Tochter des Grafen Harduin von Burgund
Konecny Silvia: Seite 142
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"Die Frauen des karolingischen Königshauses. Die
politische Bedeutung der Ehe und die Stellung der Frau in der fränkischen
Herrscherfamilie vom 7. bis zum 10. Jahrhundert."
Auf eine Ehe Ludwigs
des Stammlers reagierte KARL
DER KAHLE weniger heftig als auf jene Karls
von Aquitanien. Auch der älteste Sohn des Herrschers ging
gegen den Willen des Vaters oder zumindest ohne dessen Zustimmung eine
Ehe mit Ansgard ein.
Diese entstammte dem Geschlecht der ROBERTINER,
mit denen sich KARL DER KAHLE wohl
arrangieren mußte. Erst Jahre später zog er den Sohn wieder
ganz auf seine Seite, indem er dessen Ehe mit Adelheid
veranlaßte, die wie Ermengard dem Geschlecht der
ADALHARDE entstammte.
Als deren Vorherrschaft im westfränkischen Reich von jener der BOSONEN
abgelöst worden war, wurde die Legitimität aller Nachkommen Ludwigs
des Stammlers mit dem Hinweis auf die Unrechtmäßigkeit
seiner beiden Eheverbindungen bestriiten. Angriffe dieser Art trugen wohl
dazu bei, daß der Krönungsordo der westfränkischen Königin
gerade unter Ludwig dem Stammler volle
Ausbildung fand. Ihm kam wohl eine propagandistische Funktion zu.
Hlawitschka Eduard: Seite 28,225-227,231,235,237
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"Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen
Geschichte"
Karl
der Einfältige, der aus König
Ludwigs des Stammlers zweiter Ehe (mit Adelheid)
hervorging, war ja in den Geruch gebracht worden, keiner rechten Ehe zu
entstammen, seit die Großen des W-Reiches sich 879 dazu durchgerungen
hatten, Ludwig des Stammlers
erste Ehe (mit Ansgard), die
aif Geheiß KARLS DES KAHLEN nach
jahrelangem Bestehen getrennt worden war, doch als echtmäßig
anzuerkennen, damit die Söhne dieser Ehe das Königtum erlangen
konnten.
Nun stammten diese beiden Königssöhne aus Ludwigs
des Stammlers erster Ehe, die dieser im Frühjahr 862 mit
Ansgard, einer Tochter des Grafen
Harduin und Schwester eines KARL DEM KAHLEN
nahestehenden Odo, eingegangen war [Ann. Bertin. ad 862 Seite 58: Hludowicus
...filiam Harduini quondam comitis, sororem scilecet Odonis sui
multum complatii, sibi coniugem copulat. Den Namen Ansgard
überliefern uns Regino (vgl. unten Anm. 17), Flodoard (vgl. unten
bei Anm. 30) und eine Urkunde des jungen Königs
Karlmann vom 23.1.883 (Bouquet,
Recueil IX Seite 430).
Zur Familie der Ansgard
vgl. L. Levillain, Essai sur le comte Eudes, fils de Harduin et de Guerinbourg,
in: Le Moyen Age 50( 1947) Seite 163ff., 233ff., und dagegen K.F. Werner,
Untersuchungen zur Frühzeit des französischen Fürstentums
IV: Rotberti complices, in: Welt als Geschichte 19 (1959) Seite 154ff.].
Ludwig der Stammler hatte
sich aber ohne die Zustimmung seines Vaters
KARL
DES KAHLEN vermählt, und so war diesem die Verbindung von
vornherein, wenn gleich er sie Ende 8562 anerkannt zu haben scheint [Cum
uxore lädt er ja Ludwig zu
sich, nachdem dieser sich im Hochsommer 862 zu seinem Vater begeben und
um Verzeihung gebeten hatte; Ann. Bertin. ad 862 Seite 59], ungelegen.
Ludwig
hatte sich deshalb (ca. 866-875, wahrscheinlich um 871) auf väterliches
Geheiß unter eidlicher Bekräftigung von
Ansgard trennen müssen [Zum Datum der Trennung der ersten
und des Beginns der zweiten Ehe vgl. H. Renn, Das erste Luxemburger Grafenhaus
(1941) Seite 4. Indes ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert, daß
KARL
DER KAHLE 870 unter anderem Odonem atque Arduinum comites zu
Ludwig dem Deutschen nach Frankfurt
zur Vorbereitung des Vertrages von Meersen sandte (Ann. Bertin. ad 870
Seite 109). Wenn man in Odo den bezeugten Bruder Ansgards
und in Arduin einen weiteren Verwandten desselben erblickt,
was freilich nicht zwingend erweisbar ist, wird man geneigt sein, die Trennung
Ansgards von Ludwig
erst nach 870 anzusetzen; denn Persönlichkeiten, mit denen
sich KARL
durch Verstoßung ihrer
Schwester verfeindet haben mußte, wird er kaum noch in einer so wichtigen
Mission entsandt haben.].
In der Tradition dieser Leute, die Ludwigs
des Stammlers selbstgewählte erste Verbindung offenbar
lediglich als Friedelehe betrachtet haben dürften, steht übrigens
der um die Mitte des 10.Jahrhunderts schreibende flandrische Genealoge
Witger, wenn er Ludwigs erste Gemahlin
Ansgard nur als vocuta regina
gelten läßt.
Die beiden Stammler-Söhne
aus der Verbindung mit Ansgard mußten
also in den Augen aller legitimistisch Denkenden, denen ihr König
nicht ein Zerstörer einer unauflöslichen Muntehe und also kein
Rechtsbrecher war bzw.sein konnte, wegen der Abwertung Ansgards
zur Friedelfrau oder ihrer Deklassierung zur Buhle nunmher als Friedel-
oder gar als Konkubinensöhne gelten und hatten kein eigentliches Thronrecht
mehr. Sie waren näämlich wie Hugo,
der Sproß Lothars II. und Waldradas,
zu bewerten.
Daß es im W-Reich in den 80-er Jahren tatsächlich
Leute gab, die an der Rechtmäßigkeit der ersten Ehe Ludwigs
des Stammlers festhielten - und zwar auch über den (wohl
bald nach 879 eingetretenen) Tod Ansgards
hinaus -, ja, daß es dort Leute gab, die bewußt die Rechtmäßigkeit
dieser Ehe betonten, zeigt ein Reimser Nekrolog, auf das soeben K.F. Werner,
Die Nachkommen Karlsd.Gr., in: Karl d. Gr. IV Seite 453 nr. 34, hinweist.
Man findet in ih zum 2. November den Todestag der Ansgardis
regina verzeichnet. Wenn man Ansgard
in Reims - obwohl sie von Ludwig dem Stammler
vor dessen Königserhebung getrennt worden ist - den Königstitel
gab, so zeigt das doch ganz unmißverständlich, wie man dort
über die Verstoßung und Ludwigs
zweite Ehe gedacht hat.
Riche, Pierre: Seite 249
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"Die Karolinger"
Ohne die Zustimmung KARLS DES
KAHLEN hatte Ludwig im Jahr
862 seine Konkubine Ansgard geheiratet,
die Tochter des Grafen Harduin, mit der er zwei Söhne hatte,
Ludwig und Karlmann.
Wohl im Jahre 878 verstieß er Ansgard,
um Adelheid, die Tochter des Grafen
Adalhard, zu heiraten.
862
oo 1. Ludwig II. der Stammler
1.11.846-10.4.879
Kinder:
Ludwig III.
863/65-5.8.882
Karlmann
866-12.12.884
Gisela
-
884
oo Robert Graf von Troyes
- 886
Hildegard
-
Literatur:
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Dümmler Ernst: Die Chronik des Abtes Regino
von Prüm. Verlag der Dykschen Buchhandlung Leipzig Seite 66 - Dümmler
Ernst: Geschichte des Ostfränkischen Reiches. Verlag von Duncker und
Humblot Berlin 1865 Band I Seite 480,758 - Ehlers Joachim/Müller
Heribert/Schneidmüller: Die französischen Könige
des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München
1996, Seite 25 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich
an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968,
Seite 28,225-227,231,235,237 - Konecny Silvia: Die Frauen des karolingischen
Königshauses. Die politische Bedeutung der Ehe und die Stellung der
Frau in der fränkischen Herrscherfamilie vom 7. bis zum 10. Jahrhundert.
Dissertation der Universität Wien 1976, Seite 142 - Riche
Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch
Verlag GmbH & Co. KG, München 1991, Seite 249 - Schieffer
Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992,
Seite 159,169,171,173-175 - Schneidmüller Bernd: Die Welfen.
Herrschaft und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln
2000, Seite 112 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen.
Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich
Pustet Regensburg 1996, Seite 53 -