Tassilo
suchte seine Beziehungen zum südlichen Nachbarn durch seine Heirat
mit Liutbirc, der Tochter des
Langobarden-Königs
Desiderius,
zu stärken [5 Löwe, Reichsgründung 46f. setzt diese
Eheschließung in das Jahr 763, das Jahr der 'harizliz', Riezler
I 1, 300 datiert zwischen 765 und 769.]. Man nimmt allgemein an, daß
er bei dieser Gelegenheit Gebiete in Süd-Tirol zurückerhielt,
die Bayern anläßlich der Auseinandersetzung
zwischen Grimoald
und Hucbert
an die Langobarden verloren hatte.
Liutburc ist als
Gemahlin Tassilos natürlich
vielfach bezeugt, wenn auch die Tatsache der Hochzeit nirgends erwähnt
ist, so dass die Datierung nicht ganz sicher ist.
Als Tassilo im Jahre
788 in Erfüllung seiner Vasallenpflichten auf einem Hoftag in Ingelheim
erschien, wurde er unter der von den Bayern erhobenen Anklage verhaftet,
er habe ein Bündnis mit den Awaren
geschlossen, er gehe gegen die königlichen Vasallen in Bayern vor,
habe auch seine eigenen Leute angewiesen, dem Franken-König nur unter
Vorbehalt die Treue zu schwören. Nach der fränkischen Berichterstattung
wurde Tassilo aller dieser Vergehen
auch überführt, doch reichte das zu einer Verurteilung offensichtlich
nicht aus. So griff man auf das 25 Jahre zurückliegende Verbrechen
des "harisliz", der eigenmächtigen Entfernung vom Heer auf dem aquitanischen
Feldzug, zurück und fällt daraufhin ein Todesurteil. Dadurch
wurde es möglich, nicht nur Tassilo,
sondern auch die im bayerischen Gesetzbuch verankerten rechtlichen Ansprüche
der AGILOLFINGER
auf die Herrschaft in Bayern zu treffen.
Offensichtlich waren in Ingelheim auch Tassilos
Gemahlin
Liutburc,
seine Söhne Theodo
und Theodebert und seine Töchter
Rotrud und
Cotani
anwesend.
Durch einen bedeutsamen Fund Bischoffs können wir aus zeitgenössischen
Briefen noch neue Einblicke in die Zeit des Untergangs eines selbständigen
bayerischen Herzogtums gewinnen. Ein Brief berichtet von Verhandlungen,
die ein Priester Liudprand und ein weiterer ungenannter bayerischer
Priester am fränkischen Königshof geführt haben, und enthält
schließlich den Befehl an die Herzogs-Tochter Cotani,
sich an den Königshof zu begeben. Zwei weitere Briefe von einem
Geistlichen Promo und vermutlich von Fater, dem Abt von Kremsmünster
und Kaplan
Tassilos, bestätigen
die annalistischen Notizen, dass mit Tassilo
auch mehrere seiner bayerischen Anhänger verurteilt worden sind. War
ein Todesurteil über Tassilo gefällt,
kam es auf dessen Vollstreckung nicht mehr an und Tassilo
konnte vom König zu Klosterhaft "begnadigt" werden. In St. Goar erhielt
er die Tonsur, später kam er nach Jumieges, noch später nach
Lorsch. Doch auch jetzt war noch kein Abschluß erreicht. Sechs Jahre
später, 794, wurde Tassilo auf
einer Reichsversammlung in Frankfurt vorgeführt, und hier "verzichtete
er auf jeden Rechtsanspruch und auf allen Eigenbesitz, soweit er ihm oder
seinen Söhnen und Töchtern im Herzogtum rechtmäßig
zugestanden war". Über die Hintergründe dieses erneuten Verzichts
können wir nur Vermutungen anstellen, etwa, ob ein Zusammenhang mit
der zwei Jahre zuvor erfolgten Empörung des Königs-Sohnes
Pippin bestand. In Lorsch ist
Tassilo am 11. Dezember eines unbekannten Jahres gestorben.
Auch seine Frau und seine Kinder kamen hinter Klostermauern,
bekannt ist nur der Aufenthalt des ältesten Sohnes Theodo
in St. Maximin in Trier und seiner Töchter Cotani
in
Chelles und Rotrud in Soissons [1
Über den Ort seiner Verbannung und seines Begräbnisses hat sich
eine Kontroverse erhoben: Romuald Bauerreiss, Wo ist das Grab Herzog Tassilos
III.? (StMBO 49) 1931, 92-102; Max Heuwieser, Ist Herzog Tassilo im Kl.
Niedenburg zu Passau begraben? (ZBLG 9) 1936, 412-416; Pankraz Stollenmayer,
Das Grab Herzog Tassilos von Bayern (Jahresbericht des Gymnasiums der Benediktiner
zu Kremsmünster 105) 1962, 1-66, dazu die Rezession von gertr. Sangberger
(ZBLG 26) 1963, 453-458; zur Frage des Szepters: Adolf Gaubert, Das Zepter
Tassilos III. (DA 18) 1962, 214-223; einen wichtigen Hinweis auf Jumieges
bringt Josef Semmler, Zu den bayrich-westfränkischen Beziehungen in
karolingischer Zeit (ZBLGH 29) 1966, 344-424, besonders 344 Anm. 1.].
Mit der Bestiftung des von Scharnitz-Schlehdorf aus gegründeten
Klosters Innichen hatte Tassilo im Süden das teilweise slawisch besiedelte
Pusteratl dem bayerischen Herrschaftsbereich fester eingeordnet und westlich
davon den Vintschgau zurückerworben; bayerische Grafen geboten in
Bozen, und durch Tassilos Heirat mit der langobardischen Prinzessin
Liutbirga
war diese Südgrenze, zumindest bis zum Fall des Langobarden-Reiches,
durch freundschaftliche Verbindungen gesichert.