von Hennegau aus seiner 2. Ehe mit der Alberada, Tochter von
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 1466
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Giselbert, Herzog von Lothringen
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    + Oktober 939

Sohn von Reginar I., Graf von Hennegau und Alberada

Er war über seine Großmutter väterlicherseits Urenkel LOTHARS I.

 928 oder 929
  oo Gerberga

3 oder 4 Kinder:
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Heinrich (+ um 944)
Hadwide (?)
Alberada (oo Rainald von Roucy)
Gerberga (oo Graf von Vermandois)

Giselbert erbte 915, als er unter mütterlicher Vormundschaft stand, die Güter und Abteien seines Vaters. Er wurde 919 zum Gegner des westfränkischen Königs Karls des Einfältigen, da dieser die Abtei St. Servatius in Maastricht Giselbert entzogen und sie dem Erzbischof von Trier übertragen hatte. In den folgenden Jahren stand Giselbert, den lothringische Große zum 'princeps' gewählt hatten, auf Seiten des deutschen Königs HEINRICH I. und unterstützte im W-Frankenreich den Thronanspruch Herzog Roberts von Francien gegen Karl. Nachdem HEINRICH Lotharingien 925 dem Imperium unterstellt hatte, machte er Giselbert zu seinem Bundesgenossen, indem er ihm die Herzogswürde verlieh und seine Tochter Gerberga zur Gemahlin gab. 936 fungierte Giselbert als Kämmerer bei der Krönung OTTOS I. in Aachen. In der Folgezeit ging er aber auf Distanz zum ottonischen Königtum und trat, gemeinsam mit Herzog Eberhard und OTTOS Bruder Heinrich, schließlich in offener Opposition. Im Verlauf dieser Konflikte musste er fliehen und ertrank bei Andernach im Rhein.
Er verfügte über zahlreiche lothringische Abteien (St. Ghislain, Stablo, Echternach, St. Maximin in Trier, St. Servatius in Maastricht, Remieremont, Moyenmoutier) und trug zu ihrer monastischen Erneuerung bei, indem er ihnen Güter zurückerstattete und das Wirken der Reformäbte unterstützte.



Brandenburg Erich: Tafel 31 Seite 63
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

VI. 38. GISELBERT, Graf im Hennegau
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* ca. 890, + 939 2. X.

Gemahlin:
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929 Gerberge, Tochter König HEINRICHS I.
              + 984 5. V.

II. oo König Ludwig IV.

Anmerkungen: Seite 156
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VI. 38.-40.

Knetsch 12 f.



Glocker Winfrid: Seite 272
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

IV 4 GERBERGA
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* c 913/14, + nach 968 am V 5

  929
1. oo Giselbert Herzog von Lothringen
         c 880, + 939 X 2

   939
2. oo Ludwig IV. König im westfränkischen Reich
        * 920 IX 10/921 IX 10, + 954 IX 10

Die Vermählung Gerbergas, der Tochter König HEINRICHS I., mit Herzog Giselbert von Lothringen bezeugen die Annales S. Maximini a. 929, SS IV 6; die weiteren Quellenbelege sind bei BO. 22b zusammengestellt. Der zeitliche Ansatz dieser Eheschließung ist in der Forschung strittig. Wir folgen wie Köpke-Dümmler S. 16 und Werner VI, 12 dem Jahr der Annales S. Maximini, während sich Waitz S. 121 f. und BO. 22b für Sommer 928 entschieden, da die Annales S. Maximini in ihren Nachrichten des Jahres 930 (Heirat des sächsischen Königs-Sohnes OTTO mit Edgith, Tod König Karls des Einfältigen) um ein Jahr vorausdatiert worden sind und dann folglich auch die Heirat Gerbergas mit Giselbert ein Jahr zu spät stände. Doch läßt sich bei einem Ansatz dieser Hochzeit für 929 an einen Zusammenhang mit der Hausordnung desselben Jahres denken; vgl. zur Bedeutung dieser Hausordnung für die familiären Verhältnisse des Königs Schmid, Thronfolge S. 439 bis 442. Zur Zeit der Hausordnung muß die Ehe Gerbergas aber schon bestanden haben, wie aus den damals angefertigten Gedenkbucheinträgen in den beiden Verbrüderungsbüchern von St. Gallen (col. 265, Piper S. 84) und dem Kloster Reichenau (pag. 63) ganz eindeutig hervorgeht. Zu den REGINAREN, der Familie Herzog Giselberts, vgl. Werner V, 11 und VI, 12-VI, 14, Knetsch, Brabant S. 12 zu III 4, sowie zur politischen Bedeutung der REGINARE Hlawitschka, Lotharingien passim. Herzog Giselbert hatte, wie Vanderkindere, Formation Bd. 2, S. 163 f., annimmt, wohl die Grafenrechte im Lüttichgau; vgl. dazu auch Nonn, Pagus S. 103.



Schwennicke Detlev: Tafel 10
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

GERBERGA
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* Nordhausen 913/14, + 5. V. nach 968

  I oo 928/29
        Giselbert 916 Graf, 928 Herzog von Lothringen (Brabant)
               + ertrunken im Rhein X 929

  II oo Ende 939
          Ludwig IV. 936 König von Westfranken (KAROLINGER)
                  + Reims 10.IX 954

Begraben: Saint Remy



Schnith Karl: Seite 10
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"Frauen des Mittelalters in Lebensbildern."

Die Nachkommen Königin Mathildes

2. GERBERGA
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* ca. 913/14 in Nordhausen, + 5.5.969

Grabstätte: St. Remi in Reims

  1. oo 928
          Herzog Giselbert von Lothringen (+ 2.10.939)

  2. oo Ende 939
           König Ludwig IV. von Frankreich (+ 10.9.954)



Hlawitschka; Eduard: Seite 122
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"König Heinrich I." in: Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern.

DIE NACHKOMMEN KÖNIG HEINRICH I.

3. GERBERGA
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* ca. 913/14
+ 5.5. (969)

Grabstätte: Chor der Kirche St. Remi

  I. oo 928
          GISELBERT, Herzog von Lothringen
          * ca. 880, + 2.10.939

  II. oo Ende 939
            LUDWIG IV., König von Frankreich
            * ca. 920/21, + 10.9.954

Grabstätte: Chor der Kirche St. Remi in Reims



Giselbert erbte von seinem Vater die führende Stellung in Lothringen und scheint sich zunächst mit Karl dem Einfältigen gut vertragen zu haben. Er empörte sich 919 gegen seinen französischen Oberherrn, der ihm in demselben Jahr die besonders wegen ihrer strategischen Lage wichtige Abtei St. Servatius in Maastricht abnahm und sie dem Erzbischof von Trier übergab. Die Mehrzahl der Lothringer fiel 920 vom französischen König ab und wählten nach Flodoard Giselbert zum "princeps". Karl der Einfältige, zwar anfangs noch durch einen Aufstand französischer Großer behindert, konnte sich aber zunächst in Lothringen noch durchsetzen. Giselbert förderte seit 920 alle Rebellionen der ROBERTINER gegen die Krone, machte 923 die Schlacht bei Soissons mit und suchte eine unabhängige Stellung zwischen Deutschland und Frankreich zu erreichen. Nach der 922 erfolgten Wahl des Gegen-Königs Robert von Franzien, verbündete sich Giselbert sofort mit ihm. Nach dessen Tode 923 riefen Giselbert und Erzbischof Ruotger von Trier, die politisch einflussreichsten Männer, jetzt den deutschen König HEINRICH I. ins Land, der noch 923 das östliche Lothringen unterwarf. Giselbert, der von HEINRICH I. wieder abgefallen war und König Rudolf von Frankreich gehuldigt hatte, musste sich 925 dem deutschen König HEINRICH I.unterwerfen, womit das Verbleiben Lothringens beim Deutschen Reich entschieden war. Dieser übertrug ihm 928 das Herzogtum Lothringen und vermählte ihn mit seiner Tochter Gerberga, die die reiche Grundherrschaft Brüssel in die Ehe einbrachte. Er markierte als letzter Herzog die Geschlossenheit des niederlothringischen Raumes. Die lothringischen Großen, die schon jahrzehntelang in ihren Gebieten ziemlich selbständig gewaltet hatten, sind wohl hauptsächlich nur durch die Macht und den Einfluss König HEINRICHS bestimmt worden, sich der Oberherrschaft Giselberts zu unterstellen. Er stand ab 930 mehrfach an der Spitze der Lothringer, wenn er militärisch in die Streitigkeiten französischer Großer eingriff. Eine selbständige Außenpolitik durfte er aber nicht treiben und HEINRICH I. zwang ihn 931, sein Bündnis mit Heribert von Vermandois aufzugeben und dessen Pläne zu unterstützen. Obwohl Giselbertin seinen Befugnissen eingeengt war, scheint das Verhältnis zwischen ihm und HEINRICH I. nicht schlecht gewesen zu sein. Jedenfalls begegnet uns Giselbert wiederholt als Intervenient in königlichen Urkunden. Er verdrängte nach jahrelangen Kriegen den Grafen Boso von Burgund-Arles aus Lothringen, bewahrte weitgehend Ruhe und Ordnung und schlug normannische Angriffe zurück. Er war 936 bei der Krönung OTTOS I. in Aachen königlicher Kämmerer. Als dieser jedoch ein strengeres Regiment als sein Vater zu führen begann, kam es zum Konflikt. Giselbert verbündete sich mit dem gleichfalls aufsässigen Eberhard von Franken und mit Heinrich, dem Bruder OTTOS I., und huldigte schließlich zusammen mit einigen lothringischen Großen dem französischen König Ludwig. Er unterlag bei Birten und ertrank nach der Schlacht bei Andernach auf der Flucht im Rhein.
 
 
 
 

1. oo Godila
                - um 928

    928
  2. oo 1. Gerberga von Sachsen, Tochter des Königs HEINRICH I.
               913-5.5.969
 
 
 
 

Kinder:

  Heinrich
  930- vor 944

  Alberada
  935-10.5.967

 950
  oo Ragenoldus Graf von Roucy
              -10.5.967

  Gerberga
  935-7.9. nach 978

 954
  oo Adalbert I. Graf von Vermandois
              -8.9.987

  Hadwig
  930- nach 939

 v oo Berthold Herzog von Bayern
         um 900-23.11.947
 
 
 
 

Literatur:
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Althoff, Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Wilhelm Fink Verlag München 1984 Seite 159,162 - Althoff Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 38,47,49,51,58,74,77,81,83,85,89 - Althoff Gerd: Spielregeln der Politik im Mittelalter. Kommunikation in Frieden und Fehde. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1997 Seite 23 A 7,34,296 - Althoff, Gerd/Keller, Hagen: Heinrich I. und Otto der Große, Muster-Schmitt Verlag Göttingen 1994 - Beumann, Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln, Seite 35-39,42,49,54,59-61,84 - Brühl Carlrichard: Die Geburt zweier Völker. Deutsche und Franzosen Böhlau Verlag GmbH & Cie, Köln - DEUTSCHE FÜRSTEN DES MITTELALTERS. Fünfundzwanzig Lebensbilder. Edition Leipzig 1995 Seite 63,68,72 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 367,375,397, 407,409 - Diwald Helmut: Heinrich der Erste. Die Gründung des Deutschen Reiches, Gustav Lübbe Verlag Bergisch Gladbach 1994, Seite 245,366,462 - Eickhoff, Ekkehard, Theophanu und der König, Klett-Cotta Stuttgart 1996, Seite 292-294 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 116,118 - Giesebrecht Wilhelm von: Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Mundus Verlag 2000 Band I Seite 201-522 -
Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 28-304 - Hlawitschka, Eduard: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische Studien zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9.,10. und 11. Jahrhundert, Saarbrücken 1969, Seite 25,55,57,106,127,155 - Hlawitschka, Eduard: Herzog Giselbert von Lothringen und das Kloster Remiremont, in Stirps Regia von Eduard Hlawitschka Seite 377-421, Verlag Peter Lang Frankfurt am Main - Hlawitschka, Eduard: Konradiner-Genealogie, unstatthafte Verwandtenehen und spätottonisch-frühsalische Thronbesetzungspraxis. Ein Rückblick auf 25 Jahre Forschungsdisput. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2003 Seite 29,63,148 - Hlawitschka, Eduard (Hg.): Königswahl und Thronfolge in ottonisch-frühdeutscher Zeit. Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1971 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968 Seite Seite 177,189,193,203-205,217 - Hlawitschka, Eduard: Studien zur Äbtissinnenreihe von Remiremont (7.-13. Jh.), Saarbrücken 1963, Seite 42-44.105,129 -
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