Tochter des Kaisers
LUDWIG I. DER FROMME aus seiner 2. Ehe mit der Irmingard,
Tochter von Graf Ingram
Werner Karl Ferdinand: Seite 447
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"Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr
1000 (1.-8. Generation)"
III. Generation
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Ende Oktober 841 (Lot-Halphen 45f.) überwältigt
KARL
DER KAHLE Laon, das unter Führung seiner Halbschwester
Hildegard
von
ihm zu LOTHAR I. abgefallen war. Schon
Meyer von Knonau, Nithard 102, Anm. 188, vermutetet Hildegard
als
Äbtissin von Notre-Dame et S.-Jean de Laon, der alten
karolingischen
Hausabtei (zu ihr A. Schulte, Der Adel und die deutsche Kirche im Mittelalter
²1922,196,429-31 und jetzt C. Brühl, Königspfalz und Bischofsstadt
in fränkischer Zeit, Rhein. Vjbll. 23,1958,176-178). Zwar spricht
Nithatrd III,4 im Bericht über diese Vorgänge weder von abbatissa
noch
von Deo sacrata, aber Hildegard
brauchte als karolingische Prinzessin
nicht Nonne gewesen zu sein, um Notre-Dame de Laon zu besitzen bzw. als
Laienäbtissin zu leiten. War Hildegard
Gattin eines der aquitanischen Großen, Gerhard und Rather
(siehe vorige Anmerkung), dann war sie seit 25. Juni 841 (Schlacht bei
Fontenoy, in der beide fielen, siehe unten IV,15) Witwe, hatte also Laon
vielleicht erst wenige Monate vor ihrenm Abfall erhalten. War Hildegard
nie vermählt, so wäre hier eine weitere Tochter Kaiser
LUDWIGS, N, einzureihen (siehe unten IV,15). 841
mußte sich Hildegard KARL
unterwerfen, der ihr gegen Gelöbnis künftiger Treue verzieh ac
quo voluit ... abire concessit, was bedeutet, daß er ihr den
Krongutkomplex Laon wegnahm (in dessen Besitz wir spätestens 866 KARLS
Gattin Ermentrud finden, vgl. Tessier
nr. 291, wahrscheinlich aber schon viel früher; vgl. etwa zu 847 Werner,
Unters. 156-158) und sie auf ihre sicher nicht unbeträchtlichen Besitzungen
in W-Frankreich (Gelöbnis künftiger Treue!) verwies. Es wäre
also durchaus möglich, daß sie identisch ist mit jener quaedam
illustris
(!)) femina, nomine
Hildegardis,
die 860 VIII 23 mit einem anderen KARLS-Enkel,
dem Abt Ludwig von S.-Denis,
Besitz im pagus Chambly (Raum Beauvais, Gebiet mit ausgedehntem karolingischem
Hausbesitz) tauscht, was KARL bestätigt
(Tessier nr. 219). Daß die Verwandtschaftsbezeichnung fehlt, besagt
wenig: Die Kanzlei hat sie auch zu Abt Ludwig,
dem Vetter KARLS, weggelassen.
Am Aachener Hof, der jahrzehntelang ganz auf KARL
DEN GROSSEN fixiert gewesen war, rückte nun LUDWIGS
Familie in den Mittelpunkt, nämlich seine Gemahlin Irmingard,
Tochter des Grafen Ingram (aus dem vornehmen Geschlecht Chrodegangs und
Angilrams von Metz), mit der er seit 794 verheiratet war, samt ihren Söhnen
LOTHAR
(* 795),
Pippin (* um 797) und
Ludwig
(* um 806) sowie den Töchtern Rotrud
und Hildegard.
Auch die kaiserlichen Prinzessinnen
Rotrud
und
Hildegard wurden, anders als unter
KARL,
ins dynastische Geflecht einbezogen und mit den aquitanischen Grafen
Rather von Limoges und Gerhard von Auvergne vermählt.
Unter den eigentlichen karolingischen
Tochterstämmen ragen in Frannkreich die aquitanischen Herzöge
des Hauses POITOU (über LUDWIGS DES FROMMEN
Töchter Rotrud oder Hildegard
mit dem Sohn Ramnulf I.) hervor, die durch die Ehe Hugos
Capet auch in den KAPETINGERN
fortlebten.
oo Rather Graf von Limoges
-25.6.841
Literatur:
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Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen
Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band I Seite 165 -
Hlawitschka
Eduard: Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte.
Anton Hiersemann Stuttgart 1968 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger.
W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992, Seite 114,120,224 -
Schnith
Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern
zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990, Seite 58 -