Honorius Flavius                           Römischer Kaiser (395-423)
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9.9.384 15.8.423
Konstantinopel Ravenna
 

Jüngerer Sohn des Kaisers Theodosius I. der Große aus seiner 1. Ehe mit der Aelia Flacilla
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 119
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Honorius, weströmischer Kaiser
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* 384, 423
Konstantinopel Ravenna

Jüngerer Sohn Theodosius des Großen, 386 erstmals Konsul, 393 Augustus, vom Vater auf dem Sterbebett dem Bischof Ambrosius von Mailand und dem Heermeister Stilicho anvertraut (Januar 395). Honorius, der seit 402 im geschützteren Ravenna residierte, war lange von Stilicho abhängig (Ehen mit dessen Töchtern Maria, 408, und Thermantia; beide kinderlos), schloß sich aber schließlich der antigermanischen Reaktion an, die Stilichos Sturz herbeiführte (408). Zum neuen Vertrauten des Kaisers wurde der General Constantius (III.), den Honorius mit seiner Schwester Galla Placidia vermählte und 421 zum Mitregenten (Augustus) erhob. Er konnte ebensowenig wie vorher Stilicho die West-Provinzen zurückgewinnen; Tiefpunkt der Regierung Honoriuswar die Einnahme Roms durch Alarich (410), dessen Friedensangebot der Kaiser mehrfach abgelehnt hatte. Die Plünderung der Ewigen Stadt rief zwischen heidnischen und christlichen Denkern heftige Kontroversen hervor (Hieronymus, Orosius, Augustinus). Innenpolitisch bekämpfte der persönlich fromme Kaiser die Reste des Heidentums (Tempelzerstörungen, Verbrennung der Sibyllinischen Bücher, endgültiges Verbot der Gladiatorenspiele) sowie häretischer Gruppen (Donatisten), steigerte die Privilegien des Klerus und ließ nur noch katholische Glaubensangehörige zum Hofdienst zu. Ein Schisma in Rom (418-419) entschied Honorius in eigener Verfügungsgewalt zugunsten Bonifatius I.

Literatur:
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RE VIII, 2277-2291 - A. Demandt, Die Spätantike Röm. Geschichte von Diocletian bis Justinian (HAW, 1989), 137 ff.



Thiele, Andreas: Tafel 484
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

HONORIUS
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* 384, 423

393 Augustus, 395 Kaiser in Westtrom zu Ravenna, von Stilicho gelenkt; ein weichlicher, nie selbständiger Mann, Westgoten, Vandalen, Alemannen und Franken überrollen die Grenzen: voller Ausbruch der "Völkerwanderung"; 410 erobert Alarich Rom (!), die Westgoten siedeln in Süd-Frankreich. Burgunder, Westgoten und Vandalen werden "Söhne des Kaisers" um den Schein römischer Herrschaft und eines weströmischen Reiches zu wahren; zu Gegen-Kaisern (siehe Rom VIIIb). Afrika macht sich unter seinem Statthalter selbständig; erläßt 422 ein erstes staatliches Papstwahldekret (!); Byzanz wird endgültig dominant ("Nova Roma")

  1. oo MARIA
                  407

  2. oo THERMANTIA
                415

Töchter des Stilicho



Honorius war seit 393 Mitregent seines Vaters, seit 395 auf Grund des väterlichen Testaments Alleinherrscher im Westen des Reiches. Er war ein weichlicher, nie selbständiger Mann. Für ihn regierte als Magister militum der Vandale Stilicho. Als dieser 408 durch eine Hofintrige beseitigt worden war, marschierte Alarich I. mit den Westgoten in Italien ein und eroberte 410 Rom. Constantius III. wurde 420 als Gemahl der Placidia zum Mit-Kaiser erhoben. Bis zum Tode des Honorius drangen immer mehr Barbarenstämme in die Gebiete des Westreiches ein, die Herrschaft in Britannien mußte er aufgeben. Die Residenz des Weströmischen Reiches hatte Honorius schon 403 nach Ravenna verlegt.

Veh Otto: Seite 63
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"Lexikon der römischen Kaiser. Von Augustus bis Iustinianus I. 27 v. Chr. bis 565 n. Chr."

HONORIUS (FLAVIUS H.)
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weströmischer Kaiser 393-423

Geboren am 9. September 384 als jüngerer Sohn Theodosius' I. und mit dem älteren Bruder Arcadius am 23. Januar 393 zum Augustus erhoben, erhielt noch vor dem Tod des Vaters (395) unter der Leitung des Reichsfeldherrn, des Vandalen Stlicho, die Regierung des Westreiches. Er war offenbar eine schwache, von "Beratern" abhängige Natur und überließ den Kampf mit den Germanen, der in der großen Invasion 406 über die Rheinlinie hinweg bis Spanien und in der Einnahme Roms durch den Westgoten-König Alarich I. (24. August 410) den Höhepunkt erreichte, seinen Feldherren, namentlich Stilicho und dem späteren Mitregenten Constantius III., der Usurpatoren wie Konstantin III. und Iovinus beseitigte und die sich bildenden Föderatenstaaten (Westgoten, Burgunder) im Reichsverband erhielt. Constantius' III. rascher Tod und Honorius' Zerwürfnis mit seiner Schwester Galla Placidia verschärften wieder die allegemeine Krise des Westreichs, die Honorius trotz starren Festhaltens an der Legitimität schließlich nicht mehr bannen konnte. Er starb - kinderlos - am 15. August 423 in seiner Residenz Ravenna.
RE VIII 2277, KP III 1212.



Norwich John Julius: Seite 162
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Honorius, der nie eine starke Persönlichkeit gewesen war, geriet vollends aus dem Gleichgewicht. Zunächst bezeugte er seiner Stiefschwester Galla Placidia seine Liebe auf höchst peinliche Art und Weise, indem er sie in aller Öffentlichkeit mit sabbernden Küssen überhäufte. Als er inne wurde, dass seine Zuneigung nicht auf Gegenliebe stieß, wurde er zuerst argwöhnisch, dann eifersüchtig und schließlich offen feindselig. Diese Feindseligkeit blieb nicht auf ihn beschränkt, sondern griff auch auf sein Gefolge über, selbst auf die Leibwache. Daraufhin suchte Galla Placidia in Konstantinopel Zuflucht. Hier erreichte sie die Nachricht, dass Honorius am 26. August 423 im 40. Lebensjahr an Wassersucht gestorben war.
 
 
 
 

    398
  1. oo Maria, älteste Tochter des Stilicho
      x   um 386 407

  2. oo Thermantia, jüngste Tochter des Stilicho
      x   um 390 415
 
 
 
 

Literatur:
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Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 17,91,92,94,95,96,98,100,102,171,344,345,348,350 - Ensslin Wilhelm: Theoderich der Große. F. Bruckmann KG München 1959 Seite 61,104,114,178 - Gottschalk Gisela: Die großen Cäsaren. Ihr Leben, ihre Taten, ihre Zeit. Scherz Verlag Bern und München 1980 Seite 247,257 - Grant, Michael: Der Untergang des Römischen Reiches. Manfred Pawlik Verlagsgesellschaft mbH Herrsching 1988 Seite 33,37,56,76,83,93,95,103,147,150,162,165, 171,174,176,187,207,211,251 - Grant, Michael: Die römischen Kaiser. Von Augustus bis zum Ende des Imperiums. Eine Chronik. Bechtermünz Verlag Augsburg 1977 Seite 326,345,349,353,355-363,369,372,375,379,416 - Gregor von Tours: Fränkische Geschichte. Phaidon Verlag, Essen und Stuttgart 1988 Buch I Kapitel 48; Buch II Kapitel 8,9; Buch X Kapitel 31 - Günther Rigobert: Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion. Militzke Verlag Leipzig 2003 Seite 19,44-46,48,51,52,54-57,59-64,67,68,70,73-75,80, 96,104,121,124,125 - Heuss Alfred: Römische Geschichte. Georg Westermann Verlag Braunschweig 1960 Seite 474,477,483 - Illustriertes LEXIKON DES ALTERTUMS. MECO Verlag GmbH Dreieich 1993 Seite 195 - Lewandowski Herbert Dr.: Römische Sittengeschichte. Hans E. Günther Verlag Stuttgart 1964 Seite 289 - Löwe Gerhard/Stoll Heinrich Alexander: Die Antike in Stichworten. Koehler & Amelang Leipzig 1967 Seite 141- Maschkin N.A.: Römische Geschichte. Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin 1953 Seite 614,618,625-627 - Nack/Wagner: Rom. Land und Volk der alten Römer. Verlag Carl Überreuter Wien 1976 Seite 311-313,316 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Seite 126,132, 142,145-153,161,163 - Riehl Hans: Die Völkerwanderung. Der längste Marsch der Weltgeschichte. W. Ludwig Verlag 1988 Seite 20,23,25,28,30-32,34-42,48,93,170-174,177,179,184, 205,206,234,243 - Schreiber Hermann: Die Hunnen. Attila probt den Weltuntergang. Econ Verlag Wien-Düsseldorf 1990 Seite 133,135,141,147,284 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 484 - Veh Otto: Lexikon der römischen Kaiser. Von Augustus bis Iustinianus I. 27 v. Chr. bis 565 n. Chr. Artemis & Winkler Verlag Düsseldorf/Zürich 1998 Seite 63 -