Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 680
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Mistra
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Ruinenstadt am Gipfel und östlichem Abhang eines steilen nördlichen Vorberges des Taygetos-Gebirges auf der südlichen Peloponnes, etwa 7 km nordwestlich von Sparta (Sparte), dessen Name seit frühbyzantinischer Zeit Lakedaimon(ia) lautet
Im Gefolge der von 1205 bis 1248 dauernden Eroberung der
Peloponnes durch die Teilnehmer des 4. Kreuzzuges ließ Wilhelm
II. von Achaia ab 1248/49, nach der Eroberung von Monemvasia (1248),
auf dem Berg Mystras (Myzethras) eine Festungsanlage bauen. Wilhelm,
nach der Schlacht von Pelagonia (1259) byzantinischer Kriegsgefangener,
kaufte sich mit der Herausgabe der Festungen Mistzra, Maina, Monemvasia
und Geraki frei, deren Territorien ab 1262 den Kern der späzbyzantinischen
Reconquista bildeten. Unterhalb der Burg Mistra entstand ab 1264
durch Umsiedlung der Bewohner von Lakedaimon(ia) und durch rege Bautätigkeit
eine ausgedehnte Hangstadt, welche die zentralörtlichen Funktionen
von Lakedaimon(ia) übernahm (als Hauptstadt von Morea Sitz der
Despoten von Morea und der Metropole von Lakedaimon(ia). Die die byzantinischen
Kaiser repräsentierenden Gouverneure bzw. (ab 1348) Despoten (letztere
waren Verwandte der Kaiser, zunächts KANTAKUZENOI,
dann PALAIOLOGOI)
entwickelten eine intensive Bautätigkeit, neben Befestigungen und
Palästen auch Kirchen und Klöster (Euangelistra, Hagia Sophia,
Hodegetria, Pantanassa, Peribleptos). Die politische und wirtschaftliche
Blüte Mistras als Hauptstadt der bis in das 15. Jh. expandierenden
byzantinischen Region schlug sich in einem starken Bevölkerungsanstieg
und im Bau von Patrizierhäusern (Archontiko, Haus der LASKARIS,
der Phrangopuloi) nieder und zog Künstler und führende geistige
Persönlichkeiten an. Angesichts der türkischen Bedrohung versuchte
Theodor
I. Palaiologos 1402, Mistra an die Johanniter von Rhodos
abzutreten, was am Widerstand der Bevölkerung scheiterte. Auf mehrere
türkische Vorstöße bis Mistra (ab 1423) und der Tributzahlung
an die Osmanan (ab 1446) folgte Ende Mai 1460 die Übergabe der Stadt
durch Demetrios
Palaiologos an die Truppen Mehmeds
II.