Sophie                                           Kaiserin von Byzanz
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um 525/30 nach 582
 

Tochter des Heermeisters Sittas und der Comita, Tochter des Bärenwärters Akakios; Nichte der Kaiserin Theodora von Byzanz
 

Thiele, Andreas: Tafel 492
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

JUSTIN II.
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    578 im Wahnsinn

  oo SOPHIA, Nichte der Kaiserin Theodora
              nach 582

Fördert die Rebellionen 578.



Gregor von Tours: Buch VI Kapitel 30
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"Fränkische Geschichte."

                                            30.

In diesem Jahre [1 Irrig. Tiberius starb schon im August 582.] verließ auch der Kaiser Tiberios die Welt und ließ sein Volk in großer Trauer über seinen Tod zurück. Denn er war äußerst gütig, unermüdlich im Wohltun, ein gerechter und in seinem Urteil sehr besonnener Fürst, niemanden hielt er gering, sondern umfaßte alle mit gleicher Güte, und da er alle liebte, wurde er von allen geliebt. Als er aber krank ward und sah, daß er nicht hoffen durfte länger zu leben, rief er die Kaiserin Sophia [2 Sophia, die Gemahlin seines Vorgängers Justinus II. Vgl. Buch V Kapitel 19 und 30.] zu sich und sprach: "Siehe, ich fühle, daß meine Lebenszeit abgelaufen ist, daher will ich jetzt mit deinem Beirat den Mann wählen, der an der Spitze des Staates nach mir stehen soll. Es bedarf aber der Wahl eines Tüchtigen, der solche Machtstellung verwalte." Sie nannte ihm darauf einen gewissen Mauricius und sprach: "Tüchtig und verständig ist dieser Mann, auch hat er schon öfter gegen die Feinde des Staats gekämpft und gesiegt." Sie sagte dies aber, weil sie sich nach seinem Tode mit diesem Manne zu vermählen gedachte. Als aber Tiberius erfahren hatte, daß die Kaiserin der Wahl des Mauricius zustimmte, ließ er seiner Tochter allen kaiserlichen Schmuck anlegen und Mauricius rufen und sprach zu ihm: "Siehe, mit Zustimmung der Kaiserin Sophia wirst du zur Herrschaft gewählt, daß diese dir aber um so fester gegründet sei, will ich dir meine Tochter zur Ehe geben." Die jungfrau trat heran, der Vater übergab sie dem Mauricius und sprach: "Mit dieser Jungfrau übertrage ich dir die Herrschaft, herrsche glücklich und vergiß nie, an Billigkeit und Gerechtigkeit deine Freude zu haben." Jener empfing die Jungfrau und führte sie in sein  Haus heim. Als aber die Hochzeitsfeier vorüber war, starb Tiberius. Nachdem die Geschäftsstille [1 d. i. die Trauerzeit, während welcher nach des Kaisers Tode keine öffentlichen Geschäfte vorgenommen wurden, namentlich von den Gerichten.] verflossen war, bekleidete sich Mauricius mit dem Diadem und mit Purpur und begab sich in den Zirkus [2 Vgl. oben Buch V. Kapitel 30.]. Dort empfing er den Huldigungsruf, teilte unter das Volk Geschenke aus und wurde in der Herrschaft bestätigt.

Norwich John Julius: Band I Seite 310,317,320,322
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Dort fanden sie in einem schönen Raum mit Ausblick auf das Meer den künftigen Herrscher in Gesellschaft seiner Frau Sophia, Theodoras Nichte, und begrüßten ihn als neuen Kaiser. Darauf kehrte die ganze Gesellschaft in den Palast zurück, wo Justinian auf eine goldene Bahre gebettet wurde. Sophia nahm eine Decke hervor, auf die sie mit Goldfaden Szenen aus dem Leben ihres Onkels gestickt hatte, und bereitete sie ehrfürchtig über den Toten.
Am folgenden Morgen fuhr das Kaiserpaar in vollem Staat zur Hagia Sophia, wo Justin, der in alter römischer Manier feierlich auf einem Schild emporgehoben und mit dem kaiserlichen Diadem gekrönt worden war, eine Antrittsrede hielt. Darin legte er einen Eid auf den orthodoxen Glauben ab, versprach fromm und gerecht zu herrschen, und entschuldigte sich - etwas undankbar, möchte man meinen -  dafür, dass sein Vorgänger im hohen Alter so viele wichtige Bereiche des Staatswesens vernachlässigt oder schlecht gehandhabt habe. Darauf gingen er und Sophia zum Hippodrom, wo sie von ihren Untertanen bejubelt wurden und auf der Stelle alle Schulden beglichen, die Justinian bei seinem Tod hinterlassen hatte. Erst als diese Formalitäten erledigt waren, wandten sich sie sich der Bestattung zu. Auf einem hohen Katafalk, der vor Gold und Juwelen erstrahlte, wurde der Tote gemessen aus dem Palast und durch dichtgesäumte, aber dennoch ruhige Straßen getragen. Zu Fuß folgten ihm Justin und Sophia, der Senat und die älteren Magistraten, der Patriarch, Bischöfe und Geistliche, die Soldaten und die Palastwache.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Kaiser seine einstige Politik der wachsamen Toleranz gegenüber den Monophysitismus aufgegeben und war zu offenen Verfolgung übergegangen, eine Entscheidung die noch fragwürdiger erscheint, wenn man bedenkt, dass sowohl er als auch Sophia früher selbst dieser Glaubensrichtung angehangen hatten und nur aus politischen Gründen zum orthodoxen Glauben übergetreten waren.
In der Zwischenzeit hatte Kaiserin Sophia die Regierung des Reiches übernommen und Chosrau 574 überrredet, gegen die Entrichtung von 45.000 Numismata in einen einjährigen Waffenstillstand einzuwilligen. Weil die Bürde der Alleinherrschaft unter den Umständen zu schwer auf ihr lastete, ergriff sie während einer kurzen Phase der Klarsicht bei ihrem Mann die Gelegenheit, ihn dazu zu bringen, dass er Tiberios in den Rang eines Cäsaren erhob. Dessen Niederlage gegen die Awaren hatte seinem Ansehen offenbar nicht geschadet. Sophia und Tiberios regierten von nun an gemeinsam. Als Justin am 4. Oktober 578 starb, stand sein ehemaliger Comes Excobitorum als sein unbestrittener Nachfolger da.
Ein dringenderes Problem stellte sich ihm hingegen in Gestalt von Sophia. Nicht umsonst war sie Theodoras Nichte. Sie hatte zwar Tiberios' Beförderung gesichert, aber danach nahm ihre Neigung, die Macht mit ihm zu teilen, rasch und sichtlich ab. Dies vor allem in finanziellen Belangen, hielt sie ihn doch für höchst unnötig verschwenderisch. Solange ihr Mann lebte, bestand sie darauf, die Schlüssel zu den kaiserlichen Schatzkammern zu behalten, und gewährte dem unglücklichen Cäsar lediglich ein höchst knauseriges Taschengeld, mit dem er auch den Unterhalt seiner Familie bestreiten mußte. Auch war sie dagegen, dass seine Frau Ino oder ihre beiden Töchter den Palast betraten. Erst nach Justins Tod wagte Tiberios die offene Auseinandersetzung. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, ihn abzusetzen, fand Sophia sich unvermittelt ihrerseits des Hofes beraubt und einer strengen Überwachung unterstellt, und sie blieb es für den Rest ihres Lebens. Ino ließ sich in Anastasia umtaufen und gelangte nun endlich in den Genuß der Vorrechte, die ihr so lange versagt geblieben waren.

Thiess Frank: Seite 41,118,120,125,152
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"Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas."

Bereits in der Nacht, da Justinian starb, erscheinen die Mitglieder des Senats im Palaste seines Neffen, des Curopalates Flavius Justinus, um ihm die Kaiserwürde anzutragen. Es galt das Gesicht zu wahren, und so spielte Justin den Überraschten, weigerte sich zuerst, zögerte eine gute Weile und hielt eine für diesen Fall vorbereitete Ansprache. Seine erhrgeizige Gattin Aelia Sophia, die Nichte der Kaiserin Theodora, war die ganze Zeit zugegen, sie verließ ihn keinen Augenblick. Sein Freund Tiberios, Befehlshaber der kaiserlichen Leibwache, hatte den Kaiserpalast, den Justin bald nach Mitternacht betrat, vorsorglich absperren lassen.
Daß trotzdem der Sturz des vermeintlich Wahnsinnigen nicht erfolgte, wäre allzu leicht damit zu erklären, daß die Kaiserin als Augusta de jure Mit-Herrscherin war (die kaiserlichen Erlasse trugen ihre Unterschrift). Sicher hatte die energische Frau ein wachsames Auge und ist sich über die Gefahren eines Umsturzes angesichts einer so prekären Lage nie im Zweifel gewesen. Dennoch war sie allein der Staatsführung unter den bestehenden Umständen nicht gewachsen. Entscheidend blieb, daß Tiberios als comes excubitorum (Kommandeur der Palastgarde) dem Kaiser bedingungslos zur Seite stand.
Ebenfalls hatte die Kaiserin sich für die Wahl des Tiberios eingesetzt. Wahrscheinlich erwartete sie, daß er ihr alle Rechte der Augusta überlassen werde [1 Die Rolle der Augusta Aelia Sophia, einer ehrgeizigen und intriganten Frau, darf nicht unterschätzt werden. Sie hat wahrscheinlich bald gemerkt, daß Tiberios ihren Wünschen im Wege stand.]. Davon konnte angesichts der kritischen Lage des Reichs keine Rede sein, die ehrgeizige Frau sah sich mattgesetzt und verließ gekränkt Konstantinopel.
Solange Justin Kaiser und Sophia die Augusta war, hielt er sich streng an das Zeremoniell und mußte, weil die Kaiserin es wünschte, seine Gattin im Palaste Hormisdas außerhalb des kaiserlichen Bezirks wohnen lassen.
Wenn dies jetzt schon merkwürdig ist, so wurde es noch sonderbarer, als Tiberios Kaiser geworden war. Denn jetzt "bat er die Kaiserin um Erlaubnis, hinzuschicken und seine Gemahlin kommen zu lassen, damit auch sie Kaiserin werde". Sophia soll darüber sehr zornig geworden sein, habe ihn aber nicht hindern können. Muß man das alles wörtlich nehmen?  Der greise Bischof versichert es. Wahrscheinlich hatte er es nach seiner Enthaftung in Konstantinopel erfahren, als die ganze Stadt sich Anektoden über die Güte, Freigiebigkeit unnd Menschlichkeit des Kaisers erzählte und der ehrgeizigen Augusta ihren mißglückten Putsch vom Jahre 578 bitter übelnahm. Was hätte die eifersüchtige Frau zu erwarten gehabt, wenn es ihr geglückt wäre, die Nebenbuhlerin umzubringen? Wollte sie sich dafür rächen, daß Tiberios ihr vom Tag seiner Ernennung an außer dem zeremoniellen Respekt kein Mitspracherecht in Regierungsdingen eingeräumt hat?
Am Ende bleibt von alledem mehr übrig als die Geschichte einer gekränkten Frau, die dieser Kaiser mit seiner tödlichen Höflichkeit mattsetzte.
Am 26. September des Jahres 578 übergab Justin im Kreise des Senats und der höchsten Würdenträger Tiberios das Diadem. Die entmachtete Sophia unternahm geschwind noch den törichten Versuch, mit Hilfe einer Verschwörung den neuen Kaiser zu ermorden. Justin hat von dem verbrecherischen Unsinn nichts mnnehr erfahren. Er starb am 4. Oktober.
Es war nicht Tiberios' Art, Rache zu nehmen, zumal er ohne Mühe sich dieser Palastrevolution erwehren konnte. Er begnadigte und verbannte die Teilnehmer an der Verschwörung, und als Jahre später Sophia die Augen schloß, wurde sie mit allen Ehren neben ihrem Gatten beigesetzt [1 Monumenta Germaniae scr. rer. Merow. Gregorii Turonensis historia Francorum I, 1.].
 
 
 
 

  oo Justin II. Kaiser von Byzanz
               5.10.578
 
 
 
 

Kinder:

  Anastasia
           594

  oo Tiberios Kaiser von Byzanz
            14.8.582
 
 
 
 

Literatur:
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Bridge Anthony: Theodora. Aufstieg und Herrschaft einer byzantinischen Kaiserin. Heinrich Hugendubel Verlag Kreuzlingen/München 1999 Seite 195,208 - Browning Robert: Justinian und Theodora. Herrscher in Byzanz. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 1988 Seite 224, 226 - Gregor von Tours: Fränbkische Geschichte. Phaidon Verlag, Essen und Stuttgart 1988 Buch V  Kapitel 19,30; Buch VI Kapitel 30 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I Seite 310,321,322 - Paulus Diakonus und die Geschichtsschreiber der Langobarden: Geschichte der Langobarden. Phaidon Verlag Kettwig 1992 Buch II Kapitel 5/Buch III Kapitel 11,15 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 492 - Thiess Frank: Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas. Paul ZsolnayVerlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien 1959 Seite 41,118,120,125,152 -