Jüngerer Sohn des Kaisers
Theodosius
I. der Große aus seiner 1. Ehe mit der Aelia
Flacilla
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 119
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Honorius, weströmischer Kaiser
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* 384, † 423
Konstantinopel Ravenna
Jüngerer Sohn Theodosius‘ des Großen, 386 erstmals Konsul, 393 Augustus, vom Vater auf dem Sterbebett dem Bischof Ambrosius von Mailand und dem Heermeister Stilicho anvertraut (Januar 395). Honorius, der seit 402 im geschützteren Ravenna residierte, war lange von Stilicho abhängig (Ehen mit dessen Töchtern Maria, † 408, und Thermantia; beide kinderlos), schloß sich aber schließlich der antigermanischen Reaktion an, die Stilichos Sturz herbeiführte (408). Zum neuen Vertrauten des Kaisers wurde der General Constantius (III.), den Honorius mit seiner Schwester Galla Placidia vermählte und 421 zum Mitregenten (Augustus) erhob. Er konnte ebensowenig wie vorher Stilicho die West-Provinzen zurückgewinnen; Tiefpunkt der Regierung Honorius‘ war die Einnahme Roms durch Alarich (410), dessen Friedensangebot der Kaiser mehrfach abgelehnt hatte. Die Plünderung der Ewigen Stadt rief zwischen heidnischen und christlichen Denkern heftige Kontroversen hervor (Hieronymus, Orosius, Augustinus). Innenpolitisch bekämpfte der persönlich fromme Kaiser die Reste des Heidentums (Tempelzerstörungen, Verbrennung der Sibyllinischen Bücher, endgültiges Verbot der Gladiatorenspiele) sowie häretischer Gruppen (Donatisten), steigerte die Privilegien des Klerus und ließ nur noch katholische Glaubensangehörige zum Hofdienst zu. Ein Schisma in Rom (418-419) entschied Honorius in eigener Verfügungsgewalt zugunsten Bonifatius‘ I.
Literatur:
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RE VIII, 2277-2291 - A. Demandt, Die Spätantike
Röm. Geschichte von Diocletian bis Justinian (HAW, 1989), 137 ff.
HONORIUS
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* 384, † 423
393 Augustus, 395 Kaiser in Westtrom zu Ravenna, von Stilicho gelenkt; ein weichlicher, nie selbständiger Mann, Westgoten, Vandalen, Alemannen und Franken überrollen die Grenzen: voller Ausbruch der "Völkerwanderung"; 410 erobert Alarich Rom (!), die Westgoten siedeln in Süd-Frankreich. Burgunder, Westgoten und Vandalen werden "Söhne des Kaisers" um den Schein römischer Herrschaft und eines weströmischen Reiches zu wahren; zu Gegen-Kaisern (siehe Rom VIIIb). Afrika macht sich unter seinem Statthalter selbständig; erläßt 422 ein erstes staatliches Papstwahldekret (!); Byzanz wird endgültig dominant ("Nova Roma")
1. oo MARIA
† 407
2. oo THERMANTIA
† 415
Töchter des Stilicho
Veh Otto: Seite 63
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"Lexikon der römischen Kaiser. Von Augustus bis
Iustinianus I. 27 v. Chr. bis 565 n. Chr."
HONORIUS (FLAVIUS H.)
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weströmischer Kaiser 393-423
Geboren am 9. September 384 als jüngerer Sohn
Theodosius'
I.
und mit dem älteren Bruder Arcadius
am 23. Januar 393 zum
Augustus erhoben, erhielt noch vor dem Tod
des Vaters (395) unter der Leitung des Reichsfeldherrn, des Vandalen
Stlicho, die Regierung des Westreiches. Er war offenbar eine schwache,
von "Beratern" abhängige Natur und überließ den Kampf mit
den Germanen, der in der großen Invasion 406 über die Rheinlinie
hinweg bis Spanien und in der Einnahme Roms durch den Westgoten-König
Alarich
I.
(24. August 410) den Höhepunkt erreichte, seinen Feldherren,
namentlich Stilicho und dem späteren Mitregenten Constantius
III., der Usurpatoren wie Konstantin
III. und Iovinus
beseitigte
und die sich bildenden Föderatenstaaten (Westgoten, Burgunder) im
Reichsverband erhielt. Constantius'
III.
rascher Tod und Honorius'
Zerwürfnis mit seiner Schwester Galla Placidia
verschärften
wieder die allegemeine Krise des Westreichs, die Honorius
trotz starren Festhaltens an der Legitimität schließlich nicht
mehr bannen konnte. Er starb - kinderlos - am 15. August 423 in
seiner Residenz Ravenna.
RE VIII 2277, KP III 1212.
Honorius, der nie
eine starke Persönlichkeit gewesen war, geriet vollends aus dem Gleichgewicht.
Zunächst bezeugte er seiner Stiefschwester Galla
Placidia seine Liebe auf höchst peinliche Art und
Weise, indem er sie in aller Öffentlichkeit mit sabbernden Küssen
überhäufte. Als er inne wurde, dass seine Zuneigung nicht auf
Gegenliebe stieß, wurde er zuerst argwöhnisch, dann eifersüchtig
und schließlich offen feindselig. Diese Feindseligkeit blieb nicht
auf ihn beschränkt, sondern griff auch auf sein Gefolge über,
selbst auf die Leibwache. Daraufhin suchte Galla
Placidia in Konstantinopel Zuflucht. Hier erreichte sie die
Nachricht, dass Honorius am 26.
August 423 im 40. Lebensjahr an Wassersucht gestorben war.
398
1. oo Maria, älteste Tochter des Stilicho
x um 386 †
407
2. oo Thermantia, jüngste Tochter des Stilicho
x um 390 †
415
Literatur:
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Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische
Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 17,91,92,94,95,96,98,100,102,171,344,345,348,350
- Ensslin Wilhelm: Theoderich der Große. F. Bruckmann KG München
1959 Seite 61,104,114,178 - Gottschalk Gisela: Die großen
Cäsaren. Ihr Leben, ihre Taten, ihre Zeit. Scherz Verlag Bern und
München 1980 Seite 247,257 - Grant, Michael: Der Untergang
des Römischen Reiches. Manfred Pawlik Verlagsgesellschaft mbH Herrsching
1988 Seite 33,37,56,76,83,93,95,103,147,150,162,165, 171,174,176,187,207,211,251
- Grant, Michael: Die römischen Kaiser. Von Augustus bis zum
Ende des Imperiums. Eine Chronik. Bechtermünz Verlag Augsburg 1977
Seite 326,345,349,353,355-363,369,372,375,379,416 - Gregor von Tours:
Fränkische Geschichte. Phaidon Verlag, Essen und Stuttgart 1988 Buch
I Kapitel 48; Buch II Kapitel 8,9; Buch X Kapitel 31 - Günther
Rigobert: Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion.
Militzke Verlag Leipzig 2003 Seite 19,44-46,48,51,52,54-57,59-64,67,68,70,73-75,80,
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Westermann Verlag Braunschweig 1960 Seite 474,477,483 - Illustriertes
LEXIKON DES ALTERTUMS. MECO Verlag GmbH Dreieich 1993 Seite 195 -
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Herbert Dr.: Römische Sittengeschichte. Hans E. Günther Verlag
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Alexander: Die Antike in Stichworten. Koehler & Amelang Leipzig 1967
Seite 141- Maschkin N.A.: Römische Geschichte. Volk und Wissen
Volkseigener Verlag Berlin 1953 Seite 614,618,625-627 -
Nack/Wagner:
Rom. Land und Volk der alten Römer. Verlag Carl Überreuter Wien
1976 Seite 311-313,316 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg
des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München
1993 Seite 126,132, 142,145-153,161,163 - Riehl Hans: Die Völkerwanderung.
Der längste Marsch der Weltgeschichte. W. Ludwig Verlag 1988 Seite
20,23,25,28,30-32,34-42,48,93,170-174,177,179,184, 205,206,234,243 - Schreiber
Hermann: Die Hunnen. Attila probt den Weltuntergang. Econ Verlag Wien-Düsseldorf
1990 Seite 133,135,141,147,284 - Thiele, Andreas: Erzählende
genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband
2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II
Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 484 - Veh
Otto: Lexikon der römischen Kaiser. Von Augustus bis Iustinianus I.
27 v. Chr. bis 565 n. Chr. Artemis & Winkler Verlag Düsseldorf/Zürich
1998 Seite 63 -