Sohn des Dulcidius (Dulcissimus) und
der Vigilantia, Schwester von Kaiser
Justinianus
I.
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 820
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Justin II., byzantinischer Kaiser 565-578
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†
Sohn des Dilcidius und der Vigilantia, der Schwester Justinians, seit 559 (oder 552) Kuropalates (Vorsteher des kaiserlichen Hofes), setzte sich nach dem Tod Justinians bei der Kaiserwahl gegen den gleichnamigen Justinus, Sohn von Justinians Vetter Germanus, durch und wurde am 15. November 565 zum Kaiser ausgerufen. 574 machte sich eine schwere Nervenkrankheit bemerkbar, die zu fast dauernder geistiger Umnachtung führte. Er adoptierte daher im selben Jahr Tiberios, den Führer der Palastgarde, ernannte ihn zum Cäsar und überließ ihm in den folgenden Jahren (neben seiner Frau) die Regierungstätigkeit. Justin II. war mit Aelia Sophia (wohl Nichte der Theodora, Frau Justinians) verheiratet; der Ehe entstammten ein früh verstorbener Sohn Justus und eine Tochter Arabia. Hauptquelle für seine Regierungszeit sind Corippus (ed. A. Cameron, 1976, mit englischer Übersetzung), Evagrios Scholastikos, Theophanes Byzantios und Theophylaktos Simokates (ed. De Boor, 1887; dt. Übers. P. Schreiner, 1986). Die Einschätzung seiner Persönlichkeit ist (trotz überwiegend positiven Urteils der Zeitgenossen und Späterer) eher negativ. In seiner kurzen Regierungszeit wurden die Erfolge der Außenpolitik Justinians zunichte gemacht. Die Langobarden fielen in Italien ein (568), und die Avaren suchten zunehmend die Balkanprovinzen heim. Der schwerwiegendste politische Fehler bestand aber in der Aufkündigung des Friedensvertrages mit den Persern (572). Auch schuf seine antimonophysitische Politik keinen Ausgleich im Innern. Erwähnenswert ist seine Bautätigkeit in Konstantinopel.
P. Schreiner
JUSTIN II.
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†
578 im Wahnsinn
Neffe des Kaisers Justinian I. durch dessen Schwester; steigt unter dem Onkel zu höchsten Hofämtern und Militärrängen auf, folgte ihm 565 als Kaiser und schaltet die Familie des Germanus aus. Er verweigert den Persern weitere Tribute, was zu ständigen Grenzkriegen führt; verbündet sich dabei mit türkischen Stämmen; muß letztlich doch Teile von Armenien/Mesopotamien abtreten; Zeit etlicher Rebellionen des Neffen Justinian, den er begnadigt. Verliert 568 Italien zum großen Teil an die Langobarden, während die spanischen Gebiete zum Teil an die Westgoten verloren gehen.
oo SOPHIA,
Nichte der Kaiserin Theodora
† nach 582
Fördert die Rebellionen 578.
oo Sophie, Tochter des Heermeisters Sittas, Nichte
der Kaiserin Theodora
um 525/30 †
nach 582
Kinder:
Anastasia
†
594
oo Tiberios Kaiser von Byzanz
† 14.8.582
Literatur:
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Browning Robert: Byzanz. Roms goldene Töchter.
Die Geschichte des Byzantinischen Weltreiches. Gustav Lübbe Verlag
GmbH Bergisch Gladbach 1982 Seite 21,33 - Browning Robert: Justinian
und Theodora. Herrscher in Byzanz. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH,
Herrsching 1988 Seite 28, 228 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung.
Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt
1977 Seite 383 - Mann Golo: PROPYLÄEN WELTGESCHICHTE. Eine
Universalgeschichte. Vierter Band. Rom Die römische Welt. Verlag Ullstein
GmbH, Frankfurt am Main - Berlin, Propyläen Verlag 1986 Seite 621,634-646,650,657,667
- Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg
des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und
München 1993 Band I Seite 310,317,320 - Thiele, Andreas: Erzählende
genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 492 - Thiess Frank: Die griechischen
Kaiser. Die Geburt Europas. Paul ZsolnayVerlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien
1959 Seite 23,28,31,36,41,52,68,72,85,105,120,130, 142,145,151,167,186,261,325,
650 - Zöllner Erich: Geschichte der Franken bis zur Mitte des
6. Jahrhunderts. Verlag C. H. Beck München 1970 Seite 172,174 -