Tochter des Heermeisters Sittas und der Comita,
Tochter des Bärenwärters Akakios;
Nichte der Kaiserin
Theodora
von Byzanz
Thiele, Andreas: Tafel 492
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband"
JUSTIN
II.
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† 578 im Wahnsinn
oo SOPHIA, Nichte der Kaiserin Theodora
† nach 582
Fördert die Rebellionen 578.
30.
In diesem Jahre [1 Irrig. Tiberius starb schon im August 582.] verließ auch der Kaiser Tiberios die Welt und ließ sein Volk in großer Trauer über seinen Tod zurück. Denn er war äußerst gütig, unermüdlich im Wohltun, ein gerechter und in seinem Urteil sehr besonnener Fürst, niemanden hielt er gering, sondern umfaßte alle mit gleicher Güte, und da er alle liebte, wurde er von allen geliebt. Als er aber krank ward und sah, daß er nicht hoffen durfte länger zu leben, rief er die Kaiserin Sophia [2 Sophia, die Gemahlin seines Vorgängers Justinus II. Vgl. Buch V Kapitel 19 und 30.] zu sich und sprach: "Siehe, ich fühle, daß meine Lebenszeit abgelaufen ist, daher will ich jetzt mit deinem Beirat den Mann wählen, der an der Spitze des Staates nach mir stehen soll. Es bedarf aber der Wahl eines Tüchtigen, der solche Machtstellung verwalte." Sie nannte ihm darauf einen gewissen Mauricius und sprach: "Tüchtig und verständig ist dieser Mann, auch hat er schon öfter gegen die Feinde des Staats gekämpft und gesiegt." Sie sagte dies aber, weil sie sich nach seinem Tode mit diesem Manne zu vermählen gedachte. Als aber Tiberius erfahren hatte, daß die Kaiserin der Wahl des Mauricius zustimmte, ließ er seiner Tochter allen kaiserlichen Schmuck anlegen und Mauricius rufen und sprach zu ihm: "Siehe, mit Zustimmung der Kaiserin Sophia wirst du zur Herrschaft gewählt, daß diese dir aber um so fester gegründet sei, will ich dir meine Tochter zur Ehe geben." Die jungfrau trat heran, der Vater übergab sie dem Mauricius und sprach: "Mit dieser Jungfrau übertrage ich dir die Herrschaft, herrsche glücklich und vergiß nie, an Billigkeit und Gerechtigkeit deine Freude zu haben." Jener empfing die Jungfrau und führte sie in sein Haus heim. Als aber die Hochzeitsfeier vorüber war, starb Tiberius. Nachdem die Geschäftsstille [1 d. i. die Trauerzeit, während welcher nach des Kaisers Tode keine öffentlichen Geschäfte vorgenommen wurden, namentlich von den Gerichten.] verflossen war, bekleidete sich Mauricius mit dem Diadem und mit Purpur und begab sich in den Zirkus [2 Vgl. oben Buch V. Kapitel 30.]. Dort empfing er den Huldigungsruf, teilte unter das Volk Geschenke aus und wurde in der Herrschaft bestätigt.
Norwich John Julius: Band I Seite 310,317,320,322
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."
Dort fanden sie in einem schönen Raum mit Ausblick
auf das Meer den künftigen Herrscher in Gesellschaft seiner Frau
Sophia, Theodoras Nichte,
und begrüßten ihn als neuen Kaiser. Darauf kehrte die ganze
Gesellschaft in den Palast zurück, wo Justinian
auf eine goldene Bahre gebettet wurde. Sophia
nahm eine Decke hervor, auf die sie mit Goldfaden Szenen aus dem Leben
ihres Onkels gestickt hatte, und bereitete sie ehrfürchtig über
den Toten.
Am folgenden Morgen fuhr das Kaiserpaar in vollem Staat
zur Hagia Sophia, wo Justin, der in
alter römischer Manier feierlich auf einem Schild emporgehoben und
mit dem kaiserlichen Diadem gekrönt worden war, eine Antrittsrede
hielt. Darin legte er einen Eid auf den orthodoxen Glauben ab, versprach
fromm und gerecht zu herrschen, und entschuldigte sich - etwas undankbar,
möchte man meinen - dafür, dass sein Vorgänger im
hohen Alter so viele wichtige Bereiche des Staatswesens vernachlässigt
oder schlecht gehandhabt habe. Darauf gingen er und
Sophia zum Hippodrom, wo sie von ihren Untertanen bejubelt wurden
und auf der Stelle alle Schulden beglichen, die
Justinian bei seinem Tod hinterlassen hatte. Erst als diese
Formalitäten erledigt waren, wandten sich sie sich der Bestattung
zu. Auf einem hohen Katafalk, der vor Gold und Juwelen erstrahlte, wurde
der Tote gemessen aus dem Palast und durch dichtgesäumte, aber dennoch
ruhige Straßen getragen. Zu Fuß folgten ihm Justin
und Sophia, der Senat und die älteren
Magistraten, der Patriarch, Bischöfe und Geistliche, die Soldaten
und die Palastwache.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Kaiser seine einstige
Politik der wachsamen Toleranz gegenüber den Monophysitismus aufgegeben
und war zu offenen Verfolgung übergegangen, eine Entscheidung die
noch fragwürdiger erscheint, wenn man bedenkt, dass sowohl er als
auch Sophia früher selbst dieser
Glaubensrichtung angehangen hatten und nur aus politischen Gründen
zum orthodoxen Glauben übergetreten waren.
In der Zwischenzeit hatte Kaiserin
Sophia die Regierung des Reiches übernommen und Chosrau
574 überrredet, gegen die Entrichtung von 45.000 Numismata in einen
einjährigen Waffenstillstand einzuwilligen. Weil die Bürde der
Alleinherrschaft unter den Umständen zu schwer auf ihr lastete, ergriff
sie während einer kurzen Phase der Klarsicht bei ihrem Mann die Gelegenheit,
ihn dazu zu bringen, dass er Tiberios
in den Rang eines Cäsaren erhob. Dessen Niederlage gegen die Awaren
hatte seinem Ansehen offenbar nicht geschadet. Sophia
und Tiberios regierten von nun an gemeinsam.
Als Justin am 4. Oktober 578
starb, stand sein ehemaliger Comes Excobitorum als sein unbestrittener
Nachfolger da.
Ein dringenderes Problem stellte sich ihm hingegen in
Gestalt von Sophia. Nicht umsonst war
sie Theodoras Nichte. Sie hatte
zwar
Tiberios' Beförderung gesichert,
aber danach nahm ihre Neigung, die Macht mit ihm zu teilen, rasch und sichtlich
ab. Dies vor allem in finanziellen Belangen, hielt sie ihn doch für
höchst unnötig verschwenderisch. Solange ihr Mann lebte, bestand
sie darauf, die Schlüssel zu den kaiserlichen Schatzkammern zu behalten,
und gewährte dem unglücklichen Cäsar lediglich ein höchst
knauseriges Taschengeld, mit dem er auch den Unterhalt seiner Familie bestreiten
mußte. Auch war sie dagegen, dass seine Frau
Ino oder ihre beiden Töchter den Palast betraten. Erst
nach Justins Tod wagte Tiberios
die offene Auseinandersetzung. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, ihn
abzusetzen, fand Sophia sich unvermittelt
ihrerseits des Hofes beraubt und einer strengen Überwachung unterstellt,
und sie blieb es für den Rest ihres Lebens. Ino
ließ
sich in Anastasia umtaufen und gelangte
nun endlich in den Genuß der Vorrechte, die ihr so lange versagt
geblieben waren.
Thiess Frank: Seite 41,118,120,125,152
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"Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas."
Bereits in der Nacht, da Justinian
starb, erscheinen die Mitglieder des Senats im Palaste seines Neffen, des
Curopalates
Flavius
Justinus, um ihm die Kaiserwürde anzutragen. Es galt das
Gesicht zu wahren, und so spielte Justin
den
Überraschten, weigerte sich zuerst, zögerte eine gute Weile und
hielt eine für diesen Fall vorbereitete Ansprache. Seine erhrgeizige
Gattin Aelia Sophia, die Nichte
der
Kaiserin Theodora, war die
ganze Zeit zugegen, sie verließ ihn keinen Augenblick. Sein Freund
Tiberios,
Befehlshaber
der kaiserlichen Leibwache, hatte den Kaiserpalast, den Justin
bald nach Mitternacht betrat, vorsorglich absperren lassen.
Daß trotzdem der Sturz des vermeintlich Wahnsinnigen
nicht erfolgte, wäre allzu leicht damit zu erklären, daß
die Kaiserin als Augusta de jure Mit-Herrscherin war (die
kaiserlichen Erlasse trugen ihre Unterschrift). Sicher hatte die energische
Frau ein wachsames Auge und ist sich über die Gefahren eines Umsturzes
angesichts einer so prekären Lage nie im Zweifel gewesen. Dennoch
war sie allein der Staatsführung unter den bestehenden Umständen
nicht gewachsen. Entscheidend blieb, daß Tiberios
als
comes
excubitorum (Kommandeur der Palastgarde) dem Kaiser bedingungslos zur
Seite stand.
Ebenfalls hatte die Kaiserin sich für die Wahl des
Tiberios
eingesetzt. Wahrscheinlich erwartete sie, daß er ihr alle Rechte
der Augusta überlassen werde [1 Die Rolle der Augusta
Aelia Sophia, einer ehrgeizigen und intriganten Frau,
darf nicht unterschätzt werden. Sie hat wahrscheinlich bald gemerkt,
daß
Tiberios ihren Wünschen
im Wege stand.]. Davon konnte angesichts der kritischen Lage des Reichs
keine Rede sein, die ehrgeizige Frau sah sich mattgesetzt und verließ
gekränkt Konstantinopel.
Solange Justin Kaiser
und Sophia die Augusta war, hielt er
sich streng an das Zeremoniell und mußte, weil die Kaiserin es wünschte,
seine Gattin im Palaste Hormisdas außerhalb des kaiserlichen Bezirks
wohnen lassen.
Wenn dies jetzt schon merkwürdig ist, so wurde es
noch sonderbarer, als Tiberios Kaiser
geworden war. Denn jetzt "bat er die Kaiserin um Erlaubnis, hinzuschicken
und seine Gemahlin kommen zu lassen, damit auch sie Kaiserin werde". Sophia
soll darüber sehr zornig geworden sein, habe ihn aber nicht hindern
können. Muß man das alles wörtlich nehmen? Der greise
Bischof versichert es. Wahrscheinlich hatte er es nach seiner Enthaftung
in Konstantinopel erfahren, als die ganze Stadt sich Anektoden über
die Güte, Freigiebigkeit unnd Menschlichkeit des Kaisers erzählte
und der ehrgeizigen Augusta ihren mißglückten Putsch vom Jahre
578 bitter übelnahm. Was hätte die eifersüchtige Frau zu
erwarten gehabt, wenn es ihr geglückt wäre, die Nebenbuhlerin
umzubringen? Wollte sie sich dafür rächen, daß Tiberios
ihr vom Tag seiner Ernennung an außer dem zeremoniellen Respekt kein
Mitspracherecht in Regierungsdingen eingeräumt hat?
Am Ende bleibt von alledem mehr übrig als die Geschichte
einer gekränkten Frau, die dieser Kaiser mit seiner tödlichen
Höflichkeit mattsetzte.
Am 26. September des Jahres 578 übergab
Justin im Kreise des Senats und der höchsten Würdenträger
Tiberios
das Diadem. Die entmachtete
Sophia
unternahm geschwind noch den törichten Versuch, mit Hilfe einer Verschwörung
den neuen Kaiser zu ermorden. Justin
hat von dem verbrecherischen Unsinn nichts mnnehr erfahren. Er starb am
4. Oktober.
Es war nicht Tiberios'
Art, Rache zu nehmen, zumal er ohne Mühe sich dieser Palastrevolution
erwehren konnte. Er begnadigte und verbannte die Teilnehmer an der Verschwörung,
und als Jahre später Sophia die
Augen schloß, wurde sie mit allen Ehren neben ihrem Gatten beigesetzt
[1 Monumenta Germaniae scr. rer. Merow. Gregorii Turonensis historia
Francorum I, 1.].
oo Justin II. Kaiser von Byzanz
† 5.10.578
Kinder:
Anastasia
†
594
oo Tiberios Kaiser von Byzanz
† 14.8.582
Literatur:
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Bridge Anthony: Theodora. Aufstieg und Herrschaft
einer byzantinischen Kaiserin. Heinrich Hugendubel Verlag Kreuzlingen/München
1999 Seite 195,208 - Browning Robert: Justinian und Theodora. Herrscher
in Byzanz. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 1988 Seite
224, 226 - Gregor von Tours: Fränbkische Geschichte. Phaidon
Verlag, Essen und Stuttgart 1988 Buch V Kapitel 19,30; Buch VI Kapitel
30 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen
Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I
Seite 310,321,322 - Paulus Diakonus und die Geschichtsschreiber
der Langobarden: Geschichte der Langobarden. Phaidon Verlag Kettwig 1992
Buch II Kapitel 5/Buch III Kapitel 11,15 - Thiele, Andreas: Erzählende
genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 492 - Thiess Frank: Die griechischen
Kaiser. Die Geburt Europas. Paul ZsolnayVerlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien
1959 Seite 41,118,120,125,152 -