2. Sohn des Königs
Ludwig IV. von Frankreich und der Gerberga
von Sachsen, Tochter von König HEINRICH
I.
Glocker Winfrid: Seite 284
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der
Politik"
VI, 16 Karl
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* 945 I, + vor 953
Flodoard berichtet am Beginn des Jahres 945, Seite 95f.,
von der Geburt eines Sohnes Karl durch
die Königin Gerberga. Weil dieser
Name "Karl" erneut an einen der beiden
im Sommer 953 geborenen Zwillinge vergeben wurde, muß der 945 I geborene
Karl zwischenzeitlich verstorben sein.
Es sei hier auf einen Fehler Widukinds aufmerksam gemacht,
der auf Grund der weiten Verbreitung seiner Sachsengeschichte immer wieder
übernommen wird. Widukind II c. 39, Seite 99, führt als den dritten
Sohn der
Königin Gerberga mit
Ludwig IV. einen Karlmann auf.
Dieser Irrtum des Corveyers wurde von dem letzten Editor, Paul Hirsch,
nicht bemerkt (Seite 99, Anm. 2: "Über Karlmann
ist weiter nichts bekannt"). Auch die Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe
Bd. 8, Seite 122, Anm. 68, korrigiert diesen Fehler nicht. Daher sei hier,
wie dies Werner VII,71 bereits getan hat, nochmals eindringlich
festgestellt: König Ludwig IV.
und seine Gemahlin Gerberga hatten
keinen Sohn namens Karlmann!
VII. Generation
71
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Diesen Sohn Ludwigs IV.
nennt Brandenburg ganz irrig "Karlmann",
und folgt damit einem Mißverständnis Widukinds II, 39 (das allerdings
auch der Herausgeber, Paul Hirsch, MG SSrG, 1935, 99, Anm. 2 und 4, nicht
oder vielmehr noch weniger durchschaute). Ludwigs
Sohn Karl wurde 945 I geboren (Flodoard
945, ed. Lauer 95f.); noch im gleichen Jahr (nach VII 13) wird der kleine
Sohn den Normannen als Geisel für den ihnen in die Hand gefallenen
König
Ludwig IV. von Gerbergaausgeliefert:
Flodoard 945, ed. Lauer 99 Nordmanni filius ipsius regis (also Lothar
und
Karl)
dari
sibi obdides quaerunt, nec aliter regem se dimissuros asserunt. Mittitur
igitur ad reginam pro pueris; illa minorem (sc. Karolum) mittens
maiorem (sc. Lotharium)
futetur se non esse missarum. Datur igitur
minor, et ut rex dimittatur, Wido Suessorum episcopus sese obsidam tradit.
Widukind
II, 39 ist nun Zeuge einer Überlieferung, derzufolge der ausgelieferte
Sohn, namens
Karl, von den Normannen
nach Rouen gebracht wurde und dort gestorben ist. Jedenfalls war er 953
tot, denn zu diesem Zeitpunkt konnte einer der Zwillinge, die
Gerberga
damals gebar, erneut den Namen
Karl
erhalten: Der spätere Herzog von Nieder-Lothringen. Eben dieses zweimalige
Auftreten des gleichen Namens für zwei verschiedene Brüder muß
Widukind bewogen haben (oder die ihm zu Gebote stehende Überlieferung),
den jüngeren der beiden "Karlmann"
(Karlomannus) zu nennen, ganz abgesehen von der Unrichtigkeit, daß
er in Karl den ältesten Sohn sieht,
statt in Lothar. Hirsch hat dies nun
im Unterschied zu Brandenburg, der die Lebensdaten des 945 geborenen Sohnes
richtig gibt, nur nicht den Namen - dahingehend mißverstanden, als
wäre der spätere Karl
von Nieder-Lothringen (der zu dieser Zeit noch gar nicht
lebte) den Normannen ausgeliefert worden und hätte im Widerspruch
zur Behauptung Widukinds, diese Haft überlebt. Hirsch vermutetete
eine Verwechslung mit "Karlmann", so,
als sei dieser in Haft geratene Ludwigs-Sohn, und bemerkt im übrigen:
"Über Karlmann
ist weiter nichts
bekant." Ich lege dies in Ausführlichkeit dar, um künftige Mißverständnisse
zu vermeiden: Ludwig IV. hat nie einen
Sohn namens Karlmann gehabt. Ein ersten
Sohn, der den Namen Karl trug, wurde
945 I geboren, 945 2. Jahreshälfte den Normannen als Geisel ausgeliefert
und starb vor 953, vielleicht, sogar wahrscheinlich,
945
oder
bald danach in normannischer Haft. Ein zweiter Sohn namens Karl
wurde 953 geboren - es ist der spätere Herzog von Nieder-Lothringen
und westfränkische Thronprädent.
Literatur:
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Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller
Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis
Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 - Glocker
Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik.
Böhlau Verlag Köln Wien 1989 V,16. Seite 38,198,284 -
Schieffer
Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992,
Seite 211 -