Sohn des N.N.; Neffe der Kaiserin
Verina
und des Gegen-Kaisers
Basilikos
Norwich John Julius: Band I Seite 200
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."
Hauptverantwortlich für den Sturz des Basiliskos
waren jedoch weder Zenon noch
Illos, sondern sein eigener Neffe Harmatios. Dieser
lächerliche junge Mann, in ganz Konstantinopel als Stutzer
und Geck bekannt, war von seinem Onkel trotz der skandalösen
Affäre, die er und Basiliskos'
Frau, seine Tante
Zenonis, unterhielten,
in den Rang eines
Magister militum erhoben worden. Dieser Ernennung
stieg ihm so zu Kopf, dass er als Achilles verkleidet im Hippodrom paradierte.
Als er an der Spitze des Heeres gegen Zenon
und
Illos erschien, luden ihn die beiden
zu Verhandlungen ein. Sie versprachen, ihm das Amt des Prätorianer-Präfekten
und seinem Sohn
den Titel eines Cäsaren zu verschaffen, worauf er sich nur
zu gern auf ihre Seite schlug. So kehrte Zenon
im Juli 477 in die Hauptstadt zurück, ohne dass sich Widerstand geregt
hätte. Der Möchtegern-Augustus, der einmal mehr in die Hagia
Sophia Zuflucht suchte, kapitulierte gegen das Versprechen, sein Blut werde
nicht vergossen; der rechtmäßige Kaiser schickte ihn getreu
seinem Wort mit seiner Familie in die Wildnis Kappadokiens in die Verbannung,
wo im darauffolgenden Winter Kälte und Hunger ihr Los besiegelten.
Zenons früheres
Mißtrauen konzentrierte sich nun auf Harmatios, dessen Arroganz
und Narzißmus ein Ausmaß erreicht hatten, dass man um seinen
Verstand fürchten mußte. Um selbst Prätorianer-Präfekt
zu
werden und seinen Sohn zum Cäsar zu machen, hatte er skrupellos
seinen Onkel Basiliskos und
seine Geliebte hintergangen. Warum sollte er also seinem Kaiser gegenüber
loyal sein, vor allem nachdem der junge Cäsar erwachsen geworden
war? Die Chronisten betonen einhellig, daß Zenon mit seinemk Gewissen
rang, doch stand die Entscheidung bereits fest: Harmatios mußte
weg. Es war nicht schwer, unter dessen vielen Feinden einen Mörder
zu dingen, und die war rasch ausgeführt. Dem Sohn des Toten gegenüber,
der den Namen seines Großonkels Basiliskos
trug, war der Kaiser nachsichtiger: Er wurde bloß seines Ranges und
Titels entkleidet und gezwungen, in den Kirchendienst einzutreten. Ein
paar Jahre später taucht er als Lector in der Kapelle des kaiserlichen
Blachernenpalastes auf, und er beschloß sein leben als Bischof
von Kyzikos. Kann sein, daß ihm die Entlastung von kaiserlicher
Verantwortung durchaus gelegen kam; falls dies zutrifft, kann man es ihm
nicht verübeln.
oo N.N.
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Kinder:
Basiliskos II.
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Literatur:
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Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des
oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München
1993 Band I Seite 200 -